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Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Druckversion

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RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Lucien Dravean - 07.01.2021

Er hatte kaum zu Ende gesprochen, da riss ihm ein lauter, klagender Schrei die letzten Silben von den Lippen. Ein Schrei, der nicht zu einem Menschen gehörte, der auch kein Schmerzensschrei war. Sondern vielmehr an ein Raubtier auf Beutezug erinnerte. Das waren sie also – Ceallaghs unheilvolle Vögel. Und unheilvoll, danach klangen sie wirklich.
Das Lächeln war von den Zügen des Blonden verschwunden, sein Blick und seine Worte zeugten von Ernst. Doch Lucien verzog die Lippen nur zu einem Lächeln und nickte bestätigend. Ja, ab jetzt galt es. Jeder Handgriff wurde wichtig, jeder Fehler hatte Konsequenzen. Er spürte Adrenalin in sich aufsteigen, spürte, wie sein Puls sich beschleunigte. Wie etwas in ihm ohne Rücksicht auf Verluste darauf drängte, sich in die Klauen dieser Viecher zu werfen. Etwas Dunkles, das sich jeder Bestimmung entzog. Etwas geradezu Zerstörerisches. Gäbe es da nicht ein Leben zu schützen.
Ceallagh setzte sich in Bewegung, deutete seine der Gruppe an der Reling zugewandte Haltung als Aufforderung, sich ihm anzuschließen. Und genau so war es auch. Weit kamen sie allerdings nicht, als James' Ausruf Luciens Aufmerksamkeit auf die anderen lenkte. Der blonde Hüne an seiner Seite reagierte geistesgegenwärtig, huschte an ihm vorbei wie ein Schatten, währen der junge Captain im Gegenteil nur langsamer wurde und in wenigen Schritt Entfernung stehen blieb, um sich das ganze Elend mit vor der Brust verschränkten Armen anzusehen.
James hatte Trevor gepackt, der auf der Reling balancierte (Luciens Meinung nach sicher von den Wanten gehalten) und seinen Arm – weiß der Geier, warum – in den Nebel hielt. Ihr Frischling zerrte den Hampelmann von dort oben hinunter, der daraufhin prompt in den herannahenden Ceallagh stolperte.
Mit einem tiefen Seufzen fuhr sich der Dunkelhaarige mit der Hand über die Augen, ließ die Bewegung in einem Haareraufen enden. Gerade in dem Moment wandte sich Tarón mit ernstem Blick an ihn, löste sich aus dem undefinierbaren Knäul von Spinnern, die eigentlich anderes zu tun gehabt hätten, als sich über die Reling zu hängen und erlöste Lucien damit von diesem Anblick.
Er richtete die tiefgrünen Augen auf den Älteren, runzelte für einen Moment die Stirn. Ihnen würde die Sphinx, was? Sein Blick sank auf die unscheinbare Gerätschaft in Taróns Händen, dessen Holz angefressen wirkte. Das Eisen war unter einer matten, rostroten Schicht kaum mehr zu erkennen. Unter normalen Umständen hätte der junge Captain angenommen, Tarón hielte ihm einfach einen alten Taljenblock unter die Nase, doch was auch immer er ihm konkret damit sagen wollte – es schien bedrohlich genug zu sein, um die Stimme des alten Seemannes ins Wanken zu bringen. Und das war es, was Lucien aufhorchen ließ.
Er sah auf, folgte dem Fingerzeig mit den Augen und sah gerade noch, wie der Nebel nach Rúnar haschte, wie ein paar Fetzen weißen Dunstes sich nach Trevor ausstreckten, der ihm entrissen worden war, und zwei Schritte weiter eine Schwade in Greos und Josiahs Richtung wehte. Fast, als würde dieser Nebel gezielt versuchen, die zu erreichen, die ihm am nächsten waren. Als wäre er lebendig. Ein Zufall? Eine unwillkürliche Windbewegung, die ihn näher an das Deck des Schiffes trug und eben die zu erst streifte, die direkt an der Reling standen?

Shanaya...“,

rief er laut über die Schulter, ohne den Blick von diesem Nebel zu lösen. Ihm entging hier irgendetwas. Etwas, das Tarón bereits bemerkt hatte, weil er sich das Ganze seit einigen Minuten genauer anzusehen schien. Aus dem, was er sagte, wurde Lucien nicht direkt schlau. Das einzige, was er innerhalb dieser wenigen Herzschläge unzweifelhaft begriff, war, dass der Ältere den Nebel für eine Bedrohung hielt und auch wenn dem 21-Jährigen noch so unwahrscheinlich erschien, was sein Gegenüber mit seinen Worten andeutete, traute er dessen Urteil weit genug, um innerhalb eines Sekundenbruchteils eine Entscheidung zu treffen. Es war dieses Beben in seiner Stimme gewesen, das den Ausschlag gab.
Und so sehr es Lucien widerstrebte – ein wie auch immer für sie gefährlicher Nebel machte es beinahe noch reizvoller, sich mitten hinein zu werfen – er war nicht bereit, dieses Schiff und Talins Leben zu gefährden. Also wandte er sich um, sah zu der Schwarzhaarigen auf dem Achterdeck hinauf.

Dreh nach Nordwesten ab! Halte uns fern von diesem Nebel!

Er wartete nicht darauf, ob sie der Aufforderung nachkam, sondern wandte sich wieder an Tarón und musterte dessen Züge mit ernster Miene.

Was genau hat es damit auf sich?

Mit einem leichten Nicken wies er auf den Taljenblock.

