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Land of all
Crewmitglied der Sphinx
für 250 Gold gesucht
dabei seit Apr 2016
#1
Land of all
bespielt von    Greo   Skadi Nordskov
31.03.1822
Mîlui
Land of all
I took a chance to build a world of mine
A one way ticket for another life
On a petrol stained sailboat

31.03.1822 |Greo & Skadi | abends im Wald von Mîlui


Langsam zog Greo sich einen dünnen, halblangen Mantel an und warf einen ruhigen Blick zurück auf das Schiff, dessen Konturen sich klar und finster gegen die Dämmerung abzeichnete. Ein paar vereinzelte Lichter brannten und auch Greo hatte noch ein kleines Öllämpchen bei sich auf einem Felsen stehen, das jedoch nur einen zaghaften Schimmer verstrahlte, der kaum bis zu seinem Oberschenkel reichte. Er atmete tief durch, genoss eine Brise, die ihm das Haar zauste und setzte dann seinen Deckel – pardon, Hut – wieder auf den rechtmäßigen Platz zurück. Er brauchte ein wenig Bewegung. Die lange Zeit auf dem Wasser, die unermüdliche Arbeit im Bauch des Schiffes, all das zehrte langsam an seinen Nerven. Ein bisschen Abwechslung war ihm willkommen. Er wusste noch nicht, wohin es ihn zog. Die Umgebung war ihm nach wie vor weitestgehend unvertraut. Aber er mochte sie gerne erkunden. Greo scharrte etwas mit den Stiefeln auf dem Untergrund und rückte den Gürtel zurecht, in dem er allerlei kleine Gegenstände, wie seine Schafschere mit sich herumtrug. Das Klimpern gefiel ihm nicht. Kurzerhand machte er sich daran zu schaffen die verräterischen Laute zu unterbinden, indem er den Inhalt neu umsortierte. So viel Zeit musste sein.
Mit einem kleinen Satz sprang Skadi aus dem winzigen Beiboot, das sie behutsam über den Sand in Richtung Buschwerk zog. Seit einigen Stunden war die Crew ausgeflogen und nur tröpfchenweise wieder zurück an Board. Lieber nutzte sie die Gelegenheit frühzeitig vom Deck ans Ufer zu verschwinden, ehe sich jemand an ihre Versen heftete und ihr beim ersten Jagdausflug auf Mîlui Gesellschaft leisten wollte. Nachdem Trevor bereits ihre ersten Ambitionen auf der verlassenen Insel zunichte gemacht hatte, war die Nordskov nicht sonderlich erpicht darauf, es wieder mit jemandem zu versuchen. Sie musste sich konzentrieren.  Und das ging nicht, wenn sie alle Nase lang damit beschäftigt war, mit eindringlichen Blicken um Ruhe zu bitten oder einem davon huschenden Trevor hinterher zu rennen wie eine Glucke.
Bemüht leise schob sie somit die kleine Jolle über den Sand in Richtung des dichten Buschwerks. Überdeckte das Schiffchen mit einigen Ästen, ehe sie sich davon entfernte und mit einem letzten prüfenden Blick in den Wald hinein lief.
Nachdem er die Ursache für die störenden Geräusche beseitigt hatte, lächelte er leise in sich rein und löschte die Lampe, die er auf dem Gestein zurückließ. Das war ein bisschen wie früher, wenn er mit den Hunden morgens seine Runden um die Weiden zog und sich nicht verraten wollte. Es bestand immerhin die Gefahr einem gefährlichen Tier über den Weg zu laufen, Buschmännern oder potenziellem Frühstück. Er ahnte nicht, dass sich die Frau-die-mal-ein-Mann-war-und-jetzt-nicht-mehr sich ebenfalls auf den Weg auf eine einsame Unternehmung gemacht hatte. Es wäre ihm nicht in den Sinn gekommen, ihr wie ein lüsterner Bengel nachzulaufen. Er hatte sich ebenfalls zwischen die Büsche gezwängt, mit weichen, fließenden Bewegungen, um möglichst wenig anzuecken und Äste zum Schwingen zu bringen. Er stieg eine kleine Anhöhe hinauf. Ohne es zu wissen, näherte er sich in einem Winkel von etwa neunzig Grad einem Menschen. Er war so auf das Geräusch seiner Schuhe auf dem Untergrund konzentriert, dass ihm ihre Anwesenheit entging. Greo hatte den Kopf zum Blätterdach über sich gerichtet. Das war ein Fehler. Sein Stiefel glitt über einen schmierigen Rest Holz, der schon im Begriff war gänzlich zu verfaulen. Er stürzte mit einem überraschten Laut rücklings hinab, konnte noch die Arme schützend über den Kopf reißen und schlitterte, polterte, drehte sich schmerzhaft den Hügel hinunter – direkt auf Skadi zu.
