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		<title><![CDATA[Inselwelten - 05. April bis 03. Mai 1822 | (V. - VI.)]]></title>
		<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/</link>
		<description><![CDATA[Inselwelten - https://inselwelten.crux-mundi.de]]></description>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2026 12:05:20 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[We make our own Destiny]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1119</link>
			<pubDate>Wed, 18 May 2022 09:12:21 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">We make our own Destiny</div>
<font size=1>Mittag des 06. April 1822 <br />
Aric Rackham & Shanaya Árashi  </font></center><br />
<blockquote><div class="Shanaya">Der letzte Tag des Festes war angebrochen, die Zelte und Stände wurden inzwischen abgebaut, die Händler hatten fast alle Waren schon wieder verstaut, um weiter zu ziehen. Shanaya saß am Ende einer Gasse, auf einem der vielen Fässer, die hier herum standen. Die blauen Augen beobachteten die Männer, die Dinge hin und her schleppten, manchmal ziellos umher irrten und wieder andere standen einfach nur da und taten so, als würden sie etwas tun. Die junge Frau selbst hatte sich den Bauch kurz zuvor vollgeschlagen, nun so papsatt, dass sie lieber ein wenig warten würde, bevor sie sich auf die große Reise machte. Wohin auch immer, das hatte sie noch nicht festgelegt. Das halbe Handbrot, das zwischen ihren Beinen lag, die sie im Schneidersitz angewinkelt hatte, würde jedenfalls mitkommen. Neben all den anderen Leckereien hatte das nun wirklich keinen Platz mehr in ihrem Magen gehabt. Was sie jetzt aber überkam, und auch das würde wohl kaum noch hinein passen, war ein furchtbarer Durst. Für den Moment entschied die Schwarzhaarige sich jedoch dagegen, sich groß zu bewegen. Nur noch ein paar Minuten… bis sie sich nicht mehr fühlte wie eine tragende Seekuh. <br />
Aber auch das Völlegefühl nahm ihr nicht dieses Gefühl, das sie seit einiger Zeit im Nacken spürte. Dieses leichte, prickelnde Gefühl, das man verspürte, wenn man beobachtet wurde. Bei jedem Schritt. Und so kam die junge Frau nicht drum herum, den Blick immer Mal wieder schweifen zu lassen, die Umgebung nach bekannten Gesichtern abzusuchen. Oder eben solchen, die sie ganz offen beobachteten. Aber es schien ruhig, nur die steten Geräusche der Arbeiten. Sonst jedoch nichts ungewöhnliches. </div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">We make our own Destiny</div>
<font size=1>Mittag des 06. April 1822 <br />
Aric Rackham & Shanaya Árashi  </font></center><br />
<blockquote><div class="Shanaya">Der letzte Tag des Festes war angebrochen, die Zelte und Stände wurden inzwischen abgebaut, die Händler hatten fast alle Waren schon wieder verstaut, um weiter zu ziehen. Shanaya saß am Ende einer Gasse, auf einem der vielen Fässer, die hier herum standen. Die blauen Augen beobachteten die Männer, die Dinge hin und her schleppten, manchmal ziellos umher irrten und wieder andere standen einfach nur da und taten so, als würden sie etwas tun. Die junge Frau selbst hatte sich den Bauch kurz zuvor vollgeschlagen, nun so papsatt, dass sie lieber ein wenig warten würde, bevor sie sich auf die große Reise machte. Wohin auch immer, das hatte sie noch nicht festgelegt. Das halbe Handbrot, das zwischen ihren Beinen lag, die sie im Schneidersitz angewinkelt hatte, würde jedenfalls mitkommen. Neben all den anderen Leckereien hatte das nun wirklich keinen Platz mehr in ihrem Magen gehabt. Was sie jetzt aber überkam, und auch das würde wohl kaum noch hinein passen, war ein furchtbarer Durst. Für den Moment entschied die Schwarzhaarige sich jedoch dagegen, sich groß zu bewegen. Nur noch ein paar Minuten… bis sie sich nicht mehr fühlte wie eine tragende Seekuh. <br />
Aber auch das Völlegefühl nahm ihr nicht dieses Gefühl, das sie seit einiger Zeit im Nacken spürte. Dieses leichte, prickelnde Gefühl, das man verspürte, wenn man beobachtet wurde. Bei jedem Schritt. Und so kam die junge Frau nicht drum herum, den Blick immer Mal wieder schweifen zu lassen, die Umgebung nach bekannten Gesichtern abzusuchen. Oder eben solchen, die sie ganz offen beobachteten. Aber es schien ruhig, nur die steten Geräusche der Arbeiten. Sonst jedoch nichts ungewöhnliches. </div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Der Preis der Freundschaft]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1039</link>
			<pubDate>Wed, 24 Nov 2021 09:18:33 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=2">Lucien Dravean</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1039</guid>
			<description><![CDATA[<link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Alex+Brush' rel='stylesheet' type='text/css'><center><font style="font-family: 'Alex Brush', cursive; color: ##6E6E6E; font-size: 35px; line-height: 25px;">Der Preis der Freundschaft</font><br><font style="font-family: Calibri; text-transform: uppercase; color: ##6E6E6E; font-size: 12px; line-height: 12px;"><font style="font-size: 11px;">Später Abend | Unmittelbar nach 'Do what you want 'cause a Pirate is free'</font><br><br><br>Enrique<span style="color: #458B74"> &</span> Lucien<br><font style="font-size: 11px;">15. April 1822 | An Deck der Sphinx</font></font></center><br />
<br />
<blockquote><font color="#4682B4">Ein leichtes Schaudern durchlief ihn bei Lucien Vergleich.<br />
'<i>Aus der Vergangenheit in die Zukunft.</i>'<br />
Aye.<br />
Genau so war es mit diesen Dingen. Und er hatte mehr als genug davon. Aber wollte er wirklich darüber reden?<br />
<br />
Noch musste er sich nicht darüber klar werden, denn er hatte das Thema gewechselt und Lucien stieg darauf ein. Er schaffte es sogar mit dem Scherz zu Enrique durchzudringen. Als dank bekam er ein amüsiertes schnauben und ein leichtes Grinsen zurück.<br />
<br />
"<i>Und welche sollten das sein? Echte Männer haben schließlich keine Probleme.</i>"<br />
<br />
Dann setzte sein Herz für einen Schlag aus, ehe es sich scheinbar nicht mehr rühren konnte.<br />
"<i>... Von meiner Seite her... stünde einer Freundschaft also nichts im Wege. ...</i>"<br />
Eine neue Freundschaft ...<br />
Schmerzhaftes Verlangen schnürte ihm die Kehle zu, während die Verzweiflung ihm sein Herz zerquetschte. Er brauchte—!<br />
Nein, eine neue Freundschaft würde ihn nur erneut verletzen. Immer wieder. Nicht mehr lange und er würde wieder betrogen, verraten oder allein gelassen werden.<br />
<br />
"<i>Ich ...</i>"<br />
<br />
Heiserkeit ließ ihn einen Schluck nehmen, ehe er sich an den Alkohol im Tee entsann. Bitter lag der Rum auf seiner Zunge und brannte sich, voll mit Erinnerungen, seinem Magen entgegen, der sich prompt noch weiter verkrampfte.<br />
<br />
"<i>Mei— Mein Erzeuger war ... Er ist ein beschissener, arroganter Geldsack und kann mir ein für allemal gestohlen bleiben!</i>", gerollte er.<br />
<br />
Nur kurz flammte die Wut auf, doch heftig genug, dass er den Becher mit aller Kraft gegen die Flanke einer Woge donnerte.<br />
Mit einem "Platsch" schlug er auf und verschwand in der Schwärze.<br />
Ein paar gezwungene Atemzüge später war sein Zorn wieder verflogen und er seufzte.<br />
<br />
"<i>Der Mann, von dem ich mir wünschte, dass er mein Vater würde, ruht, genau wie der Mann, der mein Bruder geworden ist — war</i>", jetzt musste er gegen sein Halskratzen anschlucken, "<i>auf dem Meeresgrund. Er — sie können Beide nichts mehr dazu sagen.<br />
Und meine Mutter meinte immer wieder zu mir, hör auf dein Inneres. Wenn es sich gut anfühlt, dann ist es gut für dich. Ich—</i>"<br />
<br />
Schwer musste der Schwarzhaarige mit sich ringen, um die Tränen, die schon in jedem stockenden Atemzug lauerte, unten zu halten.<br />
<br />
"<i>Mein Herz ist momentan viel zu wund, als dass es mir raten würde, irgendwas Neues anzufangen. Aber— Ich—</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">„<i>Ah, ich sehe, jetzt verstehen wir uns.</i>“<br />
<br />
Der kleine Scherz am Rande trug Früchte. Lucien nahm das leichte Grinsen mit einem amüsierten Ausdruck in den grünen Augen zur Kenntnis und spiegelte es kurzerhand mit seinen Worten. Doch die Stimmung kippte rasch wieder. Etwas, das den jungen Captain weder überraschte, noch in irgendeiner Form aus der Ruhe zu bringen schien. Im Gegenteil. Er ließ Enrique vollkommen bereitwillig die Zeit, seine Sprache wieder zu finden, während er mit gelassener Aufmerksamkeit dessen Züge beobachtete und dessen Worten lauschte.<br />
Erst der plötzliche Anflug von Wut überraschte ihn schließlich. Er zuckte nur kurz, nur einen Millimeter vielleicht, als Enrique den Arm hob und ausholte, bevor dessen Becher in den Fluten verschwand. Das leise Platsch, bevor das Geräusch der Wellen ihn verschluckte, ließ Lucien kurz das Gesicht verziehen, doch als sich die Wut des Mannes neben ihm ebenso schnell legte, wie sie zuvor hochkochte, entspannte auch der Jüngere sich rasch. <br />
Am Ende stieß Lucien geräuschvoll die Luft aus, nickte nur flüchtig, bevor er sich bückte und den eigenen Becher zu seinen Füßen abstellte – nur um nach der halb leeren Flasche zu greifen. Wenn Enrique ohnehin nichts abhaben wollte, musste er ja auch nicht sittsam mit Tasse trinken. Andererseits... Zögernd richtete er sich wieder auf.<br />
<br />
„<i>Ich kann dich gut leiden, Enrique. Deshalb will ich so fair sein und gebe dir einen gut gemeinten Rat.</i>“ Er wandte sich dem Älteren zu, ein flüchtiges Lächeln auf den Lippen. „<i>Freundschaft gehört nicht unbedingt zu den Dingen, mit denen ich bisher besonders viele Erfahrungen gemacht hätte. Ich stelle mich mit den meisten Menschen gut, und solange sie mich nicht hintergehen, erwidere ich das. Doch meine bedingungslose Loyalität gehört in dieser und jeder anderen Welt nur einer einzigen Person. Sollte ich, ob Freunde oder nicht, je in meinem Leben vor der Entscheidung stehen, ob ich dein Leben rette oder ihres, gibt es für mich nur eine einzige Antwort.</i>“ <br />
<br />
Damit reichte er ihm die Flasche. Ganz genau darauf achtend, wie sein Gegenüber reagieren würde. <br />
<br />
„<i>Mach das deinem Innersten klar, bevor du dich entscheidest, ob eine Freundschaft mit mir eine gute Idee ist. Du hast alle Zeit der Welt, das ist kein einmaliges Angebot.</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#4682B4">Schmerz und Müdigkeit stand in seinen Augen, als er den Kopf Lucien zuwandte und lauschte.<br />
Entgegen seines Gemütszustandes musste er dann amüsiert schnauben.<br />
Als ob ihm das nicht klar gewesen wäre. Oder es ihm da anders ginge. <br />
Auch in dem darauf folgenden Punkt, stellte er, wieder ernst, fest. Da gab es keine Frage.<br />
Das Lucien ihm die Flasche reichte, irritierte ihn ein wenig, doch er griff danach, teils aus Gewohnheit, die dafür gesorgt hätte, dass er sie an die Lippen gesetzt und so getan hätte, als würde er einen Schluck nehmen, teils aus Überraschung und Neugier.<br />
'<i>Warum?</i>'<br />
Aufmerksam lauschte er den folgenden Worten, die Flasche immer noch an der Position, wo Dravean sie wahrscheinlich eben losgelassen hatte. Die schwarzen Augen verharrten im Anschluss noch eine kleine Weile nachdenklich auf Lucs Gesicht, ehe sie hinabwanderten, die Flasche und das Etikett studierten. Enrique hob sie kurz und roch an der Öffnung. Starker Alkohol, wie erwartet.<br />
Er seufzte, ehe er den Kopf schüttelte und die Flasche zurückreichte.<br />
<br />
"<i>Ich trinke wirklich nur wenn ich muss und dann so wenig wie möglich. Zumindest wenn ich bei klarem Verstand bin.</i>"<br />
<br />
Als ihm klar wurde, wie das klingen mochte, verzog er sardonisch die Lippen.<br />
<br />
"<i>Hättest du sie mir auf Mîlui gereicht, dann hätte das vielleicht anders ausgesehen.</i>"<br />
<br />
Mehr sagte er nicht zu diesem Ausnahmezustand, sondern schob die aufkommenden Emotionen bei Seite.<br />
Dann lehnte er sich wieder auf die Reling und seufzte abermals. Sein Blick blieb auf den Horizont gerichtet, als er dann sprach:<br />
<br />
"<i>Das muss dir auch klar sein. <br />
Sollte ich das Angebot annehmen, dann wird das wahrscheinlich holprig werden und vor dir wird ebenfalls immer eine Frau stehen.</i>"<br />
<br />
Ein sanfter Zug glitt auf seine Lippen, während er den Kopf dann doch wieder dem Grünäugigen zuwandte. <br />
<br />
"<i>Und damit meine ich nicht die Frau, an die du jetzt wahrscheinlich denkst. <br />
Aber vielleicht ist der zweite oder dritte Platz auf dieser Liste ja auch gar nicht so schlecht. Müssten wir wohl ausprobieren. Oder?</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Aufmerksam musternd huschten die grünen Augen über Enriques Gesicht, als der ihm die Flasche abnahm, jedoch keine Anstalten machte, daraus zu trinken. Der 21-Jährige erahnte die Müdigkeit, den tief empfundenen Schmerz in dessen Blick und fragte sich den Bruchteil einer Sekunde lang, welche Vergangenheit wohl ihn in die Gegenwart verfolgte. <br />
Er schob den Gedanken zur Seite, als ein Hauch Belustigung in seinen Blick zurück kehrte und er die Falsche mit einem schiefen Lächeln wieder zurück nahm. Genauso voll wie vorher. <br />
<br />
„<i>Ich wollte es der Höflichkeit halber noch mal angeboten haben.</i>“, erwiderte er gelassen amüsiert und deutete ein Kopfnicken aufs Meer hinaus an. „<i>Da du jetzt ja keinen Becher mehr hast.</i>“<br />
<br />
Damit setzte er die Flasche an die Lippen, zögerte nur einen kurzen Moment, in dem er auf die Bewegungen des Mannes neben sich achtete, ehe er sich einen großzügigen Schluck gönnte. Noch während er trank, huschte ein Lächeln auf seine Lippen, das auch blieb, als Lucien den Alkohol wieder sinken ließ und sein Blick zu Enrique zurück kehrte.<br />
<br />
„<i>Wie könnte ich das von dir verlangen, wenn ich selbst nicht dazu bereit bin? Nein, keine Sorge. Ich erwarte von niemandem irgendetwas. Erst recht nicht, sich für mich völlig aufzuopfern, wenn ich im Gegenzug nicht das gleiche tun würde.</i>“ <br />
<br />
An seinem Platz an der Reling drehte der junge Captain sich um, stützte nun seinerseits die Arme auf das Geländer und ließ den Blick über das Meer wandern. Jetzt, da das geklärt war... wer weiß, vielleicht konnte tatsächlich so etwas wie Freundschaft entstehen? Freundschaft...<br />
<br />
„<i>Wenn es also nicht Skadi ist, an die ich im ersten Moment dachte, welche Frau gibt es dann noch in deinen Leben, die du über jeden anderen stellen würdest.</i>“ <br />
<br />
Lucien neigte den Kopf und warf dem Leutnant einen neugierigen Seitenblick zu.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#4682B4">Höflichkeit ...<br />
Es kam ihm immer noch seltsam vor, soetwas auf einem Piratenschiff vorzufinden. Vor allem sich selbst gegenüber.<br />
Darauf, dass er jetzt keinen Becher mehr hätte, hatte er nur mit einem Achselzucken reagiert.<br />
Und auch bei Luciens Erwiderung blieb sein Blick aufs Meer gerichtet, doch er nickte akzeptiernd. <br />
Die Frage dann überraschte ihn, widersinniger Weise, er hatte sie schließlich provoziert. Ein leises, kurzes Lachen stahl sich von seinen Lippen ehe er zu Lucien schaute. <br />
<br />
"<i>Ja, Skadi ist auf Platz zwei und damit vor dir.</i>"<br />
<br />
Ihm war klar, dass das die Frage nicht beantwortete. Er wollte es durchaus und doch fand er die Worte erst, als seine Augen den nächtlichen Horizont suchten. <br />
<br />
"<i>Die Andere ist der Grund warum ich nicht aufhören kann und werde, egal was das Leben mir nimmt. Immerhin hat sie mir meines damals zurückgegeben, als der Mann, der sich mein Vater schimpft, es mir genommen hatte ...</i>"<br />
<br />
Er seufzte. Bei den Ahnen, wann würde er sie endlich wiedersehen?<br />
<br />
"<I>Ich hoffe nur, dass das, was ich tue, reicht, um das Leben meiner Tochter zu schützen.</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Auf die bedauerliche Nachricht, dass er nach Skadi wohl nur maximal auf Platz drei landen würde, gab Lucien nur ein leises Glucksen von sich und sah den Leutnant dabei auf eine Art und Weise an, die zu sagen schien „<i>damit kann ich leben</i>“. Und konnte er ja auch. Wie gesagt: Er erwartete nicht, bei irgendjemandem an erster Stelle zu stehen, wenn er selbst niemandem diesen Platz einräumte. Niemandem außer Talin. <br />
Er ließ das Thema jedenfalls auf sich beruhen, würde neugierig darauf warten, was die Zukunft brachte und lenkte seine Gedanken auf das, was Enrique ihm schließlich offenbarte. <br />
Im ersten Augenblick konnte der junge Captain nur leicht die Stirn runzeln, hatte Mühe, den sprunghaften Sätzen ihren ganzen Hintergrund zu entlocken. Bis der Ältere zum Ende kam und Luciens Lippen unwillkürlich ein leiser Laut der Überraschung entglitt. Die Flasche Wein baumelte derweil unbeachtet in seiner Hand hin und her. <br />
Er hatte sich den ehemaligen Offizier nie als Vater vorstellen können. Ehrlich gesagt gelang ihm das auch jetzt nicht besonders. Hieße ja auch, es gäbe eine Mutter zu der Tochter und sich das vorzustellen, fiel ihm fast noch schwerer. Es dauerte dementsprechend ein, zwei Herzschläge, bis Lucien seine Fassung wiederfand und auf die Worte seines Gegenübers reagierte. Nun mit hörbar fragendem Unterton.<br />
<br />
„<i>Wieso hast du uns dann nicht gebeten, dich zu ihr zu bringen? Meinst du nicht, du kannst sie besser beschützen, wenn du bei ihr bist?</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#4682B4">Ein leises, heiseres Lachen stahl sich über Enriques Lippen, als er Lucien so entgeistert dreinblicken sah. Er wendete ihm den Kopf weiter zu, ein flüchtiges grinsen auf dem Gesicht.<br />
Die Fragen ließ ihn dann den Kopf schütteln.<br />
<br />
"<i>Nach Esmacil? Als ob!</i>", kam es leicht spöttisch. <br />
"<i>Ich wette, deine Schwester hat alles getan, um uns noch vor dem Schwert zu erwischen. <br />
Dann habt ihr uns versenkt und danach wäre das so ziemlich die verhängnisvollste Richtung gewesen, die ihr hättet einschlagen können. Ich glaube nicht, dass du sie dazu überreden hättest können, einen zwielichtigen Offizier mitten in die Fangarme eines wütenden Riesenkraken zu bringen, der nur darauf wartet. <br />
Und dann war da schließlich noch Feuerbart, den wir auf der einsamen Insel fanden. Wie hätte ich meinen Bruder, einen Piraten, dorthin mitnehmen können?</i>"<br />
<br />
Herausfordernd richtete der 26-jährige sich auf und versenkte seinen Blick in den grünen Iriden seines Gegenübers, als wolle er sagen:<br />
Los, komm, zeig mir, dass ich falsch gedacht habe!<br />
Und Natürlich wäre Cornelis sofort und ohne zu fragen mit ihm in diese Hölle gegangen aber selbst mit Erklärungen war das jetzt nicht mehr möglich. <br />
<br />
"<i>Aber das ist nicht alles. Vorher muss ich noch etwas erledigen und dann hat mir der Wind vielleicht schon Weisung in eine andere Richtung gebracht.</i>"<br />
<br />
Mit einem tiefen Seufzen ließ er sich rücklings gegen die Reling sinken.<br />
<br />
"<i>Ich muss jemanden Tod sehen. Vielleicht auch selbst Hand anlegen, auch wenn ich meine Seele verkauft habe, um  den Attentäter schlechthin auf diesen Schwarzäugigen anzusetzen, der mich besser überall sucht, nur nicht in der Nähe meiner Tochter. Danach, ja, danach ist es vermutlich sicher genug, zu ihr zu gehen.<br />
Bis dahin muss ich darauf vertrauen, dass meine Mutter und meine Abwesenheit sie am Besten beschützen.</i>"<br />
<br />
Über ihnen knarzten Masten und stehendes Gut. Ob sie ihm wohl Antwort auf seine Fragen gäben?<br />
Das Grinsen kehrte zurück und verdrängt einen Teil der Sehnsucht, dann schaute er zu Lucien.<br />
<br />
"<i>Außerdem ist das jetzt auch dein Problem. Ich überlasse es also dir, wann wir nach Netara segeln, um uns mit einem Adligen und dem obersten Richter anzulegen. Brauch nur nicht zu lange, sonst fehlt dir irgendetwann plötzlich ein Teil deiner Crew.</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">So, wie Enrique die ganze Situation beschrieb, in der sie sich damals eher unfreiwillig wiedergefunden hatten, klang nach Esmacil zu segeln tatsächlich nach einer haarsträubenden Idee, sodass Lucien in leiser Zustimmung selbst ein wenig lachen musste. Er begegnete dem Blick des Leutnants, der ihn geradezu herauszufordern schien, ihm zu widersprechen, doch das konnte er an der Stelle gar nicht. Und wollte es auch nicht. Schließlich hatte er Recht – bis auf eine Kleinigkeit. <br />
Lucien erlaubte sich ein Grinsen, hob dabei die Flasche an die Lippen. <br />
<br />
„<i>Du würdest dich wundern, zu was ich meine Schwester alles überreden kann</i>“,<br />
<br />
meinte er mit einem hörbar amüsierten Unterton in der Stimme, bevor er sich einen großzügigen Schluck genehmigte und die tiefgrünen Augen wieder aufs Meer hinaus wanderten. Einen Moment lang weit entfernt. Einen Moment lang tief in Gedanken.<br />
Danach hörte er zunächst nur aufmerksam zu, ließ derweil den Arm mit dem Wein in der Hand wieder aufs Geländer sinken. Im Grunde verstand er die Logik hinter Enriques Verhalten. Wenn seine Anwesenheit seine Tochter in größere Gefahr brächte, war es nur natürlich, Abstand zu halten. Aber er wusste auch, wie schwer es war, jemanden zurückzulassen, den man liebte, den man in seiner Nähe haben wollte. Und er verstand den Drang des Älteren, alles dafür zu tun, um wieder zu seiner Tochter zu gelangen. Alles. Sogar einen Piraten zu erpressen, den er im Augenblick noch seinen Captain nannte. <br />
Auf die Lippen des Dunkelhaarigen stahl sich ein Lächeln und er senkte kurz den Blick auf die Flasche in seiner Hand, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Er hätte den Leutnant problemlos in seine Schranken weisen können, ihn daran erinnern können, ihn besser nicht mit der Wohlfahrt zu verwechseln. Denn nur weil er sich um die unmittelbaren Probleme seiner Mannschaft kümmerte, würde er sich nicht mit deren Lebensaufgaben aufhalten. Die waren nicht seine Sache, außer, sie holten den ein oder anderen bis zur Sphinx ein.<br />
Aber ehrlich gesagt – reizte ihn die Gefahr, nach der Enriques Vorhaben klang. Ganz ähnlich, wie es auch die Wiederbeschaffung von Cornelis‘ Leiche getan hatte. Sich mit der Marine anzulegen, ein anständiger Kampf, das Risiko, dabei drauf zu gehen. Ja. Das war ganz nach seinem Geschmack.<br />
Also genehmigte sich Lucien nur noch einen weiteren Schluck aus seiner Flasche und wandte dann den Kopf, um Enrique anzusehen. In den grünen Augen ein Ausdruck lauernder Wachsamkeit.<br />
<br />
„<i>Als Captain... stehen die Anliegen der Crew für mich weit über denen eines Einzelnen, das sollte dir klar sein. Ich kann also nicht einfach nur für dich nach Netara segeln.</i>“ Ein kleines, amüsiertes Schmunzeln huschte über seine Lippen und in seinen Augen blitzte Abenteuerlust. „<i>Aber sobald uns unser Weg dorthin führt, wird es mir ein Vergnügen sein, dir bei dem, was du vorhast, zu helfen. Als Freund.</i>“</font></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Alex+Brush' rel='stylesheet' type='text/css'><center><font style="font-family: 'Alex Brush', cursive; color: ##6E6E6E; font-size: 35px; line-height: 25px;">Der Preis der Freundschaft</font><br><font style="font-family: Calibri; text-transform: uppercase; color: ##6E6E6E; font-size: 12px; line-height: 12px;"><font style="font-size: 11px;">Später Abend | Unmittelbar nach 'Do what you want 'cause a Pirate is free'</font><br><br><br>Enrique<span style="color: #458B74"> &</span> Lucien<br><font style="font-size: 11px;">15. April 1822 | An Deck der Sphinx</font></font></center><br />
<br />
<blockquote><font color="#4682B4">Ein leichtes Schaudern durchlief ihn bei Lucien Vergleich.<br />
'<i>Aus der Vergangenheit in die Zukunft.</i>'<br />
Aye.<br />
Genau so war es mit diesen Dingen. Und er hatte mehr als genug davon. Aber wollte er wirklich darüber reden?<br />
<br />
Noch musste er sich nicht darüber klar werden, denn er hatte das Thema gewechselt und Lucien stieg darauf ein. Er schaffte es sogar mit dem Scherz zu Enrique durchzudringen. Als dank bekam er ein amüsiertes schnauben und ein leichtes Grinsen zurück.<br />
<br />
"<i>Und welche sollten das sein? Echte Männer haben schließlich keine Probleme.</i>"<br />
<br />
Dann setzte sein Herz für einen Schlag aus, ehe es sich scheinbar nicht mehr rühren konnte.<br />
"<i>... Von meiner Seite her... stünde einer Freundschaft also nichts im Wege. ...</i>"<br />
Eine neue Freundschaft ...<br />
Schmerzhaftes Verlangen schnürte ihm die Kehle zu, während die Verzweiflung ihm sein Herz zerquetschte. Er brauchte—!<br />
Nein, eine neue Freundschaft würde ihn nur erneut verletzen. Immer wieder. Nicht mehr lange und er würde wieder betrogen, verraten oder allein gelassen werden.<br />
<br />
"<i>Ich ...</i>"<br />
<br />
Heiserkeit ließ ihn einen Schluck nehmen, ehe er sich an den Alkohol im Tee entsann. Bitter lag der Rum auf seiner Zunge und brannte sich, voll mit Erinnerungen, seinem Magen entgegen, der sich prompt noch weiter verkrampfte.<br />
<br />
"<i>Mei— Mein Erzeuger war ... Er ist ein beschissener, arroganter Geldsack und kann mir ein für allemal gestohlen bleiben!</i>", gerollte er.<br />
<br />
Nur kurz flammte die Wut auf, doch heftig genug, dass er den Becher mit aller Kraft gegen die Flanke einer Woge donnerte.<br />
Mit einem "Platsch" schlug er auf und verschwand in der Schwärze.<br />
Ein paar gezwungene Atemzüge später war sein Zorn wieder verflogen und er seufzte.<br />
<br />
"<i>Der Mann, von dem ich mir wünschte, dass er mein Vater würde, ruht, genau wie der Mann, der mein Bruder geworden ist — war</i>", jetzt musste er gegen sein Halskratzen anschlucken, "<i>auf dem Meeresgrund. Er — sie können Beide nichts mehr dazu sagen.<br />
Und meine Mutter meinte immer wieder zu mir, hör auf dein Inneres. Wenn es sich gut anfühlt, dann ist es gut für dich. Ich—</i>"<br />
<br />
Schwer musste der Schwarzhaarige mit sich ringen, um die Tränen, die schon in jedem stockenden Atemzug lauerte, unten zu halten.<br />
<br />
"<i>Mein Herz ist momentan viel zu wund, als dass es mir raten würde, irgendwas Neues anzufangen. Aber— Ich—</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">„<i>Ah, ich sehe, jetzt verstehen wir uns.</i>“<br />
<br />
Der kleine Scherz am Rande trug Früchte. Lucien nahm das leichte Grinsen mit einem amüsierten Ausdruck in den grünen Augen zur Kenntnis und spiegelte es kurzerhand mit seinen Worten. Doch die Stimmung kippte rasch wieder. Etwas, das den jungen Captain weder überraschte, noch in irgendeiner Form aus der Ruhe zu bringen schien. Im Gegenteil. Er ließ Enrique vollkommen bereitwillig die Zeit, seine Sprache wieder zu finden, während er mit gelassener Aufmerksamkeit dessen Züge beobachtete und dessen Worten lauschte.<br />
Erst der plötzliche Anflug von Wut überraschte ihn schließlich. Er zuckte nur kurz, nur einen Millimeter vielleicht, als Enrique den Arm hob und ausholte, bevor dessen Becher in den Fluten verschwand. Das leise Platsch, bevor das Geräusch der Wellen ihn verschluckte, ließ Lucien kurz das Gesicht verziehen, doch als sich die Wut des Mannes neben ihm ebenso schnell legte, wie sie zuvor hochkochte, entspannte auch der Jüngere sich rasch. <br />
Am Ende stieß Lucien geräuschvoll die Luft aus, nickte nur flüchtig, bevor er sich bückte und den eigenen Becher zu seinen Füßen abstellte – nur um nach der halb leeren Flasche zu greifen. Wenn Enrique ohnehin nichts abhaben wollte, musste er ja auch nicht sittsam mit Tasse trinken. Andererseits... Zögernd richtete er sich wieder auf.<br />
<br />
„<i>Ich kann dich gut leiden, Enrique. Deshalb will ich so fair sein und gebe dir einen gut gemeinten Rat.</i>“ Er wandte sich dem Älteren zu, ein flüchtiges Lächeln auf den Lippen. „<i>Freundschaft gehört nicht unbedingt zu den Dingen, mit denen ich bisher besonders viele Erfahrungen gemacht hätte. Ich stelle mich mit den meisten Menschen gut, und solange sie mich nicht hintergehen, erwidere ich das. Doch meine bedingungslose Loyalität gehört in dieser und jeder anderen Welt nur einer einzigen Person. Sollte ich, ob Freunde oder nicht, je in meinem Leben vor der Entscheidung stehen, ob ich dein Leben rette oder ihres, gibt es für mich nur eine einzige Antwort.</i>“ <br />
<br />
Damit reichte er ihm die Flasche. Ganz genau darauf achtend, wie sein Gegenüber reagieren würde. <br />
<br />
„<i>Mach das deinem Innersten klar, bevor du dich entscheidest, ob eine Freundschaft mit mir eine gute Idee ist. Du hast alle Zeit der Welt, das ist kein einmaliges Angebot.</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#4682B4">Schmerz und Müdigkeit stand in seinen Augen, als er den Kopf Lucien zuwandte und lauschte.<br />
Entgegen seines Gemütszustandes musste er dann amüsiert schnauben.<br />
Als ob ihm das nicht klar gewesen wäre. Oder es ihm da anders ginge. <br />
Auch in dem darauf folgenden Punkt, stellte er, wieder ernst, fest. Da gab es keine Frage.<br />
Das Lucien ihm die Flasche reichte, irritierte ihn ein wenig, doch er griff danach, teils aus Gewohnheit, die dafür gesorgt hätte, dass er sie an die Lippen gesetzt und so getan hätte, als würde er einen Schluck nehmen, teils aus Überraschung und Neugier.<br />
'<i>Warum?</i>'<br />
Aufmerksam lauschte er den folgenden Worten, die Flasche immer noch an der Position, wo Dravean sie wahrscheinlich eben losgelassen hatte. Die schwarzen Augen verharrten im Anschluss noch eine kleine Weile nachdenklich auf Lucs Gesicht, ehe sie hinabwanderten, die Flasche und das Etikett studierten. Enrique hob sie kurz und roch an der Öffnung. Starker Alkohol, wie erwartet.<br />
Er seufzte, ehe er den Kopf schüttelte und die Flasche zurückreichte.<br />
<br />
"<i>Ich trinke wirklich nur wenn ich muss und dann so wenig wie möglich. Zumindest wenn ich bei klarem Verstand bin.</i>"<br />
<br />
Als ihm klar wurde, wie das klingen mochte, verzog er sardonisch die Lippen.<br />
<br />
"<i>Hättest du sie mir auf Mîlui gereicht, dann hätte das vielleicht anders ausgesehen.</i>"<br />
<br />
Mehr sagte er nicht zu diesem Ausnahmezustand, sondern schob die aufkommenden Emotionen bei Seite.<br />
Dann lehnte er sich wieder auf die Reling und seufzte abermals. Sein Blick blieb auf den Horizont gerichtet, als er dann sprach:<br />
<br />
"<i>Das muss dir auch klar sein. <br />
Sollte ich das Angebot annehmen, dann wird das wahrscheinlich holprig werden und vor dir wird ebenfalls immer eine Frau stehen.</i>"<br />
<br />
Ein sanfter Zug glitt auf seine Lippen, während er den Kopf dann doch wieder dem Grünäugigen zuwandte. <br />
<br />
"<i>Und damit meine ich nicht die Frau, an die du jetzt wahrscheinlich denkst. <br />
Aber vielleicht ist der zweite oder dritte Platz auf dieser Liste ja auch gar nicht so schlecht. Müssten wir wohl ausprobieren. Oder?</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Aufmerksam musternd huschten die grünen Augen über Enriques Gesicht, als der ihm die Flasche abnahm, jedoch keine Anstalten machte, daraus zu trinken. Der 21-Jährige erahnte die Müdigkeit, den tief empfundenen Schmerz in dessen Blick und fragte sich den Bruchteil einer Sekunde lang, welche Vergangenheit wohl ihn in die Gegenwart verfolgte. <br />
Er schob den Gedanken zur Seite, als ein Hauch Belustigung in seinen Blick zurück kehrte und er die Falsche mit einem schiefen Lächeln wieder zurück nahm. Genauso voll wie vorher. <br />
<br />
„<i>Ich wollte es der Höflichkeit halber noch mal angeboten haben.</i>“, erwiderte er gelassen amüsiert und deutete ein Kopfnicken aufs Meer hinaus an. „<i>Da du jetzt ja keinen Becher mehr hast.</i>“<br />
<br />
Damit setzte er die Flasche an die Lippen, zögerte nur einen kurzen Moment, in dem er auf die Bewegungen des Mannes neben sich achtete, ehe er sich einen großzügigen Schluck gönnte. Noch während er trank, huschte ein Lächeln auf seine Lippen, das auch blieb, als Lucien den Alkohol wieder sinken ließ und sein Blick zu Enrique zurück kehrte.<br />
<br />
„<i>Wie könnte ich das von dir verlangen, wenn ich selbst nicht dazu bereit bin? Nein, keine Sorge. Ich erwarte von niemandem irgendetwas. Erst recht nicht, sich für mich völlig aufzuopfern, wenn ich im Gegenzug nicht das gleiche tun würde.</i>“ <br />
<br />
An seinem Platz an der Reling drehte der junge Captain sich um, stützte nun seinerseits die Arme auf das Geländer und ließ den Blick über das Meer wandern. Jetzt, da das geklärt war... wer weiß, vielleicht konnte tatsächlich so etwas wie Freundschaft entstehen? Freundschaft...<br />
<br />
„<i>Wenn es also nicht Skadi ist, an die ich im ersten Moment dachte, welche Frau gibt es dann noch in deinen Leben, die du über jeden anderen stellen würdest.</i>“ <br />
<br />
Lucien neigte den Kopf und warf dem Leutnant einen neugierigen Seitenblick zu.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#4682B4">Höflichkeit ...<br />
Es kam ihm immer noch seltsam vor, soetwas auf einem Piratenschiff vorzufinden. Vor allem sich selbst gegenüber.<br />
Darauf, dass er jetzt keinen Becher mehr hätte, hatte er nur mit einem Achselzucken reagiert.<br />
Und auch bei Luciens Erwiderung blieb sein Blick aufs Meer gerichtet, doch er nickte akzeptiernd. <br />
Die Frage dann überraschte ihn, widersinniger Weise, er hatte sie schließlich provoziert. Ein leises, kurzes Lachen stahl sich von seinen Lippen ehe er zu Lucien schaute. <br />
<br />
"<i>Ja, Skadi ist auf Platz zwei und damit vor dir.</i>"<br />
<br />
Ihm war klar, dass das die Frage nicht beantwortete. Er wollte es durchaus und doch fand er die Worte erst, als seine Augen den nächtlichen Horizont suchten. <br />
<br />
"<i>Die Andere ist der Grund warum ich nicht aufhören kann und werde, egal was das Leben mir nimmt. Immerhin hat sie mir meines damals zurückgegeben, als der Mann, der sich mein Vater schimpft, es mir genommen hatte ...</i>"<br />
<br />
Er seufzte. Bei den Ahnen, wann würde er sie endlich wiedersehen?<br />
<br />
"<I>Ich hoffe nur, dass das, was ich tue, reicht, um das Leben meiner Tochter zu schützen.</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Auf die bedauerliche Nachricht, dass er nach Skadi wohl nur maximal auf Platz drei landen würde, gab Lucien nur ein leises Glucksen von sich und sah den Leutnant dabei auf eine Art und Weise an, die zu sagen schien „<i>damit kann ich leben</i>“. Und konnte er ja auch. Wie gesagt: Er erwartete nicht, bei irgendjemandem an erster Stelle zu stehen, wenn er selbst niemandem diesen Platz einräumte. Niemandem außer Talin. <br />
Er ließ das Thema jedenfalls auf sich beruhen, würde neugierig darauf warten, was die Zukunft brachte und lenkte seine Gedanken auf das, was Enrique ihm schließlich offenbarte. <br />
Im ersten Augenblick konnte der junge Captain nur leicht die Stirn runzeln, hatte Mühe, den sprunghaften Sätzen ihren ganzen Hintergrund zu entlocken. Bis der Ältere zum Ende kam und Luciens Lippen unwillkürlich ein leiser Laut der Überraschung entglitt. Die Flasche Wein baumelte derweil unbeachtet in seiner Hand hin und her. <br />
Er hatte sich den ehemaligen Offizier nie als Vater vorstellen können. Ehrlich gesagt gelang ihm das auch jetzt nicht besonders. Hieße ja auch, es gäbe eine Mutter zu der Tochter und sich das vorzustellen, fiel ihm fast noch schwerer. Es dauerte dementsprechend ein, zwei Herzschläge, bis Lucien seine Fassung wiederfand und auf die Worte seines Gegenübers reagierte. Nun mit hörbar fragendem Unterton.<br />
<br />
„<i>Wieso hast du uns dann nicht gebeten, dich zu ihr zu bringen? Meinst du nicht, du kannst sie besser beschützen, wenn du bei ihr bist?</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#4682B4">Ein leises, heiseres Lachen stahl sich über Enriques Lippen, als er Lucien so entgeistert dreinblicken sah. Er wendete ihm den Kopf weiter zu, ein flüchtiges grinsen auf dem Gesicht.<br />
Die Fragen ließ ihn dann den Kopf schütteln.<br />
<br />
"<i>Nach Esmacil? Als ob!</i>", kam es leicht spöttisch. <br />
"<i>Ich wette, deine Schwester hat alles getan, um uns noch vor dem Schwert zu erwischen. <br />
Dann habt ihr uns versenkt und danach wäre das so ziemlich die verhängnisvollste Richtung gewesen, die ihr hättet einschlagen können. Ich glaube nicht, dass du sie dazu überreden hättest können, einen zwielichtigen Offizier mitten in die Fangarme eines wütenden Riesenkraken zu bringen, der nur darauf wartet. <br />
Und dann war da schließlich noch Feuerbart, den wir auf der einsamen Insel fanden. Wie hätte ich meinen Bruder, einen Piraten, dorthin mitnehmen können?</i>"<br />
<br />
Herausfordernd richtete der 26-jährige sich auf und versenkte seinen Blick in den grünen Iriden seines Gegenübers, als wolle er sagen:<br />
Los, komm, zeig mir, dass ich falsch gedacht habe!<br />
Und Natürlich wäre Cornelis sofort und ohne zu fragen mit ihm in diese Hölle gegangen aber selbst mit Erklärungen war das jetzt nicht mehr möglich. <br />
<br />
"<i>Aber das ist nicht alles. Vorher muss ich noch etwas erledigen und dann hat mir der Wind vielleicht schon Weisung in eine andere Richtung gebracht.</i>"<br />
<br />
Mit einem tiefen Seufzen ließ er sich rücklings gegen die Reling sinken.<br />
<br />
"<i>Ich muss jemanden Tod sehen. Vielleicht auch selbst Hand anlegen, auch wenn ich meine Seele verkauft habe, um  den Attentäter schlechthin auf diesen Schwarzäugigen anzusetzen, der mich besser überall sucht, nur nicht in der Nähe meiner Tochter. Danach, ja, danach ist es vermutlich sicher genug, zu ihr zu gehen.<br />
Bis dahin muss ich darauf vertrauen, dass meine Mutter und meine Abwesenheit sie am Besten beschützen.</i>"<br />
<br />
Über ihnen knarzten Masten und stehendes Gut. Ob sie ihm wohl Antwort auf seine Fragen gäben?<br />
Das Grinsen kehrte zurück und verdrängt einen Teil der Sehnsucht, dann schaute er zu Lucien.<br />
<br />
"<i>Außerdem ist das jetzt auch dein Problem. Ich überlasse es also dir, wann wir nach Netara segeln, um uns mit einem Adligen und dem obersten Richter anzulegen. Brauch nur nicht zu lange, sonst fehlt dir irgendetwann plötzlich ein Teil deiner Crew.</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">So, wie Enrique die ganze Situation beschrieb, in der sie sich damals eher unfreiwillig wiedergefunden hatten, klang nach Esmacil zu segeln tatsächlich nach einer haarsträubenden Idee, sodass Lucien in leiser Zustimmung selbst ein wenig lachen musste. Er begegnete dem Blick des Leutnants, der ihn geradezu herauszufordern schien, ihm zu widersprechen, doch das konnte er an der Stelle gar nicht. Und wollte es auch nicht. Schließlich hatte er Recht – bis auf eine Kleinigkeit. <br />
Lucien erlaubte sich ein Grinsen, hob dabei die Flasche an die Lippen. <br />
<br />
„<i>Du würdest dich wundern, zu was ich meine Schwester alles überreden kann</i>“,<br />
<br />
meinte er mit einem hörbar amüsierten Unterton in der Stimme, bevor er sich einen großzügigen Schluck genehmigte und die tiefgrünen Augen wieder aufs Meer hinaus wanderten. Einen Moment lang weit entfernt. Einen Moment lang tief in Gedanken.<br />
Danach hörte er zunächst nur aufmerksam zu, ließ derweil den Arm mit dem Wein in der Hand wieder aufs Geländer sinken. Im Grunde verstand er die Logik hinter Enriques Verhalten. Wenn seine Anwesenheit seine Tochter in größere Gefahr brächte, war es nur natürlich, Abstand zu halten. Aber er wusste auch, wie schwer es war, jemanden zurückzulassen, den man liebte, den man in seiner Nähe haben wollte. Und er verstand den Drang des Älteren, alles dafür zu tun, um wieder zu seiner Tochter zu gelangen. Alles. Sogar einen Piraten zu erpressen, den er im Augenblick noch seinen Captain nannte. <br />
Auf die Lippen des Dunkelhaarigen stahl sich ein Lächeln und er senkte kurz den Blick auf die Flasche in seiner Hand, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Er hätte den Leutnant problemlos in seine Schranken weisen können, ihn daran erinnern können, ihn besser nicht mit der Wohlfahrt zu verwechseln. Denn nur weil er sich um die unmittelbaren Probleme seiner Mannschaft kümmerte, würde er sich nicht mit deren Lebensaufgaben aufhalten. Die waren nicht seine Sache, außer, sie holten den ein oder anderen bis zur Sphinx ein.<br />
Aber ehrlich gesagt – reizte ihn die Gefahr, nach der Enriques Vorhaben klang. Ganz ähnlich, wie es auch die Wiederbeschaffung von Cornelis‘ Leiche getan hatte. Sich mit der Marine anzulegen, ein anständiger Kampf, das Risiko, dabei drauf zu gehen. Ja. Das war ganz nach seinem Geschmack.<br />
Also genehmigte sich Lucien nur noch einen weiteren Schluck aus seiner Flasche und wandte dann den Kopf, um Enrique anzusehen. In den grünen Augen ein Ausdruck lauernder Wachsamkeit.<br />
<br />
„<i>Als Captain... stehen die Anliegen der Crew für mich weit über denen eines Einzelnen, das sollte dir klar sein. Ich kann also nicht einfach nur für dich nach Netara segeln.</i>“ Ein kleines, amüsiertes Schmunzeln huschte über seine Lippen und in seinen Augen blitzte Abenteuerlust. „<i>Aber sobald uns unser Weg dorthin führt, wird es mir ein Vergnügen sein, dir bei dem, was du vorhast, zu helfen. Als Freund.</i>“</font></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Dein Verlust ist mein Gewinn]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1025</link>
			<pubDate>Tue, 10 Aug 2021 10:06:42 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=2">Lucien Dravean</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1025</guid>
			<description><![CDATA[<link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Alex+Brush' rel='stylesheet' type='text/css'><center><font style="font-family: 'Alex Brush', cursive; text-transform: lowercase; color: ##6E6E6E; font-size: 35px; line-height: 25px;">Dein Verlust ist mein Gewinn</font><br><font style="font-family: Calibri; text-transform: uppercase; color: ##6E6E6E; font-size: 12px; line-height: 12px;"><font style="font-size: 11px;">Unmittelbar nach <a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=864">In our Time of Need</a></font><br><br><br>Rúnar<span style="color: #458B74"> &</span> Lucien<br><font style="font-size: 11px;">03. Mai 1822 | in der Nacht zum 04. Mai | Mannschaftsdeck, Lazarett</font></font></center><br />
<br />
<blockquote><font color="#458B74">Lucien war geblieben, bis Shanaya den Blonden für die anschließende Prozedur vorbereitet und Nadel und Faden von ihrem Captain zurückverlangt hatte. Danach verabschiedete er sich unter dem Vorwand, nach Skadi und Liam sehen zu wollen – und nach allen anderen, die diese Nacht vielleicht oder vielleicht auch nicht überlebt hatten. Denn ehrlich gesagt war so ziemlich alles leichter zu ertragen, als mit anzusehen, wie sich eine Nadel durch halbwegs unversehrte Haut bohrte und dabei einen blutigen Faden hinter sich her zog. Ein Anblick, auf den der 21-Jährige getrost verzichten konnte. <br />
Sein Weg führte ihn jedoch nicht weit. Keine paar Meter entfernt hockte eine der trostlosen Gestalten, die sie auf ihrer Flucht eingesammelt hatten, und starrte halb amüsiert und halb abwesend in das Gewusel um ihn herum. Die einen verletzt, die anderen damit beschäftigt, jene zu versorgen. Ein eiliges Hin und Her Rennen, Material zusammensuchen, Verbandszeug und Wasser beschaffen. <br />
Lucien zögerte in seiner Bewegung, warf nur kurz noch einen Blick hinüber zum Lazarett und erkannte mit großer Gewissheit, dass er dort eher hinderlich als hilfreich war. Also lenkte er seine Schritte um und näherte sich der blassen Gestalt, blieb nur ein, zwei Meter von ihm entfernt stehen und musterte das unvertraute Gesicht. „<i>Alles klar bei dir?</i>“ Seine Stimme war vollkommen neutral. Nicht besorgt, aber auch nicht gänzlich gleichgültig. „<i>Hat sich jemand deine Verletzungen angesehen?</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#96CDCD">Rúnar sprang sofort auf, als er angesprochen wurde. Mehr reflexartig als alles andere, denn seine frisch versorgten Wunden waren ihm dabei nicht besonders dankbar.<br />
Der Mann, der vor ihm stand, wirkte, als verbrachte er schon einige Zeit auf See. Etwas ausgehungert, etwas abgehärtet.<br />
Rúnar schnaubte ein kleines Lachen. "<i>Ja, soweit ist alles klar, vielen Dank. Auch, wenn ich mir meinen Abend gänzlich anders ausgemalt hatte.</i>" Ganz zu schweigen, von den Albträumen, die ihn wahrscheinlich heimsuchen würden. Er spürte wie ihm etwas schwindelig wurde und stütze sich mit der Hand an der Wand ab. "<i>Ich hab sie selbst versorgt. Aber jemand darf sie sich gerne nochmal ansehen. Ich bin nicht wirklich... geübt darin.</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Lucien musste trotz der angespannten Situation ein Schmunzeln unterdrücken, als der Fremde wie angestochen aufsprang. Zwar schwankte er einen Augenblick später schon – mehr, als durch das bloße Schaukeln des Schiffes üblich – aber zumindest konnte er noch aufrecht stehen. Es war um ihn vermutlich also nicht ganz so schlimm bestellt, wie um den ein oder anderen von ihnen. <br />
„<i>Glaub mir, das haben wir alle</i>“, erwiderte der Dunkelhaarige und warf dabei einen Blick über die Schulter, wo Skadi noch damit beschäftigt war, Liam zusammenzuflicken. „<i>Gregory ist unser Schiffsarzt,</i>“ fuhr er nach kurzem Zögern fort und richtete die grünen Augen wieder auf den Blassen. „<i>Geh nachher einfach zu ihm, wenn er mit dem Gröbsten durch ist. Falls du noch so lange warten kannst.</i>“ Eine halbe Frage schwang in seinen Worten mit, auf die er im Grunde jedoch keine Antwort erwartete. Er stellte mit kühlem Gleichmut das Wohl der Crew über das eines Fremden, wenn auch weniger, weil ihn das Schicksal jedes einzelnen berührte, sondern vielmehr, weil das in der Natur der Dinge lag. Und er ging wie selbstverständlich davon aus, dass diese Tatsache seinem Gegenüber bewusst war, weshalb er ohne langes Innehalten fragte: „<i>Wie heißt du?</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#96CDCD">"<i>Rúnar Dagur, Sohn von Rúnar</i>", antwortete er und verbeugte sich. "<i>Mit Gregory habe ich schon Bekanntschaft gemacht, danke. Er hat mir die medizinischen Utensilien zur Verfügung gestellt. Andere haben seine Hilfe im Moment eher nötig.</i>" Er vermied es, an dem anderen Mann vorbei in die Runde zu sehen und war recht froh, dass ihm gerade die Sicht auf das Elend versperrt wurde.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Lucien nickte nur leicht. Er schloss aus diesen Worten, dass sein Gegenüber tatsächlich nicht allzu schwer verwundet worden war. Oder aber das Ausmaß seiner Verletzungen herunter spielte, was jedoch nicht sein Problem sein sollte. <br />
Er hakte also nicht weiter nach, ließ die grünen Augen stattdessen ein weiteres Mal musternd über die schlaksige Gestalt wandern – schlanke Züge, blasse Haut, teure Kleidung. Niemand, der das raue Klima der See gewöhnt zu sein schien. „<i>Und was treibt jemanden wie dich auf ein Piratenschiff, Rúnar Dagur?</i>“, fragte er nach. Wobei das 'jemanden wie dich' ganz eindeutig danach klang, als ordnete Lucien seinen Gegenüber gerade in eine gänzlich andere Schublade, als sich selbst. So einfach war es natürlich nicht. War es nie. Aber es half ungemein, herauszufinden, wen er tatsächlich vor sich hatte.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#96CDCD">Rúnar bemerkte den wertenden Ton in der Stimme des anderen Mannes. Natürlich. An dem Abend waren viele Dinge passiert, mit denen er nicht gerechnet hatte, aber damit hatte er gewiss gerechnet. (Obwohl er es sich eben dadurch schwieriger ausgemalt hatte, auf diplomatische Art in einer Piratencrew aufgenommen zu werden. Aber im Gegensatz zu den vorigen Geschehnissen war das hier noch das diplomatischste.) <br />
Rúnars Augen waren rot vom Weinen und von Müdigkeit. Alles schmerzte, nicht nur seine Verletzungen. Er hatte weder die Kraft noch den Nerv aufrecht und würdevoll dazustehen. Aber seine Stimme war bestimmt, als er sagte: "<i>Ich bin auf der Suche nach meinem Vater. Er wurde vor sechs Monaten auf See entführt.</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Für einen kurzen Augenblick erschien Überraschung auf den kantigen Zügen des 21-Jährigen. Dann verzog er die Lippen zu einem flüchtigen Schmunzeln und verschränkte die Arme vor der Brust. Das schmerzhafte Ziehen in seiner Seite, als sich die frische Naht spannte, ignorierte er dabei. Das kurze Stocken in der Bewegung war der einzige Hinweis auf eine Verletzung. <br />
