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		<title><![CDATA[Inselwelten - bis 05. März 1822 | (- I.)]]></title>
		<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/</link>
		<description><![CDATA[Inselwelten - https://inselwelten.crux-mundi.de]]></description>
		<pubDate>Fri, 07 Aug 2026 09:22:16 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[On and on the days will change]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1208</link>
			<pubDate>Mon, 29 May 2023 19:51:02 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=39">Ceallagh Hayes</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">On and on the days will change</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">And everything still feels the same</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Nachmittag des 15. September 1820  | Alex & Ceallagh (später auch Liam) | Statisten: Ceallaghs Schwestern Meave und Eilish, sowie Alex und Liams Freundin Lubaya</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95><i>„Ceall, könntest du mir mal eben zur Hand gehen?“</i> Es brauchte nur noch wenige Millimeter bis Maeve von dem Schemel fiel, auf dessen Oberfläche sie auf ihren Zehenspitzen balancierte. Einen Ruck und sie sauste in das Bündel aus frisch getrockneten Kräutern und Moos, das in einem der riesigen Weidenkörbe neben ihr lag. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23><i>“Was ist?“</i> Geräuschvoll schlüpfte der hoch gewachsene Körper ihres Bruders durch die geöffnete Tür, die vom Hinterzimmer in den Verkaufsraum führte. Mit einem Blick, der ihr nonverbal zu verstehen gab, dass sie sich langsam mal Flügel wachsen lassen oder eine gescheite Leiter besorgen sollte.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95>Wie üblich ignorierte sie seine Provokation – in den letzten 24 Jahren war sie weitaus besseres von ihm gewohnt- und nickte auf eine der Schachteln, die unangetastet und halb verstaubt in der oberster Regalreihe lag.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Ich komm an die nicht ran.“</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Mit einem tiefen Seufzen, setzte sich Ceallagh in Bewegung. Schnaubte, kaum dass ihn die erste Staubwolke umzingelte und hustete. Hoffentlich konnte sie dieses Zeug wirklich gebrauchen und nötigte ihn nicht aus schierer Boshaftigkeit dazu, an einem seiner letzten Tage an Land abzudanken.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Was seid ihr für Hausfrauen verdammt! Noch nie was von Staubwischen gehört?“</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95>Meave schmunzelte, rammte ihm ihren Ellenbogen in die Seite und nahm ihm behände das Kästchen ab.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Kann ja nicht jeder so verdammt reinlich sein wie du.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Damit verschwand sie auch bereits zurück in den Verkaufsraum des kleinen Kräuter- und Teeladens und ließ den schmollend Hayes allein zurück. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cdbe70><i>„Gut, okay.“</i> Lubaya runzelte die Stirn und hakte in Gedanken abermals die Liste ab, die sie in Händen hielt. Ihre Vorräte hatten sie soweit aufgestockt. Jetzt fehlten nur noch die Kräuter, mit denen sie einen geeigneten Tee für ihren Zurückgebliebenen aufsetzen konnte. Ein paar ihrer Mischungen gingen auch dem Ende zu, doch das würden sie alles auf einen Schlag erledigen können. Ihr Blick glitt nach oben, während sie die Läden am Rande der geschäftigen Straße musterte. <i>„Der Kräuterladen, den du gesehen hattest, war dahinten, oder?“</i>, wandte sie sich an ihren stummen Begleiter, der sichtlich aufhorchte, als ihre Worte nicht mehr ihrem Selbstgespräch galten. Alex nickte, ahnte aber, dass sich das hier noch etwas hinziehen würde. <i>„Da vorne war noch ein Laden für Wolle. Ich brauch‘ nicht lange, versprochen.“</i> Alex seufzte, doch egal wie viel Zweifel an der Wichtigkeit dieser Besorgung er in seinen Blick legte – Lubaya begegnete ihm mit einem unschuldigen Grinsen und drückte ihm gutgelaunt den Zettel in die Hand. <i>„Lindenblüten, Holunderblüten, Mädesüß und Weidenrinde. Hagebutten müsste ich noch genügend haben.“</i> Mit dem Finger deutete sie auf die jeweiligen Worte, um es dem Älteren leichter zu machen, sie zu erkennen. Indes runzelte sie noch einmal nachdenklich die Stirn, schüttelte dann aber eilig den Kopf. <i>„Das müsste es gewesen sein. Aber ich komme sowieso nach. Ich brauche auch noch ein bisschen was.“</i> - </font><font color=#8B7765><i>„Kannst du das mit dem Strickzeug nicht wann anders erledigen? Liam wartet.“</i></font> - <font color=#cdbe70><i>„Jetzt sind wir hier. Ich bin doch gleich fertig! Sei nicht so ungeduldig! Das dauert keine Minute!“</i></font> <font color=#8B7765>Alex wusste, wie lange Lubayas Minuten sein konnten. Aber er wusste auch, dass es nichts brachte, weiter mit ihr darüber zu diskutieren.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Also wandte er sich um und steuerte in die Richtung des Ladens, den sie am Morgen gesehen hatten. Mit einer Hand schob er die Tür auf, während sein Blick fest auf die Worte fixiert war, auf die Lubaya gedeutet hatte. Ein Schwall an Gerüchen stieß ihm entgegen – intensiver noch als der Dunst, der aus der kleinen hölzernen Kiste strömte, in der die Blonde ihre Teevorräte aufbewahrte. Himmel, er konnte sich kaum vorstellen, dass hier drin wirklich jemand arbeiten wollte. Vorausgesetzt, sein Geruchsinn hatte nicht schon vor einer Ewigkeit abgedankt. Er unterdrückte ein Husten, bemühte sich, durch den Mund zu atmen und blinzelte in das spärliche Licht des Raumes. <i>„Hallo? Irgendjemand hier?“</i> Just in diesem Augenblick trat eine blonde Frau aus einem Hinterstübchen. <i>„Ah, wunderbar. Ich brauche ein bisschen was.“</i> Alex klatschte den Zettel ein wenig lieblos auf den Tisch und deutete auf die obersten Wörter, die darauf in eindeutiger Frauenhandschrift geschrieben waren. Er hoffte, dass diese Kräuterhexe bewanderter war im Lesen als er.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95>Etwas irritiert starrte Meave auf den dunklen Lockenkopf, der soeben in den Laden gestolpert kam. Ganz offensichtlich schien es der Fremde unfassbar eilig zu haben, wie er bei ihrem Anblick schnurstracks auf den Verkaufstisch zueilte und mit einem Finger über den Zettel fuhr, den er schwungvoll auf dem dunklen Holz niederließ. Behutsam stellte die junge Frau die verstaube Schachtel auf der Vitrine neben sich ab und ignorierte die Gestalt ihres Bruders, die sich aus dem Durchgang zum Hinterraum schälte und auf dem hohen Hocker auf der anderen Seite des langen Tresens niederließ.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Mit einem sanften Lächeln auf den Lippen huschte sie nach vorn und nahm bereits prüfend das Pergament zwischen die Finger. Eine schöne Handschrift.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“ Wie viel brauchen sie davon?“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Mit fragender Miene blickte der blonde Schopf auf, ließ die hellen Augen um die dunkle Partie ihres Gegenübers gleiten, ehe sie einen vollendeten Kreis über seinen Bart, bis hin zu seinen Locken vollführte. Gesehen hatte sie ihn in dieser Stadt noch nie. Doch bei all den Händlern und Landstreichern war das nichts Neues mehr. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765>Er hatte gehofft, das hier schnell hinter sich zu bringen. Andererseits – was hätte es ihm gebracht? Lubaya würde sich mit Nichten davon abbringen lassen, selbst noch einmal den Laden genaustens in Augenschein zu nehmen. Alex‘ Blick huschte flüchtig über ein paar der Dinge, die man hier offenbar erwerben konnte – getrocknetes Grünzeug, das – in seinen Augen – fast überall komplett gleich aussah. Hätte Lubaya ihn nicht schon so häufig davon überzeugt, dass sie wusste was sie tat, wenn sie diesem verdorrten Pflanzenresten eine Wirkung entlockte, hätte er sich gar nicht dazu überreden lassen, diese Besorgungen zu tätigen. <i>„Äh.“</i>, entwich es ihm, als die junge Frau auf der anderen Seite des Tresens sich an ihn wandte. Sein Blick glitt von ihren Zügen hinab zu dem Zettel, den er als Anweisung mitbekommen hatte. Verlegen kratzte er sich am Hals. <i>„Steht das nicht drauf?“</i> Offensichtlich nicht, sonst hätte die Dame vermutlich nicht gefragt. Ganz so, als würde er es selbst überprüfen wollen, drehte er den Zettel wieder in seine Richtung. Verfluchte Lubaya. War ja schön, wenn sie alle Mengen im Kopf hatte. <i>„Wie viel braucht man denn für eine Kanne? Sagen wir dann… Davon einfach das Doppelte.“</i> Sie hatte gerne Vorräte. Und wer wusste, ob eine Kanne wirklich die Wunder vollbringen würde, die sie sich erhofften. Dem Knaben im Hintergrund schenkte er vorerst keine Aufmerksamkeit.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95>Wie zur Antwort schüttete Meave den Kopf und schmunzelte. Ihr erster Verdacht schien sich wohl zu bestätigen, dass dieser junge Kerl von jemandem, sicherlich einer Frau oder Freundin, geschickt worden war.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Ich seh mal, ob wir von den Blüten noch genug vorrätig haben. Einen Moment.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Ein leises Rascheln verließ den Tresen, als sich Meave mitsamt Zettel zwischen den Fingern herum wandte und ins Nebenzimmer verschwand.</font> <font color=#6B8E23>Ceallagh hatte es sich indes hinter einem seiner Bücher bequem gemacht und lehnte tiefenentspannt auf seinem Hocker sitzend an einem der Apothekerschränke. Diese Unterhaltungen in diesem Laden waren so unfassbar geistreich, dass er drohte einzuschlafen. Grauenhaft. Den Fremden hatte er nur kurz im Vorbeigehen gemustert. Mehr seinen Hinterkopf, als sein Gesicht, dass er gekonnt von ihm abwandte.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765><i>„Ja, danke.“</i>, entgegnete Alex und seufzte, kaum dass die Dame im Hinterzimmer verschwunden war. Es war so typisch Lubaya. Das nächste Mal sollte sie doch selbst gehen und alles an Unkraut besorgen, das gegen Fieber half. Flüchtig spähte er nach draußen auf die Straße, doch von der Haarpracht seiner Freundin war noch nichts zu sehen. Nur eine Minute. Glaubte sie sich diese Zeitangaben eigentlich selbst noch?  An Ermangelung einer Möglichkeit, sie mit seinen gedanklichen Flüchen hierher zu bestellen, begann er, sich ein bisschen im Laden umzusehen. Hier und da fanden sich Dinge, die selbst er erkannte. Kiefernzweige, Tollkirschen. Vermutlich würde er Lubaya später hier heraustragen müssen, was sich schwieriger gestalten würde, als es klang. Hoffentlich nutzte Liam die Zeit besser als er. Einkaufen war nicht unbedingt eines seiner liebsten Hobbys. Vor allem nicht, wenn man Lubaya dabei hatte und sich alles unnötig in die Länge zog. <i>„Was ist das?“</i>, fragte er schließlich, als er etwas zwischen die Finger nahm, was aussah, als wäre es bereits zur Hälfte verfault. Es war weich, fühlte sich an, wie irgendeine Frucht, die aber alles andere als appetitlich aussah. Alex wandte sich herum und wollte gerade nach der Kräuterdame Ausschau halten, bis ihm wieder einfiel, dass die mit seiner Bestellung ins Nebenzimmer verschwunden war.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Nur widerwillig löste Ceallagh seinen Blick von den letzten Zeilen des Kapitels und starrte über den Rand seines Buches in den Raum hinein. Der Fremde hatte sich ziemlich gelangweilt durch den Laden bewegt und stand nun vor einer Auslage an vertrockneten Früchten, die er mit angewiderter Miene an seinen knubbeligen Zinken hob.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Das sind Mispeln.“</i> …du Idiot</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Wann würde Meave nur zurück kommen, damit er endlich wieder seine Ruhe hatte? </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765>Er hatte de Kerl im Grunde schon wieder ausgeblendet gehabt. Er hatte sich teilnahmslos in einer Ecke verzogen, als gehörte er einfach zum Inventar. Vielleicht der Hausherr, der darüber wachte, dass sein Hexenweib ihm nicht mit irgendeinem Verrückten durchbrannte, der ähnliche Interessen hatte wie sie. Der Lockenkopf rümpfte die Nase. Was auch immer Mispeln waren – er wollte es eigentlich gar nicht so genau herausfinden. Leichtfertig ließ er die hässliche Frucht zurück in die Auslage fallen und schob sich weiter ungeduldig durch den Laden, bis die Tür abermals aufgeschoben wurde. <font color=#cdbe70><i>„Hallo?“</i>, grüßte die hochgewachsene, blonde Frau und spähte in den Raum hinein. Ihre Züge erhellten sich, als sie Alex‘ finsterem Blick begegnete. <i>„Ah, hast du schon alles?“</i> Wohltuend sog sie die Luft des kleinen Ladens ein. Es duftete nach allerlei Kräutern.</font> <i>„Nein, noch nicht. “</i> <font color=#cdbe70>Ihr Blick streifte allerlei Ware, während sie unabhängig von Alex zum Tresen schritt und eine Holzbox hervorzog, die sie behutsam auf die Oberfläche stellte.</font> <i>„Mengenangaben.“</i> - <font color=#cdbe70><i>„Was?“</i></font> - <i>„Mengenangaben wären gut gewesen.“</i> - <font color=#cdbe70><i>„Huch.“</i> Sie verzog das Gesicht kurz zu einem neckenden Grinsen in seine Richtung, ehe sie sich wieder keiner Schuld bewusst ihrem Holzkästchen zuwandte und den kleinen Verschlussriegel mit dem Finger aufschob. <i>„Aber du bist ja schon ein großer Junge und hast das sicherlich auch alleine hinbekommen.“</i></font> Alex seufzte. Das Problem an Lubaya war, dass man ihr nicht böse sein konnte. Sie strahlte derart viel Freude und Harmonie aus, dass es ihm unmöglich war, irgendetwas von dem, was sie sagte, persönlich zu nehmen. Oder gar böswillig.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Der Kerl hatte ihn gehört. Ganz sicher. Doch er behielt seine Gedanken für sich und ließ das Trockenobst zurück an seinen Ursprung fallen. Komischer Typ. Mit einem leichten Kopfschütteln widmete sich der Hayes wieder seinem Buch. Blätterte bereits ein zwei Seiten um, ehe die Ladentür erneut klingelte und eine Frau eintrat. Skeptisch wandte sich Ceallagh herum und versuchte Meave im Nachbarzimmer zu erspähen und zur Eile zu ermahnen. Er hatte keine sonderlich große Lust sich mit weiterer Kundschaft herum zu schlagen, wenn sie nicht in die Pötte kam und ihre Arbeit erledigte. Er war Schmuggler, kein Kräuterexperte, wenngleich er sich mehr darüber anlas als der Durchschnittsmensch. Doch von seiner Schwester fehlte jegliche Spur. Seltsam.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Nur beiläufig schwappte das kurzweilige Gespräch der beiden über den Tresen zu ihm hinüber. Und ein amüsiertes Schmunzeln legte sich auf die bärtigen Züge des Hünen, dessen blaugrüne Augen jäh in ihre Winkel huschten.  Ein Blinder mit einem Krückstock erkannte, dass dieses ungleiche Paar zusammen gehörte. Ob Freunde oder Geliebte war für Ceallagh wie so vieles an ihnen zweitrangig. Noch mehr, als ihm irgendetwas an dem Gesicht des Lockenkopfes seltsam bekannt vorkam. Für einen Moment verengten sich die hellen Augen. Dann betrat Meave den Verkaufsraum. Auf ihren Armen einen Stapel an Schachteln und Gläsern, die Ceallagh misstrauisch beäugte. Ruckartig erhob er sich und klatschte sein Buch auf die Anrichte, um ihr ungefragt etwas von dem Gewicht abzunehmen. Sie war doch irre so viel zerbrechliches Zeug aufeinander zu stapeln. Typisch Tollpatschmeave.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95><i>“Danke.“</i>,flötete sie lächelnd zu ihm hinauf und bemerkte erst einen Herzschlag später, dass sich eine weitere Gestalt zu ihnen gesellt hatte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Also wir haben von den Holunder- und  Lindenblüten noch ausreichend da, um einen Sud zu kochen. Für mehr müssen wir sie leider auf nächste Woche vertrösten. Es tut mir Leid.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Langsam schob Meave die unterste Schachtel mitsamt des zweiten und dritten kleineren Turmes darauf auf den Tresen und bedeutete Ceallagh die kleinen und größeren Flaschen und Einmachgläser daneben abzustellen. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cdbe70>Lubaya schien offenbar zufrieden damit, dass aus der Richtung des Lockenkopfes keine Widerrede mehr kam. Ein gutgelauntes Lächeln galt Alex. Sie spannte seine Geduld gerne auf die Folter. Als die Gestalt hinter dem Tresen wieder auftauchte, wandte sich die Blonde herum und grüßte die Verkäuferin mit einem Lächeln, ehe sie einen Blick auf die Ware warf. Der Mann in der Ecke war ihr erst aufgefallen, als er als Unterstützung herbeigeeilt war. Auch ihm galt ein dankbares Nicken. Auch Alex nickte und bemühte sich um ein weniger verstimmtes Lächeln. <I>„Oh, das sollte passen. Und wenn nicht und wir immer noch in der Gegend sind, würden wir das Angebot gerne annehmen. Bekommt ihr eure Ware von hier oder von anderen Inseln? Holunder finden wir vielleicht auch noch unterwegs, sollte es wirklich nicht reichen.“</I> Ihr Blick war wieder nachdenklich auf die getrockneten Blüten gesunken, ehe ihr auffiel, dass sie sich wieder laut in ihre eigenen Gedanken verstrickt hatte. <I>„Ich hätte noch Interesse an Tee. Gibt es eine Spezialität dieser Insel?“</I></font> <font color=#8B7765>Alex indes hatte erst die Waren in Augenschein genommen, dann Lubaya, die unheimlich begeistert von diesem Lädchen schien. Aber immerhin konnte sie nun die Aufgabe übernehmen, sich mit der Besitzerin zu unterhalten. Flüchtig hatte er auch den Blondschopf gemustert - flüchtig war jedenfalls geplant gewesen - bis seine Mundwinkel amüsiert zuckten. <I>„Wusste gar nicht, dass man auch Tee schmuggeln muss.“</I>, bemerkte er beiläufig mit hochgezogener Augenbraue und lehnte sich schließlich mit Blick gen Blondschopf an den Tresen. <I>„Oder gibt‘s im hinteren Teil noch psychedelische Kröten?“</I> Lubaya runzelte die Stirn, schloss dann aber aus Alex‘ Blick, dass er den Blondschopf wohl schon einmal gesehen hatte. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95>Irgendetwas an der Art der Fremden, sagte Meave, dass da etwas nicht stimmte. Als spürte sie diese unterschwellige Besorgnis, die in den Worten mitschwang und ihr ein aufmunterndes Lächeln auf die Lippen legte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Wir beziehen alles aus der Umgebung. Vielleicht kann ich ihnen auch noch etwas anderes anbieten. Als Alternative? Ich helfe gern wo ich kann.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Für einen Augenblick hefteten sich Ceallaghs Augen auf das liebevolle Profil neben sich. Glitten über die funkelnden Augen und zählten jede ihrer winzigen Sommersprossen, die das helle Sonnenlicht an warmen Tagen auf ihrer Haut hinterließen. Es war ihm vollkommen unverständlich, wieso sie, wann immer sich eine Gelegenheit bot, anderen unter die Arme greifen wollte. Ganz sicher war es kein schlechter Wesenszug. Zumindest nicht einer ihrer schlechtesten. Doch ihre Offenheit und Hilfsbereitschaft immer wieder an die Nächstbesten zu verschenken, die irgendwie im Ansatz traurig oder bedrückt wirkten, war … absolut unnötig.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Gerade wollte er mit einem tiefen Atemzug die Szenerie hinter sich lassen und zu seinem Buch zurück kehren, als der Lockenkopf seine Stimme erhob. Ausschweifender als bisher. Und direkt an ihn und nicht an seine Begleitung oder seine Schwester gerichtet. Langsam wandte sich der helle Schopf herum, um das feiste Grinsen zu fixieren, das im Gesicht des Fremden thronte wie ein greller Lichtpunkt. Und jetzt fiel es Ceallagh wie Schuppen von den Augen, wieso ihm die Gestalt des Lockenkopfes so sonderbar vertraut vorkam.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Ruckartig schlich sich ein vielsagendes und amüsiertes Grinsen auf die bärtigen Züge des Hayes, der sich entspannt gegen den Tresen lehnte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Du darfst gern einen Blick riskieren. Mal sehen wie viel Glück dir dieses Mal beschert ist.“ </I></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cdbe70>Seit sie unterwegs war, zog sie die anderen Kulturen förmlich mit der Atemluft ein. Sie war fasziniert von der Lebensweise der Menschen, ganz gleich wo sie ankamen. Früher hatte William ihr oft irgendwelche Dinge von seinen Beutezügen mitgebracht. Dann hatte sie die Welt mit eigenen Augen sehen dürfen und jetzt – jetzt hatte sie alle Zeit der Welt, sich die fremden Kulturen anzusehen, ohne dass ihr Bruder ihr damit in den Ohren lag, dass sie zurück auf See mussten, wenn sie Beute machen wollten. Interessiert lag ihr Blick auf der Frau gegenüber. Auf ihr Angebot hin wurde das Lächeln auf ihren Lippen noch ein wenig freundlicher. <i>„Kennst du denn noch etwas, was gegen Fieber helfen könnte und zufällig greifbar wäre?“</i> Übermannt von der angenehmen Tatsache, sich mit jemandem über derlei Dinge unterhalten zu können – es waren eben doch nicht alle so Banausen wie Liam und Alex – hatte sie schon ganz vergessen, dass sie hier nicht vor einer alten Freundin sondern vor einer Fremden stand. Für sie zumindest, denn wie es schien, ging es Alex da zumindest in Bezug auf ihren bärtigen Begleiter anders. Lubaya wusste allerdings noch nicht recht einzuschätzen, ob diese Bekanntschaft auf positiven oder negativen Begebenheiten beruhte. Alex hatte nicht selten eine eigentümliche Art, mit Menschen umzugehen. Und auch der blonde, ansehnliche Mann hatte eine provokante Art an sich, die sie auf die Schnelle nicht zu deuten wusste. <font color=#8B7765><i>„Lass mal. Nicht dass ich was finde, was ich als rechtschaffender Bürger der königlichen Marine melden müsste. Deine Kröten kannst du also vorerst behalten.“</i> Sonst waren seine Abende mit Sicherheit plötzlich einsam und still. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95><i>“Gegen Fieber?“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Meave schien fast schon erleichtert. Richtete sie kerzengerade auf und nickte lächelnd. Eigentlich befand sich in diesem Laden nichts, was nicht für allerlei Verwendungszwecke dienlich war. Und Fieber gehörte zu etwas, das sich mit mehr als einer Pflanze auskurieren ließ. Mit Pocken oder gravierenden Krankenheiten sah es dagegen schon anders aus.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“So wahr ich hier stehe.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Hatten die hellen Augen der jungen Frau gerade noch auf ihrem Gegenüber geruht, huschten sie nun zu ihrem Bruder herum, dessen breites Grinsen sie argwöhnisch in Augenschein nahm. Wie Lubaya schien sie sich nicht allzu schlüssig darüber, welcher Natur diese Bekanntschaft war, die er augenscheinlich mit dem Dunkelhaarigen pflegte.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23><i>“Ich hätte dich ja jetzt nicht für einen Angsthasen gehalten. Interessant.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Kaum hatte Ceallagh diese Worte ausgesprochen, spürte er einen Ellenbogen in seiner Seite. Mit hinaufschnellender Augenbraue huschte sein Blick auf Meave hinab, die ihm mit der Zunge schnalzend und Kopf schüttelnd angesichts dieser angenehmen Stichelei einen Strich durch die Rechnung machte. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95><i>“Benimm dich gefälligst.“</i>, zischelte sie ihm zu. Mit einem ermahnenden Blick, ehe sie sich wieder Lubaya widmete und hinter dem Tresen hervor trat.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Kommen Sie. Ich zeige Ihnen ein bisschen was.“ </i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cdbe70>Lubaya nickte und schien einer weiteren Meinung ganz und gar nicht abgeneigt. Das Lächeln auf ihren Zügen wurde noch einen Hauch heller, kaum dass ihr ihr Gegenüber ihre Hilfe anbot. Zurückgehalten wurden sie lediglich vom Wortwechsel ihrer beiden Herren. Die andere Dame schien ähnlich überrascht wie sie. Ihre Augenbrauen schoben sich skeptisch zusammen. Je nachdem, auf welcher Ebene dieses Gespräch hier stattfand, bot es ein explosives Potential der Eskalation. Alex galt ein scharfer Blick, kaum dass sie das Amüsement auf seinen Zügen erkannt hatte, kaum dass der Blondschopf zurechtgewiesen worden war. Bei der achten Welt, wieso mussten Männer sich immer wie Kinder benehmen und wetteifern, wo es nur möglich war? Ein warnender Blick galt dem Lockenkopf, ehe sich die gute Laune wieder zurück auf ihre feinen Züge stahl und sie das Angebot annahm. <i>„Du machst das hier schon länger, oder? So viel Hingabe und Interesse sieht man in unserer Generation selten. Hast du auch von einer Großmutter gelernt?“</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765>Alex ließ sich das Schmunzeln nicht verbieten, verzichtete aber – vorerst – auf eine weitere Stichelei. Stattdessen straffte er die Schultern und beobachtete die beiden Frauen dabei, wie sie ihren kleinen Rundgang begangen. Sich anzuschließen kam ihm definitiv nicht in den Sinn. Er hatte wirklich genug davon, von Lubaya von einem Laden zum nächsten geschleift zu werden. <i>„Hat der kleine Hund etwa das Spielen verboten bekommen? Du wirst dich doch nicht etwa vom Geschäft abgewendet haben, weil du dich dazu entschlossen hast, der weltbeste Vater zu werden, hm?“</i>, fuhr er leise fort, als sowohl Lubaya als auch Ceallaghs Anhängsel weit genug weg waren. </font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Sie gingen davon wie kichernde Mädchen. Fehlte nur noch, dass sie Arm in Arm zu tuscheln begannen und man sie noch etliche Straßenzüge weiter hören konnte. Ein amüsiertes Schmunzeln blieb auf Ceallaghs Miene zurück, während er die Zwei eine Weile beobachtete und dann gänzlich unbeeindruckt zu seinem alten Bekannten zurück sah. Wenn er sich richtig erinnerte, gehörte eigentlich an anderer Kerl an seine Seite. Groß und schlacksig, wie er selbst. Wo der wohl steckte?</span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Sagt derjenige, der den Mund erst wieder aufbekommt, nachdem Frauchen außer Hörweite ist.“</i></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er gluckste. Zuckte mit den Schultern und musste Alex zumindest in einem Punkt ein Quenchen Wahrheit zusprechen. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit war er bereits (ungewollt) Vater irgendeines Rotzlöffels oder einer Räubertochter. Es würde ihn nicht verwundern, so viel wie er herum gekommen war und das ein oder andere Mal das Bett mit einer schönen Frau geteilt hatte.</span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Es erstaunt mich, dass es euer Gesicht noch nicht auf irgendeines der Plakate geschafft hat.“ </i></font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765>Das Lächeln verschwand für einen Augenblick von seinen Zügen, während er ebenfalls den beiden Damen nachsah, die in eigenartiger Einigkeit davonliefen. Dann konterte Ceallagh, erntete den ernsten Blick aus den dunklen Augen und schließlich ein flüchtiges Schmunzeln. <i>„Mit der willst du dich nicht anlegen, glaub mir.“</i>, brummte er belustigt und warf Lubayas Hinterkopf einen flüchtigen Blick zu. So engelsgleich und unverwüstlich die Blonde auch wirkte – wenn an sich mit ihr anlegte, zog man zwangsläufig den Kürzeren. Gegen ihre Moralpredigten fand man keine Ausflüchte. <i>„Weil wir die Bösen verhauen und uns Schmugglerware aneignen?“</i>, lachte Alex und bedachte den Blondschopf mit einem skeptischen Blick. Oh, sie waren definitiv keine rechtschaffenden Mitbürger. Aber sie waren kleine Fische, die sich hauptsächlich ums Überleben bemühten. Sie spielten in einer ganz anderen Liga als ein hauptberuflicher Schmuggler – oder eben ehemaliger Schmuggler. <i>„Der einzige Grund, uns zu suchen, wäre vermutlich der angeknackste Stolz dieser nichtsnutzigen Marine, weil wir erfolgreicher sind als sie. Wie geht’s deinen Freunden? Haben sie sich erholt?“</i></font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Die Warnung des anderen klang ihn seinen Ohren wie eine spaßige Herausforderung. Fast als würde man etwas Spannendes aus ihr heraus kitzeln, wenn man sie nur weit genug triezte. Ein feines Lächeln zog sich über Ceallaghs Blick, den er nur zu gern auf die hoch gewachsene Frau gerichtet hätte und dennoch bei dem Dunkelhaarigen blieb. Sicher war sicher. Nicht dass er noch darauf kam, ihn aus dem Nichts wegen unterdrückter Eifersüchteleien attackieren zu wollen.</span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Seid ihr das? Erfolgreich?“</i></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">In seinen Augen war das irgendwie eine ziemliche Auslegungssache. Gemessen an seinen eigenen Ambitionen war das „Stehlen von Hehlerware“ nichts, womit man sich rühmen konnte. Schon gar nicht wenn man dabei Hilfe von eben jenem Hehler bekam ohne es zu bemerken. Lustige Jungs.</span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Sie haben sich die Augen ausgeweint. War ja auch reichlich unverschämt die ganze Bande frei zu lassen und auch noch so viel schönes Spielzeug mitzunehmen. “</i></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Langfinger waren doch irgendwie alle gleich. Gab es auf ihrem Streifzug etwas, das sich leicht zu Geld machen ließ, landete es binnen weniger Sekunden in den Taschen. Davon konnte er sich nicht einmal selbst freisprechen.</span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Einer hat sogar sein Auge verloren. War ganz schön angepisst.“</i>, fügte der Hüne mit einem Schulterzucken hinzu. </font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765><i>„Bislang beläuft sich die Erfolgsquote auf 100%, also…“</i>, bemerkte Alex beiläufig und zuckte mit der Schulter. Ihm war durchaus klar, dass das hauptsächlich daran lag, dass sie sich nicht wie bürgerliche Ritter der Ordnung aufführten. Sie waren nicht darauf aus, sich in die Angelegenheiten anderer einzumischen, lebten vom Geben und Nehmen und mussten nur selten darauf zurückgreifen, sich irgendetwas zu Eigen zu machen, was ihnen nicht gehörte und was sie nicht bezahlen konnten. Sie waren auf Abenteuer aus, auf Erlebnisse – und dazu reichte ihnen das, was in ihre Taschen passte. Die Aktion mit Sineca war mehr der Gelegenheit geschuldet gewesen. Als Ceall erwähnte, dass einer nun einen Augapfel weniger sein Eigen nannte, kniff er die die eigenen ein wenig zusammen. Huch. <i>„Tja. Mal verliert man, mal gewinnen die anderen, huw? Euer Boss scheint also nicht so erfreut gewesen zu sein über die ausbleibenden Erlöse. Hat der Organhandel es wieder eingebracht? Verkaufen sich Augen gut auf dem Schwarzmarkt?“ </i></font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23><i>“Wir haben zur Zeit eine sehr große Nachfrage an Zungen. Wir kommen kaum mit der Beschaffung hinterher.“</i> Mit erhobenen Augenbrauen fügte Ceallagh noch ein wortloses <i>“Nah, Interesse?“</i> hinterher und sog dann tief die geruchsintensive Luft des Ladens ein. Ihm war nicht klar, woher Alex der festen Überzeugung war, dass sie absolut alles schmuggelten und er sich irgendwie per se schon in die Reihe der Sexualtäter einordnen durfte. Recht kleingeistiger Verstand. Oder einfach ein anhaltender Versuch ihn damit auf die Palme zu bringen. In der Regel wehrten sich die Betroffenen ja, wenn sie mit solchen moralisch fragwürdigen Anschuldigungen konfrontiert wurden. Ihm selbst war es allerdings genauso egal, wie die Wahl seines Frühstücks oder die Anzahl seiner Biere am Abend. Er lebte in vollen Zügen und konnte mit den Konsequenzen leben. Mehr brauchte es für ihn nicht. Auf die Meinung anderer verzichtet er gern – es änderte nichts an seinem Lebensstil oder der Art, wie er sich selbst sah.