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Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Druckversion

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RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Shanaya Árashi - 18.11.2020

Die Zeit verging fast quälend langsam, zumindest empfand Shanaya das so. Die Vorfreude stand ihr ins Gesicht geschrieben, die hellen Augen leuchteten vor Begeisterung. Das war einer dieser Momente, für die sie lebte. Die ihren Körper mit so viel erfüllten, dass sie es nicht beschreiben konnte. Es ließ sie nicht los, jeder Herzschlag trieb dieses Gefühl durch ihren Körper. Und mit jedem Stück, das sie dem fremden Schiff näher kamen, schien auch dieses Gefühl anzusteigen, ließ die junge Frau ungeduldiger werden. Sie hatte sich vom Steuer nicht weg bewegt, ließ den Kurs und das Handelsschiff nicht aus den Augen. Sie versuchten zu fliehen, dem Unausweichlichen aufzuweichen. Die Fässer, an denen sie vorbei schwammen, sagte schon genug. Sie verstärkten noch einmal das Lächeln auf den Lippen der jungen Frau. Sie waren scheinbar wirklich verzweifelt… diese roten Segel konnten aber auch so furchterregend sein. Beinahe hätte die junge Frau aufgelacht, atmete dann nur mit einem leisen, zufriedenen Seufzen aus.
Wer in all dieser ganzen Zeit auch zu ihr gekommen war, für den war es vermutlich nicht schwer zu übersehen, und überhören, gewesen,d ass die Schwarzhaarige von einer gewissen Aufregung beherrscht wurde. Ihre sowieso schon gute Laune wurde davon nur noch einmal mehr angetrieben. Jeder, der ihr zu nahe kam, wurde also von dieser endlosen Begeisterung förmlich angesprungen. Allen voran Lucien, der jetzt wenige Meter vor ihr stand und ebenfalls auf ihren Weg achtete. Dem Dunkelhaarigen hatte sie auch schon aufgeregt mitgeteilt, dass sie ein Schiff entern würden. Nur für den Fall, dass er das vergessen hatte.
Jetzt wandte sich ihr Captain jedoch mit dem besprochenen Plan an sie, gab kleine Anweisungen, denen Shanaya mit einem ruhigen Nicken zu stimmte. Bei seinen letzten Worten konnte sie sich ein breites Grinsen jedoch nicht verkneifen. Das… mit solch einer Vorlage, das konnte sie nicht einfach so stehen lassen.

Das sagst du so einfach. Ich bin es doch, die hier von dieser… Aussucht abgelenkt wird...“

Die verkniff sich noch ein beschreibendes Wort, wenn Lucien den Blick zu ihr herum wandte, würde der vielsagende Blick auf ihren Zügen ihm genug sagen. Aber sie erwartete keine wirkliche Antwort auf ihre Worte, denn der Captain wandte sich schon wieder herum, sprach dieses eine Wort aus, das Shanaya noch einmal ein wenig kribbeliger werden ließ. Sie umfasste fest das Steuer, wartete auf den ersten Knall, der das Rauschen des Meeres übertönen würde.

[Am Steuer | Nahe Lucien & ??]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Talin Dravean - 19.11.2020

