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Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Druckversion

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RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Soula Veniel - 03.01.2021

Soula hatte nicht vor sich auf diesem Schiff irgendwelche Feinde zu machen. Im Gegenteil, sie liebte Harmonie und so lange man sich bemühte, gab es doch keinen Grund jemandem keine Chance zu geben, oder? Mit Sicherheit würde Soula keine eifrige Dame bleiben, die alles tat, was man ihr sagte. Zumindest nicht in der Hinsicht, in der es sich so anfühlte, als würde man sie ausnutzen. Dementsprechend war das auch immer Situationsabhängig. Aktuell war also alles in bester Ordnung und vermutlich würde sie in der nächsten Zeit auch weiterhin die Arbeiten erledigen, die man ihr auftrug, immerhin wusste sie es nicht besser und wollte lernen. Skadi und Alex ermöglichten ihr auch genau das und dafür war sie wirklich dankbar. Sie hoffte nur, dass sie den beiden mit ihrem Unwissen nicht zu sehr zur Last fiel, das war gerade wohl eines ihrer größten Probleme. Bevor sie groß darüber nachdachte, analysierte sie lieber die Situation.

Bei Skadis Schuss hatte sich Soula noch recht weit weg aufgehalten und konnte nicht wirklich sehen, wo die Kanonenkugel das Wasser erreichte. Viel zu groß war der Respekt vor der Kanone. Nachdem sie mit der Reinigung fertig war, sollte schon der zweite Schuss folgen. Aufmerksam sah sie dabei zu, wie die Kanone ausgerichtet wurde, um sich die Abläufe einzuprägen. Dann wandte sich Alex ihr zu, um ihr zu zeigen, welche Auswirkungen die Ausrichtung der Kanone hatte. Sie glaubte zwar nicht daran, dass sie jemals in der Lage sein würde so eine Waffe zu bedienen, aber sicher war es nicht schlecht zu wissen, wie sie funktionierte. Ihr Blick folgte Alex Hand und ihrer Bewegung, sie verstand, worauf er hinaus wollte. Soula nickte auf Alex Worte, erwiderte aber nichts darauf, denn sie wollte ihn nicht länger einnehmen, als nötig war. Dass es gerade schnell gehen musste, war aus seiner Stimmlage herauszuhören.

Beim zweiten Schuss wusste Soula schon besser, wie die Kanone lebte und konnte besser darauf reagieren. Auch der neugierige Blick, hinaus, der Kugel folgend, war nun nicht mehr das Problem. Sie hob den Stoff ihres Armes vor Mund und Nase, um, während sie dabei zusah, wie die Kanonenkugel ihr Ziel erreichte. Noch hatte keiner der beiden direkt auf das Schiff gezielt. Es galt zuerst zu schauen, ob sie sich freiwillig ergaben. Soula machte sich daran das Rohr erneut zu säubern. Vielleicht, um diesmal einen direkten Schuss abzufeuern. Dann hörte sie die ungläubigen Worte von Skadi, ehe sie sich wieder der Luke zuwandte. Es sah nicht danach aus, als würde das fremde Schiff aufgeben wollen, denn nur einige Momente später steuerte das Schiff direkt in den Nebel hinein und verschwand.

Nebel konnte alles und jeden einfach verschlucken und so tun, als hätte es nie existiert. Hoffentlich war der Captain dieser Crew nicht komplett von Sinnen und wenn er es doch war, dann konnte Soula dagegen jetzt sicher auch nichts mehr machen. Skadi gab noch einige Anweisungen, bevor sie an Deck verschwand.

„Wo will sie denn hinschießen? Man sieht doch kaum noch etwas“, gab Soula zu bedenken, kam den Anweisungen aber trotzdem nach. Man wusste schließlich nie. „Ich habe ja keine Ahnung, aber Nebel ist ziemlich gefährlich, nicht nur für die.“ Soula war… etwas beunruhigt und traute den beiden Captains irgendwie gerade alles zu. Als sie ein klagender Schrei für einige Sekunden ihre Arbeit unterbrechen ließ, lief ihr ein eiskalter Schauer über den Rücken und verpasste ihr eine Gänsehaut. Was zur Hölle war das denn nun gewesen? Viel zu laut für den Ruf eines Tieres und so… unheilvoll. Dieser Nebel verhieß definitiv nichts Gutes.

[unter Deck an der Vorderkanone | Skadi & Alex]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Trevor Scovell - 04.01.2021

„Hm?“

Zuerst reagierte Trevor kaum auf Josiahs Ruf. Er konnte den Blick nicht von dem Schiff vor ihnen losreißen. Die winzigen Männchen darauf rannten aufgeregt hin und her, wuselten über das Deck und die Wanten hinauf und hinunter, aber es war unmöglich zu erraten, was sie planten. Tja. Dann eben die Überraschung!
Als er sich schließlich umwandte, hatte sich bereits eine kleine Menschentraube um Josiah gebildet. Sofort war das fremde Schiff vergessen.

„Was ist los?“

Trevor drängelte sich zwischen Rúnar und James an die Reling.

