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Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Druckversion

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RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Soula Veniel - 17.10.2020

Gedanklich wusste Soula vielleicht schon, worauf sie sich eingelassen hatte. Praktisch war sie noch überfordert und brauchte definitiv Anweisungen. Sie war aber auch sehr wissbegierig. Sie wollte nicht nur im Weg herumstehen, sie wollte helfen, soweit sie es konnte. Es fiel ihr nur schwer zu erkennen, was Priorität hatte. Mit Sicherheit wurde das besser, je länger sie sich an Board befand. Das waren gerade mal ein paar Tage und sie hoffte jetzt schon, dass es ihr die Crew nicht übel nahm, dass sie nicht genau wusste, was zu tun war. Ihre eigeninitiatives wollte sie aber auch zeigen und fragte Alex deswegen direkt, was sie tun konnte. Der Blick, mit dem er sie bedachte, enthielt einen Hauch von Spott. Das hatte sie noch deutlicher damals bei Shanaya bemerkt. Ja, Soula war das erste Mal auf See. Aber sicher, waren auch alle anderen irgendwann mal das erste Mal auf See gewesen… Gut, damit musste sie jetzt wohl die erste Zeit einfach umgehen lernen. Mehr als diesen kurzen Gedanken widmete sie dem Thema deswegen auch nicht, gerade gab es eindeutig Wichtigeres. Wenn es also etwas gab, bei dem sie Unterstützung leisten konnte, dann würde sie das ohne Murren tun. Die Anweisung, dass sie mitkommen sollte, blieb nicht lange ungehört. Soula folgte ihm direkt.

Sie schlüpfte hinter ihm durch die Tür und ließ ein leises Danke erklingen, während sie ihm schon weiter folgte. Sie hörte seinen Worten aufmerksam zu und nickte. Soula hatte definitiv nicht vor gehabt, sich in erster Reihe aufzuhalten. Sie wusste genau, was sie konnte und auch, dass kämpfen und das überblicken solcher Situationen aktuell nicht zu ihren Stärken gehörte. Trotzdem war sie dankbar, dass Alex das nochmal betonte. Soula wäre im Vordergrund alles andere als eine Hilfe und es war gut, dass das nicht nur ihr klar war.

Deswegen nickte sie und meinte zustimmend: “Das ergibt auf jeden Fall Sinn. Mit keiner Erfahrung halte ich mich lieber zurück.” Anschließend wandte sich Alex zu den anderen und gab die Befehle des Captains weiter. Bei den Worten über das Verderben, musste Soula schmunzeln. Dann sagte er auch ihr, was sie zu tun hatte und sie nickte. “Okay, ich kümmer mich drum.” Sie sah zu Skadi, die noch ein paar Fragen an Alex stellte. Soula selbst wollte allerdings keine Zeit verlieren und folgte direkt der Anweisung, die sie bekommen hatte, um nach den Enterhaken und Tauen Ausschau zu halten.

[erst unter Deck im Mannschaftsraum | bei Alex, Skadi, nahe Greo ||
Dann Lagerraum | Alleine ]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Alex Mason - 18.10.2020

Fast hätte es ihm um die traute Zweisamkeit leidtun können, die sie offensichtlich störten und der nicht einmal Luciens Anweisungen an Deck ein Ende hatte bereiten können. Doch Alex‘ Blick huschte nur flüchtig von Ceallaghs Visage hinüber zu Talin, bis ihm der beherzte Griff des Blondschopfs, der an ihm vorbei nach draußen schritt, ein Seufzen entlockte. Mit einer beiläufigen Bewegung des Handgelenks schob er den Arm des Jüngeren zur Seite und wandte sich ab, um gemeinsam mit Soula tiefer in den Bauch des Schiffes vorzudringen und die restlichen Anweisungen zu überbringen, die man ihm aufgetragen hatte. Es brauchte nicht lange, bis der dunkle Schopf Skadis von der Treppe zum Frachtraum her heraufschnellte. Im Gegensatz zu Ceallagh und Talin nahm er ihr vielleicht sogar ab, dass sie von der Unruhe an Deck dort unten nichts mitbekommen hatte. Die Augenbrauen den Lockenkopfs schoben sich skeptisch zusammen ob des gar nicht mal so gereizten Tons der Jägerin – im Vergleich zu den letzten Wochen klang sie fast schon ‚gut gelaunt‘. Statt die Stimmung der Brünetten weiter zu hinterfragen, wandte er das Gesicht wieder Soula zu und nickte knapp.
 