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Was verschlägt euch eigentlich in diese Stadt? Gibt’s wieder irgendwo was zu boykottieren? Ich hätte da ein paar Ideen, aber die kosten euch ein paar Rum mehr. Das letzte Mal war ein reiner Freundschaftspreis.“ </i></font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765>Ein Teil von ihm besaß sogar fast so etwas wie ehrliches Interesse daran, was sich gerade gut auf dem Schwarzmarkt verkaufen ließ und was nicht. Er stöberte immer mal wieder gerne durch die Waren, wenn sich die Gelegenheit ergab, konnte meist aber nur den Kopf darüber schütteln, was andere Menschen als ‚wertvoll‘ erachteten. Artefakte, die neben ihrer Seltenheit weder Verwendung noch Zweck besaßen. Und bloß des Besitzes wegen so viel Gold in einer dieser verschlissenen Hände lassen? Mal ganz davon abgesehen, dass sich solche Dinge meist schlecht transportieren ließen. <i>„Was denn, hast du all die Leichen in deinem Keller schon abgeerntet?“</i>, schlug er das Angebot aus. Ihm war klar, dass ‚ernten‘ nicht unbedingt das moralischste Wort im Bezug zu menschlichen Zungen war, aber im Grunde war der Mensch im Auge des Organhändlers auch nicht mehr als Vieh oder Ackerfrucht. Und wer soetwas wie ‚Moral‘ nicht aktiv im Wortschatz führte, musste sich auch nicht über moralische Verwerflichkeit beschweren. <i>„Jetzt wo du’s sagst – mir wäre wirklich mal wieder nach ‘ner schönen Sitzbarrikade.“</i>, begegnete er Ceallaghs Hohn mit einem hörbaren Schmunzeln. <i>„Hat dir jemand die Süßigkeiten geklaut und wir sollen uns jetzt um ihn kümmern? Oder gar dem Nachwuchs?“</i></font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23><i>“Wie ich schon sagte, hohe Nachfrage zur Zeit. Da kann man nicht genug im Keller haben.“</i> Unfassbar wie schräg allein die Vorstellung war, dass er derlei Dinge wirklich tat. Zwar käme er nicht auf den Gedanken sich als Pazifist zu bezeichnen, doch er vermied eine gewaltbereite Auseinandersetzung (vor allem tödlicher Art) wenn es nur irgend ging. Aber wenn der Lockenkopf schon so dämliches Zeug von sich, konnte er auch diese abstruse Welle mit reiten. Ging den Kerl wohl kaum etwas an, womit er sich tatsächlich seine Brötchen verdiente.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Sitzbarrikade?“</i> Mit erhobener Augenbraue zeichnete sich ein spöttischer Ausdruck auf Ceallaghs Zügen ab. Wen wollten sie denn mit so etwas beeindrucken? Die Stadtwache schickte sie mit reichlich Munition zum Teufel. So viel war sicher.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Mh.“</i> Nachdenklich verzogen sich die Lippen des Hünen. Die blaugrünen Augen kreisten durch den Laden, vorbei an den beiden Frauen, die sich wohl über irgendwelche fachspezifischen Wirkungsgrade und Anwendungsgebiete unterhielten und nahmen dann den Dunkelhaarigen wieder in Beschlag.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Eigentlich find ich es nur ganz witzig, wenn kleine Jungs versuchen meine Drecksarbeit zu erledigen. Das ist alles.“</i> Und da war es wieder. Das selbstgefällige Lächeln, das seinen Onkel so sehr auf die Palme brachte.</font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765><i>„Liefert man solche ‚Ware‘ warm oder kalt? Nur für den Fall, dass uns vielleicht… was über den Weg läuft.“</i> Nicht einmal dann, wenn sie plötzlich über ein Schlachtfeld spaziert wären, hätte er darüber nachgedacht, mit den rausgelösten Muskeln Geld verdienen zu wollen. Zugegeben – der Gedanke, ihm eine Schachtel mit Wildzungen als menschliche Zungen zu verkaufen, amüsierte ihn. Aber leider schätzte er den Blondschopf dann doch so schlau ein, die Verwechslung anhand von Größe und Länge zu erkennen. Schad‘: Das Lächeln des Größeren erwiderte Alex ähnlich gelassen, hob langsam das Kinn und schnaubte belustigt. <i>„Tja. Augen auf bei der Berufswahl. Aber mit dem Gesicht -“</i> Alex musterte den Blondschopf für einen Moment prüfend. <i>„- kannst du im Zweifel immer noch Märchenprinzessin werden. Nur wenn’s dir zu dreckig wird, meine ich.“</i> Zufrieden blickte er ihn an, als hätte er einen guten Kumpel gerade einen unheimlich wertvollen Rat gegeben. <i>„Nur der Damenbart muss weg, aber das versteht sich ja eigentlich von selbst. Wir Männer mögen’s nicht so, wenn’s im Gesicht kratzt beim Küssen.“</i></font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23><i>“Normalerweise frieren wir alles ein und panieren es dann mit Sägespäne, damit es nicht so schnell stinkt und zerläuft.“</i> Ceallagh war fast begeistert, wie leicht ihm diese Worte über die Lippen kamen, ohne dabei den gespielten Ernst zu verlieren, der sein Schmunzeln von den Zügen wischte. Der Bursche war ja echt ganz drollig. Ritt er jedoch noch länger auf dem Thema herum, würde er sich mit einem tiefen Gähnen verabschieden und seinem Buch widmen. Auf ermüdende Gespräche legte er nicht sonderlich viel Wert. Noch weniger auf solche, die sich ständig gegen ihn richteten und er ehrlich gesagt nicht einmal wusste, woher der Dunkelhaarige diese Energie dafür hernahm. Zu wenig Sex, wahrscheinlich? Stieg manchen Herrschaften ja gern mal aufs Gehirn.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Mit einem amüsierten Schnauben, lehnte sich der Hüne nun mehr voraus, um mit abgestützten Unterarmen auf dem Tresen Alex mit Blicken zu traktieren. Er und eine Märchenprinzessin. Wow. Bekam er ihn so nicht an den Eiern, dass er jetzt hoffte damit sein Ego zumindest etwas anzukratzen? So gesehen fühlte sich Ceallagh einfach nur geschmeichelt. Er liebte Frauen. Sehr sogar. Und so schön wie eine von ihnen zu sein, war definitiv nicht das schlechteste, das man ihm an den Kopf werfen konnte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Reden wir hier von Männern oder von dir?“</i>, kurz kniffen sich die braun gebrannten Lider in einer überlegenden Kopfhaltung zusammen, mit aufeinander gepressten Lippen und einem gleichsam grüblerischen Zug um die Nase.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Bah…“ </i>Gespielt angewidert verzog der Hayes das Gesicht und schüttelte den Kopf. <i>“Ich passe. Nichts für Ungut.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765>Er nickte als Zeichen, dass er zugehört hatte. Hauptsächlich interessierte ihn, wie viel Ceallagh zu diesem Thema noch einfallen würde. Ob das, was er da faselte nun die Wahrheit oder erdacht war, spielte für ihn absolut keine Rolle. Er bezweifelte stark, dass er derlei Informationen irgendwann in seinem Leben mal gebrauchen konnte – oder wollte. Menschen die Zungen herausschneiden und für Weißgottwas an andere verkaufen? Was wollte man schon mit schleimigen, verwesten – menschlichen - Zungen anfangen? Wobei – vermutlich handhabte man das irgendwo auf dieser Welt auch als Delikatesse ähnlich wie Rinderzunge. Allerdings wirkte der Blondschopf nicht so, als würde er das Thema noch sonderlich lange mitmachen. Fast schon schade, wenn man außer Acht ließ, dass Lubaya und er eigentlich besseres vor hatten, als hier ein ausgedehntes Pläuschchen zu halten. Als Ceallagh zu einem Gegenschlag ausholte, lächelte Alex hörbar und ein bisschen enttäuscht. Der war erwartbar gewesen. Aber was wollte man machen. <i>„Wirklich bedauerlich.“</i>, gab er nach einem Seufzen von sich und zuckte demonstrativ mit der Schulter, ehe er den Kopf abermals zu seiner Freundin herumwandte. <i>„Lubaya. Hast du den Laden dann bald leergekauft?“</i>, brummte er zu den beiden Damen hinüber. <i>„Du weißt, wir werden erwartet.“</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cdbe70>Lubaya zuckte zusammen. Sie hatte die Zeit offensichtlich wirklich vergessen und war derart ins Gespräch vertieft gewesen, dass sie die beiden Herren fast vergessen hatte.<i> „Entschuldige! Wir können sofort los.“</i> Mit einem entschuldigenden Blick wandte sie sich an die andere Frau. Zu gern hätte sie noch mehr Zeit damit verbracht, sich über allerlei Kräutermischungen zu unterhalten, aber ausnahmsweise hatte Alex Recht. Bei dem Gedanken, Liam so lange angeschlagen alleine in ihrem kleinen Lager zurückgelassen zu haben, überkam sie ein schlechtes Gewissen. <i>„Vielen Dank für alles. Sollte doch noch etwas fehlen, werde ich noch einmal vorbeikommen.“</i> Ein verstohlener Blick galt Alex, der mittlerweile mit verschränkten Armen hinter ihr stand, während sie das Gold aus einem Lederbeutel auf dem Tresen ausbreitete und die Waren in ihrer Tasche verstaute. Ihr Blick war ein lautloses, aber herzlich gemeintes ‚ohne ihn.‘.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Der Lockenkopf schien absolut kein Interesse daran zu haben hier zu sein. Was Ceallagh bereits im ersten Moment klar gewesen war, bestätigte sich noch einmal in der Art, wie er sich abwandte und nach seiner Begleitung rief. Nicht auf die Weise, wie man mit seiner Freundin sprach. So viel stand fest, als er sich tief einatmend abwandte und entspannt auf seinen Stuhl nieder ließ. Die Nase bereits wieder in seinem Buch versunken, kaum dass Meave und die Fremde an den Tresen zurückkehrten. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95><i>“Gern geschehen. Wir helfen gern.“</i>, entgegnete sie mit einem flüchtigen Seitenblick zu ihrem Bruder und verband ein Bund Kräuter, das sie Lubaya mit einem Lächeln mitsamt der kleinen und großen Kästchen hinüber schob.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Wir kennen auch ein paar gute Medicus in der Gegend. Wenn sich mit den Kräutern nichts ausrichten lässt, können die euch ganz sicher am meisten helfen.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Kurz lugten die blaugrünen Augen des Hünen unter dem dichten Wimpernkranz hinweg, als wollte er nonverbal seiner Schwester für zu viel Freundlichkeit und das sehr persönliche „euch“ in den Nacken zwicken. Dass sie nicht bereits ihre Seele an die Fremde verkauft hatte, war ja schier ein Wunder. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cdbe70><i>„Danke.“,</i> wiederholte Lubaya. <i>„Ich hoffe, dass wir damit erfolgreich sind-“</i> Mit einem freundlichen Lächeln verabschiedete sie sich auch von dem blonden Mann auf seinem Stuhl. Alex schenkte der Verkäuferin ebenfalls ein Lächeln, während er die Tür bereits für Lubaya offenhielt, die kurzerhand unter seinem Arm hindurchschlüpfte. <i>„Du kanntest ihn?“</i>, fragte sie schließlich, während sie nebeneinander Richtung Stadtrand schlenderten. Alex zuckte mit der Schulter und erzählte ihr schließlich beiläufig die Geschichte rund um Sineca. Luabyas Gesicht wurde ein wenig finsterer. Pelzhändler waren auch nicht das, was sie unbedingt als gute Gesellschaft bezeichnet hätte, aber sie hatte sich nicht in das Leben anderer Menschen einzumischen. Plötzlich allerdings blieb sie stehen und sah zu einer kleinen Gruppe aus drei Männern hinüber, die zwar nicht vertrauenserweckend aussahen, aber sonst nichts wirklich Interessantes hatten. <font color=#8B7765><i>„Was ist?“</i>, fragte Alex, der nur ein Augenrollen unterdrückt hatte, als er bemerkt hatte, dass Lubaya abermals stehen geblieben war.</font> <i>„Toulouse. War das nicht der Kräuterladen, in dem wir gerade waren?“ </i>- <font color=#8B7765>„Keine Ahnung, kann gut sein. Warum ist das wichtig?“</font> - <i>„Komm mit.“</i> Lubaya zog ihn unauffällig mit in eine andere Richtung und schlenderte schließlich wieder in einem gemütlichen Tempo voran – genau in die Richtung, in der die Männer standen und sich leise unterhielten. An einem Schaufenster betrachtete sie gespielt interessiert die Waren. <i>„Du meintest, der Mann, hinter dem Tresen sei Schmuggler?“</i> Alex hatte versucht, ebenso zu lauschen, um herauszufinden, worauf Lubaya hinauswollte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>„Irgendwas soll heute Nacht wohl in diesem Laden geschehen. Und es klang nicht nach einer freundschaftlichen Runde Karten.“</i> - <font color=#8B7765><i>„Was hast du vor? Das geht uns doch alles nichts an.“</i>, versuchte es Alex, ahnte aber, dass er damit keinen Erfolg haben würde.</font> Die Männer trennten sich. <i>„Wir müssen sie zumindest warnen, Alex. Du wärst auch froh, wenn sich jemand dazu herablassen würde, dir den Arsch zu retten, oder?“</i> Ein neckendes Grinsen galt dem Älteren, dessen Sorge sie bereits wieder auf seinen Zügen lesen konnte. Lubaya überlegte kurz, ehe ihre Züge wieder heller wurden. <i>„Vorschlag. Ich breche schon einmal auf, um Liam einen Wundertrank zu brauen. Und du warnst Maeve, für den Fall, dass es wirklich nicht um ein Treffen unter … Schmugglerfreunden geht oder sowas. Und falls sie Hilfe braucht…“</i> <font color=#8B7765>Alex ahnte, worauf Lubaya hinauswollte. Manchmal war es anstrengend, wie schnell sie Freundschaften schloss und sich aufopferungsvoll für die Leute einsetzte, die mit Sicherheit nicht einmal einen Finger für sie krummmachen würden. <i>„Na los, wir treffen uns nachher.“,</i> stimmte Alex ihrem Plan also widerwillig zu.</font> <i>„Versprochen, Alex?“</i> <font color=#8B7765>Der Lockenkopf brummte unbegeistert. <i>„Ja, versprochen.“</i></font></span><br />
<span style="color: black;" class="mycode_color"><span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">On and on the days will change</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">And everything still feels the same</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Nachmittag des 15. September 1820  | Alex & Ceallagh (später auch Liam) | Statisten: Ceallaghs Schwestern Meave und Eilish, sowie Alex und Liams Freundin Lubaya</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95><i>„Ceall, könntest du mir mal eben zur Hand gehen?“</i> Es brauchte nur noch wenige Millimeter bis Maeve von dem Schemel fiel, auf dessen Oberfläche sie auf ihren Zehenspitzen balancierte. Einen Ruck und sie sauste in das Bündel aus frisch getrockneten Kräutern und Moos, das in einem der riesigen Weidenkörbe neben ihr lag. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23><i>“Was ist?“</i> Geräuschvoll schlüpfte der hoch gewachsene Körper ihres Bruders durch die geöffnete Tür, die vom Hinterzimmer in den Verkaufsraum führte. Mit einem Blick, der ihr nonverbal zu verstehen gab, dass sie sich langsam mal Flügel wachsen lassen oder eine gescheite Leiter besorgen sollte.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95>Wie üblich ignorierte sie seine Provokation – in den letzten 24 Jahren war sie weitaus besseres von ihm gewohnt- und nickte auf eine der Schachteln, die unangetastet und halb verstaubt in der oberster Regalreihe lag.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Ich komm an die nicht ran.“</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Mit einem tiefen Seufzen, setzte sich Ceallagh in Bewegung. Schnaubte, kaum dass ihn die erste Staubwolke umzingelte und hustete. Hoffentlich konnte sie dieses Zeug wirklich gebrauchen und nötigte ihn nicht aus schierer Boshaftigkeit dazu, an einem seiner letzten Tage an Land abzudanken.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Was seid ihr für Hausfrauen verdammt! Noch nie was von Staubwischen gehört?“</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95>Meave schmunzelte, rammte ihm ihren Ellenbogen in die Seite und nahm ihm behände das Kästchen ab.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Kann ja nicht jeder so verdammt reinlich sein wie du.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Damit verschwand sie auch bereits zurück in den Verkaufsraum des kleinen Kräuter- und Teeladens und ließ den schmollend Hayes allein zurück. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cdbe70><i>„Gut, okay.“</i> Lubaya runzelte die Stirn und hakte in Gedanken abermals die Liste ab, die sie in Händen hielt. Ihre Vorräte hatten sie soweit aufgestockt. Jetzt fehlten nur noch die Kräuter, mit denen sie einen geeigneten Tee für ihren Zurückgebliebenen aufsetzen konnte. Ein paar ihrer Mischungen gingen auch dem Ende zu, doch das würden sie alles auf einen Schlag erledigen können. Ihr Blick glitt nach oben, während sie die Läden am Rande der geschäftigen Straße musterte. <i>„Der Kräuterladen, den du gesehen hattest, war dahinten, oder?“</i>, wandte sie sich an ihren stummen Begleiter, der sichtlich aufhorchte, als ihre Worte nicht mehr ihrem Selbstgespräch galten. Alex nickte, ahnte aber, dass sich das hier noch etwas hinziehen würde. <i>„Da vorne war noch ein Laden für Wolle. Ich brauch‘ nicht lange, versprochen.“</i> Alex seufzte, doch egal wie viel Zweifel an der Wichtigkeit dieser Besorgung er in seinen Blick legte – Lubaya begegnete ihm mit einem unschuldigen Grinsen und drückte ihm gutgelaunt den Zettel in die Hand. <i>„Lindenblüten, Holunderblüten, Mädesüß und Weidenrinde. Hagebutten müsste ich noch genügend haben.“</i> Mit dem Finger deutete sie auf die jeweiligen Worte, um es dem Älteren leichter zu machen, sie zu erkennen. Indes runzelte sie noch einmal nachdenklich die Stirn, schüttelte dann aber eilig den Kopf. <i>„Das müsste es gewesen sein. Aber ich komme sowieso nach. Ich brauche auch noch ein bisschen was.“</i> - </font><font color=#8B7765><i>„Kannst du das mit dem Strickzeug nicht wann anders erledigen? Liam wartet.“</i></font> - <font color=#cdbe70><i>„Jetzt sind wir hier. Ich bin doch gleich fertig! Sei nicht so ungeduldig! Das dauert keine Minute!“</i></font> <font color=#8B7765>Alex wusste, wie lange Lubayas Minuten sein konnten. Aber er wusste auch, dass es nichts brachte, weiter mit ihr darüber zu diskutieren.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Also wandte er sich um und steuerte in die Richtung des Ladens, den sie am Morgen gesehen hatten. Mit einer Hand schob er die Tür auf, während sein Blick fest auf die Worte fixiert war, auf die Lubaya gedeutet hatte. Ein Schwall an Gerüchen stieß ihm entgegen – intensiver noch als der Dunst, der aus der kleinen hölzernen Kiste strömte, in der die Blonde ihre Teevorräte aufbewahrte. Himmel, er konnte sich kaum vorstellen, dass hier drin wirklich jemand arbeiten wollte. Vorausgesetzt, sein Geruchsinn hatte nicht schon vor einer Ewigkeit abgedankt. Er unterdrückte ein Husten, bemühte sich, durch den Mund zu atmen und blinzelte in das spärliche Licht des Raumes. <i>„Hallo? Irgendjemand hier?“</i> Just in diesem Augenblick trat eine blonde Frau aus einem Hinterstübchen. <i>„Ah, wunderbar. Ich brauche ein bisschen was.“</i> Alex klatschte den Zettel ein wenig lieblos auf den Tisch und deutete auf die obersten Wörter, die darauf in eindeutiger Frauenhandschrift geschrieben waren. Er hoffte, dass diese Kräuterhexe bewanderter war im Lesen als er.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95>Etwas irritiert starrte Meave auf den dunklen Lockenkopf, der soeben in den Laden gestolpert kam. Ganz offensichtlich schien es der Fremde unfassbar eilig zu haben, wie er bei ihrem Anblick schnurstracks auf den Verkaufstisch zueilte und mit einem Finger über den Zettel fuhr, den er schwungvoll auf dem dunklen Holz niederließ. Behutsam stellte die junge Frau die verstaube Schachtel auf der Vitrine neben sich ab und ignorierte die Gestalt ihres Bruders, die sich aus dem Durchgang zum Hinterraum schälte und auf dem hohen Hocker auf der anderen Seite des langen Tresens niederließ.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Mit einem sanften Lächeln auf den Lippen huschte sie nach vorn und nahm bereits prüfend das Pergament zwischen die Finger. Eine schöne Handschrift.</span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“ Wie viel brauchen sie davon?“</i></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Mit fragender Miene blickte der blonde Schopf auf, ließ die hellen Augen um die dunkle Partie ihres Gegenübers gleiten, ehe sie einen vollendeten Kreis über seinen Bart, bis hin zu seinen Locken vollführte. Gesehen hatte sie ihn in dieser Stadt noch nie. Doch bei all den Händlern und Landstreichern war das nichts Neues mehr. </font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765>Er hatte gehofft, das hier schnell hinter sich zu bringen. Andererseits – was hätte es ihm gebracht? Lubaya würde sich mit Nichten davon abbringen lassen, selbst noch einmal den Laden genaustens in Augenschein zu nehmen. Alex‘ Blick huschte flüchtig über ein paar der Dinge, die man hier offenbar erwerben konnte – getrocknetes Grünzeug, das – in seinen Augen – fast überall komplett gleich aussah. Hätte Lubaya ihn nicht schon so häufig davon überzeugt, dass sie wusste was sie tat, wenn sie diesem verdorrten Pflanzenresten eine Wirkung entlockte, hätte er sich gar nicht dazu überreden lassen, diese Besorgungen zu tätigen. <i>„Äh.“</i>, entwich es ihm, als die junge Frau auf der anderen Seite des Tresens sich an ihn wandte. Sein Blick glitt von ihren Zügen hinab zu dem Zettel, den er als Anweisung mitbekommen hatte. Verlegen kratzte er sich am Hals. <i>„Steht das nicht drauf?“</i> Offensichtlich nicht, sonst hätte die Dame vermutlich nicht gefragt. Ganz so, als würde er es selbst überprüfen wollen, drehte er den Zettel wieder in seine Richtung. Verfluchte Lubaya. War ja schön, wenn sie alle Mengen im Kopf hatte. <i>„Wie viel braucht man denn für eine Kanne? Sagen wir dann… Davon einfach das Doppelte.“</i> Sie hatte gerne Vorräte. Und wer wusste, ob eine Kanne wirklich die Wunder vollbringen würde, die sie sich erhofften. Dem Knaben im Hintergrund schenkte er vorerst keine Aufmerksamkeit.</font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95>Wie zur Antwort schüttete Meave den Kopf und schmunzelte. Ihr erster Verdacht schien sich wohl zu bestätigen, dass dieser junge Kerl von jemandem, sicherlich einer Frau oder Freundin, geschickt worden war.</span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Ich seh mal, ob wir von den Blüten noch genug vorrätig haben. Einen Moment.“</i></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Ein leises Rascheln verließ den Tresen, als sich Meave mitsamt Zettel zwischen den Fingern herum wandte und ins Nebenzimmer verschwand.</font> <font color=#6B8E23>Ceallagh hatte es sich indes hinter einem seiner Bücher bequem gemacht und lehnte tiefenentspannt auf seinem Hocker sitzend an einem der Apothekerschränke. Diese Unterhaltungen in diesem Laden waren so unfassbar geistreich, dass er drohte einzuschlafen. Grauenhaft. Den Fremden hatte er nur kurz im Vorbeigehen gemustert. Mehr seinen Hinterkopf, als sein Gesicht, dass er gekonnt von ihm abwandte.</font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765><i>„Ja, danke.“</i>, entgegnete Alex und seufzte, kaum dass die Dame im Hinterzimmer verschwunden war. Es war so typisch Lubaya. Das nächste Mal sollte sie doch selbst gehen und alles an Unkraut besorgen, das gegen Fieber half. Flüchtig spähte er nach draußen auf die Straße, doch von der Haarpracht seiner Freundin war noch nichts zu sehen. Nur eine Minute. Glaubte sie sich diese Zeitangaben eigentlich selbst noch?  An Ermangelung einer Möglichkeit, sie mit seinen gedanklichen Flüchen hierher zu bestellen, begann er, sich ein bisschen im Laden umzusehen. Hier und da fanden sich Dinge, die selbst er erkannte. Kiefernzweige, Tollkirschen. Vermutlich würde er Lubaya später hier heraustragen müssen, was sich schwieriger gestalten würde, als es klang. Hoffentlich nutzte Liam die Zeit besser als er. Einkaufen war nicht unbedingt eines seiner liebsten Hobbys. Vor allem nicht, wenn man Lubaya dabei hatte und sich alles unnötig in die Länge zog. <i>„Was ist das?“</i>, fragte er schließlich, als er etwas zwischen die Finger nahm, was aussah, als wäre es bereits zur Hälfte verfault. Es war weich, fühlte sich an, wie irgendeine Frucht, die aber alles andere als appetitlich aussah. Alex wandte sich herum und wollte gerade nach der Kräuterdame Ausschau halten, bis ihm wieder einfiel, dass die mit seiner Bestellung ins Nebenzimmer verschwunden war.</font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Nur widerwillig löste Ceallagh seinen Blick von den letzten Zeilen des Kapitels und starrte über den Rand seines Buches in den Raum hinein. Der Fremde hatte sich ziemlich gelangweilt durch den Laden bewegt und stand nun vor einer Auslage an vertrockneten Früchten, die er mit angewiderter Miene an seinen knubbeligen Zinken hob.</span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Das sind Mispeln.“</i> …du Idiot</span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Wann würde Meave nur zurück kommen, damit er endlich wieder seine Ruhe hatte? </font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765>Er hatte de Kerl im Grunde schon wieder ausgeblendet gehabt. Er hatte sich teilnahmslos in einer Ecke verzogen, als gehörte er einfach zum Inventar. Vielleicht der Hausherr, der darüber wachte, dass sein Hexenweib ihm nicht mit irgendeinem Verrückten durchbrannte, der ähnliche Interessen hatte wie sie. Der Lockenkopf rümpfte die Nase. Was auch immer Mispeln waren – er wollte es eigentlich gar nicht so genau herausfinden. Leichtfertig ließ er die hässliche Frucht zurück in die Auslage fallen und schob sich weiter ungeduldig durch den Laden, bis die Tür abermals aufgeschoben wurde. <font color=#cdbe70><i>„Hallo?“</i>, grüßte die hochgewachsene, blonde Frau und spähte in den Raum hinein. Ihre Züge erhellten sich, als sie Alex‘ finsterem Blick begegnete. <i>„Ah, hast du schon alles?“</i> Wohltuend sog sie die Luft des kleinen Ladens ein. Es duftete nach allerlei Kräutern.</font> <i>„Nein, noch nicht. “</i> <font color=#cdbe70>Ihr Blick streifte allerlei Ware, während sie unabhängig von Alex zum Tresen schritt und eine Holzbox hervorzog, die sie behutsam auf die Oberfläche stellte.</font> <i>„Mengenangaben.“</i> - <font color=#cdbe70><i>„Was?“</i></font> - <i>„Mengenangaben wären gut gewesen.“</i> - <font color=#cdbe70><i>„Huch.“</i> Sie verzog das Gesicht kurz zu einem neckenden Grinsen in seine Richtung, ehe sie sich wieder keiner Schuld bewusst ihrem Holzkästchen zuwandte und den kleinen Verschlussriegel mit dem Finger aufschob. <i>„Aber du bist ja schon ein großer Junge und hast das sicherlich auch alleine hinbekommen.“</i></font> Alex seufzte. Das Problem an Lubaya war, dass man ihr nicht böse sein konnte. Sie strahlte derart viel Freude und Harmonie aus, dass es ihm unmöglich war, irgendetwas von dem, was sie sagte, persönlich zu nehmen. Oder gar böswillig.</font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Der Kerl hatte ihn gehört. Ganz sicher. Doch er behielt seine Gedanken für sich und ließ das Trockenobst zurück an seinen Ursprung fallen. Komischer Typ. Mit einem leichten Kopfschütteln widmete sich der Hayes wieder seinem Buch. Blätterte bereits ein zwei Seiten um, ehe die Ladentür erneut klingelte und eine Frau eintrat. Skeptisch wandte sich Ceallagh herum und versuchte Meave im Nachbarzimmer zu erspähen und zur Eile zu ermahnen. Er hatte keine sonderlich große Lust sich mit weiterer Kundschaft herum zu schlagen, wenn sie nicht in die Pötte kam und ihre Arbeit erledigte. Er war Schmuggler, kein Kräuterexperte, wenngleich er sich mehr darüber anlas als der Durchschnittsmensch. Doch von seiner Schwester fehlte jegliche Spur. Seltsam.</span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Nur beiläufig schwappte das kurzweilige Gespräch der beiden über den Tresen zu ihm hinüber. Und ein amüsiertes Schmunzeln legte sich auf die bärtigen Züge des Hünen, dessen blaugrüne Augen jäh in ihre Winkel huschten.  Ein Blinder mit einem Krückstock erkannte, dass dieses ungleiche Paar zusammen gehörte. Ob Freunde oder Geliebte war für Ceallagh wie so vieles an ihnen zweitrangig. Noch mehr, als ihm irgendetwas an dem Gesicht des Lockenkopfes seltsam bekannt vorkam. Für einen Moment verengten sich die hellen Augen. Dann betrat Meave den Verkaufsraum. Auf ihren Armen einen Stapel an Schachteln und Gläsern, die Ceallagh misstrauisch beäugte. Ruckartig erhob er sich und klatschte sein Buch auf die Anrichte, um ihr ungefragt etwas von dem Gewicht abzunehmen. Sie war doch irre so viel zerbrechliches Zeug aufeinander zu stapeln. Typisch Tollpatschmeave.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95><i>“Danke.“</i>,flötete sie lächelnd zu ihm hinauf und bemerkte erst einen Herzschlag später, dass sich eine weitere Gestalt zu ihnen gesellt hatte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Also wir haben von den Holunder- und  Lindenblüten noch ausreichend da, um einen Sud zu kochen. Für mehr müssen wir sie leider auf nächste Woche vertrösten. Es tut mir Leid.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Langsam schob Meave die unterste Schachtel mitsamt des zweiten und dritten kleineren Turmes darauf auf den Tresen und bedeutete Ceallagh die kleinen und größeren Flaschen und Einmachgläser daneben abzustellen. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cdbe70>Lubaya schien offenbar zufrieden damit, dass aus der Richtung des Lockenkopfes keine Widerrede mehr kam. Ein gutgelauntes Lächeln galt Alex. Sie spannte seine Geduld gerne auf die Folter. Als die Gestalt hinter dem Tresen wieder auftauchte, wandte sich die Blonde herum und grüßte die Verkäuferin mit einem Lächeln, ehe sie einen Blick auf die Ware warf. Der Mann in der Ecke war ihr erst aufgefallen, als er als Unterstützung herbeigeeilt war. Auch ihm galt ein dankbares Nicken. Auch Alex nickte und bemühte sich um ein weniger verstimmtes Lächeln. <I>„Oh, das sollte passen. Und wenn nicht und wir immer noch in der Gegend sind, würden wir das Angebot gerne annehmen. Bekommt ihr eure Ware von hier oder von anderen Inseln? Holunder finden wir vielleicht auch noch unterwegs, sollte es wirklich nicht reichen.“</I> Ihr Blick war wieder nachdenklich auf die getrockneten Blüten gesunken, ehe ihr auffiel, dass sie sich wieder laut in ihre eigenen Gedanken verstrickt hatte. <I>„Ich hätte noch Interesse an Tee. Gibt es eine Spezialität dieser Insel?“</I></font> <font color=#8B7765>Alex indes hatte erst die Waren in Augenschein genommen, dann Lubaya, die unheimlich begeistert von diesem Lädchen schien. Aber immerhin konnte sie nun die Aufgabe übernehmen, sich mit der Besitzerin zu unterhalten. Flüchtig hatte er auch den Blondschopf gemustert - flüchtig war jedenfalls geplant gewesen - bis seine Mundwinkel amüsiert zuckten. <I>„Wusste gar nicht, dass man auch Tee schmuggeln muss.“</I>, bemerkte er beiläufig mit hochgezogener Augenbraue und lehnte sich schließlich mit Blick gen Blondschopf an den Tresen. <I>„Oder gibt‘s im hinteren Teil noch psychedelische Kröten?“</I> Lubaya runzelte die Stirn, schloss dann aber aus Alex‘ Blick, dass er den Blondschopf wohl schon einmal gesehen hatte. </font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95>Irgendetwas an der Art der Fremden, sagte Meave, dass da etwas nicht stimmte. Als spürte sie diese unterschwellige Besorgnis, die in den Worten mitschwang und ihr ein aufmunterndes Lächeln auf die Lippen legte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Wir beziehen alles aus der Umgebung. Vielleicht kann ich ihnen auch noch etwas anderes anbieten. Als Alternative? Ich helfe gern wo ich kann.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Für einen Augenblick hefteten sich Ceallaghs Augen auf das liebevolle Profil neben sich. Glitten über die funkelnden Augen und zählten jede ihrer winzigen Sommersprossen, die das helle Sonnenlicht an warmen Tagen auf ihrer Haut hinterließen. Es war ihm vollkommen unverständlich, wieso sie, wann immer sich eine Gelegenheit bot, anderen unter die Arme greifen wollte. Ganz sicher war es kein schlechter Wesenszug. Zumindest nicht einer ihrer schlechtesten. Doch ihre Offenheit und Hilfsbereitschaft immer wieder an die Nächstbesten zu verschenken, die irgendwie im Ansatz traurig oder bedrückt wirkten, war … absolut unnötig.