„Ist das mein –?!“

Entweder war sein Fass im Nebel verschwunden und ein weiteres, deutlich älteres und mitgenommeneres an seiner Stelle daraus aufgetaucht, oder aber der Nebel hatte Trevors Fass auf magische Weise innerhalb von Sekunden verrosten lassen. Trevor entschied sich ohne lange zu überlegen für die logischere Option.

„Mein Fass! Was hab ich euch gesagt?“

Er fuchtelte aufgeregt mit den Händen.

„Wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse! Wir brauchen –“

Gerade noch rechtzeitig zog er den Kopf ein, um Taróns Wurfgeschoss zu entgehen. Was war das, ein Taljenblock?

„Genau das war mein Plan!“, erklärte er inbrünstig und verschwieg, dass seine Überlegungen nicht unbedingt vorgesehen hatten, ein Tau an den Taljenblock zu knoten. Er hätte einfach aufs Geratewohl den Nebel mit Dingen beworfen. Aber so war es natürlich viel besser!
Gespannt beugte er sich über die Reling und beobachtete, wie Tarón nach einigen Herzschlägen versuchte, dem Nebel das Eisenstück wieder zu entreißen. Widerwillig wanden sich die Nebelarme um ihre Beute, ließen sie erst im letzten Moment wieder ziehen. Das Weiß war jetzt so dicht, dass Trevor nur noch die Hand hätte ausstrecken müssen, aber er scherte sich nicht darum. Der Taljenblock in Taróns Händen war von einer rostbraunen Schicht überzogen.

„Heilige Göttin“, murmelte Trevor.

Das Strahlen in seinen Augen verriet, dass es nicht als Hilferuf gemeint war. Ohne zu zögern streckte er die Finger aus und rieb über den Rost. Dann glitt seine Hand weiter zu dem Tau, an dem das Salzwasser ebenfalls schneller als gewöhnlich seine Spuren hinterlassen hatte.

„Da hast du dein Riechsalz“, grinste er und hielt Rúnar die roten Finger unter die Nase. Zwar kein echtes, aber sein Freund sah aus, als könnte er gerade jedes bisschen gebrauchen. Und bald hatten sie vermutlich mehr als genug!

„Mann, was der Nebel mit einem ganzen Schiff anstellen könnte, wenn es länger drin ist! Wir haben so viele Nägel und Töpfe und Waffen und Kanonen und ...“

Letztere fielen ihm ein, weil in diesem Moment der zweite Kanonenschuss ertönte. Aber Trevor war viel zu aufgeregt damit beschäftigt, sämtliche potenziell rostbaren Gegenstände in seiner Umgebung aufzuzählen, um sich weiter damit zu beschäftigen.

„Hey, meint ihr, wir können auch rosten? Ich mein, man sagt doch ‚Wer rastet, der rostet‘, stimmt das?“

Er war inzwischen bei seinen eigenen Händen angekommen.

„Warum weiß ich das eigentlich nicht?“

Der Kampf gegen das Salzwasser war bei einem Leben auf See alltäglich, aber verglichen mit dem, was der Nebel in ein paar Sekunden angerichtet hatte, doch eher gemächlicher Natur. Und Dinge konnten ja nicht nur rosten, sondern auch verfaulen oder verrotten oder mit Glibberpilzen überzogen werden oder oder oder –!

Luciens Stimme verriet ihm, dass er seine Antworten vermutlich sehr bald bekommen würde. Das andere Schiff steuerte in den Nebel! Trevor stürzte gerade noch rechtzeitig an die Reling, um zu sehen, wie sich die Nebelschwaden wieder glätten. Von dem fremden Schiff war nichts mehr zu sehen. Schon war er drauf und dran, Luciens Befehl Folge zu leisten, als dessen Bedeutung ganz zu ihm durchdrang. Segelfläche reduzieren? Langsamer werden? Pah! Es gab wichtigere Dinge herauszufinden! Außerdem hatte sich Lucien ja wohl ganz explizit an Tarón gerichtet, nicht wahr? Er versicherte sich kurz, dass der Captain auf dem Weg zu ihnen stehengeblieben war und sich stattdessen mit Ceall unterhielt. Mit einem Satz war Trevor auf der Reling, verschränkte den linken Arm in den Wanten, lehnte sich vor und streckte den rechten über Bord. Der markerschütternde Schrei eines Vogel erklang, aber da war Trevors Hand bereits im Nebel verschwunden.