Das Gefühl der Hilflosigkeit war ihr entgegen geschlagen und Talin hatte die junge Frau ruhig und beruhigend angelächelt. Zumindest hoffte sie das. Nachdem sie Isala erklärt hatte, wie sie ihre Geschwindigkeit messen konnte, war der Blick der Blonden immer wieder zwischen ihr und dem Schiff vor ihnen hin und her geglitten, mit dem Gefühl, schon jetzt aufgeholt zu haben. Dabei war das völlig unsinnig. Doch nachdem sie immer wieder ihre Geschwindigkeit gemessen hatten und eine knappe halbe Stunde vergangen war, bemerkte Talin, dass sie wirklich aufholten und ihr Herz schlug wie wild. Sie hatte versucht abzuschätzen, wie lange sie noch ungefähr brauchen würden, aber hatte nicht damit rechnen können, dass sie in nicht einmal einer weiteren Stunde das andere Schiff so gut wie eingeholt hatten.
Talins Blick glitt über das Meer, erst zu dem Schiff, dann zu dem Nebel, der sie unausweichlich einzuholen schien und dann schließlich zu ihrem Bruder, der oben auf dem Achterdeck stand. Ihr Herz schlug immer noch wie verrückt, ihre Hände waren, auch wenn sie es niemals offen zugeben würde, ein wenig schwitzig vor Nervosität. Es war eine Sache, in einer Nacht und Nebel Aktion ein Marineschiff zu überfallen, aber ein Angriff auf offener See? So etwas hatte sie zwar schon mitgemacht, aber meist in der Abgeschiedenheit der Kombüse. Niemals war sie so offen bei einem Angriff dabei gewesen. Und genau aus diesem Grund fiel es ihr auch nicht schwer, ihrem Bruder das Kommando zu überlassen. Für einen Augenblick dachte sie daran zurück, wie sie herausgefunden hatte, dass ihre Heimatinsel nur deshalb so florierte, weil sie sich mit Schmuggel über Wasser hielten. Was während der Zeit passierte, als die Männer auf See waren, darüber hatten sie immer mal wieder gesprochen, sogar geprahlt und Talin war sich nicht sicher, ob dabei nicht auch von Schlachten und Überfällen die Rede war. Sie hatte ja niemals zuhören dürfen oder vielleicht war es ihr in dem Moment einfach entfallen. Aber so wie Lucien die Situation regelte, glaubte sie wirklich, darauf vertrauen zu können, dass er wusste, was er tat.
Ein kleines Grinsen schlich sich auf ihre Lippen, als sie nach oben sah, wo der Dunkelhaarige sich gerade aufhalten musste. Sie konnte sich vorstellen, wie er dort stand und den genauen Moment abzupassen versuchte, in dem sie das andere Schiff am besten angreifen sollten. Für einen Augenblick wandte sie den Blick ab, sah auf das Handelsschiff und spürte, wie ihr rasender Herzschlag einen Moment aussetzte. In diesem Augenblick fiel ein Schatten auf sie und ruckartig sah Talin wieder hoch, direkt in die Augen ihres großen Bruders. Ihr Grinsen wurde breiter, als sie seinen Blick und seine Worte mit einem Nicken bestätigte. Sie wandte sich ab, sah für einen Moment in die Dunkelheit des Türrahmens vor ihr, bevor sie tief Luft holte und nach unten rief.

Skadi! Feuer!

[An der Tür zum Mannschaftsdeck | in der Nähe von Lucien | ?]


RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Greo - 26.11.2020

Der Nebel wirkte, als müsse man nur die Arme ausstrecken und könne mit den Fingerspitzen dann in eine sämige, grauweiße Soße tauchen. Sie schien lebendig zu sein, auf welche Weise auch immer, aber Greo schaute nur und konzentrierte sich vielmehr auf das Schiff, das sie verfolgten. Er fühlte sich besser, seit er die Waffen abgeladen hatte. Mochte der Überfall auch möglichst harmlos geplant sein, Greo war nicht so naiv zu glauben, dass das Ganze reibungslos ablief.
Die Vorstellung war nicht schön, aber seinem Naturell entsprechend zuckte er innerlich die Schultern und passte sich an, wo es eben ging. Was er allerdings nicht gebrauchen konnte, war die vibrierende Aufregung, die von der einen oder anderen Person ausging und auch Shanaya hatte er am Steuer nur einen kurzen Besuch abgestattet. Ihre Begeisterung war wie eine Welle über ihm zusammengebrochen und da er diese Vorfreude nun nicht wirklich teilte, hatte er sich mit einer eher ernüchterten Grimasse wieder verabschiedet und sich einen anderen Ort gesucht, an dem er bis zum Angriff tätig sein konnte.
Er hielt sich auf Höhe der Ladeluke an der Reling und wartete ab, eine Hand auf der Schere, als ob es gleich einen Wettbewerb gäbe, wer die meisten Schafe in der kürzesten Zeit von ihrem Vlies befreite.
Das wäre wirklich nett gewesen.