Vorsichtig zog sich Skadi im Gehen die Schuhe von den Füßen. Genoss den kühlen Waldboden an den Sohlen und zwischen den Zehen. Spürte bereits wie jede Vibration durch ihre Beine rauschte und ihre Schritte fast lautlos werden ließ. In einer fließenden Bewegung verknotete sie die ledernen Lappen an ihrem Hüftholster und schlich in leichten Drehungen und Biegungen ihres Körpers durch das Unterholz. Gewöhnte sich allmählich an das schummrige Zwielicht, das sich durch das dichte Blattwerk über ihr immer mehr verdunkelte. Es war genau die richtige Zeit für eine Jagd. Der Moment zwischen Tag und Nacht, wo das Leben erneut erwachte. Ungesehen von den Augen der Menschen, die sich in ihre Häuser zurück zogen und den wilden Tieren endlich jenen Raum zurück gaben, der einst ihr Eigentum gewesen war.
Mit gesenktem Kopf begab sich Skadi bereits wenige Meter vom Waldrand entfernt in die Hocke. Prüfte mit ausgestrecktem Arm ein kleine Spur im Waldboden, die sie beinahe übersehn hätte. Fuhr die Ränder sorgsam mit den Fingerspitzen nach und zog skeptisch die Augenbrauen zusammen. Irgendetwas musste die Tiere bis an den Rand des Wald gescheucht haben. Etwas Großes und... Schweres. Doch noch ehe sie sich weitreichende Gedanken darum machen konnte, hallte ein erschrockener Laut durch das Unterholz. Näherte sich der Nordskov mit einem unerwarteten Tempo und rauschte einer dunklen Kanonenkugel gleich durch den Busch wenige Meter neben ihr. Mit entsetztem Blick hechtete der schmale Körper voraus und beobachtete wie der hoch gewachsene Körper Greos endlich zum Stillstand kam. Mit pochendem Herzen starrte sie auf den Hut, der einige Armlängen weiter gerollt war und lautlos zur Seite kippte. Blickte dann erst auf den Hünen zurück, dessen Mantel wie eine Schlange wild um ihn gewickelt war. Erst als sie bereits einige Schritte auf ihn zuging, erkannte sie das Gesicht und atmete erleichtert ein. Zumindest kannte sie den Unruhestifter - wenn auch nicht so gut, wie sie es gerne hätte.
"Hey... hast du dir weh getan?" Mit erhobener Augenbraue ließ sich die Dunkelhaarige neben dem Kameraden in die Hocke nieder. Reicht ihm helfend eine Hand und musterte das bärtige Gesicht.
Bei seinem Sturz war er auf das Steißbein geprallt und ein heißer Schmerz schoss seine Wirbelsäule hoch. Er konnte sich allerdings nicht darauf konzentrieren, denn während er über Stock und Stein hinwegrutschte, musste er irgendwie die kleinen Zweige abwehren, die ihm ins Gesicht peitschten und wie hinterhältig nach seinen Augen haschten. Das Hemd kräuselte sich hoch und ballte sich unter seinen Achseln, der Mantel hatte sich fast übergestülpt und klemmte ihm irgendwie die Arme fest. Herrje, so was war ihm aber lange nicht mehr passiert. Wo war sein Hut, wo, wo? Verwirrt und mit schwummrigen Kopf verharrte er reglos auf der Stelle, die Beine in einem dornigen Geäst verhakt und kurz verwundert darüber, dass er bis auf Schürfwunden wahrscheinlich nichts Übleres zu vermelden hatte. Seine Sicht musste sich erst wieder zusammensetzen und er zuckte trotz seiner Verwirrung alarmiert zusammen, als sich etwas näherte und über ihn beugte. Er strampelte, hing aber weiter fest und rammte sich die Dornen durch die Hose die Beine entlang. Dann keuchte er, ließ den Kopf zurück auf den Boden fallen und glubschte zu der Frau hoch. Die kannte er doch? Oder hatte er Halluzinationen?