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Gerade wollte er mit einem tiefen Atemzug die Szenerie hinter sich lassen und zu seinem Buch zurück kehren, als der Lockenkopf seine Stimme erhob. Ausschweifender als bisher. Und direkt an ihn und nicht an seine Begleitung oder seine Schwester gerichtet. Langsam wandte sich der helle Schopf herum, um das feiste Grinsen zu fixieren, das im Gesicht des Fremden thronte wie ein greller Lichtpunkt. Und jetzt fiel es Ceallagh wie Schuppen von den Augen, wieso ihm die Gestalt des Lockenkopfes so sonderbar vertraut vorkam.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Ruckartig schlich sich ein vielsagendes und amüsiertes Grinsen auf die bärtigen Züge des Hayes, der sich entspannt gegen den Tresen lehnte.</span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Du darfst gern einen Blick riskieren. Mal sehen wie viel Glück dir dieses Mal beschert ist.“ </I></font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cdbe70>Seit sie unterwegs war, zog sie die anderen Kulturen förmlich mit der Atemluft ein. Sie war fasziniert von der Lebensweise der Menschen, ganz gleich wo sie ankamen. Früher hatte William ihr oft irgendwelche Dinge von seinen Beutezügen mitgebracht. Dann hatte sie die Welt mit eigenen Augen sehen dürfen und jetzt – jetzt hatte sie alle Zeit der Welt, sich die fremden Kulturen anzusehen, ohne dass ihr Bruder ihr damit in den Ohren lag, dass sie zurück auf See mussten, wenn sie Beute machen wollten. Interessiert lag ihr Blick auf der Frau gegenüber. Auf ihr Angebot hin wurde das Lächeln auf ihren Lippen noch ein wenig freundlicher. <i>„Kennst du denn noch etwas, was gegen Fieber helfen könnte und zufällig greifbar wäre?“</i> Übermannt von der angenehmen Tatsache, sich mit jemandem über derlei Dinge unterhalten zu können – es waren eben doch nicht alle so Banausen wie Liam und Alex – hatte sie schon ganz vergessen, dass sie hier nicht vor einer alten Freundin sondern vor einer Fremden stand. Für sie zumindest, denn wie es schien, ging es Alex da zumindest in Bezug auf ihren bärtigen Begleiter anders. Lubaya wusste allerdings noch nicht recht einzuschätzen, ob diese Bekanntschaft auf positiven oder negativen Begebenheiten beruhte. Alex hatte nicht selten eine eigentümliche Art, mit Menschen umzugehen. Und auch der blonde, ansehnliche Mann hatte eine provokante Art an sich, die sie auf die Schnelle nicht zu deuten wusste. <font color=#8B7765><i>„Lass mal. Nicht dass ich was finde, was ich als rechtschaffender Bürger der königlichen Marine melden müsste. Deine Kröten kannst du also vorerst behalten.“</i> Sonst waren seine Abende mit Sicherheit plötzlich einsam und still. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95><i>“Gegen Fieber?“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Meave schien fast schon erleichtert. Richtete sie kerzengerade auf und nickte lächelnd. Eigentlich befand sich in diesem Laden nichts, was nicht für allerlei Verwendungszwecke dienlich war. Und Fieber gehörte zu etwas, das sich mit mehr als einer Pflanze auskurieren ließ. Mit Pocken oder gravierenden Krankenheiten sah es dagegen schon anders aus.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“So wahr ich hier stehe.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Hatten die hellen Augen der jungen Frau gerade noch auf ihrem Gegenüber geruht, huschten sie nun zu ihrem Bruder herum, dessen breites Grinsen sie argwöhnisch in Augenschein nahm. Wie Lubaya schien sie sich nicht allzu schlüssig darüber, welcher Natur diese Bekanntschaft war, die er augenscheinlich mit dem Dunkelhaarigen pflegte.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23><i>“Ich hätte dich ja jetzt nicht für einen Angsthasen gehalten. Interessant.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Kaum hatte Ceallagh diese Worte ausgesprochen, spürte er einen Ellenbogen in seiner Seite. Mit hinaufschnellender Augenbraue huschte sein Blick auf Meave hinab, die ihm mit der Zunge schnalzend und Kopf schüttelnd angesichts dieser angenehmen Stichelei einen Strich durch die Rechnung machte. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95><i>“Benimm dich gefälligst.“</i>, zischelte sie ihm zu. Mit einem ermahnenden Blick, ehe sie sich wieder Lubaya widmete und hinter dem Tresen hervor trat.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Kommen Sie. Ich zeige Ihnen ein bisschen was.“ </i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cdbe70>Lubaya nickte und schien einer weiteren Meinung ganz und gar nicht abgeneigt. Das Lächeln auf ihren Zügen wurde noch einen Hauch heller, kaum dass ihr ihr Gegenüber ihre Hilfe anbot. Zurückgehalten wurden sie lediglich vom Wortwechsel ihrer beiden Herren. Die andere Dame schien ähnlich überrascht wie sie. Ihre Augenbrauen schoben sich skeptisch zusammen. Je nachdem, auf welcher Ebene dieses Gespräch hier stattfand, bot es ein explosives Potential der Eskalation. Alex galt ein scharfer Blick, kaum dass sie das Amüsement auf seinen Zügen erkannt hatte, kaum dass der Blondschopf zurechtgewiesen worden war. Bei der achten Welt, wieso mussten Männer sich immer wie Kinder benehmen und wetteifern, wo es nur möglich war? Ein warnender Blick galt dem Lockenkopf, ehe sich die gute Laune wieder zurück auf ihre feinen Züge stahl und sie das Angebot annahm. <i>„Du machst das hier schon länger, oder? So viel Hingabe und Interesse sieht man in unserer Generation selten. Hast du auch von einer Großmutter gelernt?“</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765>Alex ließ sich das Schmunzeln nicht verbieten, verzichtete aber – vorerst – auf eine weitere Stichelei. Stattdessen straffte er die Schultern und beobachtete die beiden Frauen dabei, wie sie ihren kleinen Rundgang begangen. Sich anzuschließen kam ihm definitiv nicht in den Sinn. Er hatte wirklich genug davon, von Lubaya von einem Laden zum nächsten geschleift zu werden. <i>„Hat der kleine Hund etwa das Spielen verboten bekommen? Du wirst dich doch nicht etwa vom Geschäft abgewendet haben, weil du dich dazu entschlossen hast, der weltbeste Vater zu werden, hm?“</i>, fuhr er leise fort, als sowohl Lubaya als auch Ceallaghs Anhängsel weit genug weg waren. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Sie gingen davon wie kichernde Mädchen. Fehlte nur noch, dass sie Arm in Arm zu tuscheln begannen und man sie noch etliche Straßenzüge weiter hören konnte. Ein amüsiertes Schmunzeln blieb auf Ceallaghs Miene zurück, während er die Zwei eine Weile beobachtete und dann gänzlich unbeeindruckt zu seinem alten Bekannten zurück sah. Wenn er sich richtig erinnerte, gehörte eigentlich an anderer Kerl an seine Seite. Groß und schlacksig, wie er selbst. Wo der wohl steckte?</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Sagt derjenige, der den Mund erst wieder aufbekommt, nachdem Frauchen außer Hörweite ist.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er gluckste. Zuckte mit den Schultern und musste Alex zumindest in einem Punkt ein Quenchen Wahrheit zusprechen. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit war er bereits (ungewollt) Vater irgendeines Rotzlöffels oder einer Räubertochter. Es würde ihn nicht verwundern, so viel wie er herum gekommen war und das ein oder andere Mal das Bett mit einer schönen Frau geteilt hatte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Es erstaunt mich, dass es euer Gesicht noch nicht auf irgendeines der Plakate geschafft hat.“ </i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765>Das Lächeln verschwand für einen Augenblick von seinen Zügen, während er ebenfalls den beiden Damen nachsah, die in eigenartiger Einigkeit davonliefen. Dann konterte Ceallagh, erntete den ernsten Blick aus den dunklen Augen und schließlich ein flüchtiges Schmunzeln. <i>„Mit der willst du dich nicht anlegen, glaub mir.“</i>, brummte er belustigt und warf Lubayas Hinterkopf einen flüchtigen Blick zu. So engelsgleich und unverwüstlich die Blonde auch wirkte – wenn an sich mit ihr anlegte, zog man zwangsläufig den Kürzeren. Gegen ihre Moralpredigten fand man keine Ausflüchte. <i>„Weil wir die Bösen verhauen und uns Schmugglerware aneignen?“</i>, lachte Alex und bedachte den Blondschopf mit einem skeptischen Blick. Oh, sie waren definitiv keine rechtschaffenden Mitbürger. Aber sie waren kleine Fische, die sich hauptsächlich ums Überleben bemühten. Sie spielten in einer ganz anderen Liga als ein hauptberuflicher Schmuggler – oder eben ehemaliger Schmuggler. <i>„Der einzige Grund, uns zu suchen, wäre vermutlich der angeknackste Stolz dieser nichtsnutzigen Marine, weil wir erfolgreicher sind als sie. Wie geht’s deinen Freunden? Haben sie sich erholt?“</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Die Warnung des anderen klang ihn seinen Ohren wie eine spaßige Herausforderung. Fast als würde man etwas Spannendes aus ihr heraus kitzeln, wenn man sie nur weit genug triezte. Ein feines Lächeln zog sich über Ceallaghs Blick, den er nur zu gern auf die hoch gewachsene Frau gerichtet hätte und dennoch bei dem Dunkelhaarigen blieb. Sicher war sicher. Nicht dass er noch darauf kam, ihn aus dem Nichts wegen unterdrückter Eifersüchteleien attackieren zu wollen.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Seid ihr das? Erfolgreich?“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">In seinen Augen war das irgendwie eine ziemliche Auslegungssache. Gemessen an seinen eigenen Ambitionen war das „Stehlen von Hehlerware“ nichts, womit man sich rühmen konnte. Schon gar nicht wenn man dabei Hilfe von eben jenem Hehler bekam ohne es zu bemerken. Lustige Jungs.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Sie haben sich die Augen ausgeweint. War ja auch reichlich unverschämt die ganze Bande frei zu lassen und auch noch so viel schönes Spielzeug mitzunehmen. “</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Langfinger waren doch irgendwie alle gleich. Gab es auf ihrem Streifzug etwas, das sich leicht zu Geld machen ließ, landete es binnen weniger Sekunden in den Taschen. Davon konnte er sich nicht einmal selbst freisprechen.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Einer hat sogar sein Auge verloren. War ganz schön angepisst.“</i>, fügte der Hüne mit einem Schulterzucken hinzu. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765><i>„Bislang beläuft sich die Erfolgsquote auf 100%, also…“</i>, bemerkte Alex beiläufig und zuckte mit der Schulter. Ihm war durchaus klar, dass das hauptsächlich daran lag, dass sie sich nicht wie bürgerliche Ritter der Ordnung aufführten. Sie waren nicht darauf aus, sich in die Angelegenheiten anderer einzumischen, lebten vom Geben und Nehmen und mussten nur selten darauf zurückgreifen, sich irgendetwas zu Eigen zu machen, was ihnen nicht gehörte und was sie nicht bezahlen konnten. Sie waren auf Abenteuer aus, auf Erlebnisse – und dazu reichte ihnen das, was in ihre Taschen passte. Die Aktion mit Sineca war mehr der Gelegenheit geschuldet gewesen. Als Ceall erwähnte, dass einer nun einen Augapfel weniger sein Eigen nannte, kniff er die die eigenen ein wenig zusammen. Huch. <i>„Tja. Mal verliert man, mal gewinnen die anderen, huw? Euer Boss scheint also nicht so erfreut gewesen zu sein über die ausbleibenden Erlöse. Hat der Organhandel es wieder eingebracht? Verkaufen sich Augen gut auf dem Schwarzmarkt?“ </i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23><i>“Wir haben zur Zeit eine sehr große Nachfrage an Zungen. Wir kommen kaum mit der Beschaffung hinterher.“</i> Mit erhobenen Augenbrauen fügte Ceallagh noch ein wortloses <i>“Nah, Interesse?“</i> hinterher und sog dann tief die geruchsintensive Luft des Ladens ein. Ihm war nicht klar, woher Alex der festen Überzeugung war, dass sie absolut alles schmuggelten und er sich irgendwie per se schon in die Reihe der Sexualtäter einordnen durfte. Recht kleingeistiger Verstand. Oder einfach ein anhaltender Versuch ihn damit auf die Palme zu bringen. In der Regel wehrten sich die Betroffenen ja, wenn sie mit solchen moralisch fragwürdigen Anschuldigungen konfrontiert wurden. Ihm selbst war es allerdings genauso egal, wie die Wahl seines Frühstücks oder die Anzahl seiner Biere am Abend. Er lebte in vollen Zügen und konnte mit den Konsequenzen leben. Mehr brauchte es für ihn nicht. Auf die Meinung anderer verzichtet er gern – es änderte nichts an seinem Lebensstil oder der Art, wie er sich selbst sah.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Was verschlägt euch eigentlich in diese Stadt? Gibt’s wieder irgendwo was zu boykottieren? Ich hätte da ein paar Ideen, aber die kosten euch ein paar Rum mehr. Das letzte Mal war ein reiner Freundschaftspreis.“ </i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765>Ein Teil von ihm besaß sogar fast so etwas wie ehrliches Interesse daran, was sich gerade gut auf dem Schwarzmarkt verkaufen ließ und was nicht. Er stöberte immer mal wieder gerne durch die Waren, wenn sich die Gelegenheit ergab, konnte meist aber nur den Kopf darüber schütteln, was andere Menschen als ‚wertvoll‘ erachteten. Artefakte, die neben ihrer Seltenheit weder Verwendung noch Zweck besaßen. Und bloß des Besitzes wegen so viel Gold in einer dieser verschlissenen Hände lassen? Mal ganz davon abgesehen, dass sich solche Dinge meist schlecht transportieren ließen. <i>„Was denn, hast du all die Leichen in deinem Keller schon abgeerntet?“</i>, schlug er das Angebot aus. Ihm war klar, dass ‚ernten‘ nicht unbedingt das moralischste Wort im Bezug zu menschlichen Zungen war, aber im Grunde war der Mensch im Auge des Organhändlers auch nicht mehr als Vieh oder Ackerfrucht. Und wer soetwas wie ‚Moral‘ nicht aktiv im Wortschatz führte, musste sich auch nicht über moralische Verwerflichkeit beschweren. <i>„Jetzt wo du’s sagst – mir wäre wirklich mal wieder nach ‘ner schönen Sitzbarrikade.“</i>, begegnete er Ceallaghs Hohn mit einem hörbaren Schmunzeln. <i>„Hat dir jemand die Süßigkeiten geklaut und wir sollen uns jetzt um ihn kümmern? Oder gar dem Nachwuchs?“</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23><i>“Wie ich schon sagte, hohe Nachfrage zur Zeit. Da kann man nicht genug im Keller haben.“</i> Unfassbar wie schräg allein die Vorstellung war, dass er derlei Dinge wirklich tat. Zwar käme er nicht auf den Gedanken sich als Pazifist zu bezeichnen, doch er vermied eine gewaltbereite Auseinandersetzung (vor allem tödlicher Art) wenn es nur irgend ging. Aber wenn der Lockenkopf schon so dämliches Zeug von sich, konnte er auch diese abstruse Welle mit reiten. Ging den Kerl wohl kaum etwas an, womit er sich tatsächlich seine Brötchen verdiente.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Sitzbarrikade?“</i> Mit erhobener Augenbraue zeichnete sich ein spöttischer Ausdruck auf Ceallaghs Zügen ab. Wen wollten sie denn mit so etwas beeindrucken? Die Stadtwache schickte sie mit reichlich Munition zum Teufel. So viel war sicher.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Mh.“</i> Nachdenklich verzogen sich die Lippen des Hünen. Die blaugrünen Augen kreisten durch den Laden, vorbei an den beiden Frauen, die sich wohl über irgendwelche fachspezifischen Wirkungsgrade und Anwendungsgebiete unterhielten und nahmen dann den Dunkelhaarigen wieder in Beschlag.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Eigentlich find ich es nur ganz witzig, wenn kleine Jungs versuchen meine Drecksarbeit zu erledigen. Das ist alles.“</i> Und da war es wieder. Das selbstgefällige Lächeln, das seinen Onkel so sehr auf die Palme brachte.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765><i>„Liefert man solche ‚Ware‘ warm oder kalt? Nur für den Fall, dass uns vielleicht… was über den Weg läuft.“</i> Nicht einmal dann, wenn sie plötzlich über ein Schlachtfeld spaziert wären, hätte er darüber nachgedacht, mit den rausgelösten Muskeln Geld verdienen zu wollen. Zugegeben – der Gedanke, ihm eine Schachtel mit Wildzungen als menschliche Zungen zu verkaufen, amüsierte ihn. Aber leider schätzte er den Blondschopf dann doch so schlau ein, die Verwechslung anhand von Größe und Länge zu erkennen. Schad‘: Das Lächeln des Größeren erwiderte Alex ähnlich gelassen, hob langsam das Kinn und schnaubte belustigt. <i>„Tja. Augen auf bei der Berufswahl. Aber mit dem Gesicht -“</i> Alex musterte den Blondschopf für einen Moment prüfend. <i>„- kannst du im Zweifel immer noch Märchenprinzessin werden. Nur wenn’s dir zu dreckig wird, meine ich.“</i> Zufrieden blickte er ihn an, als hätte er einen guten Kumpel gerade einen unheimlich wertvollen Rat gegeben. <i>„Nur der Damenbart muss weg, aber das versteht sich ja eigentlich von selbst. Wir Männer mögen’s nicht so, wenn’s im Gesicht kratzt beim Küssen.“</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23><i>“Normalerweise frieren wir alles ein und panieren es dann mit Sägespäne, damit es nicht so schnell stinkt und zerläuft.“</i> Ceallagh war fast begeistert, wie leicht ihm diese Worte über die Lippen kamen, ohne dabei den gespielten Ernst zu verlieren, der sein Schmunzeln von den Zügen wischte. Der Bursche war ja echt ganz drollig. Ritt er jedoch noch länger auf dem Thema herum, würde er sich mit einem tiefen Gähnen verabschieden und seinem Buch widmen. Auf ermüdende Gespräche legte er nicht sonderlich viel Wert. Noch weniger auf solche, die sich ständig gegen ihn richteten und er ehrlich gesagt nicht einmal wusste, woher der Dunkelhaarige diese Energie dafür hernahm. Zu wenig Sex, wahrscheinlich? Stieg manchen Herrschaften ja gern mal aufs Gehirn.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Mit einem amüsierten Schnauben, lehnte sich der Hüne nun mehr voraus, um mit abgestützten Unterarmen auf dem Tresen Alex mit Blicken zu traktieren. Er und eine Märchenprinzessin. Wow. Bekam er ihn so nicht an den Eiern, dass er jetzt hoffte damit sein Ego zumindest etwas anzukratzen? So gesehen fühlte sich Ceallagh einfach nur geschmeichelt. Er liebte Frauen. Sehr sogar. Und so schön wie eine von ihnen zu sein, war definitiv nicht das schlechteste, das man ihm an den Kopf werfen konnte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Reden wir hier von Männern oder von dir?“</i>, kurz kniffen sich die braun gebrannten Lider in einer überlegenden Kopfhaltung zusammen, mit aufeinander gepressten Lippen und einem gleichsam grüblerischen Zug um die Nase.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Bah…“ </i>Gespielt angewidert verzog der Hayes das Gesicht und schüttelte den Kopf. <i>“Ich passe. Nichts für Ungut.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#8B7765>Er nickte als Zeichen, dass er zugehört hatte. Hauptsächlich interessierte ihn, wie viel Ceallagh zu diesem Thema noch einfallen würde. Ob das, was er da faselte nun die Wahrheit oder erdacht war, spielte für ihn absolut keine Rolle. Er bezweifelte stark, dass er derlei Informationen irgendwann in seinem Leben mal gebrauchen konnte – oder wollte. Menschen die Zungen herausschneiden und für Weißgottwas an andere verkaufen? Was wollte man schon mit schleimigen, verwesten – menschlichen - Zungen anfangen? Wobei – vermutlich handhabte man das irgendwo auf dieser Welt auch als Delikatesse ähnlich wie Rinderzunge. Allerdings wirkte der Blondschopf nicht so, als würde er das Thema noch sonderlich lange mitmachen. Fast schon schade, wenn man außer Acht ließ, dass Lubaya und er eigentlich besseres vor hatten, als hier ein ausgedehntes Pläuschchen zu halten. Als Ceallagh zu einem Gegenschlag ausholte, lächelte Alex hörbar und ein bisschen enttäuscht. Der war erwartbar gewesen. Aber was wollte man machen. <i>„Wirklich bedauerlich.“</i>, gab er nach einem Seufzen von sich und zuckte demonstrativ mit der Schulter, ehe er den Kopf abermals zu seiner Freundin herumwandte. <i>„Lubaya. Hast du den Laden dann bald leergekauft?“</i>, brummte er zu den beiden Damen hinüber. <i>„Du weißt, wir werden erwartet.“</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cdbe70>Lubaya zuckte zusammen. Sie hatte die Zeit offensichtlich wirklich vergessen und war derart ins Gespräch vertieft gewesen, dass sie die beiden Herren fast vergessen hatte.<i> „Entschuldige! Wir können sofort los.“</i> Mit einem entschuldigenden Blick wandte sie sich an die andere Frau. Zu gern hätte sie noch mehr Zeit damit verbracht, sich über allerlei Kräutermischungen zu unterhalten, aber ausnahmsweise hatte Alex Recht. Bei dem Gedanken, Liam so lange angeschlagen alleine in ihrem kleinen Lager zurückgelassen zu haben, überkam sie ein schlechtes Gewissen. <i>„Vielen Dank für alles. Sollte doch noch etwas fehlen, werde ich noch einmal vorbeikommen.“</i> Ein verstohlener Blick galt Alex, der mittlerweile mit verschränkten Armen hinter ihr stand, während sie das Gold aus einem Lederbeutel auf dem Tresen ausbreitete und die Waren in ihrer Tasche verstaute. Ihr Blick war ein lautloses, aber herzlich gemeintes ‚ohne ihn.‘.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Der Lockenkopf schien absolut kein Interesse daran zu haben hier zu sein. Was Ceallagh bereits im ersten Moment klar gewesen war, bestätigte sich noch einmal in der Art, wie er sich abwandte und nach seiner Begleitung rief. Nicht auf die Weise, wie man mit seiner Freundin sprach. So viel stand fest, als er sich tief einatmend abwandte und entspannt auf seinen Stuhl nieder ließ. Die Nase bereits wieder in seinem Buch versunken, kaum dass Meave und die Fremde an den Tresen zurückkehrten. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cd8c95><i>“Gern geschehen. Wir helfen gern.“</i>, entgegnete sie mit einem flüchtigen Seitenblick zu ihrem Bruder und verband ein Bund Kräuter, das sie Lubaya mit einem Lächeln mitsamt der kleinen und großen Kästchen hinüber schob.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Wir kennen auch ein paar gute Medicus in der Gegend. Wenn sich mit den Kräutern nichts ausrichten lässt, können die euch ganz sicher am meisten helfen.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Kurz lugten die blaugrünen Augen des Hünen unter dem dichten Wimpernkranz hinweg, als wollte er nonverbal seiner Schwester für zu viel Freundlichkeit und das sehr persönliche „euch“ in den Nacken zwicken. Dass sie nicht bereits ihre Seele an die Fremde verkauft hatte, war ja schier ein Wunder. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#cdbe70><i>„Danke.“,</i> wiederholte Lubaya. <i>„Ich hoffe, dass wir damit erfolgreich sind-“</i> Mit einem freundlichen Lächeln verabschiedete sie sich auch von dem blonden Mann auf seinem Stuhl. Alex schenkte der Verkäuferin ebenfalls ein Lächeln, während er die Tür bereits für Lubaya offenhielt, die kurzerhand unter seinem Arm hindurchschlüpfte. <i>„Du kanntest ihn?“</i>, fragte sie schließlich, während sie nebeneinander Richtung Stadtrand schlenderten. Alex zuckte mit der Schulter und erzählte ihr schließlich beiläufig die Geschichte rund um Sineca. Luabyas Gesicht wurde ein wenig finsterer. Pelzhändler waren auch nicht das, was sie unbedingt als gute Gesellschaft bezeichnet hätte, aber sie hatte sich nicht in das Leben anderer Menschen einzumischen. Plötzlich allerdings blieb sie stehen und sah zu einer kleinen Gruppe aus drei Männern hinüber, die zwar nicht vertrauenserweckend aussahen, aber sonst nichts wirklich Interessantes hatten. <font color=#8B7765><i>„Was ist?“</i>, fragte Alex, der nur ein Augenrollen unterdrückt hatte, als er bemerkt hatte, dass Lubaya abermals stehen geblieben war.</font> <i>„Toulouse. War das nicht der Kräuterladen, in dem wir gerade waren?“ </i>- <font color=#8B7765>„Keine Ahnung, kann gut sein. Warum ist das wichtig?“</font> - <i>„Komm mit.“</i> Lubaya zog ihn unauffällig mit in eine andere Richtung und schlenderte schließlich wieder in einem gemütlichen Tempo voran – genau in die Richtung, in der die Männer standen und sich leise unterhielten. An einem Schaufenster betrachtete sie gespielt interessiert die Waren. <i>„Du meintest, der Mann, hinter dem Tresen sei Schmuggler?“</i> Alex hatte versucht, ebenso zu lauschen, um herauszufinden, worauf Lubaya hinauswollte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>„Irgendwas soll heute Nacht wohl in diesem Laden geschehen. Und es klang nicht nach einer freundschaftlichen Runde Karten.“</i> - <font color=#8B7765><i>„Was hast du vor? Das geht uns doch alles nichts an.“</i>, versuchte es Alex, ahnte aber, dass er damit keinen Erfolg haben würde.</font> Die Männer trennten sich. <i>„Wir müssen sie zumindest warnen, Alex. Du wärst auch froh, wenn sich jemand dazu herablassen würde, dir den Arsch zu retten, oder?“</i> Ein neckendes Grinsen galt dem Älteren, dessen Sorge sie bereits wieder auf seinen Zügen lesen konnte. Lubaya überlegte kurz, ehe ihre Züge wieder heller wurden. <i>„Vorschlag. Ich breche schon einmal auf, um Liam einen Wundertrank zu brauen. Und du warnst Maeve, für den Fall, dass es wirklich nicht um ein Treffen unter … Schmugglerfreunden geht oder sowas. Und falls sie Hilfe braucht…“</i> <font color=#8B7765>Alex ahnte, worauf Lubaya hinauswollte. Manchmal war es anstrengend, wie schnell sie Freundschaften schloss und sich aufopferungsvoll für die Leute einsetzte, die mit Sicherheit nicht einmal einen Finger für sie krummmachen würden. <i>„Na los, wir treffen uns nachher.“,</i> stimmte Alex ihrem Plan also widerwillig zu.</font> <i>„Versprochen, Alex?“</i> <font color=#8B7765>Der Lockenkopf brummte unbegeistert. <i>„Ja, versprochen.“</i></font></span><br />
<span style="color: black;" class="mycode_color"><span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span></span>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Ashes on my tongue]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1084</link>
			<pubDate>Sun, 06 Feb 2022 23:02:13 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=45">Tarón Valur</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1084</guid>
			<description><![CDATA[<blockquote><div class="Tarón">
Tarón konnte das Schlagen seines Herzens bis in seinen Hals spürten. <br />
In der Dunkelheit seiner kleinen Kammer hatte er Ewigkeiten an die Wand gestarrt – blind in der Schwärze, die sein zugeschwollenes rechtes Auge nur weiter verfinsterte. Er hatte auf der Seite gelegen. Der Schmerz brannte noch frisch – sowohl in seinem Gesicht als auch auf seinem Rücken, den sein Onkel heute Mittag mit dem alten Holzstuhl erwischt hatte. Der Stuhl hatte den Zusammenprall mit dem Zehnjährigen nicht überstanden – und so hatte Tarón auch dafür noch Schläge bezogen, dass er nun in der Ecke mit Kaminholz auf ein endgültiges Ende im Feuer wartete. Faran hätte Tarón sicher am liebsten gleich mit in die Flammen geschmissen.<br />
Erst, als die Stille in ihrer Hütte sich in die Ewigkeit zog, hatte er es gewagt aufzustehen und das viel zu leichte Bündel, das er in der Nische hinter seinem Lager versteckt hatte zu holen. Daran Licht zu machen, war nicht zu denken. Wenn Faran ihn jetzt erwischte, würde er nicht mit einem schmerzenden Rücken und einem blauen Auge davonkommen. Vor allem nicht, wenn er Tarón dabei erwischte, wie dieser etwas von ihren ohnehin knappen Vorräten nach draußen schmuggelte. Dass es sich dabei um Essen handelte, dass der Junge sich selbst vom Mund abgespart hatte, würde keinen Unterschied machen. <br />
So verschmolz er mit den Schatten, die sich um ihn in der kläglichen Hütte ballten, die er mit den Reginns bewohnte. Bewegte sich fast lautlos und mit nur zwei Schritten durch seine Kammer und schob die dünne Holztür leise auf, die in den Hauptraum führte, in dem seine Ziehfamilie schlief. Im schwachen Schein der letzten Glut konnte er die Umrisse seiner Tante ausmachen. Isa musste in ihrem Schatten schlafen. Faran lag nicht bei ihnen – er erspähte seinen Onkel zusammengesunken auf der morschen Kiste, die er anstelle des Stuhls vor das Feuer geschoben hatte. Er lehnte an der Wand … und schlief, wie Tarón – in Entsetzen zu Stein erstarrt – erleichtert feststellte. <br />
Sein Herz schlug nun so wild und laut, dass sein Rauschen in seinen Ohren wie das Meer klang. Faran würde ihn hören… und diesmal würde er ihn totschlagen. Die Panik versuchte sich seines Geistes zu bemächtigen, doch der Junge schloss das linke Auge – das rechte war ohnehin mehr geschlossen, als offen- und zwang sich an die Wellen zu denken. Ihr steter ruhiger Puls an einem Sommertag. Es half. Als er das Auge zögernd öffnete hatte sich Farans Position nicht verändert und Tarón wagte es wieder zu atmen. Langsam, vorsichtig. Er musste weiter.<br />
Der Weg zur Ausgangstür kam ihm ewig vor. Hätte er ein Fenster in seiner Kammer gehabt, wäre alles einfacher gewesen, doch diese Ausrede für ein Zuhause konnte damit nicht aufwarten. Und so musste er sich durch den Raum zwingen und dabei den Blick darauf behalten, warum er dieses Risiko einging.<br />
Erst als ihn die Nachtluft mit ihrem schweren Geruch nach Salz und Tang begrüßte fiel die Angst von ihm ab. <br />
Tarón warf einen zögernden Blick zurück auf die geschlossene Holztür hinter sich – doch sein Onkel schlief und er würde wahrscheinlich nicht vor dem Morgen erwachen. Isala sollte für die Nacht sicher genug vor ihm sein, dass Tarón sich der anderen Sache neben ihr und ihrer Mutter zuwenden konnte, um die er sich in dieser einsamen Welt sorgte. Die Schritte nun viel freier machte er sich auf zum nahen Strand.<br />
</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Isala">
Isala flüchtete in letzter Zeit sehr oft aus dem Haus, in dem ihre Familie schlief. Viel zu lange schon hatte sie das Gefühl, dass sie in dem beengten Räumen nicht richtig atmen konnte. Hier oben auf dem Dach allerdings schon. hier konnte sie die Sterne zählen und von einer anderen Zeit träumen... sie träumte von der Zukunft und all den Dingen, die sie machen könnte, wenn sie nicht mehr hier wäre.<br />
Das kleine Mädchen wusste nicht mehr wirklich wann es angefangen hatte. Ihr "Vater" hatte sie am Anfang nie wirklich gemocht und immer wieder beteuert, dass sie gar nicht seine Tochter war. IHr mutter hatte dies immer verneint, aber ob sie das aus Angst getan hatte oder ob es wirklich die Wahrheit war, hatte sie auch Isala niemals gesagt. Doch vor ein oder zwei Jahren fing es an, dass der Vater sich plötzlich für sie interssierte. Er legte so oft einen Arm um sie und versuchte sie an seltsamen Körperstellen zu berühren. Das Mädchen fühlte sich dabei jedes mal unwohl, hatte aber auch ähnlich ihrer Mutter wahrscheinlich, einfach angst sich dagegen zu wehren.<br />
Sie war froh, dass Tarón bei ihnen eingezogen war, denn er nahm sie oft in Schutz... und erhielt dafür fast jedes mal Schläge. Sie wollte nicht, dass Tarón jedes mal verletzt wurde, also hatte sie irgendwann aufgehört es ihrem Cousin zu erzählen. Doch er bekam es dennoch mit... genauso wie ihre Mutter. Doch im Gegensatz zu Ihrer Mutter, stellte sich Tarón immer öfter schützend vor sie.<br />
Ein geräusch holte Isala aus ihren gedanken und das Mädchen blickte in die Dunkelheit unter ihr. Tarón... was machte er hier. Schlich er sich fort? Im ersten Moment übnerlegte sie, ob sie sich zu erkennen geben sollte, doch für das Kind war es fast schon ein Spiel im verborgenen zu bleiben. Isa grinste, seilte sich vom Dach der Hütte ab und fing an, dem Jungen unentdeckt hinterher zu schleichen.<br />
