21.11.2021, 21:21
10. Juni 1822 | Vormittag | Landschaft um Silvestre | Traón & Soula
In der Taverne vor einigen Tagen hatten sich Soula und Tarón unterhalten. Sie konnte dabei einige Crewmitglieder besser kennenlernen und nachdem sie einiges an Alkohol getrunken hatte, wurde sie auch etwas offener. Sie hatte mitbekommen, dass Tarón ein guter Schütze war. Soula konnte bisher nicht wirklich gut mit Waffen umgehen. Das wollte sie aber definitiv ändern. Ihr Dolch war bisher ihr einziger Begleiter, mit dem sie sich aber durchaus zu verteidigen wusste. Sie sah aber ein, dass sie auf See mit diesem Zahnstocher nicht wirklich viel zu bewirken vermochte. Deswegen wollte sie sich unbedingt anders zu Helfen wissen. Deswegen fing sie Tarón auch einige Tage später ab, als sie ihn bei einem Spaziergang außerhalb von Silvestre sah. „Hallo Tarón. Ich wollte dich schon die ganze Zeit fragen. Steht dein Angebot noch, dass du mir zeigst, wie man mit einer Pistole umgeht?“, fragte sie und lächelte. Sie hoffte sehr, dass er sich ihr annahm.
Taróns Blick war – wie so oft – aufs Meer gerichtet, während Calwah sich auf einem Stein in der Nähe mit neuer Sonnenenergie auflud. Der Falke saß auf einem ähnlichen, hing seinen Gedanken nach, die mit dem Wind in die Weite zu schweben schienen.
Erst Soulas Stimme ließ ihn aufblicken. Ein sanftes Lächeln kräuselte nicht nur seine Mundwinkel, sondern auch die ersten Fältchen, die sich über die Jahre um seine Augen gebildet hatten.
„Oh hey, Soula.“
Begrüßte er sie, während seine Augen kurz die Umgebung absuchten – kein Loki, der ihr folgte. Hm. Ihm war schon aufgefallen, dass dieser sich ansonsten auffällig häufig in der Nähe der jungen Frau aufhielt, doch heute schien sie allein unterwegs zu sein.
Der Falke streckte sich kurz, ehe er sich erhob und zu ihr herüber schritt.
„Natürlich. Ich habs dir ja versprochen, aye? Ein Mann – ein Wort.“
Wieder gingen seine Augen prüfend in der Umgebung auf Wanderschaft.
„Wir sollten uns nur einen günstigeren Ort suchen, an dem nicht gleich alles in Panik gerät wenn Kugeln umher fliegen. Hier sind wir noch zu nahe an neugierigen oder nervösen Ohren.“
Und man musste nicht noch mehr Ratten aus ihren Löchern scheuchen, wenn es sich vermeiden ließ. Tarón wandte sich weiter Seeseits.
„Hm – dort hinten gibt es ein Stück Strand, der durch die Klippen geschützt und abgeschnitten ist. Der Hall kann raus aufs Meer entweichen und man sieht uns nicht gleich. Ich denke das könnte funktionieren. Etwas zum zielen üben finden wir schon.“
Teilte er seine Überlegungen.
Die Echse, die sich ganz in der Nähe befand, nahm Soula im ersten Moment gar nicht wirklich war. Sie fixierte sich eher auf Tarón und auf ihre erste eventuelle Lehrstunde. Das Lächeln, das er ihr schenkte, hob noch mehr Soulas Laune und ihre eigenen Mundwinkel hoben sich noch ein wenig mehr. Sie war wirklich froh, dass es, im Gegensatz zu Shanaya , ein paar sehr umgängliche Personen in der Crew gab. Bei ihr war sich Soula nämlich sehr unschlüssig, was sie von ihr halten sollte. Damit wollte sie sich aber jetzt nicht weiter beschäftigen. Sie hoffte eher, dass sie Tarón nicht in seiner Ruhe gestört hatte. Sie selbst konnte ruhige Momente auch sehr genießen. Er schien allerdings direkt einen sehr aktiven Eindruck zu machen, nachdem sie nach der Lehrstunde gefragt hatte. Soula freute sich jetzt schon total darauf, auch wenn die Anfänge sicher schwer werden würden, aber was war denn bitte schon einfach zu Beginn? „Das freut mich wirklich sehr!“, meinte sie direkt und hörte seinen weiteren Worten dann aufmerksam zu.