Ihm fiel mehr als eine Person ein, die bei seinem Auftritt in Lachen ausgebrochen wäre (er selbst hätte vielleicht auch ein Schmunzeln nicht unterdrücken können), aber er war dankbar, dass sie ruhig blieb und sich Hilfe erteilend nach seinem Befinden erkundete.
„Ah, ich glaube, ich lebe.“, würge er hervor, wischte sich mit einer Hand über das Haar, das ein paar Blätter eingesammelt hatte und ergriff mit der anderen langsam ihre Hand, um sich hochhelfen zu lassen. War das das erste Mal, das er sie berührte? Greo mied Kontakt nicht grundsätzlich, war aber gerade bei Frauen eher reserviert. Ausnahme war Shanaya, die kannte er einfach schon zu gut. Er zog sich hoch, verlor dabei seinen Schuh im Buschwerk und kam lahm auf die Füße. Sein Hintern pochte. Ein unangenehmes Gefühl. Zaghaft klopfte er sich ab. Der Dreck kümmerte ihn nicht, aber er wollte gucken, ob noch alles in Ordnung war. „Danke.“, sagte er, schaute Skadi etwas unbeholfen an und ging dann auf alle Viere, um seinen Stiefel hervorzukramen. Als er ihn endlich hatte, zog sich ein blutiger Striemen über sein Kinn. Ärgerlich wischte er ihn ab und hielt ein wenig dümmlich den Stiefel in der Hand. Ihm war das ein bisschen peinlich. „Ich wollte dich nicht attackieren.“, sagte er, um den Moment zu überbrücken, glotzte auf ihre Füße und zog kurzerhand auch seinen zweiten Stiefel aus. Das schien besser zu sein.
Wie er so strampeln im Gebüsch hing, hatte schon etwas von einer Schildkröte. Die langen Arme und Beine von sich gestreckt ohne die geringste Chance aus der Falle heraus zu kommen, die ihn gefangen hielt. Dass er noch lebte war angesichts des freien Falls, in den er sich begeben hatte vielleicht keine Selbstverständlichkeit. Mit einem kurzen Seitenblick verfolgte Skadi seine Spur zurück und den Hügel hinauf, bis ihre Sicht kaum mehr als Dunkelheit übrig ließ. Half ihm dann mit einem beherzten Griff wieder auf die Beine und musterte ihn mit schief gelegtem Kopf. Er wirkte reichlich neben sich. Nichts was sie angesichts des heftigen Sturzes verwunderte. Dennoch war es ungewohnt ihn so zu sehen. Auf dem Schiff glich jede seiner Bewegungen einer eingeübten Tanzeinlagen. Vorausgesetzt sein Kopf traf nicht gegen eine niedrig hängende Decke.

“Ich frage mich wer hier wen attackiert hat.“, entgegnete sie seinen Worten mit einem Schmunzeln und lächelte eine Spur breiter als sie kurz einen Schritt voraus setzte und einen winzigen Zweig aus seinen Haaren zupfte. Man, der Wald hatte es wirklich gut mit ihm gemeint.

“Und du hast dir wirklich nichts getan?“ Wieder musterte sie ihn eindringlich von Kopf bis Fuß und warf beiläufig den Zweig zur Seite. Bemerkte wie er sich bereits den verbliebenen Schuh vom Fuß zog und etwas peinlich berührt den Blick auf ihre Füße gesenkt hielt.
Greo betrachtete kurz unschlüssig seine dreckigen Hände und wischte sie dann schulterzuckend kurzerhand an der Hose ab. Das Kind war schließlich schon in den Brunnen gefallen. „Als ob die Insel nicht erpicht auf meinen Besuch wäre.“ Vielleicht hatte er irgendwelche fremden Götter erbost. Er schaute wieder hoch und registrierte die Bewegung nah an seinem Gesicht, als sie ihm das Haar nach einem Zweig lauste. Er konnte ein leichtes Zurückweichen vor der Nähe nicht verhindern, schenkte ihr aber ein mildes Lächeln. „Ich schätze, das zeigt sich die Tage.“ , meinte er und dachte an lauter blaue Flecken am Rücken. Dann fummelte er aus einem kleinen Beutel an seinem Gürtel ein zusammengerolltes Stück Leinen heraus, das sich als überraschend groß entpuppte, als er es aufschlug und damit eine Art Sack für die Stiefel fabrizierte. Er band sich das Bündel quer über die Schulter, zog einen noten vor seiner Brust fest. Schließlich bückte er sich nach seinem Hut, schüttelte ihn aus und stopfte ihn sich wieder über den Schädel. Er wirkte erleichtert. Ohne Hut war einfach etwas verkehrt. Danach gucke er wieder etwas deplatziert drein und presste die Lippen zusammen. Was sollte er jetzt sagen? Was machte sie hier eigentlich? „Ich wollte eigentlich nur mal schauen, was hier so rumkeucht und fleucht. Ich nehme an, du ebenfalls?“ Das ging ihn nicht die Bohne was an – aber sie konnte ja im Zweifelsfall lügen und ihn schnell wieder loswerden.