</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Tarón">
Mit jedem Meter, den Tarón sich von der schäbigen Hütte entfernte, fühlten sich seine Schritte etwas leichter an. Er hatte nicht viel beiseitelegen können – auch so schon fiel das Essen meist eher spärlich aus, auch wenn Tante Maira ihr Bestes gab aus dem wenigen, was sie hatten etwas Gutes zu bereiten. Doch zaubern konnte auch sie nicht und am Ende des Tages blieb eine Schüssel Reis eine Schüssel Reis, wenn man ansonsten Nichts hatte. Tarón half, wenn er konnte – stundenlang jagte er am Strand nach Krabben und suchte nach Muscheln oder machte sich auf in die Wälder, um nach wild wachsenden Früchten zu suchen. Einen Teil davon konnte er an guten Tagen sogar verkaufen. Er hatte es sogar geschafft ein paar Taler vor seinem Onkel zu verstecken, doch der Großteil war am Ende doch in seiner Tasche verschwunden, um wenig später in billigen Rum umgesetzt zu werden.<br />
Dennoch hoffte er, sein neuer Freund würde sich über die kargen Geschenke freuen, die er brachte.<br />
Als seine Füße in den unter der Oberfläche noch vom Tag warmen Sand tauchten wurde der Junge misstrauischer. Er änderte sogar die Richtung und ging schließlich in einer leicht von seinem Ziel weggewandten graden bis zum Wasser. Die Wärme des trockenen Sandes wechselte zur Nachtkühle des feuchten und bald umspülten die Wellen die Knöchel des Jungen, als er nahe an der Wasserlinie den Strand wieder in die richtige Richtung hinab lief. Er ließ sich Zeit. Niemand schrieb ihm hier vor wie und was er zu tun hatte. Er agierte aus eigenem Antrieb. Er war hier draußen, weil er es wollte.<br />
Und so verging einige Zeit, ehe er zu der Felsformation kam, die sein Ziel darstellte. Noch einmal warf er den Blick umher, doch außer Schatten konnte er nichts um Grau der Welt entdecken. Dann schob er sich in die Finsternis des Höhleneingangs, der hinter ein paar Felssplittern verborgen lag. <br />
Auch er musste sich ducken, um hier hindurch zu kommen – ein Erwachsener musste beinahe kriechen. Es tat weh – Taróns Rücken fühlte sich an wie ein morsches Brett - doch es machte diesen Ort nur zu einem besseren Versteck. <br />
Tarón bog um eine Ecke des empor führenden Ganges und schon begrüßte ihn das weiche Licht einer Öllampe. In ihrem warmen Schein lehnte der Pirat auf seinem improvisierten Lager an den grauen Felsen in seinem Rücken. Als er den Mund zu einem Grinsen verzog, schimmerten die geschwärzten Zähne, die ihm seinen Namen verliehen im Lichtschein.<br />
 <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Ich wusste du lässt mich nicht hängen, Junge. Hast an den alten Black Tooth gedacht…“</span><br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> „Wie versprochen.“</span><br />
Erwiderte Tarón und reichte ihm das Bündel, das er mitgebracht hatte.<br />
Black Tooth Jack richtete sich nur etwas auf, um es zu greifen, doch das reichte, um ihn sein Gesicht schmerzhaft verziehen zu lassen. Besorgt sah Tarón auf die Seite, an der die Wunde unter dem dicken Stofffetzen verborgen lag, den er Jack zwei Tage zuvor gebracht hatte.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> „Oh keine Sorge min Jung. Es wird schon besser. Zwickt nur noch etwas – möge dieser verfluchte Baradon auf dem Grund des Meeres verrotten! Nun, lass mal sehen…“</span><br />
Langsam und dabei fast ausschließlich seine Linke benutzend schlug Black Tooth Jack den Stoff den Bündels zur Seite und blickte auf das, was Tarón mitgebracht hatte: ein hartes Stück Brot, etwas geräucherten Fisch, eine Flasche, die er mit gutem Wasser befüllt hatte und eine der Krabben, die er am Morgen gefangen hatte. Eine Welle von Scham ließ das Gesicht des Jungen im Lichtschein aufglühen.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> „ich weiß, es ist nicht viel…“</span><br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Tarón…es ist mehr, als mir jeder andere Fischkopp geben würde! Danke! ... Bissle Rum wäre schön gewesen, aber ich bin dir wirklich dankbar, min Jung.“</span><br />
[color=black]Lächelnd griff Jack zu und biss von dem Fisch ab. Während er kaute blitzten seine klugen hellbraunen Augen zu dem Jungen herüber.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> „Wapf ifft mit deinem Rücken paffiert?“</span><br />
</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Isala">
Isala bereute es fast, dass sie kein festes Schuhwerk an hatte, als sie weiter hinter ihrem Cousin her schlich, aber zumindest machten die kleinen nackten Füße keine lauten Geräusche. Das Kind war es ohnehin gewohnt unentdeckt zu bleiben und so ließ sie sich am Strand etwas nach hinten fallen, sodass taròn sie nicht mitbekam. <br />
Seine Abdrücke im feuchten Sand waren allerdings eine gute Anlaufstelle. Wo wollte er nur hin? Isala hatte schon viel ausgekundschaftet - auch mit ihm zusammen, doch hier war sie noch nie gewesen.<br />
Sie waren ohnehin nie wirklich lange unterwegs, denn ihr Vater wurde immer böse, wenn sie zu spät kamen oder ihm irgendetwas anderes nicht passte. Wenn er wieder zu viel aus seiner Flasche getrunken hatte,reichte es schon wenn sie mit dreckigen Sachen ins Haus kam...und meistens bekam nicht sie den größten Ärger...sondern ihr Cousin. <br />
Isa wollte beinahe aufgeben....sie hatte keine Ahnung wie lange sie hier schon am Strand herum lief und wenn ER herausfand, dass sie so lange unterwegs waren, gab es mächtig Ärger. Und nachdem, was er mit taròn heute angestellt hatte, fürchtete Isala, dass der junge nicht mehr aufstehen würde.<br />
Und dann führten die Fußabdrücke im Sand zu einer felsformation und einer Höhle und plötzlich war sie hellwach und ihre Augen glänzten vor lauter Abenteuersinn.<br />
Sie hatte kaum den Kopf reingesteckt und die ersten Schritte in die Höhle gewagt, da hörte sie zwei stimmen, von der sie eine nicht kannte.<br />
Als sie aus der Dunkelheit hinüber schielte und den verletzten Mann sah, zog sie erschrocken die Luft ein und trat mit ihren ungeschützten Füßen auf einen spitzen Stein. Ihr Ausruf <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“aua!</span>“ hatte sie hundertprozentig verraten.<br />
Doch Isa hielt die Luft an, in der Hoffnung, dass sie noch immer unentdeckt blieb.<br />
</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Tarón">
Ein plötzlicher Ausruf ersparte Tarón die Antwort auf die unangenehme Frage. Anstatt Black Tooth, der seine Augen nun misstrauisch verengt hatte und an ihm vorbei schaute – die Hand an seiner Pistole, wie der Junge bemerkte – zu antworten, wirbelte er herum und zuckte dabei selbst leidvoll zusammen, als der Schmerz durch seinen Rücken schoss. Er kannte diese Stimme…<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Isa! Komm sofort raus und hör auf dich zu verstecken! Was machst du hier?“</span><br />
Polterte er los, die Zähne zusammengebissen, da sein Rücken noch immer tierisch weh tat.<br />
Black Tooth gab ein amüsiertes Grunzen von sich und ließ seine Hand wieder sinken.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> „Deine Cousine, eh? Komm ruhig raus in Deern. Der alte Black Tooth tut dir nix.“</span><br />
Zum Glück sah es der Pirat locker – doch Tarón ärgerte sich. Mehr über sich selbst als über Isala. Er war zu unvorsichtig gewesen. Es hätte auch Faran gewesen sein können, der ihm gefolgt war. Doch nun war das Kind in den Brunnen gefallen, wie man so schön sagte – also hieß es Schadensbegrenzung betreiben und das bedeutete Isa ab nun mit ins Boot zu holen.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> „Nun komm her…“</span><br />
Murrte er deshalb noch einmal, jedoch schon weit weniger aufgebracht, als eben.<br />
</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Isala">
Isa ließ sich Zeit und blieb noch einen Augenblick in der Dunkelheit stehen, während ihr herz versuchte ihren brustkorb zu sprengen. Dann jedoch nahm sie ihren Mut zusammen und trat ins Licht. Nun hatte sie auch endlich die Möglichkeit den Piraten genauer zu begutachten.  das Kind hatte zwar einen gesunden Respekt vor allem neuen und unbekannten, jedoch keine Angst. So versuchte sie eine besonders taffe Miene aufzusetzen als sie den Mann direkt ansah.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wer bist du? Was machst du hier? Bist du ein Pirat?" </span>Die letzte Frage erhellte ihr Gesicht und machte Platz für reine Neugierde. Dann jedoch sah sie zu tarón und legte den Kopf schief.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Was machst du hier? Du weißt dass du Ärger bekommst, wenn ER das herausfindet." </span>Und das will ich nicht, fügte sie gedanklich hinzu und sah ihren Cousin besorgt an.<br />
</div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><div class="Tarón">
Tarón konnte das Schlagen seines Herzens bis in seinen Hals spürten. <br />
In der Dunkelheit seiner kleinen Kammer hatte er Ewigkeiten an die Wand gestarrt – blind in der Schwärze, die sein zugeschwollenes rechtes Auge nur weiter verfinsterte. Er hatte auf der Seite gelegen. Der Schmerz brannte noch frisch – sowohl in seinem Gesicht als auch auf seinem Rücken, den sein Onkel heute Mittag mit dem alten Holzstuhl erwischt hatte. Der Stuhl hatte den Zusammenprall mit dem Zehnjährigen nicht überstanden – und so hatte Tarón auch dafür noch Schläge bezogen, dass er nun in der Ecke mit Kaminholz auf ein endgültiges Ende im Feuer wartete. Faran hätte Tarón sicher am liebsten gleich mit in die Flammen geschmissen.<br />
Erst, als die Stille in ihrer Hütte sich in die Ewigkeit zog, hatte er es gewagt aufzustehen und das viel zu leichte Bündel, das er in der Nische hinter seinem Lager versteckt hatte zu holen. Daran Licht zu machen, war nicht zu denken. Wenn Faran ihn jetzt erwischte, würde er nicht mit einem schmerzenden Rücken und einem blauen Auge davonkommen. Vor allem nicht, wenn er Tarón dabei erwischte, wie dieser etwas von ihren ohnehin knappen Vorräten nach draußen schmuggelte. Dass es sich dabei um Essen handelte, dass der Junge sich selbst vom Mund abgespart hatte, würde keinen Unterschied machen. <br />
So verschmolz er mit den Schatten, die sich um ihn in der kläglichen Hütte ballten, die er mit den Reginns bewohnte. Bewegte sich fast lautlos und mit nur zwei Schritten durch seine Kammer und schob die dünne Holztür leise auf, die in den Hauptraum führte, in dem seine Ziehfamilie schlief. Im schwachen Schein der letzten Glut konnte er die Umrisse seiner Tante ausmachen. Isa musste in ihrem Schatten schlafen. Faran lag nicht bei ihnen – er erspähte seinen Onkel zusammengesunken auf der morschen Kiste, die er anstelle des Stuhls vor das Feuer geschoben hatte. Er lehnte an der Wand … und schlief, wie Tarón – in Entsetzen zu Stein erstarrt – erleichtert feststellte. <br />
Sein Herz schlug nun so wild und laut, dass sein Rauschen in seinen Ohren wie das Meer klang. Faran würde ihn hören… und diesmal würde er ihn totschlagen. Die Panik versuchte sich seines Geistes zu bemächtigen, doch der Junge schloss das linke Auge – das rechte war ohnehin mehr geschlossen, als offen- und zwang sich an die Wellen zu denken. Ihr steter ruhiger Puls an einem Sommertag. Es half. Als er das Auge zögernd öffnete hatte sich Farans Position nicht verändert und Tarón wagte es wieder zu atmen. Langsam, vorsichtig. Er musste weiter.<br />
Der Weg zur Ausgangstür kam ihm ewig vor. Hätte er ein Fenster in seiner Kammer gehabt, wäre alles einfacher gewesen, doch diese Ausrede für ein Zuhause konnte damit nicht aufwarten. Und so musste er sich durch den Raum zwingen und dabei den Blick darauf behalten, warum er dieses Risiko einging.<br />
Erst als ihn die Nachtluft mit ihrem schweren Geruch nach Salz und Tang begrüßte fiel die Angst von ihm ab. <br />
Tarón warf einen zögernden Blick zurück auf die geschlossene Holztür hinter sich – doch sein Onkel schlief und er würde wahrscheinlich nicht vor dem Morgen erwachen. Isala sollte für die Nacht sicher genug vor ihm sein, dass Tarón sich der anderen Sache neben ihr und ihrer Mutter zuwenden konnte, um die er sich in dieser einsamen Welt sorgte. Die Schritte nun viel freier machte er sich auf zum nahen Strand.<br />
</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Isala">
Isala flüchtete in letzter Zeit sehr oft aus dem Haus, in dem ihre Familie schlief. Viel zu lange schon hatte sie das Gefühl, dass sie in dem beengten Räumen nicht richtig atmen konnte. Hier oben auf dem Dach allerdings schon. hier konnte sie die Sterne zählen und von einer anderen Zeit träumen... sie träumte von der Zukunft und all den Dingen, die sie machen könnte, wenn sie nicht mehr hier wäre.<br />
Das kleine Mädchen wusste nicht mehr wirklich wann es angefangen hatte. Ihr "Vater" hatte sie am Anfang nie wirklich gemocht und immer wieder beteuert, dass sie gar nicht seine Tochter war. IHr mutter hatte dies immer verneint, aber ob sie das aus Angst getan hatte oder ob es wirklich die Wahrheit war, hatte sie auch Isala niemals gesagt. Doch vor ein oder zwei Jahren fing es an, dass der Vater sich plötzlich für sie interssierte. Er legte so oft einen Arm um sie und versuchte sie an seltsamen Körperstellen zu berühren. Das Mädchen fühlte sich dabei jedes mal unwohl, hatte aber auch ähnlich ihrer Mutter wahrscheinlich, einfach angst sich dagegen zu wehren.<br />
Sie war froh, dass Tarón bei ihnen eingezogen war, denn er nahm sie oft in Schutz... und erhielt dafür fast jedes mal Schläge. Sie wollte nicht, dass Tarón jedes mal verletzt wurde, also hatte sie irgendwann aufgehört es ihrem Cousin zu erzählen. Doch er bekam es dennoch mit... genauso wie ihre Mutter. Doch im Gegensatz zu Ihrer Mutter, stellte sich Tarón immer öfter schützend vor sie.<br />
Ein geräusch holte Isala aus ihren gedanken und das Mädchen blickte in die Dunkelheit unter ihr. Tarón... was machte er hier. Schlich er sich fort? Im ersten Moment übnerlegte sie, ob sie sich zu erkennen geben sollte, doch für das Kind war es fast schon ein Spiel im verborgenen zu bleiben. Isa grinste, seilte sich vom Dach der Hütte ab und fing an, dem Jungen unentdeckt hinterher zu schleichen.<br />
</div></blockquote>
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<blockquote><div class="Tarón">
Mit jedem Meter, den Tarón sich von der schäbigen Hütte entfernte, fühlten sich seine Schritte etwas leichter an. Er hatte nicht viel beiseitelegen können – auch so schon fiel das Essen meist eher spärlich aus, auch wenn Tante Maira ihr Bestes gab aus dem wenigen, was sie hatten etwas Gutes zu bereiten. Doch zaubern konnte auch sie nicht und am Ende des Tages blieb eine Schüssel Reis eine Schüssel Reis, wenn man ansonsten Nichts hatte. Tarón half, wenn er konnte – stundenlang jagte er am Strand nach Krabben und suchte nach Muscheln oder machte sich auf in die Wälder, um nach wild wachsenden Früchten zu suchen. Einen Teil davon konnte er an guten Tagen sogar verkaufen. Er hatte es sogar geschafft ein paar Taler vor seinem Onkel zu verstecken, doch der Großteil war am Ende doch in seiner Tasche verschwunden, um wenig später in billigen Rum umgesetzt zu werden.<br />
Dennoch hoffte er, sein neuer Freund würde sich über die kargen Geschenke freuen, die er brachte.<br />
Als seine Füße in den unter der Oberfläche noch vom Tag warmen Sand tauchten wurde der Junge misstrauischer. Er änderte sogar die Richtung und ging schließlich in einer leicht von seinem Ziel weggewandten graden bis zum Wasser. Die Wärme des trockenen Sandes wechselte zur Nachtkühle des feuchten und bald umspülten die Wellen die Knöchel des Jungen, als er nahe an der Wasserlinie den Strand wieder in die richtige Richtung hinab lief. Er ließ sich Zeit. Niemand schrieb ihm hier vor wie und was er zu tun hatte. Er agierte aus eigenem Antrieb. Er war hier draußen, weil er es wollte.<br />
Und so verging einige Zeit, ehe er zu der Felsformation kam, die sein Ziel darstellte. Noch einmal warf er den Blick umher, doch außer Schatten konnte er nichts um Grau der Welt entdecken. Dann schob er sich in die Finsternis des Höhleneingangs, der hinter ein paar Felssplittern verborgen lag. <br />
Auch er musste sich ducken, um hier hindurch zu kommen – ein Erwachsener musste beinahe kriechen. Es tat weh – Taróns Rücken fühlte sich an wie ein morsches Brett - doch es machte diesen Ort nur zu einem besseren Versteck. <br />
Tarón bog um eine Ecke des empor führenden Ganges und schon begrüßte ihn das weiche Licht einer Öllampe. In ihrem warmen Schein lehnte der Pirat auf seinem improvisierten Lager an den grauen Felsen in seinem Rücken. Als er den Mund zu einem Grinsen verzog, schimmerten die geschwärzten Zähne, die ihm seinen Namen verliehen im Lichtschein.<br />
 <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Ich wusste du lässt mich nicht hängen, Junge. Hast an den alten Black Tooth gedacht…“</span><br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> „Wie versprochen.“</span><br />
Erwiderte Tarón und reichte ihm das Bündel, das er mitgebracht hatte.<br />
Black Tooth Jack richtete sich nur etwas auf, um es zu greifen, doch das reichte, um ihn sein Gesicht schmerzhaft verziehen zu lassen. Besorgt sah Tarón auf die Seite, an der die Wunde unter dem dicken Stofffetzen verborgen lag, den er Jack zwei Tage zuvor gebracht hatte.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> „Oh keine Sorge min Jung. Es wird schon besser. Zwickt nur noch etwas – möge dieser verfluchte Baradon auf dem Grund des Meeres verrotten! Nun, lass mal sehen…“</span><br />
Langsam und dabei fast ausschließlich seine Linke benutzend schlug Black Tooth Jack den Stoff den Bündels zur Seite und blickte auf das, was Tarón mitgebracht hatte: ein hartes Stück Brot, etwas geräucherten Fisch, eine Flasche, die er mit gutem Wasser befüllt hatte und eine der Krabben, die er am Morgen gefangen hatte. Eine Welle von Scham ließ das Gesicht des Jungen im Lichtschein aufglühen.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> „ich weiß, es ist nicht viel…“</span><br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Tarón…es ist mehr, als mir jeder andere Fischkopp geben würde! Danke! ... Bissle Rum wäre schön gewesen, aber ich bin dir wirklich dankbar, min Jung.“</span><br />
[color=black]Lächelnd griff Jack zu und biss von dem Fisch ab. Während er kaute blitzten seine klugen hellbraunen Augen zu dem Jungen herüber.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> „Wapf ifft mit deinem Rücken paffiert?“</span><br />
</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Isala">
Isala bereute es fast, dass sie kein festes Schuhwerk an hatte, als sie weiter hinter ihrem Cousin her schlich, aber zumindest machten die kleinen nackten Füße keine lauten Geräusche. Das Kind war es ohnehin gewohnt unentdeckt zu bleiben und so ließ sie sich am Strand etwas nach hinten fallen, sodass taròn sie nicht mitbekam. <br />
Seine Abdrücke im feuchten Sand waren allerdings eine gute Anlaufstelle. Wo wollte er nur hin? Isala hatte schon viel ausgekundschaftet - auch mit ihm zusammen, doch hier war sie noch nie gewesen.<br />
Sie waren ohnehin nie wirklich lange unterwegs, denn ihr Vater wurde immer böse, wenn sie zu spät kamen oder ihm irgendetwas anderes nicht passte. Wenn er wieder zu viel aus seiner Flasche getrunken hatte,reichte es schon wenn sie mit dreckigen Sachen ins Haus kam...und meistens bekam nicht sie den größten Ärger...sondern ihr Cousin. <br />
Isa wollte beinahe aufgeben....sie hatte keine Ahnung wie lange sie hier schon am Strand herum lief und wenn ER herausfand, dass sie so lange unterwegs waren, gab es mächtig Ärger. Und nachdem, was er mit taròn heute angestellt hatte, fürchtete Isala, dass der junge nicht mehr aufstehen würde.<br />
Und dann führten die Fußabdrücke im Sand zu einer felsformation und einer Höhle und plötzlich war sie hellwach und ihre Augen glänzten vor lauter Abenteuersinn.<br />
Sie hatte kaum den Kopf reingesteckt und die ersten Schritte in die Höhle gewagt, da hörte sie zwei stimmen, von der sie eine nicht kannte.<br />
Als sie aus der Dunkelheit hinüber schielte und den verletzten Mann sah, zog sie erschrocken die Luft ein und trat mit ihren ungeschützten Füßen auf einen spitzen Stein. Ihr Ausruf <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“aua!</span>“ hatte sie hundertprozentig verraten.<br />
Doch Isa hielt die Luft an, in der Hoffnung, dass sie noch immer unentdeckt blieb.<br />
</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Tarón">
Ein plötzlicher Ausruf ersparte Tarón die Antwort auf die unangenehme Frage. Anstatt Black Tooth, der seine Augen nun misstrauisch verengt hatte und an ihm vorbei schaute – die Hand an seiner Pistole, wie der Junge bemerkte – zu antworten, wirbelte er herum und zuckte dabei selbst leidvoll zusammen, als der Schmerz durch seinen Rücken schoss. Er kannte diese Stimme…<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Isa! Komm sofort raus und hör auf dich zu verstecken! Was machst du hier?“</span><br />
Polterte er los, die Zähne zusammengebissen, da sein Rücken noch immer tierisch weh tat.<br />
Black Tooth gab ein amüsiertes Grunzen von sich und ließ seine Hand wieder sinken.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> „Deine Cousine, eh? Komm ruhig raus in Deern. Der alte Black Tooth tut dir nix.“</span><br />
Zum Glück sah es der Pirat locker – doch Tarón ärgerte sich. Mehr über sich selbst als über Isala. Er war zu unvorsichtig gewesen. Es hätte auch Faran gewesen sein können, der ihm gefolgt war. Doch nun war das Kind in den Brunnen gefallen, wie man so schön sagte – also hieß es Schadensbegrenzung betreiben und das bedeutete Isa ab nun mit ins Boot zu holen.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> „Nun komm her…“</span><br />
Murrte er deshalb noch einmal, jedoch schon weit weniger aufgebracht, als eben.<br />
</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Isala">
Isa ließ sich Zeit und blieb noch einen Augenblick in der Dunkelheit stehen, während ihr herz versuchte ihren brustkorb zu sprengen. Dann jedoch nahm sie ihren Mut zusammen und trat ins Licht. Nun hatte sie auch endlich die Möglichkeit den Piraten genauer zu begutachten.  das Kind hatte zwar einen gesunden Respekt vor allem neuen und unbekannten, jedoch keine Angst. So versuchte sie eine besonders taffe Miene aufzusetzen als sie den Mann direkt ansah.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wer bist du? Was machst du hier? Bist du ein Pirat?" </span>Die letzte Frage erhellte ihr Gesicht und machte Platz für reine Neugierde. Dann jedoch sah sie zu tarón und legte den Kopf schief.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Was machst du hier? Du weißt dass du Ärger bekommst, wenn ER das herausfindet." </span>Und das will ich nicht, fügte sie gedanklich hinzu und sah ihren Cousin besorgt an.<br />
</div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[A Night at the Cabaret]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=972</link>
			<pubDate>Sun, 04 Oct 2020 15:50:54 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=2">Lucien Dravean</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=972</guid>
			<description><![CDATA[<link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Alex+Brush' rel='stylesheet' type='text/css'><center><font style="font-family: 'Alex Brush', cursive; text-transform: lowercase; color: ##6E6E6E; font-size: 35px; line-height: 25px;">A Night at the Cabaret</font><br><font style="font-family: Calibri; text-transform: uppercase; color: ##6E6E6E; font-size: 12px; line-height: 12px;"><font style="font-size: 11px;">Sich erheben, immer und immer wieder.</font><br><br><br>Ceallagh<span style="color: #458B74"> &</span> Lucien<br><font style="font-size: 11px;">26. April 1813 | nachts | an Bord des Schmugglerschiffs Mytilus</font></font></center><br />
<br />
<blockquote><font color="#458B74">Er beging den Fehler, in seiner Hängematte einzuschlafen. Normalerweise hütete er sich davor, verbrachte seine freien Schichten in Gesellschaft des alten Auri, während der auf dem Oberdeck seinen Dienst verrichtete, der den stets wissbegierigen, immer geduldigen Jungen schon im letzten Jahr unter seine Fittiche genommen hatte, und schlief in der Regel in einem Stapel alter Seile und Gerümpel immer mal wieder vor Erschöpfung ein. Nicht für lange, dafür war sein 'Bett' zu unbequem, aber wenigstens ließen ihn die anderen Schiffsjungen dort in Ruhe. <br />
Dieses Mal jedoch, drei Wochen nach ihrem Aufbruch von Kelekuna, erwischten sie den Zwölfjährigen allein. Schon als er aufwachte, von einer unguten Vorahnung getrieben, und an die in der Dunkelheit der Nacht kaum zu erkennende Decke des Mannschaftsdecks starrte, hätte er ahnen müssen, dass er ihnen nun doch auf den Leim gegangen war. Diese Runde hatte er verloren.<br />
Als sich die Hand schließlich von seinem Mund löste, die ihn beinahe erstickt und sonst jeden Hilferuf seinerseits im Keim unterbunden hatte, stieß Lucien einen leisen Wutschrei aus. Er verwandelte sich jedoch schnell in einen Schmerzenslaut, als einer der Jungen, der ihn festgehalten hatte, ihn grob zu Boden stieß. Reflexartig versuchte er, sich mit den Armen abzufangen, wobei er sich unangenehm das Handgelenk und den Ellenbogen prellte. Das dumpfe Pochen in seinen Knochen hielt ihn jedoch nicht lange auf. So schnell er konnte, warf er sich herum, um seine Gegner zumindest im Auge behalten zu können, und krabbelte im Krebsgang rückwärts außer Reichweite. Nur zwei, drei Schritte weit, ehe er mit dem Rücken gegen eine Kiste stieß, die diese Nische vom Rest des Frachtraums abschottete.<br />
Sie hatten ihn in den hintersten Winkel des untersten Decks verschleppt. Dort, wo die Tierpferche gebaut worden und nun Ziegen und Hühner untergebracht waren. Die Luft stank unangenehm nach Ziegenmist, Vogelkacke und totem Fisch – doch der Zwölfjährige war diesen Geruch gewöhnt. Nicht selten fiel ihm die würdevolle Aufgabe zu, die Pferche zu säubern. Trotzdem hatte er Mühe, zu atmen. Sein Herz schlug schnell – vor Angst und Wut – und verhaspelte sich dabei mehr als ein Mal. Was es schwer machte, seine Gefühle nicht allzu offensichtlich zu zeigen.<br />
„<i>Soo.</i>“ Ein Junge, den er als Saras älteren Bruder Coillin erkannte, klatschte kurz geschäftsmäßig in die Hände. Er war sechszehn. Die anderen drei vierzehn oder fünfzehn. Allesamt überragten sie ihn um mehr als einen Kopf. „<i>Da haben wir ja unser Prinzchen.</i>“ Das Grinsen auf ihren Gesichtern ließ den Dunkelhaarigen ahnen, dass ihm nichts Gutes bevor stand. Genau wie letztes Jahr. Nur dass sie damals nicht so vorfreudig gewirkt hatten. Damals hatten sie ihn nur gehasst, getriezt und ihm das Leben auf der Mytilus so schwer gemacht, wie es ihnen möglich war. Dieses Mal hatten sie wohl etwas besonderes für ihn vorbereitet. „<i>Weißt du, wir wollten uns eigentlich bei dir entschuldigen, Lucien. Dass wir letztes Jahr so gemein zu dir gewesen sind.</i>“ Irgendeiner der anderen kicherte. Als ob Lucien ihm sonst geglaubt hätte... „<i>Deshalb haben wir uns gedacht, wir tun dir mal etwas Gutes!</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#6B8E23">Leise raschelte das Pergament unter seinen Fingern, die vorsichtig Seite um Seite voraus blätterten. Mit jedem weiteren Kapitel des alten Romans steckte der junge Hayes erneut seine Nase tief zwischen das vergilbte Papier und lächelte wohlig. Während die hellen Augen Letter um Letter verschlungen, genoss der Blondschopf den angenehmen Geruch von Vergänglichkeit und Nostalgie. Spürte wie er sich kribbelnd durch seinen Körper bahnte und all das um ihn herum ausblendete, was mit eindrucksvoller Kontinuität und lautem Poltern in seine andersartige Realität zwängte. Genervt rauschte der Einband letzten Endes zwischen seinen Händen zusammen, als das Gepoltert selbst nach Minuten nicht verstummte. Hinterließ eine flimmernde Staubwolke im Schein der Öllampe, die auf einem der Regale neben ihm stand und kitzelte ihm unangenehm in der Nase. Die Zeit der Ruhe und Zurückgezogenheit war wohl endgültig vorbei. Zumindest machten ihm das die Stimmen deutlich, die fast schon verheißungsvoll in ein Flüstern übergegangen waren und eindeutig nach der kleinen Jungentruppe klangen, der er seit Anbeginn seines Dienstes auf diesem Schiff aus dem Weg gegangen war. Er roch Problemfälle wie diese auf Meilen Entfernung. Konnte den schillernden Augenpaaren jedes Mal von Neuem ansehen, dass sie ihm ohne mit der Wimper zu zucken ein Messer in den Rücken rammten - ganz gleich ob metaphorischer oder physischer Natur.<br />
Sie lauerten wie wilde Tiere auf den Moment seiner Schwäche. Und er selbst war nicht sonderlich erpicht darauf unter der Strafe seines Vaters und Onkels mehr Schaden nehmen zu müssen als notwendig. Er hatte nicht freiwillig auf diesem verdreckten Kahn angeheuert, dessen Captain noch unbarmherziger war, als er es sich vorgestellt hatte. Bereits am ersten Tag hatte er sich einen Fausthieb eingehandelt und achtete seitdem tunlichst darauf, sich nicht unnötig in Schwierigkeit zu bringen - sofern es sich vermeiden ließ. Irgendwann würde er noch seinen Weg finden, sich auf den Planken zu bewegen und all jenen Unsinn anzustellen, der ihm in den Sinn kam. Letztlich war nur derjenige ein findiger Kerl, der sich bei seinen Schandtaten nicht erwischen ließ.<br />
Leicht drehte er den Verschluss am Fuße der Lampe und erstickte somit die kleine Flamme, die den Raum augenblicklich in Dunkelheit tauchte. Das Buch klemmte er sich an seinem Rücken zwischen Hosenbund und Haut und versteckte es vor aller Augen unter dem weiten Leinenhemd, das er sich mit wenigen Handgriffen zurück in die Hose stopfte. Kalem hatte ihm schon einmal eines seiner kostbaren Bücher entwendet. Noch einmal würde er den Meisterwerken der Dichter und Autoren nicht dabei zusehen, von den tosenden Wellen des Meeres verschluckt zu werden.<br />
Unter einem leisen, metallenen Knarzen baumelte die Öllampe nun sicher zwischen den langen Fingern des Hayes, während dieser mit ausladenden Schritten über Kisten und Säcke hinweg stieg. Tunlichst darauf bedacht nicht blind in eine der Seilschlingen zu geraten und der Nase lang polternd auf dem Boden zu landen. Wenige Sekunden später zog er bereits die Tür zum Flur mit sanfter Gewalt zurück. Lugt mit wachsamen Augen durch den schmalen Schlitz der sich vom Rahmen bis zur Kante erstreckte. Die Nacht hatte schon seit einigen Stunden damit begonnen das Leben unter Deck nur in einem seltsamen Zwielicht aufrecht zu erhalten. Ceallagh konnte also kaum erkennen, ob sich noch jemand über den Flur auf die anderen Ebenen schlich oder womöglich in den ausgedehnten Schatten vor ihm versteckt hielt. Somit verschwendete er also keine unnötige Zeit mehr, als er die Tür weit genug in den Raum hinein zog, um in einer schnellen Bewegung über die Türschwelle zu treten. Erst das laute Aufatmen dicht  an seiner Seite, ließ ihn den blaugrünen Blick herum wenden. Mit geweiteten Augen, die irritiert auf den Jüngling hinab blickten, der beinahe gegen seine Schulter gerannt wäre.<br />
Wie ein Felsen war der blonde Hayes stehen geblieben und machte auch jetzt, wo der kurzweilige Schock sein Herz schmerzlich zwischen seine Rippenbögen quetschte, keine Anstalten zurück zu weichen oder Preis zu geben, dass er dem kleinen Kerl vor Schreck fast die Öllampe gegen den Schädel gedonnert hätte. <br />
<br />
"<i>Ist irgendwas?</i>", brummte es düster aus seiner Kehle heraus, ohne den Jüngeren aus den Augen zu lassen. <br />