[Reling, guckt dumm, allein]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - James Killigan - 29.11.2020

Es war schon faszinierend wie sich Zeit einerseits unendlich ziehen konnte und gleichzeitig so schnell zu rasen schien, als wolle sie einem wie Wasser durch die weit gespreizten Finger gleiten. James hatte sich, nachdem Lucien ihn von seiner Alibi Aufgabe am Segel erlöst hatte, eilig auf den Weg gemacht um seinen Säbel aus dem Berg an Waffen zu befreien, den Soula und Greo nach oben transportiert hatten. Natürlich hatte sein derzeit wertvollstes Hab und Gut nicht oben auf gelegen, sondern ein wenig verborgen unter allerlei anderer Waffen. Der Händlersohn war sich reichlich lächerlich dabei vorgekommen auf seinen Säbel zu bestehen und quasi danach zu "Buddeln", aber er bildete sich ein dass er mit "seinem" Säbel schon deutlich besser auf einen Kampf eingestellt war. Da der Ausgangspunkt im generellen bei ihm nahe Null lag, zählte hier jedes Quentchen was er aus der Situation heraus holen konnte. 

Hörte man dem Seemannsgarn zu, das oft genug in den Spelunken gesponnen wurde in denen er hin und wieder für ein Spielchen eingekehrt war, könnte man meinen dass so ein Überfall auf ein Handelsschiff deutlich schneller vor sich ging, als es das tatsächlich tat. Denn eigentlich geschah eine ganze Weile...nichts. Einige Crewmitglieder wischten die Planken trocken, einige andere waren mit dem navigieren beschäftigt und damit vermutlich auch gut ausgelastet. Und dann gab es Landratten wie ihn, die absolut keine Ahnung hatten was da kommen möge und wie man sich selbst möglichst schadlos halten konnte, ohne zu viel im Weg herum zu stehen. James Körperhaltung war deutlich angespannt, weil er nicht recht wusste was er von der ganzen Situation halten sollte. Insbesondere weil Shanaya und Lucien es scheinbar nicht abwarten konnten dieses Handelsschiff unter ihre Finger zu kriegen. Bisher schätzt er beide nicht als sonderlich blutrünstig an, aber vielleicht täuschte er sich da auch. Etwas rastlos war James auf dem Deck hin und her gelaufen, immer wieder einen Blick auf das Schiff werfend, dem sie stetig näher kamen. 
Schließlich blieb er aber neben Greo stehen, dessen grimmiger Gesichtsausdruck zumindest annehmen lies dass er von dem, was bevorstand, auch nicht so begeistert war. "Noch irgendwelche berühmten letzten Worte oder kluge Ratschläge für eine Landratte ohne ernsthafte Kampferfahrung?" wollte James von Greo wissen, während er sich ebenso gegen die Reling lehnte und weiter auf die See hinaus blickte. Jeder hier an Board wusste wie wenig Ahnung James vom Leben auf See hatte und mittlerweile war er auch irgendwie darüber hinweg, das verheimlichen zu wollen. Falscher Stolz würde ihn vermutlich sonst nur umbringen.

(Bei Greo an der Reling)


Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Tarón Valur - 03.12.2020

Taróns Falkenaugen bohrten sich in die Details jedes Ausschnitts der Szene, die sich während ihrer Verfolgungsjagd Stück für Stück aufbaute. Bisher gab es keine wirklichen Überraschungen – denn die Schatten, die er und wohl auch die anderen in den dichten Schwaden des Nebels ausmachen konnte, sahen verdächtig nach Ceallaghs Beschreibung von Riesenvögeln aus.
Tarón hatte die Zeit genutzt sich darauf vorzubereiten, was auch immer nun bald geschehen würde. Seine Waffen waren kontrolliert und geladen, bereit notfalls ihr schmutziges Werk zu verrichten.