Bei seinen Worten musste sie unweigerlich schmunzeln. Ihr selbst war der Gedanken bereits durch den Kopf geschossen, noch bevor sie ihre Worte ausgesprochen und sich an seinen Haaren zu schaffen gemacht hatte. Gut möglich, dass die Insel ihn zurück auf das Schiff bringen wollte, aus Sorge, dass er im Gewimmel der Stadt einen ausgiebigen Fußmarsch entfernt unterging. Sein Zurückweichen nahm sie kommentarlos wahr. Sie hätte womöglich ähnlich reagiert, wenn sie an seiner Stelle gewesen wäre. Berührungen waren etwas, das die Nordskov nur ungern zuließ. Vor allem bei Männern, wie nur einem aufmerksamen Beobachter aufgefallen wäre. Meist sträubten sich sämtliche Härchen auf ihrem Körper, sobald sich auch nur eine Fingerspitze auf ihr niederließ. Greos entschuldigendem Lächeln allerdings begegnete sie mit einem erneuten Schmunzeln. Er sollte nicht das Gefühl haben, dass sie ihm irgendetwas böse nahm. Dafür hätte er sie mutwillig von den Füßen reißen müssen. Und selbst dann hätte sie ihn kaum derart feindselig anfunkeln können, wie sie es bereits bei so manchen Menschen getan hatte.
"Ich würde ja vermuten, dass du deine letzte Ration nicht aufgegessen hast aber.. wir wissen beide, dass das nicht stimmt."
Mit einem Zwinkern wandte sich der hoch gewachsene Körper der Nordskov zur Seite. Beobachtete Greo eine Weile, während er sein Hab und Gut verstaute und dann ebenso unschlüssig stehen blieb wie noch wenige Herzschläge zuvor. Gott, er musste sich wirklich mal etwas entspannen. Gerade als sich der dunkle Haarschopf herum wandte, um den Weg durch das Unterholz wieder aufzunehmen, erhob sich seine dunkle Stimme und ließ sie noch in der Bewegung innehalten. Es war das erste Mal, dass sich jemand für eine Erkundungstour interessierte, der nicht Shanaya hieß und mit hellen blauen Augen beglückt war.
Erst huschte ein deutliches Nicken durch ihren Körper. Wenig später wandte sie sich wieder halb herum und schob einen Daumen zwischen ihre Brust und die Sehne des Bogens, der über ihre Schulter geklemmt war. "So kann man es sagen.", erwiderte sie ruhig und lächelte dann. "So lange wie wir hier ankern will ich etwas Frischfleisch für unsere nächste Reise besorgen. Vielleicht ....willst du mich begleiten?" Wieder sackte ihr Kopf leicht zur Seite, während sie fieberhaft darüber nachdachte, ob Greo sie nur aus reiner Höflichkeit gefragt hatte. "Ich glaube du bist einer der wenigen, der etwas von Tieren versteht."
