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Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Druckversion

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RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Talin Dravean - 14.02.2021

Talin zuckte, wie von Nadeln gestochen, zusammen, als ein Schuss ertönte, unsicher, ob sie ihn sich eingebildet oder wirklich gehört hatte. Es hätte sich bei dem Geräusch ebenso gut um eine Explosion in ihrem Kopf handeln können, denn genug Sterne, die vor ihren Augen tanzten, sah sie dafür auf jeden Fall. Der Klang einer Stimme, lenkte ihre Aufmerksamkeit von den Punkten weg und sie versuchte zu verstehen, wer redete und was gesagt wurde, da es so dumpf wirkte, als hätte sie Watte in den Ohren.
Schließlich schaffte sie es, sich so zu fokussieren, dass sie in Richtung der anderen schielen konnte. Dabei meinte sie, die Stimme von Liam zu erkennen. Auch glaubte sie so etwas, wie ‚geht’s?‘, verstanden zu haben, und nickte daher vorsichtig, allerdings unschlüssig. Immerhin schien ihr Kopf bei der Bewegung nicht darüber nachzudenken, von ihrem Hals zu fallen, was ihr Hoffnung machte, dass wirklich alles in Ordnung war.
Als wieder Liams Stimme erklang, sie verstand immer noch nicht, was er sagte, nahm Talin mutig die Hand von ihrer Schläfe. Das sie auf ihrer Handfläche kein Blut entdeckte, schien ihr ein gutes Zeichen zu sein. Dass die Mutter aller Kopfschmerzen sie allerdings sofort heimsuchte, warf sie etwas aus der Bahn. Konnte sie es sich leisten, weiterhin dumm auf dem Boden herumzusitzen? Am liebsten hätte sie den Kopf geschüttelt, um sich zur Ordnung zu rufen, aber sie widerstand dem Drang, da sie sich vorstellen konnte, was passierte, wenn sie das tat. Stattdessen hob sie die Hände und massierte ihre Ohren, bis sie schließlich wieder die Geräusche um sie herum wahrnahm. Das Knarren und protestieren des Holzes war das erste, gefolgt von sich nährenden Schritten und einer Hand, die vor ihren Augen auftauchte. Langsam sah sie in Liams Gesicht, bevor sie nach dem Hilfsangebot griff und sich hochhievte.
Das Lazarett drehte sich nicht um sie, allerdings wirkte alles ein wenig falsch, da sie immer noch auf der Seite lagen. Obwohl sie Liam vorherigen Worte nicht gehört hatte, konnte Talin sich doch vorstellen, was das Schiff in dieser Position hielt. Ihre Gedanken rasten wieder schneller, schienen mit dem Schmerz langsam klar zu kommen, als Gregory auf denk dunkelhaarigen Lockenkopf zu kam und ihm einige Falschen reichte, die bei dem Zusammenstoß mit dem Vogel nicht zerbrochen waren. Zwar wusste Talin nicht, was Liam, damit vor hatte, aber sie konnte seinen Worten stumm beipflichten, dass sie den Vogel auf etwas anderes aufmerksam machen sollten.
Kurz massierte sie sich die Schläfen, bevor sie langsam nach ihrem Dolch bückte und dabei zu Liam schielte. Obwohl ihre Gedanken wieder besser funktionierten, konnte sie ihm nicht ganz folgen. Sie hoffte darauf, dass es funktionieren würde, wenn er mit seinen Vorbereitungen fertig war.

Ich weiß zwar nicht, was genau du vorhast, aber du solltest mit Rayon gehen und deine Ablenkung suchen. Elian und ich bereiten die Tücher vor – nur für den Fall - und holen neues Wasser. Gehst du mit dem Zeug dann hoch an Deck? Oder wollen wir einige von hier aus ins Wasser werfen? Brauchst du dabei Hilfe? Entschuldige, ich bin gerade noch ein bisschen langsam.

[Lazarett | Liam (Rayon, Elian, Gregory)]


RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Jón Nóason - 15.02.2021

Für die letzten paar Wochen hatte Jón gedachte, er würde an Langeweile sterben. Nun, ja. Er war von dem ganzen ... Trubel* daheim geflohen, damit er keinen Trubel mehr hatte. Und das hatte funktioniert. Aber er wollte einfach eine ordentliche Mischung an Ordnung und Chaos. Und jetzt entschied sich das Schicksal, das ganze angestaute Chaos von Wochen innerhalb einer Stunde rauszulassen. 

*Trubel war eine maßlose Untertreibung, aber wenn Jón das realistisch betrachtet und ernst genommen hätte, dann wäre er jetzt nicht auf der Flucht davon.

Erst waren da die Piraten gewesen. Vom Krähennest hatte Henry heruntergeschrien, dass sie verfolgt wurden. Von einem Schiff mit roten Segeln. Etwas hätte geklingelt -- Schiff mit roten Segeln -- aber der Gedanke verflüchtigte sich, denn dann waren da die Kanonenkugeln, die gefährlich nahe neben ihnen im Wasser auftrafen und Fontänen in die Höhe schossen.

Als drittes war da der Nebel. Die gesamte Crew war so emsig bei der Arbeit gewesen -- Segel setzen, Kurs ändern, Piraten im Auge behalten -- dass sie es erst bemerkten, als sie schon mitten drin waren. Es war als hätte die Welt auf einmal angefangen sich schneller zu drehen. Die Reling und der Mast begannen zu modern, der Nebel sah so aus als hätte er ein Bewusstsein, als hätte er kleine Händchen, die er nach allem ausstrecken würde und sich an dem festklammern würde, was er zu halten bekam.

Aber auch darauf hatte Jón nicht die Zeit sich einen Reim zu bilden, denn als viertes war da das Kreischen. Wie das eines riesigen Vogels. Dann war da das Kreischen der Crew und dann ein hölzernes Krachen und dann sah Jón nichts mehr. Etwas riss ihn zu Boden wie ein Wasserschwall, aber als er sich aufrappelte und auf die Knie ging, war er trocken, und als er ein paar Mal geblinzelt hatte um sich zu sammeln, realisierte er, dass eines ihrer Segel ihn zu Boden gerissen hatte.

Als fünftes war da Néniels Stimme.

