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Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Druckversion

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RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Trevor Scovell - 06.12.2020

„Es sind nur noch ein paar Zentimeter! Vielleicht, wenn ich mich hier so rüberbeuge, und irgendwer hält mich an den Füßen fest –?“

Trevor hing schon jetzt beinahe kopfüber von der Reling. Aber es fehlte noch immer mindestens eine halbe Mannslänge (er hatte das ein bisschen beschönigt, zugegeben), bis er mit dem Ende des weit ausgestreckten Wischmops das vorbeitreibende Fass erreichen konnte. Vor einer gefühlten Ewigkeit hatte die Mannschaft ihres Beuteschiffs es über Bord geworfen, warum auch immer, Ballast loswerden oder so was. So eine Chance konnte man sich nicht entgehen lassen! Trevors zu höchster Wichtigkeit auserkorenes Ziel war es, besagtes Fass in die Nebelbank zu schubsen. Wenn er nur ein paar Zentimeter näher herankam …

Immerhin tat ihm der Nebel den Gefallen und rückte näher. Das tat er jetzt schon eine ganze Weile, immer ein kleines Stückchen, wenn man gerade nicht hinsah – viel zu langsam für Trevors Geschmack. Alles war viel zu langsam! Wie lange jagten sie diesem Schiff jetzt schon hinterher? Es war ihm völlig unverständlich, wie die Neulinge beim Wort „Kampf“ das Gesicht verziehen konnten. Warterei! Ewige Warterei brachte einen in Lagen wie diese, halb über der Reling hängend, mit einem Wischmop in der Hand – er wusste, wovon er da redete. Er hatte wirklich alles getan: Das Schiff war inzwischen blitzblank, er hatte sogar das Steuerrad poliert, um Shannys eisern daran festhaltende Hände herum selbstverständlich. Anschließend hatte er die Putzsachen ordentlich(!) verstaut, sein Hemd angezogen und sofort wieder ausgezogen, es ausgewrungen und schließlich doch wieder übergestreift – hey, es war jetzt sogar sauberer als vorher, man konnte fast das Gelb durchschimmern sehen! In der Zwischenzeit war das erbsengroße Handelsschiff zu einem daumengroßen angewachsen und Trevor stöhnte theatralisch auf.
Er durchwühlte den Waffenhaufen (zwei Mal), fand aber keine Waffen, die ihm besser gefielen als seine eigenen. Apropos. Er brauchte nicht lange, um seine Waffen auf Vordermann zu bringen – die eine Sache, bei der er immer absolut ordentlich und gewissenhaft war, war ja klar, das ihm das mal zum Verhängnis werden würde! Er lud sogar seine Pistolen. Und das Handelsschiff war immer noch nicht viel größer geworden.
Er hörte sich Ceallaghs Vogelgeschichte und einen Teil von Rúnars Pferdegeschichte an, verlor die Geduld, sah nach, ob Greg in Ordnung war und versicherte ihm, dass er definitiv ihn retten würde und nicht so ein doofes Pferd, vorausgesetzt, die auf dem Handelsschiff hatten ein Pferd und er kam in die Bredouille, sich entscheiden zu müssen. Was er jetzt noch nicht sagen konnte, weil das Schiff noch nicht nahe genug war, um Pferde ausmachen zu können. Danach durchwühlte er den Waffenhaufen ein drittes Mal und fand den Wischmop. (Vielleicht hatte er die Putzsachen doch nicht so ordentlich weggeräumt.)

Und jetzt stand er hier mit den anderen zusammen an der Reling. Na ja, die anderen standen, er hing.