[Hauptdeck | unmittelbar bei Tarón und Ceallagh | nicht weit von Trevor, Rúnar, James, Josiah & Greo | ruft Shanaya etwas zu]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Soula Veniel - 08.01.2021

Aufmerksam genug war Soula, um Alex‘ nachdenklichen Moment zu erfassen. In der Zeit ließ sie ihn auch tatsächlich in Ruhe und kam Skadis Aufgaben nach. Bei der Beschimpfung zuckten kurz ihre Mundwinkel. Wusste er vielleicht, was passierte? Oder glaubte er nur zu wissen, was die Mannschaft des anderen Schiffes vorhatte? Dass die Kanonen nicht helfen würden, war wegen des Nebels auf jeden Fall schon klar. Ansonsten verstand Soula wenig davon, worauf Alex hinaus wollte. Allerdings schmunzelte er, was ihr ein bisschen von ihrer eigenen Anspannung nahm, das tat gut! Diese Anspannung wurde durch Aufregung ersetzt. Freudige Aufregung vielleicht sogar. Man konnte es auch Abenteuerlust nennen und das kannte Soula von sich selber nicht. Es war eine komplett neue Erfahrung, die alleine Alex in ihr lostrat. Es schlummerte vermutlich schon immer in ihr, doch das musste wohl auch einfach erstmal freigesetzt werden.

Ihr war nicht ganz klar, wovon er da überhaupt sprach. Dafür war sie wahrscheinlich nicht lange genug ein Teil der Crew. „Aber bisher ist ja auch nicht sehr viel passiert, außer eine kleine Verfolgungsjagd, zwei Kanonenschüsse und ein Fluchtversuch ins nichts“, fasste sie zusammen und zuckte kurz mit den Schultern. „Oder hab ich was verpasst?“ Nicht, dass das alles für Soula nichts war. Das waren alles neue Eindrücke und brachte sie definitiv schon weiter in ihrem Leben, aber dafür, dass sie einen Kampf erwartet hatte, war bisher noch nicht viel passiert. Vielleicht ging das aber auch in die Richtung, die Alex ausdrücken wollte.

„Es klingt fast so, als hättest du eine Vermutung oder sogar Ahnung, was da auf uns zukommt“
, stellte sie fest und ihre Stimme klang nicht mehr so beunruhigt, wie noch vor ein paar Augenblicken. Alex Anwesenheit beruhigte sie in gewisser Weise. Sie half ihm bei dem Befestigen der Kanone so gut sie konnte und musste bei seinen Worten dann leise lachen.

„Vielleicht hat sich seit den misslungenen Glücksspielen damals mein Konto wieder aufgeladen. Wir werden sehen.“
Es gab tatsächlich eine Zeit, da hatte Soula sehr viel Glück dabei gehabt, sonst hätte sich gar nicht so eine Sucht bei ihr aufgebaut. Zuletzt hatte sie einfach den Absprung nicht geschafft und war in der Spirale gefangen. Das hatte sie hier nur noch niemandem erzählt. Die Worte kamen ihr aber so leicht und schnell über die Lippen, dass sie das gar nicht aufhalten konnte. Als ihr genau das auffiel, zuckte sie wieder mit den Schultern. „Davor gab es eine Zeit, da hatte ich wohl das größte Glück der Welt.“ Danach das größte Pech der Welt und mit dieser Crew schien ihr Glück langsam wieder anzusteigen.

„Sollen wir uns das Spektakel mal von oben ansehen?“, fragte sie Alex und in ihrer Stimme lag eine positive Aufregung. Sie war neugierig. Sehr neugierig.

[Kanonendeck| Alex]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Greo - 10.01.2021

Der unmenschliche Schrei aus dem Nebel jagte ihm augenblicklich Gänsehaut über die Arme, wo doch das Kribbeln des Nebels gerade erst nachgelassen hatte. Bei der vermaledeiten Traumzeit, was war das? Es musste eine massive Kreatur gewesen sein. Seine Fantasie bastelte direkt merkwürdige Bilder in seinem Hirn zusammen, die alles andere als vertrauenserweckend waren – er stammte immerhin aus einem Land, das von allerlei fiesem Zeug keuchte und fleuchte und was seiner Vorstellungskraft fleißig Material lieferte.

Gleichzeitig gab es da noch die Szenerie um den Nebel selbst, die ihn ebenfalls einnahm. In einem Impuls war er einen Schritt vorgetreten, doch James war bereits eingeschritten und hatte Trevor gepackt. Zudem war auch der blonde Große dazugestoßen und nahm sich der Sache an. Er sah aus dem Augenwinkel Lucien des Weges kommen und merkte plötzlich auf. Der Kapitän war doch eben noch oben gewesen, beim Ruder. Ihm schoss ein unangenehmer Gedanke durch den Kopf, also machte er auf dem Absatz kehrt. Das war wohl auch besser so, gemessen an den Nebelfingern, die sich heimtückisch nach den Schaulustigen reckten. Greo lief polternd zum Achterdeck. Er hangelte sich hinauf und positionierte sich mit auf den wabernden Dunst fixierten Blick hinter Shanaya.