„Es sei denn, du hängst nicht allzu sehr an deinem Leben.“
 
Ein flüchtiges Schmunzeln galt ihr, ehe sie an Skadi vorbei nach unten in den Frachtraum huschte. Es sei denn, sie war mit ähnlichem Glück wie Trevor gesegnet – eine Möglichkeit, die er an ihrer Stelle sicherlich nicht erproben wollen würde.
 
„Vier bis Fünf Meilen, schätze ich.“, antwortete er Skadi, die mittlerweile knapp vor ihm stand. „Ein kleinerer Zweimaster. Vermutlich Händler. Und da sie recht erpicht darauf sind, zu fliehen, ist die Wahrscheinlichkeit recht gering, dass sie Teil einer größeren Flotte sind. Aber wer weiß schon, was der Nebel vor uns verbirgt, hm?“
 
Als Schritte hinter ihm ertönten, hatte er einen flüchtigen Blick nach hinten geworfen, doch der schweigende Hüne schien keine Neuigkeiten mit sich zu bringen.
 
„Braucht ihr meine Hilfe hier unten?“, fragte er schließlich und musterte Skadi. Nicht, dass er ihr ihre Aufgabe nicht zutraute – aber gleichzeitig eine unerfahrene Leichtmatrosin anzuleiten, machte die Angelegenheit etwas schwieriger.

{ Soula & Skadi & Greo | Mannschaftsdeck }


RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Lucien Dravean - 18.10.2020

Es dauerte keine Minute, bis Liam die Entfernung geschätzt hatte und eine entsprechende Antwort nach unten rief. Etwa fünf Meilen – plus, minus, denn das ließ sich auf offener See ohne Fixpunkte nur schwer abschätzen – und mindestens zehn Mann an Deck. Zehn Mann war gut, wenn es bei dieser Zahl blieb, denn dann wären sie nicht nur schneller, sondern auch in der Überzahl.
Lucien nickte bestätigend, ohne darüber nachzudenken, ob der Mann im Krähennest die Geste überhaupt mitbekam. Ohnehin dachte der junge Captain gerade an nichts, was nicht dem ins Auge gefassten Ziel diente und es waren genau diese Situationen, die er so genoss, weil er keine Zeit für die üblichen Sorgen hatte und keine Gedanken verschwendete an Dinge, die ihn vielleicht oder vielleicht auch nicht hätten belasten können. Er handelte, traf innerhalb weniger Herzschläge Entscheidungen aufgrund kühler Berechnung und nüchterner Erfahrung. Und wo ihm die fehlte, konnte er sich Hilfe holen. Zum Beispiel Ceallagh. Oder Tarón.
Als der Ältere eine mögliche Strategie einwarf, huschten die tiefgrünen Augen kurz zu ihm, dann zu Shanaya hinüber, die ihre Zustimmung ausdrückte, und ein nachdenkliches Stirnrunzeln folgte. Ihre Beute in die Nebelwand drücken...? Er winkte Tarón zu sich hinauf aufs Achterdeck.

Das musst du mir nochmal genauer erklären, sobald Ceallagh hier ist. James!“ Damit wandte er sich an den Leichtmatrosen und trat mit einer Hand am Tau zur Seite, um ihm deutlich zu machen, dass er übernehmen sollte. „Pass auf, dass das Segel gut vor dem Wind bleibt.