„Es ist für die Wissenschaft! Wenn das Fass im Nebel zerhackt wird, wissen wir, dass die Schatten Vögel sind. Wenn es zertrampelt wird, sind es Pferde, und wenn wir nur ein lautes PLOP und ein Gurgeln hören, ist es das zehnbeinige oder -armige oder -schwänzige oder -köpfige Ungeheuer, das es unter die Wasseroberfläche gezo–“

Talins Ruf unterbrach ihn abrupt. Sofort vergaß Trevor das Fass, sprang zurück auf seine Füße und das keinen Moment zu früh. Kanonendonner ließ die Sphinx erbeben, etwas, das ihn leicht über Bord hätte werfen können, so viel immerhin hatte er in vier Jahren Piratendasein gelernt. Er scherte sich nicht weiter darum, sondern rannte hinüber zum Bug, um einen besseren Blick auf das andere Schiff zu haben.
Falls sie Pferde an Bord hatten, verfrachteten sie nicht in die Rettungsboote. Sie hissten auch keine weiße Flagge. Trevor kniff die Augen zusammen. Genaugenommen sah es nicht so aus, als würde sie irgendetwas Besonderes tun. Nebelfetzen zogen über das Deck der Sphinx und vermischten sich mit dem Rauch der eben gezündeten Kanone. Trevor wedelte beides mit der Hand weg und drehte sich strahlend zu den anderen an Bord um.

„Sieht ganz so aus, als wird das nichts mit der ‚friedlichen Übernahme all ihrer Besitztümer‘!“
[bei "den anderen", wer auch immer das alles ist, an bzw. über der Reling, dann am Bug]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Weltenwind - 09.12.2020

Ein Hauch von Lebendigkeit ...
Nur eine Sekunde nachdem Trevor sich dem Schiff vor ihnen zuwandte, schlug das Fass, das er gerade noch so inbrünstig am Wickel gehabt hatte, mit einem dumpfen Rumps gegen die äußere Schiffswand und prallte davon ab. Auf den Wellen tanzend zog die Strömung es mit sich fort und während die Sphinx weiter Boden gut machte, erreichte das Fass die äußeren Ausläufer der breiten Nebelwand. Als wären sie lebendig und hätten endlich ein Ziel ausgemacht streckten sich helle Schwaden über die Wasseroberfläche, strichen um das gerundete Holz und über blankes Eisen, auf dem sie roten Rost hinterließen.
Sie schienen es mit sich ziehen zu wollen. Tiefer hinein in den Nebel. Der helle Dunst geriet in Bewegung, dort, wo das Fass auf dem Wasser hopste. Gestaltlose Schatten türmten sich auf, verblassten wieder, verformten sich, tauchten erneut auf. Dann wölbte sich die Nebelwand auf, stülpte sich über das Fass, bis es ganz und gar in milchiger Vergessenheit verschwand und entzog es dem Blick. Ein leises Glucksen, das im Rauschen der Wellen ungehört verklang, dann war es fort.