"Neni, ich bin hier!" rief er und ruderte, um sich von dem Segel zu befreien. Als er es abgeschüttelt hatte, war es, als hätte ihn das Segel zu einem Schlachtfeld transportiert. Holzstücke, Stofffetzen, Menschen -- Menschen die herumlagen, die herumrannten -- auf dem Deck vermoderte Stellen und rote Pfützen über die er lieber nicht weiter nachdenken wollte. Henry, mit einem Pflock zwischen den Rippen.

Jóns Augen suchten seine Umgebung ab. Da war Néniel, stand da wie bestellt und nicht abgeholt.

Er rannte zu ihr rüber, packte ihren Arm und zog sie mit zum Beiboot. "Gute Idee", sagte er, mit Blick auf die Gruppe, die sich am Beiboot gesammelt hatte.

{ auf dem Deck des Handelsschiffs | Néniel }



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Weltenwind - 17.02.2021

Ein Hauch von Säure ...
Jeder Flügelschlag des Vogelwesens, mit dem es sich halb fliegend und halb balancierend auf dem Mast hielt, schüttelte die Sphinx von oben bis unten durch. Das gewaltige Tier brauchte einen Moment, um den verpatzten Angriff zu realisieren, zu erkennen, dass sich zwischen seinen Klauen nur Holz und keine Beute befand – und es waren diese Sekundenbruchteile, die Skadi für einen Gegenschlag zu nutzen verstand. Denn ihr blieb nur diese eine Chance: Entweder wurde sie den Vogel los, oder er versenkte das Schiff einzig mit seinem Gewicht.
Und ihre Klinge fand ihr Ziel. Eben dort, wo sich matte Flecken auf dem Schuppenkleid abzeichneten, schien der echsenartige Hautpanzer dünn und porös zu sein. Die scharfe Schneide ihres Dolches drang tief ins Fleisch der Kreatur ein und unter einem ohrenbetäubenden Aufschrei riss der Vogel den Kopf in die Höhe, der eben zum Angriff auf die Jägerin hinab gefahren war und dabei das Geländer des Krähennestes in Stücke zerlegte. Wild schlug er mit den Flügeln, ließ einen tosenden Sturm aus Nebelfetzen über das Deck wehen.
Gleichzeitig ertönten von dort unten Schüsse. Alex' Kugel knallte ein Stück zu weit oben in den Hauptmast der Sphinx, fetzte Holzsplitter aus dem Stamm, die über Isala niedergingen. Ryms Kugel hingegen streifte den Kopf des Vogels, riss eine blutige Spur durch das Gefieder über dem Auge und verschwand in den Himmel.
Dann ließen die furchterregend großen Klauen vom Mast des Schiffes ab und die Sphinx, deren Schwerpunkt im Herzen ihres Frachtraums lag, schnipste wie eine Boje auf Spannung zurück nach Steuerbord. Einem Katapult gleich schleuderte es Skadi über die zerstörte Brüstung des Krähennestes. Nur mit viel Glück bekam sie eine der Rippen zu fassen, baumelte nun aber gute 30 Schritt über dem Deck des Schiffes, als dieses wieder in die Senkrechte schwang und wippend auf den Wellen schaukelte.

Spielleitung für Isala & Skadi / Alex & Rym


Rayon hatte, kaum dass er wieder auf den Beinen stand, schon aus Reflex nach seiner Wurfaxt gegriffen und den Blick an die hölzerne Decke gehoben – obwohl ihm natürlich bewusst war, dass er hier mit einer Waffe ganz und gar nichts würde ausrichten können. Also ließ seine Hand einen Moment später nutzlos davon ab und dankbar wandte er sich Liam zu, dessen Frage ihm eine neue Aufgabe gab, auf die er sich konzentrieren konnte. Einen Moment zögerte er überlegend, dann nickte er und auf seinen Zügen lag ein Ausdruck grimmiger Entschlossenheit.
Ich hole eins von den Hühnern.“ Mit einem Blick in Talins Richtung winkte er ab und nickte auf Liams zerkratzte Hände. „Lass dich erst mal versorgen, ich bin gleich zurück.

Elian hatte sich inzwischen ebenfalls wieder auf die Beine gekämpft, hielt sich ob der momentanen Schräglage des Schiffes an der angeschraubten Pritsche fest und warf einen unheilverkündend kritischen Blick auf die Pfütze aus Toniken, aus der sich Liam erhoben hatte. Ruhig, aber ernst sah er zu dem Lockenkopf auf. „Ich gehe mit Rayon und hole Wasser. Das sollte als allererstes gründlich ausgespült werden.“ Er nickte auf Liams Schnittwunden und wandte sich der Tür des Lazaretts zu, um dem Smutje auf dem schrägen Boden hinterher zu balancieren.
Gregory wirkte deutlich aufgewühlt über den Verlust der Medikamente, kehrte jedoch mit einem Kopfschütteln zum Ernst der Lage zurück und sah zu Liam auf. „Die waren dort drin.“ Er deutete auf den Medikamentenschrank. „Hoffen wir, dass keine davon zu Bruch gegangen ist.“ Er schob sich vorsichtig an Liam vorbei, öffnete eine der Türen und kramte in dem verbliebenen Sortiment herum, bis er schließlich mit zwei kleinen Fläschchen wieder auftauchte. „Die müssten es sein. Da drin ist alles durcheinander, ich muss erst...
Weiter kam Gregory nicht. Rayon und Elian hatten es kaum aus dem Lazarett geschafft, als ein brutaler Ruck durch das Schiff ging und die Sphinx wie ein Katapult plötzlich auf die Steuerbordseite schoss. Was bis zu diesem Moment noch oder wieder auf den Beinen gestanden hatte, riss es nun von den Füßen. Dem Schiffsarzt entglitten die Phiolen, als er erneut stürzte und rollten in die Dunkelheit hinter den Möbeln davon. Lose Gegenstände flogen wie tödliche Geschosse durch die Luft Unterdeck. Aus den Tierpferchen kam lautes Gackern und schmerzerfülltes Blöcken – dann sackte das Schiff zurück in die Senkrechte.