Lucien ging nicht davon aus, dass sich die Windrichtung ändern würde, weshalb er wohl auch nicht daran dachte, auch zu erklären, was James dann hätte tun müssen. Seine Gedanken huschten längst weiter zu dem Plan, den Tarón angeschnitten hatte und der möglicherweise von Erfolg gekrönt sein könnte. Trotzdem wollte er dazu Ceallaghs Meinung wissen, der die Gewässer seiner Heimat sicherlich am Besten kannte. Vielleicht war ihm auch das Phänomen dieses Nebels vertraut. Etwas, das es hier oben öfter gab?
Er kehrte zu Shanaya zurück, kaum dass James das Segel übernommen hatte und blieb vor dem Kartenpult stehen, wo er auch Tarón erwartete. Das kurze Wortgeplänkel zwischen der Schwarzhaarigen und ihrem Frischling entlockte dem 21-Jährigen dabei ein amüsiertes Schmunzeln. Doch da in diesem Augenblick Ceallagh die Stufen zum Achterdeck erklomm, erübrigte sich jeder Einwand seinerseits.
Lucien sah auf, sah dem Blonden entgegen und bemerkte auch das Auftauchen seiner kleinen Schwester nur Augenblicke später. Dann kehrte seine Aufmerksamkeit zu seinem alten Freund zurück, der sich bereits zu ihm gesellte und dessen Züge nachdenklich in die Ferne wiesen. Sah ganz so aus, als hätte er sich in Ceallagh nicht getäuscht. Ihm schien tatsächlich etwas einzufallen, dass ihnen in dieser Gegend von Nutzen sein konnte – ganz unabhängig von den Karten und den Eigenheiten des Meeres hier, die Shanaya ganz gewiss ausführlichst recherchiert hatte, bevor sie Calbota verlassen hatten. Allerdings erschloss sich ihm der Sinn hinter den Worten des Blonden nicht sofort. Einen Riesenkraken? Unwillkürlich zog Lucien eine Braue in die Höhe und sein Mundwinkel verzog sich zu einem amüsiert-spöttischen Schmunzeln.

Auf mein Verhältnis zu Glück sollten wir uns gerade jetzt lieber nicht verlassen.“, erwiderte er mit einem selbstironischen Unterton in seiner ansonsten belustigten Stimme. „Ich wollte nur ein kleines Handelsschiff überfallen... nicht die Sphinx versenken.

Nur kurz, fast beiläufig huschte sein Blick dabei übers Hauptdeck, wobei er registrierte, dass sich Rúnar, Trevor und Josiah um die vorderen Segel kümmerten. Genug Hände, um diese Aufgabe zu erfüllen, sodass Isala nicht weiter von Nutzen sein konnte. Nicht für die drei dort unten. Allerdings durchaus für ihn, Tarón und Ceallagh, wenn sie vor hatten, einen Plan zu schmieden.
Dass Rúnar sich ebenfalls an die junge Frau wandte, bemerkte Lucien gar nicht, als er unter das Kartenpult griff, die Spule und das Log hervor holte und die Stimme über das Knattern der Segel erhob.

Isala!“ Er wartete nur ein paar Augenblicke, bis sie ihn bemerkte und zu ihm aufsah, ehe er Log und Spule vom Achterdeck zu ihr hinunter warf. „Wir brauchen unsere Geschwindigkeit. Jetzt und noch mal in ungefähr zehn Minuten. Kriegst du das hin?

Seine Frage war eher rhetorischer Natur, denn aus purer Gewohnheit ging er wie zuvor auch bei James davon aus, dass jeder wusste, was er zu tun hatte. Und wenn nicht, würde sicherlich Trevor oder sein blasser Freund ihr erklären, wie sie mit einem Log umging.

Aber red' weiter. Meine Neugier hast du in jedem Fall geweckt.

Und dieses Mal grinste er Ceallagh kurz zu, bevor James ihn noch einmal unterbrach und Lucien mit einem gutmütigen Abwinken antwortete.

Keine Sorge, den kannst du später noch holen, wenn es nicht jemand anderes für dich tut. So schnell haben wir die nicht eingeholt.