Dass Lucien angewiesen hatte niemanden zu töten, wenn es vermeidbar war, nahm der Falke positiv auf. Er hatte auch schon andere Captain gekannt. Solche, die es als unnötiges Risiko empfunden hätten auch nur eine Seele entkommen zu lassen und damit das Risiko einzugehen eine Spur für Verfolger zu legen. Offenbar hatte er sich diesmal der richtigen Crew angeschlossen.
Denn auch die Schemen dort an Deck des anderen Schiffes waren Menschen. Tarón hoffte, dass es solche waren, die ihre Situation richtig einschätzten und kampflos aufgaben. Aber meist gab es mindestens einen Idioten, der sich beweisen musste.
Er spürte die Vorfreude seiner Kameraden, die fast greifbar in der Luft um ihn herumhing und der sein eigenes Herz weit abgeklärter begegnete, als es bei den meisten anderen hier der Fall war. Doch selbst er erlebte sein starkes Schlagen und den Rausch, den es mit jedem Schlag durch den Körper pumpte.

‚Mach dich bereit… mach dich bereit… mach dich…‘

Elektrisierende Wachheit. Man konnte es halten, wie man wollte: selten fühlte man sich so lebendig als vor einer bevorstehenden Schlacht – selbst wenn man hoffte es würde zu keiner kommen.
Dies waren die Minuten vor dem Chaos, in das die Situation einen alsbald von alleine reißen würde und die Minuten vor dem Eintritt von Erschöpfung und Schmerz, die einer Schlacht auf dem Fuße folgten.

Greo schien einer der wenigen zu sein, der die Situation weit weniger positiv auffasste, wie der große Rest von ihnen. Tarón musste etwas schmunzeln, als er sah, wie die Finger des Mannes die Scherschere berührten. Nun… symbolisch gesehen würden sie ja schon gleich ein paar Schafe scheren. James – noch ein Mitglied der Gruppe ‚können wir das nicht einfach lassen‘ gesellte sich zu dem stillen Burschen. Mit einem weiteren Schmunzeln, wandte Tarón sich anderem zu.

 Er hörte Talins Stimme gerade noch über das Rauschen von Wind und Wellen. Der Feuerbefehl.

‚Bald… bald…‘

Flüsterte die Trommel in seiner Brust. Er ließ den Blick über Deck schweifen, suchte nach Isa. Er selbst würde vorne mitmischen – das war für ihn klar. Doch seine Cousine… er hatte sie gerade erst wiedergefunden und es wäre ihm lieb sie nicht gleich wieder in direkter Gefahr zu sehen.





[An Deck – sucht mit den Augen nach Isa]


RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Liam Casey - 04.12.2020

Die Unruhe war geblieben, auch nachdem er sich selbstverständlich einen der Degen gegriffen hatte, die Soula an Deck bereitgestellt hatte. Weil er wusste, dass er nicht im Stande sein würde, die Klinge sicher zu führen. Nicht mit rechts jedenfalls und links fühlte sich der Griff so unpassend an wie ein Schuh am falschen Fuß. Es war das eine, eine Feder mit der Linken zu führen. Etwas ganz anderes allerdings, eine Waffe, die im Zweifel über Leben und Tod entscheiden sollte – seines oder das eines anderen. Und trotzdem ließ er sich nichts anmerken, machte sie der Gewohnheit wegen an seinem Gürtel fest und verschwand schließlich unter Deck, um dort bei den Vorbereitungen zu helfen. Gemeinsam mit Gregory, Rayon und Elian bereitete er das Lazarett für den Notfall vor und kümmerte sich darum, genügend Material bereit zu stellen, um notdürftige Reparaturen durchzuführen, die anfallen konnten.

Und schließlich war der Moment gekommen, in dem das Händlerschiff schier zum Greifen nah war – für eine Kanonenkugel jedenfalls. Liam war den anderen nach oben gefolgt, kaum dass sie ihre Arbeiten abgeschlossen hatten, nur um zu sehen, dass sich die Nebelwand inzwischen gefährlich nah an sie herangedrückt hatte. Auf dem Meer hatte der Nebel tatsächlich etwas bedrohliches, etwas Verlorenes, was einem das Gefühl von Nichtigkeit gab – ganz anders war es hoch oben in den Nebelwäldern, die fantastische Naturschauspiele bereithielten, während man den verhängten Pfaden durch die Landschaft folgte. Die See war für ihn eine Mischung aus Freiheit und Gefangenschaft. Etwas, was auch den Händlern vor ihnen nun zum Verhängnis werden würde. Sie konnten fahren, wohin sie wollten. Ausgeliefert waren sie ihnen trotzdem.