„Abdrehen nach Nordwest.“, wiederholte er, was Lucien angewiesen hatte, obgleich er sicher war, dass seine Freundin das gehört haben musste und unterrichtete sie auch direkt von den Ereignissen an der Reling: „Der Nebel lässt das Schiff sonst faulen und rosten, da stimmt was nicht.“

Obwohl seine Hand unwillkürlich nach der Schere gegriffen hatte, deren geschärfte Schneiden im Nahkampf sicherlich so manch grobe Verletzung verursachen konnten, entschied er sich nun widerwillig für die Schusswaffe, die er sicherheitshalber an sich genommen hatte. Hinter der Navigatorin aufragend, stellte er sich instinktiv in Kampfstellung und peilte mit der Kanonenmündung über den dunklen Schopf Shanayas hinweg in die Richtung, in der er das Ungetüm vermutete, dass vorhin geschrien hatte.

[Achterdeck | Shanny]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Shanaya Árashi - 10.01.2021

Auf die Worte Luciens hin neigte Shanaya leicht den Kopf in einer zustimmenden Geste. Besser als feige, auf jeden Fall. Ob mehr dahinter steckte als bloßer Eifer… das würde wohl nur die Zeit zeigen. Mehr sagte die junge Frau allerdings nicht dazu, auch ihr Captain schien das, was dort an Deck geschah, interessanter zu finden. Sie konnte von ihrer Position nichts genaues erkennen, ganz gewiss würde sie ihn aber nicht einfach so verlassen. Egal, um was die kleine Meute sich da scharte. Trotzdem huschte ihr heller Blick immer Mal wieder zu der kleinen Gruppe, bis der Mann bei ihr verkündete, einmal nach zu sehen. Damit verschwand der Dunkelhaarige und Shanaya blickte kurz zu ihrem Kompass, ihrer Karte – erst dann wieder zu dem Nebel, in dem das Schiff verschwunden war. Lucien würde ihr sicher berichten, was dort unten los war… aber nun niemanden hier zu haben, mit dem man reden konnte… Ganz automatisch fing die Schwarzhaarige also leise an zu summen, trommelte ruhig im Takt mit den Fingern auf dem Holz des Steuerrades herum. Ob sie jemanden davon überzeugen konnte, ihr noch etwas zu Essen zu bringen, bevor sie das andere Schiff – irgendwann – erreichten? Vermutlich nicht. Aber dieser Gedanke wurde schnell von etwas anderem abgelenkt.
Der Schrei, der nur wenige Herzschläge später durch den Nebel zu ihnen getragen wurde, jagte der jungen Frau einen kurzen Schauer durch den Körper, woraufhin sie den Blick einmal suchend schweifen ließ. Es war nichts zu erkennen, außer ein Trevor, der auf der Reling balancierte und kurz darauf von James zurück gezogen wurde. Was war da unten… Luciens laute Stimme war es, die sie beinahe aufschrecken ließ. Etwas in seiner Stimme war anders – und die darauf folgende Anweisung ließ die junge Frau leicht die Augenbrauen heben. Wieso…? Was…? Sie konnte es sich nicht erklären. Wieso sollten sie sich jetzt plötzlich so sehr von diesem Nebel fernhalten? Dass sie am Rande der Wolke bleiben wollten, ja. Aber… jetzt abdrehen? Wollte er das Schiff jetzt nicht mehr verfolgen?
Ein Poltern ließ sie noch kurz den Blick herum wenden, während sie das Rad unter ihren Fingern schon zu drehen begann. Greo kam zu ihr, Sorge lag in seinem Blick. Was im Namen der achten Welt war hier los?!

Aye aye!

Shanaya sprach laut genug, damit sowohl Lucien als auch Greo sie hören konnten. Was auch immer dem Captain durch den Kopf ging, sie verließ sich auf sein Urteil. Bei beiden, ansonsten wäre sie schon längst nicht mehr auf diesem Schiff.
Greo schien die Frage in ihrem Blick zu erkennen, der jedoch noch fragender wurde, als der Hüne sich hinter ihr positionierte. Und eine Pistole zog. Nur kurz wandte die Schwarzhaarige den Blick herum, musterte ihren Freund kurz, ehe sie sich wieder auf das Rad konzentrierte, den neuen Kurs einschlug. Das Schiff sollte rosten und faulen…? Anstatt das Greo ihre Fragen beantwortete, kamen ihr nur noch viel mehr in den Kopf.

Was haben sie da unten?“

Sie fing einfach mit einer einfachen Frage an. Lucien wirkte mit einem prüfenden Blick nicht so, als würde er zurück kommen… und vielleicht bekam sie ja ein paar Informationen aus Greo heraus, mit denen sie etwas anfangen konnte, während sie darauf achtete, das Schiff aus der Reichweite des Nebels zu halten. Hatte es etwas mit diesen Vögeln zu tun? Fragen über Fragen.

[Greo | Achterdeck am Steuer |Versucht alles irgendwie im Blick zu haben]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Alex Mason - 10.01.2021

Obwohl die Aussichten darauf, wirklich einen Blick auf das zu erhaschen, was da auf sie lauerte, durch die kleine Kanonenluke eher gering war, erwischte sich Alex immer wieder dabei, einen flüchtigen Blick hinauszuwerfen. Dieses Ding klang nah, ziemlich nah. Näher, als ihnen lieb war. Und wenn er es noch richtig im Kopf hatte, waren die Seemänner damals sehr darauf bedacht gewesen, weitmöglichst von ihnen entfernt zu sein, um ihre Aufmerksamkeit nicht auf sich zu ziehen. Wäre er Optimist gewesen, wäre er wohl einfach davon ausgegangen, dass sie die Händler entdeckt hatten, die in die Nebelsuppe eingetaucht waren. Aber die schlichen sich vermutlich so kleinlaut durch die Nebelfront wie eine Maus durchs Erdreich, während der Köter noch an ihrem Loch buddelte. Die Stimmen von oben waren zu gedämpft durch das Geräusch der Wellen, die gegen das Holz klatschten und den Schritten, die aufgewühlt über das Deck huschten. Irgendwo tief in ihm drin hielt er es durchaus für möglich, dass sie unbeschadet hier herauskamen. Ein größerer Teil aber war in freudiger Erwartung, was da auf sie zukam. Nicht nur der Abenteuer sondern auch der Jäger in ihm waren nun geweckt, wo sie es nicht mehr in erster Linie mit einer anderen Besatzung zu tun hatten. Und er war nicht gewillt, sich plötzlich zur Beute zu machen.
 