Spielleitung für alle



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Shanaya Árashi - 12.12.2020

Voller beherrschender Ungeduld tippte Shanaya ein paar Mal mit der Spitze ihres Stiefels auf die Planken unter ihren Füßen. Mit jedem Schritt, den sie näher an das Handelsschiff heran kamen, wuchs diese Ungeduld, die junge Frau schluckte immer wieder dagegen an. Aber der Nebel, der näher und näher rückte, feuerte dieses Gefühl nur noch einmal etwas mehr an. Er schien sich perfekt an ihr kleines Abenteuer anzupassen, bot eine wunderbare Kulisse für das, was sie vor hatten. Die Überlebenden würden sich Geschichten erzählen, dass das Schiff, das für den Untergang der Morgenwind verantwortlich war, plötzlich aus dem Nebel auf sie zu gekommen war. Greo, der kurz zu ihr gekommen – und schnell wieder verschwunden hatte, hatte diese Ungeduld zu spüren bekommen. Und Shanaya hatte da eine vage Idee, wieso er Reißaus genommen hatte.
Irgendwann waren auch die anderen verschwunden und nun war sie mit Lucien allein hier oben. Was nichts daran änderte, dass die Schwarzhaarige versuchte, alles im Blick zu haben. Die Mitglieder der Crew, die sie von hier aus sehen konnte, das fremde Schiff… so viel wie möglich eben. Winzige Fehler konnten über Sieg und Niederlage entscheiden – und wer wäre sie, irgendwelche Fehler zu zulassen, wenn sie sie vermeiden konnte?
Das Knallen der Kanone ertönte und Shanayas Herz machte einen schnellen Sprung, ließ die blauen Augen gebannt der Kugel folgen, um keine Reaktion der Gegner zu verpassen, während ihre Hände sich fester an das Rad darin klammerten, bis die kurze Erschütterung wieder nach ließ. Allerdings… geschah irgendwie gar nichts. Von ihrer Position war es schwer auszumachen, was sie nun taten. Sie drehten nicht bei, auch die Segel wurden nicht verändert. Shanaya konnte sich jedoch nicht vorstellen, dass sie vollkommen unbeeindruckt waren, selbst wenn sie ahnen würden, dass es nur ein Warnschuss war. Die Lippen zu einer grübelnden Miene verzogen, richtete die junge Frau den hellen Blick herum, betrachtete die Nebelwand, die unaufhörlich weiter auf sie zu kam. Als Lucien seiner Schwester erneut zu rief, dass sie noch ein Mal feuern sollten, richtete die Schwarzhaarige ihre Aufmerksamkeit wieder auf das Deck, auf die kleinen Gruppen, die sie sehen konnte. Erst, als der Captain in ihrer Nähe sich an sie wandte, legten sich die hellen Augen wieder auf ihn.

„Das werden wir sehen...“

Diesen Satz ließ sie bewusst offen, nahm das Fernrohr entgegen, durch das der Dunkelhaarige eben noch geblickt hatte. Ohne zu zögern hob sie es an, versuchte zu erkennen, was auf dem anderen Schiff vor sich ging.

Schwer zu sagen, ob sie in die Ecke gedrängte Hunde spielen. Oder ob sie einfach nur planen, die Kanonen von Bord zu werfen, um dem Unausweichlichen zu entkommen.“

Noch einige prüfende Blicke, ehe sie das Fernrohr wieder in Luciens Richtung hielt.

Aber sie scheinen den Nebel tunlichst meiden zu wollen. Spricht dafür, dass sie sich hier nicht auskennen und ihn nicht als Fluchtmöglichkeit nutzen können. Das macht die Hunde-Variante wohl etwas wahrscheinlicher...“

Denn manchmal blieb Angriff die beste Verteidigung.

[Am Steuer | Lucien | ?]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Soula Veniel - 12.12.2020

Es war einige Zeit vergangen, in der Soula auf dem Schiff, was ihr noch so fremd war, herumwuselte und versuchte zu helfen, wo sie nur konnte. Bisher hatte sie noch niemand angemotzt oder sonst irgendwie verflucht, was sie als ein gutes Zeichen deutete. Vielleicht war sie doch nicht so unfähig und unnötig, wie sie sich fühlte. Oder es sagte ihr einfach niemand, was sie sich kaum vorstellen konnte. Als würde irgendjemand hier ein Blatt vor den Mund nehmen, um irgendwelche Gefühle nicht zu verletzen… aber sie hatte sich schon mal mit dieser Truppe geirrt. Sie waren nicht so herzlos, wie man vielleicht glauben mochte.

Soula war ganz froh, dass sie sich hier bei Skadi und Alex mit den Kanonen beschäftigen durfte. Dann musste sie nicht an Deck sein und ihren Gedanken dabei zusehen, wie sie umherirrten und nicht verstanden, was vor sich ging und was als nächstes passieren würde. Komplett konnte sie die Gedanken zwar nicht wegdrängen, aber sie war hier wenigstens abgelenkt, das war gut. Für folgende Aktionen konnte sie sich dann wappnen, wenn es so weit war. Sie hatte nicht vergessen, was Alex und Skadi ihr zuvor zu den Kanonen gesagt hatten und dass sie aufpassen musste. Auch ihre Arbeitsschritte und zu welchem Zeitpunkt sie was zu tun hatte, wurde ihr erklärt. Jetzt war es also so weit, dass sie das alles in die Tat umsetzen konnte. Sie nickte Skadi zu, als sie sich nochmal vergewisserte. Dann folgte der erste Schuss und Soula konnte das erste Mal dabei zusehen, was für eine wahnsinnige Kraft so eine Kanone besaß. Was für eine gefährliche Waffe es war, nicht nur für andere Schiffe, sondern auch hier. Es war genau so, wie Greo es ihr zuvor auch gesagt hatte. Sie musste auf den Rückstoß aufpassen, der war nicht ungefährlich. Soula begann in ihrem Kopf die Situation zu analysieren und abzuspeichern.