Spielleitung für Liam & Talin


Der Vogel erhob sich laut kreischend weiter in die Höhe. Schmale, vor Schmerz und Zorn glühende Augen richteten sich auf die am Krähennest hängende Jägerin, auf die umhergeschleuderten Gestalten der Piraten. Doch bevor er erneut zum Angriff übergehen konnte, schob sich eine dichte weiße Wand über die Reling der Draka, schob sich über das Deck, verschluckte Takelage, Segel, Masten und der Vogel erhob sich mit einem frustrierten Schrei höher in die Luft, bis auch der lange Schwanz dem Nebel entwich. Dann verschwand er hinter weißem Dunst und war vom Deck des Schiffes aus nicht mehr zu sehen. Lediglich das gedämpfte Geräusch seiner Schwingen kündete davon, dass er hoch über ihnen weiter seine Kreise zog.
Der Nebel indes schob sich durch jede Ritze, jede offene Luke in das Innere der Sphinx und auch wenn das Holz vorerst unbeschadet blieb, bildete sich auf den einzelnen Kanonen nur Sekunden danach eine dünne, rötliche Rostschicht. Alles, was aus Eisen war, rostete und jede offene Verletzung, die mit dem weißen Dunst in Berührung kam, brannte urplötzlich wie Säure.

Spielleitung für die gesamte Crew


Die Männer, die das Beiboot umstellten, riefen sich gegenseitig Befehle zu. Einer der geschniegelten Herren, die mit Néniel und Jón diese Reise angetreten hatten, zeterte am lautesten. Einer seiner Kameraden lag tot unter dem zerbrochenen Hauptmast, der andere hielt sich den merkwürdig verrenkten linken Arm und trug eine schmerzverzerrte Miene zur Schau. Keiner der Seemänner schenkte ihnen oder den anderen beiden Passagieren noch Beachtung. Sie wussten, was sie zu tun hatten und wie man ein Beiboot zu Wasser ließ. Alle Handgriffe saßen.
Der Kran, der das Boot hielt, schwenkte über die Reling, hielt es nun über dem offenen Wasser. Doch wieder durchbrach ein lauter, klagender Schrei die dichte Nebelmasse und aus dem Nichts brach der Vogel hervor, der ihnen bereits Mast und Segel genommen hatte. Echsenklauen streckten sich vor, packten sich zwei Seemänner und rissen zugleich das Beiboot aus seiner Verankerung. Der Kran zerbarst, große Holzsplitter flogen in Néniels und Jóns Richtung. Dann erhob sich das Geschöpf mit kräftigen Flügelschlägen in die Höhe, stieß einen zweiten, dieses mal schmerzerfüllten Schrei aus und ließ seine Beute fallen, bevor es gen Himmel schoss und aus dem Blickfeld verschwand.
Dann, ganz plötzlich, erschlafften die verbliebenen Segel des kleinen Handelsschiffes. Windstille. Das Schiff wurde merklich langsamer, trieb auf den Wellen dahin, bis ein kräftiger Rumps es aprubt zum Stillstand brachte. Ein lautes Schaben ertönte. Dann nichts mehr. Waren sie auf Grund gelaufen?

Spielleitung für die Néniel & Jón





Shortfacts
# Zairym trifft mit einem Streifschuss, Alex verfehlt den Vogel, Skadi trifft mit dem Dolch
# Skadi wird über die Brüstung des Krähennests geschleudert
# Der Vogel bringt sich über den Nebel in Sicherheit und ist nicht mehr zu sehen, nur noch zu hören
# Das Schiff wird vollständig vom Nebel verschluckt, der auch unter Deck eindringt
# Die Sphinx liegt inzwischen wieder gerade im Wasser
# Liams Handflächen sind mit Schnittwunden übersäht
# Offene Verletzungen brennen bei Kontakt mit dem Nebel wie unter Säure.
# Der zweite Vogel bei Néniel & Jón greift die Seemänner am Beiboot an, bringt sich dann aber in Sicherheit
# Plötzlich weht kein Wind mehr und das Schiff scheint auf Grund zu laufen
# Die Sichtweite beträgt 10 Meter.

# Weitere Verletzungen und Schäden am Schiff sind jederzeit durch euer Spiel möglich, solange sie nicht durch die SL bereits ausgeschlossen sind.



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Greo - 19.02.2021

Seine Fantasie fütterte ihn brav weiter mit unaussprechlichen Bildern von monströsen Angreifern, die da kommen mochten und das andere Schiff im fernen Nebel war für ihn bereits ein Artefakt der Vergangenheit geworden. Die Ungewissheit fesselte seinen Fokus an die Gegenwart. Dann passierten mehrere Dinge gleichzeitig.
Shanaya kam nicht einmal mehr dazu ihm zu antworten und wenn, dann hätte er ihre Worte nicht mehr ordentlich verarbeiten können, denn plötzlich hatte die Welt die Entscheidung getroffen zu kippen. Da war irgendwas oben Richtung Krähennest, aber Greo konnte es nicht im Blick behalten. Der Nebel, der langsam näherrückte, verwässerte die Konturen des Horizonts, sodass Greo beim besten Willen nicht hätte sagen können, ob es tatsächlich die Umgebung war, die ihren Winkel veränderte, oder ob das Schiff unter seinen Füßen krängte. Die Bewegung kam so abrupt und stark, dass er das Gleichgewicht verlor. Greo stieß einen rauen Schrei der Überraschung aus. Mit vor Schreck geweiteten Augen riss er instinktiv die Arme auseinander, sobald er stürzte. Er fuchtelte herum, in der Suche nach Halt, aber er konnte ja schlecht nach Shanaya greifen und sich durch sie stabilisieren. Doch selbst sie konnte sich nicht mehr an das Ruder klammern, mit oder ohne sein Gewicht an ihren Schultern. Wie zwei Würfel im Becher wurden die beiden nach Backbord geschleudert.
Greo schlitterte und stürzte rücklings auf die Reling zu. Er wusste, dass es ihn empfindlich verletzen konnte, wenn er sich nicht abfing, aber auch das gelang ihm mehr schlecht als recht. Bevor sein Rücken gegen die Reling krachte, flog er über seine eigenen Füße und machte einen Abgang. Seine Ellbogen prallten mit solcher Wucht auf das Deck, dass er meinte, das Gelenk müsse sich bis nach vorne durchbrechen. Ein Schuss löste sich aus der Waffe, irrte durch den Himmel und verschwand im Nichts. Der Rückstoß ruckte durch seinen Arm und er ließ den Revolver los. Er klapperte ein, zwei Meter von ihm weg, aber das kümmerte Greo herzlich wenig. Er konnte zumindest verhindern, dass sein Kopf nach hinten aufs Deck und dann in die Reling knallte. Aber der Aufprall presste ihm die Luft aus der Lunge und er keuchte. Shanaya konnte wirklich nichts dafür, dass Greo plötzlich in ihrer Fluglinie war, aber während sie strauchelte, stolperte sie über seine Beine und segelte in ihn rein. Ihr Kopf rammte seitlich in seine Rippen wie ein Widder auf Angriff und trieb ihn erneut in die Atemlosigkeit. Sie rutschte von ihm. Er musste den schlimmsten Aufprall abgefedert haben, dennoch war sie auf ihrer Schulter aufgekommen. Benommen versuchten die beiden sich auseinander zu knoten. Sie hatten verdammtes Glück gehabt, dass Greos Scherschere so kurz am Gürtel angebunden war, dass er nicht hatte drauffallen und sie sich ins Fleisch bohren können, gleichzeitig war Shanayas Ohr nur knapp an den Schneiden vorbeigeglitten.
Greo benutzte ein Schimpfwort, schlimm genug, dass seine Mutter irgendwo in Elanora in spontaner Eingebung vor Scham errötete und zog sich irgendwie wieder auf die Füße. Sicherheitshalber klammerte er sich an die Reling.