„<i>Das heißt, die Suche nach deinem Vater führte dich auf diese gottverdammte Insel und als dort plötzlich alles in Flammen aufging, bist du auf das nächstbeste Schiff gesprungen, das noch im Hafen lag, und das war... zufällig unseres?</i>“ <br />
Er neigte den Kopf leicht auf die Seite und sein Tonfall wurde milder. „<i>Versteh mich nicht falsch, aber nach allem, was heute passiert ist, bin ich etwas misstrauisch. Auch wenn du nicht wie jemand aussiehst, der mir und meiner Crew bei nächster Gelegenheit die Kehle aufschneiden würde.</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#96CDCD">"<i>Ich verstehe.</i>" Rúnar nickte. "<i>Und ich bin nicht zufällig hier.</i>" Durch eine Reihe an Ereignissen zwar ungewollt -- aber nicht zufällig. "Ich hatte gewartet, bis jemand von euch nach der Feier wieder zum Hafen geht. Das waren Trevor und--" Er verspürte einen kurzen Stich in der Brust. Die anderen beiden waren tot. "<i>--Aspen und der Junge. Auf einem Handelsschiff wollte mich keiner mitnehmen, ich konnte für keine Fahrt bezahlen und meine Hilfe wurde anscheinend entweder nicht gebraucht oder nicht angenommen. Piraten waren also meine nächste und beste Chance weiterzufahren. Als ich Trevor angesprochen habe, kam ich aber nicht einmal dazu mein Anliegen hervorzubringen, da wir da schon angegriffen wurden.</i>" Er zuckte mit den Schultern. "<i>Und jetzt bin ich hier.</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Lucien nickte flüchtig – mehr zum Zeichen, dass er die Geschichte des jungen Mannes nicht weiter hinterfragte. Keine Regung in seiner Mimik verriet derweil, ob ihn der Tod der beiden Mannschaftsmitglieder sonderlich berührte, die Rúnar erwähnte. Stattdessen fuhr er mit nüchterner Tonlage fort: „<i>Du hast Glück. Hier auf dem Schiff können wir jede helfende Hand gut gebrauchen. Hast du irgendwelche Erfahrungen in der Seefahrt? Oder in irgendeinem anderen Bereich, der uns nützen könnte?</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#96CDCD">Rúnar nickte. "<i>Aye. Ich segle seit ich sechs Jahre alt bin. Und meine Familie züchtet Pferde und fängt Wale und Fische, ich bin es gewohnt mit anzupacken -- auch ungemütliche Dinge.</i>" Für einen Moment überlegte Rúnar, ob er -- vor allem infolge der Ereignisse dieses Abends -- hinzufügen sollte, dass Gewalt und Mord nicht dazuzählten, aber um dieses Fass nun aufzumachen hatte er nicht die nötige Kraft. "<i>Und ich bin versiert in Buchhaltung und Diplomatie.</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Unfreiwillig musste Lucien lachen – auch wenn es nur kurz war. „<i>Naja, Diplomatie wirst du bei uns selten brauchen. Wie man heute eindrucksvoll gesehen hat, kommen wir damit nicht besonders weit. Aber ich behalte es im Gedächtnis.</i>“ Den Rest bestätigte er anschließend schlicht mit einem Nicken. Gut. Jemand, der anpacken konnte – was der Dunkelhaarige ihm im ersten Moment nicht zugestanden hätte, sich aber jederzeit gern eines Besseren belehren ließ. „<i>Und wie lange gedenkst du, mit uns zu segeln? Was ist dein nächstes Ziel?</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#96CDCD">Kurz fühlte Rúnar sich vor dem Kopf gestoßen als der andere Mann lachte, aber er musste auf seine Aussage hin lächeln. "<i>Nun, die andere Partei müsste einem ja schon etwas entgegenkommen</i>", sagte er. Der Kopfgeldjäger, der mit einem Säbel auf Rúnar und Trevor losgegangen war hätte ihnen denselben wohl zwischen die Rippen gerammt bevor sie das Wort Diplomatie ganz ausgesprochen gehabt hätten. <br />
"<i>Unbegrenzt?</i>"; sagte Rúnar. "<i>Solange ich ein Bett und Essen -- natürlich im Gegenzug zu Arbeit -- bekomme, bin ich mehr als zufrieden.</i>" Das war noch nicht mal ganz gelogen. Nur die ganze Wahrheit war es auch nicht. Aber er wusste eben nicht wohin mit sich -- außer Heim nach Andalónia. Aber der Weg war zu weit um jetzt schon dorthin zu denken. Erstmal brauchte er jemanden, der ihn von A nach B brachte, was auch immer B war -- nur konnte er nicht mehr einfach nur willkürlich herumfahren, mit dem Wissen, dass er, sobald er einen Fuß von einem Schiff setzte, sein Leben aus nichts anderem bestand, als Tag aus und Tag ein darum zu betteln einen Fuß auf ein anderes Schiff setzen zu dürfen.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Rúnars Antwort ließ seine Mundwinkel erneut amüsiert zucken. „<i>Wohl wahr.</i>“ Der Anflug von Galgenhumor, der in dieser Aussage steckte – ob nun bewusst oder unbewusst – machte ihm den jungen Mann sympathisch. Er beschloss also kurzerhand, ihm die Chance zu geben, um die er bat. Lucien war ohnehin nie besonders lange ‚vorsichtig‘, sondern reagierte dann, wenn es nötig wurde. Und im Fall der Fälle war er bisher stets in der besseren Position gewesen. <br />
Er nickte also. Dieses Mal auf eine Art, die seinen Entschluss unmissverständlich machte. „<i>Du kannst dir eine der leeren Hängematten nehmen. Wir setzen Kurs nach Norden und hoffen auf ein paar friedliche Tage. Ruh dich aus, bis du bereit bist, mit anzupacken, und dann komm nochmal zu mir. Du solltest die Carta unterschreiben, wenn du Teil dieser Crew werden willst</i>“, informierte er ihn ruhig, aber nicht unfreundlich. Immerhin. Drei Mann verloren und drei Mann gewonnen. Bis jetzt.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#96CDCD">Rúnar deutete eine Verbeugung an. "<i>Vielen Dank.</i>" Ein Druck, der auf seiner Brust gelastet war, fiel urplötzlich ab. Ein Druck, der ihn schon so lange belastet hatte, dass er gar nicht mehr bemerkt hatte, dass er überhaupt da war.</font></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Alex+Brush' rel='stylesheet' type='text/css'><center><font style="font-family: 'Alex Brush', cursive; text-transform: lowercase; color: ##6E6E6E; font-size: 35px; line-height: 25px;">Dein Verlust ist mein Gewinn</font><br><font style="font-family: Calibri; text-transform: uppercase; color: ##6E6E6E; font-size: 12px; line-height: 12px;"><font style="font-size: 11px;">Unmittelbar nach <a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=864">In our Time of Need</a></font><br><br><br>Rúnar<span style="color: #458B74"> &</span> Lucien<br><font style="font-size: 11px;">03. Mai 1822 | in der Nacht zum 04. Mai | Mannschaftsdeck, Lazarett</font></font></center><br />
<br />
<blockquote><font color="#458B74">Lucien war geblieben, bis Shanaya den Blonden für die anschließende Prozedur vorbereitet und Nadel und Faden von ihrem Captain zurückverlangt hatte. Danach verabschiedete er sich unter dem Vorwand, nach Skadi und Liam sehen zu wollen – und nach allen anderen, die diese Nacht vielleicht oder vielleicht auch nicht überlebt hatten. Denn ehrlich gesagt war so ziemlich alles leichter zu ertragen, als mit anzusehen, wie sich eine Nadel durch halbwegs unversehrte Haut bohrte und dabei einen blutigen Faden hinter sich her zog. Ein Anblick, auf den der 21-Jährige getrost verzichten konnte. <br />
Sein Weg führte ihn jedoch nicht weit. Keine paar Meter entfernt hockte eine der trostlosen Gestalten, die sie auf ihrer Flucht eingesammelt hatten, und starrte halb amüsiert und halb abwesend in das Gewusel um ihn herum. Die einen verletzt, die anderen damit beschäftigt, jene zu versorgen. Ein eiliges Hin und Her Rennen, Material zusammensuchen, Verbandszeug und Wasser beschaffen. <br />
Lucien zögerte in seiner Bewegung, warf nur kurz noch einen Blick hinüber zum Lazarett und erkannte mit großer Gewissheit, dass er dort eher hinderlich als hilfreich war. Also lenkte er seine Schritte um und näherte sich der blassen Gestalt, blieb nur ein, zwei Meter von ihm entfernt stehen und musterte das unvertraute Gesicht. „<i>Alles klar bei dir?</i>“ Seine Stimme war vollkommen neutral. Nicht besorgt, aber auch nicht gänzlich gleichgültig. „<i>Hat sich jemand deine Verletzungen angesehen?</i>“</font><br />
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<br />
<font color="#96CDCD">Rúnar sprang sofort auf, als er angesprochen wurde. Mehr reflexartig als alles andere, denn seine frisch versorgten Wunden waren ihm dabei nicht besonders dankbar.<br />
Der Mann, der vor ihm stand, wirkte, als verbrachte er schon einige Zeit auf See. Etwas ausgehungert, etwas abgehärtet.<br />
Rúnar schnaubte ein kleines Lachen. "<i>Ja, soweit ist alles klar, vielen Dank. Auch, wenn ich mir meinen Abend gänzlich anders ausgemalt hatte.</i>" Ganz zu schweigen, von den Albträumen, die ihn wahrscheinlich heimsuchen würden. Er spürte wie ihm etwas schwindelig wurde und stütze sich mit der Hand an der Wand ab. "<i>Ich hab sie selbst versorgt. Aber jemand darf sie sich gerne nochmal ansehen. Ich bin nicht wirklich... geübt darin.</i>"</font><br />
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<font color="#458B74">Lucien musste trotz der angespannten Situation ein Schmunzeln unterdrücken, als der Fremde wie angestochen aufsprang. Zwar schwankte er einen Augenblick später schon – mehr, als durch das bloße Schaukeln des Schiffes üblich – aber zumindest konnte er noch aufrecht stehen. Es war um ihn vermutlich also nicht ganz so schlimm bestellt, wie um den ein oder anderen von ihnen. <br />
„<i>Glaub mir, das haben wir alle</i>“, erwiderte der Dunkelhaarige und warf dabei einen Blick über die Schulter, wo Skadi noch damit beschäftigt war, Liam zusammenzuflicken. „<i>Gregory ist unser Schiffsarzt,</i>“ fuhr er nach kurzem Zögern fort und richtete die grünen Augen wieder auf den Blassen. „<i>Geh nachher einfach zu ihm, wenn er mit dem Gröbsten durch ist. Falls du noch so lange warten kannst.</i>“ Eine halbe Frage schwang in seinen Worten mit, auf die er im Grunde jedoch keine Antwort erwartete. Er stellte mit kühlem Gleichmut das Wohl der Crew über das eines Fremden, wenn auch weniger, weil ihn das Schicksal jedes einzelnen berührte, sondern vielmehr, weil das in der Natur der Dinge lag. Und er ging wie selbstverständlich davon aus, dass diese Tatsache seinem Gegenüber bewusst war, weshalb er ohne langes Innehalten fragte: „<i>Wie heißt du?</i>“</font><br />
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<br />
<font color="#96CDCD">"<i>Rúnar Dagur, Sohn von Rúnar</i>", antwortete er und verbeugte sich. "<i>Mit Gregory habe ich schon Bekanntschaft gemacht, danke. Er hat mir die medizinischen Utensilien zur Verfügung gestellt. Andere haben seine Hilfe im Moment eher nötig.</i>" Er vermied es, an dem anderen Mann vorbei in die Runde zu sehen und war recht froh, dass ihm gerade die Sicht auf das Elend versperrt wurde.</font><br />
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<font color="#458B74">Lucien nickte nur leicht. Er schloss aus diesen Worten, dass sein Gegenüber tatsächlich nicht allzu schwer verwundet worden war. Oder aber das Ausmaß seiner Verletzungen herunter spielte, was jedoch nicht sein Problem sein sollte. <br />
Er hakte also nicht weiter nach, ließ die grünen Augen stattdessen ein weiteres Mal musternd über die schlaksige Gestalt wandern – schlanke Züge, blasse Haut, teure Kleidung. Niemand, der das raue Klima der See gewöhnt zu sein schien. „<i>Und was treibt jemanden wie dich auf ein Piratenschiff, Rúnar Dagur?</i>“, fragte er nach. Wobei das 'jemanden wie dich' ganz eindeutig danach klang, als ordnete Lucien seinen Gegenüber gerade in eine gänzlich andere Schublade, als sich selbst. So einfach war es natürlich nicht. War es nie. Aber es half ungemein, herauszufinden, wen er tatsächlich vor sich hatte.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#96CDCD">Rúnar bemerkte den wertenden Ton in der Stimme des anderen Mannes. Natürlich. An dem Abend waren viele Dinge passiert, mit denen er nicht gerechnet hatte, aber damit hatte er gewiss gerechnet. (Obwohl er es sich eben dadurch schwieriger ausgemalt hatte, auf diplomatische Art in einer Piratencrew aufgenommen zu werden. Aber im Gegensatz zu den vorigen Geschehnissen war das hier noch das diplomatischste.) <br />
Rúnars Augen waren rot vom Weinen und von Müdigkeit. Alles schmerzte, nicht nur seine Verletzungen. Er hatte weder die Kraft noch den Nerv aufrecht und würdevoll dazustehen. Aber seine Stimme war bestimmt, als er sagte: "<i>Ich bin auf der Suche nach meinem Vater. Er wurde vor sechs Monaten auf See entführt.</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Für einen kurzen Augenblick erschien Überraschung auf den kantigen Zügen des 21-Jährigen. Dann verzog er die Lippen zu einem flüchtigen Schmunzeln und verschränkte die Arme vor der Brust. Das schmerzhafte Ziehen in seiner Seite, als sich die frische Naht spannte, ignorierte er dabei. Das kurze Stocken in der Bewegung war der einzige Hinweis auf eine Verletzung. <br />
„<i>Das heißt, die Suche nach deinem Vater führte dich auf diese gottverdammte Insel und als dort plötzlich alles in Flammen aufging, bist du auf das nächstbeste Schiff gesprungen, das noch im Hafen lag, und das war... zufällig unseres?</i>“ <br />
Er neigte den Kopf leicht auf die Seite und sein Tonfall wurde milder. „<i>Versteh mich nicht falsch, aber nach allem, was heute passiert ist, bin ich etwas misstrauisch. Auch wenn du nicht wie jemand aussiehst, der mir und meiner Crew bei nächster Gelegenheit die Kehle aufschneiden würde.</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#96CDCD">"<i>Ich verstehe.</i>" Rúnar nickte. "<i>Und ich bin nicht zufällig hier.</i>" Durch eine Reihe an Ereignissen zwar ungewollt -- aber nicht zufällig. "Ich hatte gewartet, bis jemand von euch nach der Feier wieder zum Hafen geht. Das waren Trevor und--" Er verspürte einen kurzen Stich in der Brust. Die anderen beiden waren tot. "<i>--Aspen und der Junge. Auf einem Handelsschiff wollte mich keiner mitnehmen, ich konnte für keine Fahrt bezahlen und meine Hilfe wurde anscheinend entweder nicht gebraucht oder nicht angenommen. Piraten waren also meine nächste und beste Chance weiterzufahren. Als ich Trevor angesprochen habe, kam ich aber nicht einmal dazu mein Anliegen hervorzubringen, da wir da schon angegriffen wurden.</i>" Er zuckte mit den Schultern. "<i>Und jetzt bin ich hier.</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Lucien nickte flüchtig – mehr zum Zeichen, dass er die Geschichte des jungen Mannes nicht weiter hinterfragte. Keine Regung in seiner Mimik verriet derweil, ob ihn der Tod der beiden Mannschaftsmitglieder sonderlich berührte, die Rúnar erwähnte. Stattdessen fuhr er mit nüchterner Tonlage fort: „<i>Du hast Glück. Hier auf dem Schiff können wir jede helfende Hand gut gebrauchen. Hast du irgendwelche Erfahrungen in der Seefahrt? Oder in irgendeinem anderen Bereich, der uns nützen könnte?</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#96CDCD">Rúnar nickte. "<i>Aye. Ich segle seit ich sechs Jahre alt bin. Und meine Familie züchtet Pferde und fängt Wale und Fische, ich bin es gewohnt mit anzupacken -- auch ungemütliche Dinge.</i>" Für einen Moment überlegte Rúnar, ob er -- vor allem infolge der Ereignisse dieses Abends -- hinzufügen sollte, dass Gewalt und Mord nicht dazuzählten, aber um dieses Fass nun aufzumachen hatte er nicht die nötige Kraft. "<i>Und ich bin versiert in Buchhaltung und Diplomatie.</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Unfreiwillig musste Lucien lachen – auch wenn es nur kurz war. „<i>Naja, Diplomatie wirst du bei uns selten brauchen. Wie man heute eindrucksvoll gesehen hat, kommen wir damit nicht besonders weit. Aber ich behalte es im Gedächtnis.</i>“ Den Rest bestätigte er anschließend schlicht mit einem Nicken. Gut. Jemand, der anpacken konnte – was der Dunkelhaarige ihm im ersten Moment nicht zugestanden hätte, sich aber jederzeit gern eines Besseren belehren ließ. „<i>Und wie lange gedenkst du, mit uns zu segeln? Was ist dein nächstes Ziel?</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#96CDCD">Kurz fühlte Rúnar sich vor dem Kopf gestoßen als der andere Mann lachte, aber er musste auf seine Aussage hin lächeln. "<i>Nun, die andere Partei müsste einem ja schon etwas entgegenkommen</i>", sagte er. Der Kopfgeldjäger, der mit einem Säbel auf Rúnar und Trevor losgegangen war hätte ihnen denselben wohl zwischen die Rippen gerammt bevor sie das Wort Diplomatie ganz ausgesprochen gehabt hätten. <br />
"<i>Unbegrenzt?</i>"; sagte Rúnar. "<i>Solange ich ein Bett und Essen -- natürlich im Gegenzug zu Arbeit -- bekomme, bin ich mehr als zufrieden.</i>" Das war noch nicht mal ganz gelogen. Nur die ganze Wahrheit war es auch nicht. Aber er wusste eben nicht wohin mit sich -- außer Heim nach Andalónia. Aber der Weg war zu weit um jetzt schon dorthin zu denken. Erstmal brauchte er jemanden, der ihn von A nach B brachte, was auch immer B war -- nur konnte er nicht mehr einfach nur willkürlich herumfahren, mit dem Wissen, dass er, sobald er einen Fuß von einem Schiff setzte, sein Leben aus nichts anderem bestand, als Tag aus und Tag ein darum zu betteln einen Fuß auf ein anderes Schiff setzen zu dürfen.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Rúnars Antwort ließ seine Mundwinkel erneut amüsiert zucken. „<i>Wohl wahr.</i>“ Der Anflug von Galgenhumor, der in dieser Aussage steckte – ob nun bewusst oder unbewusst – machte ihm den jungen Mann sympathisch. Er beschloss also kurzerhand, ihm die Chance zu geben, um die er bat. Lucien war ohnehin nie besonders lange ‚vorsichtig‘, sondern reagierte dann, wenn es nötig wurde. Und im Fall der Fälle war er bisher stets in der besseren Position gewesen. <br />
Er nickte also. Dieses Mal auf eine Art, die seinen Entschluss unmissverständlich machte. „<i>Du kannst dir eine der leeren Hängematten nehmen. Wir setzen Kurs nach Norden und hoffen auf ein paar friedliche Tage. Ruh dich aus, bis du bereit bist, mit anzupacken, und dann komm nochmal zu mir. Du solltest die Carta unterschreiben, wenn du Teil dieser Crew werden willst</i>“, informierte er ihn ruhig, aber nicht unfreundlich. Immerhin. Drei Mann verloren und drei Mann gewonnen. Bis jetzt.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#96CDCD">Rúnar deutete eine Verbeugung an. "<i>Vielen Dank.</i>" Ein Druck, der auf seiner Brust gelastet war, fiel urplötzlich ab. Ein Druck, der ihn schon so lange belastet hatte, dass er gar nicht mehr bemerkt hatte, dass er überhaupt da war.</font></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Der Preis des Leichtsinns]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1016</link>
			<pubDate>Tue, 06 Apr 2021 10:29:06 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=14">Rayon Enarchea</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1016</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Caveat:wght@500&family=Rubik:wght@400&family=Lobster&family=Noto+Sans+JP:wght@300&family=Lato&display=swap" rel="stylesheet">
<br />
<div style="font-family:Lobster;font-size:2.5em;">Der Preis des Leichtsinns</div>
<div style="font-family:Lato;font-size:0.8em;">Rayon & Skadi | 3. Mai 1822 | Hafen auf Lacrinîn/Hauptdeck der Sphinx</div></div>
<blockquote><div class="Rayon"><span style="color: darkgoldenrod;" class="mycode_color">Er hörte den Kanonendonner und fluchte mit zusammengebissenen Zähnen. Das Geräusch bestätigte seine Befürchtung, dass nicht nur er Opfer eines Angriffs geworden war, sondern die ganze verdammte Hochzeitsfeier eine Falle gewesen sein musste. Nun, vielleicht nicht ursprünglich, aber sie hätten einfach misstrauisch werden müssen, als sie einfach so dazu eingeladen worden waren. Wer zum Teufel wollte eine Gruppe unbekannter Seemänner bei einem so bedeutenden Ereignis dabeihaben? Seemänner waren zumeist ungehobelt, soffen wie ein Fass ohne Boden und konnten sich nicht benehmen. Das war sicherlich das Letzte, das ein Vater am Tag der Vermählung seiner Tochter brauchte. Eigentlich. Viel mehr noch machte er sich allerdings selbst Vorwürfe, weil er sich vom Rest der Crew getrennt hatte, um Kräuter zu sammeln. Damit hatte er sich selbst in Gefahr gebracht, aber es war ihm auch unmöglich gewesen, seinen Kameraden beizustehen, und das nagte an ihm. Hoffentlich hatten alle den Überfall überstanden. Hoffentlich würden sie einfach von der Insel verschwinden können, ohne dass es Verluste gab. Ein Gefühl diffuser Angst überkam ihm bei diesem Gedanken, denn wie wahrscheinlich war es, dass jeder so viel Glück gehabt hatte wie er? Und selbst ihn hätten die Kopfgeldjäger beinahe erwischt, wenn sie nicht diesen Anfängerfehler begangen hätten...<br />
<br />
Der Dunkelhäutige kam dem Hafen immer näher, auch wenn die durch den Streifschuss verursachte Wunde an seinem linken Bein dafür sorgte, dass er leicht humpelte. Glücklicherweise war er bisher auf keine weiteren Feinde getroffen - der Kampf hatte ihn sehr erschöpft und er hatte das Gefühl, sich keine weitere Verzögerung leisten zu können. Im Zweifelsfall würde die Sphinx sogar ohne ihn ablegen müssen, um den Rest der Crew zu retten, wenn er nicht rechtzeitig zurückkehren würde. Er erwartete sogar von ihnen, das zu tun, hoffte aber dennoch, dass es nicht dazu kommen musste.<br />
<br />
Der letzte Abschnitt war gleichzeitig der schwerste und leichteste. Die Erschöpfung nagte an ihm, doch gleichzeitig machte sein Herz einen zaghaft optimistischen Hüpfer, als er die Masten der Sphinx über den Hafengebäuden erblickte. Anscheinend war er noch nicht zu spät - oder VIEL zu spät. Sofort kamen ihm alle möglichen Schreckensszenarios wieder in den Sinn - die Leichen der gesamten Crew verteilt über das Pflaster, die Sphinx in Brand -, doch er wischte die Gedanken entschlossen beiseite. Er segelte mit einigen der fähigsten Männern und Frauen, die er jemals kennengelernt hatte. Sie MUSSTEN den Überfall einfach überstanden haben. Das hatten sie bisher immer getan.<br />
<br />
Schließlich erreichte der Schiffskoch den Hafen, hielt kurz inne, um sich zu orientieren und schöpfte neue Kraft, als er meinte, einige bekannte Umrisse an Deck der Sphinx entdeckt zu haben. Er setzte sich wieder in Bewegung, eilte auf das Schiff zu, als zwei Gestalten aus einer der Seitengassen zu seiner Rechten erschienen. Rayons Muskeln spannten sich an und er griff sofort nach dem Beutel mit den Wurfmessern, doch dann erkannte er, um wen es sich dabei handelte. Er sah erst Trevor an, dann Skadi, und er entspannte sich. Dann jedoch fiel sein Blick auf den leblosen Körper, den die Jägerin in ihren Armen trug.<br />
<br />
Sämtliche Geräusche um ihn herum verstummten. Sein Herz wurde von einer unendlichen Kälte umklammert. Und die Welt versank in einem Sturm aus Verzweiflung.</span></div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Caveat:wght@500&family=Rubik:wght@400&family=Lobster&family=Noto+Sans+JP:wght@300&family=Lato&display=swap" rel="stylesheet">
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<div style="font-family:Lobster;font-size:2.5em;">Der Preis des Leichtsinns</div>
<div style="font-family:Lato;font-size:0.8em;">Rayon & Skadi | 3. Mai 1822 | Hafen auf Lacrinîn/Hauptdeck der Sphinx</div></div>
<blockquote><div class="Rayon"><span style="color: darkgoldenrod;" class="mycode_color">Er hörte den Kanonendonner und fluchte mit zusammengebissenen Zähnen. Das Geräusch bestätigte seine Befürchtung, dass nicht nur er Opfer eines Angriffs geworden war, sondern die ganze verdammte Hochzeitsfeier eine Falle gewesen sein musste. Nun, vielleicht nicht ursprünglich, aber sie hätten einfach misstrauisch werden müssen, als sie einfach so dazu eingeladen worden waren. Wer zum Teufel wollte eine Gruppe unbekannter Seemänner bei einem so bedeutenden Ereignis dabeihaben? Seemänner waren zumeist ungehobelt, soffen wie ein Fass ohne Boden und konnten sich nicht benehmen. Das war sicherlich das Letzte, das ein Vater am Tag der Vermählung seiner Tochter brauchte. Eigentlich. Viel mehr noch machte er sich allerdings selbst Vorwürfe, weil er sich vom Rest der Crew getrennt hatte, um Kräuter zu sammeln. Damit hatte er sich selbst in Gefahr gebracht, aber es war ihm auch unmöglich gewesen, seinen Kameraden beizustehen, und das nagte an ihm. Hoffentlich hatten alle den Überfall überstanden. Hoffentlich würden sie einfach von der Insel verschwinden können, ohne dass es Verluste gab. Ein Gefühl diffuser Angst überkam ihm bei diesem Gedanken, denn wie wahrscheinlich war es, dass jeder so viel Glück gehabt hatte wie er? Und selbst ihn hätten die Kopfgeldjäger beinahe erwischt, wenn sie nicht diesen Anfängerfehler begangen hätten...<br />
<br />
Der Dunkelhäutige kam dem Hafen immer näher, auch wenn die durch den Streifschuss verursachte Wunde an seinem linken Bein dafür sorgte, dass er leicht humpelte. Glücklicherweise war er bisher auf keine weiteren Feinde getroffen - der Kampf hatte ihn sehr erschöpft und er hatte das Gefühl, sich keine weitere Verzögerung leisten zu können. Im Zweifelsfall würde die Sphinx sogar ohne ihn ablegen müssen, um den Rest der Crew zu retten, wenn er nicht rechtzeitig zurückkehren würde. Er erwartete sogar von ihnen, das zu tun, hoffte aber dennoch, dass es nicht dazu kommen musste.<br />
<br />
Der letzte Abschnitt war gleichzeitig der schwerste und leichteste. Die Erschöpfung nagte an ihm, doch gleichzeitig machte sein Herz einen zaghaft optimistischen Hüpfer, als er die Masten der Sphinx über den Hafengebäuden erblickte. Anscheinend war er noch nicht zu spät - oder VIEL zu spät. Sofort kamen ihm alle möglichen Schreckensszenarios wieder in den Sinn - die Leichen der gesamten Crew verteilt über das Pflaster, die Sphinx in Brand -, doch er wischte die Gedanken entschlossen beiseite. Er segelte mit einigen der fähigsten Männern und Frauen, die er jemals kennengelernt hatte. Sie MUSSTEN den Überfall einfach überstanden haben. Das hatten sie bisher immer getan.<br />
<br />
Schließlich erreichte der Schiffskoch den Hafen, hielt kurz inne, um sich zu orientieren und schöpfte neue Kraft, als er meinte, einige bekannte Umrisse an Deck der Sphinx entdeckt zu haben. Er setzte sich wieder in Bewegung, eilte auf das Schiff zu, als zwei Gestalten aus einer der Seitengassen zu seiner Rechten erschienen. Rayons Muskeln spannten sich an und er griff sofort nach dem Beutel mit den Wurfmessern, doch dann erkannte er, um wen es sich dabei handelte. Er sah erst Trevor an, dann Skadi, und er entspannte sich. Dann jedoch fiel sein Blick auf den leblosen Körper, den die Jägerin in ihren Armen trug.<br />
<br />
Sämtliche Geräusche um ihn herum verstummten. Sein Herz wurde von einer unendlichen Kälte umklammert. Und die Welt versank in einem Sturm aus Verzweiflung.</span></div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Like a Letter printed in Red]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=976</link>
			<pubDate>Sun, 11 Oct 2020 17:16:20 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=2">Lucien Dravean</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=976</guid>
			<description><![CDATA[<link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Alex+Brush' rel='stylesheet' type='text/css'><center><font style="font-family: 'Alex Brush', cursive; text-transform: lowercase; color: ##6E6E6E; font-size: 35px; line-height: 25px;">Like a Letter printed in Red</font><br><font style="font-family: Calibri; text-transform: uppercase; color: ##6E6E6E; font-size: 12px; line-height: 12px;"><font style="font-size: 11px;">Auf der Suche nach ein bisschen Ärger</font><br><br><br>Skadi<span style="color: #458B74"> &</span> Lucien<br><font style="font-size: 11px;">06. April 1822 | Abends | Hafenviertel von Mîlui</font></font></center><br />
<br />
<blockquote><font color="#458B74">In dem kleinen Wirtshaus nahe der Hafenanlage war noch nicht viel los. Nur zwei andere, reichlich traurige Gestalten teilten sich den ansonsten leeren, schummrig beleuchteten Schankraum, als der junge Captain von draußen herein kam. Der eine lag mit dem Gesicht auf seinem Tisch, eine Hand an der Flasche, die ihm beim Einschafen geholfen hatte. Der andere saß an einem Platz im hintersten Winkel, wo es noch dunkler war, und zog eine spärlich bekleidete junge Dame mit üppig ausgestattetem Ausschnitt näher an sich. Aber es war auch noch früh am Abend und ehe er sich versah, würde es hier von Seemännern auf Landgang und üblem Gesindel nur so wimmeln. <br />
Im Moment war Lucien die Stille allerdings mehr als Recht. Er schenkte den beiden Fremden keine Beachtung, steuerte die Theke an, hinter der ein gelangweilter Wirt ein paar Bierkrüge trocknete und erst den Blick hob, als der Dunkelhaarige sich mit einem leisen Seufzen auf einen der Barhocker hatte fallen lassen. „<i>Na? Beschissenen Tag gehabt?</i>“ Es stand ihm wohl ins Gesicht geschrieben, denn er ließ Lucien gar keine Zeit, darauf irgendetwas zu erwidern. <br />
Noch während er sprach, stellte er den Krug vor ihm auf die Theke und wandte sich der Rückwand des Ausschankes zu, auf dem sich in einem langen Regal Flasche um Flasche reihten. „<i>Da hilft'n Whisky.</i>“ Der junge Captain zweifelte ganz ernsthaft daran, dass er ausgerechnet hier guten Whisky fand – aber was verstand er schon davon? <br />
<br />
„<i>Schon überredet.</i>“, gab er mit einem fast dankbaren Unterton in der Stimme zurück, wartete kurz, bis der Krug zur Hälfte gefüllt war und der Wirt die Flasche wieder absetzte, bevor er danach griff und ihn an die Lippen hob. Kurz vorher zögerte er jedoch. „<i>Nimm dir auch einen.</i>“ <br />
<br />
Er konnte jetzt gut jemanden gebrauchen, der ihm beim Trinken Gesellschaft leistete. <br />
„<i>Hu, gleich so beschissen, ja?</i>“ Der Wirt verzog kurz mitfühlend die Lippen und schenkte sich dann selbst von seinem Whisky ein. Dann hielt er den Krug hoch und Lucien stieß mit ihm an.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Ziellos steuerte der hoch gewachsenen Körper der Nordskov durch die Straßen Mîluis, ohne die vorbei hetzenden Bewohner auch nur eines Blickes zu würdigen. Eigentlich hatte sich nach ihrer ausgiebigen Jagd in den Wäldern nur deshalb in die Stadt zurück begeben, um sämtliche Gassen, Spielunken und Läden nach dem blonden Lockenkopf abzusuchen, der jedoch unauffindbar schien. Mit einem Seufzen machte Skadi also auf dem Absatz kehrt und schlenderte mit den Gedanken fernab dieser Realität in Richtung Hafen hinab. Blieb unvermittelt vor einer der zahlreichen Tavernen stehen, als ihr ein alter Mann totternd vor die Füße stolperte und ihm nur mit einem weiten Ausfallschritt ausweichen konnte. <br />
Erhobenen Hauptes stakste der hagere Kerl von dannen. Streckte der Dunkelhaarigen mit unverständlichem Gebrabbelt seine Faust entgegen, die Skadi mit einem faszinierten Ausdruck auf den Zügen besah und den dunklen Haarschopf zur Seite kippte. Die Menschen auf dieser Insel hatten doch alle einen an der Waffel. Tief seufzend wandte sie sich wieder zum Gehen und war bereits auf halbem Wege an der Holztür vorbei, als ihr irgendetwas ins Auge fiel. Ein Schatten, der sich binnen weniger Sekunden ins Innere der Taverne schlich und den sie nur knapp aus den Augenwinkeln bemerkt hatte. Mit zusammengezogenen Augenbrauen wandte sich die Nordskov also herum, feilschte mit sich, ob sie dem Impuls nachgeben sollte oder sich lieber zurück auf den Weg zur Sphinx begab. Doch Enrique, ebenso wie Liam würden irgendwo in der Gegend herum schleichen und genauso wenig aufzufinden sein wie Talin. Und irgendwie dürstete es ihre Kehle gerade nach etwas Flüssigem.<br />
Mit einem lauten Knarzen drückte sie die schwere Holztür ins Innere der Taverne. Schlüpfte leise durch die Öffnung und stand etwas irritiert inmitten des leeren Schankraums. Fernab der Innenstadt tummelte man sich wohl erst weit nach Feierabend in den Lokalen und kippte sich Liter für Liter an Rum, Bier und Hochprozentiges hinter die Binde. Einzig und allein drei Gestalten nebst des Barmannes erfüllten den Raum mit, zugegeben, etwas „kläglichem“ Leben. Und doch war es eine bestimmte Silhouette, die ihr verdammt bekannt vorkam. Auf federleichten Füßen schritt die Dunkelhaarige schweigend an den vereinsamten Stühlen und Tischen vorbei. Ließ sich wortlos auf dem Hocker neben Lucien nieder und musterte ihn aus den Augenwinkeln. <br />
<br />
“<i>Wow… das war wohl deine dunkle Wolke vor der Tür, was?</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Als das Knarzen der schweren Eingangstür das Kommen eines weiteren Gastes ankündigte, den das Verlangen nach einer befeuchteten Kehle in die armselige Spelunke gelockt hatte, sah Lucien nicht einmal auf. Er kippte den Whisky hinter, stellte den Krug ab und verzog fast schmerzhaft das Gesicht, als sich der Alkohol durch seinen Mund, seine Kehle und seinen Magen brannte und einen selbst für seine Vorlieben geradezu wiederlich torfigen Geschmack auf seiner Zunge hinterließ. Der erste tat immer weh. <br />
Der Wirt grinste selbstgefällig. "<i>Das Zeug ist verdammt gut, wa? Brennt einem dem Kopf weg.</i>" <br />
Statt ihm darauf eine ehrliche Antwort zu geben, stellte der Dunkelhaarige sein Trinkgefäße unmittelbar in Reichweite des Mannes - oder vielmehr der Flasche auf der Theke. <br />
<br />
"<i>Gib mir einfach noch einen.</i>" <br />
<br />
Der Wirt lachte trocken auf und schenkte nach. In diesem Moment knarzte der Hocker unmittelbar neben Lucien und ließ ihn den Kopf gerade so weit drehen, dass er die Person aus den Augenwinkeln mustern konnte, die sich einfach ungefragt neben ihn setzte. Für einen Herzschlag lag dem jungen Captain eine alles andere als freundliche Begrüßung auf der Zunge - dann erkannte er die schlanke Gestalt neben sich und auf seine Lippen stahl sich ein flüchtiges, aber distanziertes Lächeln. <br />
<br />
"<i>Skadi.</i>" Er griff nach dem inzwischen wieder vollen Krug. "<i>Ich hoffe, du hast sie draußen gelassen. Sie ist gerade nicht sehr willkommen..</i>", erwiderte er mit einem Anflug von Selbstironie. „<i>Willst du auch einen?</i>“ <br />
<br />
Mit einem leichten Kopfnicken wies er auf die Flasche, die der Wirt noch immer in der Hand hielt. Wohl in Erwartung dessen, ob die junge Frau den Mumm hatte, sein Gebräu zu probieren.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Lucien kippte sich das Zeug wie Saft in den Rachen. Entweder hatte er einen Stahlmagen oder eine sehr hohe Schmerzgrenze. Manchmal fragte sich Skadi, wieso es Menschen immer wieder zum Alkohol hin trug. Er machte nichts auf Dauer besser, zugegeben aber auch nicht zwangsläufig schlimmer. Ganz offensichtlich war jedoch, dass man für einen kurzen Augenblick den Berg an Problemen vergaß, den man mit Unmengen an Spanngurten am Rücken mit sich herum trug. Als er ihren Namen über seinen Lippen gleiten ließ, wandte sie den dunklen Schopf ein wenig mehr herum und spürte, wie sich bereits ein sanftes Zucken in ihren Mundwinkeln einnistete. <br />
<br />
“<i>Sie hat sich mit meiner in eine dunkle Gasse verzogen und wird wohl die nächsten Stunden reichlich beschäftigt sein.</i>“ <br />
<br />
Ob sie ihn gerade aufmuntern und zu einem Lachen bewegen wollte? Womöglich war das ein Teil des Planes, den ihr Unterbewusstsein gerade vor sich hin schmiedete. Doch nichts davon kam an die Oberfläche, während sie zu dem Barmann hinauf blickte und bei Luciens Frage nickte. Wenn das Zeug genauso ungenießbar war wie das, was sie sich mit Talin hinter die Binde gekippt hatte, konnte sie sich den Rest des Tages mal wieder getrost klemmen. Aber hey… wenn ihr Captain dafür mal diese schlechte Miene ablegte, sollte ihr das Recht sein. Und angesichts dessen, was in 2 Tagen auf sie wartete, war sie ohnehin gewillt den Gedanken daran vorerst zu verdrängen.<br />
<br />
“<i>Ich bin nicht hier um Tee zu trinken.</i>“ <br />
<br />
Wobei ihr ein Bier auch vollkommen ausgereicht hätte. Geräuschvoll sauste der zweite Krug auf den Tresen. Füllte sich Herzschlag um Herzschlag mit dem rotbraunen Getränk, bis Skadi ihn in eine Hand nahm und anhob. <br />
<br />
“<i>Skål.</i>“ <br />
<br />
Alles was folgte war ein kurzer Seitenblick. Dann rann bereits der Alkohol brennend ihre Kehle hinab und ließ sie kurz schmerzvoll das Gesicht verziehen. Der Geschmack war absolut widerlich. <br />
<br />
“<i>Wow… ihr Draveans steht wirklich auf hartes Zeug.</i>“, gestand die Dunkelhaarige unter einem kurzen Husten und schenkte dem Barmann ein verzogenes Lächeln, der lachend auf ihren Ausrutscher reagierte.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Die mehr als zweideutige Antwort der jungen Frau entlockte Lucien ein ehrliches Lachen. Sie kam ihr mit einer solch unverfälschten Leichtigkeit über die Lippen, die ihm wieder einmal zeigte, dass sie die gleiche Art von unschicklichem Humor teilten. Das, was die feinen Herrschaften pikiert die Nase rümpfen und ein unschuldiges Bauernmädchen erröten ließ. Zumindest das ein oder andere auf Kelekuna. <br />
<br />
"<i>Hört, hört...</i>" <br />
<br />
Mit einem unmissverständlich Wink der freien Hand bedeutete er dem Wirt, Skadi auf seine Kosten einen Krug Whisky einzuschenken und griff aus der gleichen Bewegung heraus nach der Geldkatze an seinem Gürtel. Darin gerade genug Geld, um einen sehr erfüllten Abend zu verbringen. Das klimperne Ledersäckchen landete vor dem Wirt auf dem Thresen, damit der ja nicht auf die Idee kam, ihre Kehlen trocken werden zu lassen, dann griff der Dunkelhaarige wieder nach seinem Krug, drehte sich auf seinem Hocker leicht seiner neuen Gesellschaft zu und hob auf ihren Trinkgruß hin seinen eigenen Whisky. (Dass es ein Trinkspruch war, schloss er rein intuitiv aus ihrer damit einher gehenden Gestik. Er kannte ihn nämlich nicht.) Der scharfe Schnapps brannte sich ein weiteres Mal durch seine Kehle, entlockte Lucien ein leichtes Schaudern. Aber er tat schon nicht mehr so weh, wie der erste.<br />
Fast simultan kehrten die beide Krüge auf die Theke zurück und ohne Umschweife machte sich der Wirt daran, sie wieder zu füllen. Zunächst den Luciens, dann hielt er über dem Skadis inne und warf ihr einen belustigt fragenden Blick zu. "<i>Na, noch einen?</i>" Auch die tiefgrünen Augen des jungen Captains wanderten zu der Jägerin zurück. Er zweifelte nicht daran, dass sie die kleine Herausforderung annehmen würde, die im der Stimme des bärtigen Mannes gelegen hatte. <br />
<br />
"<i>Früh übt sich.</i>", erwiderte er schließlich auf ihre Feststellung zu ihm und seiner Schwester. Ein kleines Schmunzeln lag dabei auf seinen Lippen. Dann jedoch kehrte er zu ihren Begrüßungsworten von vorhin zurück. "<i>Was ist denn der Grund für deine 'dunkle Wolke'.</i>" <br />
<br />
Er hatte schon so eine leise Ahnung...</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Sein Lachen vibrierte im Raum, durch ihren eigenen Kehlkopf und rückte die schlaffen Rippen in ihrem Brustkorb zurecht. Ein Schmunzeln legte sie auf die feinen Züge der Jägerin. Strahlte für einen Herzschlag bis in die dunklen Augenpaare hinauf, ehe sie sich dem angebotenen Krug zuwandte und unter dem herben Geschmack des Rums die Mundwinkel verzog. <br />
Wie zu erwarten erntete sie einen amüsierten Blick, den sie fast schon stur entgegnete. Ihre Kehle brannte und jammerte. Doch sie würde sich weiß Gott nicht nachsagen lassen, dass sie ob dieser Tatsache den nicht vorhandenen Schwanz einzog. Zwar würde sie selbst dann noch ihr Gesicht wahren, wenn sie die Öffnung des Kruges mit ihrer flachen Hand verschloss und klar stellte, dass sie lieber den guten Fusel trank, statt sich noch einmal dieses Zeug in den Rachen zu schieben. Doch eine leise Stimme in ihr flüsterte ihr etwas zu, was stark danach klang, sich dem Angebot hinzugeben. Nicht um sich zu beweisen, sondern um des Captains Willen. Was auch immer DAS schon wieder bedeuten sollte. <br />
<br />
“<i>Könntest du denn einer Lady wirklich etwas abschlagen?</i>“, entgegnete die Nordskov dem Wirt mit einem verschmitzten Lächeln und nickte dann mit einem Augenzwinkern bestätigend auf seine Frage. <br />
<br />
Ganz sicher hielt sie sich weder für eine Lady, noch für jemanden, dem man besonders gefallen wollte. Ihr Leben lang hatte es wenn überhaupt nur einen Mann gegeben, der ihr das so offen ins Gesicht gesagt hatte. Und der weilte seit 5 Jahren schon nicht mehr auf dieser Erde. Skadi machte also keinen Hehl daraus, dass sie um diesen Umstand wusste. Es interessierte sie auch schlichtweg nicht. Schön zu sein war kein Talent – Menschen bedeuteten weit mehr als ihre bloße Hülle.<br />
<br />
“<i>Ich sollte mir merken, nie mit euch in einen Wettstreit zu treten. Sonst liege ich noch wehrlos unter dem Tisch.</i>“ <br />
<br />
Für einen kurzen Augenblick musterte sie den Dunkelhaarigen aus den Augenwinkeln. Wirkte gleichsam amüsiert wie skeptisch. Seit ihren ersten Tagen auf der Sphinx hatte sie die Vermutung gehabt, dass bei den Geschwistern mehr in der Vergangenheit vergraben war, als man es zumindest Talins fröhlicher Gestalt anmerkte. Doch mit jedem weiteren Tag zeichnete sich dieses Gefühl als immer klarere Form der Realität ab. Nichts Ungewöhnliches an Deck dieses Schiffes – ein jeder hatte schließlich sein Päckchen zu tragen.<br />
Dennoch verwunderte es die Nordskov dass sich die zwei nach dieser endgültigen Widervereinigung nicht pausenlos verbal wie körperlich in den Armen lagen. Dass die Stimmung nicht positiver war. Dass nach all dem, was sie auf sich genommen hatten, noch immer dunkle Wolken über ihren Köpfen hingen. Wolken die seit dem Tod Cornelis auch über ihr Einzug hielten. Mit einem tiefen Seufzend wandte sich Skadi dem Krug zu. Fuhr nachdenklich mit den Fingerspitzen über die raue Oberfläche. <br />
<br />
“<i>Ich wusste, dass er irgendwann Ärger machen würde…</i>“, murmelte sie leise und schnaubte. Sie wollte nicht wütend auf den Rotbart sein. Und doch war sie es. Wann immer sie Enrique oder Scortias in die Augen sah und ihre tief sitzende Traurigkeit und Wut entdeckte. “<i>… aber das es so sein wird… mit euch Männern hat man manchmal nichts als Ärger… so ein Dummkopf.</i>“ <br />
<br />
Kurz legte sich ein Schatten über ihre Züge. Dann nahm sie bereits den Humpen in die Hand und setzte ihn an ihre Lippen. Ließ den Rum das Zittern ihrer Nerven betäuben und alsbald schnell ihre Blutbahn erreichen. <br />
Geräuschvoll sank der Krug wieder auf den Tresen hinab. Ruhte wenig später dort allein, als sich Skadi erst abwesend über die Lippen leckte und dann den dunklen Haarschopf zu Lucien herum wandte. <br />
<br />
“<i>Manchmal würde ich mir wünschen, dass mir einfach alles gleichgültig ist.</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">In die tiefgrünen Augen trat unverhofft ein zwiespältiger Ausdruck. Belustigung auf der einen Seite – ein unauffälliges, aber unleugbar amüsiertes Leuchten, als Skadi die Herausforderung des Wirts annahm und sich mit offenherzigem Geschäker nachschenken ließ. Nichts anderes hatte der junge Captain erwartet, auch wenn ihm ihre Gründe nicht ersichtlich waren. Gleichzeitig jedoch ließ sich der nachdenkliche Unterton in seinem Blick nicht verleugnen. <br />
Er nahm sich aus der Situation heraus, beobachtete nur von außen, während sich in seinem Kopf die Gedanken im Kreise drehten. Wann war Skadi eigentlich mit Talin unterwegs gewesen? Seit wann vertrug seine kleine Schwester überhaupt so viel Alkohol, um mit der Jägerin – zumindest danach klang es – halbwegs Schritt halten zu können? Letztere war es, der er eine gewisse Robustheit in diesem Sinne von vornherein geradezu unterstellt hatte. Talin hingegen... Aber wahrscheinlich hielt er sich wieder einmal zu sehr an das vierzehnjährige Mädchen aus seiner Erinnerung, als an die junge Frau, die sie nun war.<br />
Für einen Moment wandte er den Blick von Skadi und dem Wirt ab, hob dabei seinen nunmehr vollen Krug an die Lippen und trank einen kräftigen Schluck – vor allem, um den Frust zu verbergen, der sich möglicherweise auf seinen Zügen offenbarte. Erst, als die Dunkelhaarige sich wieder an ihn wandte, neigte Lucien leicht den Kopf und richtete den Blick auf seine neue Trinkgefährtin. <br />
Augenblicklich verschwand der Frust, hinterließ nur zustimmende Belustigung. Doch er ließ den Gedanken fallen – vor allem, weil er ihn nicht weiter zerdenken wollte – und beobachtete stattdessen, wie Skadi sich ihrem Krug zuwandte und so tief seufzte, dass seine Mundwinkel verdächtig zuckten. Als Kinder hatten sie immer behauptet, bei einem so tiefen Seufzen starb irgendwo eine Elfe.<br />
<br />
„<i>Ich gehe mal so weit und behaupte, du meinst Cornelis? Oder Enrique? Ich habe nämlich von beiden erwartet, sie würden irgendwann Ärger machen.</i>“ <br />
<br />
Es schwang nichts Negatives in seiner Stimme mit. Sein Kommentar bewegte sich vielmehr – zumindest im Falle des Lieutenants – auf geradezu freundschaftlich spöttischer Ebene. Er rechnete auch immer noch damit, dass Enrique ihm auf seine ganz typisch verworrene Art noch das ein oder andere graue Haar wachsen ließ. <br />
<br />
„<i>Aber falls du dich auf Cornelis' Ableben beziehst... Ich hatte eher den Eindruck, er ist dir nicht ganz geheuer... Kann es dir dann nicht eigentlich egal sein?</i>“ <br />
<br />
Wieder warf er der jungen Frau einen Seitenblick zu, dieses Mal fragend, und hob den Krug an die Lippen, ohne zu trinken.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Luciens Miene wandelte sich innerhalb der letzten Augenblicke so oft, dass Skadi es nicht einmal mehr intensiv verfolgte, um irgendetwas daraus lesen zu können. Er machte es ihr ohnehin nicht einfach in seine Gedankenwelt hinab zu steigen, wenngleich seine Erscheinung offen und ehrlich wirkte. Zumindest, wenn sie sich mit ihm unterhielt. Wie es bei anderen aussah war ihr gleichgültig. Daran etwas zu ändern lag weder in ihrer Macht, noch in ihrem Interesse. Und dennoch ahnte sie, dass vieles hinter den leuchtend grünen Augen verborgen blieb, die sie für einen Moment intensiv musterte. Dass Lucien zeitgleich süffisant lächeln konnte, während er seinen Gegenüber innerlich regelrecht zerfleischte. Irgendwie kribbelte dieser Gedanke kurzweilig in ihren Nervenbahnen. Machte sie positiv nervös und hinterließ ein tiefes und vielsagendes Lächeln in ihren Mundwinkeln. <br />
Bis zu jenem Moment indem er sie an Cornelis erinnerte und ihr ein abgekämpftes Seufzen entlockte. Ärger machen war das eine. Das Leben eines anderen zu zerstören und eine Kettenreaktion sondergleichen auszulösen, weil man verdammt noch eins glaubte der gewiefteste Pirat dieser Welt zu sein eine ganz andere.<br />
<br />
"<i>Wäre es dir egal, wenn Talin an solch einer Situation zerbrechen würde?</i>" <br />
<br />
Bitter entwich dieser Vergleich ihren Lippen, während die dunklen Augenpaare Luciens Miene unvermittelt aus den Augenwinkeln ansahen. Denn eben SO verhielt es sich bei ihr und Enrique. Ganz gleich wie egal ihr der Rothaarige war, so galt das auf keinen Fall für den Dunkelhaarigen Wirbelwind, der bis vor wenigen Tagen noch gebrochen und schluchzend in ihren Armen gelegen hatte. Ganz gleich welches Versprechen sie Enrique auf der einsamen Insel gegeben hatte, hasste sie Cornelis regelrecht dafür, dass er all das zu verantworten hatte. Ob das in jenem Moment gerecht oder fair war, stieß bei der Nordskov auf taube Ohren.<br />
<br />
"<i>Ich schätze wohl nicht.</i>" <br />
<br />
Der Tonus ihrer Miene wurde weicher, nahm mehr den Ausdruck von Müdigkeit an. Skadi versteckte nicht, wie sehr sie die letzten Tage ausgezehrt hatten. Psychisch wie physisch. Sie sehnte sich so sehr nach Ablenkung, dass sie sogar kurzweilig überlegt hatte, an geheimen Untergrundkämpfen der Stadt teilzunehmen. Zumindest ihrem Körper musste sie gestatten all den Frust von sich abzuschütteln, wenn sie schon niemanden hatte, der ihre Emotionen aufsaugte. Sie verpuffen ließ wie Luft und ihr diese Leichtigkeit zurück gab, die damals noch in jeder Faser ihres Körpers vibriert hatte. <br />
Beiläufig kramte sie nach dem kleinen Geldbeutel in ihrer Hüfttasche und schob den leeren Krug mit einem Nicken zum Barmann hinüber. <br />
<br />
"<i>Also erschieß ihn bitte nicht, wenn er Ärger macht.</i>", fügte sie mit einem schiefen Schmunzeln auf den Lippen hinzu. "<i>Meine medizinischen Fähigkeiten reichen leider nicht aus, um jemanden wiederzubeleben.</i>" <br />
<br />
Und sie gäbe einiges darum, es zu können. Säße wohl kaum hier, wenn dem so wäre. Mit einem knappen Nicken dankte sie dem Barmann für den gefüllten Krug vor ihrer Nase und drückte ihm schweigend die Münzen in die Hand. Nippte dann an ihrem Rum und wandte sich dann in einer fließenden Bewegung auf dem Hocker herum. <br />