Als Talins Stimme in den Bauch des Schiffes hallte, riss es Liam aus den Gedanken. Sein Blick hatte sich trotz der prekären Situation im Nebel verloren gehabt, sodass es ihn fast überraschte, wie nah sie ihrem Ziel plötzlich waren. Den Plan der Captains, das Ganze möglichst unblutig über die Bühne zu bringen, fand er persönlich zwar löblich, aber die letzten Erfahrungen, die sie gemacht hatten, ließen ihn kaum an den Erfolg glauben. Er tauschte einen flüchtigen Blick mit Gregory, nickte ihm zu und stieß sich schließlich von der Reling ab, um gemeinsam mit den anderen wieder unter Deck zu verschwinden und sich bereit zu machen. Gerade Elian schien das Ganze sehr gelegen zu kommen. Er wirkte noch blasser als seit jener Nacht, in dem sein Bruder das Leben verloren hatte. Liams Blick folgte dem Hinterkopf des jüngeren Montrose, während er ihnen die Tür offenhielt und sie an Talin vorbei nach unten verschwanden.

„Wir halten uns unten bereit und haben ein Auge darauf, dass Elian keinen Märtyrer-Tod in Betracht zieht.“

Talin war der Blick des Montrose sicherlich nicht entgangen, davon abgesehen, dass sein derzeitiges Gemüt für keinen von ihnen ein Geheimnis war. Genauso wenig wie seine Abneigung jeglicher Gewalt gegenüber.

„Falls ihr hier oben also noch mehr Männer braucht -“

Sie wusste, wo sie sie erreichte. In erster Linie dachte Liam dabei allerdings an Rayon oder Farley. Er war nicht unbedingt erpicht darauf, seine Einschränkung offen zur Schau zu stellen, wenn es darauf ankam.

{ mit Gregory, Rayon und Elian auf dem Weg unter Deck | kurzzeitig Talin }


RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Skadi Nordskov - 04.12.2020

Skadi wandte sich herum, starrte für einen winzigen Bruchteil von Sekunden auf den Treppenaufgang, aus dessen Richtung Talins Stimme durch den Bauch des Schiffes dröhnte wie der Schrei eines Riesen. Dann wechselte ihr Blick auf Soula, dessen zierliche Gestalt neben dem Ungetüm ,gefüttert mit Metall und Sprengstoff, noch kleiner und schmaler wirkte.

“Mach dich bereit. Wie wir es besprochen haben.“

Es war ein dunkles Raunen, deutlich und laut genug, um über dem gleichmäßigen Rauschen und Klatschen der Wellen gegen den Schiffsrumpf zu der Jüngeren vor zu dringen. Dicht gefolgt von einer fließenden Bewegung, die die Nordskov herum drehen ließ, direkt hinter den Leib des Geschützes. Mit letztem Blickt prüfte sie die Position und den Flugwinkel. Dann trat sie endlich zurück, setzte das Ende des Zündstabes in Brand und entzündete mit einem lauten Ruf die Lunte.

“Zurück!“

Eins.Zwei.Drei. Mit voller Wucht sprengte es die Kugel aus dem Lauf über das Wasser hinweg. Nur wenige Meter vor den Bug und doch so nah am Schiff, dass sie mehr als Warnung, denn als Missgeschick verstanden werden konnte.  Ganz wie von Lucien geplant. Für einen kurzen Moment hatte Skadi zur Seite gesehen, dem Staub und möglichen Resten von Schießpulver ausweichend, den das Geschütz bei seinem Weg zurück ins Schiffsinnere und beim Ausspeien der Kugel in der Luft zurück ließ. Unter einem Knarzen zogen die dicken Taue der Halterung das Metallgeschütz zurück auf seinen Platz. Nun lugte sie auf die andere Seite zu Soula hinüber, der nun die undankbare Aufgabe des Auskratzens und Auswischens bevorstand. Doch lieber gingen sie gründlich vor, als dass die junge Frau nach dem nächsten Schuss ihren Arm tatsächlich dabei verlor.