[bei Josiah, Tarón, James, Rúnar und Isala an der Reling | später auf der Reling, den rechten Arm im Nebel]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - James Killigan - 04.01.2021

Als Greo neben ihm etwas davon murmelte dass er im besten Falle am Leben bleiben sollte, schnaufte James nur. Das war doch mal ein hilfreicher Hinweis, auf die Idee wäre er alleine sicherlich niemals gekommen. Das Ziel war eigentlich klar definiert: ohne große Blessuren diesen heutigen Tag überstehen, nicht in die Fänge von der Gegenseite kommen und eben..ja, überleben. Aber darüber, wie man eben jenes Ziel erreichen sollte, darüber war sich James mehr als unklar. Das Fechttraining mit Soula und Skadi war eben nicht allumfassend und ob ihn das wirklich auf die Realität vorbereitet hatte? James wusste es nicht. 
Lange Zeit hatte er aber auch nicht um darüber nachzudenken, sein Blick folgte stattdessen den Andeutungen von Josiah, um zu erkennen was sich dort draußen wohl tat. Aber entweder brauchte man dazu einen geschulten Seemannsblick oder es gab nichts zu erkennen, James erkannte jedenfalls zunächst..rein gar nichts. Damit war er aber scheinbar alleine, denn es dauerte nicht lange bis sich Trevor zwischen ihn und Rúnar drängelte. „Hey!“
machte er den kleinen Flummi darauf aufmerksam, dass er durch sein Geschiebe anderen die Sicht nahm. Dass er dabei Gehör finden würde, war allerdings unwahrscheinlich. Der frischgebackene Pirat sollte recht behalten, denn was folgte waren viele…viele aufgeregte Worte von Trevor, die irgendwas von wissenschaftlichen Erkenntnissen faselten und James dazu brachte, sich entnervt die Schläfen zu reiben. Als Tarón den Tarjenblock über Board warf und dabei beinahe Trevor getroffen hatte, konnte er sich ein

“Schade, du hättest beinahe für etwas Ruhe gesorgt.“

in Taróns Richtung nicht verkneifen. Aber Trevor blieb unversehrt und sein Mundwerk stand auch die folgenden Minuten niemals still. 
Trotz dessen dass James mehr als genervt von Trevor war, blieb er wie angewurzelt an der Reling stehen, um die Geschehnisse selbst beobachten zu können. Und als auch der Tarjenblock vollkommen verrostet wieder an Board gezogen wurde, verstärkte sich sein mulmiges Gefühl nur noch. Was, bei allen Welten, spielte sich hier ab? Wieso veränderte alles, was der Nebel in seine Fänge bekam, seinen Zustand? Und wieso, in Gottes Namen, fand Trevor das scheinbar so spannend, dass er am liebsten selbst in die Nebelschwaden springen wollte? Im Anbetracht der Tatsache, dass sie keine Erklärung für die Geschehnisse hatten, war das wahnsinnig dumm. Deshalb wusste sich James auch nicht anders zu helfen, als den lebensmüden Trevor am Hosenbund zurück zu ziehen, als dieser sich wagemutig immer weiter nach vorne in den Nebel beugte.

“Bist du jetzt völlig durchgedreht? Sieh zu dass du da runter kommst!!“ 

denn wenn der Nebel wirklich dafür sorgen würde dass Menschen rosten..oder faulen würden, dann wollte James das nicht sehen. Auch nicht, wenn es dabei um Trevor ging der vor sich hin modern würde. 



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Liam Casey - 05.01.2021

Elian wurde mit jedem Schuss, der die Sphinx zum Beben brachte, blasser, obwohl sich Rayon hingebungsvoll darum bemühte, ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Liams Züge erhellte ein blasses Lächeln, ehe er einen Blick mit Gregory tauschte, der ähnlich angespannt wirkte wie er selbst. Die flaue Leere in seiner Magengegend hatte sich noch immer nicht gelegt. Er hatte kein gutes Gefühl bei der Sache, konnte aber nicht sagen, ob es am Vorhaben an sich oder den Umständen lag. Aber das Einzige, was er tun konnte, war abwarten. Gemeinsam mit den anderen. Kurz, nachdem die zweite Kanonenkugel den hölzernen Rumpf verlassen hatte, tauchte Skadi auf und verschwand eilig nach oben. Seine Stirn legte sich kurz in Falten und die böse Vorahnung drückte ihm unangenehm auf die Eingeweide. Die Gruppe tauschte einen schweigenden Blick aus, ehe Liam sich erhob und versicherte, nachsehen zu gehen.

Irgendetwas lief nicht so wie geplant. Auf halber Treppe sah er bereits Skadi im Türrahmen stehen, dahinter erkannte er mit jedem Schritt, den er näher kam, Talin und Ceallagh, der sich gerade abwandte, um Lucien zu folgen, auf dessen Gesicht er nur einen kurzen Blick erhaschen konnte. Konzentriert, nachdenklich, selbstsicher. Hinter ihm erkannte er die anderen an der Reling, achtete aber nicht weiter auf sie.

„Was ist -“, begann er, sparte sich das los allerdings.