Nach dem Schuss wandte sich Skadi ihr wieder zu und Soula nickte.

„Ja.“

Sagte sie direkt und fing damit an die Kanone zu reinigen. Klar, keine tolle Aufgabe, doch auch das musste gemacht werden. Aktuell war das hier wohl auch die einzige Aufgabe, die sie gewissenhaft erledigen konnte und das war in Ordnung. Sie war es zwar definitiv nicht gewöhnt solche Aufgaben zu erledigen, aber es war nichts schlimmer für Soula als das Gefühl, absolut unbrauchbar zu sein. Sie hörte die Stimme von Talin, die nach einem zweiten Schuss verlangte.

„Gut, bereit für Schuss Nummer zwei“, meinte sie und trat wieder einige Schritte zurück.

[unter Deck an der Vorderkanone | mit Alex und Skadi, reagiert auf Talin]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Isala Reginn - 13.12.2020

Sie Konnte gar nicht beschreiben welche Gefühle und Emotionen gerade durch ihren Körper peitschten, obwohl noch gar nicht viel passiert war. Isala war froh, dass Talin da war und ihr dabei half, behilflich zu sein… und als sie dann fertig waren und die andere Frau wieder ihren Aufgaben nachging, eilte die braunhaarige zur Reling um das Treiben zu beobachten.

Sie stellte sich nicht weit entfernt von Trevor an die Reling und stützte sich an ihr ab. Noch immer floss ihr die Feuchtigkeit ins Gesicht und eilig wischte sich die Frau die nassen Strähnen aus dem Gesicht. Es war fantastisch. Diese Emotion fühlte sie jetzt das erste mal. Das Adrenalin strömte durch ihren Körper und ließ ein Kribbeln im Bauch zurück. Als Kind wäre sie nun von einem auf das andere Bein gehüpft, weil sie ihre Energie nicht zügeln konnte. Nun trommelte sie mit den Fingern auf das nasse Holz und…

hörte dann Talins Rufen und kurz danach das donnernde Geräusch, welches Isa plötzlich zusammen zucken ließ, da sie nicht damit gerechnete hatte. Doch sie verfehlten… Isa verzog kurz die Lippen zu einem Grinsen und man konnte erkennen, dass sie voller Energie war… sie wollte endlich loslegen..

Als wäre es eingebung gewesen, drehte sich ihr Kopf herum, sodass ihre Strähnen im Gesicht hingen, die sofort wieder weggewischt wurden – sie musste dringend etwas gegen die Länge ihrer Haare tun, notierte sie im Geiste -  und fing Taróns suchenden Blick auf. Ihr Grinsen wurde breiter und sie nickte ihm kaum merklich zu. Ihr ging es gut… aber eventuell würde sie in der nähe des Mannes bleiben. Isala hatte das gefühl, dass sie ein Stück mehr Sicherheit bei ihm hatte.

[Auf Deck an der Reling | Bei Trevor und den anderen ]


RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Josiah Moggensten - 13.12.2020

Der Nebel lebte.

Josiah stand an der Reling, eines seiner Messer in der einen Hand, den kleinen Schleifstein in der anderen, und sah schon seit langem beide nicht mehr an. Stattdessen war sein Blick auf die graue Nebelwand gerichtet. Die Nebelwand, und die Schatten in ihr.