<br />
"<i>Da ich nicht davon ausgehe, dass wir hier eine Mädchenrunde eröffnen und du mir deine Probleme beim gemeinsamen Haareflechten anvertraust... worauf hast du Lust?</i>" <br />
<br />
Und sie ließ sich gerade für nahezu alles begeistern - trug es dem Braunhaarigen in keinster Weise nach, dass er ihr alles aus der Nase zog, während er sich in Schweigen hüllte. Immerhin hatte sie keine Erwartungen an ihn, wie es ihre offene und sichtlich entspannte Miene verdeutlichte. Sie selbst hatte die Wahl ihre Gefühle für sich zu behalten, sah jedoch absolut keine Notwendigkeit darin. Wenigstens wusste er jetzt woran er war und was er von ihr in Zukunft erwarten konnte, wenn er das Thema Enrique betrachtete.</font><br />
<br />
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<font color="#458B74">Hinter seinem Whisky verdüsterte sich der Ausdruck in den tiefgrünen Augen für einen Moment. Was für eine Frage. Selbstverständlich wäre es ihm nicht egal. Es gab nichts, das ihm weniger gleichgültig war, als das Glück seiner kleinen Schwester – und jedem, der es wagte, ihr auch nur ein Haar zu krümmen, riet er inständig, zu rennen. So weit und so schnell ihn seine Beine trugen. Niemals stehen zu bleiben. Immer einen Blick über die Schulter zu werfen. Denn er würde ihn finden. Früher oder später. Es gäbe nichts anderes, das ihn von dieser Jagd würde abhalten können, bis die Rechnung beglichen war. Nichts, aber auch gar nichts. Mit diesem Gedanken... konnte Lucien wahrscheinlich besser verstehen, was die Jägerin so unglaublich wütend, so hasserfüllt machte. Und in ihr das Verlangen weckte, alles dafür zu tun, damit der Mensch, der ihr am Herzen lag, wieder glücklich sein konnte.<br />
Er stieß ein leises Seufzen aus – bei dem wohl auch irgendwo auf dieser Welt eine Elfe starb – und nickte schließlich zum Zeichen, dass er begriff. Dann genehmigte er sich einen großen Schluck seines Whiskys und warf der Nordskov einen Seitenblick zu, während sie in ihrer Tasche nach ihrem Gold kramte. Auf seinen Lippen erschien daraufhin ein kleines Lächeln. <br />
<br />
„<i>Keine Sorge. Über den Punkt sind wir inzwischen hinaus...</i>“, meinte er fast gelassen. Eine Gelassenheit, die sich über die Bitterkeit in seinem Inneren seltsam befremdlich und zugleich wohlig vertraut anfühlte. Ja. Das konnte er gut. <br />
„<i>Dafür müsste er schon gewaltig Scheiße baun.</i>“ <br />
<br />
Der junge Captain hob erneut den Krug. Doch bevor er trinken konnte, durchkreuzte ein breites Grinsen seinerseits sein Vorhaben. Zwar schluckte er das Lachen, doch es spiegelte sich ganz offensichtlich in seinen Augen wider. <br />
<br />
„<i>Nicht? Verdammt schade.</i>“ <br />
<br />
Und damit kippte er den Rest seines Whiskys hinter, stellte den leeren Krug wieder auf dem Thresen ab und ließ sich ihr Angebot noch einmal durch den Kopf gehen. Schließlich winkte er dem Wirt und bedeutete ihm mit einem Fingerzeig, noch einmal nachzuschenken.<br />
Schon nach dem zweiten spürte er die Auswirkung des schnell getrunkenen Alkohols. Ein Krug mehr konnte das eigentlich nur besser machen. <br />
<br />
„<i>Weißt du was?</i>“ Er griff nach dem Gefäß und wandte sich nun ebenfalls seiner Trinknachbarin zu. „<i>Für mich klingt das verdammt danach, als täte uns beiden etwas Ablenkung gut. Was hältst du davon, wenn wir das Zeug hier hinter kippen und uns einen Ort suchen, an dem ein bisschen mehr los ist.</i>“ <br />
<br />
Er hob den Krug mit einem kleinen Lächeln und in den tiefgrünen Augen erschien ein unergründlich Ausdruck, der flüchtig aber eindeutig über die Erscheinung der Jägerin wanderte. Ganz genau wie Skadi war der Dunkelhaarige für so gut wie alles zu haben.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Lucien verstand. Ohne ein weiteres Wort, weil es wohl kaum mehr bedurfte. Instinktiv hatte sich Skadi des stärksten Mittels angenommen, das man sich ihm gegenüber zu Nutze machen konnte. Und als Frau war die Nordskov nach wie vor noch emphatisch genug, um diese feste Bindung zwischen den Geschwistern zu begreifen und zu spüren, ohne sie leibhaftig gesehen zu haben. Femininer Instinkt. Die wohl größte Waffe, die sie von Geburt an besaß. <br />
Luciens darauf folgende Worte lockte die braunen Augen unweigerlich zu sich herüber. Ließen sie prüfend über seine Miene tanzen und erlaubten es der Nordskov mit einem halben Schmunzeln auf den feinen Zügen tief durchzuatmen. Zwar glaubte sie dem Dunkelhaarigen durchaus, immerhin hatte er keinen Grund sie diesbezüglich anzulügen. Dennoch wusste sie genauso gut, dass Enrique ein komplizierter Mensch war, der manchmal unergründliche Dinge tat und deshalb missverstanden wurde. Seine mangelnde Kommunikation hätte ihn nicht zum ersten Mal in Schwierigkeiten gebracht und seine immer noch sehr direkte und befehlsähnliche Redeweise machte es ihm nach wie vor auf der Sphinx nicht einfach. <br />
Dennoch hob Skadi in einer stillen Abmachung ihren Krug, prostete dem jungen Kapitän zu und nahm einen kleinen Schluck nun mehr weniger intensiv schmeckenden Rums. War wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der Alkohol wohlig warm durch ihren Körper strömte und den Ausgang dieses Abends in einen dichten Nebel hüllte.<br />
Und wenn sie Luciens brummendem Lachen lauschte, konnte sie wohl getrost davon ausgehen, dieser Gesellschaft etwas Angenehmes abgewinnen zu können. Allzu oft lachte der Dunkelhaarige zumindest nicht – wirkte in gewisser Weise gern so ernst und nachdenklich wie Enrique.<br />
Somit zierte ein amüsiertes Grinsen ihre vollen Lippen, intensivierte sich bei jedem seiner Worte, bis es ein kleines Grübchen in ihrer Wange hinterließ. <br />
<br />
“<i>Diese Idee könnte mir durchaus gefallen.</i>“, entgegnete die Nordskov sichtlich vergnügt und ließ die dichten Brauen für einen kurzen Augenblick tänzelnd in Richtung ihres Haaransatzes hinaufschnellen. <br />
<br />
Fast schon als wollte sie sich dem eindringlichen Blick Luciens entgegen stellen, der definitiv nicht unbemerkt geblieben war – er machte aber auch kaum den Anschein, als wäre das seine Absicht gewesen.<br />
Laut schlugen die zwei Krüge aneinander, als Skadi dem Jüngeren zuprostete und den Rum mit nur einem Zug ihre Kehle hinab gleiten ließ. Das kurzweilige Brennen ignorierte sie, fokussierte sich auf die fließenden Bewegungen, die sie von ihrem Hocker hinab und das Tongefäß auf den Tresen gleiten ließ. <br />
<br />
“<i>Dann verschwenden wir mal keine Zeit…</i>“<br />
<br />
Eigentlich war es schon fast unnötig mit solcher Energie an ihren Ausflug heran zu gehen und sich mit einem breiten Grinsen Lucien entgegen zu lehnen. Doch Skadi fühlte sich – höchst wahrscheinlich dank der Unmengen an brennendem Alkohol – dazu beflügelt auf federleichten und tanzenden Sohlen nach einer neuen Beschäftigung zu suchen. Ganz gleich welchen Ausmaßes. <br />
<br />
“<i>… denn die Nacht ist noch jungfräulich.</i>“<br />
<br />
Ein herzhaftes Lachen entglitt ihrer Kehle und ließ den hoch gewachsenen Körper der Nordskov zurück weichen und zwischen den Tischreihen hindurch in Richtung Eingangstür schreiten. Beinahe konnte man den Eindruck gewinnen, dass sie ungewöhnlich aufgeweckt und lebenslustig wirkte. <br />
<br />
“<i>Komm schon… oder muss ich deinen hübschen Hintern hier hinaus tragen?</i>“, mit einem intensiven Blick wandte sich Skadi zu Lucien herum, kaum dass sie die Tür kraftvoll ins Rauminnere gezogen und den schmalen Körper durch den Spalt geschoben hatte. Wartete mit einem leisen Schnalzen der spitzen Zunge darauf, bis sich der junge Kapitän auf einige Armlängen genähert hatte und verschwand dann leise hinaus.</font><br />
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<font color="#458B74">Skadis vergnügtes Lächeln war ansteckend – und Lucien ließ sich mitreißen. Ihre Krüge stießen aneinander und um die unergründlich tiefgrünen Augen bildeten sich amüsierte Lachfältchen. Sein Blick ruhte auf der Jägerin, die den Inhalt ihres Bechers hinter stürzte, noch bevor er den seinen überhaupt an die Lippen setzte. Beobachtete, wie sie mit einer fließenden Bewegung von ihrem Hocker glitt und ihr Verhalten sich wandelte. Mit einem Mal wirkte sie unbeschwert und abenteuerlustig. Schlicht und ergreifend bereit für das, was die Nacht ihr bieten könnte. Nicht die Jägerin, die sie war, sondern vielmehr eine junge Frau auf dem Weg zum nächsten Fest. <br />
Seinen Blick nahm sie dabei mit solcher Gelassenheit hin, wie es nur jemand tat, der für jeden Spaß zu haben war. Und der das Terrain kannte, auf dem er gewohnheitsmäßig spielte. Als sie sich zu ihm lehnte, der Tatendrang in den dunklen Augen, konnte sich der Dunkelhaarige dem nicht mehr entziehen – selbst, wenn er gewollt hätte. Die Gedanken an Talin, an Enrique und die Schatten, die hinter dem Horizont auf Lucien lauerten, rückten in den tiefsten Hintergrund seines Unterbewusstseins. Machten der aufgeregten Bereitschaft Platz, zu nehmen, was da kam. Eben jene Bereitschaft, die Skadi ausstrahlte, die in ihrem Lachen erklang und ihre Bewegungen beflügelte, als sie zur Tür lief. <br />
<br />
„<i>Also schön.</i>“ <br />
<br />
Die Worte galten nur ihm selbst, waren kaum eine wirkliche Antwort auf ihre gescherzte Drohung. Mit einem Schmunzeln setzte er den Krug an die Lippen, stürzte den gesamten Inhalt hinunter. Dann stellte er das Gefäß ab, griff nach dem Beutel mit seinen restlichen Münzen und rutschte von seinem Hocker. Die ganze Zeit über ließ er Skadi dabei nicht aus den Augen, begegnete ihrem intensiven Blick unerschrocken und folgte ihr schließlich bis zur Tür, durch die sie bereits hinaus schlüpfte. Der Alkohol brannte sich warm und verlockend durch seine Adern, machte die Welt um ihn herum etwas weicher. Etwas weiter entfernt.<br />
Draußen vor der Tür umfing ihn kühle Nachtluft, beschwichtigte die Wirkung des Whiskys ein wenig, sodass er sie zwar spürte, aber nicht sofort sein Gleichgewicht einbüßte. Genau der richtige Zeitpunkt, um weiter zu ziehen. Und was eignete sich für ihrer beider Stimmung besser, als die besonders verrufenen Ecken des Hafenviertels? Lucien schob den Geldbeutel in seine Gürteltasche, verschloss sie sorgsam und warf seiner dunkelhaarigen Begleiterin dabei einen Seitenblick zu. Ein Grinsen auf den Lippen. <br />
<br />
„<i>Ich kenne einen Ort, der dir gefallen könnte.</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Er sollte häufiger lächeln. Mit diesem letzten Gedanken war sie zur Tür in die Nacht hinaus getreten. Hatte sich mit ausgestreckten Armen und einem tiefen Atemzug der aufkommenden Nacht entgegen gestreckt und fast schon selbstverständlich das breite Lächeln auf ihren Zügen zugelassen. Wie schnell die trüben Gedanken doch verblassten, wenn sie sich in guter Gesellschaft befand. Nicht zum ersten Mal hatte sie jemand mit ungewohnter Leichtigkeit dazu ermuntert, dem üblichen Verdrängungstrieb nachzugeben. Sich mit jeglicher Hingab in die Ablenkung hinein zu stürzen, die sich ihr bot, ohne dass sie auch nur einen weiteren Gedanken an die Folgen verschwendete. War sie schon immer so gewesen? Skadi wusste es nicht. <br />
Versuchte jedoch genauso wenig es zu ergründen, als sie sich auf den Zehenspitzen zu Lucien herum drehte und dessen Miene mit einem verschmitzten Gesichtsausdruck in Augenschein nahm. Die dunklen Gestalten in den Ecken und um sie herum ignorierte sie geflissentlich. Wie so oft, wenn sie sich auf etwas konzentrierte, das von weitaus größerem Interesse für sie war. <br />
<br />
“<i>Ein Ort der MIR gefallen könnte?</i>“ Beinahe wäre ihr ein Lachen über die Lippen gehuscht, wand sich jedoch nur als amüsiertes Glucksen aus ihrer Kehle heraus und hinterließ ein sanftes Blitzen in den dunklen Augen. “<i>Da bin ich aber mal gespannt…</i>“<br />
<br />
Skadi machte sich keine Gedanken darüber, was der Dunkelhaarige tief in seinem Inneren wirklich von ihr hielt. In welche Schublade er sie verfrachtete oder ob er überhaupt der Typ war, der Menschen aus anerzogenem Pragmatismus in Kategorien einordnete. Letztlich zählte für sie die Offenheit, die er ihr gegenüber immer wieder an den Tag legte und mit einer solchen Selbstverständlichkeit einforderte, dass es sich kaum anfühlte, als stünde sie einem, oder vielmehr IHREM Kapitän gegenüber.<br />
<br />
“<i>…aber wehe du verschacherst mich an irgendeinen schmierigen Fleischberg. Dann muss ich dich leider übers Knie legen, mein Lieber.</i>“ <br />
<br />
Ein breites Lächeln zierte jäh ihre Züge, weitete sich zu einem amüsierten Grinsen und Auflachen, während sie ihm folgte. Dann und wann huschte das dunkle Augenpaar auf ihre Umgebung. Beobachtete die Umstehenden eher beiläufig, als dass sie versuchte sich auf Gesichter oder Landmarken zu fokussieren. Die Arme entspannt an ihren Seiten, der Schritt beschwingt und federleicht. Nichts an der Nordskov erweckte den Anschein, als wollte sie sich just in ein tiefgründiges Gespräch verwickeln lassen.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Ihre Antwort entlockte Lucien ein amüsiertes Auflachen. Von der Seite her warf er ihr einen kurzen Blick zu, versuchte tatsächlich, sich das Szenario für einige Sekunden vorzustellen und kam zu dem eher scherzhaften Ergebnis, dass ihre Idee – die sie ihm ja eigentlich ausreden wollte – wahrscheinlich lukrativer war, als sie dachte. <br />
<br />
„<i>Nur, um erst das Gold für dich einzustreichen und den Herren, der so dumm war, hinterher auszurauben, sobald du ihn ins Reich der Träume verbannt hast.</i>“ <br />
<br />
Das Grinsen auf seinen Lippen, das er der Jägerin zuwarf, zeugte davon, dass er die kleine Geschäftsidee doch nicht ernsthaft in Betracht zog. Kurz darauf bogen sie jedoch in eine spürbar dunklere Gasse ab und der erheiterte Ausdruck verschwand. Wirkte stattdessen jungenhaft unschlüssig, während die tiefgrünen Augen über die schäbigen Haus- und Kellereingänge huschten, die hier und da die Mauern durchbrachen. <br />
<br />
„<i>Das Problem ist... dass ich von diesem Ort bisher nur gehört habe, aber noch nicht dort gewesen bin.</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Skadi blinzelte für einen Moment verdutzt, ehe ihr Körper aus purer Gefühlsexplosion ein Glucksen kaum unterbinden konnte. Damit hätte sie jetzt nicht gerechnet. Und sein Vorschlag war durchaus im Bereich des Machbaren. <br />
<br />
„<i>Du bringst mich schwer in Versuchung, Dravaen.</i>“ <br />
<br />
Erwiderte die Nordskov mit einem sanften Stupser in seine Seite und folgte ihm wortlos in die Gasse. Sonderlich vertrauenswürdig wirkte der düstere Schatten der hohen Hauswände wohl kaum. Und ein knapper Seitenblick verriet ihr, dass der Jüngere wohl ähnliches dachte, wie sie selbst. <br />
<br />
„<i>Und was für ein Ort soll das sein? Oder bleibt das ein Geheimnis, bis wir angekommen sind?</i>“ <br />
<br />
Auf ihren Zügen thronte noch immer ein sanftes Lächeln. Bis auf weiteres sah sie keinen Grund darin zu glauben, dass der Dunkelhaarige sie in eine Falle lockte.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Nicht weit von ihnen, nur etwa zehn Schritte voraus, bemerkte eine düstere Gestalt das Kommen der beiden Piraten und drückte sich mit grimmig-abweisendem Gesicht tiefer in den Schatten eines Hauseingangs. Vor seinem Mund glühte etwas in der Dunkelheit auf. Kurz danach erhob sich weißer Rauch in die Luft. Lucien bemerkte ihn früh, beobachtete ihn jedoch nicht länger als nötig und wirkte darüber hinaus alles andere als angespannt, als er den Blick nach ihrem geradezu kumpelhaften Knuff in seine Seite wieder seiner Begleiterin zuwandte. Nicht zuletzt mochte das an dem Alkohol liegen, der sich wohlig warm durch seine Adern fraß und seinen Körper ungewohnt leicht werden ließ. <br />
<br />
„<i>Wenn uns zu langweilig wird, können wir uns das ja als Option offen lassen.</i>“, gab er mit einem Grinsen zurück und zuckte im gleichen Moment mit der Schulter. „<i>Ich hab bisher nur ein paar versoffene Kerle beim Pokern drüber reden hören. Irgendwo hier in der Stadt soll es eine Art... hm...</i>“ Er suchte augenscheinlich nach dem passenden Wort und senkte ob des möglichen Zuhörers unwillkürlich die Stimme etwas. „<i>... Untergrund geben? Ein Ort, an dem sich das ganze Gesocks an Dieben, Spielern und Säufern trifft. Reichlich Gelegenheit, schnelles Geld zu machen, wette ich.</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Nur kurz folgte sie seinem Blick in die Schatten. Bemerkte die blasse Rauchsäule und verweilte ein wenig länger auf ihr, während Lucien sprach und ihr dann, mit gesenkter Stimme ein tiefes Brummen entlockte. Lucien sprach von einer Untergrundtaverne. Voller Menschen, die gern als Abschaum der Gesellschaft betitelt wurden und von denen sich Skadi in den meisten Fällen fern hielt. Aus gutem Grund. Wieso Lucien glaubte, dass ihr ein Ort wie dieser gefallen würde? Sie wusste es nicht, stellte unausgesprochene Vermutungen an und tat letztlich nichts anderes als die dunklen Augen in einem beharrlichen Lächeln auf ihren Lippen zur Seite zu richten. <br />
<br />
“<i>Braucht es für einen solch geheimen Ort nicht einen geheimen Eingang und einen... Türsteher?</i>“ <br />
<br />
Erneut richtete sie ihren Blick auf jene Stelle, an der noch vor wenigen Augenblicken ein Mann gestanden haben musste - so sie die Rauchsäule und das kurze Aufblitzen richtig interpretierte. Und irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, dass dieses Augenpaar nicht das einzige zu sein schien, dass auf sie gerichtet war.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Dieses Mal konnte er sich ein kleines Schnauben nicht verkneifen. Weniger, weil das, was sie sagte, keinen Sinn ergab – das tat es nämlich sehr wohl – sondern vielmehr... sollte es wirklich so einfach sein? Sollten sie nur wenige Schritte, nachdem sie ihr Vorhaben, einen spannenderen Ort ausfindig zu machen, in die Tat umsetzen wollten, bereits auf den Eingang zu jener Untergrundspielwiese gestoßen sein? Dann sollten sich deren 'Betreiber' beim Verstecken wahrscheinlich mehr Mühe geben. <br />
<br />
„<i>Wir können ja einfach mal klopfen...</i>“, meinte er mit der geradezu unbefangenen Gelassenheit eines kleinen Jungens, warf Skadi einen kurzen, weiterhin amüsierten Seitenblick zu und brachte die letzten Meter mit zielstrebigeren Schritten hinter sich. <br />
<br />
Der Türeingang war inzwischen leer, der Mann samt Glimmstengel verschwunden – wahrscheinlich nach drinnen. Das Gebäude selbst, zumindest das Erdgeschoss – bestand aus brüchig grauem, grob behauenem Feldstein. Die zweite Etage dagegen lediglich aus Holz. In den Fenstern brannte kein Licht. Die tiefgrünen Augen wanderten von der Fassade wieder zurück zur Tür, dann hob er die Linke und klopfte drei mal kräftig dagegen. Im ersten Moment geschah überhaupt nichts. Dann brummte jemand auf der anderen Seite ein grimmiges: <br />
<br />
„<i>Wer da??</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Skadi fühlte sich jäh wie ein kleines Kind, das kurz davor war, einen Klingelstreich zu begehen. Jede Faser ihres Körpers wollte auflachen und mit einem Glucksen hinter der nächsten Ecke in Deckung gehen. Bisher hatte der Alkohol allerdings noch nicht vollends eingeschlagen, sodass sie Lucien mit gemächlichem Schritt folgte und instinktiv die Waffen an ihrem Körper zählte. Sicher war sicher, wenn sie sich auf dieses kribbelnde Abenteuer mit dem Dunkelhaarigen einließ. Dumpf hallte der Schlag seiner Hand auf dem Holz erst in der Luft, dann in ihrem Körper nach. Ließ sie in einem breiteren Stand schräg neben ihm innehalten und die Gasse ins Visier nehmen. Selbst die dunkle Stimme am anderen Ende ignorierte sie vorerst. Versuchte dem Gefühl nachzugehen, das sich kribbelnd ihren Nacken hinauf schob, ehe sie sich herum wandte und über Luciens Schulter auf die Tür blickte. <br />
<br />
“<i>Zwei gelangweilte Streuner, die nach etwas Ablenkung suchen.</i>“ <br />
<br />
Als ob der Kerl sie vorhin nicht gesehen hätte!</font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Alex+Brush' rel='stylesheet' type='text/css'><center><font style="font-family: 'Alex Brush', cursive; text-transform: lowercase; color: ##6E6E6E; font-size: 35px; line-height: 25px;">Like a Letter printed in Red</font><br><font style="font-family: Calibri; text-transform: uppercase; color: ##6E6E6E; font-size: 12px; line-height: 12px;"><font style="font-size: 11px;">Auf der Suche nach ein bisschen Ärger</font><br><br><br>Skadi<span style="color: #458B74"> &</span> Lucien<br><font style="font-size: 11px;">06. April 1822 | Abends | Hafenviertel von Mîlui</font></font></center><br />
<br />
<blockquote><font color="#458B74">In dem kleinen Wirtshaus nahe der Hafenanlage war noch nicht viel los. Nur zwei andere, reichlich traurige Gestalten teilten sich den ansonsten leeren, schummrig beleuchteten Schankraum, als der junge Captain von draußen herein kam. Der eine lag mit dem Gesicht auf seinem Tisch, eine Hand an der Flasche, die ihm beim Einschafen geholfen hatte. Der andere saß an einem Platz im hintersten Winkel, wo es noch dunkler war, und zog eine spärlich bekleidete junge Dame mit üppig ausgestattetem Ausschnitt näher an sich. Aber es war auch noch früh am Abend und ehe er sich versah, würde es hier von Seemännern auf Landgang und üblem Gesindel nur so wimmeln. <br />
Im Moment war Lucien die Stille allerdings mehr als Recht. Er schenkte den beiden Fremden keine Beachtung, steuerte die Theke an, hinter der ein gelangweilter Wirt ein paar Bierkrüge trocknete und erst den Blick hob, als der Dunkelhaarige sich mit einem leisen Seufzen auf einen der Barhocker hatte fallen lassen. „<i>Na? Beschissenen Tag gehabt?</i>“ Es stand ihm wohl ins Gesicht geschrieben, denn er ließ Lucien gar keine Zeit, darauf irgendetwas zu erwidern. <br />
Noch während er sprach, stellte er den Krug vor ihm auf die Theke und wandte sich der Rückwand des Ausschankes zu, auf dem sich in einem langen Regal Flasche um Flasche reihten. „<i>Da hilft'n Whisky.</i>“ Der junge Captain zweifelte ganz ernsthaft daran, dass er ausgerechnet hier guten Whisky fand – aber was verstand er schon davon? <br />
<br />
„<i>Schon überredet.</i>“, gab er mit einem fast dankbaren Unterton in der Stimme zurück, wartete kurz, bis der Krug zur Hälfte gefüllt war und der Wirt die Flasche wieder absetzte, bevor er danach griff und ihn an die Lippen hob. Kurz vorher zögerte er jedoch. „<i>Nimm dir auch einen.</i>“ <br />
<br />
Er konnte jetzt gut jemanden gebrauchen, der ihm beim Trinken Gesellschaft leistete. <br />
„<i>Hu, gleich so beschissen, ja?</i>“ Der Wirt verzog kurz mitfühlend die Lippen und schenkte sich dann selbst von seinem Whisky ein. Dann hielt er den Krug hoch und Lucien stieß mit ihm an.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Ziellos steuerte der hoch gewachsenen Körper der Nordskov durch die Straßen Mîluis, ohne die vorbei hetzenden Bewohner auch nur eines Blickes zu würdigen. Eigentlich hatte sich nach ihrer ausgiebigen Jagd in den Wäldern nur deshalb in die Stadt zurück begeben, um sämtliche Gassen, Spielunken und Läden nach dem blonden Lockenkopf abzusuchen, der jedoch unauffindbar schien. Mit einem Seufzen machte Skadi also auf dem Absatz kehrt und schlenderte mit den Gedanken fernab dieser Realität in Richtung Hafen hinab. Blieb unvermittelt vor einer der zahlreichen Tavernen stehen, als ihr ein alter Mann totternd vor die Füße stolperte und ihm nur mit einem weiten Ausfallschritt ausweichen konnte. <br />
Erhobenen Hauptes stakste der hagere Kerl von dannen. Streckte der Dunkelhaarigen mit unverständlichem Gebrabbelt seine Faust entgegen, die Skadi mit einem faszinierten Ausdruck auf den Zügen besah und den dunklen Haarschopf zur Seite kippte. Die Menschen auf dieser Insel hatten doch alle einen an der Waffel. Tief seufzend wandte sie sich wieder zum Gehen und war bereits auf halbem Wege an der Holztür vorbei, als ihr irgendetwas ins Auge fiel. Ein Schatten, der sich binnen weniger Sekunden ins Innere der Taverne schlich und den sie nur knapp aus den Augenwinkeln bemerkt hatte. Mit zusammengezogenen Augenbrauen wandte sich die Nordskov also herum, feilschte mit sich, ob sie dem Impuls nachgeben sollte oder sich lieber zurück auf den Weg zur Sphinx begab. Doch Enrique, ebenso wie Liam würden irgendwo in der Gegend herum schleichen und genauso wenig aufzufinden sein wie Talin. Und irgendwie dürstete es ihre Kehle gerade nach etwas Flüssigem.<br />
Mit einem lauten Knarzen drückte sie die schwere Holztür ins Innere der Taverne. Schlüpfte leise durch die Öffnung und stand etwas irritiert inmitten des leeren Schankraums. Fernab der Innenstadt tummelte man sich wohl erst weit nach Feierabend in den Lokalen und kippte sich Liter für Liter an Rum, Bier und Hochprozentiges hinter die Binde. Einzig und allein drei Gestalten nebst des Barmannes erfüllten den Raum mit, zugegeben, etwas „kläglichem“ Leben. Und doch war es eine bestimmte Silhouette, die ihr verdammt bekannt vorkam. Auf federleichten Füßen schritt die Dunkelhaarige schweigend an den vereinsamten Stühlen und Tischen vorbei. Ließ sich wortlos auf dem Hocker neben Lucien nieder und musterte ihn aus den Augenwinkeln. <br />
<br />
“<i>Wow… das war wohl deine dunkle Wolke vor der Tür, was?</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Als das Knarzen der schweren Eingangstür das Kommen eines weiteren Gastes ankündigte, den das Verlangen nach einer befeuchteten Kehle in die armselige Spelunke gelockt hatte, sah Lucien nicht einmal auf. Er kippte den Whisky hinter, stellte den Krug ab und verzog fast schmerzhaft das Gesicht, als sich der Alkohol durch seinen Mund, seine Kehle und seinen Magen brannte und einen selbst für seine Vorlieben geradezu wiederlich torfigen Geschmack auf seiner Zunge hinterließ. Der erste tat immer weh. <br />
Der Wirt grinste selbstgefällig. "<i>Das Zeug ist verdammt gut, wa? Brennt einem dem Kopf weg.</i>" <br />
Statt ihm darauf eine ehrliche Antwort zu geben, stellte der Dunkelhaarige sein Trinkgefäße unmittelbar in Reichweite des Mannes - oder vielmehr der Flasche auf der Theke. <br />
<br />
"<i>Gib mir einfach noch einen.</i>" <br />
<br />
Der Wirt lachte trocken auf und schenkte nach. In diesem Moment knarzte der Hocker unmittelbar neben Lucien und ließ ihn den Kopf gerade so weit drehen, dass er die Person aus den Augenwinkeln mustern konnte, die sich einfach ungefragt neben ihn setzte. Für einen Herzschlag lag dem jungen Captain eine alles andere als freundliche Begrüßung auf der Zunge - dann erkannte er die schlanke Gestalt neben sich und auf seine Lippen stahl sich ein flüchtiges, aber distanziertes Lächeln. <br />
<br />
"<i>Skadi.</i>" Er griff nach dem inzwischen wieder vollen Krug. "<i>Ich hoffe, du hast sie draußen gelassen. Sie ist gerade nicht sehr willkommen..</i>", erwiderte er mit einem Anflug von Selbstironie. „<i>Willst du auch einen?</i>“ <br />
<br />
Mit einem leichten Kopfnicken wies er auf die Flasche, die der Wirt noch immer in der Hand hielt. Wohl in Erwartung dessen, ob die junge Frau den Mumm hatte, sein Gebräu zu probieren.</font><br />
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<font color="#BC8F8F">Lucien kippte sich das Zeug wie Saft in den Rachen. Entweder hatte er einen Stahlmagen oder eine sehr hohe Schmerzgrenze. Manchmal fragte sich Skadi, wieso es Menschen immer wieder zum Alkohol hin trug. Er machte nichts auf Dauer besser, zugegeben aber auch nicht zwangsläufig schlimmer. Ganz offensichtlich war jedoch, dass man für einen kurzen Augenblick den Berg an Problemen vergaß, den man mit Unmengen an Spanngurten am Rücken mit sich herum trug. Als er ihren Namen über seinen Lippen gleiten ließ, wandte sie den dunklen Schopf ein wenig mehr herum und spürte, wie sich bereits ein sanftes Zucken in ihren Mundwinkeln einnistete. <br />
<br />
“<i>Sie hat sich mit meiner in eine dunkle Gasse verzogen und wird wohl die nächsten Stunden reichlich beschäftigt sein.</i>“ <br />
<br />
Ob sie ihn gerade aufmuntern und zu einem Lachen bewegen wollte? Womöglich war das ein Teil des Planes, den ihr Unterbewusstsein gerade vor sich hin schmiedete. Doch nichts davon kam an die Oberfläche, während sie zu dem Barmann hinauf blickte und bei Luciens Frage nickte. Wenn das Zeug genauso ungenießbar war wie das, was sie sich mit Talin hinter die Binde gekippt hatte, konnte sie sich den Rest des Tages mal wieder getrost klemmen. Aber hey… wenn ihr Captain dafür mal diese schlechte Miene ablegte, sollte ihr das Recht sein. Und angesichts dessen, was in 2 Tagen auf sie wartete, war sie ohnehin gewillt den Gedanken daran vorerst zu verdrängen.<br />
<br />
“<i>Ich bin nicht hier um Tee zu trinken.</i>“ <br />
<br />
Wobei ihr ein Bier auch vollkommen ausgereicht hätte. Geräuschvoll sauste der zweite Krug auf den Tresen. Füllte sich Herzschlag um Herzschlag mit dem rotbraunen Getränk, bis Skadi ihn in eine Hand nahm und anhob. <br />
<br />
“<i>Skål.</i>“ <br />
<br />
Alles was folgte war ein kurzer Seitenblick. Dann rann bereits der Alkohol brennend ihre Kehle hinab und ließ sie kurz schmerzvoll das Gesicht verziehen. Der Geschmack war absolut widerlich. <br />
<br />
“<i>Wow… ihr Draveans steht wirklich auf hartes Zeug.</i>“, gestand die Dunkelhaarige unter einem kurzen Husten und schenkte dem Barmann ein verzogenes Lächeln, der lachend auf ihren Ausrutscher reagierte.</font><br />
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<font color="#458B74">Die mehr als zweideutige Antwort der jungen Frau entlockte Lucien ein ehrliches Lachen. Sie kam ihr mit einer solch unverfälschten Leichtigkeit über die Lippen, die ihm wieder einmal zeigte, dass sie die gleiche Art von unschicklichem Humor teilten. Das, was die feinen Herrschaften pikiert die Nase rümpfen und ein unschuldiges Bauernmädchen erröten ließ. Zumindest das ein oder andere auf Kelekuna. <br />
<br />
"<i>Hört, hört...</i>" <br />
<br />
Mit einem unmissverständlich Wink der freien Hand bedeutete er dem Wirt, Skadi auf seine Kosten einen Krug Whisky einzuschenken und griff aus der gleichen Bewegung heraus nach der Geldkatze an seinem Gürtel. Darin gerade genug Geld, um einen sehr erfüllten Abend zu verbringen. Das klimperne Ledersäckchen landete vor dem Wirt auf dem Thresen, damit der ja nicht auf die Idee kam, ihre Kehlen trocken werden zu lassen, dann griff der Dunkelhaarige wieder nach seinem Krug, drehte sich auf seinem Hocker leicht seiner neuen Gesellschaft zu und hob auf ihren Trinkgruß hin seinen eigenen Whisky. (Dass es ein Trinkspruch war, schloss er rein intuitiv aus ihrer damit einher gehenden Gestik. Er kannte ihn nämlich nicht.) Der scharfe Schnapps brannte sich ein weiteres Mal durch seine Kehle, entlockte Lucien ein leichtes Schaudern. Aber er tat schon nicht mehr so weh, wie der erste.<br />
Fast simultan kehrten die beide Krüge auf die Theke zurück und ohne Umschweife machte sich der Wirt daran, sie wieder zu füllen. Zunächst den Luciens, dann hielt er über dem Skadis inne und warf ihr einen belustigt fragenden Blick zu. "<i>Na, noch einen?</i>" Auch die tiefgrünen Augen des jungen Captains wanderten zu der Jägerin zurück. Er zweifelte nicht daran, dass sie die kleine Herausforderung annehmen würde, die im der Stimme des bärtigen Mannes gelegen hatte. <br />
<br />
"<i>Früh übt sich.</i>", erwiderte er schließlich auf ihre Feststellung zu ihm und seiner Schwester. Ein kleines Schmunzeln lag dabei auf seinen Lippen. Dann jedoch kehrte er zu ihren Begrüßungsworten von vorhin zurück. "<i>Was ist denn der Grund für deine 'dunkle Wolke'.</i>" <br />
<br />
Er hatte schon so eine leise Ahnung...</font><br />
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<font color="#BC8F8F">Sein Lachen vibrierte im Raum, durch ihren eigenen Kehlkopf und rückte die schlaffen Rippen in ihrem Brustkorb zurecht. Ein Schmunzeln legte sie auf die feinen Züge der Jägerin. Strahlte für einen Herzschlag bis in die dunklen Augenpaare hinauf, ehe sie sich dem angebotenen Krug zuwandte und unter dem herben Geschmack des Rums die Mundwinkel verzog. <br />
Wie zu erwarten erntete sie einen amüsierten Blick, den sie fast schon stur entgegnete. Ihre Kehle brannte und jammerte. Doch sie würde sich weiß Gott nicht nachsagen lassen, dass sie ob dieser Tatsache den nicht vorhandenen Schwanz einzog. Zwar würde sie selbst dann noch ihr Gesicht wahren, wenn sie die Öffnung des Kruges mit ihrer flachen Hand verschloss und klar stellte, dass sie lieber den guten Fusel trank, statt sich noch einmal dieses Zeug in den Rachen zu schieben. Doch eine leise Stimme in ihr flüsterte ihr etwas zu, was stark danach klang, sich dem Angebot hinzugeben. Nicht um sich zu beweisen, sondern um des Captains Willen. Was auch immer DAS schon wieder bedeuten sollte. <br />
<br />
“<i>Könntest du denn einer Lady wirklich etwas abschlagen?</i>“, entgegnete die Nordskov dem Wirt mit einem verschmitzten Lächeln und nickte dann mit einem Augenzwinkern bestätigend auf seine Frage. <br />
<br />
Ganz sicher hielt sie sich weder für eine Lady, noch für jemanden, dem man besonders gefallen wollte. Ihr Leben lang hatte es wenn überhaupt nur einen Mann gegeben, der ihr das so offen ins Gesicht gesagt hatte. Und der weilte seit 5 Jahren schon nicht mehr auf dieser Erde. Skadi machte also keinen Hehl daraus, dass sie um diesen Umstand wusste. Es interessierte sie auch schlichtweg nicht. Schön zu sein war kein Talent – Menschen bedeuteten weit mehr als ihre bloße Hülle.<br />
<br />
“<i>Ich sollte mir merken, nie mit euch in einen Wettstreit zu treten. Sonst liege ich noch wehrlos unter dem Tisch.</i>“ <br />
<br />
Für einen kurzen Augenblick musterte sie den Dunkelhaarigen aus den Augenwinkeln. Wirkte gleichsam amüsiert wie skeptisch. Seit ihren ersten Tagen auf der Sphinx hatte sie die Vermutung gehabt, dass bei den Geschwistern mehr in der Vergangenheit vergraben war, als man es zumindest Talins fröhlicher Gestalt anmerkte. Doch mit jedem weiteren Tag zeichnete sich dieses Gefühl als immer klarere Form der Realität ab. Nichts Ungewöhnliches an Deck dieses Schiffes – ein jeder hatte schließlich sein Päckchen zu tragen.<br />
Dennoch verwunderte es die Nordskov dass sich die zwei nach dieser endgültigen Widervereinigung nicht pausenlos verbal wie körperlich in den Armen lagen. Dass die Stimmung nicht positiver war. Dass nach all dem, was sie auf sich genommen hatten, noch immer dunkle Wolken über ihren Köpfen hingen. Wolken die seit dem Tod Cornelis auch über ihr Einzug hielten. Mit einem tiefen Seufzend wandte sich Skadi dem Krug zu. Fuhr nachdenklich mit den Fingerspitzen über die raue Oberfläche. <br />
<br />
“<i>Ich wusste, dass er irgendwann Ärger machen würde…</i>“, murmelte sie leise und schnaubte. Sie wollte nicht wütend auf den Rotbart sein. Und doch war sie es. Wann immer sie Enrique oder Scortias in die Augen sah und ihre tief sitzende Traurigkeit und Wut entdeckte. “<i>… aber das es so sein wird… mit euch Männern hat man manchmal nichts als Ärger… so ein Dummkopf.</i>“ <br />
<br />
Kurz legte sich ein Schatten über ihre Züge. Dann nahm sie bereits den Humpen in die Hand und setzte ihn an ihre Lippen. Ließ den Rum das Zittern ihrer Nerven betäuben und alsbald schnell ihre Blutbahn erreichen. <br />
Geräuschvoll sank der Krug wieder auf den Tresen hinab. Ruhte wenig später dort allein, als sich Skadi erst abwesend über die Lippen leckte und dann den dunklen Haarschopf zu Lucien herum wandte. <br />
<br />
“<i>Manchmal würde ich mir wünschen, dass mir einfach alles gleichgültig ist.</i>“</font><br />
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<br />
<font color="#458B74">In die tiefgrünen Augen trat unverhofft ein zwiespältiger Ausdruck. Belustigung auf der einen Seite – ein unauffälliges, aber unleugbar amüsiertes Leuchten, als Skadi die Herausforderung des Wirts annahm und sich mit offenherzigem Geschäker nachschenken ließ. Nichts anderes hatte der junge Captain erwartet, auch wenn ihm ihre Gründe nicht ersichtlich waren. Gleichzeitig jedoch ließ sich der nachdenkliche Unterton in seinem Blick nicht verleugnen. <br />
Er nahm sich aus der Situation heraus, beobachtete nur von außen, während sich in seinem Kopf die Gedanken im Kreise drehten. Wann war Skadi eigentlich mit Talin unterwegs gewesen? Seit wann vertrug seine kleine Schwester überhaupt so viel Alkohol, um mit der Jägerin – zumindest danach klang es – halbwegs Schritt halten zu können? Letztere war es, der er eine gewisse Robustheit in diesem Sinne von vornherein geradezu unterstellt hatte. Talin hingegen... Aber wahrscheinlich hielt er sich wieder einmal zu sehr an das vierzehnjährige Mädchen aus seiner Erinnerung, als an die junge Frau, die sie nun war.<br />
Für einen Moment wandte er den Blick von Skadi und dem Wirt ab, hob dabei seinen nunmehr vollen Krug an die Lippen und trank einen kräftigen Schluck – vor allem, um den Frust zu verbergen, der sich möglicherweise auf seinen Zügen offenbarte. Erst, als die Dunkelhaarige sich wieder an ihn wandte, neigte Lucien leicht den Kopf und richtete den Blick auf seine neue Trinkgefährtin. <br />
Augenblicklich verschwand der Frust, hinterließ nur zustimmende Belustigung. Doch er ließ den Gedanken fallen – vor allem, weil er ihn nicht weiter zerdenken wollte – und beobachtete stattdessen, wie Skadi sich ihrem Krug zuwandte und so tief seufzte, dass seine Mundwinkel verdächtig zuckten. Als Kinder hatten sie immer behauptet, bei einem so tiefen Seufzen starb irgendwo eine Elfe.<br />
<br />
„<i>Ich gehe mal so weit und behaupte, du meinst Cornelis? Oder Enrique? Ich habe nämlich von beiden erwartet, sie würden irgendwann Ärger machen.</i>“ <br />
<br />
Es schwang nichts Negatives in seiner Stimme mit. Sein Kommentar bewegte sich vielmehr – zumindest im Falle des Lieutenants – auf geradezu freundschaftlich spöttischer Ebene. Er rechnete auch immer noch damit, dass Enrique ihm auf seine ganz typisch verworrene Art noch das ein oder andere graue Haar wachsen ließ. <br />
<br />
„<i>Aber falls du dich auf Cornelis' Ableben beziehst... Ich hatte eher den Eindruck, er ist dir nicht ganz geheuer... Kann es dir dann nicht eigentlich egal sein?</i>“ <br />
<br />
Wieder warf er der jungen Frau einen Seitenblick zu, dieses Mal fragend, und hob den Krug an die Lippen, ohne zu trinken.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Luciens Miene wandelte sich innerhalb der letzten Augenblicke so oft, dass Skadi es nicht einmal mehr intensiv verfolgte, um irgendetwas daraus lesen zu können. Er machte es ihr ohnehin nicht einfach in seine Gedankenwelt hinab zu steigen, wenngleich seine Erscheinung offen und ehrlich wirkte. Zumindest, wenn sie sich mit ihm unterhielt. Wie es bei anderen aussah war ihr gleichgültig. Daran etwas zu ändern lag weder in ihrer Macht, noch in ihrem Interesse. Und dennoch ahnte sie, dass vieles hinter den leuchtend grünen Augen verborgen blieb, die sie für einen Moment intensiv musterte. Dass Lucien zeitgleich süffisant lächeln konnte, während er seinen Gegenüber innerlich regelrecht zerfleischte. Irgendwie kribbelte dieser Gedanke kurzweilig in ihren Nervenbahnen. Machte sie positiv nervös und hinterließ ein tiefes und vielsagendes Lächeln in ihren Mundwinkeln. <br />
Bis zu jenem Moment indem er sie an Cornelis erinnerte und ihr ein abgekämpftes Seufzen entlockte. Ärger machen war das eine. Das Leben eines anderen zu zerstören und eine Kettenreaktion sondergleichen auszulösen, weil man verdammt noch eins glaubte der gewiefteste Pirat dieser Welt zu sein eine ganz andere.<br />
<br />
"<i>Wäre es dir egal, wenn Talin an solch einer Situation zerbrechen würde?</i>" <br />
<br />
Bitter entwich dieser Vergleich ihren Lippen, während die dunklen Augenpaare Luciens Miene unvermittelt aus den Augenwinkeln ansahen. Denn eben SO verhielt es sich bei ihr und Enrique. Ganz gleich wie egal ihr der Rothaarige war, so galt das auf keinen Fall für den Dunkelhaarigen Wirbelwind, der bis vor wenigen Tagen noch gebrochen und schluchzend in ihren Armen gelegen hatte. Ganz gleich welches Versprechen sie Enrique auf der einsamen Insel gegeben hatte, hasste sie Cornelis regelrecht dafür, dass er all das zu verantworten hatte. Ob das in jenem Moment gerecht oder fair war, stieß bei der Nordskov auf taube Ohren.<br />
<br />
"<i>Ich schätze wohl nicht.</i>" <br />
<br />
Der Tonus ihrer Miene wurde weicher, nahm mehr den Ausdruck von Müdigkeit an. Skadi versteckte nicht, wie sehr sie die letzten Tage ausgezehrt hatten. Psychisch wie physisch. Sie sehnte sich so sehr nach Ablenkung, dass sie sogar kurzweilig überlegt hatte, an geheimen Untergrundkämpfen der Stadt teilzunehmen. Zumindest ihrem Körper musste sie gestatten all den Frust von sich abzuschütteln, wenn sie schon niemanden hatte, der ihre Emotionen aufsaugte. Sie verpuffen ließ wie Luft und ihr diese Leichtigkeit zurück gab, die damals noch in jeder Faser ihres Körpers vibriert hatte. <br />
Beiläufig kramte sie nach dem kleinen Geldbeutel in ihrer Hüfttasche und schob den leeren Krug mit einem Nicken zum Barmann hinüber. <br />
<br />
"<i>Also erschieß ihn bitte nicht, wenn er Ärger macht.</i>", fügte sie mit einem schiefen Schmunzeln auf den Lippen hinzu. "<i>Meine medizinischen Fähigkeiten reichen leider nicht aus, um jemanden wiederzubeleben.</i>" <br />
<br />
Und sie gäbe einiges darum, es zu können. Säße wohl kaum hier, wenn dem so wäre. Mit einem knappen Nicken dankte sie dem Barmann für den gefüllten Krug vor ihrer Nase und drückte ihm schweigend die Münzen in die Hand. Nippte dann an ihrem Rum und wandte sich dann in einer fließenden Bewegung auf dem Hocker herum. <br />
<br />
"<i>Da ich nicht davon ausgehe, dass wir hier eine Mädchenrunde eröffnen und du mir deine Probleme beim gemeinsamen Haareflechten anvertraust... worauf hast du Lust?</i>" <br />
<br />
Und sie ließ sich gerade für nahezu alles begeistern - trug es dem Braunhaarigen in keinster Weise nach, dass er ihr alles aus der Nase zog, während er sich in Schweigen hüllte. Immerhin hatte sie keine Erwartungen an ihn, wie es ihre offene und sichtlich entspannte Miene verdeutlichte. Sie selbst hatte die Wahl ihre Gefühle für sich zu behalten, sah jedoch absolut keine Notwendigkeit darin. Wenigstens wusste er jetzt woran er war und was er von ihr in Zukunft erwarten konnte, wenn er das Thema Enrique betrachtete.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Hinter seinem Whisky verdüsterte sich der Ausdruck in den tiefgrünen Augen für einen Moment. Was für eine Frage. Selbstverständlich wäre es ihm nicht egal. Es gab nichts, das ihm weniger gleichgültig war, als das Glück seiner kleinen Schwester – und jedem, der es wagte, ihr auch nur ein Haar zu krümmen, riet er inständig, zu rennen. So weit und so schnell ihn seine Beine trugen. Niemals stehen zu bleiben. Immer einen Blick über die Schulter zu werfen. Denn er würde ihn finden. Früher oder später. Es gäbe nichts anderes, das ihn von dieser Jagd würde abhalten können, bis die Rechnung beglichen war. Nichts, aber auch gar nichts. Mit diesem Gedanken... konnte Lucien wahrscheinlich besser verstehen, was die Jägerin so unglaublich wütend, so hasserfüllt machte. Und in ihr das Verlangen weckte, alles dafür zu tun, damit der Mensch, der ihr am Herzen lag, wieder glücklich sein konnte.<br />
Er stieß ein leises Seufzen aus – bei dem wohl auch irgendwo auf dieser Welt eine Elfe starb – und nickte schließlich zum Zeichen, dass er begriff. Dann genehmigte er sich einen großen Schluck seines Whiskys und warf der Nordskov einen Seitenblick zu, während sie in ihrer Tasche nach ihrem Gold kramte. Auf seinen Lippen erschien daraufhin ein kleines Lächeln. <br />
<br />
„<i>Keine Sorge. Über den Punkt sind wir inzwischen hinaus...</i>“, meinte er fast gelassen. Eine Gelassenheit, die sich über die Bitterkeit in seinem Inneren seltsam befremdlich und zugleich wohlig vertraut anfühlte. Ja. Das konnte er gut. <br />
„<i>Dafür müsste er schon gewaltig Scheiße baun.</i>“ <br />
<br />
Der junge Captain hob erneut den Krug. Doch bevor er trinken konnte, durchkreuzte ein breites Grinsen seinerseits sein Vorhaben. Zwar schluckte er das Lachen, doch es spiegelte sich ganz offensichtlich in seinen Augen wider. <br />
<br />
„<i>Nicht? Verdammt schade.</i>“ <br />
<br />
Und damit kippte er den Rest seines Whiskys hinter, stellte den leeren Krug wieder auf dem Thresen ab und ließ sich ihr Angebot noch einmal durch den Kopf gehen. Schließlich winkte er dem Wirt und bedeutete ihm mit einem Fingerzeig, noch einmal nachzuschenken.<br />
Schon nach dem zweiten spürte er die Auswirkung des schnell getrunkenen Alkohols. Ein Krug mehr konnte das eigentlich nur besser machen. <br />
<br />
„<i>Weißt du was?</i>“ Er griff nach dem Gefäß und wandte sich nun ebenfalls seiner Trinknachbarin zu. „<i>Für mich klingt das verdammt danach, als täte uns beiden etwas Ablenkung gut. Was hältst du davon, wenn wir das Zeug hier hinter kippen und uns einen Ort suchen, an dem ein bisschen mehr los ist.</i>“ <br />
<br />
Er hob den Krug mit einem kleinen Lächeln und in den tiefgrünen Augen erschien ein unergründlich Ausdruck, der flüchtig aber eindeutig über die Erscheinung der Jägerin wanderte. Ganz genau wie Skadi war der Dunkelhaarige für so gut wie alles zu haben.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Lucien verstand. Ohne ein weiteres Wort, weil es wohl kaum mehr bedurfte. Instinktiv hatte sich Skadi des stärksten Mittels angenommen, das man sich ihm gegenüber zu Nutze machen konnte. Und als Frau war die Nordskov nach wie vor noch emphatisch genug, um diese feste Bindung zwischen den Geschwistern zu begreifen und zu spüren, ohne sie leibhaftig gesehen zu haben. Femininer Instinkt. Die wohl größte Waffe, die sie von Geburt an besaß. <br />
Luciens darauf folgende Worte lockte die braunen Augen unweigerlich zu sich herüber. Ließen sie prüfend über seine Miene tanzen und erlaubten es der Nordskov mit einem halben Schmunzeln auf den feinen Zügen tief durchzuatmen. Zwar glaubte sie dem Dunkelhaarigen durchaus, immerhin hatte er keinen Grund sie diesbezüglich anzulügen. Dennoch wusste sie genauso gut, dass Enrique ein komplizierter Mensch war, der manchmal unergründliche Dinge tat und deshalb missverstanden wurde. Seine mangelnde Kommunikation hätte ihn nicht zum ersten Mal in Schwierigkeiten gebracht und seine immer noch sehr direkte und befehlsähnliche Redeweise machte es ihm nach wie vor auf der Sphinx nicht einfach. <br />
Dennoch hob Skadi in einer stillen Abmachung ihren Krug, prostete dem jungen Kapitän zu und nahm einen kleinen Schluck nun mehr weniger intensiv schmeckenden Rums. War wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis der Alkohol wohlig warm durch ihren Körper strömte und den Ausgang dieses Abends in einen dichten Nebel hüllte.<br />
Und wenn sie Luciens brummendem Lachen lauschte, konnte sie wohl getrost davon ausgehen, dieser Gesellschaft etwas Angenehmes abgewinnen zu können. Allzu oft lachte der Dunkelhaarige zumindest nicht – wirkte in gewisser Weise gern so ernst und nachdenklich wie Enrique.<br />
Somit zierte ein amüsiertes Grinsen ihre vollen Lippen, intensivierte sich bei jedem seiner Worte, bis es ein kleines Grübchen in ihrer Wange hinterließ. <br />
<br />
“<i>Diese Idee könnte mir durchaus gefallen.</i>“, entgegnete die Nordskov sichtlich vergnügt und ließ die dichten Brauen für einen kurzen Augenblick tänzelnd in Richtung ihres Haaransatzes hinaufschnellen. <br />
<br />
Fast schon als wollte sie sich dem eindringlichen Blick Luciens entgegen stellen, der definitiv nicht unbemerkt geblieben war – er machte aber auch kaum den Anschein, als wäre das seine Absicht gewesen.<br />
Laut schlugen die zwei Krüge aneinander, als Skadi dem Jüngeren zuprostete und den Rum mit nur einem Zug ihre Kehle hinab gleiten ließ. Das kurzweilige Brennen ignorierte sie, fokussierte sich auf die fließenden Bewegungen, die sie von ihrem Hocker hinab und das Tongefäß auf den Tresen gleiten ließ. <br />
<br />
“<i>Dann verschwenden wir mal keine Zeit…</i>“<br />
<br />
Eigentlich war es schon fast unnötig mit solcher Energie an ihren Ausflug heran zu gehen und sich mit einem breiten Grinsen Lucien entgegen zu lehnen. Doch Skadi fühlte sich – höchst wahrscheinlich dank der Unmengen an brennendem Alkohol – dazu beflügelt auf federleichten und tanzenden Sohlen nach einer neuen Beschäftigung zu suchen. Ganz gleich welchen Ausmaßes. <br />