<br />
Erst als dieser schnaubend um ihn herum schlich und den eigenen Schock mit einem wütenden Blick kaschierte, ließ Ceallagh seine angespannten Schultern hinab sinken und schüttelte fast schon belustigt den Kopf. Wandte sich in Richtung des Hauptdecks ab und trat wenig später in die einnehmende Dunkelheit der Nacht.<br />
Mit einem knappen Nicken brummte er Auri einen stummen Gruß zu und erwiderte seine Frage, was er denn noch hier oben trieb, mit einem knappen Schulterzucken. Der Alte war tatsächlich einer der wenigen, mit denen er nicht sofort ein Problem gehabt hatte. Der sogar ganz vernünftig schien -  was sich allerdings noch in den nächsten Wochen beweisen musste. <br />
<br />
"<i>Nachteule... schon immer gewesen.</i>", gab er ihm kurz zu verstehen und war gerade dabei weiter in Richtung Bug zu laufen, als ihn etwas innehalten ließ.<br />
<br />
Der freie Platz in Auris Nähe machte ihn stutzig. Und Ceallagh verstand erst dann den Ursprung seines Impulses, als er sich halb herum wandte und vom älteren Seemann eben jene Antwort erhielt, dessen Frage er nicht recht zu definieren wusste. Der junge Dravean wäre das auch - aber scheinbar hätte es ihn für heute in seine Hängematte verschlagen. <br />
"<i>Der schnarcht wie ein Bär.</i>", entgegnete Ceall mit einem aufgesetzten Grinsen. Wandte sich im selben Atemzug jedoch schon wieder herum. <br />
<br />
"<i>Ich hol mir was zu trinken... möchtest du auch was?</i>" <br />
<br />
Eigentlich stellte er diese Frage, um so gut es ging zu vertuschen, was er gleich tat. Nämlich nach der Jungengruppe Ausschau zu halten, die er noch vor wenigen Minuten die Treppen hinunter gehen gehört hatte. Er hätte seine nächste Essenration darauf verwetten können, dass er Lucien zwischen ihnen finden würde. In welchem Zustand - das malte er sich besser nicht aus. Wenngleich er ihre Feindseligkeit ihm gegenüber nicht verstand, hatte er sie trotzdem jedes Mal in ihren Augen aufblitzen sehen. Was ein weiterer Grund gewesen war, sich von ihnen so gut es ging entfernt zu halten. Als der Alte mit dem Kopf schüttelte wandte sich Ceallagh ab.<br />
Schlich wie ein Wind durch den Flur und entledigte sich der kleinen Öllampe, kaum dass er an den Hängematten unter Deck vorbei geschlichen war. Spitze die Ohren bei jedem Schritt ein bisschen mehr und hörte irgendwann über das Schnarchen einiger Seemänner hinweg Worte, die - sofern man nicht darauf achtete - schnell unter den üblichen Geräuschen an Board verschwammen. Sich darunter mischten wie Wasser und kaum mehr vom Rest zu unterscheiden waren. <br />
Immer wieder verlagerte der Hüne sein Gewicht gleichmäßig auf seinen Füße, während er die Treppenstufen hinab stieg. Sich dem Gestank nach Unrat und Heu näherte, der für einen kurzen Augenblick seine Nasenflügel hinauf zog. Selbst nach Monaten auf See würde er sich nicht an diesen Gestank gewöhnen können, der ihn hier unten jedes Mal von neuem ins Gesicht schlug. Ein Gestank der schnell vergessen war, als er die Worte der Jungen deutlicher vernahm, die irgendwo hinter einem der dicken Masten und Pflöcke hervor kamen. So wenig wie er sie sah, desto mehr machte er sich die Schatten und Versteckmöglichkeiten zu nutze. Lauschte der Situation und versucht einen geschützten Blick auf die Szenerie zu erhaschen, die ihm bereits jetzt eine beißende Gänsehaut in den Nacken trieb. Bis jetzt war er sich nicht schlüssig, was er genau tun sollte, wenn die Situation eskalierte. Und er überließ es mal wieder seinem Zukunftsich darüber zu entscheiden.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Etwas Gutes tun? Im ersten Moment glaubte der Dunkelhaarige, sich verhört zu haben. Für wie bescheuert hielten sie ihn eigentlich? Doch wie immer schwieg er verbissen. Verbissen im wahrsten Sinne des Wortes, denn er presste die Kiefer in stummer Wut so fest aufeinander, dass sich die angespannten Muskeln seiner Mimik deutlich unter der Haut abzeichneten. In die tiefgrünen Augen, die ruhelos auf Coillins dämlichem Gesicht lagen, trat ein Ausdruck verzweifelten Zorns, während er zugleich hektisch nach einer Möglichkeit suchte, dieser Situation irgendwie zu entkommen. Dummerweise... fiel ihm dazu nicht viel ein.<br />
Coillin lachte, leise und hämisch. „<i>Was ist? Du sagst ja gar nichts. Bist du schon so überwältigt von unserer Großzügigkeit? Dabei haben wir dir doch noch gar nicht gezeigt, was wir für dich vorbereitet haben!</i>“ <br />
Wieder blieb Lucien stumm. Blieb mit dem Rücken an der Wand einfach liegen. Immer schon. Seine kleine Schwester war diejenige, die mit ihren gerade sieben Jahren die Krallen ausfuhr und kämpfte. Für sich. Für ihn. Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne einen Gedanken an die Konsequenzen. Mit all der glühenden Leidenschaft, die sie in ihrem Herzen trug. <br />
Doch er nicht. Er wusste, dass ihm Angriff nicht half. Er machte es nur schlimmer. Coillin und seine Freunde wären sicher begeistert, wenn er jetzt versuchte, sich zu wehren – in dem Wissen, ihnen vollkommen unterlegen zu sein. Sie waren älter, größer und in der Überzahl, während hinter Lucien niemand stand. Also hatte er gelernt, einzustecken. Einstecken konnte er gut und auch wenn es ihnen eine diabolische Freude bereitete, auch dann auf jemandem herum zu hacken, wenn er schon längst aufgegeben hatte, enthielt er ihnen zumindest das Vergnügen vor, seine Gegenwehr vorher brechen zu dürfen. Was auch immer jetzt kam – Lucien beschloss, es über sich ergehen zu lassen. Genau wie letztes Jahr.<br />
Eilige Schritte näherten sich, ließen sie alle gleichermaßen aufsehen und den Blick auf die Lücke zwischen den Kisten richten, die zur Treppe nach oben führte. Der einzige Fluchtweg – nun versperrt durch einen fünften Jungen, dessen schnelles Atmen verriet, wie eilig er es gehabt haben musste. „<i>Hey, fangt nicht ohne mich an</i>“, warf er zur Begrüßung grinsend in die Runde. „<i>Meine Ablösung hat sich verspätet.</i>“ Coillin winkte gnädig ab und richtete sich mit seinen Worten direkt an den Neuankömmling. „<i>Wo du gerade da stehst.. Hol doch mal das Geschenk für unser Prinzchen.</i>“ Und wieder kicherten sie allesamt los.<br />
Lucien schlug das Herz inzwischen unangenehm hart gegen die Brust. Er wusste nicht, warum er nicht aufstand und floh. Sein Verstand, sein Körper, alles in ihm schrie danach. Doch seine eigene Angst lähmte ihn. Er wusste, dass er das nicht schaffen konnte. Noch ehe er die Treppe erreichte, hätten sie ihn eingeholt. Und was sie dann mit ihm taten, wollte er gar nicht erst heraus finden. Stattdessen folgten die grünen Augen unsicher dem Jungen, der über ein paar Seilknäule und Säcke hinweg kletterte und kurzzeitig in einer schattenumwobenen Ecke hinter einer Kiste verschwand. Man hörte ein leises Rascheln, ein stumpfes Kichern, dann tauchte er wieder auf und hielt triumphierend eine kleine Gestalt in die Höhe. <br />
Es dauerte tatsächlich mehrere Herzschläge, bis der Zwölfjährige im schummrigen Dämmerlicht erkannte, was er da vor sich hatte: Es war eine Puppe aus Stroh, gerade so groß wie ein Kind. Sie hatten ein Kleid ausgestopft, hatten mit Garn wild schlackernde Arme und Beine daran geknotet und ihr mit reichlich Schnur einen kugelrunden Kopf aufgesetzt, an dem einzelne, lange Strohhalme als Haare herab hingen. Und Lucien wusste, ohne, dass jemand etwas sagen musste, wen diese Puppe darstellen sollte – es war eines von Talins hellen Alltagskleidern.<br />
Jenes Kleid, das eines nachmittags nicht mehr auf der Wäscheleine hing und wofür seine kleine Schwester die Strafe hatte kassieren müssen, weil sie es angeblich nicht sicher genug aufgehangen hatte. Sodass der Wind es sich gegriffen und fortgetragen haben musste. <br />
„<i>Kommt, Jungs. Seid so gut und helft ihm auf.</i>“ Lucien riss den Blick von der Puppe los, traf auf den Coillins und spürte im nächsten Moment, wie zwei Paar Hände nach seinen Armen griffen, ihn in die Höhe rissen. <br />
<br />
„<i>Was soll das werden? Was ist eigentlich euer scheiß Problem??</i>“ <br />
<br />
Irgendwo gefangen zwischen hilflosem Widerwillen und der wütenden Erkenntnis, dass sie Schuld an Talins Strafe trugen, spie er dem Älteren die Worte förmlich vor die Füße. Er verstand es nicht. Verstand nicht, was hier vor sich ging. Doch der Junge lachte nur falsch, kam zu ihm und seinen beiden Wächtern hinüber und legte Lucien geradezu kumpelhaft einen Arm auf die Schulter, um mit leichtem Druck dessen Blick wieder auf die Puppe zu lenken. „<i>Komm schon, nicht so misstrauisch. Wir dachten uns.. so lange auf See, da vermisst du deine Schwester doch bestimmt. Also haben wir dir einen Ersatz gebastelt.</i>“ Der Zwölfjährige wand sich in der unangenehmen Umarmung, wollte sich dem irgendwie entziehen, doch einer der Jungs, die ihn festhielten, drehte ihm nur den Arm auf den Rücken und blockierte den Weg nach hinten, damit Coillin selbst genug Raum bekam, um seinen schraubstockartigen Griff nicht lockern zu müssen. „<i>Jaja, ich weiß schon... sie sieht nicht ganz aus, wie das Original, aber mit ein bisschen Phantasie...</i>“ Lucien stieß ein Keuchen aus. Seine Schulter begann zu pochen und das Atmen fiel ihm zunehmend schwerer, doch Saras Bruder sprach einfach weiter und hinderte ihn daran, den Blick von der Puppe zu lösen. „<i>Wir können sie ja hier unten für dich verstecken. Dann kannst du jederzeit her kommen und mit ihr... kuscheln...</i>“<br />
Die Art, wie er dieses letzte Wort betonte, ließ Lucien schließlich doch innehalten. <br />
<br />
„<i>Was...?</i>“ <br />
<br />
Verwirrt starrte er diese Puppe an, sah schließlich von einem schallend lachenden Gesicht ins nächste. Was Coillin meinte, war unmissverständlich, und doch fiel es seinem Verstand schwer, wirklich zu begreifen, worauf er anspielte. Er wollte gar nicht begreifen. Erst, als ihm der Junge, der sie festhielt, die Puppe entgegen streckte, stetig näher kam und dabei die Lippen zu einem Knutschmund schürzte, mit einem gespielt verzückten Blick wild in der Luft herum küsste, schnitt die Erkenntnis, was sie ihm da gerade unterstellten, wie ein Messer durch seine Brust. Er prallte so heftig zurück, dass er mit dem Rücken gegen den Jungen hinter ihm stieß und ein scharfer Stich durch seine Schulter schoss. Glühende Hitze stieg ihm in die Wangen – ob vor Scham, Wut oder Schmerz konnte er in diesem Augenblick nicht einmal sagen, doch sie trieb ihm die Tränen in die Augen. War es das? War es das, was sie ganz ernsthaft von ihm glaubten? <br />
<br />
„<i>Lasst mich in Ruhe! Hau ab damit!</i>“ <br />
<br />
Vergessen war der Beschluss, alles über sich ergehen zu lassen. Ohne Rücksicht auf den pochenden Schmerz in seiner Schulter kämpfte er gegen die Griffe, die ihn festhielten. Er wollte weg, nur weg, bevor sie ihm diese bescheuerte Puppe ins Gesicht drückten.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#6B8E23">Das schwache Licht unter Deck verschluckte die vielzählige Details, die Ceallagh dabei geholfen hätten, den wahren Kern dieses Zusammentreffen zu erkennen. Doch das höhnische Grinsen auf den spitzbübischen Gesichtern, die schiere Vorfreude und Gehässigkeit, die Ceallagh in jedem ihrer Worte vernahm und reichten vollkommen aus, um die dichten Augenbrauen skeptisch gegeneinander zu pressen. Sie mussten von ungemeinem Hass getrieben worden sein, wenn sie sich in einer solchen Übermacht einem kleinen Jungen entgegen stellten. Je weiter der junge Hayes voraus rückte und allmählich das Bündel Stroh als Puppe in einem hellen Kleid erkannte, desto finsterer wurde seine Miene. DAS konnte doch wohl kaum deren Ernst sein, oder?<br />
Mit einem letzten Blick auf die Gruppe zog er sich langsam in die Schatten zurück. Schluckte vor lauter Anspannung, die unangenehm in seinen Gliedern zu zittern begann. Nicht zum erste Mal hatte er diese unausgesprochene Anschuldigung vernommen.   Und wie damals erfüllte sie ihn mit unbändiger Wut, die sich erst brennend durch seine Muskeln, dann durch seine Eingeweide fraß und ihn wenig später schlagartig hinter ihnen aus den Schatten treten ließ. Mit gelangweilter Miene und funkelnd grünen Augen, die eisig und unnachgiebig wirkten, starrte er auf die kleine Gruppe. Malträtierte die winzigen Hinterköpfe und verschränkte die langen Arme vor der Brust. <br />
<br />
"<i>Könnt ihr mir mal erklären, was der Scheiß hier soll?</i>"<br />
<br />
Ceallagh erweckte nicht den Eindruck als würde er sich diesem Spielchen anschließen. Eher machte es den Anschein, als brauchte es nur einen kleinen Funken, um den Älteren in schiere Raserei zu versetzen.</font><br />
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<br />
<font color="#458B74">Im nächsten Moment spürte er kratziges Stroh in seinem Gesicht, musste Mund und Augen schließen, damit die Halme ihn nicht verletzten oder gar erstickten. Doch alles Kopf Abwenden, alles Kämpfen gegen die eisernen Griffe brachte ihm nichts. Das hämische Lachen der Schiffsjungen dröhnte über das Rauschen in seinen Ohren hinweg und ihr Gelächter bohrte sich scharf schneidend durch seine Brust. „<i>Komm schon, Lucien! Gib ihr einen Kuss. Du willst es doch auch.</i>“ <br />
Tränen aus Wut und Scham brannten unter seinen geschlossenen Lidern. Er zog und zerrte an den Griffen, trat nach allem, was er erreichen konnte und doch hatte er das Gefühl, das dämliche Gekicher wurde dadurch nur noch lauter. Jedenfalls bis zu dem Moment, in dem der Dunkelhaarige – wie er es schaffte, wusste er im Nachhinein auch nicht zu sagen – einen Glückstreffer landete. Er stützte sein Gewicht auf die Arme, trat mit aller Kraft nach vorne aus und erwischte den Jungen, der die Puppe hielt, direkt im Magen. <br />
Mit einem Keuchen stolperte er zurück und Lucien konnte endlich wieder richtig atmen, schnappte hörbar nach Luft und richtete die tiefgrünen Augen auf seinen Gegenüber. Jetzt sah er sich allerdings nicht mehr nur Schadenfreude gegenüber, sondern auch halb unterdrücktem Zorn.<br />
Vermutlich wäre das, was hätte folgen sollen, für den Zwölfjährigen nicht gut ausgegangen. Aber es kam nie so weit. Eine unnachgiebig schneidende Stimme zerschnitt die dicke Luft im Frachtraum, ließ alle sechs – Lucien eingeschlossen – schlagartig erstarren. Plötzlich ließen sie ihn los und er sackte auf den Boden wie ein loser Ballen desselben Strohs, aus dem auch die Puppe war.<br />
Die anderen Jungen drehten sich derweil zu Ceallagh um, starrten ihn an, als stünde ein Geist unter ihnen. Bis Coillin direkt neben Lucien endlich seine Stimme wieder fand und großspurig die Arme vor der Brust verschränkte. Dieser Hayes war immerhin in seinem Alter. Kein Grund, Schiss vor ihm zu haben. „<i>Ich wüsste nicht, was dich das angeht.</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#6B8E23">Ein abfälliges Schnauben durchfuhr schlagartig Ceallaghs Kehle, während der eisige Blick finster und mit hinauf schnippender Augenbraue auf Coillin hinab zuckte. Glaubte dieses Hemd wirklich sich aufspielen zu können? Mit langsamen Schritten näherte sich der hoch gewachsene Körper und schien mit jedem seiner Schritte breiter und schwerer zu werden. Nur langsam lösten sich die langen Arme, ermöglichten es dem Blondschopf seine Hände mit festem, fast schon Schraubstock artigem Griff die beiden Schultern zu umfassen, die sich ihm in den Weg stellten. Schob die beiden Jungen mit einer solchen Leichtigkeit zur Seite, dass das diabolische Lächeln auf seinen Zügen noch unheimlicher wirkte. <br />
<br />
"<i>Ach, ist das so Coillin?</i>"<br />
<br />
Eine Handbreite. Mehr Platz war nicht mehr zwischen den beiden Gleichaltrigen geblieben. Und obwohl Ceallagh mit jeder Faser seines Körpers an Lucien dachte, zuckten die grünen Augen keine Sekunde lang zur Seite. Nach dem kleinen Haufen sehend, der sich diffus in seinem Augenwinkel befand. <br />
<br />
"<i>Weißt du was ich an Hosenscheißern wie dir nicht ausstehen kann?</i>"<br />
<br />
Der Schatten um Ceallaghs Augen wurde zunehmend dunkler, als er sich langsam zu dem Jungen hinab beugte und tief einatmete.<br />
<br />
"<i>Ihr spielt euch auf und macht dennoch jede Woche in eure Hängematte. Heult wie Schlosshunde, wenn ihr auf euch allein gestellt seid und klebt wie Babies am Rockzipfel eurer Mutter, sobald ihr euch unbeobachtet fühlt. Das widert mich an.</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Lucien wusste beim besten Willen nicht, ob in diesem Moment Dankbarkeit über die unverhoffte Rettung überwog, oder die Panik bei dem Gedanken, der, wer auch immer ihm zu Hilfe gekommen war, hatte gehört, worüber genau sich die anderen Jungen so herzlich amüsierten. Es war nicht so, dass Lucien dieses Getuschel nie mitbekommen hätte. Die Dorfbewohner, die Kalem und Irina Dravean gegenüber äußerten, wie merkwürdig eng doch das Band zwischen ihm und seiner Schwester war. Doch er hatte dem nie viel Bedeutung beigemessen. Es waren schließlich nur Erwachsene. Erwachsene verstanden nicht, was in Kindern vor sich ging und was Lucien und Talin einte, verstanden sie ohnehin nicht. Sie sahen nicht, dass sie ohne einander schlicht allein wären. Weil es sonst niemanden gab, der so dachte, wie sie. Nicht auf Kelekuna. Doch er hatte nie erwartet, dass sie ihm solche Absichten unterstellten. Solche... Gedanken. Es war so absurd, völlig absurd, verletzend und demütigend. Wie konnten sie alle nur?<br />
Mit einem tonlosen Japsen hob der Zwölfjährige den Kopf, wischte sich mit dem Ärmel über die tränenverschmierten Augen und blinzelte durch das schummrige Licht. Er erkannte den Jungen, der da mitten unter ihnen stand. Das war dieser Fremde, der dieses Jahr mit ihnen segelte. Er stammte nicht von Kelekuna, hatte von einer anderen Insel aus angeheuert. Lucien erinnerte sich nicht daran, von wo. Er ging ihm aus dem Weg, wie allen anderen Jungen auch. Auch wenn dieser Hayes nie Anstalten machte, sich den Hänseleien der anderen anzuschließen.<br />
Und nun stand er da, baute sich vor Coillin auf und raunte ihm in einem so gefährlich düsteren Ton Beleidigungen zu, dass nicht nur Saras Bruder einen Hauch blasser zu werden schien, sondern auch die anderen vier Schiffsjungen vorsichtshalber einen halben Schritt zurück wichen. Hilflos huschten ihre Blicke zu ihrem Anführer, der offensichtlich um Beherrschung rang. „<i>Was... Was weißt du denn schon?</i>“, konterte er in einem ziemlich uneindrucksvollen Versuch, sich keine Blöße zu geben. Immerhin waren sie ja noch in der Überzahl... „<i>Wir haben nur ein bisschen rumgealbert. Unter Freunden. Richtig, Jungs?</i>“ Seine Stimme gewann wieder an Festigkeit, während sein Blick über seine Freunde huschte – die geflissentlich nickten – und mit einem drohenden Ausdruck schließlich auf Lucien hängen blieb. Dann sah Coillin wieder zu Ceallagh auf und drückte den Rücken durch. „<i>Wie wär's, wenn du dich wieder dorthin verpisst, von wo du gekommen bist, Hayes? Wer nicht von unserer Insel kommt, hat hier nichts zu melden.</i>“</font><br />
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<br />
<font color="#6B8E23">Ein süffisantes Lächeln zog sich über die feinen Züge des Hayes. Wurde von einem herablassenden Auflachen begleitet, das ziemlich deutlich machte, wie sehr ihn diese Widerworte beeindruckten. Nämlich gar nicht. Viel eher spielten sie ihm so direkt in die Karten, dass es mit etwas mehr Mühe ausreichte, um diese Bagage ein für allemal loszuwerden.<br />
<br />
"<i>Oh lieber Coillin...</i>", drang es gedämpft und bittersüß über die schmalen Lippen, während Ceallagh die grünen Augenpaare über das immer blasser werden Gesicht gleiten ließ.<br />
<br />
"<i>Ich weiß so einiges über dich. Wahrscheinlich mehr als dir lieb ist...</i>"<br />
<br />
Man musste kein emphatischen Genie sein, um den wabernden Unterton in seiner Stimme wahrzunehmen. Die leichte Drohung die darin mitschwang und wohl für reichlich Belustigung sorgen konnte, wenn der Schiffsjunge ernsthaft in Erwägung zog, diesen Streit vom Zaun zu brechen.  Es brauchte nur noch einen kleinen Windhauch und der Blondschopf stünde lichterloh in Flammen. Denn was er just in diesem Moment spürte war eine Wut, die er nur allzu gut kannte. Eine Wut, die er bereits so laut und unnachgiebig hinaus geschrien hatte, dass er Tage später noch mit den Prellungen und Blutergüssen zu kämpfen hatte.<br />
Und während der junge Mann äußerlich vollkommen ruhig zu lachen begann und den langen Haarschopf senkte, brach in ihm bei Coillins Worten und der versucht widerspenstigen Haltung der letzte Schutzwall. Ruckartig schnellten die großen Hände voraus und packten den Gleichaltrigen am Kragen. Zogen ihn mit einer unbändigen Kraft die letzten Millimeter zu sich heran, während nur einen Moment später der sichere Boden unter Coillins Füßen verschwand.<br />
<br />
"<i>Ach... und du bist der Oberbefehlshaber hier, du kleiner verlogener Bastard?</i>"<br />
Wild funkelnd huschen die grünen Iriden über die kindlichen Züge des anderen und machten absolut keinen Hehl daraus, dass er keine hohlen Phrasen hinaus posaunte. <br />
<br />
"<i>Hör mir mal ganz genau zu. Denn was ich dir jetzt sage, sage ich dir nur ein einziges Mal, bevor du am eigenen Leib zu spüren bekommst, wie man mit solchen Großmäulern wie dir auf unserer Insel umspringt : du hälst deinen stinkenden Arsch ab sofort fern von ihm. Haben wir uns verstanden.... Coillin?</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Traurigerweise schien der Zwölfjährige in diesem Moment der einzige zu sein, der weit genug vorausschauen konnte, um zu wissen, wie tief Coillin mit seinem großen Maul gerade in die Kacke griff. Er sah es an dem Ausdruck in den grünblauen Augen. Hörte die unmissverständliche Drohung aus der dunklen Stimme heraus. Sein Blick klebte förmlich an der Szenerie, die sich vor ihm abspielte und auch wenn sich nach und nach die eine, alles entscheidende Frage in seinem Kopf manifestierte, hielt er die Klappe. Aus Angst, damit irgendjemandes Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er war sich nicht einmal sicher, ob er im Blickfeld des fremden Jungen auftauchen wollte – obwohl ihn dessen Worte im nächsten Moment verwirrt blinzeln ließen. Warum? Warum... nahm er ihn in Schutz?<br />
Coillin freilich hatte ganz andere Probleme. Er gab ein gurgelndes Geräusch von sich, als seine Füße den Kontakt mit dem Boden verloren, griff instinktiv nach den Handgelenken des Größeren. In dem hilflosen Versuch, sich zu befreien oder auch nur, seinen Hals von seinem eigenen Körpergewicht zu entlasten. Zumindest aber verriet der Ausdruck in seinen Augen ein gewisses Maß an Panik. „<i>V..verstndn...</i>“, röchelte er mühselig und schaffte es dabei kaum, den Mund weit genug zu öffnen, um sich verständlich zu machen. „<i>Lss mich runtr...</i>“, flehte er atemlos und zappelte in Ceallaghs Griff.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#6B8E23">Ceallagh spürte das Zittern in seinen Muskeln, noch ehe das Gezappel des Schiffsjungen seine Aufmerksamkeit erreichte. Der schwere Körper hing wie ein unhandlicher Mehlsack zwischen seinen Fingern und überanstrengte seine Arme mit jeder weiteren Sekunde, die verstrich. Doch er würde selbst dann nicht locker lassen, wenn er das verräterische Knacken seiner Gelenke spürte. Ihm blieb nur diese eine Chance, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Hatte er sich die ganze Zeit auf dem Schiff im Hintergrund gehalten, würde ihm diese ruhige Zurückgezogenheit nun nicht mehr zu Teil werden. Lieber setzte er eine Schippe zu viel Düsternis und Dramatik in diese Drohung, als die ihm verbleibenden, unzähligen Monate damit zu verschwenden, sich diese Pickelfressen vom Leib zu halten. <br />
Ein letztes Brummen erklang. Dann plumpste der zappelnde Körper lautstark und ohne jegliche Vorwarnung zu Boden. Mit einem verächtlichen Blick wandte sich Ceallagh an das kleine Häufchen Coillins hinab. Schüttelte abwertend den Kopf und wandte sich schließlich mit hinauf schnellender Augenbraue zu den anderen herum. <br />
<br />
“<i>Verzieht euch… und nehmt euer hässliches Voodoo Püppchen mit, bevor ich es euch in den Arsch schiebe.</i>“<br />
Und er war tatsächlich gewillt es auf einen Versuch ankommen zu lassen. Noch mehr als sich Coillin brabbelnd aufraffte und mit einem letzten hasserfüllten Blick zurück sah, ehe er mit seinen Waschlappenfreunden die Treppenstufen hinauf verschwand. <br />
<br />
“<i>Hey… alles okay bei dir?</i>“<br />
<br />
Minuten waren vergangen in denen Ceallagh den Schritten gelauscht und darauf gewartet hatte, bis sie verklungen waren. Zum ersten Mal an diesem Abend wandte er die grünblauen Augen auf den Jungen hinab, dessen feine Züge mit feinen Kratzspuren übersät waren. Wirkte schlagartig wie ausgewechselt, kaum dass er sich auf die Knie hinab sinken ließ und mit schief gelegtem Schopf ein freundliches Lächeln in die Mundwinkel gleiten ließ.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Der Blick, den Coillin schlussendlich auch Lucien zuwarf, fiel ebenso vernichtend aus, wie der, der zuvor Ceallagh gegolten hatte. Er ließ ihn damit wohl wissen, dass es noch nicht vorbei war. Vielleicht nicht heute, nicht diesen Monat und nicht auf dieser endlos langen Fahrt – aber er würde ihm die Schande der heutigen Nacht heimzahlen. Spätestens auf Kelekuna. Wenn es niemanden mehr gab, der für ihn einstand. Doch für diesen Moment schien Saras älterer Bruder die Lust auf eine Schlägerei gehörig vergangen zu sein und mit einem kaum verständlichen Gemurmel wies er seine Freunde zum Rückzug an. <br />
Sie quetschten sich einer nach dem anderen hastig durch die schmale Lücke zwischen den Kisten und machten sich fluchend aus dem Staub. Der eine, der die Puppe getragen hatte, warf sie auf halber Strecke achtlos in eine Ecke, dann verschwanden sie die Stufen hinauf zum nächsthöheren Deck. <br />
Lucien sah ihnen kurz nach, bevor sein Blick auf das einzige Teil der Puppe fiel, das er von seiner Position aus sehen konnte – einer ihrer Stroharme. Wieder wallte Wut in seinem Herzen auf. So übermächtig, dass ihm ein weiteres Mal die Tränen in die Augen traten. <br />
Doch Ceallaghs Stimme riss ihn zurück ins Hier und Jetzt, ließ ihn ruckartig den Kopf wenden und angesichts der Tatsache, dass der Ältere inzwischen unmittelbar vor ihm hockte, mit einem erschrockenen Luftschnappen hinten über und auf seinen Hintern kippen. Sein Herz machte einen Satz, ehe er realisierte, was der Junge gesagt hatte. Und dass er alles andere als wütend oder grausam klang. Das zu verdauen fiel Lucien erstaunlich schwer. Es passte nicht zu dem, was er gerade mit angesehen hatte – und trotzdem wagte er einen unsicheren Versuch. <br />
<br />
„<i>Ich... denke schon.</i>“ Noch einmal wischte er sich mit dem Ärmel über die Augen, wich dem Blick des Älteren aus. „<i>Danke... für deine Hilfe.</i>“</font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Alex+Brush' rel='stylesheet' type='text/css'><center><font style="font-family: 'Alex Brush', cursive; text-transform: lowercase; color: ##6E6E6E; font-size: 35px; line-height: 25px;">A Night at the Cabaret</font><br><font style="font-family: Calibri; text-transform: uppercase; color: ##6E6E6E; font-size: 12px; line-height: 12px;"><font style="font-size: 11px;">Sich erheben, immer und immer wieder.</font><br><br><br>Ceallagh<span style="color: #458B74"> &</span> Lucien<br><font style="font-size: 11px;">26. April 1813 | nachts | an Bord des Schmugglerschiffs Mytilus</font></font></center><br />
<br />
<blockquote><font color="#458B74">Er beging den Fehler, in seiner Hängematte einzuschlafen. Normalerweise hütete er sich davor, verbrachte seine freien Schichten in Gesellschaft des alten Auri, während der auf dem Oberdeck seinen Dienst verrichtete, der den stets wissbegierigen, immer geduldigen Jungen schon im letzten Jahr unter seine Fittiche genommen hatte, und schlief in der Regel in einem Stapel alter Seile und Gerümpel immer mal wieder vor Erschöpfung ein. Nicht für lange, dafür war sein 'Bett' zu unbequem, aber wenigstens ließen ihn die anderen Schiffsjungen dort in Ruhe. <br />
Dieses Mal jedoch, drei Wochen nach ihrem Aufbruch von Kelekuna, erwischten sie den Zwölfjährigen allein. Schon als er aufwachte, von einer unguten Vorahnung getrieben, und an die in der Dunkelheit der Nacht kaum zu erkennende Decke des Mannschaftsdecks starrte, hätte er ahnen müssen, dass er ihnen nun doch auf den Leim gegangen war. Diese Runde hatte er verloren.<br />
Als sich die Hand schließlich von seinem Mund löste, die ihn beinahe erstickt und sonst jeden Hilferuf seinerseits im Keim unterbunden hatte, stieß Lucien einen leisen Wutschrei aus. Er verwandelte sich jedoch schnell in einen Schmerzenslaut, als einer der Jungen, der ihn festgehalten hatte, ihn grob zu Boden stieß. Reflexartig versuchte er, sich mit den Armen abzufangen, wobei er sich unangenehm das Handgelenk und den Ellenbogen prellte. Das dumpfe Pochen in seinen Knochen hielt ihn jedoch nicht lange auf. So schnell er konnte, warf er sich herum, um seine Gegner zumindest im Auge behalten zu können, und krabbelte im Krebsgang rückwärts außer Reichweite. Nur zwei, drei Schritte weit, ehe er mit dem Rücken gegen eine Kiste stieß, die diese Nische vom Rest des Frachtraums abschottete.<br />
Sie hatten ihn in den hintersten Winkel des untersten Decks verschleppt. Dort, wo die Tierpferche gebaut worden und nun Ziegen und Hühner untergebracht waren. Die Luft stank unangenehm nach Ziegenmist, Vogelkacke und totem Fisch – doch der Zwölfjährige war diesen Geruch gewöhnt. Nicht selten fiel ihm die würdevolle Aufgabe zu, die Pferche zu säubern. Trotzdem hatte er Mühe, zu atmen. Sein Herz schlug schnell – vor Angst und Wut – und verhaspelte sich dabei mehr als ein Mal. Was es schwer machte, seine Gefühle nicht allzu offensichtlich zu zeigen.<br />
„<i>Soo.</i>“ Ein Junge, den er als Saras älteren Bruder Coillin erkannte, klatschte kurz geschäftsmäßig in die Hände. Er war sechszehn. Die anderen drei vierzehn oder fünfzehn. Allesamt überragten sie ihn um mehr als einen Kopf. „<i>Da haben wir ja unser Prinzchen.</i>“ Das Grinsen auf ihren Gesichtern ließ den Dunkelhaarigen ahnen, dass ihm nichts Gutes bevor stand. Genau wie letztes Jahr. Nur dass sie damals nicht so vorfreudig gewirkt hatten. Damals hatten sie ihn nur gehasst, getriezt und ihm das Leben auf der Mytilus so schwer gemacht, wie es ihnen möglich war. Dieses Mal hatten sie wohl etwas besonderes für ihn vorbereitet. „<i>Weißt du, wir wollten uns eigentlich bei dir entschuldigen, Lucien. Dass wir letztes Jahr so gemein zu dir gewesen sind.</i>“ Irgendeiner der anderen kicherte. Als ob Lucien ihm sonst geglaubt hätte... „<i>Deshalb haben wir uns gedacht, wir tun dir mal etwas Gutes!</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#6B8E23">Leise raschelte das Pergament unter seinen Fingern, die vorsichtig Seite um Seite voraus blätterten. Mit jedem weiteren Kapitel des alten Romans steckte der junge Hayes erneut seine Nase tief zwischen das vergilbte Papier und lächelte wohlig. Während die hellen Augen Letter um Letter verschlungen, genoss der Blondschopf den angenehmen Geruch von Vergänglichkeit und Nostalgie. Spürte wie er sich kribbelnd durch seinen Körper bahnte und all das um ihn herum ausblendete, was mit eindrucksvoller Kontinuität und lautem Poltern in seine andersartige Realität zwängte. Genervt rauschte der Einband letzten Endes zwischen seinen Händen zusammen, als das Gepoltert selbst nach Minuten nicht verstummte. Hinterließ eine flimmernde Staubwolke im Schein der Öllampe, die auf einem der Regale neben ihm stand und kitzelte ihm unangenehm in der Nase. Die Zeit der Ruhe und Zurückgezogenheit war wohl endgültig vorbei. Zumindest machten ihm das die Stimmen deutlich, die fast schon verheißungsvoll in ein Flüstern übergegangen waren und eindeutig nach der kleinen Jungentruppe klangen, der er seit Anbeginn seines Dienstes auf diesem Schiff aus dem Weg gegangen war. Er roch Problemfälle wie diese auf Meilen Entfernung. Konnte den schillernden Augenpaaren jedes Mal von Neuem ansehen, dass sie ihm ohne mit der Wimper zu zucken ein Messer in den Rücken rammten - ganz gleich ob metaphorischer oder physischer Natur.<br />