„Ist das so offensichtlich?“ , murmelte auf den Essens-Kommentar hin, zuckte dann aber schuldig gesprochen die Schultern und schaute sich um. Je dunkler es wurde, desto wohler fühlte er sich. Greo hatte was für Extreme übrig: extreme Hitze, extreme Sonne, aber auch extreme Finsternis. Es hatte einerseits etwas Bedrückendes, andererseits etwas Beruhigendes an sich. Er konnte zwar weniger sehen, da die Linien der Umgebung sich in der Dunkelheit nahezu auflösten, aber das hieß, dass er ebenfalls kaum sichtbar war. Er genoss das Gefühl, unsichtbar zu sein. Unbedeutend. Ein Schauder flimmerte über seine Haut. Wie schön waren die Wälder in der Dämmerung. Der Faden dieses Gedankens zerriss, als sie antwortete und verweilte, obwohl sie Anstalten gemacht hatte, sich abzuwenden. Vielleicht war das hier ja eine Möglichkeit wieder mal jemanden aus der Mannschaft ein wenig kennen zu lernen. Schaden konnte es nicht. Greo folgte im schwachen Licht ihrer Bewegung und schaute den Bogen an. Nie hatte er so eine Waffe in der Hand gehabt, geschweige denn bedient. Helfen konnte er ihr also nicht bei der Jagd, er konnte der möglichen Beute lediglich schnell ein Ende bereiten. Er nickte und bedeutete ihr mit einem leichten Wink des Arms voranzugehen. Sie hatte den Bogen, sie war die Jägerin, sie kannte am ehesten den richtigen Pfad. „Kommt auf das Tier an.“ , meinte er und fragte sich, was hier so alles zwischen den Wurzeln kauerte. „Sind ja schließlich überall anders.“
Nun. Wenn man ihn ein wenig beobachtete, konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er mit dem Essen der Sphinx eine innige Beziehung führte. Doch angesichts seiner Größe und der harten Arbeit, die er leistete, ließ sich kaum etwas dagegen sagen. Skadi selbst hätte es ohnehin nicht getan - ihr standen solcherlei Dinge nicht zu. Ganz abgesehen davon, dass sie ihm wie allen anderen auch ohne zu Murren ihren Teil überlassen hätte, wenn es hart auf hart käme. "Wenn man sich für mehr als nur sich selbst interessiert, kann einem das schon auffallen.", erwiderte sie ihrerseits  mit einem Schulterzucken und ohne jegliche Wertung in der Stimme. Es war vielleicht ihrer Ausbildung geschuldet, dass sie ihre Umgebung pausenlos im Blick behielt - zumindest in den meisten Fällen. Vor allem dann, wenn sie sich zwangsläufig zwischen Menschen wiederfand, die allesamt fremd und potentiell gefährlich für sie werden konnten. Nur weil man ihr eine sichere Reise versprach, hieß das noch lange nicht, dass jedes Mitglied der Crew sich strickt daran hielt.
Langsam setzte sich der schmale Körper wieder in Bewegung, als der Hüne mit wenigen Schritten zur ihr aufholte und mit einer Bewegung seines Arms bedeutet voraus zu gehen. "Mag sein." Immer wieder streckte sie ihre Hand voraus, um einen Ast lautlos aus dem Weg zu schieben und wandte sich halb auf den Zehenspitzen herum, damit Greo es ihr gleich tat und sie ihm nicht blind das Geäst ins Gesicht donnerte. Sein Körper sollte nicht noch mehr in Mitleidenschaft gezogen werden, als ohnehin schon.

Eine Weile liefen sie somit in ihrer kleinen Kolonne durch die Dunkelheit. Verursachten kaum einen Laut und verschmolzen regelrecht mit der aufkommenden Geräuschkulisse der anbrechenden Nacht. Skadi musste sich eingestehen, dass sie Greos Leichtfüßigkeit bewunderte. Ebenso erstaunt darüber war, wie umsichtig er sich an den Büschen und Bäumen vorbei schlängelte. Mit erhobener Hand blieb sie zwei Armlängen vor ihm stehen. Lauschte in die Stille hinein, die nur hier und da von ein paar Grillen und einem Vogelruf durchbrochen wurde. Irgendetwas schnüffelte nur wenige Meter vor ihnen im Unterholz. Wurde lauter, ganz als näherte es sich Herzschlag um Herzschlag dem Zweiergespann. Skadi regte sich keinen Millimeter. Blendete das Rauschen in ihren Ohren aus und versuchte in der Dunkelheit die Konturen des wilden Tieres auszumachen. Begann dann in Zeitlupe ihren Bogen vom Oberkörper zu heben und einen Pfeil aus ihrem Köcher zu ziehen.