“Bereit?“

Mit einem beherzten Griff korrigierte Skadi den Sitz ihres Daumenschutzes, ehe sie das Zündloch zuhielt und den Blick auf Alex gleiten ließ. Es war abzuwarten, ob noch ein weiterer Schuss notwendig wurde oder das Handelsschiff gleich die weiße Fahne hisste und kapitulierte.

[unter Deck an der Vorderkanone | mit Alex und Soula]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Weltenwind - 06.12.2020

Ein Hauch von Unwillen ...
Für nur einen Herzschlag war das Donnern der Kanone das einzige Geräusch weit und breit. Als hielte die Welt in diesem Augenblick den Atem an und folgte dem Flug der Kugel hinweg über lautlose Wellen. Ein Beben ging durch die Sphinx.
Dann durchschlug die schwere Bleikugel mit lautem Klatschen die Wasseroberfläche nahe am Bug des Handelsschiffes. Wasser spritzte auf. Zu weit entfernt zwar, um den Rumpf auch nur zu berühren, aber doch ein unmissverständliches Zeichen.
Urplötzlich setzte das Tosen des Meeres wieder ein. Segel knatterten, Holz knarzte, Wellen klatschten gegen den Schiffskörper. Vom Bug der Draka stieg eine Rauchwolke auf. Der Geruch von gezündetem Sprengstoff breitete sich über alle Decks aus und stieg den Piraten in die Nase.
Mehr geschah jedoch nicht. Das Handelsschiff korrigierte nicht einmal seinen Kurs. Nur die Betriebsamkeit an Deck nahm zu. Ein paar Gestalten warfen sich in die Taue, versuchten, die Position der Segel zu verbessern, um noch ein bisschen Geschwindigkeit gut zu machen. Ein paar Andere verschwanden derweil im Bauch ihres Schiffes.

Der Wind frischte auf, die Segel der Sphinx richteten sich knatternd nach ihm aus. Der Rauch verzog sich. Doch der Nebel rückte unbeirrbar näher. Ein schaler Fetzen grauer Dunst streckte seine Finger nach dem Dreimaster aus. Getragen vom Wind wehte er hauchzart übers Deck, streifte die Gesichter von Greo und James und hinterließ ein unheilverkündend feuchtes Kribbeln auf ihrer Haut. Er war nahe. Wirklich nahe. Doch eine Sekunde später ließ die Sphinx den Ausläufer des Nebels zurück und hielt sich an dessen äußerer Grenze.




Spielleitung für alle



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Lucien Dravean - 06.12.2020

Shanayas salopper Kommentar ließ Lucien leise spöttisch schnauben und für einen kurzen Moment die Augen verdrehen. Sie sollte sich wohl mehr auf ihre Aufgabe konzentrieren, statt auf die Aussicht. Doch das Donnern der Kanone wischte ihm jede Antwort darauf von den Lippen und lenkte seine Aufmerksamkeit ganz und gar auf das, was als nächstes geschah.
Für einige wenige Herzschläge hielt auch der junge Captain den Atem an, folgte der Kugel mit dem Blick. Seine rechte Hand wanderte zurück zur Reling, hielt sich daran fest, während sich die Linke fest um das Heft seines Degens schloss. Erwartungsvolle Anspannung versteifte seine Schultern.
Doch auf das leise Klatschen von Blei auf Wasser hin geschah zunächst überhaupt nichts. Keine Segel wurden gerefft, kein Kurs verändert. Die Angst trieb die Mannschaft des Händlers einfach geradeaus weiter. Wie einen Menschen, der auf der Flucht vor einem herabstürzenden Felsen den Berg hinunter rennt, statt zur Seite zu springen.
Mit leicht gerunzelter Stirn ließ Lucien die Reling los, griff in die Tasche an seinem Gürtel und zog ein kleines, in Leder gekleidetes Fernrohr hervor. Die Bewegungen auf dem anderen Deck machten ihn misstrauisch, aber sobald eine der kleinen Gestalten im Bauch des Schiffes verschwand, war für ihn selbst durch die Vergrößerung des Glases nicht mehr auszumachen, was sie dort taten.
Er ließ das Fernrohr sinken und warf einen Blick zur Seite, wo das milchige Weiß der Nebelwand beständig näher rückte. Ein paar Ausläufer griffen nach ihnen, doch noch lagen gute dreißig, vierzig Meter Meer zwischen ihnen und diesen aufdringlichen Dunstschwaden. Vielleicht. Entfernungen waren auf offener See immer so eine Geschichte.
Mit einem leisen Murren beugte er sich wieder nach vorn, sah Talin dieses Mal zwar nicht, ahnte aber, dass sie ihn hören konnte.