Er stand schon viel zu lange hier; hatte mit Trevor das Deck so weit auf Vordermann gebracht, bis sich niemand mehr spontan den Hals brechen konnte, ehe er den übereifrigen Piraten dann alleine gelassen hatte um eine sinnigere Aufgabe zu suchen, nur um letztendlich weniger sinnig an der Reling zu enden. Hier hatte er angesetzt, seine Messer zu polieren und zu schärfen - soweit das noch möglich war, denn scharf waren sie eigentlich allesamt. Den Gesprächen links und rechts von ihm hatte er dabei kaum Aufmerksamkeit gezollt. Erst als Trevor sich mitsamt dem Wischmopp über die Reling schob hatte er in Erwägung gezogen, aktiver zu werden – ein über Board gegangener Pirat würde zwar endlich für Bewegung sorgen, war aber denkbar unnützlich für den bevorstehenden Angriff – aber dann hatte Trevor ohnehin schon aufgegeben und sich abgewandt, oder der Schuss der Kanone hatte ihn dazu bewegt, während das Fass seinen Weg weiter ging, unberührt von den Lärm. Der Angriff war nun richtig offiziell, und gleichzeitig war Josiah merklich ruhiger geworden (wenn auch das "merklich" unter Umständen nur für ihn selber wirklich "merklich" war). Während Trevor aufgesprungen war, und wahrscheinlich auch einige andere sich jetzt auf den Schuss konzentrierten, war Josiah dem Holz mit dem Blick gefolgt, ruhig durchatmend und ohne dass er einen expliziten Grund hätte nennen können, außer dass ihn gerade im Moment alles andere noch weniger interessierte, bis es die Nebelwand berührte.  Als die Schleier auftauchte und nach ihm griffen war es dann endlich interessant geworden. Und jetzt stand er hier – das Messer und Wetzstein vergessen. Eine tiefe Falte durchfurchte seine Stirn, die Augen misstrauisch zusammen gekniffen, als er die hellen Schleier beobachtete, die sich aus dem Nebel heraus ausbreiteten. Im ersten Moment hatte er angenommen, dass es ein natürliches Naturphänomen war. Dass die Bewegung der Wellen für die Arme sorgten oder ähnliches, bis die Nebelschaden hektischer wurden. Ein schales Gefühl machte sich in Josiah breit, als er beobachtete, wie der Nebel immer wieder Gestalten annahm, bis diese sich wieder in Luft auflösten, während sie um das Fass tanzten.

Trevor…

Josiah erhob seine Stimme ohne seinen Blick von dem Spektakel vor ihm zu lösen. Egal, was genau sich da abspielte, es war klüger, wenn Trevor es jetzt zu Gesicht bekam, und nicht in einem anderen, ungünstigeren Moment. Und vielleicht würde der junge Mann auch noch etwas mehr beobachten können – seine Fantasie ging zwar gerne mit ihm durch, aber seine Aufmerksamkeit war nicht zu unterschätzen.
Egal was da vor sich ging, Josiah hatte das ungute Gefühl, dass es nicht nur ein Trick der Natur war.

Sieht das noch jemand?

Fragte er schließlich in die Runde, immer noch ohne aufzusehen.
[an der Reling, in der Nähe von Trevor und sonst noch wen | starrt den Nebel an]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Alex Mason - 13.12.2020