Sie lauerten wie wilde Tiere auf den Moment seiner Schwäche. Und er selbst war nicht sonderlich erpicht darauf unter der Strafe seines Vaters und Onkels mehr Schaden nehmen zu müssen als notwendig. Er hatte nicht freiwillig auf diesem verdreckten Kahn angeheuert, dessen Captain noch unbarmherziger war, als er es sich vorgestellt hatte. Bereits am ersten Tag hatte er sich einen Fausthieb eingehandelt und achtete seitdem tunlichst darauf, sich nicht unnötig in Schwierigkeit zu bringen - sofern es sich vermeiden ließ. Irgendwann würde er noch seinen Weg finden, sich auf den Planken zu bewegen und all jenen Unsinn anzustellen, der ihm in den Sinn kam. Letztlich war nur derjenige ein findiger Kerl, der sich bei seinen Schandtaten nicht erwischen ließ.<br />
Leicht drehte er den Verschluss am Fuße der Lampe und erstickte somit die kleine Flamme, die den Raum augenblicklich in Dunkelheit tauchte. Das Buch klemmte er sich an seinem Rücken zwischen Hosenbund und Haut und versteckte es vor aller Augen unter dem weiten Leinenhemd, das er sich mit wenigen Handgriffen zurück in die Hose stopfte. Kalem hatte ihm schon einmal eines seiner kostbaren Bücher entwendet. Noch einmal würde er den Meisterwerken der Dichter und Autoren nicht dabei zusehen, von den tosenden Wellen des Meeres verschluckt zu werden.<br />
Unter einem leisen, metallenen Knarzen baumelte die Öllampe nun sicher zwischen den langen Fingern des Hayes, während dieser mit ausladenden Schritten über Kisten und Säcke hinweg stieg. Tunlichst darauf bedacht nicht blind in eine der Seilschlingen zu geraten und der Nase lang polternd auf dem Boden zu landen. Wenige Sekunden später zog er bereits die Tür zum Flur mit sanfter Gewalt zurück. Lugt mit wachsamen Augen durch den schmalen Schlitz der sich vom Rahmen bis zur Kante erstreckte. Die Nacht hatte schon seit einigen Stunden damit begonnen das Leben unter Deck nur in einem seltsamen Zwielicht aufrecht zu erhalten. Ceallagh konnte also kaum erkennen, ob sich noch jemand über den Flur auf die anderen Ebenen schlich oder womöglich in den ausgedehnten Schatten vor ihm versteckt hielt. Somit verschwendete er also keine unnötige Zeit mehr, als er die Tür weit genug in den Raum hinein zog, um in einer schnellen Bewegung über die Türschwelle zu treten. Erst das laute Aufatmen dicht  an seiner Seite, ließ ihn den blaugrünen Blick herum wenden. Mit geweiteten Augen, die irritiert auf den Jüngling hinab blickten, der beinahe gegen seine Schulter gerannt wäre.<br />
Wie ein Felsen war der blonde Hayes stehen geblieben und machte auch jetzt, wo der kurzweilige Schock sein Herz schmerzlich zwischen seine Rippenbögen quetschte, keine Anstalten zurück zu weichen oder Preis zu geben, dass er dem kleinen Kerl vor Schreck fast die Öllampe gegen den Schädel gedonnert hätte. <br />
<br />
"<i>Ist irgendwas?</i>", brummte es düster aus seiner Kehle heraus, ohne den Jüngeren aus den Augen zu lassen. <br />
<br />
Erst als dieser schnaubend um ihn herum schlich und den eigenen Schock mit einem wütenden Blick kaschierte, ließ Ceallagh seine angespannten Schultern hinab sinken und schüttelte fast schon belustigt den Kopf. Wandte sich in Richtung des Hauptdecks ab und trat wenig später in die einnehmende Dunkelheit der Nacht.<br />
Mit einem knappen Nicken brummte er Auri einen stummen Gruß zu und erwiderte seine Frage, was er denn noch hier oben trieb, mit einem knappen Schulterzucken. Der Alte war tatsächlich einer der wenigen, mit denen er nicht sofort ein Problem gehabt hatte. Der sogar ganz vernünftig schien -  was sich allerdings noch in den nächsten Wochen beweisen musste. <br />
<br />
"<i>Nachteule... schon immer gewesen.</i>", gab er ihm kurz zu verstehen und war gerade dabei weiter in Richtung Bug zu laufen, als ihn etwas innehalten ließ.<br />
<br />
Der freie Platz in Auris Nähe machte ihn stutzig. Und Ceallagh verstand erst dann den Ursprung seines Impulses, als er sich halb herum wandte und vom älteren Seemann eben jene Antwort erhielt, dessen Frage er nicht recht zu definieren wusste. Der junge Dravean wäre das auch - aber scheinbar hätte es ihn für heute in seine Hängematte verschlagen. <br />
"<i>Der schnarcht wie ein Bär.</i>", entgegnete Ceall mit einem aufgesetzten Grinsen. Wandte sich im selben Atemzug jedoch schon wieder herum. <br />
<br />
"<i>Ich hol mir was zu trinken... möchtest du auch was?</i>" <br />
<br />
Eigentlich stellte er diese Frage, um so gut es ging zu vertuschen, was er gleich tat. Nämlich nach der Jungengruppe Ausschau zu halten, die er noch vor wenigen Minuten die Treppen hinunter gehen gehört hatte. Er hätte seine nächste Essenration darauf verwetten können, dass er Lucien zwischen ihnen finden würde. In welchem Zustand - das malte er sich besser nicht aus. Wenngleich er ihre Feindseligkeit ihm gegenüber nicht verstand, hatte er sie trotzdem jedes Mal in ihren Augen aufblitzen sehen. Was ein weiterer Grund gewesen war, sich von ihnen so gut es ging entfernt zu halten. Als der Alte mit dem Kopf schüttelte wandte sich Ceallagh ab.<br />
Schlich wie ein Wind durch den Flur und entledigte sich der kleinen Öllampe, kaum dass er an den Hängematten unter Deck vorbei geschlichen war. Spitze die Ohren bei jedem Schritt ein bisschen mehr und hörte irgendwann über das Schnarchen einiger Seemänner hinweg Worte, die - sofern man nicht darauf achtete - schnell unter den üblichen Geräuschen an Board verschwammen. Sich darunter mischten wie Wasser und kaum mehr vom Rest zu unterscheiden waren. <br />
Immer wieder verlagerte der Hüne sein Gewicht gleichmäßig auf seinen Füße, während er die Treppenstufen hinab stieg. Sich dem Gestank nach Unrat und Heu näherte, der für einen kurzen Augenblick seine Nasenflügel hinauf zog. Selbst nach Monaten auf See würde er sich nicht an diesen Gestank gewöhnen können, der ihn hier unten jedes Mal von neuem ins Gesicht schlug. Ein Gestank der schnell vergessen war, als er die Worte der Jungen deutlicher vernahm, die irgendwo hinter einem der dicken Masten und Pflöcke hervor kamen. So wenig wie er sie sah, desto mehr machte er sich die Schatten und Versteckmöglichkeiten zu nutze. Lauschte der Situation und versucht einen geschützten Blick auf die Szenerie zu erhaschen, die ihm bereits jetzt eine beißende Gänsehaut in den Nacken trieb. Bis jetzt war er sich nicht schlüssig, was er genau tun sollte, wenn die Situation eskalierte. Und er überließ es mal wieder seinem Zukunftsich darüber zu entscheiden.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Etwas Gutes tun? Im ersten Moment glaubte der Dunkelhaarige, sich verhört zu haben. Für wie bescheuert hielten sie ihn eigentlich? Doch wie immer schwieg er verbissen. Verbissen im wahrsten Sinne des Wortes, denn er presste die Kiefer in stummer Wut so fest aufeinander, dass sich die angespannten Muskeln seiner Mimik deutlich unter der Haut abzeichneten. In die tiefgrünen Augen, die ruhelos auf Coillins dämlichem Gesicht lagen, trat ein Ausdruck verzweifelten Zorns, während er zugleich hektisch nach einer Möglichkeit suchte, dieser Situation irgendwie zu entkommen. Dummerweise... fiel ihm dazu nicht viel ein.<br />
Coillin lachte, leise und hämisch. „<i>Was ist? Du sagst ja gar nichts. Bist du schon so überwältigt von unserer Großzügigkeit? Dabei haben wir dir doch noch gar nicht gezeigt, was wir für dich vorbereitet haben!</i>“ <br />
Wieder blieb Lucien stumm. Blieb mit dem Rücken an der Wand einfach liegen. Immer schon. Seine kleine Schwester war diejenige, die mit ihren gerade sieben Jahren die Krallen ausfuhr und kämpfte. Für sich. Für ihn. Ohne Rücksicht auf Verluste, ohne einen Gedanken an die Konsequenzen. Mit all der glühenden Leidenschaft, die sie in ihrem Herzen trug. <br />
Doch er nicht. Er wusste, dass ihm Angriff nicht half. Er machte es nur schlimmer. Coillin und seine Freunde wären sicher begeistert, wenn er jetzt versuchte, sich zu wehren – in dem Wissen, ihnen vollkommen unterlegen zu sein. Sie waren älter, größer und in der Überzahl, während hinter Lucien niemand stand. Also hatte er gelernt, einzustecken. Einstecken konnte er gut und auch wenn es ihnen eine diabolische Freude bereitete, auch dann auf jemandem herum zu hacken, wenn er schon längst aufgegeben hatte, enthielt er ihnen zumindest das Vergnügen vor, seine Gegenwehr vorher brechen zu dürfen. Was auch immer jetzt kam – Lucien beschloss, es über sich ergehen zu lassen. Genau wie letztes Jahr.<br />
Eilige Schritte näherten sich, ließen sie alle gleichermaßen aufsehen und den Blick auf die Lücke zwischen den Kisten richten, die zur Treppe nach oben führte. Der einzige Fluchtweg – nun versperrt durch einen fünften Jungen, dessen schnelles Atmen verriet, wie eilig er es gehabt haben musste. „<i>Hey, fangt nicht ohne mich an</i>“, warf er zur Begrüßung grinsend in die Runde. „<i>Meine Ablösung hat sich verspätet.</i>“ Coillin winkte gnädig ab und richtete sich mit seinen Worten direkt an den Neuankömmling. „<i>Wo du gerade da stehst.. Hol doch mal das Geschenk für unser Prinzchen.</i>“ Und wieder kicherten sie allesamt los.<br />
Lucien schlug das Herz inzwischen unangenehm hart gegen die Brust. Er wusste nicht, warum er nicht aufstand und floh. Sein Verstand, sein Körper, alles in ihm schrie danach. Doch seine eigene Angst lähmte ihn. Er wusste, dass er das nicht schaffen konnte. Noch ehe er die Treppe erreichte, hätten sie ihn eingeholt. Und was sie dann mit ihm taten, wollte er gar nicht erst heraus finden. Stattdessen folgten die grünen Augen unsicher dem Jungen, der über ein paar Seilknäule und Säcke hinweg kletterte und kurzzeitig in einer schattenumwobenen Ecke hinter einer Kiste verschwand. Man hörte ein leises Rascheln, ein stumpfes Kichern, dann tauchte er wieder auf und hielt triumphierend eine kleine Gestalt in die Höhe. <br />
Es dauerte tatsächlich mehrere Herzschläge, bis der Zwölfjährige im schummrigen Dämmerlicht erkannte, was er da vor sich hatte: Es war eine Puppe aus Stroh, gerade so groß wie ein Kind. Sie hatten ein Kleid ausgestopft, hatten mit Garn wild schlackernde Arme und Beine daran geknotet und ihr mit reichlich Schnur einen kugelrunden Kopf aufgesetzt, an dem einzelne, lange Strohhalme als Haare herab hingen. Und Lucien wusste, ohne, dass jemand etwas sagen musste, wen diese Puppe darstellen sollte – es war eines von Talins hellen Alltagskleidern.<br />
Jenes Kleid, das eines nachmittags nicht mehr auf der Wäscheleine hing und wofür seine kleine Schwester die Strafe hatte kassieren müssen, weil sie es angeblich nicht sicher genug aufgehangen hatte. Sodass der Wind es sich gegriffen und fortgetragen haben musste. <br />
„<i>Kommt, Jungs. Seid so gut und helft ihm auf.</i>“ Lucien riss den Blick von der Puppe los, traf auf den Coillins und spürte im nächsten Moment, wie zwei Paar Hände nach seinen Armen griffen, ihn in die Höhe rissen. <br />
<br />
„<i>Was soll das werden? Was ist eigentlich euer scheiß Problem??</i>“ <br />
<br />
Irgendwo gefangen zwischen hilflosem Widerwillen und der wütenden Erkenntnis, dass sie Schuld an Talins Strafe trugen, spie er dem Älteren die Worte förmlich vor die Füße. Er verstand es nicht. Verstand nicht, was hier vor sich ging. Doch der Junge lachte nur falsch, kam zu ihm und seinen beiden Wächtern hinüber und legte Lucien geradezu kumpelhaft einen Arm auf die Schulter, um mit leichtem Druck dessen Blick wieder auf die Puppe zu lenken. „<i>Komm schon, nicht so misstrauisch. Wir dachten uns.. so lange auf See, da vermisst du deine Schwester doch bestimmt. Also haben wir dir einen Ersatz gebastelt.</i>“ Der Zwölfjährige wand sich in der unangenehmen Umarmung, wollte sich dem irgendwie entziehen, doch einer der Jungs, die ihn festhielten, drehte ihm nur den Arm auf den Rücken und blockierte den Weg nach hinten, damit Coillin selbst genug Raum bekam, um seinen schraubstockartigen Griff nicht lockern zu müssen. „<i>Jaja, ich weiß schon... sie sieht nicht ganz aus, wie das Original, aber mit ein bisschen Phantasie...</i>“ Lucien stieß ein Keuchen aus. Seine Schulter begann zu pochen und das Atmen fiel ihm zunehmend schwerer, doch Saras Bruder sprach einfach weiter und hinderte ihn daran, den Blick von der Puppe zu lösen. „<i>Wir können sie ja hier unten für dich verstecken. Dann kannst du jederzeit her kommen und mit ihr... kuscheln...</i>“<br />
Die Art, wie er dieses letzte Wort betonte, ließ Lucien schließlich doch innehalten. <br />
<br />
„<i>Was...?</i>“ <br />
<br />
Verwirrt starrte er diese Puppe an, sah schließlich von einem schallend lachenden Gesicht ins nächste. Was Coillin meinte, war unmissverständlich, und doch fiel es seinem Verstand schwer, wirklich zu begreifen, worauf er anspielte. Er wollte gar nicht begreifen. Erst, als ihm der Junge, der sie festhielt, die Puppe entgegen streckte, stetig näher kam und dabei die Lippen zu einem Knutschmund schürzte, mit einem gespielt verzückten Blick wild in der Luft herum küsste, schnitt die Erkenntnis, was sie ihm da gerade unterstellten, wie ein Messer durch seine Brust. Er prallte so heftig zurück, dass er mit dem Rücken gegen den Jungen hinter ihm stieß und ein scharfer Stich durch seine Schulter schoss. Glühende Hitze stieg ihm in die Wangen – ob vor Scham, Wut oder Schmerz konnte er in diesem Augenblick nicht einmal sagen, doch sie trieb ihm die Tränen in die Augen. War es das? War es das, was sie ganz ernsthaft von ihm glaubten? <br />
<br />
„<i>Lasst mich in Ruhe! Hau ab damit!</i>“ <br />
<br />
Vergessen war der Beschluss, alles über sich ergehen zu lassen. Ohne Rücksicht auf den pochenden Schmerz in seiner Schulter kämpfte er gegen die Griffe, die ihn festhielten. Er wollte weg, nur weg, bevor sie ihm diese bescheuerte Puppe ins Gesicht drückten.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#6B8E23">Das schwache Licht unter Deck verschluckte die vielzählige Details, die Ceallagh dabei geholfen hätten, den wahren Kern dieses Zusammentreffen zu erkennen. Doch das höhnische Grinsen auf den spitzbübischen Gesichtern, die schiere Vorfreude und Gehässigkeit, die Ceallagh in jedem ihrer Worte vernahm und reichten vollkommen aus, um die dichten Augenbrauen skeptisch gegeneinander zu pressen. Sie mussten von ungemeinem Hass getrieben worden sein, wenn sie sich in einer solchen Übermacht einem kleinen Jungen entgegen stellten. Je weiter der junge Hayes voraus rückte und allmählich das Bündel Stroh als Puppe in einem hellen Kleid erkannte, desto finsterer wurde seine Miene. DAS konnte doch wohl kaum deren Ernst sein, oder?<br />
Mit einem letzten Blick auf die Gruppe zog er sich langsam in die Schatten zurück. Schluckte vor lauter Anspannung, die unangenehm in seinen Gliedern zu zittern begann. Nicht zum erste Mal hatte er diese unausgesprochene Anschuldigung vernommen.   Und wie damals erfüllte sie ihn mit unbändiger Wut, die sich erst brennend durch seine Muskeln, dann durch seine Eingeweide fraß und ihn wenig später schlagartig hinter ihnen aus den Schatten treten ließ. Mit gelangweilter Miene und funkelnd grünen Augen, die eisig und unnachgiebig wirkten, starrte er auf die kleine Gruppe. Malträtierte die winzigen Hinterköpfe und verschränkte die langen Arme vor der Brust. <br />
<br />
"<i>Könnt ihr mir mal erklären, was der Scheiß hier soll?</i>"<br />
<br />
Ceallagh erweckte nicht den Eindruck als würde er sich diesem Spielchen anschließen. Eher machte es den Anschein, als brauchte es nur einen kleinen Funken, um den Älteren in schiere Raserei zu versetzen.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Im nächsten Moment spürte er kratziges Stroh in seinem Gesicht, musste Mund und Augen schließen, damit die Halme ihn nicht verletzten oder gar erstickten. Doch alles Kopf Abwenden, alles Kämpfen gegen die eisernen Griffe brachte ihm nichts. Das hämische Lachen der Schiffsjungen dröhnte über das Rauschen in seinen Ohren hinweg und ihr Gelächter bohrte sich scharf schneidend durch seine Brust. „<i>Komm schon, Lucien! Gib ihr einen Kuss. Du willst es doch auch.</i>“ <br />
Tränen aus Wut und Scham brannten unter seinen geschlossenen Lidern. Er zog und zerrte an den Griffen, trat nach allem, was er erreichen konnte und doch hatte er das Gefühl, das dämliche Gekicher wurde dadurch nur noch lauter. Jedenfalls bis zu dem Moment, in dem der Dunkelhaarige – wie er es schaffte, wusste er im Nachhinein auch nicht zu sagen – einen Glückstreffer landete. Er stützte sein Gewicht auf die Arme, trat mit aller Kraft nach vorne aus und erwischte den Jungen, der die Puppe hielt, direkt im Magen. <br />
Mit einem Keuchen stolperte er zurück und Lucien konnte endlich wieder richtig atmen, schnappte hörbar nach Luft und richtete die tiefgrünen Augen auf seinen Gegenüber. Jetzt sah er sich allerdings nicht mehr nur Schadenfreude gegenüber, sondern auch halb unterdrücktem Zorn.<br />
Vermutlich wäre das, was hätte folgen sollen, für den Zwölfjährigen nicht gut ausgegangen. Aber es kam nie so weit. Eine unnachgiebig schneidende Stimme zerschnitt die dicke Luft im Frachtraum, ließ alle sechs – Lucien eingeschlossen – schlagartig erstarren. Plötzlich ließen sie ihn los und er sackte auf den Boden wie ein loser Ballen desselben Strohs, aus dem auch die Puppe war.<br />
Die anderen Jungen drehten sich derweil zu Ceallagh um, starrten ihn an, als stünde ein Geist unter ihnen. Bis Coillin direkt neben Lucien endlich seine Stimme wieder fand und großspurig die Arme vor der Brust verschränkte. Dieser Hayes war immerhin in seinem Alter. Kein Grund, Schiss vor ihm zu haben. „<i>Ich wüsste nicht, was dich das angeht.</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#6B8E23">Ein abfälliges Schnauben durchfuhr schlagartig Ceallaghs Kehle, während der eisige Blick finster und mit hinauf schnippender Augenbraue auf Coillin hinab zuckte. Glaubte dieses Hemd wirklich sich aufspielen zu können? Mit langsamen Schritten näherte sich der hoch gewachsene Körper und schien mit jedem seiner Schritte breiter und schwerer zu werden. Nur langsam lösten sich die langen Arme, ermöglichten es dem Blondschopf seine Hände mit festem, fast schon Schraubstock artigem Griff die beiden Schultern zu umfassen, die sich ihm in den Weg stellten. Schob die beiden Jungen mit einer solchen Leichtigkeit zur Seite, dass das diabolische Lächeln auf seinen Zügen noch unheimlicher wirkte. <br />
<br />
"<i>Ach, ist das so Coillin?</i>"<br />
<br />
Eine Handbreite. Mehr Platz war nicht mehr zwischen den beiden Gleichaltrigen geblieben. Und obwohl Ceallagh mit jeder Faser seines Körpers an Lucien dachte, zuckten die grünen Augen keine Sekunde lang zur Seite. Nach dem kleinen Haufen sehend, der sich diffus in seinem Augenwinkel befand. <br />
<br />
"<i>Weißt du was ich an Hosenscheißern wie dir nicht ausstehen kann?</i>"<br />
<br />
Der Schatten um Ceallaghs Augen wurde zunehmend dunkler, als er sich langsam zu dem Jungen hinab beugte und tief einatmete.<br />
<br />
"<i>Ihr spielt euch auf und macht dennoch jede Woche in eure Hängematte. Heult wie Schlosshunde, wenn ihr auf euch allein gestellt seid und klebt wie Babies am Rockzipfel eurer Mutter, sobald ihr euch unbeobachtet fühlt. Das widert mich an.</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Lucien wusste beim besten Willen nicht, ob in diesem Moment Dankbarkeit über die unverhoffte Rettung überwog, oder die Panik bei dem Gedanken, der, wer auch immer ihm zu Hilfe gekommen war, hatte gehört, worüber genau sich die anderen Jungen so herzlich amüsierten. Es war nicht so, dass Lucien dieses Getuschel nie mitbekommen hätte. Die Dorfbewohner, die Kalem und Irina Dravean gegenüber äußerten, wie merkwürdig eng doch das Band zwischen ihm und seiner Schwester war. Doch er hatte dem nie viel Bedeutung beigemessen. Es waren schließlich nur Erwachsene. Erwachsene verstanden nicht, was in Kindern vor sich ging und was Lucien und Talin einte, verstanden sie ohnehin nicht. Sie sahen nicht, dass sie ohne einander schlicht allein wären. Weil es sonst niemanden gab, der so dachte, wie sie. Nicht auf Kelekuna. Doch er hatte nie erwartet, dass sie ihm solche Absichten unterstellten. Solche... Gedanken. Es war so absurd, völlig absurd, verletzend und demütigend. Wie konnten sie alle nur?<br />
Mit einem tonlosen Japsen hob der Zwölfjährige den Kopf, wischte sich mit dem Ärmel über die tränenverschmierten Augen und blinzelte durch das schummrige Licht. Er erkannte den Jungen, der da mitten unter ihnen stand. Das war dieser Fremde, der dieses Jahr mit ihnen segelte. Er stammte nicht von Kelekuna, hatte von einer anderen Insel aus angeheuert. Lucien erinnerte sich nicht daran, von wo. Er ging ihm aus dem Weg, wie allen anderen Jungen auch. Auch wenn dieser Hayes nie Anstalten machte, sich den Hänseleien der anderen anzuschließen.<br />
Und nun stand er da, baute sich vor Coillin auf und raunte ihm in einem so gefährlich düsteren Ton Beleidigungen zu, dass nicht nur Saras Bruder einen Hauch blasser zu werden schien, sondern auch die anderen vier Schiffsjungen vorsichtshalber einen halben Schritt zurück wichen. Hilflos huschten ihre Blicke zu ihrem Anführer, der offensichtlich um Beherrschung rang. „<i>Was... Was weißt du denn schon?</i>“, konterte er in einem ziemlich uneindrucksvollen Versuch, sich keine Blöße zu geben. Immerhin waren sie ja noch in der Überzahl... „<i>Wir haben nur ein bisschen rumgealbert. Unter Freunden. Richtig, Jungs?</i>“ Seine Stimme gewann wieder an Festigkeit, während sein Blick über seine Freunde huschte – die geflissentlich nickten – und mit einem drohenden Ausdruck schließlich auf Lucien hängen blieb. Dann sah Coillin wieder zu Ceallagh auf und drückte den Rücken durch. „<i>Wie wär's, wenn du dich wieder dorthin verpisst, von wo du gekommen bist, Hayes? Wer nicht von unserer Insel kommt, hat hier nichts zu melden.</i>“</font><br />
<br />
<br />
<font color="#6B8E23">Ein süffisantes Lächeln zog sich über die feinen Züge des Hayes. Wurde von einem herablassenden Auflachen begleitet, das ziemlich deutlich machte, wie sehr ihn diese Widerworte beeindruckten. Nämlich gar nicht. Viel eher spielten sie ihm so direkt in die Karten, dass es mit etwas mehr Mühe ausreichte, um diese Bagage ein für allemal loszuwerden.<br />
<br />
"<i>Oh lieber Coillin...</i>", drang es gedämpft und bittersüß über die schmalen Lippen, während Ceallagh die grünen Augenpaare über das immer blasser werden Gesicht gleiten ließ.<br />
<br />
"<i>Ich weiß so einiges über dich. Wahrscheinlich mehr als dir lieb ist...</i>"<br />
<br />
Man musste kein emphatischen Genie sein, um den wabernden Unterton in seiner Stimme wahrzunehmen. Die leichte Drohung die darin mitschwang und wohl für reichlich Belustigung sorgen konnte, wenn der Schiffsjunge ernsthaft in Erwägung zog, diesen Streit vom Zaun zu brechen.  Es brauchte nur noch einen kleinen Windhauch und der Blondschopf stünde lichterloh in Flammen. Denn was er just in diesem Moment spürte war eine Wut, die er nur allzu gut kannte. Eine Wut, die er bereits so laut und unnachgiebig hinaus geschrien hatte, dass er Tage später noch mit den Prellungen und Blutergüssen zu kämpfen hatte.<br />
Und während der junge Mann äußerlich vollkommen ruhig zu lachen begann und den langen Haarschopf senkte, brach in ihm bei Coillins Worten und der versucht widerspenstigen Haltung der letzte Schutzwall. Ruckartig schnellten die großen Hände voraus und packten den Gleichaltrigen am Kragen. Zogen ihn mit einer unbändigen Kraft die letzten Millimeter zu sich heran, während nur einen Moment später der sichere Boden unter Coillins Füßen verschwand.<br />
<br />
"<i>Ach... und du bist der Oberbefehlshaber hier, du kleiner verlogener Bastard?</i>"<br />
Wild funkelnd huschen die grünen Iriden über die kindlichen Züge des anderen und machten absolut keinen Hehl daraus, dass er keine hohlen Phrasen hinaus posaunte. <br />
<br />
"<i>Hör mir mal ganz genau zu. Denn was ich dir jetzt sage, sage ich dir nur ein einziges Mal, bevor du am eigenen Leib zu spüren bekommst, wie man mit solchen Großmäulern wie dir auf unserer Insel umspringt : du hälst deinen stinkenden Arsch ab sofort fern von ihm. Haben wir uns verstanden.... Coillin?</i>"</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Traurigerweise schien der Zwölfjährige in diesem Moment der einzige zu sein, der weit genug vorausschauen konnte, um zu wissen, wie tief Coillin mit seinem großen Maul gerade in die Kacke griff. Er sah es an dem Ausdruck in den grünblauen Augen. Hörte die unmissverständliche Drohung aus der dunklen Stimme heraus. Sein Blick klebte förmlich an der Szenerie, die sich vor ihm abspielte und auch wenn sich nach und nach die eine, alles entscheidende Frage in seinem Kopf manifestierte, hielt er die Klappe. Aus Angst, damit irgendjemandes Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Er war sich nicht einmal sicher, ob er im Blickfeld des fremden Jungen auftauchen wollte – obwohl ihn dessen Worte im nächsten Moment verwirrt blinzeln ließen. Warum? Warum... nahm er ihn in Schutz?<br />
Coillin freilich hatte ganz andere Probleme. Er gab ein gurgelndes Geräusch von sich, als seine Füße den Kontakt mit dem Boden verloren, griff instinktiv nach den Handgelenken des Größeren. In dem hilflosen Versuch, sich zu befreien oder auch nur, seinen Hals von seinem eigenen Körpergewicht zu entlasten. Zumindest aber verriet der Ausdruck in seinen Augen ein gewisses Maß an Panik. „<i>V..verstndn...</i>“, röchelte er mühselig und schaffte es dabei kaum, den Mund weit genug zu öffnen, um sich verständlich zu machen. „<i>Lss mich runtr...</i>“, flehte er atemlos und zappelte in Ceallaghs Griff.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#6B8E23">Ceallagh spürte das Zittern in seinen Muskeln, noch ehe das Gezappel des Schiffsjungen seine Aufmerksamkeit erreichte. Der schwere Körper hing wie ein unhandlicher Mehlsack zwischen seinen Fingern und überanstrengte seine Arme mit jeder weiteren Sekunde, die verstrich. Doch er würde selbst dann nicht locker lassen, wenn er das verräterische Knacken seiner Gelenke spürte. Ihm blieb nur diese eine Chance, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Hatte er sich die ganze Zeit auf dem Schiff im Hintergrund gehalten, würde ihm diese ruhige Zurückgezogenheit nun nicht mehr zu Teil werden. Lieber setzte er eine Schippe zu viel Düsternis und Dramatik in diese Drohung, als die ihm verbleibenden, unzähligen Monate damit zu verschwenden, sich diese Pickelfressen vom Leib zu halten. <br />
Ein letztes Brummen erklang. Dann plumpste der zappelnde Körper lautstark und ohne jegliche Vorwarnung zu Boden. Mit einem verächtlichen Blick wandte sich Ceallagh an das kleine Häufchen Coillins hinab. Schüttelte abwertend den Kopf und wandte sich schließlich mit hinauf schnellender Augenbraue zu den anderen herum. <br />
<br />
“<i>Verzieht euch… und nehmt euer hässliches Voodoo Püppchen mit, bevor ich es euch in den Arsch schiebe.</i>“<br />
Und er war tatsächlich gewillt es auf einen Versuch ankommen zu lassen. Noch mehr als sich Coillin brabbelnd aufraffte und mit einem letzten hasserfüllten Blick zurück sah, ehe er mit seinen Waschlappenfreunden die Treppenstufen hinauf verschwand. <br />
<br />
“<i>Hey… alles okay bei dir?</i>“<br />
<br />
Minuten waren vergangen in denen Ceallagh den Schritten gelauscht und darauf gewartet hatte, bis sie verklungen waren. Zum ersten Mal an diesem Abend wandte er die grünblauen Augen auf den Jungen hinab, dessen feine Züge mit feinen Kratzspuren übersät waren. Wirkte schlagartig wie ausgewechselt, kaum dass er sich auf die Knie hinab sinken ließ und mit schief gelegtem Schopf ein freundliches Lächeln in die Mundwinkel gleiten ließ.</font><br />
<br />
<br />
<font color="#458B74">Der Blick, den Coillin schlussendlich auch Lucien zuwarf, fiel ebenso vernichtend aus, wie der, der zuvor Ceallagh gegolten hatte. Er ließ ihn damit wohl wissen, dass es noch nicht vorbei war. Vielleicht nicht heute, nicht diesen Monat und nicht auf dieser endlos langen Fahrt – aber er würde ihm die Schande der heutigen Nacht heimzahlen. Spätestens auf Kelekuna. Wenn es niemanden mehr gab, der für ihn einstand. Doch für diesen Moment schien Saras älterer Bruder die Lust auf eine Schlägerei gehörig vergangen zu sein und mit einem kaum verständlichen Gemurmel wies er seine Freunde zum Rückzug an. <br />
Sie quetschten sich einer nach dem anderen hastig durch die schmale Lücke zwischen den Kisten und machten sich fluchend aus dem Staub. Der eine, der die Puppe getragen hatte, warf sie auf halber Strecke achtlos in eine Ecke, dann verschwanden sie die Stufen hinauf zum nächsthöheren Deck. <br />
Lucien sah ihnen kurz nach, bevor sein Blick auf das einzige Teil der Puppe fiel, das er von seiner Position aus sehen konnte – einer ihrer Stroharme. Wieder wallte Wut in seinem Herzen auf. So übermächtig, dass ihm ein weiteres Mal die Tränen in die Augen traten. <br />
Doch Ceallaghs Stimme riss ihn zurück ins Hier und Jetzt, ließ ihn ruckartig den Kopf wenden und angesichts der Tatsache, dass der Ältere inzwischen unmittelbar vor ihm hockte, mit einem erschrockenen Luftschnappen hinten über und auf seinen Hintern kippen. Sein Herz machte einen Satz, ehe er realisierte, was der Junge gesagt hatte. Und dass er alles andere als wütend oder grausam klang. Das zu verdauen fiel Lucien erstaunlich schwer. Es passte nicht zu dem, was er gerade mit angesehen hatte – und trotzdem wagte er einen unsicheren Versuch. <br />
<br />
„<i>Ich... denke schon.</i>“ Noch einmal wischte er sich mit dem Ärmel über die Augen, wich dem Blick des Älteren aus. „<i>Danke... für deine Hilfe.</i>“</font>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Shall I compare thee to a summer's day?]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=786</link>
			<pubDate>Sat, 24 Aug 2019 03:23:49 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=41">Rúnar Rúnarsson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=786</guid>
			<description><![CDATA[<blockquote><div class="Rúnar">Rúnar wusste, dass Jón nicht nervös war und er beneidete ihn dafür. Jón war nie nervös. Trotzdem fragte er ihn. Einfach aus Prinzip.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Bist du nervös?"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Er</span> war nervös gewesen als er Ásta das erste Mal sehen durfte. Seine Hände waren schwitzig gewesen und er hatte sie andauernd an seinen Hosenbeinen reiben müssen. Und sein Vater hatte ihm ständig die Hand auf das Knie legen müssen um ihm zu signalisieren, dass er doch bitte aufhören sollte mit dem Bein zu wippen. Jón tat nichts von beidem, obwohl die beiden auf dem Sofa direkt neben dem knisternden Kamin saßen. Es war sogar so warm im Zimmer, dass sie keine Mäntel tragen mussten, trotz dass es draußen schneite.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Nö", </span>sagte Jón, zuckte die Schultern und grinste. Rúnar schüttelte den Kopf.<br />