Talin, sie sollen noch mal feuern! Noch ein bisschen näher, dieses Mal.“ Damit wandte er sich der Schwarzhaarigen am Steuer zu und brummte nur: „Vielleicht überzeugt sie das.

An Shanayas Seite blieb er stehen und reichte ihr das Fernrohr, bevor er mit einem nachdenklichen, aber nicht wirklich beunruhigten Nicken auf das Schiff vor ihnen deutete.

Sieht das für dich aus, als haben sie vor, ihre Kanonen zu laden?

[Achterdeck, beim Steuer | bei Shanaya, ruft Talin etwas zu]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Talin Dravean - 06.12.2020

Ihre rechte Hand krallte sich ins Holz des Türrahmen fest, während sie in die Dunkelheit unter ihr lauschte. Vielleicht konnte sie den Moment ausmachen, in dem die Lunte der Kanone angezündet wurde. Stattdessen wurde sie von vier Gestalten abgelenkt. Sie sah die vier der Reihe nach an und blieb schließlich an Liam hängen, der sie ansprach. Für einen Augenblick biss sie sich auf die Unterlippe und nickte schließlich nur. Vermutlich war es wirklich das Beste, was er in diesem Moment tun konnte. Elian war in keiner Verfassung, in der er einen Überfall auf ein Schiff mitmachen sollte. Außerdem wusste Talin, dass sie Liam vertrauen konnte. Er würde auf den Jungen aufpassen können.

Wenn etwas ist, ruf ich euch.“ Auch wenn sie hoffte, dass es nicht der Fall sein würde.

In diesem Moment erklang ein Knall, der das Schiff erbeben ließ und in den Ohren hallte. Für eine Sekunde schien die Welt still zu stehen, bevor in die kurze anhaltende Stille das Tosen des Meeres wieder einsetzte. Die Kugel hatte das andere Schiff nicht getroffen, aber es war ein Warnschuss, ein Hinweis darauf, dass sie die Beute sogar wie eingeholt hatten.
Talins Blick glitt von den vier Männer wieder weg und sie sah nach oben, wartete mit angehaltenem Atem darauf, ob sich gleich Lucien wieder über die Reling beugen würde. Sie könnte sich umdrehen, könnte zur Reling gehen und sich selbst ein Bild von der Situation machen. Aber irgendwie gefiel ihr die Idee, es nicht zu tun. Ihr Herz schlug noch ein wenig wilder, so sehr drängte es sie, sich umzudrehen und nachzusehen und sie krallte sich noch ein wenig mehr in das Holz der Tür fest, senkte den Kopf und sah hinunter, statt hinauf zu ihrem Bruder lauschte mit gespitzten Ohren darauf, ob er sie ansprechen wurde.
Ein kleines sarkastisches Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie das Murren ihres Bruder hörte. Sie nickte, obwohl er sie nicht sehen konnte und holte noch einmal Luft, um die Worte an Skadi weiterzugeben.

Wir müssen sie besser überzeugen! Feuert noch einmal! Zielt näher ans Schiff!

Ihre Stimme drohte weg zu brechen, also schloss sie den Mund abrupt wieder, schloss einen Moment die Augen, räusperte sich und lauschte wieder auf diese Sekunde, in der alles Still blieb.


[An der Tür zum Mannschaftsdeck | ruft Skadi, Soula und Alex zu]