Und während er so versuchte, Soula möglichst schonend die Gefahr zu offenbaren, in der sie sich nun befanden, war es entgegen seiner Erwartung keine Furcht, die er auf ihren Zügen erkannte. Stattdessen gab sie sich sogar ziemlich gelassen. Es überraschte ihn. Nicht, weil er Soula besonders gut kannte, sondern weil ihre zierliche, weibliche Gestalt eher etwas anderes hatte vermuten lassen. Alex bedachte sie einen Augenblick abschätzig, bis sich wieder dieses Schmunzeln in seine Mundwinkel schlich.
 
„Abenteuerlustig, hm?“, schloss er, ohne den Blick von ihrem Gesicht zu nehmen. „Gefällt mir.“
 
Es war kein ungünstiger Versuch, sie anzumachen – viel mehr eine unauffällige und seltene Wertschätzung. Manch anderer hätte sie vielleicht lebensmüde oder gar wahnsinnig genannt – in diesen Fällen hätte er sich aber ebenso schuldig sprechen müssen. Soula harkte nach. Vielleicht würde sie ihre Meinung tatsächlich ändern, sobald sie wusste, was ihnen da gegenüberstand. Der Lockenkopf lächelte hörbar.
 
„Schon mal was vom ‚Schrecken der Seefahrer‘ gehört?“ In seinen Augen funkelte die Vorfreude. Wohl wissend, dass sie gleichzeitig auch ihren Tod bedeuten konnte. „Wenn ich mich nicht täusche, ist es nämlich genau das, was gerade irgendwo über uns kreist.“ Er machte sich wieder an die Arbeit, ehe er weitersprach. „Stell‘ dir ‘nen Falken vor, der’s mit nem Krokodil getrieben hat. Ähnlich scharfsinnig und unersättlich sollen sie angeblich auch sein.“
 
Die Information bezüglich der Glückspiele nahm er zwar wahr, speicherte sie aber kommentarlos für später. Stattdessen schwebte ihm genau das im Sinn, was Soula kurze Zeit später auch aussprach, kaum dass sie die Kanone an Position geschoben hatten. Er würde mit Sicherheit nicht hier unten versauern, während die da oben Spaß haben durften.
 
„Vorher sollten wir noch die Kanonen laden, nur für den Fall. Wir wollen doch nicht, dass Miss Hat-Etwas-Besseres-Zu-Tun am Ende noch Grund zum Schimpfen hat.“
 
Soula konnte sich denken, wen er damit meinte und es kümmerte ihn nicht, ob sie mittlerweile vielleicht einen besseren Stand zu Skadi hatte als er. Wenn es ihr Ziel gewesen war, sich dort oben alleine zu vergnügen, würden sie sie zwangsläufig enttäuschen müssen. Besonders jetzt, wo sie ohnehin kein Ziel mehr hatten, dass sie im Auge behalten mussten. Kurzerhand zeigte er der jungen Leichtmatrosin, wie man die Kanonen lud. Sollten sie doch noch in den Genuss einer Seeschlacht kommen, war das vielleicht von Vorteil. Durch die Luken nach draußen nahm er wahr, dass sie abdrehten, weg vom Nebel. Er wollte unbedingt wissen, wie weit sie von diesen Biestern entfernt waren. Mit dem Kopf wies er Soula, dass sie nun nach oben gehen und nachsehen würden. Er überließ ihr den Vortritt, nur um zu beobachten, ob sie auf dem Weg nach oben nicht doch noch der Mut verlassen würde.



{ Soula | Kanonendeck, auf dem Weg nach oben }



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Soula Veniel - 11.01.2021

Selbst konnte sie noch nicht wirklich definieren, ob es jetzt besonders naiv, besonders dumm oder besonders verrückt war, was in ihrem Kopf herumging. Würde sie hier mit jemandem sprechen, der ihr einschärfte, dass sie jetzt Angst, Sorge oder sonstige negative Empfindungen spüren müsste, würde sie das vermutlich auch genau so tun. Das tat Alex aber nicht. Zumindest nicht direkt. Seine Körperhaltung und seine Mimik waren irgendwie anders und Soula ließ sich darauf ein. Das hier waren neue Situationen, neue Menschen, neue Gefahren und von wem würde sie den Umgang am besten lernen, wenn nicht von jemandem, der schon mehr Erfahrung hatte? Natürlich würde sie weiterhin auf sich Acht geben und versuchen sich selbst nicht in Gefahr zu bringen, so wie sie es zuvor schon bei der Kanone getan hatte, aber ja, sie war neugierig. Angst würde ihr und ihrem Verstand gerade auch nicht wirklich weiterhelfen. Das ließ sich so einfach zwar oft nicht abstellen und vielleicht würde es sie im Laufe der nächsten Stunden wieder einholen, aber im Grunde wusste die Dunkelhaarige, dass es oft wenig half.