Das Händlerschiff vor ihnen war verschwunden. Wohin erklärte sich von selbst. Wie gestaltlose Arme streckten sich die Nebelschwaden in ihre Richtung und verrieten, wo das Händlerschiff wohl wenige Sekunden zuvor verschwunden sein musste. Und jetzt war die Frage: würden sie ihm folgen oder nicht. Luciens Gesichtsausdruck hatte ihm die Antwort darauf bereits verraten. Im nächsten Moment zuckte der Lockenkopf zusammen, als sich ein weiterer Teilnehmer dieser Jagd offenbarte. Seine Lippen formten stille Worte, die zwischen Fluch und Erstaunen alles heißen konnten, während er unter Skadis Arm hindurch nach draußen trat und versuchte, die Gestalt in der Ferne zu erblicken. So nah, wie es jetzt klang, hatte er es bislang nicht an sie herangeschafft. Das letzte Mal, als sie in diesen Gefilden unterwegs gewesen waren, waren es bloße Schatten in der Ferne gewesen – zu ihrem Glück, wie die Mannschaft, mit der sie damals unterwegs gewesen waren, desöfteren betont hatten. Der Schrecken der Seemänner, der irgendwo in dieser Nebelsuppe lauern musste. Und dass sie sie noch nicht entdeckt hatten, war ein derart optimistischer Gedanke, dass sich selbst Liam ihm nicht mehr hingeben konnte.

„Wir sind nicht mehr die einzigen Jäger in diesem Spiel.“, wandte er sich an die übrigen, als er sich endlich vom Versuch losreißen konnte, irgendetwas in diesem Nebel zu erkennen.

Obwohl er wusste, dass das definitiv keine gute Nachricht war, konnte er nicht leugnen, dass auch ihn endlich ein bisschen positive Aufregung erfasste. Sein Blick ruhte kurz auf Talin, wurde dann abgelenkt von James‘ Stimme und dem Anblick Trevors, der sich aus welchem Grund auch immer vom Schiff zu stürzen drohte. Doch Lucien und Ceallagh waren bereits auf dem Weg und Liams Gedanken kreisten zu sehr um die Kreatur im Nebel, als dass er sich anderweitig dafür interessiert hätte. Sein Blick fiel auf Skadi, seine Züge zeigten, dass er nachdachte.

„Mit Skadi und Alex haben wir zwei talentierte Jäger an Board.“, sagte er schließlich und blickte zu Talin. „Wenn wir außer Acht lassen, was gejagt wurde, vielleicht auch Zairym und Josiah. Wir sollten alles, was sich auch nur im Entferntesten mit bewegten Zielen auskennt, bereitstellen.“

Bislang hatte er noch keinen direkten Kontakt mit diesen Wesen gehabt. Die Seemänner hatten davon erzählt und hier und da hatte er etwas dazu gelesen. Dass man sie nicht unterschätzen sollte, war das Mindeste, was er aus diesen Informationen mitgenommen hatte. Sie waren wendig, scheuten den Angriff nicht und konnten einen Menschen mit Leichtigkeit tragen. Mit Kanonenkugeln waren sie vielleicht gegen die Händler gewappnet. Fliegende, derart wendige Ziele konnte vermutlich selbst der beste Schütze damit nicht ohne eine ordentliche Portion Glück treffen. Bei freier Sicht, verstand sich.

„Mit Kanonen schießt es sich ja bekanntlich eher schwer auf Spatzen.“, formulierte er nachdenklich, kaum dass er sich wieder herumgewandt hatte. Dann entdeckte er Isala im Krähennest und schluckte. „Isala sitzt da oben wie auf den Servierteller.“, drängte er Talin und wies nach oben, überließ ihr allerdings den Ausgang dieser Entscheidung.

{ Talin, Skadi, anfangs auch Ceallagh und Lucien | Hauptdeck }


RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Ceallagh Hayes - 05.01.2021

Der Nebel rückte näher. Streckte allmählich seine kleinen unsichtbaren Fühler nach ihnen aus. Und noch immer wusste niemand so wirklich, was vor sich ging. Was die andere Crew so leichtsinnig in den Nebel lenken ließ. Furcht? Ein Ausweg, den keiner von ihnen sah? Das Rumoren in seinem Magen wurde mit jeder verstreichenden Minute stärker. Als übersähe er etwas. Etwas von Bedeutung, dass ihnen entweder den Tod bringen oder ihre verdammten Ärsche retten konnte. Doch der Himmel über ihnen schwieg. Ebenso der undurchsichtige Schleier, der bald den Rumpf ihres Schiffes erreichte und ihm eine Gänsehaut über den Nacken schob. Noch nie hatte er so etwas hier vor Calbota gesehen. In den ganzen Jahren, in denen er auf dieser Welt wandelte. Und es zermürbte ihn, keine logische Erklärung dafür zu haben. Nicht einmal eine Legende, aus der sich irgendetwas spinnen ließ. Gerade wollte er Lucien antworten, als ein Geräusch die Luft zerschnitt. Ein Schrei. Mehr noch. Der Laut eines Vogels. Sie waren hier. Und sie brauchten mehr als nur gutes Können, um nicht als Schiffsbrüchige zu enden.

“Das ist Antwort genug für dich, oder?“

Das Lächeln war verschwunden. Klebte nicht mehr wie süßer Honig auf seinen Wangen, sondern machte der Abgeklärtheit eines Mannes Platz, der zu viele Jahre auf See gelebt hatte. Mit kitzelnder Abenteuerlust im Blut und der Gewissheit, dass die kommenden Minuten und Stunden ein Drahtseilakt werden würden.