<br />
“<i>… denn die Nacht ist noch jungfräulich.</i>“<br />
<br />
Ein herzhaftes Lachen entglitt ihrer Kehle und ließ den hoch gewachsenen Körper der Nordskov zurück weichen und zwischen den Tischreihen hindurch in Richtung Eingangstür schreiten. Beinahe konnte man den Eindruck gewinnen, dass sie ungewöhnlich aufgeweckt und lebenslustig wirkte. <br />
<br />
“<i>Komm schon… oder muss ich deinen hübschen Hintern hier hinaus tragen?</i>“, mit einem intensiven Blick wandte sich Skadi zu Lucien herum, kaum dass sie die Tür kraftvoll ins Rauminnere gezogen und den schmalen Körper durch den Spalt geschoben hatte. Wartete mit einem leisen Schnalzen der spitzen Zunge darauf, bis sich der junge Kapitän auf einige Armlängen genähert hatte und verschwand dann leise hinaus.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Skadis vergnügtes Lächeln war ansteckend – und Lucien ließ sich mitreißen. Ihre Krüge stießen aneinander und um die unergründlich tiefgrünen Augen bildeten sich amüsierte Lachfältchen. Sein Blick ruhte auf der Jägerin, die den Inhalt ihres Bechers hinter stürzte, noch bevor er den seinen überhaupt an die Lippen setzte. Beobachtete, wie sie mit einer fließenden Bewegung von ihrem Hocker glitt und ihr Verhalten sich wandelte. Mit einem Mal wirkte sie unbeschwert und abenteuerlustig. Schlicht und ergreifend bereit für das, was die Nacht ihr bieten könnte. Nicht die Jägerin, die sie war, sondern vielmehr eine junge Frau auf dem Weg zum nächsten Fest. <br />
Seinen Blick nahm sie dabei mit solcher Gelassenheit hin, wie es nur jemand tat, der für jeden Spaß zu haben war. Und der das Terrain kannte, auf dem er gewohnheitsmäßig spielte. Als sie sich zu ihm lehnte, der Tatendrang in den dunklen Augen, konnte sich der Dunkelhaarige dem nicht mehr entziehen – selbst, wenn er gewollt hätte. Die Gedanken an Talin, an Enrique und die Schatten, die hinter dem Horizont auf Lucien lauerten, rückten in den tiefsten Hintergrund seines Unterbewusstseins. Machten der aufgeregten Bereitschaft Platz, zu nehmen, was da kam. Eben jene Bereitschaft, die Skadi ausstrahlte, die in ihrem Lachen erklang und ihre Bewegungen beflügelte, als sie zur Tür lief. <br />
<br />
„<i>Also schön.</i>“ <br />
<br />
Die Worte galten nur ihm selbst, waren kaum eine wirkliche Antwort auf ihre gescherzte Drohung. Mit einem Schmunzeln setzte er den Krug an die Lippen, stürzte den gesamten Inhalt hinunter. Dann stellte er das Gefäß ab, griff nach dem Beutel mit seinen restlichen Münzen und rutschte von seinem Hocker. Die ganze Zeit über ließ er Skadi dabei nicht aus den Augen, begegnete ihrem intensiven Blick unerschrocken und folgte ihr schließlich bis zur Tür, durch die sie bereits hinaus schlüpfte. Der Alkohol brannte sich warm und verlockend durch seine Adern, machte die Welt um ihn herum etwas weicher. Etwas weiter entfernt.<br />
Draußen vor der Tür umfing ihn kühle Nachtluft, beschwichtigte die Wirkung des Whiskys ein wenig, sodass er sie zwar spürte, aber nicht sofort sein Gleichgewicht einbüßte. Genau der richtige Zeitpunkt, um weiter zu ziehen. Und was eignete sich für ihrer beider Stimmung besser, als die besonders verrufenen Ecken des Hafenviertels? Lucien schob den Geldbeutel in seine Gürteltasche, verschloss sie sorgsam und warf seiner dunkelhaarigen Begleiterin dabei einen Seitenblick zu. Ein Grinsen auf den Lippen. <br />
<br />
„<i>Ich kenne einen Ort, der dir gefallen könnte.</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Er sollte häufiger lächeln. Mit diesem letzten Gedanken war sie zur Tür in die Nacht hinaus getreten. Hatte sich mit ausgestreckten Armen und einem tiefen Atemzug der aufkommenden Nacht entgegen gestreckt und fast schon selbstverständlich das breite Lächeln auf ihren Zügen zugelassen. Wie schnell die trüben Gedanken doch verblassten, wenn sie sich in guter Gesellschaft befand. Nicht zum ersten Mal hatte sie jemand mit ungewohnter Leichtigkeit dazu ermuntert, dem üblichen Verdrängungstrieb nachzugeben. Sich mit jeglicher Hingab in die Ablenkung hinein zu stürzen, die sich ihr bot, ohne dass sie auch nur einen weiteren Gedanken an die Folgen verschwendete. War sie schon immer so gewesen? Skadi wusste es nicht. <br />
Versuchte jedoch genauso wenig es zu ergründen, als sie sich auf den Zehenspitzen zu Lucien herum drehte und dessen Miene mit einem verschmitzten Gesichtsausdruck in Augenschein nahm. Die dunklen Gestalten in den Ecken und um sie herum ignorierte sie geflissentlich. Wie so oft, wenn sie sich auf etwas konzentrierte, das von weitaus größerem Interesse für sie war. <br />
<br />
“<i>Ein Ort der MIR gefallen könnte?</i>“ Beinahe wäre ihr ein Lachen über die Lippen gehuscht, wand sich jedoch nur als amüsiertes Glucksen aus ihrer Kehle heraus und hinterließ ein sanftes Blitzen in den dunklen Augen. “<i>Da bin ich aber mal gespannt…</i>“<br />
<br />
Skadi machte sich keine Gedanken darüber, was der Dunkelhaarige tief in seinem Inneren wirklich von ihr hielt. In welche Schublade er sie verfrachtete oder ob er überhaupt der Typ war, der Menschen aus anerzogenem Pragmatismus in Kategorien einordnete. Letztlich zählte für sie die Offenheit, die er ihr gegenüber immer wieder an den Tag legte und mit einer solchen Selbstverständlichkeit einforderte, dass es sich kaum anfühlte, als stünde sie einem, oder vielmehr IHREM Kapitän gegenüber.<br />
<br />
“<i>…aber wehe du verschacherst mich an irgendeinen schmierigen Fleischberg. Dann muss ich dich leider übers Knie legen, mein Lieber.</i>“ <br />
<br />
Ein breites Lächeln zierte jäh ihre Züge, weitete sich zu einem amüsierten Grinsen und Auflachen, während sie ihm folgte. Dann und wann huschte das dunkle Augenpaar auf ihre Umgebung. Beobachtete die Umstehenden eher beiläufig, als dass sie versuchte sich auf Gesichter oder Landmarken zu fokussieren. Die Arme entspannt an ihren Seiten, der Schritt beschwingt und federleicht. Nichts an der Nordskov erweckte den Anschein, als wollte sie sich just in ein tiefgründiges Gespräch verwickeln lassen.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Ihre Antwort entlockte Lucien ein amüsiertes Auflachen. Von der Seite her warf er ihr einen kurzen Blick zu, versuchte tatsächlich, sich das Szenario für einige Sekunden vorzustellen und kam zu dem eher scherzhaften Ergebnis, dass ihre Idee – die sie ihm ja eigentlich ausreden wollte – wahrscheinlich lukrativer war, als sie dachte. <br />
<br />
„<i>Nur, um erst das Gold für dich einzustreichen und den Herren, der so dumm war, hinterher auszurauben, sobald du ihn ins Reich der Träume verbannt hast.</i>“ <br />
<br />
Das Grinsen auf seinen Lippen, das er der Jägerin zuwarf, zeugte davon, dass er die kleine Geschäftsidee doch nicht ernsthaft in Betracht zog. Kurz darauf bogen sie jedoch in eine spürbar dunklere Gasse ab und der erheiterte Ausdruck verschwand. Wirkte stattdessen jungenhaft unschlüssig, während die tiefgrünen Augen über die schäbigen Haus- und Kellereingänge huschten, die hier und da die Mauern durchbrachen. <br />
<br />
„<i>Das Problem ist... dass ich von diesem Ort bisher nur gehört habe, aber noch nicht dort gewesen bin.</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Skadi blinzelte für einen Moment verdutzt, ehe ihr Körper aus purer Gefühlsexplosion ein Glucksen kaum unterbinden konnte. Damit hätte sie jetzt nicht gerechnet. Und sein Vorschlag war durchaus im Bereich des Machbaren. <br />
<br />
„<i>Du bringst mich schwer in Versuchung, Dravaen.</i>“ <br />
<br />
Erwiderte die Nordskov mit einem sanften Stupser in seine Seite und folgte ihm wortlos in die Gasse. Sonderlich vertrauenswürdig wirkte der düstere Schatten der hohen Hauswände wohl kaum. Und ein knapper Seitenblick verriet ihr, dass der Jüngere wohl ähnliches dachte, wie sie selbst. <br />
<br />
„<i>Und was für ein Ort soll das sein? Oder bleibt das ein Geheimnis, bis wir angekommen sind?</i>“ <br />
<br />
Auf ihren Zügen thronte noch immer ein sanftes Lächeln. Bis auf weiteres sah sie keinen Grund darin zu glauben, dass der Dunkelhaarige sie in eine Falle lockte.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Nicht weit von ihnen, nur etwa zehn Schritte voraus, bemerkte eine düstere Gestalt das Kommen der beiden Piraten und drückte sich mit grimmig-abweisendem Gesicht tiefer in den Schatten eines Hauseingangs. Vor seinem Mund glühte etwas in der Dunkelheit auf. Kurz danach erhob sich weißer Rauch in die Luft. Lucien bemerkte ihn früh, beobachtete ihn jedoch nicht länger als nötig und wirkte darüber hinaus alles andere als angespannt, als er den Blick nach ihrem geradezu kumpelhaften Knuff in seine Seite wieder seiner Begleiterin zuwandte. Nicht zuletzt mochte das an dem Alkohol liegen, der sich wohlig warm durch seine Adern fraß und seinen Körper ungewohnt leicht werden ließ. <br />
<br />
„<i>Wenn uns zu langweilig wird, können wir uns das ja als Option offen lassen.</i>“, gab er mit einem Grinsen zurück und zuckte im gleichen Moment mit der Schulter. „<i>Ich hab bisher nur ein paar versoffene Kerle beim Pokern drüber reden hören. Irgendwo hier in der Stadt soll es eine Art... hm...</i>“ Er suchte augenscheinlich nach dem passenden Wort und senkte ob des möglichen Zuhörers unwillkürlich die Stimme etwas. „<i>... Untergrund geben? Ein Ort, an dem sich das ganze Gesocks an Dieben, Spielern und Säufern trifft. Reichlich Gelegenheit, schnelles Geld zu machen, wette ich.</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Nur kurz folgte sie seinem Blick in die Schatten. Bemerkte die blasse Rauchsäule und verweilte ein wenig länger auf ihr, während Lucien sprach und ihr dann, mit gesenkter Stimme ein tiefes Brummen entlockte. Lucien sprach von einer Untergrundtaverne. Voller Menschen, die gern als Abschaum der Gesellschaft betitelt wurden und von denen sich Skadi in den meisten Fällen fern hielt. Aus gutem Grund. Wieso Lucien glaubte, dass ihr ein Ort wie dieser gefallen würde? Sie wusste es nicht, stellte unausgesprochene Vermutungen an und tat letztlich nichts anderes als die dunklen Augen in einem beharrlichen Lächeln auf ihren Lippen zur Seite zu richten. <br />
<br />
“<i>Braucht es für einen solch geheimen Ort nicht einen geheimen Eingang und einen... Türsteher?</i>“ <br />
<br />
Erneut richtete sie ihren Blick auf jene Stelle, an der noch vor wenigen Augenblicken ein Mann gestanden haben musste - so sie die Rauchsäule und das kurze Aufblitzen richtig interpretierte. Und irgendwie wurde sie das Gefühl nicht los, dass dieses Augenpaar nicht das einzige zu sein schien, dass auf sie gerichtet war.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Dieses Mal konnte er sich ein kleines Schnauben nicht verkneifen. Weniger, weil das, was sie sagte, keinen Sinn ergab – das tat es nämlich sehr wohl – sondern vielmehr... sollte es wirklich so einfach sein? Sollten sie nur wenige Schritte, nachdem sie ihr Vorhaben, einen spannenderen Ort ausfindig zu machen, in die Tat umsetzen wollten, bereits auf den Eingang zu jener Untergrundspielwiese gestoßen sein? Dann sollten sich deren 'Betreiber' beim Verstecken wahrscheinlich mehr Mühe geben. <br />
<br />
„<i>Wir können ja einfach mal klopfen...</i>“, meinte er mit der geradezu unbefangenen Gelassenheit eines kleinen Jungens, warf Skadi einen kurzen, weiterhin amüsierten Seitenblick zu und brachte die letzten Meter mit zielstrebigeren Schritten hinter sich. <br />
<br />
Der Türeingang war inzwischen leer, der Mann samt Glimmstengel verschwunden – wahrscheinlich nach drinnen. Das Gebäude selbst, zumindest das Erdgeschoss – bestand aus brüchig grauem, grob behauenem Feldstein. Die zweite Etage dagegen lediglich aus Holz. In den Fenstern brannte kein Licht. Die tiefgrünen Augen wanderten von der Fassade wieder zurück zur Tür, dann hob er die Linke und klopfte drei mal kräftig dagegen. Im ersten Moment geschah überhaupt nichts. Dann brummte jemand auf der anderen Seite ein grimmiges: <br />
<br />
„<i>Wer da??</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#BC8F8F">Skadi fühlte sich jäh wie ein kleines Kind, das kurz davor war, einen Klingelstreich zu begehen. Jede Faser ihres Körpers wollte auflachen und mit einem Glucksen hinter der nächsten Ecke in Deckung gehen. Bisher hatte der Alkohol allerdings noch nicht vollends eingeschlagen, sodass sie Lucien mit gemächlichem Schritt folgte und instinktiv die Waffen an ihrem Körper zählte. Sicher war sicher, wenn sie sich auf dieses kribbelnde Abenteuer mit dem Dunkelhaarigen einließ. Dumpf hallte der Schlag seiner Hand auf dem Holz erst in der Luft, dann in ihrem Körper nach. Ließ sie in einem breiteren Stand schräg neben ihm innehalten und die Gasse ins Visier nehmen. Selbst die dunkle Stimme am anderen Ende ignorierte sie vorerst. Versuchte dem Gefühl nachzugehen, das sich kribbelnd ihren Nacken hinauf schob, ehe sie sich herum wandte und über Luciens Schulter auf die Tür blickte. <br />
<br />
“<i>Zwei gelangweilte Streuner, die nach etwas Ablenkung suchen.</i>“ <br />
<br />
Als ob der Kerl sie vorhin nicht gesehen hätte!</font>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Laster der Leute]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=927</link>
			<pubDate>Tue, 23 Jun 2020 18:51:18 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=9">Liam Casey</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=927</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Laster der Leute</div>
<br />
<font size=1>Früher Abend des 09. April 1822<br />
Liam Casey & Lucien Dravean</font></center><br />
<br />
<font color=6C7B8B>Es musste schon wieder später Nachmittag sein, als Liam das Geschäft des Instrumentenbauers verlassen hatte. Die Tage vergingen wie im Flug, die sie noch mit Landgang verbringen konnten. Doch auch, wenn er nicht genau wusste, wie spät es war und wie viel Zeit noch bleiben würde, bis die Dämmerung einsetzte, hatte er nicht vor, direkt zur Sphinx zurückzukehren. Ein wenig abwesend war er durch die Straßen und Gassen gewandert, war hier und da mal stehen geblieben, um sich die ein oder andere Handarbeit zu besehen, die in den Läden zu bewundern war und hatte nicht wirklich darauf geachtet, wohin ihn seine Wege geführt hatten. Erst, als ihm eine aufreizende Dame ein Angebot machte, blinzelte er irritiert und stellte fest, dass er wohl wieder in der Nähe des Bordells der Stadt gelandet war. Mit einem freundlichen Lächeln wies er sie ab und wollte sich gerade wieder in eine andere Richtung wenden, als ihm eine bekanntere Gestalt ins Auge fiel. Seine Stirn legte sich kurz in Falten, während er Lucien beobachtete, der in den letzten Tagen recht häufig hier herumgelungert hatte. Kurzerhand vertagte er die Idee, sich direkt umzuwenden und steuerte auf den jüngeren Captain zu, der den Anschein erweckte, recht zielsicher im Frauenhaus verschwinden zu wollen. <i>„Haben sie dir inzwischen eine Stempelkarte zukommen lassen?“</i>, fragte er in ernstem Ton und ging davon aus, dass Lucien ihn bislang noch nicht bemerkt hatte. Verdient gehabt hätte er sie vermutlich – gänzlich gefüllt womöglich auch. Doch Liams Absicht war nicht, den Jüngeren dumm von der Seite anzumachen, was wohl unschwer an seinem kumpelhaften Grinsen zu erkennen war. Er konnte sich die Zeit vertreiben womit und mit wem er wollte. Der Lockenkopf war der letzte, der darüber urteilte. Und bloß, weil ihm der Gedanke an eine bezahlte Bettnachbarin nicht behagte, gab es offensichtlich genügend Männer, die das anders handhabten. <i>„Ansonsten würde ich mich an deiner Stelle beschweren.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#458B74>Es sollte sein letzter Besuch in diesem Bordell sein. Zumindest war das Luciens Plan gewesen, als er sich auf den Weg in die Stadt gemacht hatte. Sie würden bald aufbrechen und bis dahin gab es auf dem Schiff für ihn noch genug zu tun. Er hatte die frühen Morgenstunden und den Vormittag mit der Arbeit an Bord verbracht, entweder allein oder im durchaus entspannten Beisein Greos, der sich scheinbar nicht wirklich daran störte, mal nicht in ein Gespräch verwickelt zu werden. Etwas, das der Dunkelhaarige im Moment fast mehr genoss, als ausgelassene Geselligkeit. Zumindest beim Würfelspiel an Deck würde man ihn vergeblich suchen. Am ehesten zog es ihn dann in die Gesellschaft käuflicher Frauen. An den meisten von ihnen hatte Lucien längst Gefallen gefunden, vor allem deshalb, weil er sie mit Sicherheit nie wieder sehen würde. Sie waren schön, anspruchsvoll, intelligent - und vor allem an nichts anderem interessiert, als an seinem Geld. Und es war jene damit einher gehende Unkompliziertheit, die ihn alles andere vergessen ließ. Er mochte 'unkompliziert'. Umso zielstrebiger führten ihn seine Schritte deshalb durch die Straßen der Stadt, bis er den inzwischen vertrauten Straßenzug erreichte, der ihm sagte, dass er sein Ziel beinahe erreicht hatte. In diesem Augenblick riss eine Stimme ihn aus seinen Gedanken. Nur ein unbestimmtes Gefühl ließ den jungen Captain wissen, dass tatsächlich er gemeint war und auch nur diesem folgte er, als er den Blick umwandte und ihn auf den Sprecher richtete. Scheinbar hatte er sich auf seinem Weg tief in Gedanken verstrickt, denn erst danach sagte ihm sein Unterbewusstsein, dass er die Stimme tatsächlich kannte - und was sie gesagt hatte. Auf das zuvor ernste Gesicht des 21-jährigen schlich sich ein amüsiertes Schmunzeln. "<i>Was bekomme ich, wenn ich sie voll habe? Zwei zum Preis von einer?</i>" Er blieb stehen, um zu warten, bis Liam ihn erreicht hatte und hakte währenddessen die Daumen in seinen Ledergürtel. Die grünen Augen ruhten mit entspanntem Interesse auf dem Lockenkopf. "<i>Und was führt dich in diese Ecke? Doch nicht etwa das Verlangen nach weiblicher Gesellschaft?</i>" </font><br />
<br />
<font color=6C7B8B>Es war gewiss nicht seine Absicht, den jüngeren Captain von irgendetwas abzuhalten. Allerdings merkte Liam allmählich, dass es sich falsch anfühlte, einfach an einem der anderen Crewmitglieder der Sphinx vorbeizulaufen, ohne zu grüßen. Immerhin waren die Bekanntschaften nicht mehr nur flüchtige Begegnungen – selbst, wenn es ungewiss war, wie lange sie den gleichen Weg haben würden, im Augenblick saßen sie eben nicht nur sprichwörtlich im selben Boot. Lucien schien allerdings auch nicht unbedingt gestört, als er sich umwendete und ihn erkannte. Er konnte also offensichtlich noch wenige Minuten warten, bis er sich der weiblichen Zuwendung hingab. So gesehen lief ihm hier auch nichts weg. Unter anderen Umständen hätte er vermutlich Initiativen ergreifen müssen, um an sein Ziel zu kommen. <i>„Gleichzeitig oder nacheinander?“</i>, konterte er auf den Vorschlag des Jüngeren seinen gedanklichen Zwiespalt. Liam ging mit solchen Dingen recht offen um. Es hätte also gleichermaßen eine rhetorische oder eine gezielte Frage sein können, was der Lockenkopf aber selbst für sich nicht wirklich definiert hatte, als er es ausgesprochen hatte. Als Lucien die Frage nach seinem Vorhaben stellte, lächelte der Ältere vielleicht ein wenig zu vielsagend, ehe er den Kopf schüttelte. <i>„Nein. Mir behagt der Gedanke nicht, jemanden dafür bezahlen zu müssen, damit er mit mir das Bett teilt.“</i> Er hatte kein Problem damit, das offen zuzugeben, selbst wenn er mit dieser Ansicht vermutlich einige schräge Blicke von anderen Männern erntete. Allerdings tat er so etwas mit einem lockeren Schulterzucken ab. <i>„Außerdem fehlt mir da ein bisschen die Leidenschaft.“</i> Jetzt war es wieder da – das bübische Grinsen auf seinen Zügen, welches den möglichen Eindruck der Prüdheit im Bezug auf Liam vermutlich wieder aus der Welt schaffte. </font><br />
<br />
<font color=#458B74><i>„Gleichzeitig, möchte ich doch hoffen.“</i> Mit einem vielsagenden Lachen in der Stimme spielte er den Ball ganz ungeniert zurück. Lucien war nie ein Mann gewesen, der mit dem, womit er sich im Hafen mit Vorliebe die Zeit vertrieb, hinterm Berg hielt. Für Geheimnisse gab es keinen Grund. Darüber hinaus kam ihm Liam nicht wie einer vor, der durch die Gegend lief und Menschen für irgendetwas verurteilte. Eher das genaue Gegenteil. Und vielleicht machte gerade das den Lockenkopf derart sympathisch. Also blieb der junge Captain auch jetzt ganz gewohnt offenherzig. Auf seinen Zügen erschien ein gelassenes Schmunzeln. <i>„Kann ich gut verstehen.“</i> Wie von selbst huschten die grünen Augen hinüber zu dem Gebäude, an dessen Eingang eine Gruppe leicht bekleideter Mädchen tuschelnd beieinander stand und – kaum, dass sie seinen Blick bemerkten – den beiden Männern kichernd winkten. <i>„Aber manchmal macht es das deutlich unkomplizierter.“</i> Und manchmal war 'unkompliziert' genau das, was er brauchte. Beispielsweise, wenn er von komplizierten Frauen die Schnauze voll hatte... Seine Aufmerksamkeit kehrte zu dem Älteren zurück und wieder erschien ein Schmunzeln auf seinen Lippen. <i>„So, wie du das sagst, klingst du fast, als hättest du überhaupt kein Interesse an Frauen. Sagt man Künstlern nicht eigentlich nach, ganz besonders leidenschaftlich zu sein?“ </i></font><br />
<br />
<font color=6C7B8B>Lucien brauchte nicht lange überlegen, um eine Antwort parat zu haben, die Liam schlagartig lächeln ließ. Natürlich gleichzeitig, der Traum eines wohl jeden Mannes, obwohl zwei Frauen nicht gleichzeitig bedeuteten, dass es besser war als mit einer. Oder zwei Männer, ganz wie’s eben kam. Doch da musste Lucien seine Erfahrungen schon ganz alleine machen, um mitreden zu können. So, wie Liam beispielsweise auch seine Erfahrungen gemacht hatte, die ihn den Dirnen eher fortbleiben ließen. Sein Blick folgte dem des Jüngeren und erspähten die kleine Gruppe Frauen gerade in dem Moment, in dem sie lockend in ihre Richtung winkten. Er hatte nicht vor, ihnen länger die Kundschaft aufzuhalten, sie brauchten sich keine Sorgen machen. <i>„Es muss nicht immer kompliziert sein.“</i>, entgegnete er mit einem Schulterzucken etwas überrascht, als er den Blick wieder auf die ausgemerkelten Züge des Mannes neben sich richtete. <i>„Nicht, wenn man von Anfang an mit offenen Karten spielt.“</i> Und er hatte bislang wirklich selten Probleme damit gehabt, dass es kompliziert gewesen wäre – immer nur so sehr, wie man es eben selbst kompliziert machte. Und auch im Augenblick konnte er sich über ‚Komplexität‘ zum Thema Liebschaften nicht beschweren. Als Lucien fortfuhr, konnte der Lockenschopf gar nicht anders, als aufzulachen und letztlich kurz die wilde Haarpracht zu schütteln. <i>„Du verstehst mich falsch. Bei den Dirnen fehlt mir die Leidenschaft.“</i>, stellte er mit einem kurzen Zwinkern richtig. Das Problem war nämlich im Grunde genau das, was der Jüngere ansprach: Solche Leidenschaft war ausnahmsweise nichts, was man sich mit Gold erkaufen konnte. Es benötigte Spontanität, Hingabe und zuletzt natürlich auch besagte Leidenschaft, um im Moment zu leben und ihn so zu nehmen, wie er kam, ohne zwangsläufig auf den Abschluss auszusein. Das, was davor passierte, bildete nämlich die Erinnerungen. Liam runzelte kurz die Stirn und überlegte, ehe er die Hand in einer einladenden Geste hob und fort vom Bordell wies. <i>„Wie sieht’s aus? Lässt sich deine Verabredung verschieben? Dann kann ich dir vielleicht zeigen, was ich meine.“</i> Ein verschmitztes Grinsen galt dem Jüngeren und auch, wenn seine Gedanken gerade noch reichlich zu zehren hatten, klang es eigentlich nach einem netten Zeitvertreib, zwei Menschen zusammenzuführen, die auf der Suche nach einem einmaligen Abenteuer waren.</font><br />
<br />
<font color=#458B74>Er konnte nicht anders, gab auf Liams Worte hin ein leise spöttisches Schnauben von sich. Allerdings richtete sich das ganz unmissverständlich nicht gegen den Lockenkopf oder dessen Worte. Sondern vielmehr gegen das, woran der junge Captain in diesem Augenblick unweigerlich denken musste. <i>„Manche Frauen machen es einem immer kompliziert, egal welche Karten man spielt.“</i> Mit einem amüsierten Seitenblick streifte er Liams Züge, zuckte schließlich leicht mit den Schultern und erweckte damit ganz den Anschein, als wäre das wiederum halb so wild. Das zumindest waren Erfahrungen, die Lucien gemacht hatte. Mehr als einmal. Sobald zu viel Emotionalität ins Spiel kam... wurde es <b>immer</b> kompliziert. Vor allem deshalb bevorzugte er die freien Mädchen und die zwanglosen Begegnungen im Hafen, die kurz genug waren, um nicht mehr als ein oberflächliches Interesse zu wecken. Jedenfalls meistens. Aber auch nicht immer... Das Angebot des Älteren ließ den Dunkelhaarigen dann jedoch kurz überrascht stutzen. Die tiefgrünen Augen richteten sich gänzlich auf ihn, musterten ihn kurz. Dann erschien ein amüsiertes Schmunzeln auf seinen Lippen. <i>„Ich bin mir nicht sicher, ob das bei mir nicht verschwendete Liebesmüh ist...“</i> Lucien verschränkte die Arme vor der Brust, wandte dem Bordell nun gänzlich den Rücken zu und neigte in einer Geste der Zustimmung den Kopf. <i>„Aber warum nicht? Wer weiß, vielleicht finde ich daran am Ende mehr Gefallen, als an käuflicher Liebe?“</i> Sein Grinsen verriet schon fast, wie wenig er selbst daran glaubte. Ihm würde wohl nie die Leidenschaft für eine Kurtisane fehlen. Nicht, wenn sie hübsch und interessant genug für ihn war. Aber dagegen, sich durch Spielerei und zwangloses Umwerben ein bisschen Appetit zu holen, sprach ja auch nichts. </font><br />
<br />
<font color=6C7B8B>Liams Erfahrungen beliefen sich hauptsächlich auf flüchtige Begegnungen – mal intensiver, mal nicht. Er war selten lang genug an einem Ort gewesen, als dass sich mehr hätte entwickeln können als eine angenehme Chemie und ein natürliches Verlangen. Vermutlich konnte er sich deshalb so einfach von den Dirnen freisprechen, immerhin war er tatsächlich noch nie in der Situation gewesen, dass es kompliziert geworden wäre. Er fuhr mit seiner Schiene ganz gut und hatte bislang gewiss nicht die Absicht, etwas daran zu ändern. Sesshaft werden würde er wohl sowieso nie. Und alles andere, was damit in Verbindung stand, kam für ihn ohnehin nicht in Frage. Dadurch kam er also nicht einmal in die Versuchung, etwas an seinem Lebensstil ändern zu wollen und hatte Grund genug, seine komplikationslose Einstellung fortzuführen. Die Frauen, denen dies nicht passte, hatten jederzeit die Möglichkeit zu gehen – die, die es nicht taten, wussten, worauf sie sich einließen und waren selbst schuld, wenn sie es nicht ernst nahmen. Lucien galt ein kurzes Schmunzeln. Frauen waren gut darin, das stimmte. Aber je weniger Gedanken man sich darum machte, desto bedeutungsloser schien es. Wenn sie mit ihren indirekten Vorwürfen keinen Erfolg hatten, verloren sie den Spaß daran. Und wenn man sich danach sowieso nicht mehr sah, hatten sich sämtliche Konsequenzen ohnehin erledigt. Der Lockenkopf zuckte beiläufig mit der Schulter, als der Captain dem Ganzen nur wenige Erfolgchancen einräumte. Es musste nicht immer von Erfolg gekrönt sein – vor allem, weil jeder ‚Erfolg‘ anders definierte. Für Liam war bereits ein schöner Abend und ein nettes Gespräch ein Erfolg. Wenn man jedoch auf das Happy End aus war, befriedigte einen ein derartiger Ablauf des Abends nur wenig. <i>„Wir werden sehen.“</i>, entgegnete er gut gelaunt. <i>„Und wenn nicht, bieten sich wenigstens genügend Möglichkeiten, sich das Ganze schönzutrinken.“</i> Damit wandten sich die beiden Männer der nächsten Straße zu, die sie vom Bordell fort in eine der Tavernen führen sollte. Eine der weniger zwielichtigen, verstand sich, immerhin waren sie an diesem Abend nicht auf Schlägereiwetten sondern auf ansehnliche Gesellschaft aus. <i>„Ein paar Straßen weiter müsste ein kleines Gasthaus sein, wenn ich’s noch recht in Erinnerung habe. Nicht ganz so zweifelhaft wie manche der anderen Läden. Ich hoffe, du bringst ein bisschen Durst mit?“</i></font><br />
<br />
<font color=#458B74>Lucien kam in diesem Moment nicht umhin, sich zu fragen, was Liam zu seinem Angebot bewog. Zu dem Wunsch, ihm zu zeigen, was genau er unter Leidenschaft verstand. Denn offensichtlich hatte es mit rein körperlicher Begierde wenig zu tun. Dann würde es ihm nicht so widerstreben, auch dafür zu zahlen. Also ein unerschütterlicher Romantiker? Gegen einen eingefleischten Pragmatiker, wie es der junge Captain war? Auf Liams Schulterzucken, das gelassene 'wir werden sehen' konnte der 21-Jährige sich ein Grinsen nicht verkneifen. Ganz egal, wie dieser Abend verlaufen würde – eigentlich konnte es nur lustig werden. Und wer weiß? Vielleicht waren sie sich doch ähnlicher, als er es in diesem Augenblick vermutete. Zumindest eines, dessen waren sich vermutlich beide Männer nicht einmal bewusst, einte sie schon jetzt: Selbst wenn keiner von ihnen am Ende zwischen den Beinen einer Frau landete, bedeuteten auch für Lucien gute Gesellschaft und angeregte Gespräche schon einen gelungenen Abend. Genau deshalb ließ er sich darauf ein. <i>„Ich bringe immer Durst mit.“</i>, versicherte er seinem Begleiter mit einem Lachen in der Stimme. Ohne einen Blick zurück zu werfen, schloss er sich dem Älteren an, verschränkte in einer Geste der Gelassenheit die Arme am Hinterkopf und maß den Weg, den sie beschritten mit einem kurzen Blick. Er würde sie weiter vom Hafen wegführen, in dem sich die düstersten Spelunken häuften. Tiefer hinein in die kleine Stadt, wo das Leben teurer wurde. Es kam Lucien nur gelegen. <i>„Ich hoffe nur, dort gibt es auch die ein oder andere Frau, die unseren Ansprüchen genügt..“</i>, gab er mit unüberhörbar amüsiertem Ton zu bedenken. </font><br />
<br />
<font color=6C7B8B>iam war alles andere als berechnend. Aus der offenherzigen Einladung, sich gemeinsam in einer der Tavernen niederzulassen und nach einer möglichen Verbindung für Lucien Ausschau zu halten, versprach er sich tatsächlich nicht mehr als eben das: einen angenehmen Abend, den er ansonsten auch allein verbracht hätte. Der Lockenkopf lebte im Augenblick, tat, was ihm in den Sinn kam und war nicht wirklich auf Vorteile aus, ganz egal, mit welcher Gesellschaft er sich umgab. Und Lucien war für ihn im Augenblick auch nicht mehr als ein Mitglied der Crew, mit der er zur Zeit segelte, kein Captain. Diese Rolle verlangen genügend andere Crewmitglieder von ihm. Mit einem Lächeln und einer eindeutigen Handbewegung bedeutete er dem Jüngeren, dass Durst schon mal eine ziemlich gute Voraussetzung für den Abend war, ehe er die Hände in seinen Taschen verbarg und die Straße entlang in die Richtung schlenderte, in der er das Gasthaus vermutete, an das er sich dumpf erinnerte. <i>„Das kommt ganz darauf an, worauf du abzielst.“</i>, lachte er bei Luciens Bedenken und warf ihm einen amüsierten Seitenblick zu. Allzu wählerisch schätzte er den jungen Captain allerdings nicht ein – im Augenblick jedenfalls. Er trieb sich nach Jahren in Gefangenschaft immerhin nicht grundlos in den Bordellen herum. Aber das war nichts, worüber Liam groß urteilte. Vorallem: Selbst wenn etwas für sie dabei war, bedeutete das noch lange keinen Erfolg. Es gehörte immer noch zwei dazu, immerhin war es mit Nichten seine Absicht gewesen, Lucien zu einer Vergewaltigung einzuladen. Bei diesem Gedanken vermied der Lockenkopf einen kurzen Seitenblick, entschied aber, den Jüngeren vielleicht etwas im Auge zu behalten. Man wusste immerhin nie, auf welche Idee diese Piraten kamen, auch wenn man es ihnen nicht zutraute. <i>„Aber vielleicht profitieren wir noch ein bisschen von der feierlichen Stimmung.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#458B74>„Naja, zumindest hübsch sollten sie sein, finde ich.“, antwortete der Dunkelhaarige in gespielt grüblerischem Ton und sah von der Seite her zu seinem Gesprächspartner hinüber. In den tiefgrünen Augen lag unverfänglich amüsierte Gelassenheit. Aber auch ein gänzlich unergründlicher Ausdruck, der dazu nicht zu passen schien. Seine Antwort ließ zwar etwas anderes vermuten, doch es gehörte für ihn tatsächlich noch weit mehr dazu. Die Optik mochte das Merkmal sein, das sich wie ein Schema durch sämtliche seiner Liebschaften zog, aber er hatte, je nach Stimmung, sehr ausgeprägte Ansprüche. Es passte nur nicht in das Bild, dass sich andere von ihm machten – und Lucien hatte nicht die Absicht, ein anderes zu zeichnen, weshalb er es dabei beließ. Gerade jetzt versprach Liams Gesellschaft ohnehin mehr als genug Ablenkung, sodass es ihm bei den Frauen relativ egal sein konnte. <i>„Und ganz bestimmt.“</i>, fügte er optimistisch hinten an. <i>„Es ist ja erst ein paar Tage her.“</i> Wie zur Bestätigung seiner Worte passierten sie in diesem Moment eine Seitengasse, in der sich eine Gruppe von Menschen ausgelassen vor der Tür einer Schankstube tummelten. Der Gesang und der Lärm, der durch das geschlossene Holz drang, legte die Vermutung nahe, dass darin ausgelassene Stimmung herrschte. Lucien warf dem Älteren neben sich einen fragenden Blick zu. </font><br />
<br />
<font color=6C7B8B><i>„Wenn das dein einziger Anspruch ist…“</i>, lachte er gutgelaunt, ohne weiter darauf einzugehen. Der Abend würde vermutlich eine gute Möglichkeit bieten, seinen neuen Captain etwas besser einschätzen zu können. Wahrscheinlich allerdings würde Liam – so wenig berechnend wie er eben war – eher darauf achten, ihren kleinen Ausflug zu genießen, statt zu versuchen, irgendeinen Vorteil aus ihrer gemeinsamen Unternehmung zu ziehen. Es war zu selbstverständlich für ihn, mit flüchtigen Bekanntschaften aus allen Welten umzugehen, sie sein zu lassen, wie sie waren und den Augenblick zu leben, statt über ihr Benehmen oder ihre Ansichten zu urteilen. Meistens sah er die Leute nie wieder. Und auch, wenn er sich nun bereits mehrfach dazu entschieden hatte, die Sphinx vorerst weiter zu begleiten, würde er dieses Verhalten eher nicht allzu bald ablegen. Ob sie mit ihren Erfolgsaussichten jedenfalls recht behielten, würde sich im Laufe der Nacht zeigen. Die Voraussetzungen klangen schon einmal gut, wenn man den Lautstärkepegel bedachte, der aus einer der Tavernen drang, auf die Lucien ihn soeben aufmerksam gemacht hatte. Der Lockenkopf nickte einverstanden und sie steuerten zielstrebig auf die Tür zu, um sich selbst ein Plätzchen in der Stube zu suchen. Als Liam die Tür aufschob, kam ihnen eine Wolke aus stickiger Luft entgegen, die Tabak und Alkohol erahnen ließ. Der Raum war gut gefüllt. Mit dem Kinn wies er dem Jüngeren auf einen der wenigen leeren Tische hin und bahnte sich sogleich einen Weg dorthin, um sich erst einmal einen Überblick verschaffen zu können. Und natürlich, den Durst zu löschen, bevor sie weitersehen würden. <i>„Die scheinen alle noch nicht genug vom Feiern zu haben.“</i>, stellte er im Hinblick auf ihre Vermutung von draußen positiv überrascht fest, während er eine hagere Gestalt dabei beobachtete, Bierkrüge durch die Reihen zu balancieren. <i>„Milúi scheint ein recht aufgewecktes Völkchen zu sein. Gefällt mir.“</i> </font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Laster der Leute</div>
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<font size=1>Früher Abend des 09. April 1822<br />
Liam Casey & Lucien Dravean</font></center><br />
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<font color=6C7B8B>Es musste schon wieder später Nachmittag sein, als Liam das Geschäft des Instrumentenbauers verlassen hatte. Die Tage vergingen wie im Flug, die sie noch mit Landgang verbringen konnten. Doch auch, wenn er nicht genau wusste, wie spät es war und wie viel Zeit noch bleiben würde, bis die Dämmerung einsetzte, hatte er nicht vor, direkt zur Sphinx zurückzukehren. Ein wenig abwesend war er durch die Straßen und Gassen gewandert, war hier und da mal stehen geblieben, um sich die ein oder andere Handarbeit zu besehen, die in den Läden zu bewundern war und hatte nicht wirklich darauf geachtet, wohin ihn seine Wege geführt hatten. Erst, als ihm eine aufreizende Dame ein Angebot machte, blinzelte er irritiert und stellte fest, dass er wohl wieder in der Nähe des Bordells der Stadt gelandet war. Mit einem freundlichen Lächeln wies er sie ab und wollte sich gerade wieder in eine andere Richtung wenden, als ihm eine bekanntere Gestalt ins Auge fiel. Seine Stirn legte sich kurz in Falten, während er Lucien beobachtete, der in den letzten Tagen recht häufig hier herumgelungert hatte. Kurzerhand vertagte er die Idee, sich direkt umzuwenden und steuerte auf den jüngeren Captain zu, der den Anschein erweckte, recht zielsicher im Frauenhaus verschwinden zu wollen. <i>„Haben sie dir inzwischen eine Stempelkarte zukommen lassen?“</i>, fragte er in ernstem Ton und ging davon aus, dass Lucien ihn bislang noch nicht bemerkt hatte. Verdient gehabt hätte er sie vermutlich – gänzlich gefüllt womöglich auch. Doch Liams Absicht war nicht, den Jüngeren dumm von der Seite anzumachen, was wohl unschwer an seinem kumpelhaften Grinsen zu erkennen war. Er konnte sich die Zeit vertreiben womit und mit wem er wollte. Der Lockenkopf war der letzte, der darüber urteilte. Und bloß, weil ihm der Gedanke an eine bezahlte Bettnachbarin nicht behagte, gab es offensichtlich genügend Männer, die das anders handhabten. <i>„Ansonsten würde ich mich an deiner Stelle beschweren.“</i> </font><br />
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<font color=#458B74>Es sollte sein letzter Besuch in diesem Bordell sein. Zumindest war das Luciens Plan gewesen, als er sich auf den Weg in die Stadt gemacht hatte. Sie würden bald aufbrechen und bis dahin gab es auf dem Schiff für ihn noch genug zu tun. Er hatte die frühen Morgenstunden und den Vormittag mit der Arbeit an Bord verbracht, entweder allein oder im durchaus entspannten Beisein Greos, der sich scheinbar nicht wirklich daran störte, mal nicht in ein Gespräch verwickelt zu werden. Etwas, das der Dunkelhaarige im Moment fast mehr genoss, als ausgelassene Geselligkeit. Zumindest beim Würfelspiel an Deck würde man ihn vergeblich suchen. Am ehesten zog es ihn dann in die Gesellschaft käuflicher Frauen. An den meisten von ihnen hatte Lucien längst Gefallen gefunden, vor allem deshalb, weil er sie mit Sicherheit nie wieder sehen würde. Sie waren schön, anspruchsvoll, intelligent - und vor allem an nichts anderem interessiert, als an seinem Geld. Und es war jene damit einher gehende Unkompliziertheit, die ihn alles andere vergessen ließ. Er mochte 'unkompliziert'. Umso zielstrebiger führten ihn seine Schritte deshalb durch die Straßen der Stadt, bis er den inzwischen vertrauten Straßenzug erreichte, der ihm sagte, dass er sein Ziel beinahe erreicht hatte. In diesem Augenblick riss eine Stimme ihn aus seinen Gedanken. Nur ein unbestimmtes Gefühl ließ den jungen Captain wissen, dass tatsächlich er gemeint war und auch nur diesem folgte er, als er den Blick umwandte und ihn auf den Sprecher richtete. Scheinbar hatte er sich auf seinem Weg tief in Gedanken verstrickt, denn erst danach sagte ihm sein Unterbewusstsein, dass er die Stimme tatsächlich kannte - und was sie gesagt hatte. Auf das zuvor ernste Gesicht des 21-jährigen schlich sich ein amüsiertes Schmunzeln. "<i>Was bekomme ich, wenn ich sie voll habe? Zwei zum Preis von einer?</i>" Er blieb stehen, um zu warten, bis Liam ihn erreicht hatte und hakte währenddessen die Daumen in seinen Ledergürtel. Die grünen Augen ruhten mit entspanntem Interesse auf dem Lockenkopf. "<i>Und was führt dich in diese Ecke? Doch nicht etwa das Verlangen nach weiblicher Gesellschaft?</i>" </font><br />
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<font color=6C7B8B>Es war gewiss nicht seine Absicht, den jüngeren Captain von irgendetwas abzuhalten. Allerdings merkte Liam allmählich, dass es sich falsch anfühlte, einfach an einem der anderen Crewmitglieder der Sphinx vorbeizulaufen, ohne zu grüßen. Immerhin waren die Bekanntschaften nicht mehr nur flüchtige Begegnungen – selbst, wenn es ungewiss war, wie lange sie den gleichen Weg haben würden, im Augenblick saßen sie eben nicht nur sprichwörtlich im selben Boot. Lucien schien allerdings auch nicht unbedingt gestört, als er sich umwendete und ihn erkannte. Er konnte also offensichtlich noch wenige Minuten warten, bis er sich der weiblichen Zuwendung hingab. So gesehen lief ihm hier auch nichts weg. Unter anderen Umständen hätte er vermutlich Initiativen ergreifen müssen, um an sein Ziel zu kommen. <i>„Gleichzeitig oder nacheinander?“</i>, konterte er auf den Vorschlag des Jüngeren seinen gedanklichen Zwiespalt. Liam ging mit solchen Dingen recht offen um. Es hätte also gleichermaßen eine rhetorische oder eine gezielte Frage sein können, was der Lockenkopf aber selbst für sich nicht wirklich definiert hatte, als er es ausgesprochen hatte. Als Lucien die Frage nach seinem Vorhaben stellte, lächelte der Ältere vielleicht ein wenig zu vielsagend, ehe er den Kopf schüttelte. <i>„Nein. Mir behagt der Gedanke nicht, jemanden dafür bezahlen zu müssen, damit er mit mir das Bett teilt.“</i> Er hatte kein Problem damit, das offen zuzugeben, selbst wenn er mit dieser Ansicht vermutlich einige schräge Blicke von anderen Männern erntete. Allerdings tat er so etwas mit einem lockeren Schulterzucken ab. <i>„Außerdem fehlt mir da ein bisschen die Leidenschaft.“</i> Jetzt war es wieder da – das bübische Grinsen auf seinen Zügen, welches den möglichen Eindruck der Prüdheit im Bezug auf Liam vermutlich wieder aus der Welt schaffte. </font><br />
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<font color=#458B74><i>„Gleichzeitig, möchte ich doch hoffen.“</i> Mit einem vielsagenden Lachen in der Stimme spielte er den Ball ganz ungeniert zurück. Lucien war nie ein Mann gewesen, der mit dem, womit er sich im Hafen mit Vorliebe die Zeit vertrieb, hinterm Berg hielt. Für Geheimnisse gab es keinen Grund. Darüber hinaus kam ihm Liam nicht wie einer vor, der durch die Gegend lief und Menschen für irgendetwas verurteilte. Eher das genaue Gegenteil. Und vielleicht machte gerade das den Lockenkopf derart sympathisch. Also blieb der junge Captain auch jetzt ganz gewohnt offenherzig. Auf seinen Zügen erschien ein gelassenes Schmunzeln. <i>„Kann ich gut verstehen.“</i> Wie von selbst huschten die grünen Augen hinüber zu dem Gebäude, an dessen Eingang eine Gruppe leicht bekleideter Mädchen tuschelnd beieinander stand und – kaum, dass sie seinen Blick bemerkten – den beiden Männern kichernd winkten. <i>„Aber manchmal macht es das deutlich unkomplizierter.“</i> Und manchmal war 'unkompliziert' genau das, was er brauchte. Beispielsweise, wenn er von komplizierten Frauen die Schnauze voll hatte... Seine Aufmerksamkeit kehrte zu dem Älteren zurück und wieder erschien ein Schmunzeln auf seinen Lippen. <i>„So, wie du das sagst, klingst du fast, als hättest du überhaupt kein Interesse an Frauen. Sagt man Künstlern nicht eigentlich nach, ganz besonders leidenschaftlich zu sein?“ </i></font><br />
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<font color=6C7B8B>Lucien brauchte nicht lange überlegen, um eine Antwort parat zu haben, die Liam schlagartig lächeln ließ. Natürlich gleichzeitig, der Traum eines wohl jeden Mannes, obwohl zwei Frauen nicht gleichzeitig bedeuteten, dass es besser war als mit einer. Oder zwei Männer, ganz wie’s eben kam. Doch da musste Lucien seine Erfahrungen schon ganz alleine machen, um mitreden zu können. So, wie Liam beispielsweise auch seine Erfahrungen gemacht hatte, die ihn den Dirnen eher fortbleiben ließen. Sein Blick folgte dem des Jüngeren und erspähten die kleine Gruppe Frauen gerade in dem Moment, in dem sie lockend in ihre Richtung winkten. Er hatte nicht vor, ihnen länger die Kundschaft aufzuhalten, sie brauchten sich keine Sorgen machen. <i>„Es muss nicht immer kompliziert sein.“</i>, entgegnete er mit einem Schulterzucken etwas überrascht, als er den Blick wieder auf die ausgemerkelten Züge des Mannes neben sich richtete. <i>„Nicht, wenn man von Anfang an mit offenen Karten spielt.“</i> Und er hatte bislang wirklich selten Probleme damit gehabt, dass es kompliziert gewesen wäre – immer nur so sehr, wie man es eben selbst kompliziert machte. Und auch im Augenblick konnte er sich über ‚Komplexität‘ zum Thema Liebschaften nicht beschweren. Als Lucien fortfuhr, konnte der Lockenschopf gar nicht anders, als aufzulachen und letztlich kurz die wilde Haarpracht zu schütteln. <i>„Du verstehst mich falsch. Bei den Dirnen fehlt mir die Leidenschaft.“</i>, stellte er mit einem kurzen Zwinkern richtig. Das Problem war nämlich im Grunde genau das, was der Jüngere ansprach: Solche Leidenschaft war ausnahmsweise nichts, was man sich mit Gold erkaufen konnte. Es benötigte Spontanität, Hingabe und zuletzt natürlich auch besagte Leidenschaft, um im Moment zu leben und ihn so zu nehmen, wie er kam, ohne zwangsläufig auf den Abschluss auszusein. Das, was davor passierte, bildete nämlich die Erinnerungen. Liam runzelte kurz die Stirn und überlegte, ehe er die Hand in einer einladenden Geste hob und fort vom Bordell wies. <i>„Wie sieht’s aus? Lässt sich deine Verabredung verschieben? Dann kann ich dir vielleicht zeigen, was ich meine.“</i> Ein verschmitztes Grinsen galt dem Jüngeren und auch, wenn seine Gedanken gerade noch reichlich zu zehren hatten, klang es eigentlich nach einem netten Zeitvertreib, zwei Menschen zusammenzuführen, die auf der Suche nach einem einmaligen Abenteuer waren.</font><br />
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<font color=#458B74>Er konnte nicht anders, gab auf Liams Worte hin ein leise spöttisches Schnauben von sich. Allerdings richtete sich das ganz unmissverständlich nicht gegen den Lockenkopf oder dessen Worte. Sondern vielmehr gegen das, woran der junge Captain in diesem Augenblick unweigerlich denken musste. <i>„Manche Frauen machen es einem immer kompliziert, egal welche Karten man spielt.“</i> Mit einem amüsierten Seitenblick streifte er Liams Züge, zuckte schließlich leicht mit den Schultern und erweckte damit ganz den Anschein, als wäre das wiederum halb so wild. Das zumindest waren Erfahrungen, die Lucien gemacht hatte. Mehr als einmal. Sobald zu viel Emotionalität ins Spiel kam... wurde es <b>immer</b> kompliziert. Vor allem deshalb bevorzugte er die freien Mädchen und die zwanglosen Begegnungen im Hafen, die kurz genug waren, um nicht mehr als ein oberflächliches Interesse zu wecken. Jedenfalls meistens. Aber auch nicht immer... Das Angebot des Älteren ließ den Dunkelhaarigen dann jedoch kurz überrascht stutzen. Die tiefgrünen Augen richteten sich gänzlich auf ihn, musterten ihn kurz. Dann erschien ein amüsiertes Schmunzeln auf seinen Lippen. <i>„Ich bin mir nicht sicher, ob das bei mir nicht verschwendete Liebesmüh ist...“</i> Lucien verschränkte die Arme vor der Brust, wandte dem Bordell nun gänzlich den Rücken zu und neigte in einer Geste der Zustimmung den Kopf. <i>„Aber warum nicht? Wer weiß, vielleicht finde ich daran am Ende mehr Gefallen, als an käuflicher Liebe?“</i> Sein Grinsen verriet schon fast, wie wenig er selbst daran glaubte. Ihm würde wohl nie die Leidenschaft für eine Kurtisane fehlen. Nicht, wenn sie hübsch und interessant genug für ihn war. Aber dagegen, sich durch Spielerei und zwangloses Umwerben ein bisschen Appetit zu holen, sprach ja auch nichts. </font><br />