Ihre Vorbereitungen waren erstaunlich reibungslos vonstattengegangen, teilweise sogar fast wortlos, weil jeder wusste, was er zu tun hatte – und Soula angenehm folgsam und eifrig war. Zugegeben – Alex hatte sich das Ganze ein wenig komplizierter vorgestellt. Gerade mit Skadi, die er bislang eher eigenbrödlerisch kennengelernt hatte. Doch er blieb skeptisch und wachsam zugleich, irgendwo tief in sich drinnen jedenfalls, denn die Situation, in der sie sich befanden, verlangte zu viel Aufmerksamkeit, als dass er sich auf seine eigenen Angelegenheiten konzentrieren konnte. Irgendwann hatten sie nur noch auf ein Zeichen von oben gewartet, hatten die Kanone ausgerichtet gehabt und sie nur dann, wenn es notwendig wurde, wieder nachjustiert. Mit jeder Meile, die sie näher an ihre Beute herankamen, war die Spannung in der Luft bei ihnen gestiegen und die Gespräche, und wenn sie nur darauf hinausgelaufen waren, Soula ein wenig mehr Hintergrundwissen zu vermitteln, waren verstummt. Und dann, endlich, ließ sie die Anweisung Talins aufatmen, kurz bevor sie abermals die Luft anhielten und die Lunte in Brand steckten. Alex hatte einen jeweils einen kurzen Blick mit den beiden Frauen getauscht, ehe Skadi die Kanone zündete und er sich mit einer Hand am Holz der Sphinx einen stabilen Standort suchte. Kaum, dass die zurückschnellende Kanone wieder Ruhe gefunden hatte, eilte er nach vorne, um ihre Treffgenauigkeit zu überprüfen. Die Dunkelhaarige wandte sich derweil an Soula, die keinen Moment zögerte, ihre Aufgabe zu übernehmen.

„Nicht schlecht.“, musste Alex gestehen, auch wenn sich die Anerkennung in seiner Stimme eher in Grenzen hielt. Viel mehr klang er konzentriert, während er versuchte, irgendeine Reaktion auf ihre Warnung auszumachen – doch nichts. „Scheint sie nur leider nicht so sehr zu interessieren wie erhofft. “

Ein prüfender Blick galt Skadi. Vielleicht hatte sie etwas entdeckt, was ihm entgangen war? Doch die Stimme Talins, die nur kurze Zeit später wieder zu ihnen hinunter drang, machte diese Vermutung zunichte. Auf Alex‘ Zügen breitete sich ganz automatisch ein unscheinbares Lächeln aus. Die Herausforderung gefiel ihm sichtlich. Keinen Moment zu spät war auch Soula damit fertig, die Kanone für den nächsten Schuss bereit zu machen. Der Lockenkopf nickte, tauschte einen vielsagenden Blick mit Skadi aus und begab sich dann an die Taue der einen Seite, um das Rohr ein weiteres Mal auszurichten. Mit schief gelegtem Kopf peilte er über das massive Eisen und justierte die Öffnung gemeinsam mit Skadi ein Stück näher an den Rumpf ihrer fliehenden Beute. 

„Müsste passen.“, kommentierte er schließlich und wandte sich im selben Moment bereits nach Soula um, um sie aus ihrer Hintergrundposition heraus wieder näher an die Kanone zu bugsieren. „Schau dir an, wie die Kanone steht und wo die Kugel gleich landet.“

Mit der Hand deutete er flugs auf die Öffnung um das Rohr herum. Seine Anweisung klang nicht unfreundlich, doch die Eile verheimlichte er nicht. Skadi kümmerte sich um das Schwarzpulver, während er schließlich zum Zündstab griff, um den nächsten Schuss abzufeuern. Mit einem weiteren Blick sprach er sich wortlos mit den beiden Damen ab, dass sie zurücktraten, bevor er den Zündstand anzündete und ihn an die Lunte hielt.

„Achtung!“

Mit einem Donnern drückte es das Eisen abermals zurück in die Taue. Das Schiff bebte und die Kanonenkugel fand ihr Ziel unweit des Rumpfes des Händlerschiffes. Alex hatte sich den Unterarm vors Gesicht gehalten, um keinen Rus in die Augen zu bekommen. Vorsichtig blinzelte er in den Staub, der ihnen das Atmen erschwerte und lauerte wie ein Raubtier auf eine Reaktion der anderen Mannschaft.


{ Soula & Skadi | feuert die nächste Kugel ab }



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Rúnar Rúnarsson - 14.12.2020

Rúnar zuckte herum.

Es war so flüchtig gewesen, dass er sich nicht sicher war, ob er es wirklich gehört hatte. Gerade, als Trevor davon gesprochen hatte. Vielleicht hat er nur seltsame Assoziationen gemacht.