“Jetzt wird es ernst.“

Ein Raunen durchfuhr seine Gestalt, ehe er sich zum Gehen herum wandte, um Lucien zu folgen. Wie aus einem Automatismus, den er sich angewöhnt hatte. Hier, in diesem Gebiet, war sein Wissen von Vorteil. Neben Lucien war er jetzt besser zu gebrauchen, als anderswo auf dem Schiff. Und allem voran: er behielt die Kontrolle. Über sich. Über das, was der Crew passierte, wenn überlegte Entscheidungen getroffen wurden. Doch kaum ragte Tárons Gestalt eine Armlänge vor ihm auf, war es James Geschrei, das ihn innehalten ließ.
Augenblicklich wandten sich die grünblauen Augen herum. Versuchten die Geschehnisse zu einem sinnvollen Bild zu vervollständigen. Trevor hing für eine Sekunde in den Wanten. Am anderen Ende des schlacksigen Körpers stand James, die Hand an dessen Hosenbund und mit wütendem, nein, entsetztem Gesichtsausdruck. Der Luftikus hatte wohl versucht seine Hand in den Nebel zu halten. Verrückte, brillanter Narr.

“HEY!“

Ceallagh löste sich aus seiner Starre und überwand die letzten Meter zu den beiden hinüber mit ausladenden Schritten. Lucien war in seinem Rücken für eine Sekunde vergessen. Die Neugierde zu groß, wie Trevors Körper aussah. Dem Tumult um Táron konnte er nur vermuten, dass die diesige Wand seltsame Dinge anstellte. Dinge, die dafür sorgten, dass sich gut die Hälfte der Mannschaft  um den Seebären scharrte. Schaulustig. Erschrocken.
Trevor stolperte. Unter dem Ruck und der Zugkraft, die ihn zurück beförderte. An James vorbei, direkt gegen Ceallagh, der James mit einem skeptischen Blick bedachte.

“Willst du selbst deine Hand da rein halten?“

Er konnte sich nicht daran erinnern, dass irgendjemand bereits etwas Sinnvolles auf diesem Schiff getan hatte, das der Lösung um dieses seltsame Phänomen näher kam, als Trevors Leichtsinn. Genau aus diesem Grund schätzte er Menschen wie ihn – ganz gleich in wie viele Probleme der Kindskopf sie auch verwickelte.

“Dachte ich’s mir.“

Das kurze Schweigen war ihm Antwort genug. Die Zeit ohnehin zu knapp, um sich mit derlei Dingen aufzuhalten. Stattdessen umfasste er Trevor bei den Schultern und trat einen Schritt zurück, um auf seine Hand zu sehen. Dem ersten Hinweis darauf, ob die Crew des anderen Schiffes bereits tot, am zersetzen oder kerngesund war.

“Alles klar Kumpel?“

[erst bei Lucien, Talin und Skadi | am Ende bei James und Trevor]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Skadi Nordskov - 05.01.2021

Etwas ziemlich Wichtiges. Nur für einen Sekundenbruchteil fragte sie sich, was das wohl sein konnte. Geheimnisse? Gold? Edelsteine? Ein Mensch höchsten Ranges? Letzteres erschien ihr so unwahrscheinlich, dass es beinahe an Reiz gewann.

“Scheint wohl nichts Gutes zu sein?“, entgegneten die vollen Lippen mit einem Seitenblick auf die Traube um Táron, die irgendetwas aus dem Wasser gefischt haben musste. Viel erkennen konnte sie von ihrer Position aus nicht. Nur Trevor, der geradewegs auf die Reling kletterte und James, der lautstark hinterher hechtete. Doch selbst das war einen Herzschlag später so unbedeutend wie jeder Kanonenschuss aus dem Bauch des Schiffes zuvor. Ein Schrei zerriss die Luft und gefror ihre Muskeln zu Eis. Mit geweiteten Augen hob Skadi den Blick gen Himmel. Umkreiste die Ränder der Nebelwand weit oben und schluckte. Das klang nicht nach einem Tier, dessen Gewalt und Kraft sie mit einem Bogen Herr werden konnte. Diese Ausmaße klangen einer Legende gleich gigantisch – und ebenso gefährlich.

“Wenn wir es jemals waren.“

Liams Worte hatten sie schlagartig zurück aufs Schiff geholt. Ihren Körper vor Schreck sogar ein paar Millimeter zur Seite verschoben. Und doch begann ihr Kopf bereits wie in einem Fieberwahn nach Möglichkeiten zu suchen. Nach irgendeiner Falle, die das Tier, was auch immer es war, lang genug von ihnen fern halten konnte. Ruckartig huschten die dunklen Augen auf Talin zurück, darauf hoffend, dass sie eine Entscheidung aussprach. Oder Lucien, der bereits in ihrem Blickwinkel zu Táron verschwand, mit Ceallagh im Schlepptau, der den zurück stolpernden Trevor an den Schultern packte. Bis Liam sie auf eine Idee brachte. Und den Blick der Jägerin auf das Krähennest richtete.

“Ich kümmer mich drum.“

Nur langsam wandte sich der dunkle Schopf zu Talin herum, fixierte sie für einen Augenblick nachdenklich, ehe sie ihr die Hand auf die Schulter legte.