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<font color=6C7B8B>Liams Erfahrungen beliefen sich hauptsächlich auf flüchtige Begegnungen – mal intensiver, mal nicht. Er war selten lang genug an einem Ort gewesen, als dass sich mehr hätte entwickeln können als eine angenehme Chemie und ein natürliches Verlangen. Vermutlich konnte er sich deshalb so einfach von den Dirnen freisprechen, immerhin war er tatsächlich noch nie in der Situation gewesen, dass es kompliziert geworden wäre. Er fuhr mit seiner Schiene ganz gut und hatte bislang gewiss nicht die Absicht, etwas daran zu ändern. Sesshaft werden würde er wohl sowieso nie. Und alles andere, was damit in Verbindung stand, kam für ihn ohnehin nicht in Frage. Dadurch kam er also nicht einmal in die Versuchung, etwas an seinem Lebensstil ändern zu wollen und hatte Grund genug, seine komplikationslose Einstellung fortzuführen. Die Frauen, denen dies nicht passte, hatten jederzeit die Möglichkeit zu gehen – die, die es nicht taten, wussten, worauf sie sich einließen und waren selbst schuld, wenn sie es nicht ernst nahmen. Lucien galt ein kurzes Schmunzeln. Frauen waren gut darin, das stimmte. Aber je weniger Gedanken man sich darum machte, desto bedeutungsloser schien es. Wenn sie mit ihren indirekten Vorwürfen keinen Erfolg hatten, verloren sie den Spaß daran. Und wenn man sich danach sowieso nicht mehr sah, hatten sich sämtliche Konsequenzen ohnehin erledigt. Der Lockenkopf zuckte beiläufig mit der Schulter, als der Captain dem Ganzen nur wenige Erfolgchancen einräumte. Es musste nicht immer von Erfolg gekrönt sein – vor allem, weil jeder ‚Erfolg‘ anders definierte. Für Liam war bereits ein schöner Abend und ein nettes Gespräch ein Erfolg. Wenn man jedoch auf das Happy End aus war, befriedigte einen ein derartiger Ablauf des Abends nur wenig. <i>„Wir werden sehen.“</i>, entgegnete er gut gelaunt. <i>„Und wenn nicht, bieten sich wenigstens genügend Möglichkeiten, sich das Ganze schönzutrinken.“</i> Damit wandten sich die beiden Männer der nächsten Straße zu, die sie vom Bordell fort in eine der Tavernen führen sollte. Eine der weniger zwielichtigen, verstand sich, immerhin waren sie an diesem Abend nicht auf Schlägereiwetten sondern auf ansehnliche Gesellschaft aus. <i>„Ein paar Straßen weiter müsste ein kleines Gasthaus sein, wenn ich’s noch recht in Erinnerung habe. Nicht ganz so zweifelhaft wie manche der anderen Läden. Ich hoffe, du bringst ein bisschen Durst mit?“</i></font><br />
<br />
<font color=#458B74>Lucien kam in diesem Moment nicht umhin, sich zu fragen, was Liam zu seinem Angebot bewog. Zu dem Wunsch, ihm zu zeigen, was genau er unter Leidenschaft verstand. Denn offensichtlich hatte es mit rein körperlicher Begierde wenig zu tun. Dann würde es ihm nicht so widerstreben, auch dafür zu zahlen. Also ein unerschütterlicher Romantiker? Gegen einen eingefleischten Pragmatiker, wie es der junge Captain war? Auf Liams Schulterzucken, das gelassene 'wir werden sehen' konnte der 21-Jährige sich ein Grinsen nicht verkneifen. Ganz egal, wie dieser Abend verlaufen würde – eigentlich konnte es nur lustig werden. Und wer weiß? Vielleicht waren sie sich doch ähnlicher, als er es in diesem Augenblick vermutete. Zumindest eines, dessen waren sich vermutlich beide Männer nicht einmal bewusst, einte sie schon jetzt: Selbst wenn keiner von ihnen am Ende zwischen den Beinen einer Frau landete, bedeuteten auch für Lucien gute Gesellschaft und angeregte Gespräche schon einen gelungenen Abend. Genau deshalb ließ er sich darauf ein. <i>„Ich bringe immer Durst mit.“</i>, versicherte er seinem Begleiter mit einem Lachen in der Stimme. Ohne einen Blick zurück zu werfen, schloss er sich dem Älteren an, verschränkte in einer Geste der Gelassenheit die Arme am Hinterkopf und maß den Weg, den sie beschritten mit einem kurzen Blick. Er würde sie weiter vom Hafen wegführen, in dem sich die düstersten Spelunken häuften. Tiefer hinein in die kleine Stadt, wo das Leben teurer wurde. Es kam Lucien nur gelegen. <i>„Ich hoffe nur, dort gibt es auch die ein oder andere Frau, die unseren Ansprüchen genügt..“</i>, gab er mit unüberhörbar amüsiertem Ton zu bedenken. </font><br />
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<font color=6C7B8B>iam war alles andere als berechnend. Aus der offenherzigen Einladung, sich gemeinsam in einer der Tavernen niederzulassen und nach einer möglichen Verbindung für Lucien Ausschau zu halten, versprach er sich tatsächlich nicht mehr als eben das: einen angenehmen Abend, den er ansonsten auch allein verbracht hätte. Der Lockenkopf lebte im Augenblick, tat, was ihm in den Sinn kam und war nicht wirklich auf Vorteile aus, ganz egal, mit welcher Gesellschaft er sich umgab. Und Lucien war für ihn im Augenblick auch nicht mehr als ein Mitglied der Crew, mit der er zur Zeit segelte, kein Captain. Diese Rolle verlangen genügend andere Crewmitglieder von ihm. Mit einem Lächeln und einer eindeutigen Handbewegung bedeutete er dem Jüngeren, dass Durst schon mal eine ziemlich gute Voraussetzung für den Abend war, ehe er die Hände in seinen Taschen verbarg und die Straße entlang in die Richtung schlenderte, in der er das Gasthaus vermutete, an das er sich dumpf erinnerte. <i>„Das kommt ganz darauf an, worauf du abzielst.“</i>, lachte er bei Luciens Bedenken und warf ihm einen amüsierten Seitenblick zu. Allzu wählerisch schätzte er den jungen Captain allerdings nicht ein – im Augenblick jedenfalls. Er trieb sich nach Jahren in Gefangenschaft immerhin nicht grundlos in den Bordellen herum. Aber das war nichts, worüber Liam groß urteilte. Vorallem: Selbst wenn etwas für sie dabei war, bedeutete das noch lange keinen Erfolg. Es gehörte immer noch zwei dazu, immerhin war es mit Nichten seine Absicht gewesen, Lucien zu einer Vergewaltigung einzuladen. Bei diesem Gedanken vermied der Lockenkopf einen kurzen Seitenblick, entschied aber, den Jüngeren vielleicht etwas im Auge zu behalten. Man wusste immerhin nie, auf welche Idee diese Piraten kamen, auch wenn man es ihnen nicht zutraute. <i>„Aber vielleicht profitieren wir noch ein bisschen von der feierlichen Stimmung.“</i> </font><br />
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<font color=#458B74>„Naja, zumindest hübsch sollten sie sein, finde ich.“, antwortete der Dunkelhaarige in gespielt grüblerischem Ton und sah von der Seite her zu seinem Gesprächspartner hinüber. In den tiefgrünen Augen lag unverfänglich amüsierte Gelassenheit. Aber auch ein gänzlich unergründlicher Ausdruck, der dazu nicht zu passen schien. Seine Antwort ließ zwar etwas anderes vermuten, doch es gehörte für ihn tatsächlich noch weit mehr dazu. Die Optik mochte das Merkmal sein, das sich wie ein Schema durch sämtliche seiner Liebschaften zog, aber er hatte, je nach Stimmung, sehr ausgeprägte Ansprüche. Es passte nur nicht in das Bild, dass sich andere von ihm machten – und Lucien hatte nicht die Absicht, ein anderes zu zeichnen, weshalb er es dabei beließ. Gerade jetzt versprach Liams Gesellschaft ohnehin mehr als genug Ablenkung, sodass es ihm bei den Frauen relativ egal sein konnte. <i>„Und ganz bestimmt.“</i>, fügte er optimistisch hinten an. <i>„Es ist ja erst ein paar Tage her.“</i> Wie zur Bestätigung seiner Worte passierten sie in diesem Moment eine Seitengasse, in der sich eine Gruppe von Menschen ausgelassen vor der Tür einer Schankstube tummelten. Der Gesang und der Lärm, der durch das geschlossene Holz drang, legte die Vermutung nahe, dass darin ausgelassene Stimmung herrschte. Lucien warf dem Älteren neben sich einen fragenden Blick zu. </font><br />
<br />
<font color=6C7B8B><i>„Wenn das dein einziger Anspruch ist…“</i>, lachte er gutgelaunt, ohne weiter darauf einzugehen. Der Abend würde vermutlich eine gute Möglichkeit bieten, seinen neuen Captain etwas besser einschätzen zu können. Wahrscheinlich allerdings würde Liam – so wenig berechnend wie er eben war – eher darauf achten, ihren kleinen Ausflug zu genießen, statt zu versuchen, irgendeinen Vorteil aus ihrer gemeinsamen Unternehmung zu ziehen. Es war zu selbstverständlich für ihn, mit flüchtigen Bekanntschaften aus allen Welten umzugehen, sie sein zu lassen, wie sie waren und den Augenblick zu leben, statt über ihr Benehmen oder ihre Ansichten zu urteilen. Meistens sah er die Leute nie wieder. Und auch, wenn er sich nun bereits mehrfach dazu entschieden hatte, die Sphinx vorerst weiter zu begleiten, würde er dieses Verhalten eher nicht allzu bald ablegen. Ob sie mit ihren Erfolgsaussichten jedenfalls recht behielten, würde sich im Laufe der Nacht zeigen. Die Voraussetzungen klangen schon einmal gut, wenn man den Lautstärkepegel bedachte, der aus einer der Tavernen drang, auf die Lucien ihn soeben aufmerksam gemacht hatte. Der Lockenkopf nickte einverstanden und sie steuerten zielstrebig auf die Tür zu, um sich selbst ein Plätzchen in der Stube zu suchen. Als Liam die Tür aufschob, kam ihnen eine Wolke aus stickiger Luft entgegen, die Tabak und Alkohol erahnen ließ. Der Raum war gut gefüllt. Mit dem Kinn wies er dem Jüngeren auf einen der wenigen leeren Tische hin und bahnte sich sogleich einen Weg dorthin, um sich erst einmal einen Überblick verschaffen zu können. Und natürlich, den Durst zu löschen, bevor sie weitersehen würden. <i>„Die scheinen alle noch nicht genug vom Feiern zu haben.“</i>, stellte er im Hinblick auf ihre Vermutung von draußen positiv überrascht fest, während er eine hagere Gestalt dabei beobachtete, Bierkrüge durch die Reihen zu balancieren. <i>„Milúi scheint ein recht aufgewecktes Völkchen zu sein. Gefällt mir.“</i> </font>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Watching Words]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=891</link>
			<pubDate>Wed, 22 Apr 2020 19:49:47 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=15">Trevor Scovell</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=891</guid>
			<description><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Cedarville+Cursive&family=Homemade+Apple&family=Long+Cang&display=swap" rel="stylesheet">
<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><div style="text-align:center;font-family:'Homemade Apple';font-size:40px;letter-spacing:-2px;line-height:1;margin-top:20px;">Watching Words</div>
<div style="text-align:center;font-size:10px;display:inline-block;border-top:2px dotted #33312e;padding-top:8px;text-transform:uppercase;">Später Nachmittag des 13. Aprils 1822 || Auf See, an Deck der Sphinx, Bug<br />
Liam Casey & Trevor Scovell</div></div>
<br />
<blockquote><div class="Trevor">Trevor saß im Schneidersitz auf den Planken der Sphinx und starrte auf eben die hinunter. Er hatte dafür den Kopf in die Hände gestützt und das Gesicht zu einer seltsamen Mischung aus Lächeln und Stirnrunzeln verzogen, die den meisten Menschen vermutlich Kopfschmerzen bereitet hätte. Trevor dagegen nannte sie begeistert seinen „Detektivblick“, oder hätte sie so genannt, wenn jemand gefragt hätte oder zumindest in Hörweite gewesen wäre, um es ihm einfach so zu erzählen. Hier am Bug der Sphinx war allerdings niemand. Trevor runzelte die Stirn noch ein bisschen mehr und unterstrich seine Mimik damit, dass er sich mit dem Zeigefinger gegen die Lippen tippte. Die bewegten sich unablässig, so als würde er etwas vor sich hinmurmeln, aber das war nicht Teil des Detektivblicks und er murmelte eigentlich auch gar nichts. Er hatte das bloß bei anderen Leuten gesehen, die etwas lasen. Und vielleicht, man wusste ja nie, war das das ganze Geheimnis, und er würde die Worte auf dem Papier vor ihm einfach von alleine aufsagen.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Mein lie–“</span><br />
<br />
Trevor verrückte das Tau ein bisschen, unter das er die beiden Briefseiten geklemmt hatte. Sie flatterten träge, als der Wind darunter fuhr, und kurz fürchtete er, dass sie davonfliegen würden und er über Bord springen musste, um sie wiederzuholen. Aber unter Deck hatte er sich den Brief schon drei Mal hintereinander von Rayon vorlesen lassen und dann solange im Halbdunkeln selbst auf das Papier gestarrt, dass Bobo bestimmt gesagt hätte, dass ihm gleich die Augen ausfielen, und es sich auch so anfühlte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„–ber Trevor</span>“, sagte die erste Zeile, so weit war er schon. </div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Cedarville+Cursive&family=Homemade+Apple&family=Long+Cang&display=swap" rel="stylesheet">
<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><div style="text-align:center;font-family:'Homemade Apple';font-size:40px;letter-spacing:-2px;line-height:1;margin-top:20px;">Watching Words</div>
<div style="text-align:center;font-size:10px;display:inline-block;border-top:2px dotted #33312e;padding-top:8px;text-transform:uppercase;">Später Nachmittag des 13. Aprils 1822 || Auf See, an Deck der Sphinx, Bug<br />
Liam Casey & Trevor Scovell</div></div>
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<blockquote><div class="Trevor">Trevor saß im Schneidersitz auf den Planken der Sphinx und starrte auf eben die hinunter. Er hatte dafür den Kopf in die Hände gestützt und das Gesicht zu einer seltsamen Mischung aus Lächeln und Stirnrunzeln verzogen, die den meisten Menschen vermutlich Kopfschmerzen bereitet hätte. Trevor dagegen nannte sie begeistert seinen „Detektivblick“, oder hätte sie so genannt, wenn jemand gefragt hätte oder zumindest in Hörweite gewesen wäre, um es ihm einfach so zu erzählen. Hier am Bug der Sphinx war allerdings niemand. Trevor runzelte die Stirn noch ein bisschen mehr und unterstrich seine Mimik damit, dass er sich mit dem Zeigefinger gegen die Lippen tippte. Die bewegten sich unablässig, so als würde er etwas vor sich hinmurmeln, aber das war nicht Teil des Detektivblicks und er murmelte eigentlich auch gar nichts. Er hatte das bloß bei anderen Leuten gesehen, die etwas lasen. Und vielleicht, man wusste ja nie, war das das ganze Geheimnis, und er würde die Worte auf dem Papier vor ihm einfach von alleine aufsagen.<br />
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<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Mein lie–“</span><br />
<br />
Trevor verrückte das Tau ein bisschen, unter das er die beiden Briefseiten geklemmt hatte. Sie flatterten träge, als der Wind darunter fuhr, und kurz fürchtete er, dass sie davonfliegen würden und er über Bord springen musste, um sie wiederzuholen. Aber unter Deck hatte er sich den Brief schon drei Mal hintereinander von Rayon vorlesen lassen und dann solange im Halbdunkeln selbst auf das Papier gestarrt, dass Bobo bestimmt gesagt hätte, dass ihm gleich die Augen ausfielen, und es sich auch so anfühlte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„–ber Trevor</span>“, sagte die erste Zeile, so weit war er schon. </div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Arbeit und Chaos]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=888</link>
			<pubDate>Sun, 19 Apr 2020 17:19:31 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=888</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Arbeit und Chaos</div>
<br />
<font size=1>Morgen des 02. Mai 1822<br />
Greo & Shanaya Árashi</font></center><br />
<br />
<font color=royalblue>Die Nacht, zum Teil mit Gesellschaft von Skadi, hatte ihre Spuren hinterlassen. Shanaya hatte kaum Ruhe gefunden, hatte gar nicht erst den Weg in ihre Hängematte gefunden. Zu müde, zu aufgewühlt. Irgendwann hatte sie sich also eins der größeren Tücher besorgt und war damit zurück ans Deck gekehrt. Der Himmel war klar, es war nicht all zu kalt. Was sprach also dagegen, sich hier ein wenig auszuruhen, wenn sie schon nicht schlafen konnte? Direkt neben dem der ersten Treppe zum Achterdeck hatte sie sich also in besagtes Tuch gewickelt, hatte eine ganze Zeit lang die Sterne beobachtet – bis sie schließlich einfach eingeschlafen war. So verstrich die Zeit und auch der sanfte Wind des Morgens weckte die junge Frau nicht, die mit dem Kopf an das Holz gelehnt schlummerte. </font><br />
<br />
<font color=#696969>An für sich war Greo kein lauter Mensch, weder in seiner Sprache noch seinem Gebaren. Natürlich ließ sich eine gewisse Geräuschkulisse nicht vermeiden, wenn er arbeitete und aktiv durch die Gegend werkelte. Aber zumeist fiel er nicht durch polternde Schritte oder Unachtsamkeit gegenüber seinen Mitmenschen auf. Als er jedoch an diesem frühen Morgen das Deck betrat, konnte er nicht wissen, dass seine dunkelhaarige Freundin es sich in einer Nische neben der Treppe gemütlich gemacht hatte und er wäre fast in sie hineingelaufen. Hinter sich schloss er möglichst sachte die Tür, was vor Schreck mehr oder minder gut funktionierte. Er glotzte die wie eine Teigrolle eingemummelte Shanaya etwas irritiert an. Dann ging er in die Hocke und zupfte an dem Tuch, in das sie gewickelt war, damit sie es wärmer hatte. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Irgendein Geräusch ließ Shanaya in einen leichten Dämmerschlaf verfallen. Sie konnte es nicht zuordnen, waren es Schritte, eine Tür, der Wind in den Segeln oder etwas vollkommen anderes. Aber ihr tiefer Schlaf war dahin, vor allem, als etwas ihre Decke bewegte. Sie wurde ein Stück höher gezogen und allmählich wachte die junge Frau auf. Jetzt spürte sie den sachten Wind, der ihre Nase kitzelte. Langsam schlug Shanaya die blauen Augen auf, blinzelte einige Male, um sich an das Licht zu gewöhnen. Erst dann fiel ihr eine Gestalt auf, die sie jetzt jedoch noch nicht erkannte. Sie setzte sich etwas auf, scheinbar ein wenig verwirrt darüber, wo genau sie war. </font><br />
<br />
<font color=#696969><i>„Sh sh.“</i>, machte er und winkte ihr sachte zu. „<i>Ich wollte dich nicht wecken.“</i> Je leiser er sprach, desto dunkler schien seine Stimme zu sein und desto eher verwischte sie der Wind. Er kniff die Augen zu einer verschmitzten Mimik zusammen. <i>„Was machst du denn hier an Deck.“</i>, murmelte er, ohne eine Antwort zu erwarten, und steckte die Decke an ihren Füßen noch ein wenig fester. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Er wollte sie nicht wecken? Zu spät! Aber die Dunkelhaarige nahm es ihrem Freund nicht übel - im Gegenteil. Wirklich zu schlafen war nicht ihr Plan gewesen. Er wickelte sie noch mehr in die Decke ein und ein sanfter Anflug von Wärme ließ sich nicht vermeiden. <i>"Das sieht man doch..."</i> In ihrer müden, leisen Stimme lag ein deutlich gespielter Unterton. <i>"Ich Versuche, nicht einzuschlafen."</i> Mit einem dachten lächeln setzte Shanaya sich etwas auf, musterte den Hünen. <i>"Und du willst jetzt schon arbeiten?" </i></font><br />
<br />
<font color=#696969>Vermutlich war es ihr nun nicht mehr möglich, sich ohne fremde Hilfe aus dem Kokon zu befreien, den er um sie herum fixiert hatte. Aber das machte ja nichts. Es tat ihr bestimmt mal gut, auf ihren vier Buchstaben zu sitzen und nicht herumzuwuseln. Entgegen seiner Einschätzung konnte sie sich aber immer noch ganz gut bewegen. Greo hatte die Unterarme auf den Knie abgelegt und sah sie nun stirnrunzelnd an. <i>„Was ist das für eine Frage?“</i>, brummelte er, <i>„Bist wohl sonst nicht oft hier oben in aller Frühe. Ich stehe meistens auf, wenn es noch dunkel ist.“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Mit einem leicht müden Blinzeln beobachtete Shanaya Greo, war sich noch nicht ganz sicher, wo sie das alles einordnen sollte. Vielleicht schlief sie auch noch? Möglich war es immerhin. Noch einmal blinzelte die junge Frau, gähnte und wog den Kopf dann ein wenig zur Seite, als der Dunkelhaarige antwortete. <i>„Dann haben wir uns wohl schon öfter verpasst...</i>“ Sie schmunzelte. <i>„Dass du überhaupt schläfst überrascht mich immer wieder.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#696969>Sah eigentlich ganz gemütlich aus, wie sie da hockte. Das wäre vielleicht eine annehmbare Alternative zu den Hängematten, überlegte Greo, der eigentlich überall schlafen konnte, wo es ihm möglich war, die Beine auszustrecken. <i>„Haben wir wohl.“</i>, meinte er, obwohl sie sich schon oft genug in aller Frühe irgendwo auf dem Schiff getroffen hatten. <i>„Abgesehen davon: überrascht mich auch. Und mich wundert’s, dass du hier rumhängst. Hast du durchgemacht?“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya hätte, wie so oft, den Kopf über Greo geschüttelt, hätte sie es gerade nicht unglaublich komfortabel gehabt. Dieser Kerl war wirklich eine Klasse für sich. Allerdings auf eine sehr angenehme Weise. Seine Frage ließ die Schwarzhaarige ein wenig müde blinzeln. Ob sie durch gemacht hatte? <i>„Jein, also irgendwie schon... aber eigentlich nicht.“</i> Wirre Worte, die jedoch sehr gut ihren Zustand widerspiegelten. <i>„Ich habe heute Nacht mit Skadi gesprochen, wollte mich dann eigentlich nur einen Moment hier hin setzen und die Ruhe genießen, bevor ich mich in meine Hängematte schleppe.“</i> Kurz kniff sie die blauen Augen zusammen, lächelte Greo dann etwas schräg entgegen. <i>„Hat gut geklappt.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#696969>War sie überhaupt schon richtig wach? Sie machte den Eindruck auf ihn, dass sie sogleich wieder in irgendeine Traumwelt davonschweben würde. Er runzelte die Stirn. <i>„Ihr Labertaschen.“</i>, kommentierte er mit Anspielung auf die Uhrzeit und richtete sich wieder auf. <i>„Dann geh mal schlafen, sonst wird das mit deinem Dienst heut nix mehr.“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Auch Shanaya, die sonst kein Problem mit den frühen Morgenstunden hatte, merkte diese Nacht bis in die Knochen. Auch wenn langes wach bleiben ihr sonst kaum etwas anhatte, in dieser Nacht dann doch. Und das merkte Greo ihr natürlich an, was die junge Frau erneut leise seufzen ließ. Dafür tat sie es dem Dunkelhaarigen gleich, pellte sich aus der Decke und erhob sich langsam auf die Füße, gähnte dabei ausgiebig und streckte die Arme in die Luft. <i>„Quatsch. Man kommt nur richtig in Gang, wenn man etwas tut...“</i> </font><br />
<br />
<font color=#696969>Er hätte einfach weitergehen sollen, dann wäre sie eingeschlafen und hätte sich vielleicht mal richtig erholt. Aber wie es aussah, kam es einfach nicht so weit. <i>„Bleib doch si – “</i>, setzte er an, kam aber nicht weiter. Etwas resigniert sah er ihr dabei zu, wie sie die Müdigkeit gleich einem Umhang abstreifte. <i>„Und an was für Gänge hattest du gedacht?“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Natürlich versuchte der Dunkelhaarige sie dazu zu bewegen, sitzen zu bleiben. Aber jetzt wo sie wach war und es vermutlich bald eh nicht mehr so ruhig sein würde... Shanaya hielt die Arme noch einige Moment in die Luft erhoben, atmete tief die frische Luft ein, ehe sie die Arme sinken ließ und Greo mit einer grüblerischen Miene anblickte. <i>„So weit bin ich noch nicht. Aber da es immer etwas zu tun gibt...“</i> Mit einem lockeren Lächeln musterte sie den Dunkelhaarigen und ließ den Blick beinahe suchend über das Deck schweifen. </font><br />
<br />
<font color=#696969>Bisweilen wurde ihm etwas unbehaglich, wenn sie den Blick scheinbar unbekümmert durch die Gegend gleiten ließ und dann irgendetwas wie ein Raubtier fixierte, auf dass sie sich mit Begeisterung stürzen konnte. Nicht, dass er ihren Eifer nicht schätzte – er war einfach nicht scharf drauf, dass sie ihm im Zuge ihrer gut gemeinten Hilfe Chaos in seine wohlsortierte Arbeit brachte. Eigentlich konnte er das bei einem Mannschaftsmitglied leiden. Daher war ihm Aspen lieb, da sie sich beide klare Anweisungen zu ihren Aufgabenfeldern zuspielten und es dann auf sich belassen konnten, in der Gewissheit, dass der andere einem nicht ins Werk pfuschte. <i>„Gibt ein Fass zu schrubben.“</i>, bot er an und deutete auf das entsprechende Objekt, weil das einerseits stimmte und man andererseits nicht viel durcheinanderbringen konnte. Er sah ihre Stärken einfach eher in der Navigation. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya erwischte sich selbst dabei, wie ihr Blick in diesem Moment nicht nur nach Arbeit suchte. Das war ihr Hauptgrund, ja. Aber es lag weit mehr in ihrem Blick als der Drang, sich mit Arbeit etwas wach zu rütteln. Auf Greos Worte hin wandte sie also nicht den Blick sofort zurück, schien auf die Sache mit dem Fass im ersten Moment gar nicht zu reagieren. Erst einige Herzschläge später richtete sie den blauen Blick herum, gab ein gespielt beleidigtes Brummen von sich, trug dabei jedoch ein Lächeln auf ihren Lippen. <i>„Mehr traust du mir also nicht zu, ja?“</i> </font><br />
<br />
<font color=#696969>Entweder, sie war noch nicht ganz auf ihrer geistigen Höhe, oder aber nicht bei der Sache. Ihre Antwort kam einen Herzschlag später, als es üblich gewesen wäre und er neigte mit einem prüfenden Blick das Kinn. <i>„Du suchst doch sowieso nur eine Ablenkung.“</i>, sagte er, ging an ihr vorbei und griff nach ein paar etwas abgewetzten Lappen und einer hartborstigen Bürste.</font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Arbeit und Chaos</div>
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<font size=1>Morgen des 02. Mai 1822<br />
Greo & Shanaya Árashi</font></center><br />
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<font color=royalblue>Die Nacht, zum Teil mit Gesellschaft von Skadi, hatte ihre Spuren hinterlassen. Shanaya hatte kaum Ruhe gefunden, hatte gar nicht erst den Weg in ihre Hängematte gefunden. Zu müde, zu aufgewühlt. Irgendwann hatte sie sich also eins der größeren Tücher besorgt und war damit zurück ans Deck gekehrt. Der Himmel war klar, es war nicht all zu kalt. Was sprach also dagegen, sich hier ein wenig auszuruhen, wenn sie schon nicht schlafen konnte? Direkt neben dem der ersten Treppe zum Achterdeck hatte sie sich also in besagtes Tuch gewickelt, hatte eine ganze Zeit lang die Sterne beobachtet – bis sie schließlich einfach eingeschlafen war. So verstrich die Zeit und auch der sanfte Wind des Morgens weckte die junge Frau nicht, die mit dem Kopf an das Holz gelehnt schlummerte. </font><br />
<br />
<font color=#696969>An für sich war Greo kein lauter Mensch, weder in seiner Sprache noch seinem Gebaren. Natürlich ließ sich eine gewisse Geräuschkulisse nicht vermeiden, wenn er arbeitete und aktiv durch die Gegend werkelte. Aber zumeist fiel er nicht durch polternde Schritte oder Unachtsamkeit gegenüber seinen Mitmenschen auf. Als er jedoch an diesem frühen Morgen das Deck betrat, konnte er nicht wissen, dass seine dunkelhaarige Freundin es sich in einer Nische neben der Treppe gemütlich gemacht hatte und er wäre fast in sie hineingelaufen. Hinter sich schloss er möglichst sachte die Tür, was vor Schreck mehr oder minder gut funktionierte. Er glotzte die wie eine Teigrolle eingemummelte Shanaya etwas irritiert an. Dann ging er in die Hocke und zupfte an dem Tuch, in das sie gewickelt war, damit sie es wärmer hatte. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Irgendein Geräusch ließ Shanaya in einen leichten Dämmerschlaf verfallen. Sie konnte es nicht zuordnen, waren es Schritte, eine Tür, der Wind in den Segeln oder etwas vollkommen anderes. Aber ihr tiefer Schlaf war dahin, vor allem, als etwas ihre Decke bewegte. Sie wurde ein Stück höher gezogen und allmählich wachte die junge Frau auf. Jetzt spürte sie den sachten Wind, der ihre Nase kitzelte. Langsam schlug Shanaya die blauen Augen auf, blinzelte einige Male, um sich an das Licht zu gewöhnen. Erst dann fiel ihr eine Gestalt auf, die sie jetzt jedoch noch nicht erkannte. Sie setzte sich etwas auf, scheinbar ein wenig verwirrt darüber, wo genau sie war. </font><br />
<br />
<font color=#696969><i>„Sh sh.“</i>, machte er und winkte ihr sachte zu. „<i>Ich wollte dich nicht wecken.“</i> Je leiser er sprach, desto dunkler schien seine Stimme zu sein und desto eher verwischte sie der Wind. Er kniff die Augen zu einer verschmitzten Mimik zusammen. <i>„Was machst du denn hier an Deck.“</i>, murmelte er, ohne eine Antwort zu erwarten, und steckte die Decke an ihren Füßen noch ein wenig fester. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Er wollte sie nicht wecken? Zu spät! Aber die Dunkelhaarige nahm es ihrem Freund nicht übel - im Gegenteil. Wirklich zu schlafen war nicht ihr Plan gewesen. Er wickelte sie noch mehr in die Decke ein und ein sanfter Anflug von Wärme ließ sich nicht vermeiden. <i>"Das sieht man doch..."</i> In ihrer müden, leisen Stimme lag ein deutlich gespielter Unterton. <i>"Ich Versuche, nicht einzuschlafen."</i> Mit einem dachten lächeln setzte Shanaya sich etwas auf, musterte den Hünen. <i>"Und du willst jetzt schon arbeiten?" </i></font><br />
<br />
<font color=#696969>Vermutlich war es ihr nun nicht mehr möglich, sich ohne fremde Hilfe aus dem Kokon zu befreien, den er um sie herum fixiert hatte. Aber das machte ja nichts. Es tat ihr bestimmt mal gut, auf ihren vier Buchstaben zu sitzen und nicht herumzuwuseln. Entgegen seiner Einschätzung konnte sie sich aber immer noch ganz gut bewegen. Greo hatte die Unterarme auf den Knie abgelegt und sah sie nun stirnrunzelnd an. <i>„Was ist das für eine Frage?“</i>, brummelte er, <i>„Bist wohl sonst nicht oft hier oben in aller Frühe. Ich stehe meistens auf, wenn es noch dunkel ist.“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Mit einem leicht müden Blinzeln beobachtete Shanaya Greo, war sich noch nicht ganz sicher, wo sie das alles einordnen sollte. Vielleicht schlief sie auch noch? Möglich war es immerhin. Noch einmal blinzelte die junge Frau, gähnte und wog den Kopf dann ein wenig zur Seite, als der Dunkelhaarige antwortete. <i>„Dann haben wir uns wohl schon öfter verpasst...</i>“ Sie schmunzelte. <i>„Dass du überhaupt schläfst überrascht mich immer wieder.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#696969>Sah eigentlich ganz gemütlich aus, wie sie da hockte. Das wäre vielleicht eine annehmbare Alternative zu den Hängematten, überlegte Greo, der eigentlich überall schlafen konnte, wo es ihm möglich war, die Beine auszustrecken. <i>„Haben wir wohl.“</i>, meinte er, obwohl sie sich schon oft genug in aller Frühe irgendwo auf dem Schiff getroffen hatten. <i>„Abgesehen davon: überrascht mich auch. Und mich wundert’s, dass du hier rumhängst. Hast du durchgemacht?“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya hätte, wie so oft, den Kopf über Greo geschüttelt, hätte sie es gerade nicht unglaublich komfortabel gehabt. Dieser Kerl war wirklich eine Klasse für sich. Allerdings auf eine sehr angenehme Weise. Seine Frage ließ die Schwarzhaarige ein wenig müde blinzeln. Ob sie durch gemacht hatte? <i>„Jein, also irgendwie schon... aber eigentlich nicht.“</i> Wirre Worte, die jedoch sehr gut ihren Zustand widerspiegelten. <i>„Ich habe heute Nacht mit Skadi gesprochen, wollte mich dann eigentlich nur einen Moment hier hin setzen und die Ruhe genießen, bevor ich mich in meine Hängematte schleppe.“</i> Kurz kniff sie die blauen Augen zusammen, lächelte Greo dann etwas schräg entgegen. <i>„Hat gut geklappt.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#696969>War sie überhaupt schon richtig wach? Sie machte den Eindruck auf ihn, dass sie sogleich wieder in irgendeine Traumwelt davonschweben würde. Er runzelte die Stirn. <i>„Ihr Labertaschen.“</i>, kommentierte er mit Anspielung auf die Uhrzeit und richtete sich wieder auf. <i>„Dann geh mal schlafen, sonst wird das mit deinem Dienst heut nix mehr.“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Auch Shanaya, die sonst kein Problem mit den frühen Morgenstunden hatte, merkte diese Nacht bis in die Knochen. Auch wenn langes wach bleiben ihr sonst kaum etwas anhatte, in dieser Nacht dann doch. Und das merkte Greo ihr natürlich an, was die junge Frau erneut leise seufzen ließ. Dafür tat sie es dem Dunkelhaarigen gleich, pellte sich aus der Decke und erhob sich langsam auf die Füße, gähnte dabei ausgiebig und streckte die Arme in die Luft. <i>„Quatsch. Man kommt nur richtig in Gang, wenn man etwas tut...“</i> </font><br />
<br />
<font color=#696969>Er hätte einfach weitergehen sollen, dann wäre sie eingeschlafen und hätte sich vielleicht mal richtig erholt. Aber wie es aussah, kam es einfach nicht so weit. <i>„Bleib doch si – “</i>, setzte er an, kam aber nicht weiter. Etwas resigniert sah er ihr dabei zu, wie sie die Müdigkeit gleich einem Umhang abstreifte. <i>„Und an was für Gänge hattest du gedacht?“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Natürlich versuchte der Dunkelhaarige sie dazu zu bewegen, sitzen zu bleiben. Aber jetzt wo sie wach war und es vermutlich bald eh nicht mehr so ruhig sein würde... Shanaya hielt die Arme noch einige Moment in die Luft erhoben, atmete tief die frische Luft ein, ehe sie die Arme sinken ließ und Greo mit einer grüblerischen Miene anblickte. <i>„So weit bin ich noch nicht. Aber da es immer etwas zu tun gibt...“</i> Mit einem lockeren Lächeln musterte sie den Dunkelhaarigen und ließ den Blick beinahe suchend über das Deck schweifen. </font><br />
<br />
<font color=#696969>Bisweilen wurde ihm etwas unbehaglich, wenn sie den Blick scheinbar unbekümmert durch die Gegend gleiten ließ und dann irgendetwas wie ein Raubtier fixierte, auf dass sie sich mit Begeisterung stürzen konnte. Nicht, dass er ihren Eifer nicht schätzte – er war einfach nicht scharf drauf, dass sie ihm im Zuge ihrer gut gemeinten Hilfe Chaos in seine wohlsortierte Arbeit brachte. Eigentlich konnte er das bei einem Mannschaftsmitglied leiden. Daher war ihm Aspen lieb, da sie sich beide klare Anweisungen zu ihren Aufgabenfeldern zuspielten und es dann auf sich belassen konnten, in der Gewissheit, dass der andere einem nicht ins Werk pfuschte. <i>„Gibt ein Fass zu schrubben.“</i>, bot er an und deutete auf das entsprechende Objekt, weil das einerseits stimmte und man andererseits nicht viel durcheinanderbringen konnte. Er sah ihre Stärken einfach eher in der Navigation. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya erwischte sich selbst dabei, wie ihr Blick in diesem Moment nicht nur nach Arbeit suchte. Das war ihr Hauptgrund, ja. Aber es lag weit mehr in ihrem Blick als der Drang, sich mit Arbeit etwas wach zu rütteln. Auf Greos Worte hin wandte sie also nicht den Blick sofort zurück, schien auf die Sache mit dem Fass im ersten Moment gar nicht zu reagieren. Erst einige Herzschläge später richtete sie den blauen Blick herum, gab ein gespielt beleidigtes Brummen von sich, trug dabei jedoch ein Lächeln auf ihren Lippen. <i>„Mehr traust du mir also nicht zu, ja?“</i> </font><br />
<br />
<font color=#696969>Entweder, sie war noch nicht ganz auf ihrer geistigen Höhe, oder aber nicht bei der Sache. Ihre Antwort kam einen Herzschlag später, als es üblich gewesen wäre und er neigte mit einem prüfenden Blick das Kinn. <i>„Du suchst doch sowieso nur eine Ablenkung.“</i>, sagte er, ging an ihr vorbei und griff nach ein paar etwas abgewetzten Lappen und einer hartborstigen Bürste.</font>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Is this the end?]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=876</link>
			<pubDate>Thu, 09 Apr 2020 11:15:10 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=16">Gregory Scovell</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=876</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<center><div style="font-family: 'Tangerine'; color: bla/ck; font-size: 52px;line-height:1"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Is this the end?</span></span></div>
<br />
Is this the end?<br />
Are you my friend?<br />
It seems to me, you ought to be free<br />
You used to be mine when the chips were down<br />
You used to be mine when I weren't around</div>
<br />
<div style="text-align: right;" class="mycode_align">("Is This the End", New Edition)</div>
<br />
<div style="text-align: left;" class="mycode_align">Gregory und Trevor<br />
Morgens, 7. April 1822<br />
Mîlui, Rest des Simmons-Farmhauses, etwas außerhalb der Stadt.</div>
<span style="font-size: xx-small;" class="mycode_size">(Wer etwas nicht versteht, vielleicht hilft <a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=847&pid=16418#pid16418">Words without Voices</a>, die Vorgeschichte, zu lesen.) ;) </span><br />
<br />
<div style="text-align: center;" class="mycode_align">First Post</div>
<blockquote><div class="Gregory"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Zwei Tage zuvor, in der dunkelsten Stunde der Nacht, schreckre Gregory Scovell aus dem Schlaf. Sein Herz raste, Schweiß stand auf seiner Stirn und seine Hände zitterten. <br />
In seinem Traum war Talin als Geist zu ihm gekommen und hatte ihm den aufgedunsenen Kopf seines Cousins gebracht, der ihm, in typischer Trevormanier, erzählt hatte, dass die Sphinx zwar gesunken, das aber völlig okay wäre, dass er jetzt tot sei, weil er dort unten Ihre Eltern gefunden habe. Er wäre jetzt hier, um ihn zu holen, weil sie mit ihm schimpfen wollten, da sie wüssten, dass er systematisch jeden Brief von ihnen zerrissen habe, damit Trevor sie nicht lese.</span><br />
"Das ist nicht wahr!"<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">, hatte er beteuert und zurückweichen wollen, nur um festzustellen, dass er sich nicht bewegen konnte, sowie, dass er Papierfetzen in den Fingern hielt und sie ein weiteres Mal zerteilte. Sofort wusste er, dass Trevor recht hatte, dass es in der Tat ein Brief von ihnen gewesen war, noch bevor er sah, dass er fast bis zur Gürtellinie in einem Meer aus schnippseln begraben stand. <br />
Seit dem war dieser Traum, in Abwandlung, jede Nacht wiedergekommen:<br />
Gestern hatte Rayon ihm dabei höhnisch erklärt, dass er das gut gefunden hätte, so hätte er nämlich immer etwas gehabt, um Gregory damit auszustopfen und jetzt wäre er fertig. <br />
Und auch Heute war er hochgeschreckt, als er unter ihrem Gelächter in dem Papier versank, dass sich plötzlich wie Treibsand verhielt. <br />
Der Brünette zwang sich ruhig zu atmen und ließ sich auf sein Lager zurücksinken. Langsam beruhigte sich sein Körper. Er fühlte, wie sich dabei Leere in ihm breit machte.<br />
Wer hatte nochmal gesagt: </span>"Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende"<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">? <br />
Irgendwer. <br />
Momentan war es dem älteren Scovell auch völlig egal, er wusste ja nichtmal, ob er dieser Person recht gab.<br />
Andererseits:<br />
Es war heraus, gesagt, erledigt.</span> <br />
Nur nicht vorbei. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Das würde es wohl auch nicht sein, so lange wie sie beide lebten.<br />
Dann meldete sich die Wut wieder und ließ ihn sich hochstemmen, bis er auf der Kante seiner Bettstatt saß. <br />
Er hatte nur einen Brief zurückgehalten, der nicht mal ein richtiger war, aus Angst, weil er sich zu sehr in seinen Grübeleien verstrickt hatte. Ihn nicht vernichtet. Er hatte so viel Angst davor gehabt, seine Befürchtungen bestätigt zu bekommen, dass er bei jedem Versuch gescheitert war und die ganze Zeit über verzweifelt gehofft, dass Trevor ihn erwischen möge. <br />
Doch das war nicht passiert. Nein. <br />
Langsam ballten sich seine Hände zu Fäusten, spannten sich seine Schultern an. Wenn sein Bruder ihm weiterhin vorwerfen wollte, er hätte das mit Absicht getan, dann sei es drum! Er hatte sich versucht zu erklären und mehr als einmal entschuldigt. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Mehr würde er nicht tun.</span></span> <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Jetzt</span><br />
Mühsam schüttelte der Schiffsarzt die Hoffnung ab, er könne mit langem Auf-den-Horizont-starren Trevor heraufbeschwören, zwang sich, den Blick vom Fenster zu lösen, hinter dem er die Klippen sehen konnte und konzentrierte sich darauf, endlich die Dinge aus dem kleine Regal zu nehmen, die er Heute definitiv noch brauchen würde. <br />
Ernestos Husten ließ Gregory den Kopf drehen. <br />
Ein Feuer hatte Dahlia den Mann und den Sohn genommen, der zehnjährigen Tochter eine üble, nässende Narbe beschert und dem Alten (das hier war dessen Zimmer) übelst den Leib und die Lunge verbrannt.<br />
Ernesto und Olivia waren auch der Hauptgrund, warum Mrs. Simmons ihm angeboten hatte, seine Praxis gleich hier zu errichten, war es doch das einzige, was sie ihm für die Behandlung geben konnte:<br />
Einen Tisch mit zwei Stühlen auf der Veranda des nur teilweise renovierten Hauses. Dazu kam jetzt noch eine Schlafstätte in der zugigen Kammer. Nicht viel. <br />
Aber viel konnte er für die beiden auch nicht tun. Mit Glück bekäme er Livs Wunde trocken und ihren Großvater weiterhin schmerzfrei. Vielleicht auch nicht. <br />
Er stellte das letzte Fläschchen, nach reiflicher Überlegung, auf das Bord zurück, musterte ein weiteres Mal seine Auswahl und nickte. Das Beste, was er mit den begrenzten Mitteln hinbekam.<br />
Kurz vergewisserte er sich, dass der alte Mann noch schlief, dann verließ er, durch die Wohnküche, die Räume des Hauses und atmete auf. Bis nicht alles Verbrannte beseitigt worden wäre, würde der Rest des beißenden Gestankes auch nicht verschwinden. <br />
<br />
Rechts von ihm, auf der Veranda, stand der Tisch mit den beiden Stühlen davor. <br />
Links hatten ein Mann mit übel gebrochenem Bein und eine Mutter mit ihrem Kind, das, selbst wenn es wach war, zu erschöpft war, zu schreien, ihr Lager gefunden. Die Frau würde ihre Verletzungen aller Wahrscheinlichkeit nach überleben, das Kind die Blutvergiftung wohl nicht, wenn er noch häufiger das schwarze Blut aus der Ader lassen musste.<br />
Und vor ihm waren es nur ein paar Schritte, bis zu den wenigen Stufen, die man zur Veranda hinaufsteigen musste und dahinter ein sandiger Vorplatz, auf dem sich später seine Patienten versammeln würden. Jetzt, im ersten Licht des frühen Tages, lag er noch verlassen da. <br />
<br />
Als sie aus dem Haus kam, bekam er es nicht mit. Erst als sie zu ihm trat und ihn an der Schulter berührte, zuckte er zusammen und wandte ihr den Blick zu.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Er wird kommen. Da bin ich mir sicher. Eine solche Verbindung zerreißt nicht so schnell."</span><br />
<br />
Greg seufzte, zu aufgewühlt, als das er gewußt hätte, was er sagen oder hätte fühlen sollen.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Setz dich, ich habe uns Frühstück gemacht."</span><br />
<br />
Sanft stieß sie ihn Richtung Tisch, auf dem das Tablett mit Kaffee und Geschirr schon wartete und verschwand nach drinnen.<br />
Abermals seufzend tat er wie geheißen, griff eine der Tassen des ehemals edlen Service und drehte sie abwesend zwischen den Fingern, ehe er mit dem Daumen über den Riss im Porzellan strich. <br />
</div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<center><div style="font-family: 'Tangerine'; color: bla/ck; font-size: 52px;line-height:1"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Is this the end?</span></span></div>
<br />
Is this the end?<br />
Are you my friend?<br />
It seems to me, you ought to be free<br />
You used to be mine when the chips were down<br />
You used to be mine when I weren't around</div>
<br />
<div style="text-align: right;" class="mycode_align">("Is This the End", New Edition)</div>
<br />
<div style="text-align: left;" class="mycode_align">Gregory und Trevor<br />
Morgens, 7. April 1822<br />
Mîlui, Rest des Simmons-Farmhauses, etwas außerhalb der Stadt.</div>
<span style="font-size: xx-small;" class="mycode_size">(Wer etwas nicht versteht, vielleicht hilft <a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=847&pid=16418#pid16418">Words without Voices</a>, die Vorgeschichte, zu lesen.) ;) </span><br />
<br />
<div style="text-align: center;" class="mycode_align">First Post</div>
<blockquote><div class="Gregory"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Zwei Tage zuvor, in der dunkelsten Stunde der Nacht, schreckre Gregory Scovell aus dem Schlaf. Sein Herz raste, Schweiß stand auf seiner Stirn und seine Hände zitterten. <br />
In seinem Traum war Talin als Geist zu ihm gekommen und hatte ihm den aufgedunsenen Kopf seines Cousins gebracht, der ihm, in typischer Trevormanier, erzählt hatte, dass die Sphinx zwar gesunken, das aber völlig okay wäre, dass er jetzt tot sei, weil er dort unten Ihre Eltern gefunden habe. Er wäre jetzt hier, um ihn zu holen, weil sie mit ihm schimpfen wollten, da sie wüssten, dass er systematisch jeden Brief von ihnen zerrissen habe, damit Trevor sie nicht lese.</span><br />
"Das ist nicht wahr!"<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">, hatte er beteuert und zurückweichen wollen, nur um festzustellen, dass er sich nicht bewegen konnte, sowie, dass er Papierfetzen in den Fingern hielt und sie ein weiteres Mal zerteilte. Sofort wusste er, dass Trevor recht hatte, dass es in der Tat ein Brief von ihnen gewesen war, noch bevor er sah, dass er fast bis zur Gürtellinie in einem Meer aus schnippseln begraben stand. <br />
Seit dem war dieser Traum, in Abwandlung, jede Nacht wiedergekommen:<br />
Gestern hatte Rayon ihm dabei höhnisch erklärt, dass er das gut gefunden hätte, so hätte er nämlich immer etwas gehabt, um Gregory damit auszustopfen und jetzt wäre er fertig. <br />
Und auch Heute war er hochgeschreckt, als er unter ihrem Gelächter in dem Papier versank, dass sich plötzlich wie Treibsand verhielt. <br />
Der Brünette zwang sich ruhig zu atmen und ließ sich auf sein Lager zurücksinken. Langsam beruhigte sich sein Körper. Er fühlte, wie sich dabei Leere in ihm breit machte.<br />
Wer hatte nochmal gesagt: </span>"Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende"<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">? <br />
Irgendwer. <br />
Momentan war es dem älteren Scovell auch völlig egal, er wusste ja nichtmal, ob er dieser Person recht gab.<br />
Andererseits:<br />
Es war heraus, gesagt, erledigt.</span> <br />
Nur nicht vorbei. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Das würde es wohl auch nicht sein, so lange wie sie beide lebten.<br />
Dann meldete sich die Wut wieder und ließ ihn sich hochstemmen, bis er auf der Kante seiner Bettstatt saß. <br />
Er hatte nur einen Brief zurückgehalten, der nicht mal ein richtiger war, aus Angst, weil er sich zu sehr in seinen Grübeleien verstrickt hatte. Ihn nicht vernichtet. Er hatte so viel Angst davor gehabt, seine Befürchtungen bestätigt zu bekommen, dass er bei jedem Versuch gescheitert war und die ganze Zeit über verzweifelt gehofft, dass Trevor ihn erwischen möge. <br />
Doch das war nicht passiert. Nein. <br />
Langsam ballten sich seine Hände zu Fäusten, spannten sich seine Schultern an. Wenn sein Bruder ihm weiterhin vorwerfen wollte, er hätte das mit Absicht getan, dann sei es drum! Er hatte sich versucht zu erklären und mehr als einmal entschuldigt. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Mehr würde er nicht tun.</span></span> <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Jetzt</span><br />
Mühsam schüttelte der Schiffsarzt die Hoffnung ab, er könne mit langem Auf-den-Horizont-starren Trevor heraufbeschwören, zwang sich, den Blick vom Fenster zu lösen, hinter dem er die Klippen sehen konnte und konzentrierte sich darauf, endlich die Dinge aus dem kleine Regal zu nehmen, die er Heute definitiv noch brauchen würde. <br />
Ernestos Husten ließ Gregory den Kopf drehen. <br />
Ein Feuer hatte Dahlia den Mann und den Sohn genommen, der zehnjährigen Tochter eine üble, nässende Narbe beschert und dem Alten (das hier war dessen Zimmer) übelst den Leib und die Lunge verbrannt.<br />
Ernesto und Olivia waren auch der Hauptgrund, warum Mrs. Simmons ihm angeboten hatte, seine Praxis gleich hier zu errichten, war es doch das einzige, was sie ihm für die Behandlung geben konnte:<br />
Einen Tisch mit zwei Stühlen auf der Veranda des nur teilweise renovierten Hauses. Dazu kam jetzt noch eine Schlafstätte in der zugigen Kammer. Nicht viel. <br />
Aber viel konnte er für die beiden auch nicht tun. Mit Glück bekäme er Livs Wunde trocken und ihren Großvater weiterhin schmerzfrei. Vielleicht auch nicht. <br />
Er stellte das letzte Fläschchen, nach reiflicher Überlegung, auf das Bord zurück, musterte ein weiteres Mal seine Auswahl und nickte. Das Beste, was er mit den begrenzten Mitteln hinbekam.<br />
Kurz vergewisserte er sich, dass der alte Mann noch schlief, dann verließ er, durch die Wohnküche, die Räume des Hauses und atmete auf. Bis nicht alles Verbrannte beseitigt worden wäre, würde der Rest des beißenden Gestankes auch nicht verschwinden. <br />
<br />
Rechts von ihm, auf der Veranda, stand der Tisch mit den beiden Stühlen davor. <br />
Links hatten ein Mann mit übel gebrochenem Bein und eine Mutter mit ihrem Kind, das, selbst wenn es wach war, zu erschöpft war, zu schreien, ihr Lager gefunden. Die Frau würde ihre Verletzungen aller Wahrscheinlichkeit nach überleben, das Kind die Blutvergiftung wohl nicht, wenn er noch häufiger das schwarze Blut aus der Ader lassen musste.<br />
Und vor ihm waren es nur ein paar Schritte, bis zu den wenigen Stufen, die man zur Veranda hinaufsteigen musste und dahinter ein sandiger Vorplatz, auf dem sich später seine Patienten versammeln würden. Jetzt, im ersten Licht des frühen Tages, lag er noch verlassen da. <br />
<br />
Als sie aus dem Haus kam, bekam er es nicht mit. Erst als sie zu ihm trat und ihn an der Schulter berührte, zuckte er zusammen und wandte ihr den Blick zu.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Er wird kommen. Da bin ich mir sicher. Eine solche Verbindung zerreißt nicht so schnell."</span><br />