Vielleicht auch verrückt – lag ihr auf der Zunge, aber man musste sich schließlich auch nicht selbst belasten. Sie schmunzelte und zuckte mit den Schultern „Ich nehme mir ein Beispiel an dir. Zumindest jetzt gerade. Je nachdem, was später noch so alles passiert und was du dann unternimmst, bist du vermutlich kein gutes Vorbild mehr für mich“, schätzte sie, denn er würde sicher mehr im Getümmel unterwegs sein, als sie. Vielleicht war er auch jetzt gerade kein gutes Vorbild für sie, aber dass sie nicht in Unruhen ausbrach, sprach sehr für sich. Situationsbedingt konnte sich das trotzdem jederzeit ändern. Anspannung war auch weiterhin vorhanden.

Soula schüttelte den Kopf, als er nach den ‚Schrecken der Seefahrer‘ fragte. Sie hatte zuvor recht wenig von Seefahrt, Piraten und allem was damit zu tun hat, gehört. 'Es' kreiste also über ihnen und Alex ließ Soula nicht lange rätseln, was er mit 'es' meinte.

„Dieses unheilvolle Kreischen, Rufen, was auch immer, kam von einem dieser Wesen. Hat der Nebel was mit ihnen zu tun? Gibt es noch die Möglichkeit zu entkommen?“ Wahrscheinlich beantwortete Soula sich diese Frage gerade auch schon selbst, Schwarzmalerei nannte man das. „Klingt toll!“, gab sie etwas ironisch von sich. Sie hatte von solchen Gestalten noch nie etwas gehört und es war immer nochmal was anderes, wenn man etwas las oder hörte, als wenn man es tatsächlich sah oder miterlebte. Es war nicht so, als wollte sie Alex nicht glauben, aber Legenden waren auch nicht immer wahr und das war es gerade, wonach es klang – einer Legende.

„Was weißt du noch?“, fragte sie trotzdem. Sie wollte jetzt keine lange Geschichte vom Ursprung oder der gleichen hören, sondern etwas, was ihr in der zukünftigen Situation auch noch etwas bringen könnte. Wissen war schließlich etwas Essenzielles, fand Soula. Sie fühlte sich alles andere als gut vorbereitet, vielleicht hätte sie sich doch mal ein Buch über die Seefahrt, Seeungeheuer oder Gefahren der Tiefe besorgen sollen. Sie hatte keine andere Wahl, als sich auf die Crew dieses Schiffes zu verlassen und das war ein Gefühl, das ihr auch noch nicht so ganz passte. Damit würde sie jetzt versuchen umzugehen.

Für einen Augenblick musterte sie Alex aufmerksam. „Irgendwie… scheinst du dich auf das, was folgt, zu freuen.“

Vielleicht war er es ja, der verrückt war und sie würde sich davon mit in den Abgrund ziehen lassen, wenn sie es nicht frühzeitig bemerkte. Soula hoffte, dass sie sich diese innere Ruhe, die sie gerade verspürte, bewahren konnte. Alex Worte entlockten ihr nochmal ein Schmunzeln, sie erwiderte aber nichts sonst darauf, unterstützte ihn lieber bei seinem Vorhaben die Kanonen zu laden. Anschließend stand ihnen nichts mehr im Wege, um sich die Situation, von der Soula noch nicht wusste, was sie davon halten sollte, genauer anzusehen. Sie stieg nach oben, was weniger mit Mut als mit Neugierde zu tun hatte.

Oben angekommen konnte sie die Situation nicht direkt überschauen. Der Nebel schien sich zu entfernen, ihr Blick wanderte zu Shanaya und Greo, nicht weit entfernt sah sie Lucien, der mit ernster Miene mit Tarón sprach. Da war ihr ein locker, leichtes Schmunzeln von Alex irgendwie lieber gewesen. Dann wandte sie sich der anderen Gruppe zu und beobachtete gerade noch, wie der Nebel sich zurückzuziehen schien. Sie verengte die Augen. Was zur…

„Scheint nicht irgendein Nebel zu sein“, sagte sie leise, eher zu sich selbst als direkt zu Alex, der nach ihr an Deck gekommen war.

[Erst Kanonenraum | Alex
Hauptdeck, in hörweite von Lucien, Tarón & Ceallagh | nicht weit von Trevor, Rúnar, James, Josiah]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Isala Reginn - 12.01.2021

Sie fühlte sich wieder frei und je höher sie stieg, desto mehr wurde sie wieder in ihre Kindheit versetzt. Es war ein Absondern von allem was sich unten befand, aber sie hatte eine Aufgabe und diese durfte sie nicht aus den Augen verlieren. Und schon auf der Hälfte konnte sie den Hauptmast sehen und fixierte diesen... aber ebenso erblicken die grünen Augen den Neben, der wie eine Decke über dem Meer lag und alles verschlang, was sich in Reichweite befand. Hier oben jedoch konnte sie einmal durchatmen ... entdeckte aber gleichzeitig, dass das gegnerische Schiff tiefer in den Nebel auswich... was hatten sie vor?

"Sie drehen ab und fahren in den Nebel!"

 , rief sie laut und hoffte da unten würden sie ihre stimme hören, doch etwas anderes versetzte Isa in eine Art Starre, denn sie konnte kaum glauben was sie da sah, als sie diese Gestalt erblickte, die  aus einem der vielen Geschichten stammen könnte, die sie als Kind erzählt bekommen hat.