[Achterdeck, am Kartenpult | direkt neben Shanaya, Ceallagh & Tarón - bei James | ruft Isala Anweisungen zu]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Greo - 24.10.2020

Für einen kurzen Augenblick lüftete Greo den Hut, schüttelte das wellige Haar und pappte sich die Kopfbedeckung wieder drauf. Er fragte sich, ob sie mit so vielen neuen Gestalten an Bord, die noch wenig Übung in den Manövern miteinander hatten, eine Enterung sicher überstehen würden und zweifelte für den Bruchteil einer Sekunde an der Entscheidung, die oben an Deck getroffen worden war. Diesem Gedanken hing er jedoch nicht lange nach, einmal, weil es ihn in dieser Situation nicht weiterbrachte und er die Kontrolle über seinen Geist im Kampf nicht beeinträchtigen durfte und zweimal, weil er sich an dem Lockenkopf-mit-den-Sprüchen-aus-der-Werft vorbeischieben musste. Der neue Carpenter. Aspens Ersatz.
Automatisch fuhr seine Hand an die Krempe, eine routinierte, lange einstudierte Gestik, die noch von seiner Zeit vor der Sphinx herrührte und nickte Skadi zu, die sich ebenfalls eingefunden hatte. Schließlich machte er eine knappe Bewegung seitwärts mit dem Kopf und hielt ohne weitere Worte auf seine Hängematte zu. Es gab nichts mehr zu fragen oder zu erklären, er hatte bereits ein Ziel. Greo kramte unter der zerschlissenen Decke herum, die in seiner Matte lag und zog etwas Kleines hervor, das er sich in die größere der Taschen an seinem Gürtel steckte. Danach eilte er in den Frachtraum hinab.

Zunächst übersah er Soula, die wohl ebenfalls auf der Suche nach etwas war und machte sich daran eine Kiste zu öffnen, in der, wie er wusste, diverse Schusswaffen gelagert wurden. Kaum, dass er die Waffen sah, verharrte er für einen ruhigen Atemzug, als müsse er gegen einen inneren Widerstand ankämpfen, griff dann aber doch nach einer Pistole. Sie lag schwer in seiner Hand, das Metall unter der Haut war ihm unangenehm. Er fackelte nicht länger und schob sie sich in den Gürtel, an die entgegengesetzte Seite der von ihm bevorzugten Schere. Er hoffte erstere nicht verwenden zu müssen. Zweitere eigentlich auch nicht.
Nachdem er sich mit Kugeln und weiteren Kleinutensilien eingedeckt hatte, verfrachtete er mehrere Pistolen in eine leichter zu tragende Kiste, suchte zwei, drei Degen zusammen und beschloss, diese direkt mit an Deck zu bringen. Derweil erblickte er Soula.

„Suchst du was Bestimmtes?“, fragte er, bereits im Begriff sich wieder zu dem Gewusel weiter oben zu begeben.

[Frachtraum | Soula]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Shanaya Árashi - 29.10.2020

Shanaya lächelte auf Alex‘ Worte hin vielsagend. Sie wusste, was sie tat, auch in solch einem Moment. Sie erwiderte also nichts auf die Worte des Mannes, der kurz darauf auch schon wieder davon wuselte, um sich anderen Dingen – und Leuten – zu widmen. Die Schwarzhaarige selbst blieb ruhig am Steuer stehen, beobachtete die Crewmitglieder, die sie von hier sehen konnte und richtete die blauen Augen immer wieder zu dem Schiff, ihrem neuen Ziel. Nur manchmal huschte ihr Blick zu der Nebelwand, versuchte zu erkennen, wohin sie ziehen würde.

Umso besser, wenn du einfach ins kalte Wasser geschubst wirst“

Ein hoch amüsiertes Grinsen galt dem Dunkelhaarigen, die Worte noch einmal untermalt von einem gut gelaunten Lächeln. Für jemanden in seiner Position war genau das vermutlich das Beste. Nicht lang drüber nachdenken lassen. Nachher versteckte er sich doch noch unter Deck und zog den Schwanz ein. Kurz noch ruhten die blauen Augen auf dem Mann, ehe sie sich zu Lucien herum wandte, der dem Frischling eine Aufgabe zuteilte. James machte jedoch noch einmal auf sich aufmerksam, was Shanaya erneut ein Lachen entlockte. Soso. Er würde sich also opfern, um ihr dabei zu helfen, sich aus zu ziehen. Natürlich würde er das.