<br />
Greg seufzte, zu aufgewühlt, als das er gewußt hätte, was er sagen oder hätte fühlen sollen.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Setz dich, ich habe uns Frühstück gemacht."</span><br />
<br />
Sanft stieß sie ihn Richtung Tisch, auf dem das Tablett mit Kaffee und Geschirr schon wartete und verschwand nach drinnen.<br />
Abermals seufzend tat er wie geheißen, griff eine der Tassen des ehemals edlen Service und drehte sie abwesend zwischen den Fingern, ehe er mit dem Daumen über den Riss im Porzellan strich. <br />
</div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[In our Time of Need]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=864</link>
			<pubDate>Fri, 27 Mar 2020 09:37:18 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=864</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">In our Time of Need</div>
<br />
<font size=1>Nacht/früher Morgen des 03. Mai 1822<br />
Jedes Crewmitglied, das Lust hat, sich ins Getümmel zu schmeißen</font></center><br />
<blockquote><div class="Shanaya">Eine innere Unruhe, eine Befürchtung, hatte Shanaya an Deck getrieben. Die Nacht lag still über der Sphinx, nur sachter Wind ließ die Segel leise rascheln. Einen Moment schloss Shanaya die Augen, lauschte den Wellen, dem Wind. Es deutete Nichts darauf hin, dass sie verfolgt wurden. Trotzdem blieb diese Unruhe, zwickte sie tief in ihrem Inneren. Aber viel mehr, als das was in diesem Moment unter Deck geschah, würde ihnen so oder so nicht übrig bleiben. Sie mussten die Verletzten schnell versorgen, sich ausruhen und zeitig wieder aufbrechen. Also öffnete die Schwarzhaarige die Augen wieder, ließ den hellen Blick noch einmal schweifen. Nichts außer Dunkelheit, die jedes Licht verschlang. <br />
Also wandte sich die junge Frau wieder um, bewegte sich mit gezielten Schritten wieder auf die Treppe zu, die sie unter Deck führte. Von dort drangen einige Geräusche zu ihr, die sie anlockten, ihr Herz ein wenig schneller schlagen ließen. Die eigenen Wunden waren kaum erwähnenswert, ein Ratscher an der Seite, kleine Schnitte an den Armen und Händen. Morgen würde sie gewiss Nichts mehr davon bemerken. Aber wie sah es mit den Anderen aus? Nur noch wenige Schritte fehlten, ehe sie das Lazarett erreicht hatte und den Blick kurz schweifen ließ. Müdigkeit kroch ihr langsam in die Knochen, aber an Schlafen war in diesem Moment nicht zu denken. Also blickte sie sich suchend um, ob sie irgendwo noch etwas tun konnte. </div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">In our Time of Need</div>
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<font size=1>Nacht/früher Morgen des 03. Mai 1822<br />
Jedes Crewmitglied, das Lust hat, sich ins Getümmel zu schmeißen</font></center><br />
<blockquote><div class="Shanaya">Eine innere Unruhe, eine Befürchtung, hatte Shanaya an Deck getrieben. Die Nacht lag still über der Sphinx, nur sachter Wind ließ die Segel leise rascheln. Einen Moment schloss Shanaya die Augen, lauschte den Wellen, dem Wind. Es deutete Nichts darauf hin, dass sie verfolgt wurden. Trotzdem blieb diese Unruhe, zwickte sie tief in ihrem Inneren. Aber viel mehr, als das was in diesem Moment unter Deck geschah, würde ihnen so oder so nicht übrig bleiben. Sie mussten die Verletzten schnell versorgen, sich ausruhen und zeitig wieder aufbrechen. Also öffnete die Schwarzhaarige die Augen wieder, ließ den hellen Blick noch einmal schweifen. Nichts außer Dunkelheit, die jedes Licht verschlang. <br />
Also wandte sich die junge Frau wieder um, bewegte sich mit gezielten Schritten wieder auf die Treppe zu, die sie unter Deck führte. Von dort drangen einige Geräusche zu ihr, die sie anlockten, ihr Herz ein wenig schneller schlagen ließen. Die eigenen Wunden waren kaum erwähnenswert, ein Ratscher an der Seite, kleine Schnitte an den Armen und Händen. Morgen würde sie gewiss Nichts mehr davon bemerken. Aber wie sah es mit den Anderen aus? Nur noch wenige Schritte fehlten, ehe sie das Lazarett erreicht hatte und den Blick kurz schweifen ließ. Müdigkeit kroch ihr langsam in die Knochen, aber an Schlafen war in diesem Moment nicht zu denken. Also blickte sie sich suchend um, ob sie irgendwo noch etwas tun konnte. </div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[The Way it goes]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=841</link>
			<pubDate>Tue, 21 Jan 2020 21:05:23 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=841</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">The Way it goes</div>
<br />
<font size=1>Abend des 30. April 1822<br />
Elian Montrose & Shanaya Árashi</font></center><br />
<br />
<font color=royalblue>Ein ruhiger Tag ging zu Ende und auch wenn die Sphinx noch gemütlich dahin segelte, stellte sich langsam alles auf das Ankern ein. Shanaya nutzte ihre kurze Pause, hatte sich einen Krug und etwas Wasser besorgt und saß nun mitten auf dem Deck, mit dem Rücken gegen den Hauptmast gelehnt. So, dass sie nicht sehen konnte, wer am Steuer stand. Der Wind wehte ihr sanft um die Nase, raschelte leise in den Seiten des Buches, das vor ihr auf den Planken lag. Aber ihr Blick war nicht auf das Papier gerichtet, viel mehr hing ihr Blick am Horizont, dem siech die Sonne langsam zu neigte. Ein leises Summen verließ ihre Kehle, ein ruhiges Lied, zu dem ein sanftes Lächeln auf ihren Lippen lag. </font><br />
<br />
<font color=#008B8B>Elian war bester Laune. Er hatte den Nachmittag in der Takelage zugebracht, denn jetzt, da seine Schussverletzung geheilt war, fasste er endlich voll mit an. Ihm tat alles weh von der Anstrengung, aber Rhy--Taranis war mit oben gewesen und, nun ja... es war eben schön gewesen. Sonne und Wind und nur sie beide, fast wie früher. Körperlich anstrengender, aber dafür auch so viel freier... Nun aber trafen seine Füße wieder auf das Deck. Elian begann prompt damit, ein Seil aufzurollen und zu verstauen. <i>"Geh nur schon,"</i> rief er seinem Freund zu, „<i>Ich hab das hier."</i> Taranis sah kurz so aus, als wolle er mit anpacken, aber dann nickte er, klapste einem ihrer anderen Kameraden auf die Schulter und ging neben diesem zu der Luke, hinter der die Mannschaftsquartiere lagen. Elian seinerseits beendete seine Arbeit und wollte ihnen gerade nachgehen, als er ein leises Lied hörte, das ihm bekannt vorkam. Er blieb stehen und lauschte, während sein Kopf von ganz alleine die Worte ergänzte, die zu dieser Melodie gehörten. <br />
<br />
I'll swim and sail on savage seas <br />
With never a fear of drowning <br />
And gladly ride the waves of life If<br />
you would marry me <br />
No scorching sun nor freezing cold <br />
Will stop me on my journey <br />
If you will promise me your heart <br />
And love me for eternity... <br />
<br />
Moment... Shanaya? Mit einem Liebeslied? Es geschahen noch Zeichen und Wunder, denn nach allem was er von ihr bisher mitbekommen hatte, hätte er sicher nicht diese Melodie bei ihr erwartet. "<i>Bitte sag mir, dass unsere Kapitäns nicht alle Trinklieder verboten haben. Die Mannschaft würde in wenigen Stunden dem Trübsinn anheim fallen."</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Für den Moment achtete die Schwarzhaarige nicht auf das Gewusel, das irgendwo in ihrer Nähe von statten ging. Ihre Pausen, in denen sie widerwillig nicht am Steuer stand, waren immerhin nicht dazu da, um woanders weiter zu arbeiten. Irgendwann ließ auch ihre Konzentration nach... Also saß sie nun hier, trank immer wieder einen Schluck – bis eine bekannte Stimme die Ruhe um sie herum durchbrach und sie mit einem leichten Blinzeln aufblicken ließ. Zuerst nahm die junge Frau noch einen Schluck und musterte dann Elian. <i>„Wieso Trinklieder verboten?“</i> Sie schielt zu dem Wasser in ihrem Krug. Nein, definitiv Nichts, wo der allgemein bekannte Pirat ein Lied drauf singen würde. Sie wog also erst einmal fragend den Kopf zur Seite. </font><br />
<br />
<font color=#008B8B><i>"Das Lied meine ich."</i> Elian lehnte sich gegen eines der Fässer, die unweit vertäut herum standen und summte die ersten paar Töne der Melodie, die er gerade von Shanaya gehört hatte. <i>"All the Dancing and the Dreaming... ich hätte meine Hand dafür ins Feuer gelegt dass in deinem Kopf eher Yo Ho Ho und ne Buddel voll Rum herumschwirrt."</i> Er zeigte auf die Flasche in ihrer Hand. <i>"Gerade wenn man deinen Begleiter richtig deutet."</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya hob bei der Antwort des Mannes leicht eine Augenbraue an. Das Lied? Sie war noch verwirrt von seiner ersten Antwort, womit seine zweite es nicht besser machte. <i>„Was ist mit dem Lied?“</i> Hatte sie irgendeine böse Beschwörung gesummt und Elian hatte jetzt Angst, dass in den nächsten Minuten ein Ungeheuer über die Sphinx herfiel? Der Gedanke ließ sie leise lachen, ehe sie das Gefäß in ihrer Hand etwas höher hielt und hin und her schwenkte. <i>„Absolut gar kein Alkohol. Es sei denn, irgendwer hat etwas in unsere Wasservorräte gekippt...“</i> Das man sie für so einen Säufer hielt! Trotzdem lächelte die junge Frau amüsiert vor sich hin.</font><br />
<br />
<font color=#008B8B><i>"Es ist ein Liebeslied. Genauer genommen ein Antrag in musikalischer Form."</i> Elian nahm die Flasche entgegen und trank durstig einige Schlucke. Er gab das Gefäß zurück, leckte sich über die Lippen. Salz, vermutlich vom vielen Schwitzen in der Takelage. <i>"Wenn ich mir nicht sicher wäre, dass das neulich mit dir und Aspen ein Scherz gewesen sein muss, würde ich dich fragen, ob du es dir doch nochmal anders überlegst."</i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya blinzelte bei der Antwort des Mannes kurz, musste dann aber doch lachen. Oh... <i>„Gut zu wissen. Ich habe nur die Melodie irgendwo aufgeschnappt und sie gefiel mir...“</i> Ein Liebeslied also. Soso. Als der Blonde nach ihrer Flasche griff, die sie nur zur Verbildlichung hoch gehalten hatte, hob die junge Frau leicht eine Augenbraue. So war das nicht geplant... Elian trank etwas und Shanaya fragte sich still, ob sie jetzt so etwas wie die Montrose Pest bekommen würde. Ein Gedanke, den sie mit einem Kopfschütteln beiseite schob, die Flasche entgegen nahm und über seine Worte lachte. <i>„Tja, leider war das kein Scherz, mein zum Glück nicht Schwager.“</i> Sie zuckte mit den Schultern. „<i>Aber anders überlegt habe ich es mir garantiert nicht.“</i> </font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">The Way it goes</div>
<br />
<font size=1>Abend des 30. April 1822<br />
Elian Montrose & Shanaya Árashi</font></center><br />
<br />
<font color=royalblue>Ein ruhiger Tag ging zu Ende und auch wenn die Sphinx noch gemütlich dahin segelte, stellte sich langsam alles auf das Ankern ein. Shanaya nutzte ihre kurze Pause, hatte sich einen Krug und etwas Wasser besorgt und saß nun mitten auf dem Deck, mit dem Rücken gegen den Hauptmast gelehnt. So, dass sie nicht sehen konnte, wer am Steuer stand. Der Wind wehte ihr sanft um die Nase, raschelte leise in den Seiten des Buches, das vor ihr auf den Planken lag. Aber ihr Blick war nicht auf das Papier gerichtet, viel mehr hing ihr Blick am Horizont, dem siech die Sonne langsam zu neigte. Ein leises Summen verließ ihre Kehle, ein ruhiges Lied, zu dem ein sanftes Lächeln auf ihren Lippen lag. </font><br />
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<font color=#008B8B>Elian war bester Laune. Er hatte den Nachmittag in der Takelage zugebracht, denn jetzt, da seine Schussverletzung geheilt war, fasste er endlich voll mit an. Ihm tat alles weh von der Anstrengung, aber Rhy--Taranis war mit oben gewesen und, nun ja... es war eben schön gewesen. Sonne und Wind und nur sie beide, fast wie früher. Körperlich anstrengender, aber dafür auch so viel freier... Nun aber trafen seine Füße wieder auf das Deck. Elian begann prompt damit, ein Seil aufzurollen und zu verstauen. <i>"Geh nur schon,"</i> rief er seinem Freund zu, „<i>Ich hab das hier."</i> Taranis sah kurz so aus, als wolle er mit anpacken, aber dann nickte er, klapste einem ihrer anderen Kameraden auf die Schulter und ging neben diesem zu der Luke, hinter der die Mannschaftsquartiere lagen. Elian seinerseits beendete seine Arbeit und wollte ihnen gerade nachgehen, als er ein leises Lied hörte, das ihm bekannt vorkam. Er blieb stehen und lauschte, während sein Kopf von ganz alleine die Worte ergänzte, die zu dieser Melodie gehörten. <br />
<br />
I'll swim and sail on savage seas <br />
With never a fear of drowning <br />
And gladly ride the waves of life If<br />
you would marry me <br />
No scorching sun nor freezing cold <br />
Will stop me on my journey <br />
If you will promise me your heart <br />
And love me for eternity... <br />
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Moment... Shanaya? Mit einem Liebeslied? Es geschahen noch Zeichen und Wunder, denn nach allem was er von ihr bisher mitbekommen hatte, hätte er sicher nicht diese Melodie bei ihr erwartet. "<i>Bitte sag mir, dass unsere Kapitäns nicht alle Trinklieder verboten haben. Die Mannschaft würde in wenigen Stunden dem Trübsinn anheim fallen."</i> </font><br />
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<font color=royalblue>Für den Moment achtete die Schwarzhaarige nicht auf das Gewusel, das irgendwo in ihrer Nähe von statten ging. Ihre Pausen, in denen sie widerwillig nicht am Steuer stand, waren immerhin nicht dazu da, um woanders weiter zu arbeiten. Irgendwann ließ auch ihre Konzentration nach... Also saß sie nun hier, trank immer wieder einen Schluck – bis eine bekannte Stimme die Ruhe um sie herum durchbrach und sie mit einem leichten Blinzeln aufblicken ließ. Zuerst nahm die junge Frau noch einen Schluck und musterte dann Elian. <i>„Wieso Trinklieder verboten?“</i> Sie schielt zu dem Wasser in ihrem Krug. Nein, definitiv Nichts, wo der allgemein bekannte Pirat ein Lied drauf singen würde. Sie wog also erst einmal fragend den Kopf zur Seite. </font><br />
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<font color=#008B8B><i>"Das Lied meine ich."</i> Elian lehnte sich gegen eines der Fässer, die unweit vertäut herum standen und summte die ersten paar Töne der Melodie, die er gerade von Shanaya gehört hatte. <i>"All the Dancing and the Dreaming... ich hätte meine Hand dafür ins Feuer gelegt dass in deinem Kopf eher Yo Ho Ho und ne Buddel voll Rum herumschwirrt."</i> Er zeigte auf die Flasche in ihrer Hand. <i>"Gerade wenn man deinen Begleiter richtig deutet."</i> </font><br />
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<font color=royalblue>Shanaya hob bei der Antwort des Mannes leicht eine Augenbraue an. Das Lied? Sie war noch verwirrt von seiner ersten Antwort, womit seine zweite es nicht besser machte. <i>„Was ist mit dem Lied?“</i> Hatte sie irgendeine böse Beschwörung gesummt und Elian hatte jetzt Angst, dass in den nächsten Minuten ein Ungeheuer über die Sphinx herfiel? Der Gedanke ließ sie leise lachen, ehe sie das Gefäß in ihrer Hand etwas höher hielt und hin und her schwenkte. <i>„Absolut gar kein Alkohol. Es sei denn, irgendwer hat etwas in unsere Wasservorräte gekippt...“</i> Das man sie für so einen Säufer hielt! Trotzdem lächelte die junge Frau amüsiert vor sich hin.</font><br />
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<font color=#008B8B><i>"Es ist ein Liebeslied. Genauer genommen ein Antrag in musikalischer Form."</i> Elian nahm die Flasche entgegen und trank durstig einige Schlucke. Er gab das Gefäß zurück, leckte sich über die Lippen. Salz, vermutlich vom vielen Schwitzen in der Takelage. <i>"Wenn ich mir nicht sicher wäre, dass das neulich mit dir und Aspen ein Scherz gewesen sein muss, würde ich dich fragen, ob du es dir doch nochmal anders überlegst."</i></font><br />
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<font color=royalblue>Shanaya blinzelte bei der Antwort des Mannes kurz, musste dann aber doch lachen. Oh... <i>„Gut zu wissen. Ich habe nur die Melodie irgendwo aufgeschnappt und sie gefiel mir...“</i> Ein Liebeslied also. Soso. Als der Blonde nach ihrer Flasche griff, die sie nur zur Verbildlichung hoch gehalten hatte, hob die junge Frau leicht eine Augenbraue. So war das nicht geplant... Elian trank etwas und Shanaya fragte sich still, ob sie jetzt so etwas wie die Montrose Pest bekommen würde. Ein Gedanke, den sie mit einem Kopfschütteln beiseite schob, die Flasche entgegen nahm und über seine Worte lachte. <i>„Tja, leider war das kein Scherz, mein zum Glück nicht Schwager.“</i> Sie zuckte mit den Schultern. „<i>Aber anders überlegt habe ich es mir garantiert nicht.“</i> </font>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Mysteries in our Hearts]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=838</link>
			<pubDate>Sat, 18 Jan 2020 15:35:33 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=838</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Mysteries in our Hearts</div>
<br />
<font size=1>Mittag des 03. Mai 1822<br />
Liam Casey, Lucien Dravean, Skadi Nordskov & Shanaya Árashi </font></center><br />
<br />
<font color=royalblue>Es war nur wenige Stunden her, dass sie in den Hafen eingelaufen waren, jetzt lag die Sphinx ruhig und gesichert da. Diesen Moment hatte Shanaya noch abgewartet, Ehe sie sich auf den Weg gemacht hatte, um die Insel zu erkunden. Sie war allein unterwegs, erkundete die Gassen, die um den Hafen herum führten, mit den Gedanken... Irgendwo. Dennoch lag ein leises Summen auf ihren Lippen, während die blauen Augen aufmerksam die Umgebung betrachteten. Irgendwann führte ihr Weg sie zurück zum Hafen, vor ihr der weite Ozean. Mit ruhigen Schritten trat die Schwarzhaarige direkt ans Ufer, streckte mit einem zufriedenen Seufzen die Arme in die Luft und lächelte einfach vor sich hin. Ohne einen wirklichen Grund dafür zu haben. </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Jedes Mal wieder war es ein unbeschreibliches Gefühl, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Kaum, dass die Sphinx im Hafen angelegt hatte und sicher auf den sanften Wellen des Meeres schaukelte, hatte er ein paar seiner Sachen zusammengepackt, um sich ein bisschen die Füße zu vertreten und die Ruhe zu genießen. Abstand. Er hatte kein großes Problem mit dem engen Zusammenleben an Bord des Schiffes, aber jedes Mal, wenn ihn seine Reisen in einen Hafen trieben, brauchte er diesen Abstand, diese Zeit für sich. Ein Stück vom Hafen und der letzten Reihe Häuser des Dorfes entfernt hatte er den Platz dafür gefunden, sich niedergelassen und den Wellen gelauscht, während er in Gedanken versunken eine Skizze auf eine kleinere Leinwand brachte. Irgendwann hatte er die Sachen wieder zusammengepackt, um sie zurück zur Sphinx zu bringen, ehe er sich abermals auf einen Spaziergang begeben wollte. Nicht allzu weit von der Sphinx entfernt fiel ihm Shanaya am Ufer ins Auge, die ungewohnt zufrieden wirkte. Der glückselige Ausdruck auf ihren Zügen ließ auch ihn unweigerlich lächeln. Ohne groß darüber nachzudenken führten ihn seine Schritte nun in die Richtung der Schwarzhaarigen, um neben ihr zum Stehen zu kommen und ihrem Blick gen Horizont zu folgen. <i>„Hast du eine Meerjungfrau getroffen? Sonst guckst du nur am Steuer so glücklich.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#458B74>Mit einem genüsslichen Seufzen streckte Lucien die Arme über den Kopf, dehnte die verspannten Muskeln und ließ sie dann schlagartig nach unten fallen. <i>„War vielleicht gar keine schlechte Idee von dir, mich vom Schiff zu locken.“</i> Die grünen Augen huschten zu seiner Begleiterin hinüber und auf seinen Lippen erschien ein gelassenes Lächeln. Skadis Vorschlag, auch diese Insel nach der ein oder anderen illegalen Aktivität abzusuchen, stieß bei ihm selbstverständlich auf fruchtbaren Boden. Andernfalls hätte ihn sein Weg nach getaner Arbeit wahrscheinlich als allererstes in das nächste Bordell geführt und auch wenn er dem nie abgeneigt war, verlangte ein Rundgang zunächst weniger körperliches Engagement seinerseits. Erst Recht, wenn er Skadi in den Ring steigen ließ und sich selbst etwas zurück nahm. Und das Hurenhaus lief ihm sicher nicht weg. Sie hatten das Schiff hinter sich gelassen, folgten zunächst der Hafenmauer und hätten mit Sicherheit in den nächsten Augenblicken eine der dunklen Gassen gewählt, die ins Innere des Dorfes abzweigten. Doch zwei vertraute Gestalten nicht weit von ihnen lenkten die tiefgrünen Augen ein Stück weiter das Ufer entlang und seine Lippen verzogen sich zu einem kleinen Lächeln. <i>„Sieh an. Scheint, als wär der Ort hier nicht besonders groß, wenn die beiden schon zurück sind.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#BC8F8F>Für einen kurzen Moment kreiste der dunkle Haarschopf im braungebrannten Nacken, ehe er sich Lucien mit einem spitzbübischen Funkeln in den Augen zuwandte. Schulterzuckend und mit einem Schürzen der vollen Lippen gab sie ihm zu verstehen, dass sie nicht umhin von ihrem Vorschlag überzeugt gewesen war. Nach dem letzten kleinen Ausflug wusste sie immerhin, dass der Dunkelhaarige dem illegalen Spiel etwas abgewinnen konnte. Ganz davon abgesehen, dass er sie als einer der Wenigen auf diesem Schiff nicht für ihre „körperbetonte“ Ader verurteilte. <i>“Ich dachte mir, dass du dir das vielleicht nicht entgehen lassen willst.“</i>, raunte sie ihm schmunzelnd entgegen und ließ ihren Blick kurz über das helle Grün seiner Augen schweifen, ehe sie ihre Umgebung beobachtete. Hob entspannt die langen Finger in den Nacken und streckte sich für ein paar Schritte, bis Lucien ihre Aufmerksamkeit auf die zwei Gestalten vor ihnen lenkte. <i>“Oder nicht sonderlich interessant.“</i>, fügte sie knapp hinzu. Verschränkte ihre Arme nun hinter dem Rücken, während sie dem Jüngeren folgte und nach einem intensiven Blick in eine der abzweigenden Seitengassen abwechselnd Liam und Shanaya musterte.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanayas blaue Augen ruhten auf dem Horizont, beobachteten die Wellen und die Möwen, die vereinzelt ihre Kreise am Himmel zogen. Erst leise Schritte lenkten ihre Aufmerksamkeit wieder um, bis jemand neben sie trat. Aus den Augenwinkeln erkannte sie Liam, richtete den Blick aber nicht herum. Seine Worte ließen sie leicht eine Augenbraue heben. Sie gab ein leises, überlegendes Brummen von sich. <i>"Und eine Meerjungfrau würde mich Lächeln lassen? Fisch ist nichts für mich, egal in welcher... Ausführung."</i> Nun richtete sie den hellen Blick doch auf den Lockenkopf, sah nur aus den Augenwinkeln die zwei Gestalten, die sich in ihrer Nähe aufhielten. Aber im ersten Moment kümmerte sie sich nicht darum.</font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Das Lächeln auf seinen Zügen wurde einen Hauch breiter, während er den Seesack auf seiner Schulter in eine etwas bequemere Position schob. Es war wohl Definitionssache, was man in einer Meerjungfrau sah - den schuppigen oder den menschlichen Teil. Vorausgesetzt natürlich, ihre Erscheinung entsprach dem, was sich die Seemänner erzählten. <i>„Es heißt doch, dass ihre Erscheinung Glück bringt.“</i>, erklärte er seinen Gedankengang nach einer kurzen Pause. <i>„Mancherorts erzählt man sich sogar, dass eine Schuppe jeglichen Wunsch erfüllen könnte.“</i> Seine Augenbrauen zuckten nach oben, während er kurzerhand lächelnd mit den Schultern zuckte. Als Kind hatte er etliche Tage an der Küste verbracht, um eine dieser Kreaturen zu Gesicht zu bekommen und sie um eine Schuppe bitten zu können. Ohne Erfolg, obwohl seine Mutter diesem einem Wunsch mehr als verdient gehabt hätte. Als er den Blick zu Shanaya wendete, erkannte auch er die beiden Gestalten, die in ihre Richtung geschlendert kamen. Vermutlich hatten sie aber ihre eigenen Pläne. </font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Mysteries in our Hearts</div>
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<font size=1>Mittag des 03. Mai 1822<br />
Liam Casey, Lucien Dravean, Skadi Nordskov & Shanaya Árashi </font></center><br />
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<font color=royalblue>Es war nur wenige Stunden her, dass sie in den Hafen eingelaufen waren, jetzt lag die Sphinx ruhig und gesichert da. Diesen Moment hatte Shanaya noch abgewartet, Ehe sie sich auf den Weg gemacht hatte, um die Insel zu erkunden. Sie war allein unterwegs, erkundete die Gassen, die um den Hafen herum führten, mit den Gedanken... Irgendwo. Dennoch lag ein leises Summen auf ihren Lippen, während die blauen Augen aufmerksam die Umgebung betrachteten. Irgendwann führte ihr Weg sie zurück zum Hafen, vor ihr der weite Ozean. Mit ruhigen Schritten trat die Schwarzhaarige direkt ans Ufer, streckte mit einem zufriedenen Seufzen die Arme in die Luft und lächelte einfach vor sich hin. Ohne einen wirklichen Grund dafür zu haben. </font><br />
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<font color=#6C7B8B>Jedes Mal wieder war es ein unbeschreibliches Gefühl, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Kaum, dass die Sphinx im Hafen angelegt hatte und sicher auf den sanften Wellen des Meeres schaukelte, hatte er ein paar seiner Sachen zusammengepackt, um sich ein bisschen die Füße zu vertreten und die Ruhe zu genießen. Abstand. Er hatte kein großes Problem mit dem engen Zusammenleben an Bord des Schiffes, aber jedes Mal, wenn ihn seine Reisen in einen Hafen trieben, brauchte er diesen Abstand, diese Zeit für sich. Ein Stück vom Hafen und der letzten Reihe Häuser des Dorfes entfernt hatte er den Platz dafür gefunden, sich niedergelassen und den Wellen gelauscht, während er in Gedanken versunken eine Skizze auf eine kleinere Leinwand brachte. Irgendwann hatte er die Sachen wieder zusammengepackt, um sie zurück zur Sphinx zu bringen, ehe er sich abermals auf einen Spaziergang begeben wollte. Nicht allzu weit von der Sphinx entfernt fiel ihm Shanaya am Ufer ins Auge, die ungewohnt zufrieden wirkte. Der glückselige Ausdruck auf ihren Zügen ließ auch ihn unweigerlich lächeln. Ohne groß darüber nachzudenken führten ihn seine Schritte nun in die Richtung der Schwarzhaarigen, um neben ihr zum Stehen zu kommen und ihrem Blick gen Horizont zu folgen. <i>„Hast du eine Meerjungfrau getroffen? Sonst guckst du nur am Steuer so glücklich.“</i> </font><br />
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<font color=#458B74>Mit einem genüsslichen Seufzen streckte Lucien die Arme über den Kopf, dehnte die verspannten Muskeln und ließ sie dann schlagartig nach unten fallen. <i>„War vielleicht gar keine schlechte Idee von dir, mich vom Schiff zu locken.“</i> Die grünen Augen huschten zu seiner Begleiterin hinüber und auf seinen Lippen erschien ein gelassenes Lächeln. Skadis Vorschlag, auch diese Insel nach der ein oder anderen illegalen Aktivität abzusuchen, stieß bei ihm selbstverständlich auf fruchtbaren Boden. Andernfalls hätte ihn sein Weg nach getaner Arbeit wahrscheinlich als allererstes in das nächste Bordell geführt und auch wenn er dem nie abgeneigt war, verlangte ein Rundgang zunächst weniger körperliches Engagement seinerseits. Erst Recht, wenn er Skadi in den Ring steigen ließ und sich selbst etwas zurück nahm. Und das Hurenhaus lief ihm sicher nicht weg. Sie hatten das Schiff hinter sich gelassen, folgten zunächst der Hafenmauer und hätten mit Sicherheit in den nächsten Augenblicken eine der dunklen Gassen gewählt, die ins Innere des Dorfes abzweigten. Doch zwei vertraute Gestalten nicht weit von ihnen lenkten die tiefgrünen Augen ein Stück weiter das Ufer entlang und seine Lippen verzogen sich zu einem kleinen Lächeln. <i>„Sieh an. Scheint, als wär der Ort hier nicht besonders groß, wenn die beiden schon zurück sind.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#BC8F8F>Für einen kurzen Moment kreiste der dunkle Haarschopf im braungebrannten Nacken, ehe er sich Lucien mit einem spitzbübischen Funkeln in den Augen zuwandte. Schulterzuckend und mit einem Schürzen der vollen Lippen gab sie ihm zu verstehen, dass sie nicht umhin von ihrem Vorschlag überzeugt gewesen war. Nach dem letzten kleinen Ausflug wusste sie immerhin, dass der Dunkelhaarige dem illegalen Spiel etwas abgewinnen konnte. Ganz davon abgesehen, dass er sie als einer der Wenigen auf diesem Schiff nicht für ihre „körperbetonte“ Ader verurteilte. <i>“Ich dachte mir, dass du dir das vielleicht nicht entgehen lassen willst.“</i>, raunte sie ihm schmunzelnd entgegen und ließ ihren Blick kurz über das helle Grün seiner Augen schweifen, ehe sie ihre Umgebung beobachtete. Hob entspannt die langen Finger in den Nacken und streckte sich für ein paar Schritte, bis Lucien ihre Aufmerksamkeit auf die zwei Gestalten vor ihnen lenkte. <i>“Oder nicht sonderlich interessant.“</i>, fügte sie knapp hinzu. Verschränkte ihre Arme nun hinter dem Rücken, während sie dem Jüngeren folgte und nach einem intensiven Blick in eine der abzweigenden Seitengassen abwechselnd Liam und Shanaya musterte.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanayas blaue Augen ruhten auf dem Horizont, beobachteten die Wellen und die Möwen, die vereinzelt ihre Kreise am Himmel zogen. Erst leise Schritte lenkten ihre Aufmerksamkeit wieder um, bis jemand neben sie trat. Aus den Augenwinkeln erkannte sie Liam, richtete den Blick aber nicht herum. Seine Worte ließen sie leicht eine Augenbraue heben. Sie gab ein leises, überlegendes Brummen von sich. <i>"Und eine Meerjungfrau würde mich Lächeln lassen? Fisch ist nichts für mich, egal in welcher... Ausführung."</i> Nun richtete sie den hellen Blick doch auf den Lockenkopf, sah nur aus den Augenwinkeln die zwei Gestalten, die sich in ihrer Nähe aufhielten. Aber im ersten Moment kümmerte sie sich nicht darum.</font><br />
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<font color=#6C7B8B>Das Lächeln auf seinen Zügen wurde einen Hauch breiter, während er den Seesack auf seiner Schulter in eine etwas bequemere Position schob. Es war wohl Definitionssache, was man in einer Meerjungfrau sah - den schuppigen oder den menschlichen Teil. Vorausgesetzt natürlich, ihre Erscheinung entsprach dem, was sich die Seemänner erzählten. <i>„Es heißt doch, dass ihre Erscheinung Glück bringt.“</i>, erklärte er seinen Gedankengang nach einer kurzen Pause. <i>„Mancherorts erzählt man sich sogar, dass eine Schuppe jeglichen Wunsch erfüllen könnte.“</i> Seine Augenbrauen zuckten nach oben, während er kurzerhand lächelnd mit den Schultern zuckte. Als Kind hatte er etliche Tage an der Küste verbracht, um eine dieser Kreaturen zu Gesicht zu bekommen und sie um eine Schuppe bitten zu können. Ohne Erfolg, obwohl seine Mutter diesem einem Wunsch mehr als verdient gehabt hätte. Als er den Blick zu Shanaya wendete, erkannte auch er die beiden Gestalten, die in ihre Richtung geschlendert kamen. Vermutlich hatten sie aber ihre eigenen Pläne. </font>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Die Tiefgründigkeit von gelockten Kühen]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=837</link>
			<pubDate>Sat, 18 Jan 2020 15:16:31 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=837</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Die Tiefgründigkeit von gelockten Kühen</div>
<font size=1>Abend des 02. Mai 1822<br />
Liam Casey & Shanaya Árashi </font></center><br />
<br />
<font color=royalblue>Ihre Schicht war zu Ende, Shanaya hatte das Steuer verlassen. Die Sphinx ruhte fast sanft auf den leichten Wellen, alle Arbeiten schienen erledigt zu sein. Die junge Frau hatte also Zeit, sich um... Irgendetwas zu kümmern. Was genau wusste sie selbst nicht, als ihr Weg sie über das Deck führte. Beinahe ein wenig ziellos, in Gedanken versunken. Sie bewegte sich auf die Reling zu, die blauen Augen auf den Horizont gerichtet. Sie kam zum stehen, legte die Unterarme auf das Holz und ließ den Blick in die Ferne gerichtet. Einen Moment drang nur das leise Geräusch des Meeres an ihre Ohren. Keine Schritte, keine Stimmen. So, dass ihre Gedanken irgendwohin abdrifteten. Irgendwo, wohin sie ihnen in diesem Moment nicht folgen konnte. </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Er hatte die Ruhe genutzt, die nach dem Abendessen eingekehrt war, um das Deck von gröberem Schmutz zu befreien. Nach dem Essen rotteten sich die meisten oft unter Deck zusammen. Außer die natürlich, die noch etwas zu erledigen hatten. So hatte er noch um die letzten Beine herumgeschrubbt, ohne sie groß zu beachten. Liam wischte sich mit dem Handrücken eine Strähne aus dem Gesicht, ehe er den Eimer mit dem Schmutzwasser hochnahm, um ihn über Bord zu kippen. <i>„Und? Was meinst du, wie lange wir noch brauchen, Fräulein Navigatorin?“</i>, lächelte er der Schwarzhaarigen beiläufig in der Abendsonne zu. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya hatte nicht auf die Geräusche gehört, die um die herum passierten. Vielleicht war irgendwer in ihrer Nähe - vielleicht auch nicht. Auch als eine Stimme erklang, schien die junge Frau im ersten Moment nicht zu reagieren. Sie nahm die Stimme wahr, dennoch lag eine gewisse Überraschung in ihrem Blick, als sie schließlich den Kopf herum wandte. Prüfte, ob sie gemeint gewesen war. Die blauen Augen erkannten Liam und ein sachtes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. <i>"Du... Hast etwas gefragt?"</i> Gut, das passierte ihr nicht oft. Aber jetzt... Seine Stimme formte in ihrem Kopf Nichts, was sie wirklich wahrgenommen hätte. </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Sie wirkte gedankenverloren. Eine wohlverdiente Auszeit für Kopf und Geist, die zunehmend wichtiger wurde, je länger sie pausenlos aufeinander saßen. Er lachte leise auf ihre Rückfrage, die seine Annahme bestätigte, und wog den Kopf kurz zur Seite. <i>„Ich nehm’s jetzt mal nicht persönlich, dass dein Verstand es für nötig hält, mich auszublenden.“</i> Ein prüfender Blick galt der Schwarzhaarigen, während er den Eimer wieder herunternahm. <i>„Ich hoffe, es sind wenigstens schöne Gedanken, die dir den Abend versüßen.“</i> Es klang nicht danach, als hätte er eine genaue Vorstellung. Aber was genau sie beschäftigte, war für ihn sowieso nicht von Belang. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Er hatte sie erwischt. Bei was auch immer. Sein Blick verriet einiges - und irgendwie Nichts. Herrje. <i>"Solltest du aber! Ich wollte dich erst ganz ignorieren, aber meine unendlich gute, barmherzige Seele konnte dir diese Last nicht aufbürden."</i> Sie beobachtete den Mann, seinen Eimer, fragte sich dabei still, wie lange er wohl in der Nähe gewesen war. Verrückt. <i>"Bestimmt, ich konnte ihnen ewig nachhängen."</i> Irgendwie so. </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Hatte er eine andere Antwort erwartet? Der Lockenkopf tippte sich nachdenklich mit dem Zeigefinger gegen das Kinn. <i>„Hm. Den Wink hätte ich vermutlich verstanden. Tut mir leid.“</i> Als sie fortfuhr, lächelte Liam zufrieden. Er gönnte es ihr, wirklich. <i>„Na, dann lass sie dir nicht nehmen. Ich bin der letzte, der zwischen euch steht.“</i> Er hob die Hände ergeben in die Höhe. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanayas Kopf neigte sich etwas zur Seite, während sie Liam beobachtete. Er hatte das Deck geschrubbt. Unbemerkt. <i>"Dann weiß ich fürs nächste Mal, wenn du dich an mich heran schleichst."</i> Wenn sie in Zukunft jetzt öfter in Gedanken versank... <i>"Zu spät, er hat sich schon verabschiedet. Aber er kommt bestimmt früh genug wieder."</i> Noch einmal glitt ihr Blick zu dem Eimer. <i>"Und du bindest dir dafür m besten eine Glocke um."</i> Sie warf dem Lockenkopf ein munteres Lächeln zu.</font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Bitte? Herangeschlichen? Sein Blick wanderte kurz über das Deck der Sphinx, an dem er sich die letzte Zeit zu schaffen gemacht hatte und - hatte er dabei nicht sogar ungestört ein Lied gesummt? Von ‚schleichen‘ konnte man wirklich nicht reden. Liam schmunzelte in sich hinein. Schienen ja wirklich schöne Gedanken gewesen zu sein. <i>„Was? Eine Glocke? Die müsste aber ziemlich groß sein, wenn du mich nicht schrubben gehört hast.“</i>, schnaubte er belustigt. <i>„Eine Glocke. Ich bin doch kein Rindvieh.“</i> Wobei der Gedanke an das friedliche Bimmeln einer Kuhherde angenehme Erinnerungen in ihm hervorrief. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Einen Moment lang folgte Shanayas Blick dem des Dunkelhaarigen. Wieder einmal fragte die junge Frau sich, was ihr gegenüber in diesem Moment wohl dachte. Ob er sich fragte, wohin ihre Gedanken gewandert waren? Oder war es ihm vollkommen egal? Vermutlich eher zweiteres. <i>"Du bist doch groß und stark, du schaffst das schon."</i> Dessen war sie sich sicher. Vielleicht konnten sie sie noch bunt verzieren? Hatte der Lockenkopf eine Lieblingsfarbe? <i>"Deine Frisur passt auch nicht ganz. Ich habe noch nie eine lockige Kuh gesehen."</i> Sie deutete auf seine Haare, ein vielsagender Ausdruck in den blauen Augen. </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Welch gnädiges Urteil! Trotzdem stellte er es sich eher unangenehm vor, dauerhaft eine Glocke um den Hals zu tragen. Vielleicht hätte er sich noch ein Glöckchen gefallen lassen. In Form von Arm- oder Beinschmuck, wie es manche Kulturen handhabten. Amüsiert schüttelte er den Kopf bezüglich Shanayas schön verpacktem Kompliment, lauschte ihr weiter und schwieg einen Augenblick, während sich seine Stirn nachdenklich in Falten legte. <i>„Oh doch, die gibt‘s!“</i>, rief er aus, kaum dass er seine Erinnerungen geordnet hatte. Es kümmerte ihn nicht, dass ihm diese Offenbarung vielleicht nicht gerade in die Karten spielte. <i>„Sind ein bisschen bulliger, glaube ich. Und komplett rotbraun gelockt.“</i> Er hatte den Eimer beiläufig zu Boden gestellt und lehnte sich nun seinerseits auf die Reling. <i>„... Auf Yvenes hatte irgendein Landherr ein paar Tiere. Die hatten sich dann aber wohl alsbald erledigt, schätze ich.“</i> Sonst hätte die Jüngere sie sicherlich noch kennengelernt. <i>„Musst mal Greo fragen, der weiß das bestimmt.“</i> Liam lehnte sich etwas zur Seite, sein Blick wanderte vom Horizont zurück zu den feinen Zügen an seiner Seite. <i>„Allerdings hätte ich jetzt auch nicht behauptet, dass sich so stur wie eines dieser Rinder bin. Oder derart wehrhaft...“</i> Abermals runzelte er die Stirn. Interessiert, welche Gemeinsamkeiten ihr noch einfallen würden. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Liam schwieg und Shanaya wandte den blauen Blick leicht zur Seite, um ihn aus den Augenwinkeln zu beobachten. Er wirkte einen Moment fast nachdenklich, bevor er ihr seine Gedanken mitteilte. Die gab es? Ihr Grinsen wurde ein wenig breiter. Soso. <i>"Gut zu wissen. Sollte mit Mal solch eine Kuh begegnen, weiß ich, welchen Namen sie bekommt."</i> Jetzt stand Liam neben ihr, ohne den Eimer. Auf Yvenes also, hm? Sie erinnerte sich an keins solcher Tiere, wobei sie vermutlich auch einfach nicht darauf geachtet hatte. <i>"Vermutlich. Er kennt wahrscheinlich jegliche Art von Vieh."</i> Sie lächelte warm bei diesem Gedanken. <i>"Es gibt bestimmt auch welche, die verträumt in die Gegend starren und eigentlich gar nicht da sind..."</i> </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Das war wohl ein Eigentor gewesen. Liams Lippen verzogen sich, als ihm klar wurde, dass er selbst dafür verantwortlich war, Namensvetter des ersten lockigen Rindes zu sein, dem die Schwarzhaarige begegnen würde. Doch seine angedeutete Grimasse verlor sich recht schnell wieder in seiner guten Laune und Humor. Denn letztlich traf Shanaya abermals ins Schwarze. Der Lockenkopf öffnete den Mund, um etwas zu entgegnen, sah aber ein, dass es nichts gab, was ihr Argument entkräftigt hätte. <i>„Touché.“</i>, gestand er und wandte den Blick abermals schweigend aufs Meer hinaus. <i>„... Wovon so ein Bulle wohl träumt? Saftigem Heu? Einer Weide voller lockiger Damen? Einem Moment Ruhe von dem Gebimmel der ganzen Glocken?“</i> Er hatte Spaß daran, derart abstruse Gedanken weiterzuspinnen. <i>„Klingt irgendwie nach einem ziemlich langweiligem Leben.“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Liam wusste keine Erwiderung. Natürlich nicht, das hatte er sich selbst eingebrockt. Und die Kuh sollte sich, sollte jemals eine diesen Namen bekommen, doch wohl geehrt fühlen! Wobei sie dabei noch die Geschlechterrolle klären musste. Es wäre sicher ein merkwürdiges Gefühl, jemanden eine 'Liam' melken zu sehen. Die Schwarzhaarige schüttelte den Kopf, vertrieb diesen Gedanken schnell wieder und folgte dem Blick des Lockenkopfes hinaus aufs Meer. Was er dann sagte wirkte weniger tiefgründig als sie bei diesem Blick erwartet hatte. Und trotzdem lachte die junge Frau, seufzte dann schwer, aber noch immer breit grinsend. <i>„Du willst mir weiß machen, dass du eine Weide voller lockiger Damen langweilig finden würdest?“</i> </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Im Nachhinein war es klar gewesen, dass Shanaya diese Aussage nicht kommentarlos vorbeiziehen lassen würde. Liam lachte, während sein Blick flüchtig hinunter zu den Wellen glitt, die die Sphinx ins Meer schlug. Dann zuckte er kurzerhand mit der Schulter, räusperte sich und schielte zu der Schwarzhaarigen hinüber, die noch immer auf der Reling lehnte. <i>„Am Anfang vielleicht nicht.“</i>, gestand er aufrichtig mit einem verhaltenen Schmunzeln in den Mundwinkeln. Er war und blieb nun mal ein Mann und ausnahmslos jeder, der über solch eine Möglichkeit nicht einmal angetan nachdachte, musste sich selbst belügen. <i>„Aber ich schätze, das würde irgendwann in Arbeit ausarten, wenn man jeder gegenüber sein Versprechen halten will.“</i> Liam war gewiss kein Mann, bei dem es stets ums eine ging, aber ein Bulle hatte auf einer Weide nun einmal nur eine Aufgabe – und darüber redeten sie gerade. <i>„Und wozu eine ganze Weide, wenn man bloß zwei Hände hat?“</i> Tatsächlich konnte er im Augenblick kaum einschätzen, wie Shanaya zu derlei Dingen stand. Vermutlich sah sie in jedem Mann einen Schmutzfinken, der nicht genug Weiber haben konnte, ganz gleich, ob er Verwendung dafür hatte oder nicht. <i>„Außerdem wäre es doch dann kaum mehr etwas Besonderes, sich das Bett mit einem hübschen Fräulein zu teilen, sondern einfache Gier ohne Wertschätzung.“</i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya war auf Liams Antwort gespannt, sie konnte wirklich nicht einschätzen, was der Lockenkopf mit einem Haufen Weiber anfangen würde. Einen Moment überlegte sie, den Älteren zu korrigieren, zu fragen, was er mit einer Herde lockiger Kühe anstellen würde, stattdessen grinste sie nur über seine Worte. <i>„Du willst direkt jeder etwas versprechen? Wie... verbindlich.“</i> Aber es verriet der jungen Frau einiges über den Dunkelhaarigen, genau wie seine nächsten Worte. Sie lachte, schüttelte amüsiert den Kopf über Liam. <i>„Du willst also mehr Hände für solche Situationen? Gut zu wissen...“</i> Sie warf ihm einen vielsagenden Blick zu. <i>„Du hättest für jede Lebenslage eine. Du kannst mir nicht erzählen, dass du das nicht wenigstens ein bisschen genießen würdest.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Er war sich ziemlich sicher, dass Shanaya nicht verstanden hatte, worauf er mit ‚Versprechen‘ angedeutet hatte. Immerhin ging es bei einer Zusammenkunft nicht um einseitigen Spaß – seiner Meinung nach jedenfalls nicht. Dass er damit eine eher umstrittene Meinung vertrat, zeigten all die Vergewaltigungen, die mancherorts leider nicht unbedingt selten waren. Aber in diesem offenen Gespräch ging es nicht um Einzelheiten. Es war mehr eine Alberei, auf die niemand den anderen irgendwann festnageln würde. Er lachte, als die Dunkelhaarige ihm gekonnt die Worte im Munde drehte. Ganz so einfältig war er dann doch nicht – ihm fielen weitaus mehr Dinge ein, wo ein zweites Paar Hände nicht unbedingt schlecht gewesen wären. <i>„Du weißt die Dinge schon so auszulegen, wie du sie gerne hören würdest, was?“</i>, erkannte er an und musterte die Jüngere gut gelaunt. <i>„Mir würden weitaus sinnigere Dinge einfallen, für die sich zwei weitere Hände lohnen würden. Wie viele Instrumente man wohl gleichzeitig spielen könnte?“</i> Bevor die Frage nach dem ‚welche denn?‘ kam, hielt er es für schlauer, ihr diese einfach schon einmal vorwegzunehmen. Doch Shanaya ließ nicht locker. Der Lockenkopf versuchte abermals, sich den Umstand vorzustellen und wog den Kopf dabei kurz hin und her. <i>„Für mich hat das Ganze irgendwie etwas von Freudenhaus. Wenn auch ohne Bezahlung. Ich schätze, ich bin einfach nicht der Typ für einen Harem. Das überlasse ich lieber denen, deren Leben aus nichts mehr als Lust und Trieb besteht.“</i>, kam er letztlich zum Schluss. Ihn interessierten mehr die Reisen als die Gesellschaft etlicher Frauen. Außerdem war die Umwerbung ein weiterer Bestandteil, der bei einem Freudenhaus – oder einer Weide – zu kurz kommen musste. <i>„Außerdem wurde ich vermutlich eher dazu erzogen, eine für jede Lebenslage zu haben.“</i> Sein Ton blieb beiläufig bei dieser Offenbarung, aber wenn man ehrlich war, hielt er sich auch nicht wirklich daran. Auch, wenn das andere Gründe hatte, die hier nicht hingehörten. <i>„Was ist mit dir, Shanaya? Ist es das, wovon du heimlich träumst? Eine Weide voller Männer, die nur darauf warten, dass du ihnen deine Aufmerksamkeit schenkst?“</i> Er ahnte, wie ihre Antwort ausfallen würde. Und trotzdem war er neugierig, ob er richtig lag.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya erwiderte Liams Lachen auf seine Worte hin und wog daraufhin den Kopf etwas ergeben zur Seite. <i>„Darin bin ich Meisterin, gut erkannt.“</i> Als der Lockenkopf sich dann fragte, was er mit all den Händen und Instrumenten anstellen konnte, hob die Schwarzhaarige leicht eine Augenbraue, das Lächeln wich jedoch nicht von ihren Lippen. Soso. Instrumente. Aber bevor sie diesen Gedanken weiter ausführen konnte, sprach Liam weiter. Er war nicht der Typ für einen Harem? Manch einer hätte dafür vermutlich ganze Königreiche nieder gebrannt. Ach Liam... Aber sie kommentierte seine Worte nur mit einem sachten Seufzen, einem Blick, der alles sagte. Was er dann sagte ließ das Lächeln auf ihren Lippen deutlich wärmer werden. Das war... irgendwie niedlich. Und er war gewiss nicht der einzige, dem es so ging. <i>„Du bist also eher der Romantiker, hm?“</i> Was er dann fragte ließ die Schwarzhaarige einen Moment überlegen, ehe sie mit einem Lachen antwortete. <i>„Ich habe genug Kerle, die mir hinterher hecheln, das reicht mir.“</i> Auch wenn sie sich sicher war, dass der ein oder andere noch dazu kommen würde. <i>„Besonders, wenn die Besagten sich nicht zurückhalten können und aufdringlich werden.“ </i></font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Sein Blick war zurück aufs Meer gewandert, bis er das leise Seufzen an seiner Seite vernahm und etwas irritiert zurück zu Shanaya blickte. Shanaya, die ihn mit einem recht eindeutigen Blick bedachte, mit dem man auch einen kleinen Jungen bedachte, der seiner Sandkastenliebe gerade untalentiert den Hof zu machen versuchte. Er blinzelte, nahm es allerdings recht gelassen. Immerhin wusste er, wie unverbreitet seine Ansicht diesbezüglich war. Ihre Worte brachten es schließlich auf den Punkt und obwohl er ihr eine Antwort schuldig blieb, verriet sein verlegenes Lächeln genug, als er den Blick wieder auf den brennenden Horizont richtete. Es schien ihm angebracht, nun das Augenmerk von sich auf die Dunkelhaarige zu wechseln, die zwar nicht ganz das antwortete, was er erwartet hatte, aber die Richtung war dieselbe. <i>„Hab‘ mir schon gedacht, dass du sowas sagen würdest.“</i>, gestand er grinsend. <i>„Ich hoffe, du hast vor Augen, dass wir Männer nicht alle gleich sind. Den ein oder anderen gibt’s bestimmt, der dir ehrlich den Hof machen will. Nicht des Zweckes wegen, sondern deinetwillen.“</i> Optimistisch streifte er ihre Züge mit seinem Blick. Auch, wenn er sich die Jüngere im Augenblick nur schwer als Familienmensch und Mutter vorstellen konnte – irgendwann würde sich das vermutlich auch ändern. Und er hoffte für sie, dass sie die Möglichkeit wahrnehmen würde, irgendwann, wenn die Zeit gekommen war. Weil es ihr nicht verwehrt blieb. <i>„Wie sind wir eigentlich auf dieses Thema gekommen?“</i>, fragte er schließlich mit gerunzelter Stirn. <i>„Haben wir’s nicht von lockigen Kühen gehabt? Also, ich für meinen Teil hätte gerne eine Weide voller Kühe. Egal, ob lockig oder nicht.“</i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Liams stille Reaktion ließ Shanaya noch einmal lächeln. Liam war also wirklich ein kleiner Romantiker, interessant. Vermutlich konnten sich einige von ihm eine Scheibe abschneiden. (Hihi. Beverly) Was er dann sagte, ließ sie leicht mit den Schultern zucken. So gut dürfte er sie inzwischen immerhin kennen. Und es war eben einfach eine Tatsache. <i>„Leider gibt es davon eindeutig zu wenig.“</i> Und auch das war leider Fakt. Die meisten waren eben nur auf ihren Körper aus. Darauf, sie zu knacken, ihre Spielchen mit ihr zu spielen. Umso mehr Spaß hatte die junge Frau daran, sie zu locken und dann doch fallen zu lassen. So, wie sie es verdienten. Seine nächste Frage war... irgendwie berechtigt, entlockte der Schwarzhaarigen ein leises Lachen. <i>„Wir sind halt ziemlich tiefgründig, wir beide. Und auch dafür kannst du dich sicher an Greo wenden. Der schließt sich dir sicher an.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Sein Lächeln wurde ein wenig unergründlicher, nachdenklicher, während er Shanaya für einen kurzen Augenblick musterte. Sie wirkte nun tatsächlich nicht, als wäre sie auf der Suche nach einem ernsthaften Lebenspartner. Vielleicht aber lag sein Eindruck auch einfach daran, weil sie alleine bereits ein recht selbstbewusstes und zufriedenes Bild abgab. Und weil er im Hinterkopf noch immer ihr junges Alter hatte, in dem er selbst ganz sicher nach allem anderen als derleich Verbindlichkeit gesucht hatte. Ihm war bewusst, dass ihre Gesellschaft anders funktionierte, dass Shanaya schon längst hätte verheiratet sein sollen, während er selbst sich eigentlich um eine Familie kümmern sollte. Aber darin waren sie sich wieder ähnlich – in ihrer rebellischen Art, sich nicht an derlei Richtlinien zu halten, weil man anderes als wichtiger empfand und sein Leben genießen wollte – auf die ganz eigene Art. Deshalb auch hatte Liam gar keinen Grund, ihre Worte zu hinterfragen. Zufrieden mit der Situation ließ er den Blick wieder mit einem sachten Lächeln gen Horizont gleiten. <i>„Kommt noch. Wobei unsere Lebensart auch nicht unbedingt zuträglich für derlei Dinge ist.“</i> Er zuckte mit der Schulter. Ihm kam es nur gelegen, dass er selten lang genug an einem Ort war, um sich an irgendetwas zu gewöhnen. Er hielt die Dinge auf Abstand, unbewusst, aber effektiv genug, um auch nichts zu vermissen. Liam lachte. Der Vorschlag der Jüngeren weckte augenblicklich wieder seine bildhafte Fantasie. <i>„Du meinst, er und ich setzen uns irgendwann mit einer Herde Rinder zur Ruhe? Ich könnte mir durchaus schlimmeres vorstellen.“</i> Das Reiten würde er dafür vermutlich aber noch lernen müssen. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Diesmal ging Shanayas Blick leicht zum Himmel, während sie grüblerisch über die Worte des Dunkelhaarigen brummte. Schon wieder. <i>„Du meinst, von einer Insel zur nächsten Insel zu segeln hindert mich daran, mehr solcher Männer zu kennen?“</i> Nun warf sie dem Mann ein amüsiertes Grinsen zu. Sie glaubte nicht, dass es etwas ändern würde, würde sie an einem Ort verweilen. Nein, wirklich nicht. Das Bild, das Liam ihr dann beschrieb, entlockte der Schwarzhaarigen ein ruhiges Lachen. <i>„Oh, da hat er sicher Nichts gegen. Wobei... 'Zur Ruhe setzen' bei Greo wohl eindeutig die falsche Bezeichnung ist.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B><i>„‚Hindern‘ nicht unbedingt, aber es senkt vermutlich die Wahrscheinlichkeit.“</i>, beendete er das Thema mit einem gutgelaunten Lächeln auf den Lippen. <i>„Meinst du? Er könnte den ganzen Tag werkeln wie er wollte und müsste sich nicht einmal dauernd ducken, um sich den Kopf nicht anzuschlagen.“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Liams Kommentar entlockte der jungen Frau ein leises, nachdenkliches Brummen, aber auch sie schwieg sonst dazu. Sie trafen genug Menschen, genug Männer, um zu wissen, dass es nicht viele Ausnahmen gab. Wirklich nicht. Was Liam dann jedoch über Greo sagte, entlockte ihr ein amüsiertes Lachen. <i>„Darüber wäre er vermutlich wirklich sehr froh.“ </i></font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Was auch immer Greo auf dieses Schiff getrieben hatte - und dort hielt - er wirkte vermutlich ähnlich falsch wie Liam selbst. Nicht seiner Fähigkeiten wegen. Aber so unkomfortabel ein Schiff auch schon per se war, mit seinen Maßen musste man sich vorkommen wie ein Fuchs im Kaninchenloch. Er musste einen guten Grund haben, mit der Sphinx zu reisen. Liam hatte bisher nie gefragt. Greo machte aber auch nicht unbedingt den Anschein, großer Freund von Small Talk zu sein. <i>„Tja. Mal sehen, wo es uns alle hinführt, hm?“</i> Sein Blick glitt in die Ferne. Er meinte nicht mal nur die nähere Zukunft, die sie noch beisammen sein würden. Er war wirklich gespannt, was die Welt noch für sie übrig hatte. Positiv wie negativ. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya amüsierte sich noch etwas über den Gedanken an Greo, der sich darüber freute, endlich wieder mehr Platz zu haben. Das... und anderes. Liam jedoch hing scheinbar tiefgründigeren Gedanken nach als sie, was er mit seinen nächsten Worten klar machte. Daraufhin drehte Shanaya sich um, lehnte sich mit dem Rücken an die Reling, stellte sich auf die Zehenspitzen und reckte den Kopf zurück, sodass sie den Himmel und ein Stück vom Meer falsch herum sehen konnte. <i>„Jetzt wirst du schon wieder so tiefgründig. Das liegt dir wirklich, oder?“</i> </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Liam lachte leise auf, als die Dunkelhaarige ihn abermals zu ertappen schien. <i>„Das war weitaus weniger tiefgründig gemeint, als es vermutlich rüberkam.“</i> Mit einer kurzen Handbewegung wischte er sich eine Strähne aus der Stirn. <i>„Eigentlich wollte ich eher daran appellieren, dass wir so oder so nicht in die Zukunft sehen können und der Dinge harren müssen, die da kommen. Egal, wie viel wir träumen.“</i> Seine Stirn legte sich kurz in Falten, ehe sein Blick die Jüngere vermutlich wissender musterte, als er eigentlich war. <i>„Aber wer abends allein vor sich hin grinsend in den Sonnenuntergang starrt - dem ist wohl einfach nach Tiefgründigkeit. Und der hört, was er hören will, hm?“</i> Er lächelte. Es war ihr gutes Recht. Weshalb auch immer. </font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Die Tiefgründigkeit von gelockten Kühen</div>
