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Kapitel 5 - Melodie des Frühlings
Crewmitglied der Sphinx
für 250 Gold gesucht
dabei seit Apr 2016
Wieso verwunderte sie diese Offenbarung nicht im Geringsten? Waren alle Musiker gleich, wenn es um das Thema Spontanität ging? Skadi wandte den Blick kurzweilig voraus, als sie darüber nachdachte. Im Prinzip war dieser Drang nach Flexibilität gleichzusetzen mit dem Bedürfnis nach Freiheit und Unabhängigkeit. Er teilte also allemal dieselben Wünsche wie anderen an Deck der Sphinx. Nichts, was sie mit gut oder schlecht bewerten würde – dafür bestand auch ein Liam aus zu vielen Schichten Persönlichkeit und Erfahrungen. Sie hatte gerade einmal die oberste Schalte sanft mit den Finger abgezogen. Doch war es nicht irgendwie erstaunlich wie leicht ihr Umgang war, wenn man bedachte, wie ihre erste Begegnung verlaufen war? Skadi selbst hatte dank ihm die Morgenwind mit einer blutenden Nase verlassen und zwei Wochen das bunte Feilchen im Gesicht getragen. Liam hingegen hatte schmerzlich seine Glocken läuten hören und ihr Vorhaben, die Schiffskanone Betsi als Waffe gegen die Marine einzusetzen, ziemlich abschätzig bewertet. Generell waren ihre Auffassungen im Kampf vollkommen gegensätzlich gewesen und doch schlenderten sie nun durch Milui, als wäre all das nie passiert. Die Zeit war schon manchmal ein seltsames Konstrukt.

Schlagartig aus den Gedanken gerissen, wandte Skadi den Kopf über die Schulter. Spürte eine Haarsträhne unangenehm an ihrem Augenwinkel kleben, während sie Liam musterte und die Lippen verzog. Gut betuchte Kinder klauten. War die Welt bereits so heruntergekommen, dass das ein Ding der Möglichkeit war? Gott konnten die froh sein, nicht in ihrer Familie aufgewachsen zu sein. So viele Hände konnte kein Mensch vom Körper trennen.

“Ich halte uns beide für schlau genug, um selbst das Elternthema in den Griff zu bekommen.“
Das zuversichtliche Grinsen auf ihren Lippen machte zumindest keinen Hehl daraus, dass sie auf jede erdenkliche Weise damit klar käme. Töten stand vielleicht nicht unbedingt zur Debatte, doch eine kleine Ablenkung bewirkte manchmal wahre Wunder.
Seine Zweideutigkeit in Punkto Spontanität war ihr leider gänzlich entgangen. Viel zu sehr hatte sie sich auf die Möglichkeiten ihrer Vorstellungskraft konzentriert, um die feinen Nuancen seiner Stimmlage und Mimik wahrzunehmen. Und dabei blieb es auch, während sie ihm in die Gasse hinein folgte und dicht an seinen Versen klebte. Die Vorstellung gefiel ihr zunehmend besser, nun auf der anderen Seite einer Verfolgungsjagd zu stehen. Und überhaupt war sie strickt für die richtige Erziehung rebellischer Kinder, da konnte sie nicht einmal mehr aus ihrer Haut. Allerdings beschlich sie das Gefühl nach wie vor, dass Liam etwas andere unter dem Verstand, was sie mit dem Wort „Bestrafung“ verband. Wenn sie sich recht erinnerte, war es nicht der Typ für’s „Grobe“. Womöglich belief sich diese Aktion auch einen Furcht einflößenden Streich, bei dem sie gern als Horrorclown herhielt.

Langsam holte sie auf seine Schulterhöhe auf und reckte den dunklen Schopf in die Gasse hinein. Starrte wie der Lockenkopf auf den schwach erkennbaren Eingang im Boden, der offensichtlich tief hinab ins Herz der Stadt führte. Bisher waren ihr nur wenige dieser Gänge begegnet. Die meisten waren unpassierbar und mit dicken Gesteinsbrocken verschüttet. Doch dieser schien intakt und führte irgendwie als Ader in den Untergrund. Womöglich in die Kanalisation. Skadi wusste es nicht – fragte sich aber, ob sie diese Information alsbald für ihren neuen Rachefeldzug nutzen konnte.

Vorsichtig presste sie sich an Liam vorbei, ging im Laufen immer tiefer in die Hocke, bis sie vor den Treppenstufen zum Stehen kam und mit langsamen Bewegungen hinein blickte. Bisher war kein flackerndes Licht auf dem Boden zu erkennen, was nur bedeutete, dass die Kinder viel tiefer im Gang versteckt waren. Mit einem Grinsen blickte die Nordskov über ihre schmale Schulter zu Liam zurück und bedeutete ihm mit einer Handbewegung, dass er näher kommen sollte.

“Siehst du das da?“, flüsterte sie in die Abgeschiedenheit der Gasse hinein und deutete auf einen kleinen, nur schwer erkennbaren Flaschenzug am Rand des Eingangs.
“Die kleinen Biester sind schlau… wenn du genau hinsiehst kannst du am Boden die dünne Schnur erkennen, die an dem Holzwindspiel zieht, wenn du dagegen läufst. So wissen sie direkt, dass jemand in ihr Geheimversteck hinein platzt.“
Sie kannte diese Art Stolperfalle und hatte sie als Kind liebend gern im Wald aufgestellt. Doch statt eines Holzwindspiels, hatte sie bunte Glasscherben verwendet.

Nur langsam erhob sie sich in eine gebückte Haltung und lief die Treppenstufen hinab. Achtete bei jedem ihrer Schritte peinlichst genau darauf, keine versteckten Fallen auszulösen und stieg fast schon grazil über die aufgespannte Schnur im Türrahmen. Der Gang dahinter lag im Halbschatten und erstreckte sich wie das Maul eines Ungeheuers vor ihnen. Nur am Ende flackerten helle, rote Flecken und markierten wohl den Beginn der kindlichen Festung. Mit einem letzten Blick auf Liam zurück – das Grinsen auf ihren Zügen konnte kaum noch breiter sein, als es sich gerade bis zu ihren Ohren erstreckte – presste sich Skadi in der Hocke gegen die Wand und versuchte sich tief in den schwarzen Schatten zu verstecken. Sollte eines der Plagegeister unvermittelt auftauchen, würde sie so zumindest die Möglichkeit haben, aus dem „Nichts“ agieren zu können.

[Erst in der Seitengasse, dann einem Tunnel unter der Erde | direkt vor Liam]
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RE: Kapitel 5 - Melodie des Frühlings - von Kell Skuason - 08.07.2018, 09:47
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