„Sollte ich Mal Probleme haben, das alleine zu schaffen, komme ich ganz sicher auf dich zurück.“

Erneut galt James ein vielsagendes Grinsen, ehe er sich nach Luciens Auftrag richtete und der Captain zu Shanaya zurück kehrte. Die junge Frau warf ihm einen munteren Blick zu, als Ceallagh schließlich zu ihnen kam. Der Blonde trat zu ihr und wog den Kopf kurz zur Seite, ehe sie ihm antwortete. In ihrer Stimme lag die leise Frage, wofür genau er das wissen wollte.

„Es sollten nur ein paar Tagesreisen Richtung Nord-Ost sein.“

Ceallagh ließ den Blick noch ein wenig schweifen, richtete sich dann mit Worten an Lucien, die die junge Frau aufhorchen ließen. Sie wusste nicht genau, was er mit seinen Worten bezwecken wollte, ob er etwas wusste, was ihnen helfen würde. Aber ihre Neugierde hatte er damit in jedem Fall geweckt.

Ich geb‘ dir was von meinem Glück ab, dann steigen unsere Chancen.“

Shanaya warf ihrem Captain ein vielsagendes Grinsen zu, ehe sie die blauen Augen wieder direkt auf den Blonden richtete. Egal, worum es ging. Davon hatte sie genug, auch wenn sie noch nicht ganz genau wusste, was Ceallagh meinte. Und wenn es nur darum ging ‚etwas Vergleichbares wie einen Riesenkraken‘ zu sehen.

Wenn du uns jetzt irgendwelche Geschichten von Monstern erzählst, muss ich mich wirklich zusammen reißen, die da weiter zu verfolgen.“

Sie zwinkerte den beiden Älteren zu, deutete mit einer lockeren Handbewegung auf das Schiff, das vor ihnen floh. Und das keine Chance hatte, sie abzuhängen. Dessen war die Schwarzhaarige sich sicher. Auch wenn irgendwelche Erzählungen von Monstern jeglicher Art es ihr in solch einem Moment äußerst schwer machen würden. Sie war also gespannt, was Ceallagh ihnen zu berichten haben würde.

[Auf dem Achterdeck, am Steuer | Lucien, Ceallagh, Tarón & James]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Skadi Nordskov - 29.10.2020

Ceallagh schlüpfte aus der Kapitänskajüte. Wenig später Talin, die ihm wie ein blonder Schatten an Deck folgte. Erneutes Gepolter ertönte. Über ihnen. Schräg voraus. Das Schiff begann zu atmen und ein Kribbeln auszuströmen, das Skadi durch Mark und Bein ging. Fast schon beiläufig huschte der Blick der Jägerin aus den Augenwinkeln zurück auf Alex und Soula, der sie ein sanftes Schmunzeln zuwarf. Was gäbe sie just dafür, die Gedanken der jungen Frau zu lesen, die so frisch auf See direkt  Mitwirkende einer Enterung wurde. Allerdings war eines nach diesem gemeinsamen Erlebnis sicher: es stünde wohl außer Frage, ob sie seetauglich genug für ein Leben auf der Sphinx war. Denn entweder überlebte sie, lief über oder verschwand in den Untiefen der See. Für immer.
Allerdings konnte selbst die Dunkelhaarige nicht von sich behaupten, viel Erfahrung auf dieser Seite des Kräftemessens zu besitzen. Ganz gleich wie oft sie bereits Augenzeugin und Leittragende einiger Enterungen gewesen war, erschien es ihr einfach nicht dasselbe.

“Oder sie sind nicht darauf vorbereitet sich gegen ein Piratenschiff zu behaupten.“

Was selten vorkam. Über die letzten Jahre hatte die Überfallrate auf hoher See stetig zugenommen, ganz gleich wie gern die Marine diese Tatsache auch unter den Tisch kehrte. Immer mehr Handelskompanien waren dazu übergegangen sich ausreichend mit Kanonen, Pistolen und Schwertern auszustatten – sie hätten also mehr als nur stupides Glück, wenn sie ausgerechnet an eine Besatzung gerieten, die ungeschult und unerfahren war.
Mit einem kurzen Nicken entgegnete Skadi Greos Begrüßung, kaum dass dessen in sich ruhende Gestalt das Ende der Treppe erreichte und ihre kleine Gruppe wie ein Schatten passierte. Zielstrebig und üblich wortkarg. Irgendwo hinter sich konnte sie noch das dumpfe Poltern seiner Schritte vernehmen, während die dunklen Augen unverwandt zu Alex hinauf sahen. Nachdenklich. Skeptisch.