"Was bei allen Göttern ist das?", murmelte sie leise vor sich hin und hoffte einfach, dass die Crew dem Handelsschiff nicht folgen würde, das wahrscheinlich ohnehin nicht mehr aus dem Nebel raus kommen würde.

"Weg von dem Nebel! Dort wartet nur der Tod auf uns!" , rief sie laut, wusste sie schließlich nicht, was unten an Deck los war.

Dass plötzlich Skadi neben ihr auftauchte, bekam sie im ersten Moment gar nicht mit, denn voller Grauen lagen die Augen der Frau noch immer auf dem Monster im Nebel, welches ihr eine Gänsehaut bescherrte und ihr Herz so stark schlagen ließ, dass sie meinte, es würde ihren Brustkorb sprengen.

"Bin ich verrückt geworden oder siehst du das auch?", fragte sie nun die Frau neben sich und deutete wahrscheinlich sinnloser Weise auf den Nebel und das Ungeheuer. Es war schließlich groß genug, sodass es ein blinder erkennen konnte.

"Ist das hier normal für euch? Ich dachte nicht, dass so etwas wirklich existieren könnte!"

[Auf dem Krähennest mit Skadi -]


RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Alex Mason - 12.01.2021

Er war kein besonders gutes Vorbild. Aber er war definitiv gerne ein Vorbild. Alex war nicht wirklich bescheiden. Er war genug von sich selbst überzeugt, dass andere es nicht sein mussten. Aber er konnte nicht leugnen, dass er das Gefühl genoss, wenn sie es doch taten. Nach außen sah man ihm das – zumindest im Moment – nicht an, doch Soulas Zuversicht schmeichelte ihm. Obwohl sie mit ihrer Einschätzung vermutlich ziemlich richtig lag. Oder vielleicht auch gerade weil. Der Lockenkopf hatte die Jüngere weiterhin prüfend gemustert, bis er ein leises Auflachen nicht mehr hatte unterdrücken können. Er wog den Kopf überlegend von der einen zur anderen Seite, als müsse er tatsächlich abschätzen, wie viel an ihrer Vermutung dran war – sein Gesichtsausdruck allerdings sprach von Zustimmung und machte jede wörtliche Antwort vollkommen unnötig. Er nahm es definitiv nicht als Beleidigung. Vielleicht war er deshalb auch so freizügig mit seinen Erklärungen, ohne direkt davon auszugehen, dass es vergebene Lebensmühe war.
 
„Ich schätze nicht.“, bemerkte er mit einem lockeren Schulterzucken. „Kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, dass Nebel im Spiel war, als wir sie das letzte Mal gesehen haben.“
 
Aber was wusste er schon? Das letzte Mal waren sie kaum nah genug herangekommen, um wirklich sicherzugehen, dass es sich wirklich um diese Kreaturen handelte. Die Besatzung des Schiffes war nicht einmal im entferntesten so… unternehmenslustig gewesen wie die, die sich Liam in den letzten Monaten angelacht hatte. Vielleicht bevorzugten diese Vögel es tatsächlich, in der Nähe von Nebel zu jagen und Schiffbrüchige aus dem Wasser zu fischen. In den Büchern hatte dazu jedenfalls nichts gestanden, wenn er Liam glauben konnte. Und wenn er zugehört hatte, ohne mit dem Kopf bereits wieder woanders zu sein.
 
„Sie waren früher wohl recht häufig, mittlerweile muss man eher Glück haben, einem zu begegnen.“ Alex runzelte die Stirn, während er versuchte, sich an das zu erinnern, was sie damals und im Laufe ihrer Reise über sie erfahren hatten. „Oder eben Pech.“ Er hob eine Schulter und drückte damit ein eindeutiges ‚Wie man’s eben nimmt.‘ aus. „Aber Stücke von ihnen tauchen immer mal wieder handlich auf dem Schwarzmarkt auf.“
 
Ihm dämmerte, weshalb Ceallagh von diesen Dingern wusste. Und wieso er gewusst hatte, dass sie sich hier in der Gegend aufhielten. Eigentlich schätzte er den Blondi mehr wie jemanden ein, der sich gemütlich mit einem Krug Bier in der Hand zurücklehnte, während andere die Jagd übernahmen, um sich dann die Hände in ihrem Gold zu waschen. Blöd gelaufen, dass er jetzt wohl mittendrin gelandet war. Alex wartete, ob Soula noch weitere Fragen hatte und schmunzelte bei ihrer Annahme.
 
„Warum sollte ich auch Trübsal blasen?“, fragte er rein rhetorisch.
 
Er liebte die Herausforderung und das Abenteuer. Für ein einfaches Leben war er zweifellos nicht gemacht. Alex wurde unruhig, kaum, dass er nichts zu tun hatte. Da kam ihm ein bisschen Nervenkitzel nur gelegen. Und Leben war und blieb nunmal… lebensgefährlich.
Er folgte Soula in die Richtung des Hauptdecks, hielt aber kurz vor der Treppe inne, um doch noch einmal zu der Mannschaftskajüte umzukehren. In weiser Voraussicht schulterte er sein Gewehr und steckte sich alles nötige in die Taschen, ehe er nach oben verschwand. Liam und Talin standen an der Tür, Soula war weitergelaufen und war irgendwo zwischen der kleinen Gruppe an der Reling und dem Achterdeck stehengeblieben. Alex überflog das Geschehen nur flüchtig, ehe sein Blick bedeutungsschwer und mit Vorfreude auf den Lippen an Liam hängenblieb.
 