Trotzdem. Trotzdem fühlte er sich, als stünde er in einem Schneesturm -- alles nur ein weißes Rauschen und er konnte nichts sehen und er wusste nicht wo er war, alles sah gleich aus und es war so kalt, dass er seine Arme und Beine nicht mehr spürte und er wusste nicht wo er war -- und trotzdem war ihm so warm, so als hätte er Fieber, aber so kalt, dass er sich kaum bewegen konnte, aber so warm, aber --

BUMM!

Das Geräusch riss ihn aus seiner Trance. Die leichte Vibration unter seinen Füßen und dann das minimale Schwanken -- die Sphinx hatte eine ihrer Kanonen abgefeuert.

Der Nachhall des kläglichen Wieherns, das er zu hören geglaubt hatte, war vom Schneesturm zur Schneeflocke geschrumpft. Sie fiel in seine Gedanken, ließ ihn kurz schaudern und schmolz und verdunstete. 

Er war noch nie so kurz davor gewesen. So nah dran. Zu glauben, dass Svavar in seiner Nähe sein könnte. Wie sollte er Svavar jemals Auge in Auge gegenübertreten, wenn es ihn sofort von den Füßen riss, auch nur ansatzweise--

Egal. Darum durfte er sich keine Gedanken machen. Er sollte aufhören, sich überhaupt darüber Gedanken zu machen. Sich über irgendwas Gedanken zu machen -- warum waren es nur immer so viele und warum waren sie nur immer so am rasen und warum hatte er nie eine Sekunde Ruhe von dem Schneesturm in seinem Kopf und warum--

Er drückte die Hände gegen die Schläfen. 

Atmete ein.

Aus.

Ein.

Aus. 

Er nahm die Hände runter.

Er sah unauffällig zu Trevor und Josiah -- ob die beiden bemerkt hatten, wie mitgenommen er war. Falls er das war. Er wollte sie fragen, ob sie das Wiehern auch gehört hatten -- aber sie blickten beide konzentriert auf das Wasser. Rúnar folgte ihren Blicken und konnte den dunklen Fleck im Wasser dann als ein Fass ausmachen, das in den Nebel hineintrieb und--

--sich rötlich verfärbte. Seltsam rötlich. Splitterig. Rostbraun eher, anstatt rötlich. Rostbraun. Als hätte die Witterung das Fass sofort an sich gerissen. Als hätte der Nebel die Zeit gestaucht. 

Die Kälte stieg Rúnar wieder in die Glieder, aber in seinen Kopf diesmal die Hitze. Er umgriff die Reling hart. "Ja, ich sehe es auch,"  brachte er kaum heraus. "Ähm. Hat zufällig jemand Riechsalz da?"

{ bei Isala, Trevor und Josiah | an der Reling }



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - James Killigan - 15.12.2020

Es war schon skurril. Vor wenigen Wochen hätte er niemals gedacht überhaupt an Board eines Schiffes zu stehen. Und jetzt hielt er mit einer Hand stetig den Degengriff umklammert, als hätte er Angst ihn im wichtigen Moment zu verlieren, während das Piratenschiff stets an den Fersen seines gewünschten Opfers hing. James war sehr nervös. Natürlich fiel es ihm schwer zuzugeben dass sich in diese Nervosität auch eine gehörige Portion Angst mischte. Dabei wäre alles andere nur purer Wahnsinn. Er hatte kaum Kampferfahrung, schon gar nicht mit einem Degen. Er kannte die Leute, die ihm im zweifel den Allerwertesten retten sollten, kaum. Deshalb lief er auch zur Beruhigung von einer Rehling zur anderen, im betont gemühtlichen Gang. Dass ein aufmerksamer Beobachter trotzdem bemerken würde dass er bald Furchen in die Planken rannte, war James nicht unbedingt bewusst.