“Wenn wir in den Nebel fahren, sollten wir vielleicht ein paar nasse Stofffetzen als Masken benutzen. Für den Fall, dass das, was auch immer dort ist, nicht gut für unsere Lungen ist.“

Dann verschwand die Nordskov voraus über die Planken. Blendete jegliche Rufe in ihrem Rücken aus und zog sich im Eiltempo die Stufen am Mast hinauf in die Höhe. Nicht, um Isala herunter zu holen. Sondern um Zeuge dessen zu werden, was auf sie zukam.  

[bei Talin und Liam | dann oben im Krähennest bei Isala]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Alex Mason - 05.01.2021

Dass das hier nicht die besten Bedingungen waren, um zu lernen, war Alex durchaus bewusst – andererseits gab es nichts, was einen mehr dazu drängte als die knallharte Realität. Wie viel Soula am Ende wirklich aus diesen flüchtigen Augenblicken mitnehmen würde, die sich ihr boten, würde sich zeigen, wenn sich die Gelegenheit bot, die Dinge irgendwann in Ruhe durchzugehen. Nicht nur bei ihr hatte er Zweifel daran, dass sie jemals zuvor eine Kanone aus der Nähe gesehen hatte. Ihre anfängliche Vorsicht war Beweis genug, rettete sie dabei allerdings vielleicht vor schwerwiegenden Verletzungen und bewahrte Skadi und ihn davor, sie ständig aus dem Weg schieben zu müssen. Nach dem zweiten Schuss machte sich das junge Mädchen direkt daran, ihre Aufgabe zu erledigen, ohne dass man sie darauf hinweisen musste. Alex spähte konzentriert an ihr und dem kurzen Schopf Skadis vorbei und wartete auf irgendeine Reaktion. Und er hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit. Als das Händlerschiff vor ihnen mit einem Ruck die Richtung wechselte, stürzte auch er weiter nach vorne, verzichtete aber darauf, seinen Kopf ebenfalls noch durch die Luke zu zwängen. Somit entging er einer unangenehmen Kopfnuss der Dunkelhaarigen, wich elegant zur Seite aus und sah der schmalen Gestalt nach, die sie mit Anweisungen alleine zurückließ. Alex lauschte nur halbherzig, wandte Skadi stattdessen den Rücken zu und beobachtete seinerseits nun, wie der Nebel zu ihrer Rechten ihre Beute verschluckte. Oben auf dem Deck waren Schritte zu hören. Alex‘ Stirn legte sich nachdenklich in Falten.

Erst, als die Nebelwand sich neben ihnen wieder geglättet hatte, wandte er den Blick ab und musterte Soula, die mit der Reinigung der Kanone fertig war und sich eifrig dran machte, das zu erledigen, was Skadi ihnen aufgetragen hatte. Statt ihr zur Hilfe zu eilen, verharrte er noch einen Moment und starrte nachdenklich durch sie hindurch. Dieses Schiff hatte einen Plan. Und es missfiel ihm, ihn nicht zu durchschauen. Da war mehr als die blinde Hoffnung, im Nebel Schutz zu finden. Sonst hätten sie sich nicht der Gefahr ausgesetzt, von zwei Schüssen getroffen zu werden. Der Lockenschopf brummte, teils als Antwort auf Soulas Frage, teils, weil er die Ruhe einforderte, die er zum Nachdenken brauchte. Dann setzte er sich langsam in Bewegung, um die zweite Kanone mit Soulas Hilfe auf Position zu bringen. Ein schriller, markerschütternder Schrei unterbrach sie allerdings, der Alex irritiert aufsehen ließ. Ein paar Herzschläge lang herrschte Stille, dann verzerrte sich das Gesicht des Dunkelhaarigen zu einer verstehenden Grimasse und dem Hauch eines Grinsens

„Diese vermaledeiten…“

Raffiniert waren sie, das musste man ihnen lassen. Mit einem Mal machte es auch Sinn, dass sie nach dem ersten Schuss nicht reagiert hatten. Sie hatten die zweite Kugel provozieren wollen. Um sicher zu gehen. Er hatte Ceallagh von etwas in der Art reden hören, ihm aber wiedermal nicht zugehört. Er hatte diese Biester völlig ausgeblendet gehabt. Bis jetzt. Und sie brachten ihre Chancen auf Erfolg rapide zum Sinken. Ab jetzt waren Fehler unverzeihlich.

„Die Kanonen werden uns gleich nicht mehr allzu viel helfen.“

Auch ihm hörte man die Anspannung an. Doch seine Abenteuerlust ließ ihn ihr etwas Positives abgewinnen. Er musterte das beunruhigte Gesicht der Jüngeren und entschied, ihr vorerst zu verschweigen, dass sie jetzt ziemlich in der Scheiße saßen. Kalkulierbares Risiko. Und sie hatten verloren.