<br />
Auf dem Sofa gegenüber saß Þjóðbjörg, ihre Gouvernante, und las. Ihre rotbraunen Haare waren zu einer simplen, aber modernen Frisur ordentlich nach hinten frisiert. Rúnars Schwester Hekla saß auf dem Boden und spielte für sich selbst mit einer Puppe und einer Pferdefigur.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aber ich bin schon echt gespannt",</span> fügte Jón hinzu.<br />
<br />
Rúnars Augen weiteten sich. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ja, ich auch. Glaubst du wir heiraten dann mal am selben Tag? Das fände ich voll toll."</span><br />
<br />
Jóns Augen weiteten sich auch und er lehnte sich nach vorne und griff nach Rúnars Bein, das er auf die Sitzfläche gelegt hatte -- angewinkelt, auf dem Fuß sitzend. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Oh ja, und dann werden unsere Kinder bestimmt auch am selben Tag geboren!"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich glaub nicht, dass das so funktioniert."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Warum nicht?"</span> Jón war ernsthaft verwirrt. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wenn wir den Hengst im Frühjahr eine Woche lang zu den Stuten lassen, dann fohlen manche auch erst vier Wochen später ab als andere. Oder länger. Glaub ich."</span><br />
<br />
Jón legte den Kopf schief und sah Rúnar verurteilend an. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Das sind aber auch Pferde."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Fragen wir doch einfach Frau Tóta, die weiß sowas bestimmt."</span><br />
<br />
Die Gouvernante sah die beiden schon an als sie sich zu ihr wandten; ihr Kinn gesenkt, ein Finger zwischen den Buchseiten um die Stelle nicht zu verlieren. Die Jungen sahen sich beide nochmal an, unschlüssig darüber, wer jetzt die etwas kühne Frage stellen sollte. Jón atmete ein (und Rúnar atmete auf): <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Frau Tóta?"</span><br />
<br />
Sie blinzelte, aber ihr Gesichtsausdruck änderte sich nicht: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ja, mein Junge?"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wenn zwei Leute -- also, nein, vier -- also, ich meine zwei Männer und zwei Frauen -- <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Rúnar, das ist nicht lustig!</span>"</span><br />
<br />
Rúnar versuchte erfolglos sein Kichern hinter vorgehaltener Hand zu verstecken und rutschte ein wenig tiefer in das Sofa hinein, sodass er jetzt ganz ungraziös in einer Ecke lümmelte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich weiß, was du meinst, mein Lieber",</span> sagte Tóta. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Zwei Paare."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Genau. Also, wenn zwei Paare am selben Tag ihre Hochzeitsnacht haben, bringen die Frauen dann nicht auch das Kind am selben Tag zur Welt?"</span><br />
<br />
Tótas Blick ging kurz zur Decke -- eine ganz kurze Überlegung -- dann wieder zu den Jungen. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Es ist möglich--"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ha!"</span> Jón stach seinen Finger in Rúnars Richtung.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aaaber -- aber -- das kann man nie wissen und die Chance ist höher, dass die Geburtstage der Kinder ein paar Wochen auseinander liegen. Wenn es in der Hochzeitsnacht überhaupt bei beiden Paaren, na ja, klappt."</span> <br />
<br />
Jón sah geschlagen in Rúnars Richtung, aber Rúnar gab ihm einen Blick der sagte: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Tut mir leid, dass ich Recht hatte und nicht du.</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Was heißt das, 'wenn es klappt'. Was wenn nicht?"</span> <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Dann versucht man es nochmal,"</span> sagte sie -- und lenkte ein, bevor die Diskussion in die Falsche Richtung ausartete. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aber wie genau das geht, das besprechen wir zu einem späteren Zeitpunkt. Schließlich habt ihr noch genug Zeit bis zu euren Hochzeitsnächten."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"In Ordnung,"</span> sagte Rúnar, aber er wusste, dass Jón sich damit nicht zufrieden geben würde und konnte förmlich sehen, wie in seinem Kopf die Gedanken schwirrten.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Also, ich und Hrafn wurden am selben Tag geboren,"</span> sagte Hekla, ließ sich dabei aber nicht von ihrem Spiel ablenken.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Meine Kleine, Hrafn und du habt auch dieselbe Mutter."</span><br />
<br />
Nun sah Hekla auf, ganz langsam, starrte erst geradeaus auf den Kamin, dann nach rechts zu Tóta, dann nach links zu Rúnar. Ihr Mund stand offen und ihr Augenbrauen waren zusammengezogen. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aber Rúnar hat doch auch dieselbe Mama wie ich und Hrafn."</span> Rúnar sah weg. Ihre Mutter war erst vor zwei Monaten gegangen -- er hatte das Gefühl, alle konnten damit besser umgehen als er. Aber seine kleinen Geschwister waren vielleicht einfach noch zu klein um zu verstehen, dass sie nie mehr bei ihnen wohnen würde. Außer sie und ihr Vater würden sich doch wieder vertragen. Mit ihm konnte er darüber sowieso nicht sprechen.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"'Hrafn und ich', meine Kleine",</span> korrigierte, Tóta sie. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Man nennt sich selbst immer zuletzt."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Hrafn und du wart auch zurselben Zeit im Bauch von eurer Mama",</span> ging Jón dazwischen.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Hä?",</span> machte Hekla und sah wieder zu Tóta. Diese hob kurz die Augenbrauen und begann ihr Lesezeichen zu suchen. "Ich finde, wir sollten langsam in die Stube gehen, damit wir unsere Gäste auch ordentlich empfangen können." Sie hatte ihr Lesezeichen versteckt in einer Rockfalte gefunden und sah nun Jón mit verengten Augen an, während sie ihr Buch zuklappte und beiseite legte, ohne Jón aus den Augen zu lassen. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Nonni, wo ist deine Brille?"</span><br />
<br />
Jón holte Luft um zu sprechen, aber bevor er etwas sagen konnte, hob Hekla vom Boden aus die Brille Tóta entgegen -- sie hatte damit gespielt.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich will sie nicht anziehen, dann sehe ich so doof aus, dass das Mädchen gleich wieder wegrennt. Ich sehe auch so gut."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Mein Lieber, ich weiß, dass du das nicht tust -- und du möchtest 'das Mädchen' doch sicher auch gut sehen. Sonst setzt du dir später noch irgendwann die Brille auf und rennst womöglich selbst davon. Und dann ist es zu spät."</span><br />
<br />
Jóns Mund klappte auf und er stützte die Hände auf die Kante des Sofas. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Was? Was meinst du? Hast du sie schon mal gesehen?"</span><br />
<br />
Tóta grinste und Rúnar konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich necke dich nur ein bisschen, Nonni",</span> sagte sie. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Kommt, lasst uns gehen."</span><br />
<br />
Sie stand vom Sofa auf, Hekla stand vom Boden auf und händigte Jón seine Brille, die er mit einem Seufzer aufsetzte. Rúnar fand wirklich nicht, dass er schlecht damit aussah. Er fand sogar, dass sie ihm wirklich gut stand. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Du siehst schlau aus, mit Brille. Und sie passt zu deiner Haarfarbe."</span> Jón erwiderte das Kompliment mit einem verlegenen (aber dankbaren) Lächeln.<br />
<br />
Es klopfte an der Tür und Kjartan, der Butler, trat ein.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Oh je, sind die Gäste schon da?",</span> fragte Tóta.<br />
<br />
Kjartan gab eine beschwichtigende Handgeste und seine Mundwinkel hoben sich leicht. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ihre Kutsche ist gerade auf den Hof gefahren,"</span> sagte er und wandte sich dann an die Kinder. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Eure Familien haben sich bereits in der Stube eingefunden."</span> Er gab kurz ein Lächeln -- seine Mundwinkel gingen kurz etwas weiter nach oben -- und verließ das Zimmer. <br />
<br />
Tóta stellte nochmal sicher, dass bei jedem die Kleidung saß und strich den Jungen die Haarsträhnen aus der Stirn, dann gingen sie ins Erdgeschoss und gesellten sich zu den anderen: Rúnars kleiner Bruder, sein Vater, seine Tante und seine Cousine, sowie der Kammerdiener, der sich persönlich um die Gäste kümmern würde und sie deshalb direkt kennenlernen sollte.</div></blockquote>
<br />
<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-size: xx-small;" class="mycode_size">OFF: Es tut mir voll leid -- das Gespräch mit den Bienen und Blumen hat sich irgendwie automatisch so ergeben, das hatte ich nicht geplant. Jón hat damit angefangen, ich kann nichts dafür. XD</span></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><div class="Rúnar">Rúnar wusste, dass Jón nicht nervös war und er beneidete ihn dafür. Jón war nie nervös. Trotzdem fragte er ihn. Einfach aus Prinzip.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Bist du nervös?"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Er</span> war nervös gewesen als er Ásta das erste Mal sehen durfte. Seine Hände waren schwitzig gewesen und er hatte sie andauernd an seinen Hosenbeinen reiben müssen. Und sein Vater hatte ihm ständig die Hand auf das Knie legen müssen um ihm zu signalisieren, dass er doch bitte aufhören sollte mit dem Bein zu wippen. Jón tat nichts von beidem, obwohl die beiden auf dem Sofa direkt neben dem knisternden Kamin saßen. Es war sogar so warm im Zimmer, dass sie keine Mäntel tragen mussten, trotz dass es draußen schneite.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Nö", </span>sagte Jón, zuckte die Schultern und grinste. Rúnar schüttelte den Kopf.<br />
<br />
Auf dem Sofa gegenüber saß Þjóðbjörg, ihre Gouvernante, und las. Ihre rotbraunen Haare waren zu einer simplen, aber modernen Frisur ordentlich nach hinten frisiert. Rúnars Schwester Hekla saß auf dem Boden und spielte für sich selbst mit einer Puppe und einer Pferdefigur.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aber ich bin schon echt gespannt",</span> fügte Jón hinzu.<br />
<br />
Rúnars Augen weiteten sich. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ja, ich auch. Glaubst du wir heiraten dann mal am selben Tag? Das fände ich voll toll."</span><br />
<br />
Jóns Augen weiteten sich auch und er lehnte sich nach vorne und griff nach Rúnars Bein, das er auf die Sitzfläche gelegt hatte -- angewinkelt, auf dem Fuß sitzend. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Oh ja, und dann werden unsere Kinder bestimmt auch am selben Tag geboren!"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich glaub nicht, dass das so funktioniert."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Warum nicht?"</span> Jón war ernsthaft verwirrt. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wenn wir den Hengst im Frühjahr eine Woche lang zu den Stuten lassen, dann fohlen manche auch erst vier Wochen später ab als andere. Oder länger. Glaub ich."</span><br />
<br />
Jón legte den Kopf schief und sah Rúnar verurteilend an. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Das sind aber auch Pferde."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Fragen wir doch einfach Frau Tóta, die weiß sowas bestimmt."</span><br />
<br />
Die Gouvernante sah die beiden schon an als sie sich zu ihr wandten; ihr Kinn gesenkt, ein Finger zwischen den Buchseiten um die Stelle nicht zu verlieren. Die Jungen sahen sich beide nochmal an, unschlüssig darüber, wer jetzt die etwas kühne Frage stellen sollte. Jón atmete ein (und Rúnar atmete auf): <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Frau Tóta?"</span><br />
<br />
Sie blinzelte, aber ihr Gesichtsausdruck änderte sich nicht: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ja, mein Junge?"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wenn zwei Leute -- also, nein, vier -- also, ich meine zwei Männer und zwei Frauen -- <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Rúnar, das ist nicht lustig!</span>"</span><br />
<br />
Rúnar versuchte erfolglos sein Kichern hinter vorgehaltener Hand zu verstecken und rutschte ein wenig tiefer in das Sofa hinein, sodass er jetzt ganz ungraziös in einer Ecke lümmelte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich weiß, was du meinst, mein Lieber",</span> sagte Tóta. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Zwei Paare."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Genau. Also, wenn zwei Paare am selben Tag ihre Hochzeitsnacht haben, bringen die Frauen dann nicht auch das Kind am selben Tag zur Welt?"</span><br />
<br />
Tótas Blick ging kurz zur Decke -- eine ganz kurze Überlegung -- dann wieder zu den Jungen. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Es ist möglich--"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ha!"</span> Jón stach seinen Finger in Rúnars Richtung.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aaaber -- aber -- das kann man nie wissen und die Chance ist höher, dass die Geburtstage der Kinder ein paar Wochen auseinander liegen. Wenn es in der Hochzeitsnacht überhaupt bei beiden Paaren, na ja, klappt."</span> <br />
<br />
Jón sah geschlagen in Rúnars Richtung, aber Rúnar gab ihm einen Blick der sagte: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Tut mir leid, dass ich Recht hatte und nicht du.</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Was heißt das, 'wenn es klappt'. Was wenn nicht?"</span> <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Dann versucht man es nochmal,"</span> sagte sie -- und lenkte ein, bevor die Diskussion in die Falsche Richtung ausartete. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aber wie genau das geht, das besprechen wir zu einem späteren Zeitpunkt. Schließlich habt ihr noch genug Zeit bis zu euren Hochzeitsnächten."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"In Ordnung,"</span> sagte Rúnar, aber er wusste, dass Jón sich damit nicht zufrieden geben würde und konnte förmlich sehen, wie in seinem Kopf die Gedanken schwirrten.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Also, ich und Hrafn wurden am selben Tag geboren,"</span> sagte Hekla, ließ sich dabei aber nicht von ihrem Spiel ablenken.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Meine Kleine, Hrafn und du habt auch dieselbe Mutter."</span><br />
<br />
Nun sah Hekla auf, ganz langsam, starrte erst geradeaus auf den Kamin, dann nach rechts zu Tóta, dann nach links zu Rúnar. Ihr Mund stand offen und ihr Augenbrauen waren zusammengezogen. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aber Rúnar hat doch auch dieselbe Mama wie ich und Hrafn."</span> Rúnar sah weg. Ihre Mutter war erst vor zwei Monaten gegangen -- er hatte das Gefühl, alle konnten damit besser umgehen als er. Aber seine kleinen Geschwister waren vielleicht einfach noch zu klein um zu verstehen, dass sie nie mehr bei ihnen wohnen würde. Außer sie und ihr Vater würden sich doch wieder vertragen. Mit ihm konnte er darüber sowieso nicht sprechen.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"'Hrafn und ich', meine Kleine",</span> korrigierte, Tóta sie. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Man nennt sich selbst immer zuletzt."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Hrafn und du wart auch zurselben Zeit im Bauch von eurer Mama",</span> ging Jón dazwischen.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Hä?",</span> machte Hekla und sah wieder zu Tóta. Diese hob kurz die Augenbrauen und begann ihr Lesezeichen zu suchen. "Ich finde, wir sollten langsam in die Stube gehen, damit wir unsere Gäste auch ordentlich empfangen können." Sie hatte ihr Lesezeichen versteckt in einer Rockfalte gefunden und sah nun Jón mit verengten Augen an, während sie ihr Buch zuklappte und beiseite legte, ohne Jón aus den Augen zu lassen. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Nonni, wo ist deine Brille?"</span><br />
<br />
Jón holte Luft um zu sprechen, aber bevor er etwas sagen konnte, hob Hekla vom Boden aus die Brille Tóta entgegen -- sie hatte damit gespielt.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich will sie nicht anziehen, dann sehe ich so doof aus, dass das Mädchen gleich wieder wegrennt. Ich sehe auch so gut."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Mein Lieber, ich weiß, dass du das nicht tust -- und du möchtest 'das Mädchen' doch sicher auch gut sehen. Sonst setzt du dir später noch irgendwann die Brille auf und rennst womöglich selbst davon. Und dann ist es zu spät."</span><br />
<br />
Jóns Mund klappte auf und er stützte die Hände auf die Kante des Sofas. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Was? Was meinst du? Hast du sie schon mal gesehen?"</span><br />
<br />
Tóta grinste und Rúnar konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich necke dich nur ein bisschen, Nonni",</span> sagte sie. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Kommt, lasst uns gehen."</span><br />
<br />
Sie stand vom Sofa auf, Hekla stand vom Boden auf und händigte Jón seine Brille, die er mit einem Seufzer aufsetzte. Rúnar fand wirklich nicht, dass er schlecht damit aussah. Er fand sogar, dass sie ihm wirklich gut stand. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Du siehst schlau aus, mit Brille. Und sie passt zu deiner Haarfarbe."</span> Jón erwiderte das Kompliment mit einem verlegenen (aber dankbaren) Lächeln.<br />
<br />
Es klopfte an der Tür und Kjartan, der Butler, trat ein.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Oh je, sind die Gäste schon da?",</span> fragte Tóta.<br />
<br />
Kjartan gab eine beschwichtigende Handgeste und seine Mundwinkel hoben sich leicht. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ihre Kutsche ist gerade auf den Hof gefahren,"</span> sagte er und wandte sich dann an die Kinder. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Eure Familien haben sich bereits in der Stube eingefunden."</span> Er gab kurz ein Lächeln -- seine Mundwinkel gingen kurz etwas weiter nach oben -- und verließ das Zimmer. <br />
<br />
Tóta stellte nochmal sicher, dass bei jedem die Kleidung saß und strich den Jungen die Haarsträhnen aus der Stirn, dann gingen sie ins Erdgeschoss und gesellten sich zu den anderen: Rúnars kleiner Bruder, sein Vater, seine Tante und seine Cousine, sowie der Kammerdiener, der sich persönlich um die Gäste kümmern würde und sie deshalb direkt kennenlernen sollte.</div></blockquote>
<br />
<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-size: xx-small;" class="mycode_size">OFF: Es tut mir voll leid -- das Gespräch mit den Bienen und Blumen hat sich irgendwie automatisch so ergeben, das hatte ich nicht geplant. Jón hat damit angefangen, ich kann nichts dafür. XD</span></div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[The Moment It Takes]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=715</link>
			<pubDate>Wed, 30 Jan 2019 11:55:15 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=33">Elian Montrose</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=715</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">The moment it takes</div><br><font size=1><i>Out of sight, out of mind<br />
Out of time to decide<br />
Do we run? Should I hide<br />
For the rest of my life<br />
<br />
Can we fly? Do I stay?<br />
We could lose, we could fail<br />
In the moment it takes<br />
To make plans, or mistakes<br />
<br />
30 minutes the blink of an eye<br />
30 minutes to alter our lives<br />
30 minutes to make up my mind<br />
30 minutes to finally decide<br />
30 minutes to whisper your name<br />
30 minutes to shoulder the blame<br />
30 minutes of bliss, 30 lies<br />
30 minutes to finally decide</i><br />
<br />
Escamil | 13. September 1819, Nachmittag<br />
Taranis Ives („Rhys du Coeur“) und Elian Montrose</font></center><br />
<br />
<blockquote><div class="Elian">Es war fast zu schön, um wahr zu sein. Vorgestern hatte Elian sein Zeugnis erhalten und war nun auch auf dem Papier ein vollwertiger Arzt. Heute war sein Geburtstag. Und letzte Nacht, so hatte er beim Hafenmeister erfahren, war die Penthesileia vor der Küste Escamils aufgetaucht. Sie hatte dort am Vormittag für eine Weile gekreuzt, letzte Exerzitien durchgeführt, und war dann gegen Mittag in die Hafenbucht eingelaufen. Es würde sicher nicht mehr lange dauern, bis sie vollständig entladen war und die Besatzung von Bord gehen durfte.<br />
Die Sonne hatte sich gesenkt und tauchte den Hafen in goldenes Licht. Elian hatte sich eine Stelle gesucht, von der er wusste, dass Rhys sie auf dem Weg zu seinem Quartier passieren würde müssen, und sich dort gegen eine Hauswand gelehnt. Er schloss die Augen für einen Moment, blendete das wirre Treiben um ihn her aus, ehe er sich erneut konzentrierte. Marineuniformen gab es hier mehr als genug. Es galt nun, die richtige zu erspähen.<br />
<br />
Er wartete sicher eine Stunde. Er hasste diese Warterei, auch wenn er sie mittlerweile zur Genüge kannte. Die Penthesileia patrouillierte auf einer üblichen Handelsroute, ihre Aufgabe war nicht so besonders gefährlich, aber es kam trotzdem immer wieder zu Übergriffen von Piraten, und mitunter Stürmen. Die meisten Schiffe überstanden die Reise ohne Probleme, aber ein Risiko war doch immer dabei… für das Schiff als ganzes, aber auch für die Besatzung im Einzelnen. Krankheit, Verletzung, Unfälle… Zu vieles konnte in den Wochen seit ihrem letzten Treffen passiert sein, und in dieser einen Stunde Warterei gingen ihm immer sämtliche Möglichkeiten durch den Kopf und mischten sich in die nervöse Vorfreude, weil er Rhys bald wieder für sich haben würde. Er war fast so weit, seine Fingernägel zu kauen, als er endlich den vertrauten dunklen Lockenschopf erspähte, einsam und offenbar in Eile. Das Lächeln legte sich ganz von allein auf Elians Gesicht, genau wie das wohlige Gefühl in seinem Bauch. <i>Er sieht ein wenig müde aus, vielleicht gestresst… nichts, was ein Landaufenthalt und eine Feier mit mir nicht beheben könnten.</i> Einmal mehr preiste er im Stillen die Göttin, die seine Gebete erhört und seinen besten Freund auf der Seereise gut beschützt hatte, dann schob er sich durch die Menge, um Rhys abzufangen. Fast hätte er ihn noch verpasst, er hatte nämlich Rhys‘ Sturmschritt und die Gewandtheit, mit der er sich durch die Menge bewegte, unterschätzt. „He, Seemann… wohin so eilig?“ Er erwischte du Coeur gerade noch so von hinten an der Schulter, ehe er sich aus Elians Reichweite bewegen konnte. „Hast du ein paar Minuten für einen alten Freund?“</div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">The moment it takes</div><br><font size=1><i>Out of sight, out of mind<br />
Out of time to decide<br />
Do we run? Should I hide<br />
For the rest of my life<br />
<br />
Can we fly? Do I stay?<br />
We could lose, we could fail<br />
In the moment it takes<br />
To make plans, or mistakes<br />
<br />
30 minutes the blink of an eye<br />
30 minutes to alter our lives<br />
30 minutes to make up my mind<br />
30 minutes to finally decide<br />
30 minutes to whisper your name<br />
30 minutes to shoulder the blame<br />
30 minutes of bliss, 30 lies<br />
30 minutes to finally decide</i><br />
<br />
Escamil | 13. September 1819, Nachmittag<br />
Taranis Ives („Rhys du Coeur“) und Elian Montrose</font></center><br />
<br />
<blockquote><div class="Elian">Es war fast zu schön, um wahr zu sein. Vorgestern hatte Elian sein Zeugnis erhalten und war nun auch auf dem Papier ein vollwertiger Arzt. Heute war sein Geburtstag. Und letzte Nacht, so hatte er beim Hafenmeister erfahren, war die Penthesileia vor der Küste Escamils aufgetaucht. Sie hatte dort am Vormittag für eine Weile gekreuzt, letzte Exerzitien durchgeführt, und war dann gegen Mittag in die Hafenbucht eingelaufen. Es würde sicher nicht mehr lange dauern, bis sie vollständig entladen war und die Besatzung von Bord gehen durfte.<br />
Die Sonne hatte sich gesenkt und tauchte den Hafen in goldenes Licht. Elian hatte sich eine Stelle gesucht, von der er wusste, dass Rhys sie auf dem Weg zu seinem Quartier passieren würde müssen, und sich dort gegen eine Hauswand gelehnt. Er schloss die Augen für einen Moment, blendete das wirre Treiben um ihn her aus, ehe er sich erneut konzentrierte. Marineuniformen gab es hier mehr als genug. Es galt nun, die richtige zu erspähen.<br />
<br />
Er wartete sicher eine Stunde. Er hasste diese Warterei, auch wenn er sie mittlerweile zur Genüge kannte. Die Penthesileia patrouillierte auf einer üblichen Handelsroute, ihre Aufgabe war nicht so besonders gefährlich, aber es kam trotzdem immer wieder zu Übergriffen von Piraten, und mitunter Stürmen. Die meisten Schiffe überstanden die Reise ohne Probleme, aber ein Risiko war doch immer dabei… für das Schiff als ganzes, aber auch für die Besatzung im Einzelnen. Krankheit, Verletzung, Unfälle… Zu vieles konnte in den Wochen seit ihrem letzten Treffen passiert sein, und in dieser einen Stunde Warterei gingen ihm immer sämtliche Möglichkeiten durch den Kopf und mischten sich in die nervöse Vorfreude, weil er Rhys bald wieder für sich haben würde. Er war fast so weit, seine Fingernägel zu kauen, als er endlich den vertrauten dunklen Lockenschopf erspähte, einsam und offenbar in Eile. Das Lächeln legte sich ganz von allein auf Elians Gesicht, genau wie das wohlige Gefühl in seinem Bauch. <i>Er sieht ein wenig müde aus, vielleicht gestresst… nichts, was ein Landaufenthalt und eine Feier mit mir nicht beheben könnten.</i> Einmal mehr preiste er im Stillen die Göttin, die seine Gebete erhört und seinen besten Freund auf der Seereise gut beschützt hatte, dann schob er sich durch die Menge, um Rhys abzufangen. Fast hätte er ihn noch verpasst, er hatte nämlich Rhys‘ Sturmschritt und die Gewandtheit, mit der er sich durch die Menge bewegte, unterschätzt. „He, Seemann… wohin so eilig?“ Er erwischte du Coeur gerade noch so von hinten an der Schulter, ehe er sich aus Elians Reichweite bewegen konnte. „Hast du ein paar Minuten für einen alten Freund?“</div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[All About Us]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=714</link>
			<pubDate>Mon, 28 Jan 2019 18:13:23 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=33">Elian Montrose</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=714</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">All about us</div><br><font size=1>12. Februar 1819, früher Abend<br />
Taranis Ives ("Rhys du Coeur") & Elian Montrose<br />
<br />
<i>They say don't trust<br />
You, me, we, us<br />
So we'll walk<br />
We must<br />
'Cause of you, me<br />
And it's all about<br />
It's all about us</i></font></center><br />
<blockquote><div class="Taranis">„Du solltest die anderen sehen.“ <br />
Tanis war sich ein wenig unsicher, wie Rhys du Coeur in dieser Situation aussehen würde, also ließ er ihn für den Moment fallen, wie er ihn so oft fallen ließ, wenn er in der Nähe von Elian war. Er grinste und wusste, dass es seine Augen nicht erreichte. Wenn man bedachte, dass er möglicherweise sein Leben lang eine Narbe über dem Auge haben würde, konnte man das ihm wohl verzeihen. Und er konnte sich bereits vorstellen, dass Elian das wohl nicht wertschätzen würde. Die Situation oder irgendetwas anderes daran. Dabei war er auf gewisse Art Schuld an der ganzen Sache. <br />
<br />
<i> „Wir wollen nachher in die Silberne Muschel, du Coeur.“ <br />
Es war nicht einmal eine Frage, aber Tanis schüttelte nur den Kopf und streckte die Beine von sich, die Nase in dem Buch vergraben, über das er später mit Elian sprechen wollte. „Ich treffe mich später mit Montrose.“<br />
„Bring ihn mit.“<br />
Er schnaubte und lachte dann, kurz und hart. „HA! Sicherlich nicht.“<br />
Richard und Stephen warfen sich Blicke zu.<br />
„Ich bin mir sehr sicher, dass ich kein Interesse daran habe, was ihr zu sagen habt.“<br />
„Einer muss es mal sagen.“ Richard beugte sich vor und legte ihm beide Hände auf die Schultern. „Du verbringst zu viel Zeit mit dem Arzt.“<br />
„Man kann nicht genug Zeit mit guter Gesellschaft verbringen.“<br />
„Dann bring ihn endlich mal mit! Dann können wir uns endlich davon überzeugen, dass ihr nicht irgendwelche Doktorspielchen spielt, hm?“<br />
„…..bitte was?“<br />
„Du weißt doch was man über Doktoren sagt, hm? Stecken ihre Finger überall dorthin, wo sie nicht hingehören. Und dein kleiner Montrose macht es nicht besser mit all seinen weibischen Spielereien.“<br />
„Ich denke, ich habe nicht ganz verstanden, was du meinst.“<br />
„Ich meine, dass der kleine Arzt dir am Ende sagt, dass du dich vorbeugen sollst und –„<br />
Wirklich. Wenn er die Faust in seinem Gesicht nicht erwartet hatte, war sein Kopf nicht mehr ganz in Ordnung. Tanis schüttelte die Hand aus und grinste die beiden an. „Ich denke, die Damen werden nachher nicht viel Spaß an euch haben.“<br />
</i><br />
<br />
„Sie hatten es verdient.“, setzte er hinzu. Sein Gesicht war geschwollen, er hatte Schnitte und Prellungen an seinen Armen und Fäusten. Es wäre vermutlich besser gewesen, einfach abzusagen, aber…das konnte er nicht. Er hatte sich darauf gefreut, Elian heute zu sehen und er hatte seinen Zorn weglaufen wollen und dann hatte er plötzlich hier gestanden.</div></blockquote>
<blockquote><div class="Elian">„Wenn man den Status deiner Fingerknöchel bedenkt, sollte ich das vielleicht wirklich.“ Elian gab sich große Mühe, tadelnd zu klingen, aber die Sorge verdrängte jeden Hauch von gespieltem Ärger. Er tränkte einen Baumwolllappen mit klarem Schnaps und fasste Rhys‘ Kinn zwischen seinen Fingern. <br />
<br />
<i>Was ist nur in dich gefahren?</i> Er stellte die Frage nicht laut. Musste er nicht. Es war ja nichts Neues, dass Rhys von den anderen manchmal gegängelt wurde. Selbst der beherrschteste, zivilisierteste Soldat wurde irgendwann ausfallend. Außerdem hatten mit Sicherheit die anderen angefangen, und Rhys versuchte jetzt nur, Gesicht zu wahren, indem er sich nicht als Opfer hinstellte. <i>Wenn ich die erwische, werden sie sich wünschen, dass ich sie nur vors Disziplinargericht schleife…</i> Na gut, vermutlich würde er sich um ihre Verletzungen kümmern, weil es seine Pflicht war. Aber er würde dabei alles andere als sanft vorgehen. Sonst lernten sie ja nichts von der Erfahrung! <i>Hoffentlich hast du ein paar gute Treffer gelandet. Hart genug scheinst du ja zugeschlagen zu haben…</i><br />
<br />
Er war so vorsichtig wie möglich, während er die Verletzungen seines Freundes behandelte. <br />
„Und ich zweifle gar nicht daran, dass sie es verdient hatten…“ <br />
Er seufzte, tastete mit dem Finger über die Gesichtsknochen und blendete die Schmerzlaute so gut er konnte aus. Es tat ihm trotzdem fast körperlich weh, aber es musste sein. <br />
„Nicht gebrochen, du hast mehr Glück als Verstand. Ich näh‘ die tieferen Schnitte, und dann müssen wir für Kühlung sorgen, sonst bist du in ein paar Stunden faktisch blind. Und ich schreibe dir einen Brief für das Lazarett. Du kannst morgen unmöglich Dienst tun.“<br />