Es war eine gute Entscheidung gewesen, sich der Stiefel zu entledigen. Mit nackten Füßen konnte er den Boden besser fühlen, sich den Weg in der Dunkelheit sachte ertasten. Er war auch deswegen vorsichtiger, weil er nicht wieder stürzen wollte und sich an zu Hause erinnerte, wo man barfuß schnell mal in etwas reintreten konnte, was potenziell giftig und lebensbedrohlich war. Also sachte voran. Dabei hielt er Abstand zu Skadi, hielt sich etwas geduckt und zog auch wohlweißlich nicht die Schafschere, das einzige, was er hätte als ernsthafte Waffe verwenden konnte. Nicht einmal das kleine Taschenmesser, das er bei sich trug, hatte so lange und scharfe Klingen. Und er glaubte nicht, die Schere jetzt zu brauchen, er ging einfach davon aus, dass Skadi wusste, was sie tat. Mit ihr legte er sich lieber nicht an. Jäger wussten, wo die verletzlichen Adern und Organe lagen. Außerdem war sie ihm noch ein wenig suspekt, weil sie schließlich in Verkleidung rumgelaufen war. Das konnte er ihr nicht verübeln, aber es machte ihn ein wenig skeptisch.
Jetzt allerdings behielt er die Vorsicht vor ihr lediglich im Hinterkopf und konzentrierte sich auf die Jagd. Er nahm die Äste lautlos entgegen, die sie zurückbog und schlich ihr nach. Als sie stehen blieb, verharrte auch er mit flachem, beherrschtem Atem. Interessiert beobachtete er als passiver Teilhaber, ob sie einen Pfeil anlegen und das Tier – was auch immer es war – treffen würde.
Ihr Herzschlag verlangsamte sich mit jedem tiefen Atemzug, den sie zwischen ihren Bewegungen einschob. Konzentrierte sich voll und ganz auf das potentielle Ziel in den Büschen, während Greo im Hintergrund verschwamm. Womöglich hatte sie auf keinen besseren Jagdbegleiter treffen können. Selbst wenn dieser ihr mit reichlich Vorsicht und Skepsis begegnete. Verübeln konnte ihm das keiner. Er teilte diese Ansicht sicherlich mit mehr als einer Hand voll seiner Crew. Doch Skadi hatte weiß Gott andere Probleme als sich um das mangelnde Vertrauen zu sorgen, das man ihr entgegen brachte. Sie wusste, dass sie sich beweisen musste, wenn sie länger auf der Sphinx bleiben wollte. Ebenso gut, dass es eigentlich mehr eine Frage der Zeit denn des "ob überhaupt" war - immerhin hielt sie sich nicht für einen vollkommen unumgänglichen Typ Mensch. Etwas direkt und zuweilen brutal, doch keineswegs falsch.
Ein erneutes Rascheln ließ ihre Augen schmaler zusammen fahren. Jede Faser ihres Körpers kribbelte aufgeregt. War zum Zerreißen gespannt auf das, was sich vor ihnen im Dickicht versteckt hielt. Und doch blieb ihr Bogen locker vor ihrer Brust gen Boden gerichtet. Untätig und lauernd. Solange sie die Anwesenheit eines Menschen nicht ausschließen konnte, würde sie nicht blindlings einen ihrer Pfeile ins Buschwerk jagen. Diesen Fehler hatte sie einmal als junges Mädchen gemacht und für die nächsten Tage als blaue Male auf dem Körper getragen. Ihr Vater hatte vor Wut regelrecht geschäumt. Die Narbe an seinem Arm war aber ohne große Komplikationen verheilt.
Drückende Stille legte sich über das kleine Waldstück. Überzog ihre Körper mit einer dunklen, samtigen Decke, die Skadi augenblicklich die Luft anhalten ließ. Sie spürte, dass es bald soweit sein würde. Straffte bereits ihre Finger um den Bogen... und spannte ihn blitzschnell, als mit ohrenbetäubendem Lärm flatternde Körper aus dem Busch gen Baumkronen stoben. Für ein zwei Herzschläge folgte Skadi einem der großen Vögel mit ihrem Bogen. Ließ dann die Sehne mit einem leisen Zischeln voraus schnellen... und versenkte den Pfeil mit etwas Glück im Leib des langsamsten Tieres.
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Nachrichten in diesem Thema
Land of all - von Skadi Nordskov - 23.05.2019, 22:49
RE: Land of all - von Greo - 13.08.2019, 16:13
RE: Land of all - von Skadi Nordskov - 22.09.2019, 17:42
RE: Land of all - von Greo - 12.01.2020, 14:43

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