Es war klar, dass sie die Übungen nicht in der Stadt abhalten konnten. „Ja, das ergibt auf jeden Fall Sinn.“ Tarón hatte auch direkt Vorschläge wo die beiden in Ruhe und recht ungestört üben konnten. „Ich will dir aber nicht deine ganze Munition verballern.“ Soula würde sich dafür definitiv erkenntlich zeigen. Nicht nur dafür, auch, dass sich Tarón für sie Zeit und sich die Geduld nahm, würde sie sich irgendwann in irgendeiner Weise hoffentlich erkenntlich zeigen können. „Das klingt doch nach einem geeigneten Platz. Ich bin ja mal gespannt, ob ich überhaupt etwas treffe. So einfach stelle ich mir das nicht vor.“, trotzdem war sie gewillt ihr Bestes zu geben. Natürlich war es auch nicht besonders klug mit einem Mann an einen recht abgelegenen Ort zu gehen. Allerdings hatten sie alle die Carta unterschrieben und in der geselligen Runde in der Taverne hatte sie durchaus einen gewissen Grad an Vertrauen gegenüber den verschiedenen Mitgliedern aufbauen können. Demnach ging sie recht entspannt mit Tarón in Richtung des Strandes. „Wie lange bist du jetzt schon Teil der Crew?“, fragte sie neugierig.
„Na im Notfall lässt sich sicher noch etwas Ersatzmunition auftreiben, ehe wir ablegen. Ein Nebeneffekt des Übens ist leider, dass man etwas Material opfern muss – mach dir darum nicht zu viele Gedanken.“
Ein paar Übungsschüsse würde sein Munitionsbeutel verkraften – auch wenn der Falke verständlicherweise lieber zu viel, als zu wenig Munition dabei hatte.
„Oh am Ende des tages wirst du etwas getroffen haben – eher hören wir nicht auf. Also gib dir Mühe, sonst wird es ein langer Tag.“
Feixte er gut gelaunt, ehe er sich der Echse auf dem Stein zuwandte und einen leisen Pfiff ausstieß.
„Calwah!“
Die Echse von der Größe einer ziemlich großen Katze, hob den Kopf und wandte ihn zunächst langsam herum, kam dann jedoch recht schnell in Bewegung und rannte zu ihrem Herrn. Dieser beugte den Arm herab, an dem das bunt geschuppte Tier sich hinaufhangelte, um auf seinen Schultern Platz zunehmen.
Während Tarón nun neben der jungen Frau in Richtung ihres Zielortes ging, beäugte das Reptil sie wachsam mit der Zunge züngelnd.
Tarón überlegte kurz.
„Etwas über einen Monat.“
Er schmunzelte.
„Zeit ist eine seltsame Sache – kommt mir tatsächlich schon länger vor. Aber du siehst: vor dir und den anderen war ich der Neue – oder zumindest einer der Neuen. Man gewöhnt sich schnell an den Haufen.“
Er nahm jedoch die Gelegenheit wahr seinerseits etwas mehr über seine Schülerin zu erfahren. Bisher wusste er so gut wie nichts über sie und ihre Beweggründe.
„Wie kommt es eigentlich, dass du und dein Freund mit uns segeln werden?“
Dass sie sich keine Gedanken darüber machen sollte, war zwar nett, aber auch schon etwas zu spät. „Dann würde ich mich aber gerne an den Kosten beteiligen.“ Immerhin war sie nun auch diejenige, die die Munition wohl verschießen würde. Oder? Dann lachte sie auf. „Oh, dann hoffe ich, dass ich bis heute Abend deine Erwartungen erfüllen kann.“ Aber das kam ja vielleicht auch ein bisschen auf den Lehrer an. Naja, vielleicht auch eher ein bisschen auf beides. Immerhin musste Soula auch selber ein gewisses Gespür entwickeln. Sie würde sich aber auf jeden Fall Mühe geben, das konnte sie versprechen. Sonst wäre sie auch gar nicht nochmal auf Tarón zugegangen. Irritiert sah sie dann auf ihn, als er Pfiff, dann auf die Echse, die kurzerhand auf seine Schulter kletterte. Erschrocken machte sie ein zwei Schritte weg und musterte die Echse aufmerksam. „Ist das…“, was? Ein Haustier? Harmlos? „Frisst es dich nervende Menschen?“ In dem Fall müsste Soula wohl wirklich vorsichtig sein. Auch wenn sie ihre Worte gerade alles andere als ernst gemeint hatte. Dann machten sie sich auf den Weg zum Strand hinunter. „Und fühlst du dich wohl in der Mannschaft?“, fragte sie neugierig weiter. Die nächsten Worte sagten darüber aber schon einiges aus. Sie schmunzelte. „Wir waren auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit, um die Insel zu verlassen. Lucien war da recht unkompliziert, bei der Frage, ob wir uns euch anschließen dürfen. Deswegen haben wir das ziemlich schnell entschieden.“, sie zuckte mit den Schultern und spürte inzwischen den Sand unter ihren Füßen. „Also, ich bin bereit.“