„Was zum Geier war das denn jetzt?“,

fauchte er, wohlwissend, dass das keiner der Mannschaftsmitglieder verschuldet haben konnte.

„Bist du in Ordnung?“,

Alarmiert fiel sein Blick auf das Ruder, das nun ohne jede Kontrolle war, abgelöst von grenzenloser Verwirrung darüber, warum das Schiff überhaupt Schlagseite hatte. Sie waren doch nicht aufgelaufen? Wankte es nicht noch? Was zum Henker war das da am Mast gewesen? Ein Vogel gigantischen Ausmaßes? Was machte er da oben?
Das Deck schien zu beben, vernünftig Fuß zu fassen oder gar wieder zum Ruder zu laufen bei dem Auf und Ab und der Schräglage schier unmöglich. Entschlossen, die Sphinx nicht tatenlos herumeiern zu lassen, kämpfte sich Shanaya auf die Beine und wollte los – im selben Augenblick, da die Ursache des ganzen Ärgers den Mast losließ und der Rumpf sich wieder aufrichtete. Shanaya erhielt ordentlich Schub von hinten, sodass sie erneut am Ruder vorbeiflog. Auch Greo wurde nach Steuerbord katapultiert, als ob ihm der Finger Gottes in den Rücken geschnippt hätte.

„Uhaarhaaa!“,

krähte er und fiel einem Kind gleich auf die Knie. Der Hut rutschte ihm über die Augen. Fahrig wischte er sich die Kopfbedeckung aus dem Gesicht und hielt Ausschau. Der Nebel verdichtete sich und mit einem Male fingen seine Ellbogen tierisch an zu zwiebeln. Greo sog zischend Luft ein.

„Shanaya!“


[Achterdeck, ein Stück von der Steuerbordreling weg | Shanny | Eingriff in Shannys Aktionen abgesprochen ]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Shanaya Árashi - 19.02.2021

Einen Moment lang lief die Zeit unglaublich langsam. So viel passierte zeitgleich, dass der Verstand der jungen Frau nicht richtig hinterher kam. Das spitze Schreien dieses Vogels dröhnte in ihrem Kopf nach, viel Zeit blieb ihr jedoch nicht das außergewöhnliche Tier in all seiner ‚Schönheit‘ zu betrachten. Das Holz, um das sich ihre Finger inzwischen so fest klammerten, dass sie blass vor Anstrengung wurden, wehrte sich gegen jede Kraft, die Shanaya aufzubringen versuchte. Schließlich entriss die Kraft des Wassers ihr jegliche Kontrolle, zwang sie dazu, das Rad los zu lassen – und gab damit ihren letzten Halt auf. Das Schiff kippte zur Seite, die schmerzenden Hände der jungen Frau boten ihr in keinster Weise mehr die Möglichkeit, sich abzusichern. Sie hörte noch Greos Schrei, bevor sie selbst das Gleichgewicht verlor, zur Seite taumelte und stolperte. Der Schuss, der in ihren Ohren knallte und der Schmerz, der darauf in ihrer Schulter auf brannte, ließen sie für den Hauch eines Herzschlages denken, dass sie das Ziel der Kugel gewesen war. Kein Ton verließ in diesem Moment ihre Lippen, blieb verschluckt von der kurzen Schwärze, die sie umhüllte, als ein weiterer Schmerz durch ihren Kopf flutete. Greos Stimme, so nah bei ihr, klang wie ein Schreien, als würde er direkt an ihrem Ohr mit voller Stimme herum brüllen. Sie konnte ihre Gedanken nicht ordnen, nicht sortieren, was eben passiert war. Schrie dieser Vogel noch, war er noch da? Oder hallte sein Schrei nur wie ein endloses Echo in ihrem Kopf wieder?