„Gegen das, was da auf uns lauert -“ Alex wies mit einem Schmunzeln nach oben, während seine Augen den Blick Soulas auffingen. „war das gerade eine Kaffeefahrt. ‘Ne ziemlich gemütliche sogar. Und der Nebel ist vielleicht das einzige, was uns irgendeine Chance einräumt. Genau wie denen.“

Mit einem Nicken wies er zur Luke, durch die sie gerade noch das Händlerschiff beschossen hatten, ehe er sich wieder dran machte, die nächste Kanone zurechtzuziehen und in ihrer Vorrichtung zu befestigen.

„Ich hoff‘, du hast noch ‘ne ordentliche Portion Glück über in deinem jungen Leben.“


{ Soula | Kanonendeck }



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Tarón Valur - 05.01.2021

Taróns Blick ruhte finster auf dem Tajlenblock in seinen Händen. Er konnte nicht einmal sagen, dass ihn das Ergebnis seines kleinen Experimentes überraschte. Aber es schockierte ihn.
Anders wohl als Trevor, der unter heiterem Plaudern nach dem Ding griffelte. Tarón hielt ihn nicht auf, auch wenn er das Gerät nicht losließ. Er ignorierte ihn weitgehend, genauso wie James, der seine unernste Hoffnungen äußerte, der Wurf hätte Trevor gegolten.

Trevors Worte jedoch sickerten in seine Ohren – und verschmolzen dort mit seinen eigenen Überlegungen.
Natürlich hatte auch er fantastische Geschichten gehört – Massen davon. Aber sie alle hatten sich im Laufe der Zeit als das Seemansgarn entpuppt, das sie immer gewesen waren. Die verrostete Gerätschaft in seinen Händen jedoch machte das Mysterium des Nebels zu etwas, das sich nicht mit Fantasterei erklären ließ.

Zu sehr war er damit beschäftigt die Optionen durchzugehen, die dies bedeutete, dass er Luciens Befehl wirklich wahrgenommen hätte – etwas völlig untypisches für ihn, der normalerweise sehr schnell auf die eine oder andere Art reagierte. Statt also das übliche „Aye“ erschallen zu lassen und sich auf seinen Posten zu begeben verharrte er über dem Klotz aus Metall und Holz und ließ die Hand mit einem leichten Kopfschütteln an dem verrotteten Seil entlangfahren.
Sein Blick hob sich etwas. Das andere Schiff war bereits in den Nebel getaucht – mit allen Konsequenzen, die das hatte. Eine davon war in Form eines Schreies deutlich zu vernehmen. Die andere mochte weit Schlimmer sein- und Trevor versuchte dies wohl am eigenen Leib herauszufinden.
In Taróns Magen ballte sich ein Eisklumpen zusammen.

James war schneller, als er selbst und nur aus diesem Grund hatte er Trevor nicht selbst zurückgezogen. Vielleicht Glück für den Clown, denn Tarón wäre wohl noch eine Spur ruppiger mit ihm umgegangen.
So aber fiel Trevor gegen Ceallagh, dessen Interesse an der Hand des Kaspers deutlich hervor trat. Zumindest hatte er damit die Situation wohl bereits erfasst.
Mit Ceallagh näherte sich auch der Käptn.

„Lucien, wir haben ein ernsthaftes Problem.“

Auch wenn er äußerlich wie immer sehr gefasst wirkte, konnte er das leichte Beben in seiner Stimme nicht ganz vertreiben.

„Egal was mit dem anderen Schiff ist – wir müssen aus dem Nebel raus bleiben, sonst fault uns die Sphinx unter den Ärschen weg…wenn nicht sogar wir selbst.“

Er hob den Tajlenblock

„Zehn Sekunden – völlig verrostet und verwittert. Was auch immer das ist…“

Sein Fingerzeig fuhr zum Nebel

„Es ist kein normaler Nebel! Ich persönlich habe noch nie von so einem Phänomen gehört geschweige denn sowas gesehen… Aber zumindest scheinen Ceallaghs Vögel wie erwartet hier zu sein…“

Nun folgte der Blick dem Fingerzeig und Tarón ließ die Hand sinken, während seine Falkenaugen in dem dicken Dunst die schemenhaften Bewegungen verfolgten ehe sie sich auf El Sympatico wandten

„Sagt dir das irgendwas? Ansonsten würde ich vorschlagen wir vergessen das andere Schiff vorerst und halten uns so gut es geht fern von diesem Nebel!“

Wenn es dafür nicht schon zu spät ist…

Er hatte zu viel Zeit damit verschwendet in seine Gedanken abzutauchen, stellte er zornig fest. So viel, dass es gereicht hatte die kompletten Positionen der Schiffsbesatzung zu wechseln. Isa und nun sogar Skadi oben im Krähennest…Ceall und Lucien hier vorne bei ihnen. Seine Kiefermuskeln spannten sich ebenso, wie der Griff um den verfluchten Tajlenblock. Unter seinen Fingerspitzen spürte er das morschen Nachgeben des Holzes.

Du wirst langsam…

Vielleicht hatte er seinen Zenit tatsächlich überschritten, wenn er nicht einmal schnell genug reagiert hatte, um Trevor von diesem hirnrissigen Manöver abzuhalten. Oder dafür Shanny zur Kursänderung zu bewegen, bevor sie auch den nicht mehr herumreißen konnten…
Sein einziger Trost war, dass er zumindest von Anfang an vorgeschlagen hatte sich außerhalb des Nebels zu halten so lange es ging...