<font size=1>Abend des 02. Mai 1822<br />
Liam Casey & Shanaya Árashi </font></center><br />
<br />
<font color=royalblue>Ihre Schicht war zu Ende, Shanaya hatte das Steuer verlassen. Die Sphinx ruhte fast sanft auf den leichten Wellen, alle Arbeiten schienen erledigt zu sein. Die junge Frau hatte also Zeit, sich um... Irgendetwas zu kümmern. Was genau wusste sie selbst nicht, als ihr Weg sie über das Deck führte. Beinahe ein wenig ziellos, in Gedanken versunken. Sie bewegte sich auf die Reling zu, die blauen Augen auf den Horizont gerichtet. Sie kam zum stehen, legte die Unterarme auf das Holz und ließ den Blick in die Ferne gerichtet. Einen Moment drang nur das leise Geräusch des Meeres an ihre Ohren. Keine Schritte, keine Stimmen. So, dass ihre Gedanken irgendwohin abdrifteten. Irgendwo, wohin sie ihnen in diesem Moment nicht folgen konnte. </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Er hatte die Ruhe genutzt, die nach dem Abendessen eingekehrt war, um das Deck von gröberem Schmutz zu befreien. Nach dem Essen rotteten sich die meisten oft unter Deck zusammen. Außer die natürlich, die noch etwas zu erledigen hatten. So hatte er noch um die letzten Beine herumgeschrubbt, ohne sie groß zu beachten. Liam wischte sich mit dem Handrücken eine Strähne aus dem Gesicht, ehe er den Eimer mit dem Schmutzwasser hochnahm, um ihn über Bord zu kippen. <i>„Und? Was meinst du, wie lange wir noch brauchen, Fräulein Navigatorin?“</i>, lächelte er der Schwarzhaarigen beiläufig in der Abendsonne zu. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya hatte nicht auf die Geräusche gehört, die um die herum passierten. Vielleicht war irgendwer in ihrer Nähe - vielleicht auch nicht. Auch als eine Stimme erklang, schien die junge Frau im ersten Moment nicht zu reagieren. Sie nahm die Stimme wahr, dennoch lag eine gewisse Überraschung in ihrem Blick, als sie schließlich den Kopf herum wandte. Prüfte, ob sie gemeint gewesen war. Die blauen Augen erkannten Liam und ein sachtes Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. <i>"Du... Hast etwas gefragt?"</i> Gut, das passierte ihr nicht oft. Aber jetzt... Seine Stimme formte in ihrem Kopf Nichts, was sie wirklich wahrgenommen hätte. </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Sie wirkte gedankenverloren. Eine wohlverdiente Auszeit für Kopf und Geist, die zunehmend wichtiger wurde, je länger sie pausenlos aufeinander saßen. Er lachte leise auf ihre Rückfrage, die seine Annahme bestätigte, und wog den Kopf kurz zur Seite. <i>„Ich nehm’s jetzt mal nicht persönlich, dass dein Verstand es für nötig hält, mich auszublenden.“</i> Ein prüfender Blick galt der Schwarzhaarigen, während er den Eimer wieder herunternahm. <i>„Ich hoffe, es sind wenigstens schöne Gedanken, die dir den Abend versüßen.“</i> Es klang nicht danach, als hätte er eine genaue Vorstellung. Aber was genau sie beschäftigte, war für ihn sowieso nicht von Belang. </font><br />
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<font color=royalblue>Er hatte sie erwischt. Bei was auch immer. Sein Blick verriet einiges - und irgendwie Nichts. Herrje. <i>"Solltest du aber! Ich wollte dich erst ganz ignorieren, aber meine unendlich gute, barmherzige Seele konnte dir diese Last nicht aufbürden."</i> Sie beobachtete den Mann, seinen Eimer, fragte sich dabei still, wie lange er wohl in der Nähe gewesen war. Verrückt. <i>"Bestimmt, ich konnte ihnen ewig nachhängen."</i> Irgendwie so. </font><br />
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<font color=#6C7B8B>Hatte er eine andere Antwort erwartet? Der Lockenkopf tippte sich nachdenklich mit dem Zeigefinger gegen das Kinn. <i>„Hm. Den Wink hätte ich vermutlich verstanden. Tut mir leid.“</i> Als sie fortfuhr, lächelte Liam zufrieden. Er gönnte es ihr, wirklich. <i>„Na, dann lass sie dir nicht nehmen. Ich bin der letzte, der zwischen euch steht.“</i> Er hob die Hände ergeben in die Höhe. </font><br />
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<font color=royalblue>Shanayas Kopf neigte sich etwas zur Seite, während sie Liam beobachtete. Er hatte das Deck geschrubbt. Unbemerkt. <i>"Dann weiß ich fürs nächste Mal, wenn du dich an mich heran schleichst."</i> Wenn sie in Zukunft jetzt öfter in Gedanken versank... <i>"Zu spät, er hat sich schon verabschiedet. Aber er kommt bestimmt früh genug wieder."</i> Noch einmal glitt ihr Blick zu dem Eimer. <i>"Und du bindest dir dafür m besten eine Glocke um."</i> Sie warf dem Lockenkopf ein munteres Lächeln zu.</font><br />
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<font color=#6C7B8B>Bitte? Herangeschlichen? Sein Blick wanderte kurz über das Deck der Sphinx, an dem er sich die letzte Zeit zu schaffen gemacht hatte und - hatte er dabei nicht sogar ungestört ein Lied gesummt? Von ‚schleichen‘ konnte man wirklich nicht reden. Liam schmunzelte in sich hinein. Schienen ja wirklich schöne Gedanken gewesen zu sein. <i>„Was? Eine Glocke? Die müsste aber ziemlich groß sein, wenn du mich nicht schrubben gehört hast.“</i>, schnaubte er belustigt. <i>„Eine Glocke. Ich bin doch kein Rindvieh.“</i> Wobei der Gedanke an das friedliche Bimmeln einer Kuhherde angenehme Erinnerungen in ihm hervorrief. </font><br />
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<font color=royalblue>Einen Moment lang folgte Shanayas Blick dem des Dunkelhaarigen. Wieder einmal fragte die junge Frau sich, was ihr gegenüber in diesem Moment wohl dachte. Ob er sich fragte, wohin ihre Gedanken gewandert waren? Oder war es ihm vollkommen egal? Vermutlich eher zweiteres. <i>"Du bist doch groß und stark, du schaffst das schon."</i> Dessen war sie sich sicher. Vielleicht konnten sie sie noch bunt verzieren? Hatte der Lockenkopf eine Lieblingsfarbe? <i>"Deine Frisur passt auch nicht ganz. Ich habe noch nie eine lockige Kuh gesehen."</i> Sie deutete auf seine Haare, ein vielsagender Ausdruck in den blauen Augen. </font><br />
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<font color=#6C7B8B>Welch gnädiges Urteil! Trotzdem stellte er es sich eher unangenehm vor, dauerhaft eine Glocke um den Hals zu tragen. Vielleicht hätte er sich noch ein Glöckchen gefallen lassen. In Form von Arm- oder Beinschmuck, wie es manche Kulturen handhabten. Amüsiert schüttelte er den Kopf bezüglich Shanayas schön verpacktem Kompliment, lauschte ihr weiter und schwieg einen Augenblick, während sich seine Stirn nachdenklich in Falten legte. <i>„Oh doch, die gibt‘s!“</i>, rief er aus, kaum dass er seine Erinnerungen geordnet hatte. Es kümmerte ihn nicht, dass ihm diese Offenbarung vielleicht nicht gerade in die Karten spielte. <i>„Sind ein bisschen bulliger, glaube ich. Und komplett rotbraun gelockt.“</i> Er hatte den Eimer beiläufig zu Boden gestellt und lehnte sich nun seinerseits auf die Reling. <i>„... Auf Yvenes hatte irgendein Landherr ein paar Tiere. Die hatten sich dann aber wohl alsbald erledigt, schätze ich.“</i> Sonst hätte die Jüngere sie sicherlich noch kennengelernt. <i>„Musst mal Greo fragen, der weiß das bestimmt.“</i> Liam lehnte sich etwas zur Seite, sein Blick wanderte vom Horizont zurück zu den feinen Zügen an seiner Seite. <i>„Allerdings hätte ich jetzt auch nicht behauptet, dass sich so stur wie eines dieser Rinder bin. Oder derart wehrhaft...“</i> Abermals runzelte er die Stirn. Interessiert, welche Gemeinsamkeiten ihr noch einfallen würden. </font><br />
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<font color=royalblue>Liam schwieg und Shanaya wandte den blauen Blick leicht zur Seite, um ihn aus den Augenwinkeln zu beobachten. Er wirkte einen Moment fast nachdenklich, bevor er ihr seine Gedanken mitteilte. Die gab es? Ihr Grinsen wurde ein wenig breiter. Soso. <i>"Gut zu wissen. Sollte mit Mal solch eine Kuh begegnen, weiß ich, welchen Namen sie bekommt."</i> Jetzt stand Liam neben ihr, ohne den Eimer. Auf Yvenes also, hm? Sie erinnerte sich an keins solcher Tiere, wobei sie vermutlich auch einfach nicht darauf geachtet hatte. <i>"Vermutlich. Er kennt wahrscheinlich jegliche Art von Vieh."</i> Sie lächelte warm bei diesem Gedanken. <i>"Es gibt bestimmt auch welche, die verträumt in die Gegend starren und eigentlich gar nicht da sind..."</i> </font><br />
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<font color=#6C7B8B>Das war wohl ein Eigentor gewesen. Liams Lippen verzogen sich, als ihm klar wurde, dass er selbst dafür verantwortlich war, Namensvetter des ersten lockigen Rindes zu sein, dem die Schwarzhaarige begegnen würde. Doch seine angedeutete Grimasse verlor sich recht schnell wieder in seiner guten Laune und Humor. Denn letztlich traf Shanaya abermals ins Schwarze. Der Lockenkopf öffnete den Mund, um etwas zu entgegnen, sah aber ein, dass es nichts gab, was ihr Argument entkräftigt hätte. <i>„Touché.“</i>, gestand er und wandte den Blick abermals schweigend aufs Meer hinaus. <i>„... Wovon so ein Bulle wohl träumt? Saftigem Heu? Einer Weide voller lockiger Damen? Einem Moment Ruhe von dem Gebimmel der ganzen Glocken?“</i> Er hatte Spaß daran, derart abstruse Gedanken weiterzuspinnen. <i>„Klingt irgendwie nach einem ziemlich langweiligem Leben.“</i> </font><br />
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<font color=royalblue>Liam wusste keine Erwiderung. Natürlich nicht, das hatte er sich selbst eingebrockt. Und die Kuh sollte sich, sollte jemals eine diesen Namen bekommen, doch wohl geehrt fühlen! Wobei sie dabei noch die Geschlechterrolle klären musste. Es wäre sicher ein merkwürdiges Gefühl, jemanden eine 'Liam' melken zu sehen. Die Schwarzhaarige schüttelte den Kopf, vertrieb diesen Gedanken schnell wieder und folgte dem Blick des Lockenkopfes hinaus aufs Meer. Was er dann sagte wirkte weniger tiefgründig als sie bei diesem Blick erwartet hatte. Und trotzdem lachte die junge Frau, seufzte dann schwer, aber noch immer breit grinsend. <i>„Du willst mir weiß machen, dass du eine Weide voller lockiger Damen langweilig finden würdest?“</i> </font><br />
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<font color=#6C7B8B>Im Nachhinein war es klar gewesen, dass Shanaya diese Aussage nicht kommentarlos vorbeiziehen lassen würde. Liam lachte, während sein Blick flüchtig hinunter zu den Wellen glitt, die die Sphinx ins Meer schlug. Dann zuckte er kurzerhand mit der Schulter, räusperte sich und schielte zu der Schwarzhaarigen hinüber, die noch immer auf der Reling lehnte. <i>„Am Anfang vielleicht nicht.“</i>, gestand er aufrichtig mit einem verhaltenen Schmunzeln in den Mundwinkeln. Er war und blieb nun mal ein Mann und ausnahmslos jeder, der über solch eine Möglichkeit nicht einmal angetan nachdachte, musste sich selbst belügen. <i>„Aber ich schätze, das würde irgendwann in Arbeit ausarten, wenn man jeder gegenüber sein Versprechen halten will.“</i> Liam war gewiss kein Mann, bei dem es stets ums eine ging, aber ein Bulle hatte auf einer Weide nun einmal nur eine Aufgabe – und darüber redeten sie gerade. <i>„Und wozu eine ganze Weide, wenn man bloß zwei Hände hat?“</i> Tatsächlich konnte er im Augenblick kaum einschätzen, wie Shanaya zu derlei Dingen stand. Vermutlich sah sie in jedem Mann einen Schmutzfinken, der nicht genug Weiber haben konnte, ganz gleich, ob er Verwendung dafür hatte oder nicht. <i>„Außerdem wäre es doch dann kaum mehr etwas Besonderes, sich das Bett mit einem hübschen Fräulein zu teilen, sondern einfache Gier ohne Wertschätzung.“</i></font><br />
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<font color=royalblue>Shanaya war auf Liams Antwort gespannt, sie konnte wirklich nicht einschätzen, was der Lockenkopf mit einem Haufen Weiber anfangen würde. Einen Moment überlegte sie, den Älteren zu korrigieren, zu fragen, was er mit einer Herde lockiger Kühe anstellen würde, stattdessen grinste sie nur über seine Worte. <i>„Du willst direkt jeder etwas versprechen? Wie... verbindlich.“</i> Aber es verriet der jungen Frau einiges über den Dunkelhaarigen, genau wie seine nächsten Worte. Sie lachte, schüttelte amüsiert den Kopf über Liam. <i>„Du willst also mehr Hände für solche Situationen? Gut zu wissen...“</i> Sie warf ihm einen vielsagenden Blick zu. <i>„Du hättest für jede Lebenslage eine. Du kannst mir nicht erzählen, dass du das nicht wenigstens ein bisschen genießen würdest.“</i> </font><br />
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<font color=#6C7B8B>Er war sich ziemlich sicher, dass Shanaya nicht verstanden hatte, worauf er mit ‚Versprechen‘ angedeutet hatte. Immerhin ging es bei einer Zusammenkunft nicht um einseitigen Spaß – seiner Meinung nach jedenfalls nicht. Dass er damit eine eher umstrittene Meinung vertrat, zeigten all die Vergewaltigungen, die mancherorts leider nicht unbedingt selten waren. Aber in diesem offenen Gespräch ging es nicht um Einzelheiten. Es war mehr eine Alberei, auf die niemand den anderen irgendwann festnageln würde. Er lachte, als die Dunkelhaarige ihm gekonnt die Worte im Munde drehte. Ganz so einfältig war er dann doch nicht – ihm fielen weitaus mehr Dinge ein, wo ein zweites Paar Hände nicht unbedingt schlecht gewesen wären. <i>„Du weißt die Dinge schon so auszulegen, wie du sie gerne hören würdest, was?“</i>, erkannte er an und musterte die Jüngere gut gelaunt. <i>„Mir würden weitaus sinnigere Dinge einfallen, für die sich zwei weitere Hände lohnen würden. Wie viele Instrumente man wohl gleichzeitig spielen könnte?“</i> Bevor die Frage nach dem ‚welche denn?‘ kam, hielt er es für schlauer, ihr diese einfach schon einmal vorwegzunehmen. Doch Shanaya ließ nicht locker. Der Lockenkopf versuchte abermals, sich den Umstand vorzustellen und wog den Kopf dabei kurz hin und her. <i>„Für mich hat das Ganze irgendwie etwas von Freudenhaus. Wenn auch ohne Bezahlung. Ich schätze, ich bin einfach nicht der Typ für einen Harem. Das überlasse ich lieber denen, deren Leben aus nichts mehr als Lust und Trieb besteht.“</i>, kam er letztlich zum Schluss. Ihn interessierten mehr die Reisen als die Gesellschaft etlicher Frauen. Außerdem war die Umwerbung ein weiterer Bestandteil, der bei einem Freudenhaus – oder einer Weide – zu kurz kommen musste. <i>„Außerdem wurde ich vermutlich eher dazu erzogen, eine für jede Lebenslage zu haben.“</i> Sein Ton blieb beiläufig bei dieser Offenbarung, aber wenn man ehrlich war, hielt er sich auch nicht wirklich daran. Auch, wenn das andere Gründe hatte, die hier nicht hingehörten. <i>„Was ist mit dir, Shanaya? Ist es das, wovon du heimlich träumst? Eine Weide voller Männer, die nur darauf warten, dass du ihnen deine Aufmerksamkeit schenkst?“</i> Er ahnte, wie ihre Antwort ausfallen würde. Und trotzdem war er neugierig, ob er richtig lag.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya erwiderte Liams Lachen auf seine Worte hin und wog daraufhin den Kopf etwas ergeben zur Seite. <i>„Darin bin ich Meisterin, gut erkannt.“</i> Als der Lockenkopf sich dann fragte, was er mit all den Händen und Instrumenten anstellen konnte, hob die Schwarzhaarige leicht eine Augenbraue, das Lächeln wich jedoch nicht von ihren Lippen. Soso. Instrumente. Aber bevor sie diesen Gedanken weiter ausführen konnte, sprach Liam weiter. Er war nicht der Typ für einen Harem? Manch einer hätte dafür vermutlich ganze Königreiche nieder gebrannt. Ach Liam... Aber sie kommentierte seine Worte nur mit einem sachten Seufzen, einem Blick, der alles sagte. Was er dann sagte ließ das Lächeln auf ihren Lippen deutlich wärmer werden. Das war... irgendwie niedlich. Und er war gewiss nicht der einzige, dem es so ging. <i>„Du bist also eher der Romantiker, hm?“</i> Was er dann fragte ließ die Schwarzhaarige einen Moment überlegen, ehe sie mit einem Lachen antwortete. <i>„Ich habe genug Kerle, die mir hinterher hecheln, das reicht mir.“</i> Auch wenn sie sich sicher war, dass der ein oder andere noch dazu kommen würde. <i>„Besonders, wenn die Besagten sich nicht zurückhalten können und aufdringlich werden.“ </i></font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Sein Blick war zurück aufs Meer gewandert, bis er das leise Seufzen an seiner Seite vernahm und etwas irritiert zurück zu Shanaya blickte. Shanaya, die ihn mit einem recht eindeutigen Blick bedachte, mit dem man auch einen kleinen Jungen bedachte, der seiner Sandkastenliebe gerade untalentiert den Hof zu machen versuchte. Er blinzelte, nahm es allerdings recht gelassen. Immerhin wusste er, wie unverbreitet seine Ansicht diesbezüglich war. Ihre Worte brachten es schließlich auf den Punkt und obwohl er ihr eine Antwort schuldig blieb, verriet sein verlegenes Lächeln genug, als er den Blick wieder auf den brennenden Horizont richtete. Es schien ihm angebracht, nun das Augenmerk von sich auf die Dunkelhaarige zu wechseln, die zwar nicht ganz das antwortete, was er erwartet hatte, aber die Richtung war dieselbe. <i>„Hab‘ mir schon gedacht, dass du sowas sagen würdest.“</i>, gestand er grinsend. <i>„Ich hoffe, du hast vor Augen, dass wir Männer nicht alle gleich sind. Den ein oder anderen gibt’s bestimmt, der dir ehrlich den Hof machen will. Nicht des Zweckes wegen, sondern deinetwillen.“</i> Optimistisch streifte er ihre Züge mit seinem Blick. Auch, wenn er sich die Jüngere im Augenblick nur schwer als Familienmensch und Mutter vorstellen konnte – irgendwann würde sich das vermutlich auch ändern. Und er hoffte für sie, dass sie die Möglichkeit wahrnehmen würde, irgendwann, wenn die Zeit gekommen war. Weil es ihr nicht verwehrt blieb. <i>„Wie sind wir eigentlich auf dieses Thema gekommen?“</i>, fragte er schließlich mit gerunzelter Stirn. <i>„Haben wir’s nicht von lockigen Kühen gehabt? Also, ich für meinen Teil hätte gerne eine Weide voller Kühe. Egal, ob lockig oder nicht.“</i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Liams stille Reaktion ließ Shanaya noch einmal lächeln. Liam war also wirklich ein kleiner Romantiker, interessant. Vermutlich konnten sich einige von ihm eine Scheibe abschneiden. (Hihi. Beverly) Was er dann sagte, ließ sie leicht mit den Schultern zucken. So gut dürfte er sie inzwischen immerhin kennen. Und es war eben einfach eine Tatsache. <i>„Leider gibt es davon eindeutig zu wenig.“</i> Und auch das war leider Fakt. Die meisten waren eben nur auf ihren Körper aus. Darauf, sie zu knacken, ihre Spielchen mit ihr zu spielen. Umso mehr Spaß hatte die junge Frau daran, sie zu locken und dann doch fallen zu lassen. So, wie sie es verdienten. Seine nächste Frage war... irgendwie berechtigt, entlockte der Schwarzhaarigen ein leises Lachen. <i>„Wir sind halt ziemlich tiefgründig, wir beide. Und auch dafür kannst du dich sicher an Greo wenden. Der schließt sich dir sicher an.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Sein Lächeln wurde ein wenig unergründlicher, nachdenklicher, während er Shanaya für einen kurzen Augenblick musterte. Sie wirkte nun tatsächlich nicht, als wäre sie auf der Suche nach einem ernsthaften Lebenspartner. Vielleicht aber lag sein Eindruck auch einfach daran, weil sie alleine bereits ein recht selbstbewusstes und zufriedenes Bild abgab. Und weil er im Hinterkopf noch immer ihr junges Alter hatte, in dem er selbst ganz sicher nach allem anderen als derleich Verbindlichkeit gesucht hatte. Ihm war bewusst, dass ihre Gesellschaft anders funktionierte, dass Shanaya schon längst hätte verheiratet sein sollen, während er selbst sich eigentlich um eine Familie kümmern sollte. Aber darin waren sie sich wieder ähnlich – in ihrer rebellischen Art, sich nicht an derlei Richtlinien zu halten, weil man anderes als wichtiger empfand und sein Leben genießen wollte – auf die ganz eigene Art. Deshalb auch hatte Liam gar keinen Grund, ihre Worte zu hinterfragen. Zufrieden mit der Situation ließ er den Blick wieder mit einem sachten Lächeln gen Horizont gleiten. <i>„Kommt noch. Wobei unsere Lebensart auch nicht unbedingt zuträglich für derlei Dinge ist.“</i> Er zuckte mit der Schulter. Ihm kam es nur gelegen, dass er selten lang genug an einem Ort war, um sich an irgendetwas zu gewöhnen. Er hielt die Dinge auf Abstand, unbewusst, aber effektiv genug, um auch nichts zu vermissen. Liam lachte. Der Vorschlag der Jüngeren weckte augenblicklich wieder seine bildhafte Fantasie. <i>„Du meinst, er und ich setzen uns irgendwann mit einer Herde Rinder zur Ruhe? Ich könnte mir durchaus schlimmeres vorstellen.“</i> Das Reiten würde er dafür vermutlich aber noch lernen müssen. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Diesmal ging Shanayas Blick leicht zum Himmel, während sie grüblerisch über die Worte des Dunkelhaarigen brummte. Schon wieder. <i>„Du meinst, von einer Insel zur nächsten Insel zu segeln hindert mich daran, mehr solcher Männer zu kennen?“</i> Nun warf sie dem Mann ein amüsiertes Grinsen zu. Sie glaubte nicht, dass es etwas ändern würde, würde sie an einem Ort verweilen. Nein, wirklich nicht. Das Bild, das Liam ihr dann beschrieb, entlockte der Schwarzhaarigen ein ruhiges Lachen. <i>„Oh, da hat er sicher Nichts gegen. Wobei... 'Zur Ruhe setzen' bei Greo wohl eindeutig die falsche Bezeichnung ist.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B><i>„‚Hindern‘ nicht unbedingt, aber es senkt vermutlich die Wahrscheinlichkeit.“</i>, beendete er das Thema mit einem gutgelaunten Lächeln auf den Lippen. <i>„Meinst du? Er könnte den ganzen Tag werkeln wie er wollte und müsste sich nicht einmal dauernd ducken, um sich den Kopf nicht anzuschlagen.“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Liams Kommentar entlockte der jungen Frau ein leises, nachdenkliches Brummen, aber auch sie schwieg sonst dazu. Sie trafen genug Menschen, genug Männer, um zu wissen, dass es nicht viele Ausnahmen gab. Wirklich nicht. Was Liam dann jedoch über Greo sagte, entlockte ihr ein amüsiertes Lachen. <i>„Darüber wäre er vermutlich wirklich sehr froh.“ </i></font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Was auch immer Greo auf dieses Schiff getrieben hatte - und dort hielt - er wirkte vermutlich ähnlich falsch wie Liam selbst. Nicht seiner Fähigkeiten wegen. Aber so unkomfortabel ein Schiff auch schon per se war, mit seinen Maßen musste man sich vorkommen wie ein Fuchs im Kaninchenloch. Er musste einen guten Grund haben, mit der Sphinx zu reisen. Liam hatte bisher nie gefragt. Greo machte aber auch nicht unbedingt den Anschein, großer Freund von Small Talk zu sein. <i>„Tja. Mal sehen, wo es uns alle hinführt, hm?“</i> Sein Blick glitt in die Ferne. Er meinte nicht mal nur die nähere Zukunft, die sie noch beisammen sein würden. Er war wirklich gespannt, was die Welt noch für sie übrig hatte. Positiv wie negativ. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya amüsierte sich noch etwas über den Gedanken an Greo, der sich darüber freute, endlich wieder mehr Platz zu haben. Das... und anderes. Liam jedoch hing scheinbar tiefgründigeren Gedanken nach als sie, was er mit seinen nächsten Worten klar machte. Daraufhin drehte Shanaya sich um, lehnte sich mit dem Rücken an die Reling, stellte sich auf die Zehenspitzen und reckte den Kopf zurück, sodass sie den Himmel und ein Stück vom Meer falsch herum sehen konnte. <i>„Jetzt wirst du schon wieder so tiefgründig. Das liegt dir wirklich, oder?“</i> </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Liam lachte leise auf, als die Dunkelhaarige ihn abermals zu ertappen schien. <i>„Das war weitaus weniger tiefgründig gemeint, als es vermutlich rüberkam.“</i> Mit einer kurzen Handbewegung wischte er sich eine Strähne aus der Stirn. <i>„Eigentlich wollte ich eher daran appellieren, dass wir so oder so nicht in die Zukunft sehen können und der Dinge harren müssen, die da kommen. Egal, wie viel wir träumen.“</i> Seine Stirn legte sich kurz in Falten, ehe sein Blick die Jüngere vermutlich wissender musterte, als er eigentlich war. <i>„Aber wer abends allein vor sich hin grinsend in den Sonnenuntergang starrt - dem ist wohl einfach nach Tiefgründigkeit. Und der hört, was er hören will, hm?“</i> Er lächelte. Es war ihr gutes Recht. Weshalb auch immer. </font>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Out of the Shadow]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=836</link>
			<pubDate>Sat, 18 Jan 2020 14:59:52 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=836</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Out of the Shadow</div>
<font size=1>Nachmittag des 27. April 1822<br />
Josiah Moggensten & Shanaya Árashi</font></center><br />
<br />
<font color=royalblue>Mit einer lockeren Bewegung fuhr Shanaya mit einer Hand durch ihre dunklen Haare, strich sie dabei aus ihrem Gesicht. Sie waren schon wieder verdammt lang... Aber in diesem Moment kümmerte sie sich nicht wirklich Darum. Das Steuer hatte jemand anders übernommen, sie selbst war auf dem Weg zur Kombüse. Es gab noch genug Proviant, aber nicht genug, sodass man sich nicht einfach so bedienen könnte. Aber Shanaya hatte selbst ein kleines Versteck, sie konnte ihre Pause also für einen kleinen Snack nutzen. Es würde nicht mehr all zu lang dauern, bis sie die nächste Insel erreicht hatten, Vielleicht etwas mehr als eine Woche. Dort würden sie alles auffüllen können... Jetzt suchte die Schwarzhaarige sich erst einmal ihren Weg durch die Hängematten, steuerte direkt auf die Kombüse zu. </font><br />
<br />
<font color=#2F4F4F>Josiah sah auf, als die Schritte erklangen, und hielt für einen Moment in seinem Tun inne. Er wusste nicht genau, wie viel Zeit vergangen war, seit er sich unter Deck zu den Hängematten verzogen hatte, getrieben von einer inneren Unruhe, die er nicht ganz zu deuten wusste. Seitdem hatte er mehrmals seinen Platz gewechselt: zuerst bei den Hängematten, dann bei einen der Fässern, kurz darauf bei dem Munitionslager, bis er schlussendlich nach einen erneuten kurzen Halt bei den Hängematten bei den Kanonen angelangt war und dort nun auf dem Boden saß: ein Wurfmesser in der einen Hand, einen kleinen Wetzstein in der anderen. Für einen kurzen Moment erwartete er, dass jemand kam, weil Arbeit für ihn gefunden worden war, und verdrießlichkeit breitete sich in ihm aus. Dann tauchten die zwei schlanken Beine bei der Luke auf, die nach oben führte. Das darauf folgende Gesicht, umrahmt von den langen, schwarzen Haaren, ließ seine Gedanken nichtig werden: Shanaya. Unbeirrt betrat die Schwarzhaarige das untere Deck und trat den Weg in Richtung Bug an, und dadurch in seine eigene, grobe Richtung. Josiah ließ das Messer sinken. Er saß hinter der letzten Kanone zum Bug hin, mit dem Rücken an der Bordwand und etwas in sich hinein versunken. Kein offensichtlicher Platz, aber auch nicht so, dass er als versteckt durchgehen würde, höchstens unüblich. Er nahm das Messer wieder auf: 'Wenn jemand die Augen nicht aufmacht, ist das kaum mein Problem', ging es ihm durch den Kopf, entschlossen, alles menschliche zu ignorieren solange es sich ignorieren ließ. Doch der kleine Wetzstein blieb still, während er aus dem Augenwinkel weiterhin Shanaya verfolgte. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya hatte aus den Augenwinkeln irgendeine Gestalt wahrgenommen, störte sich jedoch nicht daran. Es hätte auch nur ein Schatten sein können. Es kam kein Mucks aus der Ecke, die Schwarzhaarige bewegte sich also mit ruhigen Schritten zu den Schränken. Dort angekommen öffnete sie eine der Klappen, spähte hinein und suchte nach ihrem eigenen, kleinen Lager. <i>„Es ist nicht sehr höflich, Menschen einfach aus der Dunkelheit zu beobachten.“</i> Vielleicht sprach sie gerade mit der Luft, mit dem Schrank mit irgendjemandem, den sie sich eingebildet hatte. Möglich war alles. Und wenn doch jemand dort war, dann würde sie ja vielleicht mit einer Antwort erkennen, wer genau. </font><br />
<br />
<font color=#2F4F4F>Letztendlich sah Josiah doch auf. Shanaya hatte die Hängematten hinter sich gelassen, war an allem vorbei gegangen und hatte sich zu den Schränken gestellt, sich dem Inhalt hinter der einer der Türen widmend. Vor allem aber sprach sie ihn nicht an, sah nicht einmal in ihre Richtung. Hier hatte Josiahs Langeweile gesiegt, und aus dem Seitenblick war ein offenes Verfolgen ihrer Schritte geworden, schweigend, forschend. Ihre Stimme bereitete dem Ganzen ein unangenehmes Ende: 'Es ist nicht sehr höflich, Menschen einfach aus der Dunkelheit zu beobachten.' Josiah zog eine Augenbraue hoch. Ein wenig überrascht, aber viel mehr amüsiert, und kein bisschen beschämt. Da hatte sie ihn also doch bemerkt. Ein unverständliches Brummen drang über Josiahs Lippen, dann erhob er sich leichtfüßig und trat aus dem Schatten hervor. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Zuerst bekam Shanaya keine Antwort, sodass sich für einige Momente noch der Gedanke hielt, dass der Schatten, den sie gesehen hatte, vielleicht doch nicht mehr als ein Fass war. Erst ein leises Brummen ließ sie davon abweichen, denn auch wenn sie viel Fantasie hatte, dieses Seufzen klang eindeutig nicht nach einem Fass, das plötzlich zu sprechen begonnen hatte. Es dauerte noch einen weiteren Augenblick, dann vernahm sie das Geräusch von Bewegungen und erkannte schließlich aus den Augenwinkeln eben solche. Ohne den Kopf zu drehen richtete die Schwarzhaarige die Augen leicht herum, erkannte Josiah und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder spannenderen Dingen zu. Ihre Suche war noch nicht beendet, aber immerhin versteckte sich hier eines ihres Stücke Dörrfleisch, das mit einer ruhigen Bewegung in ihrem Mund landete. <i>„Das macht dir wirklich Spaß, oder?“ </i></font><br />
<br />
<font color=#2F4F4F>Josiah spürte Shanayas Blick mehr als dass er ihn sah. Tatsächlich bewegte die junge Frau ihren Kopf praktisch nicht, und nur der Schatten, der für den Bruchteil einer Sekunde das weiß in ihren Augen verdrängte, verriet sie. Aber auch dieser Schatten war mehr eine Ahnung als eine wettfeste Beobachtung, und reichte dennoch aus, um sein Bauchgefühl zu bestätigen. Locker verschränkte Josiah seine Arme vor der Brust. Er hatte sich so platziert, dass sie ihn wenigstens in ihren Augenwinkeln sehen konnte: Nicht zu nah, nicht zu weit weg, weder aufdringlich noch abweisend. Mit der Neugierde von jemanden, der nichts besseres zu tun hatte, verfolgte er ihre Bewegungen, bis das Stück Essen einen Weg in ihren Mund gefunden hatte und sie die Stimme erneut erhob. Ein Grinsen zuckte in Josiahs Mundwinkeln und machte die mögliche Bedeutung seines Schulterzuckens gleich wieder zunichte. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Es gab auf diesem Schiff nicht viele, die einfach bei einem stehen blieben und Nichts sagten – umso sicherer war Shanaya sich zu wissen, wer genau sie beobachtete. Und sie unterdrückte dazu ein Seufzen, wirklich sympathischer machte es diesen Typen nicht. Wobei ihr das sogar relativ egal war, immerhin war er auch nur solch ein Nebeneffekt von Luciens Rettung gewesen wie Farley auch. Auch auf ihre nächste Frage ging der Mann nicht wirklich ein – Shanaya schloss sich diesem Spiel also einfach an und kramte kommentarlos weiter in dem Schrank, bis ihre Finger gegen Papier stießen. Mit skeptischer Miene zog sie den kleinen Zettel hervor, auf dem Nichts geschrieben stand, und musterte ihn, drehte ihn hin und her. Auf keiner Seite stand etwas. Wer diesen unnützen Wisch wohl hier hatte liegen lassen? </font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Out of the Shadow</div>
<font size=1>Nachmittag des 27. April 1822<br />
Josiah Moggensten & Shanaya Árashi</font></center><br />
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<font color=royalblue>Mit einer lockeren Bewegung fuhr Shanaya mit einer Hand durch ihre dunklen Haare, strich sie dabei aus ihrem Gesicht. Sie waren schon wieder verdammt lang... Aber in diesem Moment kümmerte sie sich nicht wirklich Darum. Das Steuer hatte jemand anders übernommen, sie selbst war auf dem Weg zur Kombüse. Es gab noch genug Proviant, aber nicht genug, sodass man sich nicht einfach so bedienen könnte. Aber Shanaya hatte selbst ein kleines Versteck, sie konnte ihre Pause also für einen kleinen Snack nutzen. Es würde nicht mehr all zu lang dauern, bis sie die nächste Insel erreicht hatten, Vielleicht etwas mehr als eine Woche. Dort würden sie alles auffüllen können... Jetzt suchte die Schwarzhaarige sich erst einmal ihren Weg durch die Hängematten, steuerte direkt auf die Kombüse zu. </font><br />
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<font color=#2F4F4F>Josiah sah auf, als die Schritte erklangen, und hielt für einen Moment in seinem Tun inne. Er wusste nicht genau, wie viel Zeit vergangen war, seit er sich unter Deck zu den Hängematten verzogen hatte, getrieben von einer inneren Unruhe, die er nicht ganz zu deuten wusste. Seitdem hatte er mehrmals seinen Platz gewechselt: zuerst bei den Hängematten, dann bei einen der Fässern, kurz darauf bei dem Munitionslager, bis er schlussendlich nach einen erneuten kurzen Halt bei den Hängematten bei den Kanonen angelangt war und dort nun auf dem Boden saß: ein Wurfmesser in der einen Hand, einen kleinen Wetzstein in der anderen. Für einen kurzen Moment erwartete er, dass jemand kam, weil Arbeit für ihn gefunden worden war, und verdrießlichkeit breitete sich in ihm aus. Dann tauchten die zwei schlanken Beine bei der Luke auf, die nach oben führte. Das darauf folgende Gesicht, umrahmt von den langen, schwarzen Haaren, ließ seine Gedanken nichtig werden: Shanaya. Unbeirrt betrat die Schwarzhaarige das untere Deck und trat den Weg in Richtung Bug an, und dadurch in seine eigene, grobe Richtung. Josiah ließ das Messer sinken. Er saß hinter der letzten Kanone zum Bug hin, mit dem Rücken an der Bordwand und etwas in sich hinein versunken. Kein offensichtlicher Platz, aber auch nicht so, dass er als versteckt durchgehen würde, höchstens unüblich. Er nahm das Messer wieder auf: 'Wenn jemand die Augen nicht aufmacht, ist das kaum mein Problem', ging es ihm durch den Kopf, entschlossen, alles menschliche zu ignorieren solange es sich ignorieren ließ. Doch der kleine Wetzstein blieb still, während er aus dem Augenwinkel weiterhin Shanaya verfolgte. </font><br />
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<font color=royalblue>Shanaya hatte aus den Augenwinkeln irgendeine Gestalt wahrgenommen, störte sich jedoch nicht daran. Es hätte auch nur ein Schatten sein können. Es kam kein Mucks aus der Ecke, die Schwarzhaarige bewegte sich also mit ruhigen Schritten zu den Schränken. Dort angekommen öffnete sie eine der Klappen, spähte hinein und suchte nach ihrem eigenen, kleinen Lager. <i>„Es ist nicht sehr höflich, Menschen einfach aus der Dunkelheit zu beobachten.“</i> Vielleicht sprach sie gerade mit der Luft, mit dem Schrank mit irgendjemandem, den sie sich eingebildet hatte. Möglich war alles. Und wenn doch jemand dort war, dann würde sie ja vielleicht mit einer Antwort erkennen, wer genau. </font><br />
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<font color=#2F4F4F>Letztendlich sah Josiah doch auf. Shanaya hatte die Hängematten hinter sich gelassen, war an allem vorbei gegangen und hatte sich zu den Schränken gestellt, sich dem Inhalt hinter der einer der Türen widmend. Vor allem aber sprach sie ihn nicht an, sah nicht einmal in ihre Richtung. Hier hatte Josiahs Langeweile gesiegt, und aus dem Seitenblick war ein offenes Verfolgen ihrer Schritte geworden, schweigend, forschend. Ihre Stimme bereitete dem Ganzen ein unangenehmes Ende: 'Es ist nicht sehr höflich, Menschen einfach aus der Dunkelheit zu beobachten.' Josiah zog eine Augenbraue hoch. Ein wenig überrascht, aber viel mehr amüsiert, und kein bisschen beschämt. Da hatte sie ihn also doch bemerkt. Ein unverständliches Brummen drang über Josiahs Lippen, dann erhob er sich leichtfüßig und trat aus dem Schatten hervor. </font><br />
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<font color=royalblue>Zuerst bekam Shanaya keine Antwort, sodass sich für einige Momente noch der Gedanke hielt, dass der Schatten, den sie gesehen hatte, vielleicht doch nicht mehr als ein Fass war. Erst ein leises Brummen ließ sie davon abweichen, denn auch wenn sie viel Fantasie hatte, dieses Seufzen klang eindeutig nicht nach einem Fass, das plötzlich zu sprechen begonnen hatte. Es dauerte noch einen weiteren Augenblick, dann vernahm sie das Geräusch von Bewegungen und erkannte schließlich aus den Augenwinkeln eben solche. Ohne den Kopf zu drehen richtete die Schwarzhaarige die Augen leicht herum, erkannte Josiah und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder spannenderen Dingen zu. Ihre Suche war noch nicht beendet, aber immerhin versteckte sich hier eines ihres Stücke Dörrfleisch, das mit einer ruhigen Bewegung in ihrem Mund landete. <i>„Das macht dir wirklich Spaß, oder?“ </i></font><br />
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<font color=#2F4F4F>Josiah spürte Shanayas Blick mehr als dass er ihn sah. Tatsächlich bewegte die junge Frau ihren Kopf praktisch nicht, und nur der Schatten, der für den Bruchteil einer Sekunde das weiß in ihren Augen verdrängte, verriet sie. Aber auch dieser Schatten war mehr eine Ahnung als eine wettfeste Beobachtung, und reichte dennoch aus, um sein Bauchgefühl zu bestätigen. Locker verschränkte Josiah seine Arme vor der Brust. Er hatte sich so platziert, dass sie ihn wenigstens in ihren Augenwinkeln sehen konnte: Nicht zu nah, nicht zu weit weg, weder aufdringlich noch abweisend. Mit der Neugierde von jemanden, der nichts besseres zu tun hatte, verfolgte er ihre Bewegungen, bis das Stück Essen einen Weg in ihren Mund gefunden hatte und sie die Stimme erneut erhob. Ein Grinsen zuckte in Josiahs Mundwinkeln und machte die mögliche Bedeutung seines Schulterzuckens gleich wieder zunichte. </font><br />
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<font color=royalblue>Es gab auf diesem Schiff nicht viele, die einfach bei einem stehen blieben und Nichts sagten – umso sicherer war Shanaya sich zu wissen, wer genau sie beobachtete. Und sie unterdrückte dazu ein Seufzen, wirklich sympathischer machte es diesen Typen nicht. Wobei ihr das sogar relativ egal war, immerhin war er auch nur solch ein Nebeneffekt von Luciens Rettung gewesen wie Farley auch. Auch auf ihre nächste Frage ging der Mann nicht wirklich ein – Shanaya schloss sich diesem Spiel also einfach an und kramte kommentarlos weiter in dem Schrank, bis ihre Finger gegen Papier stießen. Mit skeptischer Miene zog sie den kleinen Zettel hervor, auf dem Nichts geschrieben stand, und musterte ihn, drehte ihn hin und her. Auf keiner Seite stand etwas. Wer diesen unnützen Wisch wohl hier hatte liegen lassen? </font>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Headstrong]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=835</link>
			<pubDate>Sat, 18 Jan 2020 14:37:11 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=835</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Headstrong</div>
<font size=1>Die Nacht vom 12. auf den 13. April 1822<br />
Enrique de Guzmán, Lucien Dravean & Shanaya Árashi </font></center><br />
<br />
<font color=royalblue>Zwei Tage war es nun her, dass sie auf Mardoc getroffen war. Zwei Tage, in denen sie mit sich selbst gerungen hatte, ob sie sich der Erschöpfung hingab – oder ob sie sich durch biss, weil sie genau wusste, dass sie nicht zur Ruhe kommen würde, wenn sie einfach in ihrer Hängematte lag. Am Vortag hatte sie sich nach dem Gespräch mit Liam in ihre Hängematte verzogen, hatte den Schlaf nachgeholt, der ihr die letzten Tage gefehlt hatte. Aber heute? Erst das Gespräch mit Talin, dann mit Greo. Und jetzt musste sie etwas anderes tun, ihre Gedanken ein wenig umlenken. Also hatte sie ihren Platz am Steuer bezogen, und auch wenn das Stechen in ihrer Seite wieder Müdigkeit durch ihre Knochen zog, hielt sie noch durch. Noch gab es keinen Grund für sie, sich zurück zu ziehen. </font><br />
<br />
<font color=#4682B4>Lange hatte er auf einer der Kisten an Deck gesessen, gegen eine andere gelehnt und gedöst. Seit Cornelis Tod war das für ihn viel erholsamer, als Nachts in der Hängematte zu liegen. Denn dann kamen die Alpträume. Auch sonst gefielen ihm derzeit die Nachtwachen mehr als die am Tage. Sie lagen ihm wohl immer noch von der Morgenwind im Blut. Shanaya war an ihm vorübergegangen und hatte ihn kurz geweckt. Ob sie ihn jedoch mitbekommen hatte, dass bezweiflete er. Völlig in Gedanken versunken, oder aus anderen Gründen, war sie, ohne auf ihn zu reagieren, an ihm vorbeigewankt, auf dem Weg zum Ruderstand. Seitdem waren acht Glasen vergangen. Mitternacht. Hundswache. Zeit für einen Schichtwechsel. Schwerfällig, dennoch bereit, dem Ruf zu folgen, alles für das Beidrehen vorzubereiten, stand der Schwarzhaarige auf, doch der erfolgte nicht. Irritiert sah er zum Achterdeck. Sonst wurde doch spätestens jetzt ...? Der kleine Rabe schien wirklich nicht vorzuhaben, die Sphinx, wie üblich, für die Nacht zur Ruhe zu betten. 'Ist sie nicht verletzt?' Dann sollte sie sich eigentlich erholen, gerade, wo sie, mit nur gelegentlichen Unterbrechungen, den ganzen Tag dort verbrachte. Enrique seufzte schwer. Gab es hier wirklich so wenige, die das Schiff auf Kurs halten konnten? Und waren sie heute Nacht in Gefahr? Hatte er die Sichtung von Segeln verpasst? Vielleicht wurde es Zeit, dass er anfing, wieder seinen Dienst dort zu tun, wo er hingehörte. Dazu müsste er sich ihr allerdings erneut stellen, etwas was er bis jetzt vermieden hatte. 'Sei's drum', dachte er sich. Irgendwann käme der Tag eh. Gerade jetzt, wo ihn Cornelis nicht mehr ablenkte, sondern er sich von ihm ablenken musste. Und selbst wenn sie ihn nicht ans Steuer ließe, zumindest würde ein Gespräch sie beide wach halten. <i>"Fahren wir heute Nacht durch?"</i> de Guzmán betrat das Achterdeck offen und mit deutlichen Schritten. Wenn sie nicht gänzlich in anderen Sphären steckte, musste sie ihn frühzeitig mitbekommen haben und genau das wollte er auch. <i>"Gibt es einen Grund für die Eile?"</i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya nahm sich den Moment, schloss die Augen und atmete tief durch. Körper und Geist konnten in solchen Augenblicken kaum zusammen arbeiten, während das eine sich nach Ruhe sehnte, zog sie das andere immer wieder zur Arbeit, zur Beschäftigung. Hauptsache, sie musste nicht sinnlos herum liegen. Und ohne diese verdammte Begegnung hätte es ihr jetzt auch keine Probleme gemacht. Ein weiterer, tiefer Atemzug, ehe sie von leisen Geräuschen abgelenkt wurde. Deutlich Schritte, die sich ihr näherten und als sie den Blick herum wandte, erkannte die junge Frau, wen sie vor sich hatte. Sie musste zugeben, sie war vollkommen überrascht. Sie hätte mit jedem gerechnet – nicht jedoch mich Enrique. Sie ließ jedoch Nichts von dieser Überraschung auf ihrem Gesicht erscheinen, musterte den Älteren nur mit prüfender Miene. Wollte er etwas bestimmtes? Anders konnte die Schwarzhaarige sich seine Anwesenheit nicht erklären. Sie wartete seine zweite Frage ab, ehe sie den Blick wieder nach vorn wandte. Tja, gab es einen Grund zur Eile? Vermutlich. <i>„Das nächste Abenteuer wartet, wieso also nicht so lang fahren, wie es möglich ist?“</i> Auf den Lippen lag ein ruhiges, wenn auch müdes Lächeln. In ihrem Inneren lauerte sie jedoch, ob Enrique nicht doch irgendetwas erwartete. </font><br />