Geht.“

Shanaya wusste nicht, was sie Greo damit mitteilen wollte. Mehr als ein Wort brachte sie jedoch nicht hervor, warf dem Mann nicht einmal einen Blick zu, konzentrierte sich viel mehr darauf, sich aufzurappeln – auch wenn der pulsierende Schmerz in ihrer Schulter sein Bestes gab, sie daran zu hindern. Shanya wusste nicht, wie sie es auf die Beine geschafft hatte, während die Hand ihres gesunden Arms die verletzte Schulter umfasste. Die Bluse war an dieser Stelle zerrissen, unter ihrer Hand spürte sie, ohne es wirklich war zu nehmen, eine kleine Blutspur. Wankend hatte die junge Frau es auf die Beine geschafft, drohte wieder zusammen zu sacken und schaffte doch einen Schritt nach vorn. Noch einen. Sie würde das Steuer erreichen, egal wie viel Schmerz sie in die Knie zwingen wollte. Sie musste… sie… alles drehte sich. Was war mit den Anderen? Hatte dieses Vieh einen von ihnen erwischt?
Mit einer Körperhälfte wollte die Schwarzhaarige sich an den Mast lehnen, genug Sicherheit finden, um mit dem gesunden Arm nach dem Steuerrad zu greifen. In diesem Moment stellte die Sphinx sich jedoch wieder auf, verpasste der jungen Frau einen starken Ruck, der sie mit der schmerzenden, verletzten Schulter gegen den Mast stoßen ließ, sie aufschrien ließ. Wieder verlor sie das Gleichgewicht, zog scharf die Luft zwischen den Zähnen ein, als erneuter Schmerz durch jeden Winkel ihres Körpers zuckte – und ihr wieder die Balance geraubt wurde, womit sie noch einmal stürzte, wieder auf der schon in Mitleidenschaft gezogenen Schulter landete – und über das Deck rutschte. Wieder war ihr Schwarz vor Augen, zwei Herzschläge, bevor das Echo eines Schreiens ihre Ohren betäubte, sie die Orientierung verlieren ließ. Sie wollte sich fangen, sich an irgendetwas klammern. Den Mast, die Reling, auf die sie zu schlitterte. Irgendetwas. Aber der Schmerz übertönte alles, ließ sie vergessen, wo oben und unten war. Sie musste ans Steuer. Sie musste das Schiff unter Kontrolle bringen.

[Achterdeck - Nähe Greo, am Boden]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Lucien Dravean - 19.02.2021

Auch Shanaya war nirgendwo zu sehen. Was war mit ihr passiert? Mit Greo, der kurz vorher noch zu ihr aufs Achterdeck gestiegen war? Über Bord gegangen? Verletzt? Doch er kam in diesem Augenblick nicht zu ihnen. Weder zu ihnen, noch dorthin, wo er Talin vermutete – oder wo er sie zu finden hoffte. Nicht, solange das Schiff derart schräg lag.
Wäre auch nur einer von ihnen über Bord gegangen, fanden sie ihn vermutlich nie wieder. Nicht in diesem Chaos und erst Recht nicht, wenn der Nebel sie einschloss. Doch Lucien versuchte, diesen Gedanken in den Hintergrund zu drängen. Sich dem zu widmen, was er tatsächlich erreichen konnte.
Fahrig sah er sich um, roch das Lampenöl, das sich über seine Schulter ergossen hatte, als das Ding aus seiner Verankerung am Hauptmast gerutscht und ihm gegen die Schläfe geknallt war. Unter seinem gegen die Braue gepressten Handballen quoll ein träger Faden Blut hervor, verfing sich in seinen Wimpern. Er blinzelte angestrengt gegen das, was ihm die Sicht nehmen wollte und den Schmerz, der in seinem Schädel pochte. Entdeckte schließlich nicht weit entfernt Tarón, der an ihm vorbei geschlittert sein musste und dessen Fall schließlich erst die Backbordreling bremste. Aber er schien wohlauf zu sein, rief irgendjemandem an Deck etwas zu und es dauerte einen kurzen Moment, bis Lucien begriff, an wen er sich richtete.
Eine Blendbombe? Feuer? Feuer war verflucht gefährlich für ein Schiff.
Mit einem Arm hakte Lucien sich in die Taue, die das Beiboot hielten, wandte sich schließlich herum und suchte das Deck ab. Suchte nach Rúnar, der angesprochen worden war, und nach Ceallagh, den er auf den ersten Blick nicht entdeckt hatte. Stattdessen fand er Soula, die auf halber Strecke Richtung Backbordreling an einer herausragenden Querplanke hing. Um sich herum nichts sonst, das ihren Stand stabilisieren würde, wenn das Schiff sich weiter neigte. Prompt ließ er den Blick schweifen, fand am Fuße des Hauptmastes ein loses Tau, das sich noch nicht auf den Weg über Bord gemacht hatte und griff danach, stemmte sich umständlich auf die Beine und schlang sich das Seil um die Hüfte, ohne das Tau loszulassen, mit dem er sich selbst festhielt.

Soula!“ Er wartete, bis ihre Aufmerksamkeit zu ihm glitt und warf ihr dann das eine Ende des Seils zu. „Halt dich daran fest und versuch, hier rüber zu kommen.

Das Seil klatschte einen halben Meter über ihr auf die Planken und rutschte das letzte Stück zu ihren Fingern hinab, damit sie danach greifen konnte. Das andere Ende wickelte er sich von Hand zu Unterarm und wieder zurück, damit es ihm ob ihres Gewichts nicht aus den Fingern rutschte.
Und das keine Sekunde zu früh. Denn urplötzlich löste sich das Gewicht, das das Schiff nach unten drückte. Die Sphinx schien abzuheben, schien in der Luft zu hängen. Ein Gefühl, als würde Blei ihn an den Boden tackern und sein Oberkörper zu schweben versuchen drehte ihm den Magen um. Dann kippte die Welt schlagartig in die andere Richtung, übersteuerte einen Moment lang nach steuerbord und sackte schließlich zurück in die Gerade.
Lucien schleuderte es in seiner Halterung herum, wie eine Stoffpuppe. Das Tau schnitt ihm schmerzhaft in den Arm, trieb ihm einen schmerzverzerrten Fluch über die Lippen, doch dieses Mal stürzte er nicht und auch das gespannte Seil, an dem Soula hing, hielt er fest, bis das Schiff wieder grade stand. Die tiefgrünen Augen suchten die junge Frau, musterten sie eilig.

Alles in Ordnung?

[Mitte des Hauptdecks, beim Beiboot | direkt bei Soula, in der Nähe von Alex, Tarón, Rúnar und hoffentlich Ceallagh, Josiah & Trevor | wirft Soula ein Seil zu, bevor die Sphinx sich wieder aufrichtet]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Isala Reginn - 19.02.2021

Wahrscheinlich waren es nur Sekunden, die die nächsten Ereignisse beinhalteten, doch es fühlte sich beinahe so an, als würde es in Zeitlupe an ihr vorüber ziehen. Während die Frau noch auf dem Boden saß, mit dem Rücken zum Holz, griff Skadi neben ihr geistesgegenwärtig an! Und der Angriff gelang… verletzte den Vogel, doch noch ließ er nicht los. Isalas Herz schlug heftiger denn je und jeder Flügelschlag erschütterte ihren Körper und jagten Gänsehaut über ihre Glieder. Noch immer ihren Arm haltend, versuchte die Frau aufzustehen, was bei den ständigen Erschütterungen gar nicht so einfach war. Ihre Stiefel gaben ihr einfach nicht genügend Halt.