“Wir brauchen einige Zwölfpfünder sowie Schießpulver. Dann noch einen Eimer Wasser und eine Bürste. Um den späteren Nachschub an Pulver und das Auswischen kann sich während des Gefechts Soula kümmern, andernfalls verlieren wir wertvolle Zeit. Ich könnte also fürs Beladen durchaus deine Hilfe gebrauchen. Zu Dritt sind wir effektiver.“

Außerdem war das ständig Heben und Schleppen der Kugeln anstrengend und Kräfte zehrend. Lieber ließ sie Alex ein Teil der Aufgabe mit erledigen, um im späteren Gefecht mit ausreichend Reserven an Board zu gehen.

“Geh schonmal in die Krautkammer. Ich muss wissen, zu welcher Handelskompanie das Schiff gehört. Dann komm ich runter.“

Vielleicht erkannte sie die bunte Flagge am Heck des Schiffes. Immerhin mussten ihre Jahre bei der Marine zu irgendetwas gut gewesen sein. Ein letztes Nicken galt dem Lockenkopf, ehe sie an ihm vorbei in Richtung des Treppenaufgangs marschierte und die Hand gegen das gleißende Licht vor die Augen hob.

[erst unter Deck im Mannschaftsraum bei Alex | dann auf Deck vor dem Hauptmast unter Liam]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Talin Dravean - 31.10.2020

Es war ein ernstes Thema. Verschwundene Frauen und Mädchen konnte nur etwas wirklich Schlimmes sein und trotzdem musste Talin lachen. Die Vorstellung, wie ein Geisterwesen durch die Gegend zog und jeden verführte, belustigte sie, ließ ihre Augen auf jeden Fall aufblitzen. Vermutlich, nein sogar mit ziemlicher Sicherheit, steckte mehr dahinter, als irgend ein ominöses Wesen, aber es erregte dennoch ihre Aufmerksamkeit. Mit Ceallagh über mögliche Abenteuer zu diskutieren, machte ihr Spaß, auch wenn es sie traurig stimmte, dass Lucien sich ihnen nicht anschloss. Es wäre noch viel amüsanter, wenn ihr großer Bruder seine zu groß geratene Fantasie spielen lassen würde. Wie sie zu dritt darüber diskutierten, was mögliche Legenden waren, denen man abenteuerlustig hinterherrennen sollte. Das Bild war so real vor ihren Augen, dass sie einen Moment brauchte, bevor sie sich wieder auf den Blonden konzentrieren konnte. Als sie ihm schließlich antworten wollte, spürte sie, wie Aufregung und Bewegung die Besatzung des Schiffes ergriff. Talin richtete sich auf, vergaß völlig, worüber sie gerade noch gesprochen hatten und lenkte ihre Aufmerksamkeit an die Decke der Kajüte. Gerade, als sie verwundert die Stirn runzelte, kam auch schon Alex vorbei gerannt und zog Ceallaghs und ihre Aufmerksamkeit auf sich.
Das Herz der Blonden machte einen Hüpfer, bevor es anfing heftig, wie die aufgewühlte See zu schlagen. Was genau geschah da oben, bitte? Aufgeregt folgte sie dem Mann nach oben an Deck, wo er sich schneller als sie ein Bild von der Situation machte und dann zu Lucien und Shanaya ans Steuerrad eilte. Talin blieb noch einen Moment länger stehen, um sich ein Bild zu machen. Eine Verfolgungsjagd, wirklich? Und sie hatte unter Deck festgesteckt? Verdammt noch mal.
Ihr Blick glitt aufmerksam über das Hauptdeck und huschte dann noch einmal nach oben zu ihrem Bruder, der die Situation aber gut im Griff hatte. Ihr Herz schlug noch ein wenig schneller, als sie das Schiff in der Ferne entdeckte. Kurz kam ihr der Gedanke, wie wenig erfahrene Seefahrer sie an Bord hatten, aber sie verscheuchte ihn sehr schnell wieder. Wenn sie das andere Schiff erst einmal eingeholt hatten, dann wäre es egal, denn kämpfen konnten auf der Sphinx auf jeden Fall mehrere.
Für einen kurzen Moment schloss Talin die Augen, atmete tief durch und beruhigte ihr rasendes Herz und zwang sich zur Ruhe und Gelassenheit. In dem Moment, in dem sie die Augen wieder aufschlug, hörte sie die Stimme ihres Bruders übers Deck rufen. Kurz sah sie zu Lucien, bevor ihr Blick zu Isala glitt. Für einen Moment schoss ihr eine Erinnerung an ihre Kindheit durch den Kopf. Den Moment, als Lucien versuchte, ihr so viel wie möglich über die Schifffahrt beizubringen, dass sie zusammen von ihrer Heimatinsel fliehen konnten. Ohne also weiter darüber nachzudenken, trat sie schnellen Schrittes hinüber zu der jungen Frau und lächelte sie an.