So kam es, dass er in unmittelbarer Nähe zu Runar stand, als dieser in höchster Konzentration in die Nebelbank starrte und dabei die Finger an die Schläfen presste. Josiahs Frage, ob noch jemand das gleiche sah wie er, brachte James dazu dem Nebel doch mehr Beachtung zu schenken als bisher. Bis zu diesem Zeitpunkt war diese graue Masse ihm recht egal gewesen, schließlich war es einfach...das Wetter.
"Was meinst du?" fragte er Josiah, während er in die Nebelschwaden starrte, etwas planlos was er genau sehen sollte. 



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Tarón Valur - 15.12.2020

Taróns Blick fand, was er suchte und zumindest im Moment schien bei Isala alles in Ordnung zu sein. Auch die Lippen des Falken bogen sich zu der Andeutung eines Lächelns – kein volles, denn dafür war er zu angespannt. Zu fokussiert. Aber zu wissen, wo sie sich an Board befand beruhigte ihn etwas. Gerade wollte er zu ihr hinübergehen, als etwas anderes in seinem Verstand nahezu aufschrie und seinen Schritt frühzeitig zum Stehen brachte.

Isala war zusammengefahren, als er Kanonenschuss durch den hölzernen Schiffrumpf fuhr, doch da sie ansonsten ok war, war der Blick des Falken der Flugbahn der Kugel gefolgt. Der Schuss war gut gewesen. Die Reaktion auf ihn jedoch…
Nicht nur unzufriedenstellend. Beunruhigend.

„Wir müssen noch mehr nach Backbord…“

Knurrte er in sich hinein. Sie wirklich abdrängen…doch…

War es das? Nein…nein, dass das Schiff versuchte weiter Fahrt zu machen und den Nebel mied war an sich nachvollziehbar. Zumindest wenn sie den Nebel fürchteten… genug, um sich nicht hineindrängen zu lassen. Genug, um ihr Heil in der Flucht geradeaus zu suchen, obwohl sie absehen konnten, dass die Sphinx zu schnell war. Das heißt sie würden jetzt ihre Verteidigung vorbereiten. Einen Kampf riskieren…

Taróns Blick schweifte. Da war noch etwas. Etwas, das wie Sand im Schuh an seiner Hirnrinde rieb. Irgendetwas stimmte nicht. Und schließlich sah er auch was.

Er hatte das Fass nicht absichtlich ins Auge gefasst, aber sein Blick war an dem treibenden Gut hängengeblieben, als er nachdachte. Und nun lieferte es ihm einen Hinweis. Der Nebel selbst war das Problem.

Sein Blick fuhr hoch. Rúnar und Josiah hatten es auch gesehen. Ein Blick in ihre Gesichter genügte.
Das Wabern im Nebel…die „Gestalten“, die man erahnen mochte, … das war Einbildung. Das, oder die Vögel, von denen Ceallagh erzählt hatte. Zumindest wollte er sich noch an diese Hoffnung klammern. Aber was das Rosten des Eisenringes anging – das war eine ganz andere Dimension. Aber zumindest war es eine, die er überprüfen konnte.

Der Falke kam in Bewegung, ohne noch groß darüber nachzudenken. Auf dem Weg zu den Gestalten an der Reling griff er sich einen alten Taljenblock und knotete bereits ein Tau an dessen Ende fest, ehe er den Metallteil der Gerätschaft hart über den Ring eines weiteren herumstehenden Fasses zog. Frisches Eisen schimmerte ihm entgegen, als er die abgeriebene Stelle einer eiligen Inspektion unterzog. Dann warf er den Tajlenblock ohne einen Kommentar an den Köpfen der anderen vorbei in den Nebel. Langsam zählte er in Gedanken von zehn herunter… dann zog er das Ding wieder ein, um zu sehen, ob das, was er eben meinte gesehen zu haben sich mit dem Ding in seiner Hand wiederholt hatte. Wenn würde sich diese fröhliche Überfallfahrt sehr schnell in eine weit weniger lustige Reise verwandeln…
 

[An Deck, dann Reling | Bei Josiah, Rúnar, Trevor, Isala, James]