Plötzlich donnerte zu erst ein Schuss, dann ein zweiter durch die Luft. Holz explodierte über ihr und als wären es kleine Minigeschosse, schnitten die Splitter ihr winzige Wunden in Wangen und Oberarme, doch zum Glück konnte die Frau ihren Kopf noch rechtzeitig weg drehen. Doch so sah sie leider zu spät, dass der Vogel nun den Mast losließ und das Schiff unter ihnen wieder in ihre vorgesehene Position schnippte. Erneut verlor Isala ihren Halt und krachte wieder gegen das harte unnachgiebige Holz des Krähennests, konnte sich dieses mal aber irgendwie aufrechthalten. Doch es benötigte Zeit die Gedanken zuordnen und etwas wichtiges zu bemerken. Skadi stand nicht mehr neben ihr. Entsetzt suchten die Grünen Augen ihre nähere Umgebung ab und sie vermutete schon das schlimmste – nämlich das die Jägerin ohne Erbarmen auf das Deck gestürzt war. Doch irgendwie war ihnen das Glück doch holt, und die andere Frau hatte eine der Rippen zu fassen bekommen, an der sie sich gerade noch hielt.

Isa überlegte nicht lange, beugte sich über das Geländer und griff mit dem Gesunden Arm nach Skadi, den anderen verletzte hielt sie ihr hin.

„Nimm meine Hand!“, rief sie ihr zu.

Nur nebenbei bemerkte die Frau wie sich der Nebel über das Schiff schlängelte und immer dichter wurde. Plötzlich fuhr ein unsagbar starker Schmerz durch ihre kleinen Wunden, die brannten wie Feuer. Schlimmer jedoch war der Arm, der noch immer blutete. Isa gab einen lauten schmerzhaften Schrei von sich und knallte ihre Kiefer aufeinander… Trotz des Schmerzes, der ihren Oberarm zerreissen wollte, hielt sie Skadi die Hand hin. Es war wichtiger die Frau vor dem sicheren Tod zu retten, den sie wahrscheinlich erlitt, wenn sie ungebremst auf das Deck der Sphinx krachte.

[Krähennest bei Skadi | Versucht diese unter Schmerzen wieder nach oben in das Krähennest zu ziehen]


RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - James Killigan - 20.02.2021

Wenn man nach einer Beschreibung seines Zustands suchen würde, wäre das Wort "Schock" wohl definitiv dass, was am ehesten zutreffen würde. James hatte es noch nicht einmal richtig verwunden dass dieser komische Nebel Dinge zum rosten und faulen brachte, oder das Trevor offenbar lebensmüde war, da machte ein riesiges...Viech scheinbar gezielt Jagd auf das Schiff. Für einen Mann, der bisher weder zur See gefahren war noch sonderlich gefährliche Situationen erlebt hatte, etwas viel. Zeit, um sich in diesen Schockzustand so richtig hineinzusteigern und vor Hysterie irgendetwas dummes zu tun, blieb dem dunkelhaarigen Möchtegern-Piraten aber nicht. 
 
Unter dem Geschrei des Vogels, der Crew und der Panik in seinem Kopf, zog es ihm nicht nur im übertragenen Sinne den Boden unter den Füßen weg, als der überdimensionierte Vogel seinen Platz am Mast einnahm und damit das Schiff in Schräglage brachte. Nein, auch ganz in echt verlor er den Halt unter seinen Füßen und schlug ziemlich hart mit der Schulter auf dem Boden auf, dicht gefolgt vom Rest seines Körpers. Und hätte er sich nicht geistesgegenwärtig an einem Tau festgehalten, dann wäre er vermutlich über Board gegangen. James fluchte hörbar und vergaß für einen Moment sogar die Angst, denn der Schmerz in seiner Schulter war dazu viel zu präsent. Ganz von seinen Händen abgesehen, die zwar in den letzten Tagen etwas abgehärtet wurden waren was den Umgang mit dem rauhen Tau anging, aber durch das abrupte Festhalten nun doch an einigen Stellen aufgerissen war, sodass er an manchen Stellen sogar blutete. Doch ein Blick gen Himmel - oder eher gen Mast - sorgte dafür, dass James seine Wehwehchen schneller vergaß als er sie sich zugefügt hatte. 
 
"Bei allen Welten.." fluchte er nur ehrfürchtig mit erstickter Stimme, als er nun etwas genauer im Nebel erahnen konnte, was da für die Schieflage gesorgt hatte. Viel weiter kam er nicht, denn jetzt richtete sich das Schiff wieder auf und ermöglichte es James wenigstens, sich wieder auf die eigenen Füße zu stellen. Dass seine Knie dabei mehr zitterten als ihm lieb war, versuchte er zu ignorieren. Für einen kurzen Moment überlegte der Händlersohn, sich unter Deck in die scheinbare Sicherheit zu begeben, sich einfach irgendwo zu verstecken bis der Nebel verschwand und man sich wieder an Deck bewegen konnte. Aber vermutlich würde seine Abwesenheit trotz des Chaos nicht unbemerkt bleiben und so blieb er oben…zumindest vorerst. 
Statt zu flüchten sah er sich nun als auf dem Deck um und entdeckte Lucien und Soula keine 5 Meter von ihm entfernt, weshalb er sich auf den Weg zu den beiden machte. Vielleicht war es ein Irrglaube, aber irgendwie hoffte James, dass ihm in der Nähe des Captains nichts passieren würde. 