<br />
<font color=#4682B4>Enrique stand einfach da, aufrecht, die Händen hinter dem Rücken ineinandergelegt, ruhig. Vielleicht ungewöhnlich ruhig, fehlte ihm doch die Energie, die ihm sonst etwas rastloses, wildes gab. Sein Blick hielt ihrem stand und musterte im Gegenzug die Schwarzhaarige. Bei ihrer Antwort stieß er ein Schauben aus, in das sich ein Hauch Amüsiertheit mischte. <i>"Wenn es nur das ist, dann sag mir den Kurs und ich löse dich ab, sowie du nicht mehr kannst."</i> Noch immer sah er sie an, maß ihre Haltung, fügte kleine Details in das Puzzle und fand seine Theorie bestätigt. 'Du rennst also auch vor deinen nächtlichen Schatten weg.' Enrique behielt den Gedanken für sich. Zum einen war er sich sicher, dass sie nicht darüber reden, zum anderen war er sich gewiss, dass er sich derzeit nicht auch noch Probleme Anderer aufhalsen wollte. Trotzdem fügte er noch ein Paar Sätze an: <i>"Willst du bis dahin Gesellschaft haben? Es gibt sicherlich das Eine oder Andere, über das man reden könnte oder auch nicht."</i> Er wartete ihre Antwort nicht ab, sondern wandte zunächst ebenfalls den Blick, dann sich gänzlich nach vorne. Immerhin hatte er ihr auch angeboten, dass sie, selbst wenn er bliebe, nicht miteinander reden mussten. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Irgendetwas störte Shanaya ganz gewaltig. Enrique, der sonst so wenig mit ihr wie möglich zu tun hatte, kam zu ihr um... zu plaudern? Vielleicht hatte er ja drei Nächte nicht geschlafen und wusste nicht, wo ihm der Kopf stand? Oder er war betrunken? Dazu stand er jedoch viel zu gerade. Sehr verwirrend. Was er dann sagte, ließ sie jedoch aufmerken. <i>„Kannst du ein Schiff steuern?“</i> Es lag ja im Bereich des Möglichen, dass der Dunkelhaarige die meiste Zeit bei der Marine herum gesessen und andere hatte arbeiten lassen. Trotzdem lag in ihrem Blick eine gewisse Neugierde. <i>„Woher kommt dieser Umschwung, dass du von ganz allein zu mir kommst?“</i> Kein Vorwurf schwang in ihrer Stimme mit, es interessierte sie wirklich. Enrique wirkte nicht wie jemand, der seine Prinzipien brach und spontan Entscheidungen umwarf. <i>„Aber du darfst gern hier bleiben.“</i> Auch wenn sie nicht so recht wusste, über was sie mit ihm sprechen sollte. </font><br />
<br />
<font color=#4682B4>Schweigend wartete de Guzmán auf ihre Antwort, bemühte sich um Gleichgültigkeit und Gelassenheit, auch wenn er mit beißendem Spott, Häme oder ähnlichem rechnete. Er war schon fast überrascht, dass ihre Reaktion zunächst nur aus einer Gegenfrage bestand, die ihn beinahe sogar amüsierte. Das schaffte dann die zweite Frage. Noch immer nach vorne schauend schüttelte er schmunzelnd den Kopf, leicht verwundert, dass sie jetzt so anders war. Vielleicht ... Doch die Erheiterung schwand schnell wieder, machte Zweifeln und düsteren Gedanken nur zu bereitwillig Platz und nahm die Überlegung gleich mit. Er wäre ein elender Traumtänzer, wenn er daran glaubte. Trotzdem blieb er. Am Ende nickte er ansatzweise, ehe er ruhig antwortete: "<i>Mit zehn konnte ich das Ruder bedienen, kein Jahr später nach Landmarken navigieren und mittels eines Sextanten die Position bestimmen. Lange bevor ich meinte, zur Marine gehen zu müssen. Das kam erst später. Danach war es dann mein Beruf."</i> Nur wie ferne Schatten erschienen die Erinnerungen vor seinem geistigen Auge, berührte ihn kaum. Und doch hielt er inne, sah, mit schwerem Seufzen, gen Himmel, ehe er den Blick wieder zu Shanaya senkte. <i>"Also ja, ich kann ein Schiff steuern."</i> Sie musternd überlegte er kurz, wie er es formulieren sollte. Schließlich fuhr er fort: "<i>Zum einen habe ich mich, wie du bereits weißt, darüber gewundert, dass wir nicht wie sonst für die Nacht beidrehen. Zum anderen ist ein Schiff eine kleine Welt. Zu klein, als das sie funktionieren würde, wenn man sich nicht darum bemüht mit den Anderen auszukommen. Je kleiner die Crew, um so entscheidender ist es, dass sie gut miteinander funktioniert."</i> Fakten, die sie wohl wusste. Genau wie möglicherweise auch das nächste. <i>"Als Offizier war ich, unter anderem, eben auch lange dafür zuständig, dafür zu sorgen, dass die Crew untereinander auskommt. Und auch wenn das hier nicht meine Aufgabe ist, sollte ich wenigstens anfangen meinen Teil dazu beizutragen, meinst du nicht auch?"</i> Der Schwarzhaarige seufzte leise, wandte den Blick wieder gen Bug. <i>"Unser erstes Zusammentreffen war, was das betrifft — nicht gerade ideal ... Ich ..."</i> Eine kurze Pause trat ein. Wie jetzt weitermachen? Als er es wusste, räusperte er sich: <i>"Also — dachte ich es wäre vielleicht auch eine gute Gelegenheit, es auf einen zweiten Versuch ankommen lassen, herausfinden, ob wir weiterhin nur neben- oder doch auch miteinander arbeiten können." </i>Er zuckte leicht mit den Schultern. <i>"Das ist alles."</i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya konnte aus den Augenwinkeln das Kopfschütteln des Mannes sehen und hob daraufhin leicht eine Augenbraue. Auf ihre Frage kam kein einfaches Ja oder Nein – er holte weiter aus, blickte kurz zum Himmel, ehe sie junge Frau seinen Blick wieder auf sich spürte. Aber sie unterbrach den Dunkelhaarigen nicht, lauschte einfach weiter seinen Worten, ohne den Blick dabei ganz zu ihm herum zu wenden. Und was sollte sie sagen... sie war beinahe wirklich begeistert von dem, was er sagte. Da steckte doch mehr Verstand in seiner Birne als sie gedacht hatte – sofern er seine Worte ernst meinte. Dass er sich hier irgendetwas zusammen dichtete um sonst etwas zu erreichen war noch immer möglich. Aber sie musste es wohl so nehmen, wie es kam. Was blieb ihr sonst übrig? Für den Frieden auf diesem Schiff. <i>„Ich muss zugeben, ich bin überrascht. Das hätte ich dir nicht zugetraut, so viel Mumm in den Knochen.“</i> Sie verkniff sich mit aller Kraft einen Kommentar, der sich auf seine Hose und deren Inhalt bezog. <i>„Aber...“</i> Nun wandte sie den blauen Blick doch zu Enrique herum, betrachtete ihn aufmerksam, ein aufmerksames Lächeln auf den Lippen. <i>„... auch wenn du Erfahrung haben magst, so einfach bekommst du mich hier nicht weg.“</i></font><br />
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<font color=#4682B4>Der Dunkelhäutige zuckte nur mit den Schultern. "<i>Wer weiß, vielleicht überrasche ich dich nicht nur in dieser Hinsicht."</i> Noch immer stand er aufrecht, die Hände hinter seinem Rücken verschränkt, das Gesicht neutral, wirkte fast so, als berührte ihn das Alles nicht. So locker er sich allerdings gab, so schwer fiel es ihm auch, doch er wollte jetzt nicht zeigen, dass sein Verstand alles schwarz malte, wollte nicht darauf anspringen, dass er alles als Provokation wahrnahm. Und selbst wenn sie es so meinte, wie er es hörte, was hätte es gebracht, schlecht darauf zu reagieren? Da sie lächelte, lächelte auch er. <i>"Und was muss ich tun, um dich dort wegzubekommen? Warten bis du zusammenbrichst? Selbst dafür sorgen? Oder schwebt dir was anderes vor."</i> </font><br />
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<font color=#458B74>Sein Kopf dröhnte immer noch. Den ganzen Tag schon. Und er wusste nicht, ob es an dem Alkohol am gestrigen Abend lag, mit dem er es himmelweit übertrieben hatte, oder an dem Kopfzerbrechen, dass ihm dieser Großkotz von Landstreicher bescherte. Oder an beidem gleichermaßen. Er hätte ihn direkt über Bord werfen sollen. Stattdessen überließ er ihn Talin, die ihre dämlichen Schulden selbst zu begleichen hatte. Indem sie das Passagierschiff für ihn spielten. Recht unwirsch stieß Lucien die Tür zum Deck auf, sog die kühle Nachtluft in seine Lungen und rieb sich einige Herzschläge lang die Schläfen gegen das Bohren dahinter. Es half, zumindest ein wenig. Bis er die Hände sinken ließ und aufhorchte. Stimmen drangen an sein Ohr, beide nur zu vertraut. Nur, sie an einem Ort zu vermuten, war eher ungewöhnlich und weckte seine Neugier. Er lauschte einen kleinen Moment lang, schüttelte dann mit einem halbherzigen Schmunzeln den Kopf und setzte sich wieder in Bewegung. Sein Weg führte ihn zu einer der seitlichen Treppen, die nach oben führten und unter leisem Knarzen der Planken erklomm er die Stufen, bis die beiden Gestalten sich im Schein einer Laterne aus der Dunkelheit schälten. „<i>Ich bin gespannt, wie du sie dazu bekommen willst, zusammenzubrechen.</i>“, begrüßte er sowohl Enrique als auch Shanaya mit einem halb unterdrückten Lächeln in der Stimme. </font><br />
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<font color=royalblue>Shanaya ließ sich Nichts davon anmerken, aber sie lauerte. Auf die Reaktionen des Mannes, auf irgendetwas, was ihn verraten würde. Vielleicht war es seine Haltung, vielleicht die Erinnerung an ihr erstes Zusammentreffen. Aber sie wartete, immerhin war sie ja eine geduldige Seele. „Was meinst du, wie überrascht DU von manchen Seiten von mir wärst.“ Seine nächsten Worte ließen sie amüsiert eine Augenbraue heben und einen Moment lang kniff sie die blauen Augen grüblerisch zusammen. <i>„Tja, weißt du...“</i> Eine andere Stimme nahm ihr eine Antwort ab und ihr Klang ließ die junge Frau den Kopf leicht herum wenden, womit ihr Lächeln ein wenig wärmer wurde. „<i>Das klingt ein bisschen so, als ob du eine Ahnung hättest, wie man das schafft, Captain.“</i> Ein vielsagender Blick in die Richtung des Dunkelhaarigen, ehe sie die hellen Augen wieder auf Enrique richtete. <i>„Du kannst es gern versuchen, aber mich hier weg zu bekommen ist nicht sehr einfach.“</i> </font><br />
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<font color=#4682B4>Da war sie wieder, ihre Arroganz, wenn auch nur ein Hauch davon, doch es hätte ausgereicht, um ihn auf die Palme zu bringen, wäre nicht Lucien erschienen. So verfinsterte sich zwar sein Blick, doch der wandte sich just dem Capitán zu und es war so, als läge die Missstimmung daran, dass der sie störte. Lange musterte er Dravean, las die Zeichen des Katers auf dessen Gesicht und in dessen Haltung. '<i>Welch ein Glück, dass er und Talin sich den Posten teilen</i>', dachte er bei sich und stutzte prompt. War er gerade tatsächlich darüber froh, dass die Blonde, über die er sich immer wieder aufregen konnte, an Bord war? Perplex hielt er inne und sein Zorn wich von ihm. Beinahe hätte er über sich selbst gelacht. Tief atmete er durch, wandte den Blick zurück gen Bug und antwortete halb gelassen halb gleichgültig und mit einem Hauch Spott in der Stimme: <i>"Sie zum zusammenbrechen zu bekommen, ginge recht einfach mon Capitán. Aber das wäre weder im Sinne der Carta, noch zuträglich für das, weswegen ich herkam."</i> Dann drehte er sich der Schwarzhaarigen zu, seufzte leise, ehe er sich ein halbes Lächeln abrang: "Ich ging davon aus, dass es nicht leicht werden wird. <i>"Notfalls werde ich wohl warten, bis dein Körper das mit dem Zusammenbrechen für mich erledigt. Noch habe ich allerdings auch andere Ideen."</i> Er zuckte die Schultern, war kurz davor, die erste davon zu verwerfen, aber das hieße auch, eine Möglichkeit zu verspielen. Ernst sah er sie an, glaubte nicht daran, dass es funktionieren würde, aber wer wusste das schon? Also überlegte er seine Worte gründlich und ließ es drauf ankommen: "<i>Würdest du mir bitte das Ruder überlassen und dich eine Weile ausruhen? Du nützt uns und dir wenig, wenn du nicht bei vollen Kräften bist."</i></font><br />
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<font color=#458B74>Er hatte seinen Satz kaum beendet, als Shanayas Blick dem seinen begegnete. Keine Ahnung, wie sie es schaffte und doch hellte sich seine Stimmung beinahe augenblicklich etwas auf. Sie hatte so eine Art an sich. So spielerisch, so locker. Nie zu ernst, sodass sie ihm selbst dann, wenn ihm der Schädel dröhnte und kalter Groll in seiner Brust loderte, ein flüchtig amüsiertes Schmunzeln entlockte. <i>„Gib mir ein paar Minuten, dann ergibt sich schon was.“</i>, erwiderte er nicht weniger mehrdeutig. <i>„Ich bin da eher spontan.</i>“ In den tiefgrünen Augen flackerte es kurz amüsiert, dann folgte er ihrem Blick zu Enrique. An dessen Musterung oder dem Missmut auf seinen Zügen störte Lucien sich nicht weiter. Vielmehr spiegelte sich jetzt, da er im Groben verstand, worum sich das Gespräch der beiden drehte, ehrliches Interesse auf seinen Zügen. Sein erster Gedanke dazu war, Enrique unterstützend unter die Arme zu greifen – immerhin wusste er ganz genau, was die Schwarzhaarige in den letzten Tagen durchgemacht hatte. Und ihre Verletzung konnte noch nicht einmal ansatzweise verheilt sein. Doch der Spott in der Antwort des ehemaligen Soldaten brachte ihn davon ab und entlockte ihm stattdessen ein lautloses Seufzen. Wer wird denn gleich zu so aggressiven Mitteln greifen? Er trat an die Brüstung heran, die das Achterdeck zum Hauptdeck hin begrenzte und lehnte sich mit dem Rücken zum Bug dagegen, verschränkte unschlüssig die Arme vor der Brust. Wahrscheinlich wäre es weit unterhaltsamer, es den Älteren noch eine Weile versuchen zu lassen. Andererseits traute er Shanaya durchaus zu, dort so lange zu stehen, bis sie ohne es zu merken das Bewusstsein verlor. Und irgendwie entlockte ihm der Gedanke erneut ein Schmunzeln, als er den Blick wieder auf die junge Frau richtete. <i>„Ganz Unrecht hat er nicht.“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya Blick richtete sich bei Luciens Worten wieder direkt auf ihn. <i>„Ich bin bei Spontanität doch immer dabei.“</i> Sie grinste dem Dunkelhaarigen entgegen, folgte seinem Blick dann aber zu Enrique, der... sie wertete einfach nicht, unterdrückte nur ein lautes Seufzen. Jetzt wandte der Ältere sich auch ihr zu und Shanaya hob leicht eine Augenbraue, war fast gespannt, was als nächstes kommen würde. Ein weiterer Versuch, sie vom Steuer weg zu bekommen. Jetzt seufzte sie doch, jedoch ohne dass ein Ton über ihre Lippen drang. <i>„Dann versuchs oder hol die anderen Ideen raus, darauf warten kann die ganze Nacht dauern.“</i> Sie spürte die Erschöpfung in ihren Knochen, aber jetzt würde sie gewiss erst Recht nicht einfach nachgeben. Kurz huschte ihr blauer Blick zu Lucien, der jetzt mit verschränkten Armen an der Reling lehnte. Zurück zu Enrique, der es jetzt auf die nette Tour versuchte. Die junge Frau wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als ihr Captain noch einmal das Wort erhob. Shanaya grinste. <i>„Mag sein, aber da ich noch fit bin...“</i> Sie warf Lucien einen weiteren Blick zu, patete sich, ganz locker, auf die Stelle, wo die Wunde unter ihrer Bluse lag und musterte dann wieder Enrique. <i>„Ich rechne dir das an, aber bevor du mich hier weg bekommst, musst du mich leider wirklich ko schlagen.“</i> Ihre Stimme blieb gut gelaunt, auch als sie locker mit einer Schulter zuckte.</font><br />
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<font color=#4682B4><i>"Dann schließe ich mich mal der Spontanität an und lasse dir erstmal das Ruder. Vielleicht ergibt sich was, bevor du entgültig nicht mehr fit bist."</i> Die überraschende Heiterkeit hallte noch nach und so schüttelte er ob ihrer Seufzer und Shannys Dickköpfigkeit nur leicht amüsiert den Kopf. <i>"Oder meinst du, es brächte was, den Schiffsarzt herzuzitieren, damit er Shanaya in die Hängematte schickt?"</i> Enrique rechnete damit, dass er darauf auch von ihr eine Antwort bekäme. Glauben daran tat er nicht wirklich, weshalb er diesen Versuch auch nicht unternahm und so war diese Frage auch recht deutlich als nicht ernst gemeint zu erkennen. Zumindest für Lucien, der den Anflug eines Grinsens zu sehen bekam. <i>"Und sonst? Was treibt dich an Deck Capitán?"</i> </font><br />
<br />
<font color=#458B74>Shanayas selbstsichere Erwiderung entlockte ihm ein halb amüsiertes, halb spöttisches Schmunzeln und er senkte den Blick für einen Moment auf die Planken vor sich, um so zu tun, als müsse er seine Belustigung tatsächlich verbergen. Natürlich war sie noch fit. Wieso nur war er über diese Antwort nicht im Geringsten überrascht? Doch er schwieg darauf. Immerhin hatte er nicht die Absicht, sie eines Besseren zu belehren. Die tiefgrünen Augen kehrten zu dem Leutnant zurück, der sich von ihrer gelassenen Heiterkeit scheinbar anstecken ließ und sich endlich mal ein bisschen lockerer machte. Der junge Captain stieß ein Schnauben aus, mit dem er auf Enriques scherzhaften Vorschlag einstieg. <i>„Ich fürchte, das wäre noch viel weniger erfolgversprechend. Weniger zumindest, als einfach abzuwarten, bis sie von selbst ohnmächtig wird.“</i> Ein Blick gelassener Fröhlichkeit galt in diesem Moment der Schwarzhaarigen, doch da Enrique sich gleich darauf an ihn direkt wandte, richtete sich seine Aufmerksamkeit wieder auf den ehemaligen Soldaten. <i>„Ich?“</i> Er stieß ein leises Seufzen aus und verschränkte die Arme am Hinterkopf. <i>„Ich flüchte.“</i>, gab er ganz ungeniert zu. <i>„Vor unserem unsagbar ätzenden Passagier.“</i> Er hatte die Crew heute Morgen von Sylas' Auftauchen auf dem Schiff berichtet und versuchte seit dem, dessen überhebliche Visage zu meiden, die überall da aufzutauchen schien, wo auf der Sphinx Arbeiten verrichtet wurden. <i>„Mich wundert fast, dass er nicht hier ist. Er hätte Shanaya bestimmt gern erklärt, wie sie ihren Job machen muss.“</i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya lauschte den Worten der beiden Männer, während die blauen Augen Lucien einige Momente fixierten, ein Lächeln auf den Lippen. Es brauchte weit mehr als eine abheilende Wunde, um sie auszuschalten. Besonders wenn es darum ging, ihre Pflichten zu erfüllen – oder sie jemandem zu überlassen, dem sie nicht über den Weg traute. Sie war erschöpft, ja. Aber sie war keiner dieser Mimosen, die sich wegen jedem kleinen Wehwehchen schwächelnd in ihre Hängematte zurück zog. Enriques Frage, was Lucien hierher trieb ließ sie den Mann mit den grünen Augen wieder anblicken und auf seine Antwort hin leise schnauben. Sie hatte noch Nichts mit dem Fremden zu tun gehabt, aber... Lucien schien er ziemlich sympathisch zu sein. <i>„Ihr beide reicht mir vollkommen.“</i> Jetzt warf sie auch Enrique einen Blick zu, ehe sie sich wieder an den Captain wandte. <i>„Hätte er das getan, hätte ich das Steuerrad raus gerissen und ihn damit einfach vom Schiff geprügelt.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#4682B4>Schmerzhaft schnell verflog die gute Laune, was ihn den Blick abwenden ließ. Enrique wollte das nicht, weder wegsehen, noch erneut in Trübsinn versinken. Er gab sich Mühe, das nicht zu zeigen, doch ohne die steife Haltung des Offiziers fiel es ihm wesentlich schwerer. Denn es war, als flösse die Heiterkeit, einem Wasserfall gleich, in einen riesigen, bodenlosen Abgrund, während er versuchte, sie mit bloßen Händen daran zu hinder. Zwar kamen die Antworten der Beiden gelassen und wenig vorwurfsvoll, doch was hieß das schon? Und was sollte Shanaya schon vom Steuerrad vertreiben? Nichts. Das war ihr Posten und es gäbe nichts wichtigeres, wozu man sie— 'Maldita, no!' Zornig stoppte er stumm seine Gedanken. Er war hier, um sich das Recht auf diese Aufgabe zu erkämpfen und das würde er auch tun! Also schnaubte er nur heftig, straffte sich anschließend etwas, drehte den Kopf zu Lucien und meinte: <i>"Na dann lassen wir den Doc wohl besser schlafen."</i> Eigentlich hatte er Lucien zuzwinkern wollen, doch ihm fehlte die Kraft dazu. Stattdessen hielt er mühsam weitere Worte zurück. Jetzt Schwarzmalerei zu betreiben würde ihn nicht an sein Ziel bringen. Also wandte er sich, fast wieder heiter, und nur eine wenige gezwungen grinsend, an die kleine Elster: <i>"Auch ja: "Ich hege keinerlei Interesse daran, dir deine Arbeit zu erklären, so du nicht mit einer Frage zu mir kommst. Ich weiß, dass du weißt, was du tust."</i> Warum sollte er ihr auch irgendetwas erklären? Es interessierte Fräulein Árashi eh nicht, was er sagte und sie hatte sie zu einem sicheren Versteck und dann zurück in die Zivilisation gebracht. Selbst bei starker See und heftigen Winden war die Sphinx von ihr sicher geführt worden. So jung die Crew auch war und so viele Landratten sie auch mit sich führte, an den wichtigen Positionen standen Leute, die wussten, was sie taten und ihn in den wenigsten Fällen mochten. Warum hatte er sich also eingebildet— Erneut musste er die Resignation abwehren, zeigte dieses Mal jedoch nichts davon, sondern hielt stattdessen ihrem Blick stand. Sein Grinsen vertiefte sich. <i>"Was mich hingegen interessieren würde, wäre, wie du hinterher ohne Ruder, die Sphinx steuern würdest, sollte er hier tatsächlich auftauchen."</i> Gleichgültig lehnte er sich danach gegen die Brüstung zum Hauptdeck, gab ihr Zeit zum Antworten und wandte sich anschließend, auch hier mit etwas Sarkasmus in der Stimme, dem Jüngeren zu. "<i>Aber wäre es da nicht sinnvoller für dich, dich in die Kapitänskajüte zu flüchten? Weil er dort nicht hingelangen kann, so ihr ihn nicht lasst? Oder hat er auch diese schon okkupiert?"</i></font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Headstrong</div>
<font size=1>Die Nacht vom 12. auf den 13. April 1822<br />
Enrique de Guzmán, Lucien Dravean & Shanaya Árashi </font></center><br />
<br />
<font color=royalblue>Zwei Tage war es nun her, dass sie auf Mardoc getroffen war. Zwei Tage, in denen sie mit sich selbst gerungen hatte, ob sie sich der Erschöpfung hingab – oder ob sie sich durch biss, weil sie genau wusste, dass sie nicht zur Ruhe kommen würde, wenn sie einfach in ihrer Hängematte lag. Am Vortag hatte sie sich nach dem Gespräch mit Liam in ihre Hängematte verzogen, hatte den Schlaf nachgeholt, der ihr die letzten Tage gefehlt hatte. Aber heute? Erst das Gespräch mit Talin, dann mit Greo. Und jetzt musste sie etwas anderes tun, ihre Gedanken ein wenig umlenken. Also hatte sie ihren Platz am Steuer bezogen, und auch wenn das Stechen in ihrer Seite wieder Müdigkeit durch ihre Knochen zog, hielt sie noch durch. Noch gab es keinen Grund für sie, sich zurück zu ziehen. </font><br />
<br />
<font color=#4682B4>Lange hatte er auf einer der Kisten an Deck gesessen, gegen eine andere gelehnt und gedöst. Seit Cornelis Tod war das für ihn viel erholsamer, als Nachts in der Hängematte zu liegen. Denn dann kamen die Alpträume. Auch sonst gefielen ihm derzeit die Nachtwachen mehr als die am Tage. Sie lagen ihm wohl immer noch von der Morgenwind im Blut. Shanaya war an ihm vorübergegangen und hatte ihn kurz geweckt. Ob sie ihn jedoch mitbekommen hatte, dass bezweiflete er. Völlig in Gedanken versunken, oder aus anderen Gründen, war sie, ohne auf ihn zu reagieren, an ihm vorbeigewankt, auf dem Weg zum Ruderstand. Seitdem waren acht Glasen vergangen. Mitternacht. Hundswache. Zeit für einen Schichtwechsel. Schwerfällig, dennoch bereit, dem Ruf zu folgen, alles für das Beidrehen vorzubereiten, stand der Schwarzhaarige auf, doch der erfolgte nicht. Irritiert sah er zum Achterdeck. Sonst wurde doch spätestens jetzt ...? Der kleine Rabe schien wirklich nicht vorzuhaben, die Sphinx, wie üblich, für die Nacht zur Ruhe zu betten. 'Ist sie nicht verletzt?' Dann sollte sie sich eigentlich erholen, gerade, wo sie, mit nur gelegentlichen Unterbrechungen, den ganzen Tag dort verbrachte. Enrique seufzte schwer. Gab es hier wirklich so wenige, die das Schiff auf Kurs halten konnten? Und waren sie heute Nacht in Gefahr? Hatte er die Sichtung von Segeln verpasst? Vielleicht wurde es Zeit, dass er anfing, wieder seinen Dienst dort zu tun, wo er hingehörte. Dazu müsste er sich ihr allerdings erneut stellen, etwas was er bis jetzt vermieden hatte. 'Sei's drum', dachte er sich. Irgendwann käme der Tag eh. Gerade jetzt, wo ihn Cornelis nicht mehr ablenkte, sondern er sich von ihm ablenken musste. Und selbst wenn sie ihn nicht ans Steuer ließe, zumindest würde ein Gespräch sie beide wach halten. <i>"Fahren wir heute Nacht durch?"</i> de Guzmán betrat das Achterdeck offen und mit deutlichen Schritten. Wenn sie nicht gänzlich in anderen Sphären steckte, musste sie ihn frühzeitig mitbekommen haben und genau das wollte er auch. <i>"Gibt es einen Grund für die Eile?"</i></font><br />
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<font color=royalblue>Shanaya nahm sich den Moment, schloss die Augen und atmete tief durch. Körper und Geist konnten in solchen Augenblicken kaum zusammen arbeiten, während das eine sich nach Ruhe sehnte, zog sie das andere immer wieder zur Arbeit, zur Beschäftigung. Hauptsache, sie musste nicht sinnlos herum liegen. Und ohne diese verdammte Begegnung hätte es ihr jetzt auch keine Probleme gemacht. Ein weiterer, tiefer Atemzug, ehe sie von leisen Geräuschen abgelenkt wurde. Deutlich Schritte, die sich ihr näherten und als sie den Blick herum wandte, erkannte die junge Frau, wen sie vor sich hatte. Sie musste zugeben, sie war vollkommen überrascht. Sie hätte mit jedem gerechnet – nicht jedoch mich Enrique. Sie ließ jedoch Nichts von dieser Überraschung auf ihrem Gesicht erscheinen, musterte den Älteren nur mit prüfender Miene. Wollte er etwas bestimmtes? Anders konnte die Schwarzhaarige sich seine Anwesenheit nicht erklären. Sie wartete seine zweite Frage ab, ehe sie den Blick wieder nach vorn wandte. Tja, gab es einen Grund zur Eile? Vermutlich. <i>„Das nächste Abenteuer wartet, wieso also nicht so lang fahren, wie es möglich ist?“</i> Auf den Lippen lag ein ruhiges, wenn auch müdes Lächeln. In ihrem Inneren lauerte sie jedoch, ob Enrique nicht doch irgendetwas erwartete. </font><br />
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<font color=#4682B4>Enrique stand einfach da, aufrecht, die Händen hinter dem Rücken ineinandergelegt, ruhig. Vielleicht ungewöhnlich ruhig, fehlte ihm doch die Energie, die ihm sonst etwas rastloses, wildes gab. Sein Blick hielt ihrem stand und musterte im Gegenzug die Schwarzhaarige. Bei ihrer Antwort stieß er ein Schauben aus, in das sich ein Hauch Amüsiertheit mischte. <i>"Wenn es nur das ist, dann sag mir den Kurs und ich löse dich ab, sowie du nicht mehr kannst."</i> Noch immer sah er sie an, maß ihre Haltung, fügte kleine Details in das Puzzle und fand seine Theorie bestätigt. 'Du rennst also auch vor deinen nächtlichen Schatten weg.' Enrique behielt den Gedanken für sich. Zum einen war er sich sicher, dass sie nicht darüber reden, zum anderen war er sich gewiss, dass er sich derzeit nicht auch noch Probleme Anderer aufhalsen wollte. Trotzdem fügte er noch ein Paar Sätze an: <i>"Willst du bis dahin Gesellschaft haben? Es gibt sicherlich das Eine oder Andere, über das man reden könnte oder auch nicht."</i> Er wartete ihre Antwort nicht ab, sondern wandte zunächst ebenfalls den Blick, dann sich gänzlich nach vorne. Immerhin hatte er ihr auch angeboten, dass sie, selbst wenn er bliebe, nicht miteinander reden mussten. </font><br />
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<font color=royalblue>Irgendetwas störte Shanaya ganz gewaltig. Enrique, der sonst so wenig mit ihr wie möglich zu tun hatte, kam zu ihr um... zu plaudern? Vielleicht hatte er ja drei Nächte nicht geschlafen und wusste nicht, wo ihm der Kopf stand? Oder er war betrunken? Dazu stand er jedoch viel zu gerade. Sehr verwirrend. Was er dann sagte, ließ sie jedoch aufmerken. <i>„Kannst du ein Schiff steuern?“</i> Es lag ja im Bereich des Möglichen, dass der Dunkelhaarige die meiste Zeit bei der Marine herum gesessen und andere hatte arbeiten lassen. Trotzdem lag in ihrem Blick eine gewisse Neugierde. <i>„Woher kommt dieser Umschwung, dass du von ganz allein zu mir kommst?“</i> Kein Vorwurf schwang in ihrer Stimme mit, es interessierte sie wirklich. Enrique wirkte nicht wie jemand, der seine Prinzipien brach und spontan Entscheidungen umwarf. <i>„Aber du darfst gern hier bleiben.“</i> Auch wenn sie nicht so recht wusste, über was sie mit ihm sprechen sollte. </font><br />
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<font color=#4682B4>Schweigend wartete de Guzmán auf ihre Antwort, bemühte sich um Gleichgültigkeit und Gelassenheit, auch wenn er mit beißendem Spott, Häme oder ähnlichem rechnete. Er war schon fast überrascht, dass ihre Reaktion zunächst nur aus einer Gegenfrage bestand, die ihn beinahe sogar amüsierte. Das schaffte dann die zweite Frage. Noch immer nach vorne schauend schüttelte er schmunzelnd den Kopf, leicht verwundert, dass sie jetzt so anders war. Vielleicht ... Doch die Erheiterung schwand schnell wieder, machte Zweifeln und düsteren Gedanken nur zu bereitwillig Platz und nahm die Überlegung gleich mit. Er wäre ein elender Traumtänzer, wenn er daran glaubte. Trotzdem blieb er. Am Ende nickte er ansatzweise, ehe er ruhig antwortete: "<i>Mit zehn konnte ich das Ruder bedienen, kein Jahr später nach Landmarken navigieren und mittels eines Sextanten die Position bestimmen. Lange bevor ich meinte, zur Marine gehen zu müssen. Das kam erst später. Danach war es dann mein Beruf."</i> Nur wie ferne Schatten erschienen die Erinnerungen vor seinem geistigen Auge, berührte ihn kaum. Und doch hielt er inne, sah, mit schwerem Seufzen, gen Himmel, ehe er den Blick wieder zu Shanaya senkte. <i>"Also ja, ich kann ein Schiff steuern."</i> Sie musternd überlegte er kurz, wie er es formulieren sollte. Schließlich fuhr er fort: "<i>Zum einen habe ich mich, wie du bereits weißt, darüber gewundert, dass wir nicht wie sonst für die Nacht beidrehen. Zum anderen ist ein Schiff eine kleine Welt. Zu klein, als das sie funktionieren würde, wenn man sich nicht darum bemüht mit den Anderen auszukommen. Je kleiner die Crew, um so entscheidender ist es, dass sie gut miteinander funktioniert."</i> Fakten, die sie wohl wusste. Genau wie möglicherweise auch das nächste. <i>"Als Offizier war ich, unter anderem, eben auch lange dafür zuständig, dafür zu sorgen, dass die Crew untereinander auskommt. Und auch wenn das hier nicht meine Aufgabe ist, sollte ich wenigstens anfangen meinen Teil dazu beizutragen, meinst du nicht auch?"</i> Der Schwarzhaarige seufzte leise, wandte den Blick wieder gen Bug. <i>"Unser erstes Zusammentreffen war, was das betrifft — nicht gerade ideal ... Ich ..."</i> Eine kurze Pause trat ein. Wie jetzt weitermachen? Als er es wusste, räusperte er sich: <i>"Also — dachte ich es wäre vielleicht auch eine gute Gelegenheit, es auf einen zweiten Versuch ankommen lassen, herausfinden, ob wir weiterhin nur neben- oder doch auch miteinander arbeiten können." </i>Er zuckte leicht mit den Schultern. <i>"Das ist alles."</i></font><br />
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<font color=royalblue>Shanaya konnte aus den Augenwinkeln das Kopfschütteln des Mannes sehen und hob daraufhin leicht eine Augenbraue. Auf ihre Frage kam kein einfaches Ja oder Nein – er holte weiter aus, blickte kurz zum Himmel, ehe sie junge Frau seinen Blick wieder auf sich spürte. Aber sie unterbrach den Dunkelhaarigen nicht, lauschte einfach weiter seinen Worten, ohne den Blick dabei ganz zu ihm herum zu wenden. Und was sollte sie sagen... sie war beinahe wirklich begeistert von dem, was er sagte. Da steckte doch mehr Verstand in seiner Birne als sie gedacht hatte – sofern er seine Worte ernst meinte. Dass er sich hier irgendetwas zusammen dichtete um sonst etwas zu erreichen war noch immer möglich. Aber sie musste es wohl so nehmen, wie es kam. Was blieb ihr sonst übrig? Für den Frieden auf diesem Schiff. <i>„Ich muss zugeben, ich bin überrascht. Das hätte ich dir nicht zugetraut, so viel Mumm in den Knochen.“</i> Sie verkniff sich mit aller Kraft einen Kommentar, der sich auf seine Hose und deren Inhalt bezog. <i>„Aber...“</i> Nun wandte sie den blauen Blick doch zu Enrique herum, betrachtete ihn aufmerksam, ein aufmerksames Lächeln auf den Lippen. <i>„... auch wenn du Erfahrung haben magst, so einfach bekommst du mich hier nicht weg.“</i></font><br />
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<font color=#4682B4>Der Dunkelhäutige zuckte nur mit den Schultern. "<i>Wer weiß, vielleicht überrasche ich dich nicht nur in dieser Hinsicht."</i> Noch immer stand er aufrecht, die Hände hinter seinem Rücken verschränkt, das Gesicht neutral, wirkte fast so, als berührte ihn das Alles nicht. So locker er sich allerdings gab, so schwer fiel es ihm auch, doch er wollte jetzt nicht zeigen, dass sein Verstand alles schwarz malte, wollte nicht darauf anspringen, dass er alles als Provokation wahrnahm. Und selbst wenn sie es so meinte, wie er es hörte, was hätte es gebracht, schlecht darauf zu reagieren? Da sie lächelte, lächelte auch er. <i>"Und was muss ich tun, um dich dort wegzubekommen? Warten bis du zusammenbrichst? Selbst dafür sorgen? Oder schwebt dir was anderes vor."</i> </font><br />
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<font color=#458B74>Sein Kopf dröhnte immer noch. Den ganzen Tag schon. Und er wusste nicht, ob es an dem Alkohol am gestrigen Abend lag, mit dem er es himmelweit übertrieben hatte, oder an dem Kopfzerbrechen, dass ihm dieser Großkotz von Landstreicher bescherte. Oder an beidem gleichermaßen. Er hätte ihn direkt über Bord werfen sollen. Stattdessen überließ er ihn Talin, die ihre dämlichen Schulden selbst zu begleichen hatte. Indem sie das Passagierschiff für ihn spielten. Recht unwirsch stieß Lucien die Tür zum Deck auf, sog die kühle Nachtluft in seine Lungen und rieb sich einige Herzschläge lang die Schläfen gegen das Bohren dahinter. Es half, zumindest ein wenig. Bis er die Hände sinken ließ und aufhorchte. Stimmen drangen an sein Ohr, beide nur zu vertraut. Nur, sie an einem Ort zu vermuten, war eher ungewöhnlich und weckte seine Neugier. Er lauschte einen kleinen Moment lang, schüttelte dann mit einem halbherzigen Schmunzeln den Kopf und setzte sich wieder in Bewegung. Sein Weg führte ihn zu einer der seitlichen Treppen, die nach oben führten und unter leisem Knarzen der Planken erklomm er die Stufen, bis die beiden Gestalten sich im Schein einer Laterne aus der Dunkelheit schälten. „<i>Ich bin gespannt, wie du sie dazu bekommen willst, zusammenzubrechen.</i>“, begrüßte er sowohl Enrique als auch Shanaya mit einem halb unterdrückten Lächeln in der Stimme. </font><br />
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<font color=royalblue>Shanaya ließ sich Nichts davon anmerken, aber sie lauerte. Auf die Reaktionen des Mannes, auf irgendetwas, was ihn verraten würde. Vielleicht war es seine Haltung, vielleicht die Erinnerung an ihr erstes Zusammentreffen. Aber sie wartete, immerhin war sie ja eine geduldige Seele. „Was meinst du, wie überrascht DU von manchen Seiten von mir wärst.“ Seine nächsten Worte ließen sie amüsiert eine Augenbraue heben und einen Moment lang kniff sie die blauen Augen grüblerisch zusammen. <i>„Tja, weißt du...“</i> Eine andere Stimme nahm ihr eine Antwort ab und ihr Klang ließ die junge Frau den Kopf leicht herum wenden, womit ihr Lächeln ein wenig wärmer wurde. „<i>Das klingt ein bisschen so, als ob du eine Ahnung hättest, wie man das schafft, Captain.“</i> Ein vielsagender Blick in die Richtung des Dunkelhaarigen, ehe sie die hellen Augen wieder auf Enrique richtete. <i>„Du kannst es gern versuchen, aber mich hier weg zu bekommen ist nicht sehr einfach.“</i> </font><br />
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<font color=#4682B4>Da war sie wieder, ihre Arroganz, wenn auch nur ein Hauch davon, doch es hätte ausgereicht, um ihn auf die Palme zu bringen, wäre nicht Lucien erschienen. So verfinsterte sich zwar sein Blick, doch der wandte sich just dem Capitán zu und es war so, als läge die Missstimmung daran, dass der sie störte. Lange musterte er Dravean, las die Zeichen des Katers auf dessen Gesicht und in dessen Haltung. '<i>Welch ein Glück, dass er und Talin sich den Posten teilen</i>', dachte er bei sich und stutzte prompt. War er gerade tatsächlich darüber froh, dass die Blonde, über die er sich immer wieder aufregen konnte, an Bord war? Perplex hielt er inne und sein Zorn wich von ihm. Beinahe hätte er über sich selbst gelacht. Tief atmete er durch, wandte den Blick zurück gen Bug und antwortete halb gelassen halb gleichgültig und mit einem Hauch Spott in der Stimme: <i>"Sie zum zusammenbrechen zu bekommen, ginge recht einfach mon Capitán. Aber das wäre weder im Sinne der Carta, noch zuträglich für das, weswegen ich herkam."</i> Dann drehte er sich der Schwarzhaarigen zu, seufzte leise, ehe er sich ein halbes Lächeln abrang: "Ich ging davon aus, dass es nicht leicht werden wird. <i>"Notfalls werde ich wohl warten, bis dein Körper das mit dem Zusammenbrechen für mich erledigt. Noch habe ich allerdings auch andere Ideen."</i> Er zuckte die Schultern, war kurz davor, die erste davon zu verwerfen, aber das hieße auch, eine Möglichkeit zu verspielen. Ernst sah er sie an, glaubte nicht daran, dass es funktionieren würde, aber wer wusste das schon? Also überlegte er seine Worte gründlich und ließ es drauf ankommen: "<i>Würdest du mir bitte das Ruder überlassen und dich eine Weile ausruhen? Du nützt uns und dir wenig, wenn du nicht bei vollen Kräften bist."</i></font><br />
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<font color=#458B74>Er hatte seinen Satz kaum beendet, als Shanayas Blick dem seinen begegnete. Keine Ahnung, wie sie es schaffte und doch hellte sich seine Stimmung beinahe augenblicklich etwas auf. Sie hatte so eine Art an sich. So spielerisch, so locker. Nie zu ernst, sodass sie ihm selbst dann, wenn ihm der Schädel dröhnte und kalter Groll in seiner Brust loderte, ein flüchtig amüsiertes Schmunzeln entlockte. <i>„Gib mir ein paar Minuten, dann ergibt sich schon was.“</i>, erwiderte er nicht weniger mehrdeutig. <i>„Ich bin da eher spontan.</i>“ In den tiefgrünen Augen flackerte es kurz amüsiert, dann folgte er ihrem Blick zu Enrique. An dessen Musterung oder dem Missmut auf seinen Zügen störte Lucien sich nicht weiter. Vielmehr spiegelte sich jetzt, da er im Groben verstand, worum sich das Gespräch der beiden drehte, ehrliches Interesse auf seinen Zügen. Sein erster Gedanke dazu war, Enrique unterstützend unter die Arme zu greifen – immerhin wusste er ganz genau, was die Schwarzhaarige in den letzten Tagen durchgemacht hatte. Und ihre Verletzung konnte noch nicht einmal ansatzweise verheilt sein. Doch der Spott in der Antwort des ehemaligen Soldaten brachte ihn davon ab und entlockte ihm stattdessen ein lautloses Seufzen. Wer wird denn gleich zu so aggressiven Mitteln greifen? Er trat an die Brüstung heran, die das Achterdeck zum Hauptdeck hin begrenzte und lehnte sich mit dem Rücken zum Bug dagegen, verschränkte unschlüssig die Arme vor der Brust. Wahrscheinlich wäre es weit unterhaltsamer, es den Älteren noch eine Weile versuchen zu lassen. Andererseits traute er Shanaya durchaus zu, dort so lange zu stehen, bis sie ohne es zu merken das Bewusstsein verlor. Und irgendwie entlockte ihm der Gedanke erneut ein Schmunzeln, als er den Blick wieder auf die junge Frau richtete. <i>„Ganz Unrecht hat er nicht.“</i> </font><br />
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<font color=royalblue>Shanaya Blick richtete sich bei Luciens Worten wieder direkt auf ihn. <i>„Ich bin bei Spontanität doch immer dabei.“</i> Sie grinste dem Dunkelhaarigen entgegen, folgte seinem Blick dann aber zu Enrique, der... sie wertete einfach nicht, unterdrückte nur ein lautes Seufzen. Jetzt wandte der Ältere sich auch ihr zu und Shanaya hob leicht eine Augenbraue, war fast gespannt, was als nächstes kommen würde. Ein weiterer Versuch, sie vom Steuer weg zu bekommen. Jetzt seufzte sie doch, jedoch ohne dass ein Ton über ihre Lippen drang. <i>„Dann versuchs oder hol die anderen Ideen raus, darauf warten kann die ganze Nacht dauern.“</i> Sie spürte die Erschöpfung in ihren Knochen, aber jetzt würde sie gewiss erst Recht nicht einfach nachgeben. Kurz huschte ihr blauer Blick zu Lucien, der jetzt mit verschränkten Armen an der Reling lehnte. Zurück zu Enrique, der es jetzt auf die nette Tour versuchte. Die junge Frau wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als ihr Captain noch einmal das Wort erhob. Shanaya grinste. <i>„Mag sein, aber da ich noch fit bin...“</i> Sie warf Lucien einen weiteren Blick zu, patete sich, ganz locker, auf die Stelle, wo die Wunde unter ihrer Bluse lag und musterte dann wieder Enrique. <i>„Ich rechne dir das an, aber bevor du mich hier weg bekommst, musst du mich leider wirklich ko schlagen.“</i> Ihre Stimme blieb gut gelaunt, auch als sie locker mit einer Schulter zuckte.</font><br />
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<font color=#4682B4><i>"Dann schließe ich mich mal der Spontanität an und lasse dir erstmal das Ruder. Vielleicht ergibt sich was, bevor du entgültig nicht mehr fit bist."</i> Die überraschende Heiterkeit hallte noch nach und so schüttelte er ob ihrer Seufzer und Shannys Dickköpfigkeit nur leicht amüsiert den Kopf. <i>"Oder meinst du, es brächte was, den Schiffsarzt herzuzitieren, damit er Shanaya in die Hängematte schickt?"</i> Enrique rechnete damit, dass er darauf auch von ihr eine Antwort bekäme. Glauben daran tat er nicht wirklich, weshalb er diesen Versuch auch nicht unternahm und so war diese Frage auch recht deutlich als nicht ernst gemeint zu erkennen. Zumindest für Lucien, der den Anflug eines Grinsens zu sehen bekam. <i>"Und sonst? Was treibt dich an Deck Capitán?"</i> </font><br />
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<font color=#458B74>Shanayas selbstsichere Erwiderung entlockte ihm ein halb amüsiertes, halb spöttisches Schmunzeln und er senkte den Blick für einen Moment auf die Planken vor sich, um so zu tun, als müsse er seine Belustigung tatsächlich verbergen. Natürlich war sie noch fit. Wieso nur war er über diese Antwort nicht im Geringsten überrascht? Doch er schwieg darauf. Immerhin hatte er nicht die Absicht, sie eines Besseren zu belehren. Die tiefgrünen Augen kehrten zu dem Leutnant zurück, der sich von ihrer gelassenen Heiterkeit scheinbar anstecken ließ und sich endlich mal ein bisschen lockerer machte. Der junge Captain stieß ein Schnauben aus, mit dem er auf Enriques scherzhaften Vorschlag einstieg. <i>„Ich fürchte, das wäre noch viel weniger erfolgversprechend. Weniger zumindest, als einfach abzuwarten, bis sie von selbst ohnmächtig wird.“</i> Ein Blick gelassener Fröhlichkeit galt in diesem Moment der Schwarzhaarigen, doch da Enrique sich gleich darauf an ihn direkt wandte, richtete sich seine Aufmerksamkeit wieder auf den ehemaligen Soldaten. <i>„Ich?“</i> Er stieß ein leises Seufzen aus und verschränkte die Arme am Hinterkopf. <i>„Ich flüchte.“</i>, gab er ganz ungeniert zu. <i>„Vor unserem unsagbar ätzenden Passagier.“</i> Er hatte die Crew heute Morgen von Sylas' Auftauchen auf dem Schiff berichtet und versuchte seit dem, dessen überhebliche Visage zu meiden, die überall da aufzutauchen schien, wo auf der Sphinx Arbeiten verrichtet wurden. <i>„Mich wundert fast, dass er nicht hier ist. Er hätte Shanaya bestimmt gern erklärt, wie sie ihren Job machen muss.“</i></font><br />
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<font color=royalblue>Shanaya lauschte den Worten der beiden Männer, während die blauen Augen Lucien einige Momente fixierten, ein Lächeln auf den Lippen. Es brauchte weit mehr als eine abheilende Wunde, um sie auszuschalten. Besonders wenn es darum ging, ihre Pflichten zu erfüllen – oder sie jemandem zu überlassen, dem sie nicht über den Weg traute. Sie war erschöpft, ja. Aber sie war keiner dieser Mimosen, die sich wegen jedem kleinen Wehwehchen schwächelnd in ihre Hängematte zurück zog. Enriques Frage, was Lucien hierher trieb ließ sie den Mann mit den grünen Augen wieder anblicken und auf seine Antwort hin leise schnauben. Sie hatte noch Nichts mit dem Fremden zu tun gehabt, aber... Lucien schien er ziemlich sympathisch zu sein. <i>„Ihr beide reicht mir vollkommen.“</i> Jetzt warf sie auch Enrique einen Blick zu, ehe sie sich wieder an den Captain wandte. <i>„Hätte er das getan, hätte ich das Steuerrad raus gerissen und ihn damit einfach vom Schiff geprügelt.“</i> </font><br />
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<font color=#4682B4>Schmerzhaft schnell verflog die gute Laune, was ihn den Blick abwenden ließ. Enrique wollte das nicht, weder wegsehen, noch erneut in Trübsinn versinken. Er gab sich Mühe, das nicht zu zeigen, doch ohne die steife Haltung des Offiziers fiel es ihm wesentlich schwerer. Denn es war, als flösse die Heiterkeit, einem Wasserfall gleich, in einen riesigen, bodenlosen Abgrund, während er versuchte, sie mit bloßen Händen daran zu hinder. Zwar kamen die Antworten der Beiden gelassen und wenig vorwurfsvoll, doch was hieß das schon? Und was sollte Shanaya schon vom Steuerrad vertreiben? Nichts. Das war ihr Posten und es gäbe nichts wichtigeres, wozu man sie— 'Maldita, no!' Zornig stoppte er stumm seine Gedanken. Er war hier, um sich das Recht auf diese Aufgabe zu erkämpfen und das würde er auch tun! Also schnaubte er nur heftig, straffte sich anschließend etwas, drehte den Kopf zu Lucien und meinte: <i>"Na dann lassen wir den Doc wohl besser schlafen."</i> Eigentlich hatte er Lucien zuzwinkern wollen, doch ihm fehlte die Kraft dazu. Stattdessen hielt er mühsam weitere Worte zurück. Jetzt Schwarzmalerei zu betreiben würde ihn nicht an sein Ziel bringen. Also wandte er sich, fast wieder heiter, und nur eine wenige gezwungen grinsend, an die kleine Elster: <i>"Auch ja: "Ich hege keinerlei Interesse daran, dir deine Arbeit zu erklären, so du nicht mit einer Frage zu mir kommst. Ich weiß, dass du weißt, was du tust."</i> Warum sollte er ihr auch irgendetwas erklären? Es interessierte Fräulein Árashi eh nicht, was er sagte und sie hatte sie zu einem sicheren Versteck und dann zurück in die Zivilisation gebracht. Selbst bei starker See und heftigen Winden war die Sphinx von ihr sicher geführt worden. So jung die Crew auch war und so viele Landratten sie auch mit sich führte, an den wichtigen Positionen standen Leute, die wussten, was sie taten und ihn in den wenigsten Fällen mochten. Warum hatte er sich also eingebildet— Erneut musste er die Resignation abwehren, zeigte dieses Mal jedoch nichts davon, sondern hielt stattdessen ihrem Blick stand. Sein Grinsen vertiefte sich. <i>"Was mich hingegen interessieren würde, wäre, wie du hinterher ohne Ruder, die Sphinx steuern würdest, sollte er hier tatsächlich auftauchen."</i> Gleichgültig lehnte er sich danach gegen die Brüstung zum Hauptdeck, gab ihr Zeit zum Antworten und wandte sich anschließend, auch hier mit etwas Sarkasmus in der Stimme, dem Jüngeren zu. "<i>Aber wäre es da nicht sinnvoller für dich, dich in die Kapitänskajüte zu flüchten? Weil er dort nicht hingelangen kann, so ihr ihn nicht lasst? Oder hat er auch diese schon okkupiert?"</i></font>]]></content:encoded>
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