Ich helf dir dabei, wenn du willst.

[unter Deck bei Ceallagh | dann auf Deck bei Isala]


RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Ceallagh Hayes - 01.11.2020

Ganz gleich mit wie viel Ironie seine Worte gespickt waren, klangen sie für den Schmuggler nicht gerade danach, als wäre er einem Vorschlag abgeneigt. Noch während Lucien vorab dazu überging weitere Aufträge zu erteilen und sich den Herrschaften unter ihnen zuzuwenden, bückte sich Ceallagh zu der Karte an Shanayas Seite hinab. Immer wieder umkreisten seine Finger die Küstenstreifen von Ritu und Akaneo, maßen den Abstand ihrer möglichen Position ab und verharrten, wann immer der Hüne sich wieder aufrichtete und den Blick schweifen ließ.
 
“Ich glaube euer beider Glück zusammen kann nicht das unseres Schiffsnarrs übersteigen.“
 
Mit einem amüsierten Zucken in den Mundwinkeln, bedachte er die junge Navigatorin mit einem Seitenblick. Er konnte sich kaum vorstellen, dass die Allgemeinheit Glück so definierte. Und es erschien ihm bedauerlich, dass Shanaya es offensichtlich tat. Ihr Leben musste wohl im Allgemeinen unglaublich brutal und mit Gewalt erfüllt sein. Wie gut, dass sie sich mit Männern und Frauen umgab, die so „charmant“ und „zuvorkommend“ waren.
Erst als Lucien sich zu ihnen gesellte, wandte sich Ceallagh der Karte erneut zu und tippte geräuschvoll auf die Meerenge im Herzogtum Brancion.
 
“Hier im Gebiet um Ritu und Akaneo leben zwischen April und Juni riesige Vögel, die auf hohen Gesteinsformationen im südlichen Küstengebiet Akaneos im Meer brüten. Wenn man sie umfährt und in Ruhe lässt sind sie vollkommen harmlos. Doch wenn man… sagen wir…. ein Handelsschiff in ihr Territorium zwingt und vielleicht mit reichlich Kanonenkraft dafür sorgt, dass es nicht nur laut wird, sondern nach reichlich Schießpulver und Feuer riecht...“
 
Mit einem Achselzucken erhob sich Ceallagh und ließ den Blick aus grünblauen Augen über Luciens Miene schweifen.
 
“Und solange uns Shanaya sicher aus der Gefahrenzone heraushält – was sie ganz bestimmt tun wird – dürfte es für uns kein allzu großes Risiko bergen.“

[Achterdeck, am Kartenpult | direkt neben Lucien & Tarón - bei Shanaya und James]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Tarón Valur - 02.11.2020

Tarón warf noch einen letzten Blick auf Zustand und korrekte Position des Segels, um das er sich gerade gekümmert hatte, ehe er auf Geheiß des Captains die Position zu ihm und den anderen wechselte – nicht ohne dabei einen zweifelnden Blick auf James zu werfen. Aber jeder musste sich irgendwann beweisen, nicht wahr? Notfalls bliebe genug Zeit um zu verhindern, dass die Landratte ihren Plan mit möglicher Unerfahrenheit und Inkompetenz „sabotierte“.
Bei den anderen angekommen lauschte auch er zunächst dem, was Ceallagh zu sagen hatte,  denn dieser konnte offenbar mit ziemlich detailliertem Wissen um die Gewässer aufwarten – und genau das fehlte dem Falken noch.
Vögel – interessant.