“Irgendwelche Befehle, Captain?“ fragte er Lucien, sobald er in Hörweite war und versuchte dabei, möglichst gelassen zu wirken, auch wenn seine Hände merklich zitterten. Und nicht nur das, die kleinen Schnittwunden an seinen Handinnenflächen, die die Seile in seine Haut gerissen hatten, fingen plötzlich an wie Feuer zu brennen. Aber er wollte irgendetwas tun, um dabei zu helfen sie aus dieser Situation zu bringen, weshalb James seine Hände nur eng an seine Hosenbeine presste, in der Hoffnung dem Schmerz so irgendwie Herr zu werden. Dennoch entwich ihm ein leises Zischen, denn angenehm war das Gefühl auf keinen Fall. Dass es mit dem Nebel zusammenhing, bemerkte James allerdings nicht. Auch nicht, dass sie inzwischen so tief vom Nebel umgeben waren, dass selbst Teile des Schiffes im Geschwader versunken waren. 

(Bei Lucien und Soula)


RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Ceallagh Hayes - 21.02.2021

Der Himmel kippte. Und Ceallagh verlor mit einem Mal das Gleichgewicht. Rutschte über den feuchten Boden am Hauptmast vorbei gegen eine der Kisten an der Reling. Verlor Lucien und Tarón aus den Augen. Und nur einen Herzschlag später seinen Atem. Irgendwo an seinem Rückgrat brannte ein Schmerz durch seine Knochen und Muskeln, der nur von dem Vogel über seinem Kopf überschattet wurde. Holzstücken rieselten hinab auf das Deck. Wenige Armlängen von Ceallagh entfernt, der versuchte sich langsam an der Kiste abzudrücken ohne unkontrolliert gegen die Reling auf der anderen Seite zu rutschen.  Woher war das Vieh auf einmal gekommen? Mitten aus dem Nebel heraus, der das fremde Schiff lautlos verschlungen hatte?  Ceallagh schluckte. Spürte das harte Holz unter seinen Füßen und bückte sich, um die Taue zu seiner Linken mit einem festen Griff zu umfassen. Dann wandte er den Blick herum und sah direkt auf Lucien, der mit mehr Glück als Verstand in das am Hauptmast befestigte Beiboot gerauscht war. Irgendetwas klebte an seiner Schläfe. Blut. Der Hauch von Panik. Wie von selbst wandten sich die blau-grünen Augen auf die Tür zum Unterdeck. Talin. Verschwunden. Über Bord gegangen? Der Hüne horchte einen Augenblick auf einen Hilferuf, der irgendwo hinter ihm aus dem Wasser dringen konnte. Wandte die Augen wachsam über die pochende Schulter. Doch abgesehen von Taróns bellenden Rufen, ertönte nichts. Lediglich Schritte. Das Laden einer Waffe. Wieder schwenkte Ceallaghs Blick herum, dieses Mal dem Körper Zairyms folgend, der flink wie ein Wiesel aufs Achterdeck kletterte. Hinter ihm rotierte das Steuerrad wie vom Teufel besessen. Von Shanaya war keine Spur mehr zu sehen. Ebenso wenig von Greo.  
Sein Geist suchte fieberhaft nach einer Lösung. Etwas, das er tun konnte. Eine Erinnerung an  Geschichten und Legenden, die er einst in seinen Händen gehalten oder vom Alten erzählt bekommen hatte – ein Quergedanke, der absurd und doch nie unmöglich war. Feuer. Schießpulver. Ein Blitz. Licht. Alkohol. Was wenn… Sein Blick schnellte hinab. Auf Lucien, dessen Hinterkopf er fest ins Visiert nahm und die Brauen zusammen zog. Doch gerade als er sich aufrichtete und mit der stärkeren Rechten nach dem klammen Flachs griff, geriet das Schiff in die Gerade zurück. Entriss ihm das sichere Tau zwischen seinen Fingern und schleuderte ihn brutal gegen die Reling auf der anderen Seite. Allein Taróns Körper stoppte seinen unkontrollierten Flug auf der Hälfte.
Mit einem schmerzerfüllten Stöhnen, presste Ceallagh die Augen zusammen. Hörte das Fauchen einer Echse dicht an seinem Kopf und fluchte unter den leuchtenden Flecken, die wie wild gewordene Sterne vor seinem inneren Auge tanzten.

“Wenn das vorbei ist, verprasse ich mein Gold für gebratene Riesenvögel.“

Langsam presste er sich mit beiden Händen auf alle Viere. Schnappte nach Luft, um das Brennen seiner Schulter zu übertünchen. Er roch den anderen mehr, als dass er ihn unter dem anhaltenden Flirren vor seinen Augen sah. Stützte sich langsam auf seine Beine, um aufzustehen. Und zog sich letztlich mit der Rechten an der Reling hinauf.

“Alles okay bei dir?“

Endlich klärte sich die Sicht. Gab einen lädierten, aber halbwegs (zumindest oberflächlich) unbeschadeten Tarón frei. Wie von selbst wandten sich die blau-grünen Augen herum. Suchten prüfenden nach den anderen.  Bis der Nebel plötzlich über die Reling kroch. An seinem Körper vorbei wie ein dichter, feuchter Schleier. Schlagartig verlor er den Blick auf Lucien. Soula. Den Mast. Allein Tarón dicht neben ihm war im milchigen Weiß zu erkennen. Augenblicklich begann seine Haut zu kribbeln. Leicht und angenehm. Doch Ceallagh spürte mehr, als dass er es wusste: gut konnte es nicht sein. Es war als brannte etwas auf seinem Körper. Wie kleine, kaum sichtbare Flammen. Mit einer Hand zog er die lederne Kette unter seinem Hemd hervor. Betrachtete den Ring, der am anderen Ende baumelte. Überzogen mit einer dünnen Patina. Der Taljenblock. Das morsche Holz. Sie mussten aus diesem Nebel. Und solange sie es nicht konnten, mussten sie das Schiff davor schützen in sämtliche Einzelteile zu verfallen.