„Scheint, als bekämen wir eine zweite Chance, hm?“
 
Er folgte Soula noch ein paar Schritte, hörte ihre Worte zwar, wurde aber von Isalas Stimme abgelenkt, die gedämpft zu ihnen hinuntergetragen wurde. Ihre Warnung bekräftigte seine Annahme. Ihm lief ein aufgeregter Schauder über den Rücken.
 
„Was kannst du sehen, Isala?“, rief er nach oben, um auch den letzten Zweifel daran auszumerzen, dass er wusste, was da vielleicht auf sie zukam, sollten sie nicht früh genug abgedreht haben.
 
Er war näher an den Hauptmast herangetreten, bevor er nach oben gerufen hatte. Skadi nahm er dort überhaupt nicht wahr, vermutlich hätte er sich aber so oder so ausdrücklich an Isala gewandt. Dass die Jägerin allerdings auf dem Deck nicht aufzufinden war, war ihm selbst bei seinem flüchtigen Blick über das Deck nicht entgangen. Es bestätigte lediglich seine Annahme, dass sie überall dabei sein musste, statt sich auf einen Posten zu konzentrieren. Da konnte wohl jemand nichts zu Ende bringen, bevor er Neues anfing.
 
„Was ist mit dem Nebel?“, wiederholte er schließlich fragend, was ihm von Soulas Gemurmel im Gedächtnis geblieben war und spähte erst zu ihr, dann zu besagtem Objekt und den anderen hinüber.
 
Und tatsächlich brachte er ihn kurz dazu, die Stirn skeptisch in Falten zu legen. Er kannte Nebel. Nebel gehörte zu seiner Heimat dazu. Und Nebel streckte sich im Normalfall nicht nach jemandem aus. Plötzlich war er umso interessierter an Isalas Antwort. Darauf, ob sie mit ‚Tod‘ wirklich das gemeint hatte, wovon er bislang noch ausging.


{ Hauptdeck am Hauptmast | Soula | Isala & Skadi | zwischen Liam & Talin und dem Auflauf an der Reling }



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Tarón Valur - 13.01.2021

  Tarón beobachtete die Schwaden nur aus den Augenwinkeln, während er Lucien noch immer das Ergebnis seines Experimentes entgegenhielt. Doch was er sah sorgte dafür, das ihm ein kalter Schauder über den Rücken lief und verstärkte seine Überzeugung nur weiter, dass sie sich hier in im wahrsten Sinne des Wortes sehr undurchsichtige Situation begeben hatten.
Und nun bewies Rúnar tatsächlich fast ebenso viel Leichtsinn wie sein Freund Trevor, als der Drachenzähmer das von diesem geerntete Salz ableckte.

In aller Götter Namen…

Fast fühlte er sich.. wie was? Ein Vater? Schwer zu sagen, ohne je ein solches Rollenmodel besessen zu haben, aber der Drang ihnen beiden die Ohren langzuziehen war kurzzeitig sehr stark.
Doch eine weisere Stimme meldete sich in ihm.

Sie sind einfach jung…

Ja und das war ihr Käptn auch – beide! Tarón machte sich auf das Schlimmste gefasst, während in den anderen das Misstrauen gegenüber dem fremdartigen Nebel ebenso wuchs, wie zuvor in ihm.

Doch Lucien enttäuschte ihn nicht. Trotz seiner Jugend und der dazugehörenden Sprunghaftigkeit gepaart mit dem ihm ganz eigenen zur Selbstzerstörung neigenden Dunkeln, dass der Falke schon öfter an ihm bemerkt zu haben glaubte, traf er die – Taróns Ansicht nach – einzig vernünftige Entscheidung. Er forderte Shanny auf abzudrehen. Greo nahm den Befehl auf und sorgte geistesgegenwärtig dafür, dass er auch garantiert bei ihrer Navigatorin ankam.

Obwohl sie damit längst nicht vom Haken waren wagte es der Falke sich zumindest ein wenig zu entspannen. Mittlerweile hatte fast die ganze Mannschaft das Ding in seiner Hand im Blick und Tarón blieb Lucien - und auch den anderen, die sich versammelt hatten -die Erklärung was das eigentlich sollte nicht länger schuldig.

„Trevor ist ein Fass über Board gegangen.“

Auch wenn er es versuchte ließ sich der Unmut über den leichtsinnigen Burschen nicht ganz aus seiner Stimme und erst recht nicht aus dem Blick verbannen, dem er dem Kasper zuwarf. Nicht aus Abneigung – im Gegenteil. Aber das Trevor noch in einem Stück dastand war reines Glück. Und Tarón wusste was für eine wankelmütige Hure Glück zu sein pflegte.

„Da haben wir es zuerst bemerkt.“

Wir, denn Tarón war ganz sicher nicht der einzige, der gesehen hatte, was mit dem Fass passiert war.

„Das Ding ist rein und kam wie um Jahre gealtert aus dem Nebel raus. Ich habe keine Erklärung warum und wie das möglich ist, fürchte ich – aber da ich zuerst sicher gehen wollte, wirklich gesehen zu haben, was ich dachte gesehen zu haben habe ich diesen frischen Tajlenblock für ein Experiment genutzt.“

Erneut verschärfte sich sein Griff um das Ding. Unter seinen Fingern brachen Stückchen des Holzes ab und rieselten zu Boden.