„Klingt nach einer guten Idee – vielleicht lässt sie sich mit meinem Gedanken verbinden. Der beinhaltet zumindest auch Krach und Rauch.“

Auch Tarón trat nun so zur Karte, dass er selbst zeigen konnte, was er meinte und richtete einen abschätzenden Blick auf die Nebelwand und das gejagte Schiff, ehe er mit dem Finger die Nebelposition auf der Karte nachzog.

„Wie gesagt: wenn wir unsere Geschwindigkeit halten können, sollte es möglich sein sie in Richtung Ritu abzudrängen – und damit in den Nebel hinein, während wir noch vor der Nebelbank sind. Wenn sie nicht komplett wahnsinnig sind oder von einer Zuflucht wissen, die sie selbst in dieser Nebelsuppe finden könnten, werden sie natürlich versuchen das zu vermeiden, aber ich denke mit ein paar Kanonenkugel könnte man sie überzeugen… und wenn dort diese Vögel hausen hätten wir sogar eine doppelte Falle.“

Er warf einen Blick zu Ceallagh. Dieser würde sicher auch wissen, ob der Plan daran scheitern konnte, dass sich das Handelsschiff irgendwo hin retten konnte.

„Entweder eins der beiden erwischt sie – oder sogar beides. In jedem Fall würde das ihre Manövrierfähigkeit stark einschränken. Im Nebel bliebe ihnen wenig anderes als entweder die Fahrt zu drosseln oder starr den Kurs zu halten, wenn sie nicht komplett jede Übersicht verlieren wollen. Die Vögel würden wohl für völliges Chaos an Board sorgen. Damit könnten wir sie zwar im nebel aus den Augen verlieren, da der Kurs unberechenbar würde – aber ich glaube das wir dann wohl nach Geräuschpegel suchen könnten…“





[Achterdeck, am Kartenpult |  Lucien & Ceallagh - bei Shanaya und James]


RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Soula Veniel - 02.11.2020

Oh doch, Soula hing sehr an ihrem Leben, weshalb sie es gut fand, dass Alex ihr riet sich außerhalb des Hauptgeschehens aufzuhalten. Allgemein war sie sehr überfordert mit der Situation. Nicht nur deswegen, weil sie sich auf dem Schiff noch nicht genug auskannte, sondern auch, weil sie solche Situationen auf See nicht kannte. Sie wollte sich so nützlich machen, wie sie wollte. Klar hätte sie sich vielleicht auch selber überlegen können, mit was sie Hilfreich sein konnte. Das würde aber eine gewisse Zeit und Einfallsreichtum erfordern. Beides stand gerade nicht ganz oben auf ihrer Verfügbarkeitsliste. Deswegen fragte sie lieber, auch wenn sie sich dabei ein bisschen doof vorkam. Aber besser, als wenn sie nutzlos in einer Ecke rumstehen würde. Oder?

Kurz nachdem Alex ihr Anweisungen gegeben hatte, war sie auch schon die Treppe heruntergegangen, um die gewünschten Dinge zu holen. Sie war so nervös und ein bisschen durch den Wind, dass sie Greo Anfangs ebenso wenig bemerkte wie er sie. Deswegen zuckte sie kaum merklich zusammen, als er fragte, ob sie etwas bestimmtes suchte. Sie hatte sich tatsächlich suchend umgesehen. „Ja, Alex hat mir aufgetragen die Kiste mit Enterhaken und Tauen an Deck zu bringen. Die brauchen wir sicher bald.“, antwortete sie und stöberte durch die Kisten. Vielleicht konnte Greo ihr sagen, wo in etwa sie diese finden konnte, bevor sie hier aktiv auf die Suche gehen musste. „Warst du schon öfter bei einer Enterung eines Schiffes dabei?“, fragte sie interessiert, um auch die Situation ein bisschen besser abschätzen zu können. War das etwas, was dauernd passierte? Oder eher seltener?

[Frachtraum | Greo]