“Wenn etwas feucht ist, muss man es trocknen…“, murmelte er mehr zu sich selbst, als in Richtung des Älteren.
“Mit Sand. Luft. Stoff.“ Doch wo bekamen sie eine derartige Menge an Utensilien her? Und was taten sie mit dem Teil des Holzes, das gut geteert unter Wasser lag? Würde es dort auch in Mitleidenschaft gezogen werden? Teer. Teer und Sand…

“Was ist mit Teer? Wachs. Mehl. Stroh. Könnten wir irgendetwas davon benutzen, um ein Großteil des Schiffs damit auszulegen? Solange bis wir uns aus dem Nebel manövrieren können? Um ihn aufzusaugen und vom Holz fern zu halten.“

Ein erneuter Griff nach Strohhalmen. Doch besser als nichts. Dann lauschte er. Auf Luciens Stimme. Steuerte Schritt um Schritt auf ihn und somit auch auf den Eingang unter Deck zu.

“Haltet euch geduckt!“, schrie er übers Deck. “Falls der Vogel wieder runter kommt.“
[unterwegs in einer reinen Schlitterpartie übers Schiff | letztlich bei Tarón an der Reling Steuerboard, dann auf dem Weg unter Deck - an Lucien, Alex, Soula und James vorbei steuernd]



RE: Kapitel 8 - Schleichende Wasser - Skadi Nordskov - 22.02.2021

Blut spritzte gegen ihre Wangen. Dunkles Rot. Fast Schwarz. Während  hölzerne Splitter ihre Beine streiften. Sie konnte mehr erahnen, dass der Vogel geradewegs den Punkt des Krähennestes erwischt hatte, an dem sie eben noch gehockt hatte, als dass sie es sah. Den Blick zu sehr auf die dunklen Beine fixiert, dessen weiche Schwachstelle sie bis zum Heft ihres Dolches durchdrang. Dann fegte der Schrei des Tieres gegen ihr Gehör. Spitz und schmerzhaft. Brachte ihre Knochen zum Vibrieren und stellte Skadis Nackenhaare auf. Ein Ruckdurchfuhr ihren Körper. Das Vieh hatte losgelassen. Stieß sie mit einem Flügelschlag und einer ruckartigen Bewegung seines Beines zurück und geradewegs durch das klaffende Loch des Geländers.
Luft surrte an ihrem Kopf. Machte ihren Körper leicht und schwebend. Mit aufgerissenen Augen sah die Nordskov auf das helle Weiß des Gefieders. Die schmerzerfüllten Augen, die voller Hass auf sie hinab starrten. Sie rechnete damit, dass der Vogel sie noch im Flug zu fassen bekam. Sie mit sich trug und vor aller Augen zerriss. Doch fast im selben Augenblick bekam sie eine Rippe am Geländer zu fassen. Prallte mit dem Oberarm schmerzvoll gegen die untere Kante des Krähennestes und biss die Zähne zusammen. Das Wurfmesser war auf den Boden gekracht. Ruhte entweder dort oder war geradewegs aufs Hauptdeck gefallen.
Letztlich machte es keinen Unterschied. Nicht für sie, die wie ein gefundenes Fressen in der Luft hing. Mit einer Hand am sicheren Geländer. Den Blick noch immer auf den Vogel gerichtet. Mit brennenden Muskeln im Arm. Immer wieder versuchte sich die Nordskov mit einer Hand hinauf zu ziehen. Hoch genug, um das Geländer mit der anderen zu ergreifen. Doch erst als Isalas Miene über der Brüstung auftauchte, trafen ihre langen Finger auf Widerstand. Kraftvoll zog sich Skadi mit beiden Händen und Isalas Hilfe hinauf. Stieß mit den Beinen nach, kaum dass ihre Fußspitzen den  Rand des Krähennestes erwischten und fiel auf das sichere Holz auf der anderen Seite.

“Danke.“, gab sie unter schwerem Atem in Richtung der Älteren. Presste sie mit dem Rücken gegen das Geländer und richteten die dunklen Augen auf das Gesicht ihres Gegenübers. Dann ihren Arm.
“Hast du einen Kompass?“
Es war keine nett gemeinte Abwechslung. Kein „ai, ich seh dir an, dass du leidest, lass uns nach unten gehen und dich versorgen.“. Denn kaum wandte sich der wachsame Blick der Nordskov hinab – aufgerüttelt von hellem Weiß, das an ihrem Augenwinkel vorbei zog – erspähte sie den Nebel über dem Schiff. Undurchsichtig. Die Sicht versperrend.
Wie von selbst begab sie sich in die Hocke. Fühlte nur für einen kurzen Augenblick dem Brennen in ihrem Körper nach und wischte sich mit dem Handrücken das Blut des Vogels von den Augenlidern. Doch vom Mast des anderen Schiffes war nichts mehr zu sehen. Offensichtlich hatte der zweite Vogel ganze Arbeit geleistet, der geradewegs aus dem Nebel nach oben stieg. Zwei Gestalten zwischen den Klauen, die er unter einem Schrei – vor Schmerz? Vor Genugtuung? – zurück in den Nebel fallen ließ.

“Die Vögel trauen sich nicht zum Nebel runter! Einen hab ich am Bein erwischt. Weiche stumpfe Stellen an den Füßen und im Gefieder. Vielleicht vom Nebel!“, schrie sie in Richtung Deck hinab. Presste sich mit beiden Händen gegen das Geländer, um möglichst weit über den Rand des Krähennestes zu brüllen. Dann ließ sie sich wieder zurück gleiten. Robbte in der Hocke zu Isala hinüber.

“Wir müssen Shanaya unsere Position durchgeben. Oder zumindest mitteilen, auf welcher Seite wir aus dem Nebel hinaus kommen und wo der Vogel gerade hochkam. Sehr wahrscheinlich ist da das andere Schiff.“

Der dunkle Haarschopf sah auf. War dabei Isalas Wunde zu inspizieren, während der Rest ihres Körpers in einem Automatismus einfach funktionierte. Hand an der Hüfttasche. Einen Bruchteil später eine kleines Glasgefäß zwischen den Fingern.

“Damit sollten wir zumindest vorerst deine Wunde reinigen, damit sie sich nicht entzündet.“

Noch während sie es aussprach, fischte sie ein zweites Wurfmesser aus seinem Geheimversteck. Drückte Isala das Fläschchen in die Hand ihres verletzten Armes und begann an ihrem rechten Hosenbein herum zu schneiden. Schon wieder musste eines ihrer Kleidungsstücke daran glauben. Das wurde irgendwie zur Gewohnheit auf diesem Schiff.

[bei Isala im Krähennest]