„Es hat sich bestätigt wie du siehst – was auch immer…und WIE auch immer. Aber auch der Tajlenblock sieht aus, als wäre er Jahre im Wasser gewesen.“

Sein Blick wandte sich zu Trevor

„Zumindest ist seine Hand noch ganz…“

Das beruhigte Tarón allerdings nur ein wenig. Selbst wenn der Nebel lebendiges Fleisch – mit totem hatten sie es ja noch nicht getestet – unbehelligt ließ würden sie dennoch sinken, sollte die Sphinx in dem gespenstischen Weiß binnen Sekunden verroten.

Und dass, wo sie grade erst wieder flott gemacht wurde…


Auch wenn das eine gewisse Ironie gehabt hätte war Tarón nicht nach Lachen zumute.

Isalas Ruf von oben ließ ihn kurz den Kopf heben und seine Augen verengten sich angesichts der Nachricht zu Schlitzen. "Dort wartet nur der Tod"...vielleicht sollte er Trevor tatsächlich für seinen Leichtsinn danken. Wie es schien rettete ihnen das gerade allen den Hintern.
 Sein Blick wanderte erneut auf Ceallagh – seine letzte Hoffnung auf eine Erklärung für das Ganze.




[Im Pulk an der Reling| erklärt was er weiß]


RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Soula Veniel - 14.01.2021

Dass sie sich ein Beispiel an Alex nahm, war nicht einfach nur so dahergeredet, sie tat es tatsächlich und seine Reaktion darauf war ziemlich interessant. Während er sie musterte, hielt sie seinem Blick stand und war bei seinem leisen Lachen nicht ganz sicher, ob er sie nun nicht doch ein wenig auslachte. Sie legte den Kopf etwas schief und grinste dann, als sie seinen aussagekräftigen Gesichtsausdruck sah. Das war tatsächlich Antwort genug und sie widmeten sich wieder dem interessanteren Thema. Soula wollte wissen, worauf sie sich einließ.

Kurz hielt sie inne - als wir sie das letzte Mal gesehen haben - bisher hatte Soula gedacht, dass es sich nur um eine Geschichte handelte, doch Alex meinte gerade, dass er diese Wesen schon wirklich gesehen hatte. Also doch keine Legende. Noch toller.  Aufmerksam hörte sie weiter zu, ohne Alex zu unterbrechen. Noch bevor er von Pech sprach, schwirrte diese Vermutung schon in ihrem Kopf herum. Mehr als das Glück, das er ebenfalls erwähnt hatte. Ein Vollblutoptimist würde aus ihr wohl nie mehr werden. Das reichte vielleicht auch fürs Erste an Informationen, denn sie wollte sich definitiv auch ein eigenes Bild machen.

Was sie aber dann doch noch interessierte, war es, warum er solch eine Vorfreude ausstrahlte. Worauf freute er sich denn? Darauf, dass sie eventuell im Laufe des Tages vielleicht wahrscheinlich drauf gehen würden? Noch ziemlich unverständlich für die junge Frau, die in ihrem Leben noch nicht besonders viele Abenteuer erlebt hatte. Klar, man konnte auch jeder Zeit durch irgendwelche sonstigen Dinge sein Leben verlieren, aber irgendwie hatte sie das Gefühl, dass das Risiko aktuell ziemlich erhöht wurde. Eine Antwort, die ihr direkt klarmachte, was in Alex vorging, bekam sie nicht. Seine Worte brachten sie aber zum Nachdenken. Er fürchtete sich nicht, war eher gut gelaunt, etwas aufgeregt und hatte Vorfreude, fasste sie für sich in Gedanken zusammen. So, als würde er aus der Situation einfach das Beste für sich rausholen wollen. Soula lächelte, ihr gefiel diese Einstellung, auch wenn sie die nicht direkt so teilen konnte.

Sie grinste verschmitzt, hielt eine Antwort aber nicht mehr für nötig.


An Deck versuchte sie sich erst mal einen Überblick zu verschaffen. Dieser Nebel schien auch ein wichtiges Thema zu sein, denn er verhielt sich seltsam. Sie machte noch ein paar Schritte in die Richtung der Nebelwand, doch sie waren bereits zu weit weg. Sie würde interessieren, welche Konsistenz er hatte, roch er irgendwie seltsam? Welche Eigenschaften hatte er genau? Sie war zu spät an Deck gekommen, um zu hören, dass der alte Tajlenblock, den Tarón  in der Hand hatte, etwas mit dem Nebel zu tun hatte. Die Ansage von Isala, dass im Nebel nur der Tod wartete, bekam außerdem ihre Aufmerksamkeit. Wie gut, dass sie sich gerade von ihm fernhielten. Ihre Gedanken lagen damit auch wieder bei dem anderen Schiff, immerhin hatte es sich direkt in den Nebel geworfen, wenn von ihm so eine Gefahr ausging, würde das doch niemand machen, oder? Sie waren näher an der Nebelwand dran gewesen, die Mannschaft hätte doch auch was bemerken müssen, es sei denn sie hatten irgendeinen Schutz oder ähnliches. Ihr Blick wanderte nochmal zu der Stelle, an der sie vermutete, dass das Schiff dort in der Nebelsuppe verschwunden war. Fragen über Fragen, die sie vorerst für sich behielt, weil sie eher vermutete, dass es irrelevante Aussagen waren, die man gerade nicht gebrauchen konnte. Ihre Stirn lag in Falten und man konnte regelrecht dabei zusehen, wie ihr Gehirn versuchte eins und eins zusammenzuzählen, es aber partout nicht zwei ergeben wollte.

[Kanonenraum - Hauptdeck | Alex | nahe der Gruppe]