Ein anderes Problem jedoch war die Abenteuerlust und Jugend der Crew.

Auf Gedeih und Verderb...

Es war an den Käptains zu entscheiden was nun folgen würde. 


[Im Pulk an der Reling ]


RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Weltenwind - 06.01.2021

Ein Hauch von Tau ...
Gerade dort, wo Trevor die Hand in den Nebel streckte, schien der weiße Dunst besonders kompakt zu sein. Doch seine Fingerspitzen trafen auf keinen Widerstand, glitten durch die winzig kleinen Wassertropfen, die den Schleier bildeten, ohne auf etwas ungewöhnliches zu stoßen. Erst einen Lidschlag später geriet die Masse in Bewegung, streckte sich, kletterte an seinem Arm hinauf und hinterließ, wie auch zuvor auf Greos und James Haut nicht mehr als den Hauch eines Kribbelns.
Eine feuchte Spur bildete sich auf den feinen Härchen, die Trevors Arm zierten. Dem Morgentau auf einer Wiese nicht unähnlich. Doch im Gegensatz zu dem Eisen an Fass und Taljenblock passierte dem jungen Piraten eigentlich... nichts.
Bis James ihn am Hosenbund packte und zurück aufs Deck zerrte. Über das kurze Kuddelmuddel, das daraufhin entstand, schob sich der Nebel beinahe unbemerkt hinter Trevor her. Lange, dunstige Fetzen lösten sich wie Finger aus der Masse und folgten ihm über die Reling des Schiffes hinweg, versuchten ihn zu erreichen. Ihn oder irgendeinen der anderen, die zu dicht an der Brüstung standen.




Spielleitung für alle an Deck



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Rúnar Rúnarsson - 06.01.2021

Der Schwindel war noch immer da und Rúnars Ohren rauschten ein wenig und seine Finger kribbelten ein wenig, aber er konnte das Grinsen nicht unterdrücken, als James sich nonchalant darüber ausließ, wie viel angenehmer es ohne Trevors Anwesenheit wäre. Dieser war mal wieder dabei laut zu denken und Rúnar zuckte zurück, als er ihm einen Finger ins Gesicht hielt. Die Frage nach dem Riechsalz war zwar ernst gewesen und für einen Moment hatte Rúnar geglaubt, er brauchte wirklich welches, aber seine Beine fühlten sich stabil an und sein Kopf war damit beschäftigt, seine Gedanken herumzuwirbeln. (Was Rúnar ausnahmsweise lieber war.)
 
Er packte sich Trevors Finger und sah ihn sich an. Rotbraune und durchsichtige Partikel klebten daran und Rúnar rieb ein paar davon ab, ließ Trevor wieder los, zögerte für einen Moment, aber tippte dann seine Zungenspitze gegen seinen Finger. Er versuchte den Geschmack zu erfassen wie ein Koch sein Gericht abschmecken würde und-- "Das schmeckt einfach wirklich nur nach Salz."

Doch keiner hatte ihn gehört, denn Trevor war wieder auf die Reling gesprungen um-- 

Was zum--? 

Um seinen Arm in den Nebel zu strecken? Nachdem das Fass und der Taljenblock--?! Aber Rúnar war hier nicht derjenige, der fragwürdige Entscheidungen anzweifeln sollte. Er war derjenige, der mit erhobenen Finger dastand, den er sich gerade in den Mund gesteckt hatte, ohne zu wissen, was dranklebte (und ohne zu wissen, wo Trevors Hand davor überall so unterwegs gewesen war).

James wetterte abermals über Trevor und zog diesen von der Reling runter und Trevor taumelte in den heranlaufenden Calleagh hinein--

Ein Schatten wie eine Regenwolke bedeckte alle Gesichter und ein Schrei wie der eines Raubvogels hallte über das Deck hinweg. Rúnar zuckte zusammen und eine reflexartige, ursprüngliche Angst machte sich in seinem Brustkorb breit und lief über seine Schultern -- eine, die da war, weil sie einst seine Ahnen vor lebensbedrohenden Dingen gewarnt hatte -- vor Raubtieren, Höhen, tiefen Gewässern. Eine Angst, die er jetzt nicht mehr haben musste -- weswegen sich seine Aufmerksamkeit auch nicht an den Schrei und an die Spekulierungen der Versammelten hängte, sondern noch immer an dem Nebel hing. Der Nebel. Der Nebel hatte sich wie ein Seidentuch an Trevor gehängt, als dieser von der Reling heruntergerissen worden war. Hatte sich von ihm ziehen lassen, wie Rauch, der an einer ausgeblasenen Kerze hing.

Rúnar zeigte auf Trevor. "Habt ihr -- wuah!" Er schüttelte seinen Arm. Der Nebel hing daran, wie das Gewand eines Geistes.

[ an Deck | direkt bei Trevor, James, Josiah und Greo | in der Nähe von Lucien, Tarón und Ceallagh ]