Er strich Rhys‘ die dunklen Locken aus der Stirn, seufzte. „Große Göttin… ich verspreche ich bin vorsichtig, aber wenn das keine Narbe gäbe, wäre es ein Wunder. Mit was haben sie dich geschlagen, einer Flasche?!“</div></blockquote>
<blockquote><div class="Taranis">„Ich fürchte, sie lassen sich ihre Wunden lieber von hübschen Mädchen besser küssen.“ <br />
Eher von Hafendamen auslecken, aber wofür gab es Worte für die Elianversion, wenn man sie dann nicht auch verwendete? Wobei sich Tanis nicht vorstellen konnte, dass eines der Mädchen oder eine der Frauen so sanfte Hände wie der Arzt hatte. <br />
Aber auch die sanftesten Finger konnten nicht verhindern, dass geprellte Knochen und Schnitte weh taten, wenn sie untersucht wurden. <br />
Rhys wimmerte mehr, als Tanis es sich selbst je gestattet hätte. Schwäche zeigen, das war an und für sich nie eine gute Idee. Aber auf der anderen Seite hatte er gerade sehr viele Ideen, die nicht allzu gut waren.<br />
<i>Wenn wir auf See wären könnte ich dir zeigen, was du mit diesen Fingern wirklich alles anstellen kannst...</i><br />
Der Gedanke wurde fortgewischt. Aber er war immer noch in Greifweite, lockend, bösartig. Sündhaft. Es war nicht gut, dass Tanis überhaupt an Land über so etwas nachdachte. Er konnte sich nicht einmal einreden, dass es nur die Schuld der beiden Offiziersanwärter gewesen wäre. Diese Gedanken kamen öfter, in unterschiedlicher Colour und er konnte sich selbst nicht gut belügen, um alle Träume zu vergessen, die ihn schweißgebadet und mit pochendem Herzen aufwachen ließen. <br />
„Vielleicht ist eine Narbe ganz gut. Damit wirke ich gefährlich.“<br />
Vielleicht konnte Elian es dann lesen, wenn es ihm nahezu auf der Stirn stand. Gefahr. Schlecht. Lauf. <br />
<i>Oder du könntest es ihn endlich einfach sehen lassen.</i><br />
Zumindest ein wenig. Nicht genug, um die Violin- und Zeichenstunden zu verlieren, aber vielleicht ausreichend, damit der Mediziner ihm nicht mehr so sanft die Haare aus dem Gesicht strich. <br />
„…..vielleicht sollten wir ein wenig….vielleicht sollten wir einmal etwas anderes tun.“<br />
<i>Deine Gedanken und Perversitäten sind dein eigenes Problem, Ives. Schleppen wir nicht den Schund aus dem Hurenkopf zu unserem platonischen Studenten des menschlichen Körpers.</i><br />
Das war leichter gesagt als getan. Man bekam einen Jungen durchaus aus dem Hurenhaus, aber das Hurenhaus nicht aus dem Jungen. Vor allem nicht aus jemandem, der so verdorben war wie er selbst und dann...dann…<br />
Tanis schluckte. Wenn Elian nicht so durch und durch gut und rein gewesen wäre, dass er ihn manchmal nahezu mit Andacht ansah...vielleicht hätte er dann nachgegeben. Es wurde so oder so mit jedem Tag schwerer.</div></blockquote>
<blockquote><div class="Elian">Elian konnte sich nur mit großer Mühe ein Lachen verkneifen. „Gefährlich?!“ Er räusperte sich, wollte schließlich die Gefühle des anderen nicht verletzen. <br />
„Ich zittere jetzt schon in den Stiefeln, Lieutenant,“ fügte er deutlich ernster an, aber das schalkhafte Funkeln verließ seine Augen dann doch nicht ganz. <br />
<i>Ich wünschte es wäre so einfach, aber falls sie dich mit einem Schlitz im Gesicht endlich in Ruhe lassen, soll’s mir recht sein, schätze ich…</i> <br />
Er wollte es sich ungern eingestehen, aber während die Vorstellung eines gefährlichen Rhys ihn eher belustigte, machten der Anblick vom Blut seines besten Freundes und der Klang seines Wimmerns ihn eher nervös. <i>Unprofessionell, Montrose. Reiß‘ dich gefälligst zusammen, um seinetwillen!</i><br />
Dieser Gedanke ernüchterte ihn schlagartig. „Hoffen wir mal, dass meine Hand dennoch ruhig bleibt.“<br />
Er arbeitete konzentriert, langsam – auch wenn es so leider länger dauerte, das hier war Rhys‘ Gesicht und er wollte es auf keinen Fall noch schlimmer verunstalten als es diese Grobiane bereits getan hatten. Vor jedem Stich atmete er aus, und hielt dann die Luft an, seine Zungenspitze ragte dabei leicht zwischen seinen Lippen hervor und über seiner Nase bildete sich eine kleine, schmale Falte. Erst wenn er den Faden durchzog und verknotete, atmete er wieder normal. Es war ein netter kleiner Trick, der zum Glück wirkte.<br />
Erst nachdem er den letzten Knoten gesetzt und den letzten Faden abgeschnitten hatte, wagte er es wieder, zu sprechen. <br />
„Etwas anderes als den Nachmittag mit medizinischen Arbeiten außer der Reihe zu verbringen, oder etwas anderes als literarische Gespräche? Wir müssen das Buch nicht besprechen. Sag einfach, falls es dir nicht gefallen hat – wir müssen ja nicht in allem einer Meinung sein.“<br />
<br />
Wobei es ihn schon hart treffen würde, wenn das der Fall wäre. Er persönlich hatte Die drei Musketiere von Alejandro du Masti regelrecht verschlungen. Vielleicht ein wenig vorhersehbar, und die Figuren etwas überzogen… aber das hatte erst den Spass ausgemacht!</div></blockquote>
<blockquote><div class="Taranis">Rhys seufzte leise und deutete ein Drehen der Augen an. Dass Elian nicht der Ansicht war, dass er gefährlich war, war nichts neues, auch wenn dieser Punkt Tanis manchmal verwirrte. Rhys du Cour war ein Offiziersanwärter und keiner, der sich schlecht anstellte. Es hatte nie in seinem Repertoire gelegen, ihn HARMLOS zu machen, aber offenkundig waren sie an diesem Punkt angekommen und wenn er ehrlich mit sich selbst war, hatte er nie sonderlich stark versucht, diesem Eindruck entgegen zu wirken. Er mochte es, dass Elian sich als der Stärkere von Ihnen vorkam. Nun, stärker war er vermutlich tatsächlich. Allerdings war es NIEDLICH, wie er manchmal Rhys zu Unsinn anstiftete und sich dabei vermutlich selbst als den bösen Jungen sah, der den guten Offizier zu Schabernack verführte. <br />
„Ich fürchte, du wirst niemals vor irgendetwas Angst haben.“ Nein. Elian Montrose hatte noch nicht genug Schlechtigkeiten in seinem Leben erlebt, um Angst vor etwas zu haben. „Wenn du irgendwann auf Piraten triffst, wird das ein Problem werden.“<br />
Er hatte nicht erwartet, dass Elian derart vorsichtig werden und lange brauchen würde. Es war ein wenig verwunderlich. Er ging mit einer Sorgfalt heran, die Tanis nicht einmal dann erwartet hätte, wenn sie bei ihm zu Hause gewesen wären und es um die Einkommensquelle des Hauses gegangen wäre. Alles in allem war Tanis selbst dankbar für jeden weiteren Punkt, der in Zukunft verhindern würde, dass er im Fall der Fälle für verfügbar gehalten wurde. <br />
<i>Ohnehin kein Problem mehr oder? Du bist zu alt mittlerweile und du wohnst auch nicht mehr im Bordell.</i><br />
Ein Schiff war natürlich nicht allzu viel anders, aber Piratenschiffe und auch Marineschiffe hatten ein Gutes: Wenn Männer einen einmal dabei gesehen hatten, wie man jemanden umbrachte, hielten sie einen nicht mehr für leichte Beute. Zumindest darum musste er sich also keine Sorgen machen. <br />
<br />
„Ich mochte das Buch.“, verbesserte er und fuhr sich neugierig mit einem Finger über die Naht, nur um bei dem Gefühl zusammen zu zucken. Ouch. <br />
Das Buch war tatsächlich gut gewesen, auch wenn er den armen D‘Artoro manchmal hatte anschreien wollen. Wie ein Welpe in einer Welt voller Wölfe. <br />
„Lady Autumn ist ein herausragender Charakter, aber…“ Er zögerte. Nun. Alles in allem musste es irgendwann einmal gesagt werden, wenn er nicht wollte, dass am Ende… Wenn er nicht wollte, dass Elian am Ende ein Ruf anhing, den man wahrlich nur sehr schwer wieder los wurde und den der Mann nicht verdiente. <br />
„…aber wir sollten vielleicht….fechten oder Schießen üben oder etwas dergleichen.“ Er seufzte tief und strich sich etwas Blut vom Gesicht. „Die Göttin weiß, dass ich offenkundig Übung brauche und…nun….es….“ Sowohl Rhys als auch Tanis taten sich für den Moment schwer, die richtigen Worte zu finden. „Es wäre weniger gefährlich, denke ich. Die Menschen fangen an zu reden.“</div></blockquote>
<blockquote><div class="Elian">Elian schnaubte. „Mir machen eine ganze Menge Dinge Angst, keine Sorge. Aber es wird in der Regel besser, wenn man sich dagegen wehrt.“ <i>Wird es das, wirklich?</i> Vater war nicht ‚besser‘ geworden, er hatte nur irgendwann Elian abgeschoben. Und Piraten, wurden die ‚besser‘, weil die Marine sich ihnen immer wieder entgegenstellte? Nein. Ein paar starben, neue rückten nach. Es nahm nie wirklich ein Ende. <i>Aber was haben wir schon, wenn wir die Flinte in den Urwald werfen und uns wehrlos drangsalieren lassen? Genauso viel Ärger, aber er fühlt sich auch noch so an als wäre er unsere Schuld. Da lass ich mir lieber nichts gefallen und stelle mich den Konsequenzen, die ich mir selber ausgesucht habe.</i><br />
<br />
Er schwieg für eine Weile, konzentrierte sich auf die Naht in Rhys‘ Gesicht, während er diesen Gedanken nachhing. Letzten Endes war es auch egal, wer wie viel Angst hatte und wie man damit umging. Geplänkel unter Freunden, nichts von langfristiger Konsequenz.<br />
<br />
Viel interessanter als diese Debatte war da schon der Roman, den Elian Rhys empfohlen hatte – und der glücklicherweise wohl doch positiv angekommen war. „Oh, gut!“ Der Arzt hob die Hand und klapste leicht auf die Finger seines Patienten. „Hey, nicht anfassen! Warte, ich decke das noch ab…“ Er suchte nach einer Bandage, die er auf die Stelle binden konnte, fand aber letztlich nichts, was bei einer so geringfügigen Kopfverletzung nicht vollkommen lächerlich ausgesehen hätte. „Oder… na gut, wir lassen es offen, aber tu‘ mir den Gefallen und kratz nicht durch meine Naht durch, ja? Du machst es nur schlimmer, und wenn sich das entzündet… urgh, es ist besser wenn es das nicht tut. Also sei‘ bisschen vorsichtig.“<br />
<br />
Rhys schien ihn nicht gehört zu haben, sondern kommentierte stattdessen einen Buchcharakter (der Elian eher wütend gemacht hatte, was für ein Miststück von Frau!), und wollte dann eine andere Aktivität vorschlagen. „Kämpfen? So wie du hier angerobbt gekommen bist?!“ Er schnaubte direkt noch einmal. „Soweit kommt’s noch! Ich sollte dir Bettruhe verordnen, du Wahnsinniger.“ Vielleicht wäre das gar nicht so dämlich. Von selber würde Rhys sowieso nicht stillhalten. Und als fertig ausgebildeter Arzt hatte Elian das Recht, ihn dienstuntauglich zu erklären, zumindest für eine kleine Weile. Würde ihm auf jeden Fall ein baldiges Treffen mit seinen Bullies ersparen… Erst da ging ihm die zweite Hälfte dessen, was sein Freund gesagt hatte, auf.<br />
„Moment mal… wer sagt was?!“ Er blinzelte, aber es machte schlicht keinen Sinn in seinem Kopf. „Leute reden über uns? Warum?“</div></blockquote>
<blockquote><div class="Taranis">„In aller Regel eskalieren sie eher.“ Er stellte es leise fest. Tanis war immer dafür gewesen, sich zu wehren. Es lag ihm nicht im Blut, Dinge einfach auf sich beruhen zu lassen. Aber er wusste, dass es oft genug einfacher gewesen wäre und seine Art sich zu wehren war nichts, was er mit Elian geteilt hätte. Es brachte einem Blut und dunkle Befriedigung. Und im schlimmsten Fall ein abgebranntes Bordell und eine tote Mutter. Nein, davon sollte Elian bitte gut die Finger lassen. <br />
Rhys du Coeur war auch niemand, der sich wirklich gewehrt hätte. Nicht so wie Tanis. Er sollte unauffällig sein – kein allzu leichtes Ziel, sicherlich, aber es war leichter, seine eigenen Rachegedanken im Zaum zu halten, wenn es nicht um ihn, Tanis, ging sondern um eine fiktive Person, die er spielte. Ganz davon abgesehen, dass er sich durchweg rächte, wenn wieder irgendwo ein Marineschiff verzweifelt nach Piraten suchte, die plötzlich verschwunden waren, als hätten sie geahnt, dass sie gesucht wurden oder aber wenn sie angegriffen und versenkt wurden. Wenn es nach ihm ging, würde die ganze verdammte Marine irgendwann brennen. <br />
Nun…vielleicht nicht die <i>ganze</i> Marine. Aber vielleicht bekam er Elian ja auch irgendwann dazu, sich doch bitte einen Posten auf dem Festland zu suchen, weit fort von dem ganzen Schlamassel. Der Mann war so oder so nicht für ein Leben auf See gebaut. Er genoss weiche Kissen und heiße Schokolade zu sehr dafür. <br />
„Es ist nicht meine erste Verletzung, <i>Sir</i>.“, gab er leise lächelnd zurück. Nein, Entzündungen konnte niemand gebrauchen, aber er hatte dennoch…er hatte dieses merkwürdige Bedürfnis, die Narbe zu betasten. Und wenn sie aufginge, müsste Elian sie neu behandeln…<br />
<i>Wir entwickeln merkwürdige Vorlieben, Ives… Reiß dich bitte zusammen, es wird peinlich.</i><br />
Es half natürlich nicht, das Wort Bettruhe von Elian zu hören. Aber auf der anderen Seite war es knuffig genug, dass der Mann annahm, ihn dazu verdonnern zu können. Er warf ihm einfach nur einen Blick zu, der ausdrücken sollte, dass seine Verletzungen nun wirklich nicht SO schlimm waren.<br />
Rhys seufzte leise, versuchte eine Augenbraue hochzuziehen und verzog dann das Gesicht, als das nur seine Wunden zu stark belastete. <br />
„Wir sind zwei Männer, die sich zu zweit die Zeit mit Poesie und Musik vertreiben. Was denkst du, warum sie über uns reden?“ Auf der anderen Seite… „Vielleicht besser, wenn du nicht drüber nachdenkst.“ Er schüttelte den Kopf. „Es ist nicht…es lässt sich sicherlich in den Griff kriegen, aber gerade für deine Karriere wäre es sicherlich besser, wenn wir uns zumindest teilweise andere Beschäftigungen suchen würden.“</div></blockquote>
<blockquote><div class="Elian">„Dann sollten Sie es inzwischen ja wohl besser wissen, nicht wahr, Lieutenant?“ Elian hob herausfordernd die Augenbrauen. „Wenn Sie in zwei Tagen mit einer Entzündung im Gesicht hier auftauchen, werde jedenfalls sehr ungehalten mit Ihnen sein.“ Lange hielt er die gespielte Strenge jedoch nicht aus, sondern musste unwillkürlich lachen. „Keine Sorge. Es sieht harmloser aus als vermutet. Fass einfach nicht andauernd dran herum, auch wenn es juckt. Und sag sofort Bescheid, wenn es sich heiß oder gespannt anfühlt!“<br />
<br />
Er beobachtete Rhys dabei, wie er eine Grimasse zog, und seufzte dann. „Sollen wir dir was gegen die Schmerzen suchen? Alkohol oder so?“ Der Schnitt fühlte sich trotz fachmännischer Behandlung sicher nicht gut an, vor allem, wenn Rhys darauf bestand, weiterhin ungehemmt seine Mimik zu benutzen.<br />
<br />
Was genau den anderen Soldaten im Kopf herum ging, konnte er sich jedenfalls nicht vollkommen ohne Weiteres erschließen. „Dass sie gerne mehr wie wir wären?“ Elian massierte sich die Nasenwurzel. „Nur weil wir nicht der tumben Masse entsprechen, heißt das noch lange nicht, dass wir Waschlappen sind… aber na gut. Wenn es dich beruhigt, können wir zur Fechthalle gehen. Aber du fasst mir heute keinen Degen mehr an, außer, um ihn in deine Truhe zu packen. Dass das gleich klar ist.“<br />
<br />
Rhys‘ zweite Bemerkung machte für ihn allerdings überhaupt keinen Sinn. „Für MEINE Karriere? Ich bin nicht derjenige von uns, der sich als möglichst tougher Kerl an die Front stellen muss. Für einen Arzt ist es tatsächlich von Vorteil, wenn er Bildung hat.“ Manchmal sagte Rhys schon komische Dinge. </div></blockquote>
<blockquote><div class="Taranis">„Ich trinke nicht ausreichend, um Schmerzen zu betäuben.“ Das war eine der wenigen Sünden, die er sich wirklich nicht auf die Fahnen schreiben konnte. Er mochte Alkohol, er mochte das Surren im Kopf, die Schwere in den Gliedern. Aber er hasste den Gedanken an Kontrollverlust oder daran, so zu sein, wie die ungepflegtere Klientel es einmal ein wenig gewesen war. <br />
Die Unschuld von Elian war nahezu besorgniserregend. Tanis machte sich Gedanken darum, wie es sein würde, wenn der Mann einmal mit den falschen Männern auf einem Schiff wäre, weit, weit fort von jedem, der ihm helfen könnte. <br />
Im schlimmsten Fall war er irgendwann mit TANIS auf einem Schiff und er wusste gut genug, dass er kein Heiliger war. Wochen mit Elian vor der Nase und keinem Bordell in der Nähe, in dem er die Frustration auf gesunde Art loswerden würde?<br />
Nein, das wäre etwas, was für sie beide übel ausgehen würde. Elian würde... nun, vermutlich viel von dem verlieren, was ihn ausmachte, abgesehen davon, dass er Tanis nie verzeihen würde und Tanis selbst… Es war eine Sache, wenn es geschah, um sich zu erleichtern. Das war auf hoher See nützlich und üblich und es zählte nicht. <br />
Mit Elian würde er sich an Land an alles erinnern. Mit Elian… es würde zählen. Vermutlich. <br />
Es war einer der Gründe, warum es besser war, nicht darüber nachzudenken. <br />
Tanis spürte, wie die Röte auf sein Gesicht kroch, während ihm kurz Bilder durch den Kopf schossen, was genau…. Nein, nein, NEIN! Er starrte zu Boden und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. „Nun. Du bist derjenige, der Männer anfassen muss. Und Soldaten haben etwas dagegen, wenn… wenn sie annehmen, dass du es zu sehr genießt… also… verstehst du, was ich sagen will?“</div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">All about us</div><br><font size=1>12. Februar 1819, früher Abend<br />
Taranis Ives ("Rhys du Coeur") & Elian Montrose<br />
<br />
<i>They say don't trust<br />
You, me, we, us<br />
So we'll walk<br />
We must<br />
'Cause of you, me<br />
And it's all about<br />
It's all about us</i></font></center><br />
<blockquote><div class="Taranis">„Du solltest die anderen sehen.“ <br />
Tanis war sich ein wenig unsicher, wie Rhys du Coeur in dieser Situation aussehen würde, also ließ er ihn für den Moment fallen, wie er ihn so oft fallen ließ, wenn er in der Nähe von Elian war. Er grinste und wusste, dass es seine Augen nicht erreichte. Wenn man bedachte, dass er möglicherweise sein Leben lang eine Narbe über dem Auge haben würde, konnte man das ihm wohl verzeihen. Und er konnte sich bereits vorstellen, dass Elian das wohl nicht wertschätzen würde. Die Situation oder irgendetwas anderes daran. Dabei war er auf gewisse Art Schuld an der ganzen Sache. <br />
<br />
<i> „Wir wollen nachher in die Silberne Muschel, du Coeur.“ <br />
Es war nicht einmal eine Frage, aber Tanis schüttelte nur den Kopf und streckte die Beine von sich, die Nase in dem Buch vergraben, über das er später mit Elian sprechen wollte. „Ich treffe mich später mit Montrose.“<br />
„Bring ihn mit.“<br />
Er schnaubte und lachte dann, kurz und hart. „HA! Sicherlich nicht.“<br />
Richard und Stephen warfen sich Blicke zu.<br />
„Ich bin mir sehr sicher, dass ich kein Interesse daran habe, was ihr zu sagen habt.“<br />
„Einer muss es mal sagen.“ Richard beugte sich vor und legte ihm beide Hände auf die Schultern. „Du verbringst zu viel Zeit mit dem Arzt.“<br />
„Man kann nicht genug Zeit mit guter Gesellschaft verbringen.“<br />
„Dann bring ihn endlich mal mit! Dann können wir uns endlich davon überzeugen, dass ihr nicht irgendwelche Doktorspielchen spielt, hm?“<br />
„…..bitte was?“<br />
„Du weißt doch was man über Doktoren sagt, hm? Stecken ihre Finger überall dorthin, wo sie nicht hingehören. Und dein kleiner Montrose macht es nicht besser mit all seinen weibischen Spielereien.“<br />
„Ich denke, ich habe nicht ganz verstanden, was du meinst.“<br />
„Ich meine, dass der kleine Arzt dir am Ende sagt, dass du dich vorbeugen sollst und –„<br />
Wirklich. Wenn er die Faust in seinem Gesicht nicht erwartet hatte, war sein Kopf nicht mehr ganz in Ordnung. Tanis schüttelte die Hand aus und grinste die beiden an. „Ich denke, die Damen werden nachher nicht viel Spaß an euch haben.“<br />
</i><br />
<br />
„Sie hatten es verdient.“, setzte er hinzu. Sein Gesicht war geschwollen, er hatte Schnitte und Prellungen an seinen Armen und Fäusten. Es wäre vermutlich besser gewesen, einfach abzusagen, aber…das konnte er nicht. Er hatte sich darauf gefreut, Elian heute zu sehen und er hatte seinen Zorn weglaufen wollen und dann hatte er plötzlich hier gestanden.</div></blockquote>
<blockquote><div class="Elian">„Wenn man den Status deiner Fingerknöchel bedenkt, sollte ich das vielleicht wirklich.“ Elian gab sich große Mühe, tadelnd zu klingen, aber die Sorge verdrängte jeden Hauch von gespieltem Ärger. Er tränkte einen Baumwolllappen mit klarem Schnaps und fasste Rhys‘ Kinn zwischen seinen Fingern. <br />
<br />
<i>Was ist nur in dich gefahren?</i> Er stellte die Frage nicht laut. Musste er nicht. Es war ja nichts Neues, dass Rhys von den anderen manchmal gegängelt wurde. Selbst der beherrschteste, zivilisierteste Soldat wurde irgendwann ausfallend. Außerdem hatten mit Sicherheit die anderen angefangen, und Rhys versuchte jetzt nur, Gesicht zu wahren, indem er sich nicht als Opfer hinstellte. <i>Wenn ich die erwische, werden sie sich wünschen, dass ich sie nur vors Disziplinargericht schleife…</i> Na gut, vermutlich würde er sich um ihre Verletzungen kümmern, weil es seine Pflicht war. Aber er würde dabei alles andere als sanft vorgehen. Sonst lernten sie ja nichts von der Erfahrung! <i>Hoffentlich hast du ein paar gute Treffer gelandet. Hart genug scheinst du ja zugeschlagen zu haben…</i><br />
<br />
Er war so vorsichtig wie möglich, während er die Verletzungen seines Freundes behandelte. <br />
„Und ich zweifle gar nicht daran, dass sie es verdient hatten…“ <br />
Er seufzte, tastete mit dem Finger über die Gesichtsknochen und blendete die Schmerzlaute so gut er konnte aus. Es tat ihm trotzdem fast körperlich weh, aber es musste sein. <br />
„Nicht gebrochen, du hast mehr Glück als Verstand. Ich näh‘ die tieferen Schnitte, und dann müssen wir für Kühlung sorgen, sonst bist du in ein paar Stunden faktisch blind. Und ich schreibe dir einen Brief für das Lazarett. Du kannst morgen unmöglich Dienst tun.“<br />
Er strich Rhys‘ die dunklen Locken aus der Stirn, seufzte. „Große Göttin… ich verspreche ich bin vorsichtig, aber wenn das keine Narbe gäbe, wäre es ein Wunder. Mit was haben sie dich geschlagen, einer Flasche?!“</div></blockquote>
<blockquote><div class="Taranis">„Ich fürchte, sie lassen sich ihre Wunden lieber von hübschen Mädchen besser küssen.“ <br />
Eher von Hafendamen auslecken, aber wofür gab es Worte für die Elianversion, wenn man sie dann nicht auch verwendete? Wobei sich Tanis nicht vorstellen konnte, dass eines der Mädchen oder eine der Frauen so sanfte Hände wie der Arzt hatte. <br />
Aber auch die sanftesten Finger konnten nicht verhindern, dass geprellte Knochen und Schnitte weh taten, wenn sie untersucht wurden. <br />
Rhys wimmerte mehr, als Tanis es sich selbst je gestattet hätte. Schwäche zeigen, das war an und für sich nie eine gute Idee. Aber auf der anderen Seite hatte er gerade sehr viele Ideen, die nicht allzu gut waren.<br />
<i>Wenn wir auf See wären könnte ich dir zeigen, was du mit diesen Fingern wirklich alles anstellen kannst...</i><br />
Der Gedanke wurde fortgewischt. Aber er war immer noch in Greifweite, lockend, bösartig. Sündhaft. Es war nicht gut, dass Tanis überhaupt an Land über so etwas nachdachte. Er konnte sich nicht einmal einreden, dass es nur die Schuld der beiden Offiziersanwärter gewesen wäre. Diese Gedanken kamen öfter, in unterschiedlicher Colour und er konnte sich selbst nicht gut belügen, um alle Träume zu vergessen, die ihn schweißgebadet und mit pochendem Herzen aufwachen ließen. <br />
„Vielleicht ist eine Narbe ganz gut. Damit wirke ich gefährlich.“<br />
Vielleicht konnte Elian es dann lesen, wenn es ihm nahezu auf der Stirn stand. Gefahr. Schlecht. Lauf. <br />
<i>Oder du könntest es ihn endlich einfach sehen lassen.</i><br />
Zumindest ein wenig. Nicht genug, um die Violin- und Zeichenstunden zu verlieren, aber vielleicht ausreichend, damit der Mediziner ihm nicht mehr so sanft die Haare aus dem Gesicht strich. <br />
„…..vielleicht sollten wir ein wenig….vielleicht sollten wir einmal etwas anderes tun.“<br />
<i>Deine Gedanken und Perversitäten sind dein eigenes Problem, Ives. Schleppen wir nicht den Schund aus dem Hurenkopf zu unserem platonischen Studenten des menschlichen Körpers.</i><br />
Das war leichter gesagt als getan. Man bekam einen Jungen durchaus aus dem Hurenhaus, aber das Hurenhaus nicht aus dem Jungen. Vor allem nicht aus jemandem, der so verdorben war wie er selbst und dann...dann…<br />
Tanis schluckte. Wenn Elian nicht so durch und durch gut und rein gewesen wäre, dass er ihn manchmal nahezu mit Andacht ansah...vielleicht hätte er dann nachgegeben. Es wurde so oder so mit jedem Tag schwerer.</div></blockquote>
<blockquote><div class="Elian">Elian konnte sich nur mit großer Mühe ein Lachen verkneifen. „Gefährlich?!“ Er räusperte sich, wollte schließlich die Gefühle des anderen nicht verletzen. <br />
„Ich zittere jetzt schon in den Stiefeln, Lieutenant,“ fügte er deutlich ernster an, aber das schalkhafte Funkeln verließ seine Augen dann doch nicht ganz. <br />
<i>Ich wünschte es wäre so einfach, aber falls sie dich mit einem Schlitz im Gesicht endlich in Ruhe lassen, soll’s mir recht sein, schätze ich…</i> <br />
Er wollte es sich ungern eingestehen, aber während die Vorstellung eines gefährlichen Rhys ihn eher belustigte, machten der Anblick vom Blut seines besten Freundes und der Klang seines Wimmerns ihn eher nervös. <i>Unprofessionell, Montrose. Reiß‘ dich gefälligst zusammen, um seinetwillen!</i><br />
Dieser Gedanke ernüchterte ihn schlagartig. „Hoffen wir mal, dass meine Hand dennoch ruhig bleibt.“<br />
Er arbeitete konzentriert, langsam – auch wenn es so leider länger dauerte, das hier war Rhys‘ Gesicht und er wollte es auf keinen Fall noch schlimmer verunstalten als es diese Grobiane bereits getan hatten. Vor jedem Stich atmete er aus, und hielt dann die Luft an, seine Zungenspitze ragte dabei leicht zwischen seinen Lippen hervor und über seiner Nase bildete sich eine kleine, schmale Falte. Erst wenn er den Faden durchzog und verknotete, atmete er wieder normal. Es war ein netter kleiner Trick, der zum Glück wirkte.<br />
Erst nachdem er den letzten Knoten gesetzt und den letzten Faden abgeschnitten hatte, wagte er es wieder, zu sprechen. <br />
„Etwas anderes als den Nachmittag mit medizinischen Arbeiten außer der Reihe zu verbringen, oder etwas anderes als literarische Gespräche? Wir müssen das Buch nicht besprechen. Sag einfach, falls es dir nicht gefallen hat – wir müssen ja nicht in allem einer Meinung sein.“<br />
<br />
Wobei es ihn schon hart treffen würde, wenn das der Fall wäre. Er persönlich hatte Die drei Musketiere von Alejandro du Masti regelrecht verschlungen. Vielleicht ein wenig vorhersehbar, und die Figuren etwas überzogen… aber das hatte erst den Spass ausgemacht!</div></blockquote>
<blockquote><div class="Taranis">Rhys seufzte leise und deutete ein Drehen der Augen an. Dass Elian nicht der Ansicht war, dass er gefährlich war, war nichts neues, auch wenn dieser Punkt Tanis manchmal verwirrte. Rhys du Cour war ein Offiziersanwärter und keiner, der sich schlecht anstellte. Es hatte nie in seinem Repertoire gelegen, ihn HARMLOS zu machen, aber offenkundig waren sie an diesem Punkt angekommen und wenn er ehrlich mit sich selbst war, hatte er nie sonderlich stark versucht, diesem Eindruck entgegen zu wirken. Er mochte es, dass Elian sich als der Stärkere von Ihnen vorkam. Nun, stärker war er vermutlich tatsächlich. Allerdings war es NIEDLICH, wie er manchmal Rhys zu Unsinn anstiftete und sich dabei vermutlich selbst als den bösen Jungen sah, der den guten Offizier zu Schabernack verführte. <br />
„Ich fürchte, du wirst niemals vor irgendetwas Angst haben.“ Nein. Elian Montrose hatte noch nicht genug Schlechtigkeiten in seinem Leben erlebt, um Angst vor etwas zu haben. „Wenn du irgendwann auf Piraten triffst, wird das ein Problem werden.“<br />
Er hatte nicht erwartet, dass Elian derart vorsichtig werden und lange brauchen würde. Es war ein wenig verwunderlich. Er ging mit einer Sorgfalt heran, die Tanis nicht einmal dann erwartet hätte, wenn sie bei ihm zu Hause gewesen wären und es um die Einkommensquelle des Hauses gegangen wäre. Alles in allem war Tanis selbst dankbar für jeden weiteren Punkt, der in Zukunft verhindern würde, dass er im Fall der Fälle für verfügbar gehalten wurde. <br />
<i>Ohnehin kein Problem mehr oder? Du bist zu alt mittlerweile und du wohnst auch nicht mehr im Bordell.</i><br />
Ein Schiff war natürlich nicht allzu viel anders, aber Piratenschiffe und auch Marineschiffe hatten ein Gutes: Wenn Männer einen einmal dabei gesehen hatten, wie man jemanden umbrachte, hielten sie einen nicht mehr für leichte Beute. Zumindest darum musste er sich also keine Sorgen machen. <br />
<br />
„Ich mochte das Buch.“, verbesserte er und fuhr sich neugierig mit einem Finger über die Naht, nur um bei dem Gefühl zusammen zu zucken. Ouch. <br />
Das Buch war tatsächlich gut gewesen, auch wenn er den armen D‘Artoro manchmal hatte anschreien wollen. Wie ein Welpe in einer Welt voller Wölfe. <br />
„Lady Autumn ist ein herausragender Charakter, aber…“ Er zögerte. Nun. Alles in allem musste es irgendwann einmal gesagt werden, wenn er nicht wollte, dass am Ende… Wenn er nicht wollte, dass Elian am Ende ein Ruf anhing, den man wahrlich nur sehr schwer wieder los wurde und den der Mann nicht verdiente. <br />
„…aber wir sollten vielleicht….fechten oder Schießen üben oder etwas dergleichen.“ Er seufzte tief und strich sich etwas Blut vom Gesicht. „Die Göttin weiß, dass ich offenkundig Übung brauche und…nun….es….“ Sowohl Rhys als auch Tanis taten sich für den Moment schwer, die richtigen Worte zu finden. „Es wäre weniger gefährlich, denke ich. Die Menschen fangen an zu reden.“</div></blockquote>
<blockquote><div class="Elian">Elian schnaubte. „Mir machen eine ganze Menge Dinge Angst, keine Sorge. Aber es wird in der Regel besser, wenn man sich dagegen wehrt.“ <i>Wird es das, wirklich?</i> Vater war nicht ‚besser‘ geworden, er hatte nur irgendwann Elian abgeschoben. Und Piraten, wurden die ‚besser‘, weil die Marine sich ihnen immer wieder entgegenstellte? Nein. Ein paar starben, neue rückten nach. Es nahm nie wirklich ein Ende. <i>Aber was haben wir schon, wenn wir die Flinte in den Urwald werfen und uns wehrlos drangsalieren lassen? Genauso viel Ärger, aber er fühlt sich auch noch so an als wäre er unsere Schuld. Da lass ich mir lieber nichts gefallen und stelle mich den Konsequenzen, die ich mir selber ausgesucht habe.</i><br />
<br />
Er schwieg für eine Weile, konzentrierte sich auf die Naht in Rhys‘ Gesicht, während er diesen Gedanken nachhing. Letzten Endes war es auch egal, wer wie viel Angst hatte und wie man damit umging. Geplänkel unter Freunden, nichts von langfristiger Konsequenz.<br />
<br />
Viel interessanter als diese Debatte war da schon der Roman, den Elian Rhys empfohlen hatte – und der glücklicherweise wohl doch positiv angekommen war. „Oh, gut!“ Der Arzt hob die Hand und klapste leicht auf die Finger seines Patienten. „Hey, nicht anfassen! Warte, ich decke das noch ab…“ Er suchte nach einer Bandage, die er auf die Stelle binden konnte, fand aber letztlich nichts, was bei einer so geringfügigen Kopfverletzung nicht vollkommen lächerlich ausgesehen hätte. „Oder… na gut, wir lassen es offen, aber tu‘ mir den Gefallen und kratz nicht durch meine Naht durch, ja? Du machst es nur schlimmer, und wenn sich das entzündet… urgh, es ist besser wenn es das nicht tut. Also sei‘ bisschen vorsichtig.“<br />
<br />
Rhys schien ihn nicht gehört zu haben, sondern kommentierte stattdessen einen Buchcharakter (der Elian eher wütend gemacht hatte, was für ein Miststück von Frau!), und wollte dann eine andere Aktivität vorschlagen. „Kämpfen? So wie du hier angerobbt gekommen bist?!“ Er schnaubte direkt noch einmal. „Soweit kommt’s noch! Ich sollte dir Bettruhe verordnen, du Wahnsinniger.“ Vielleicht wäre das gar nicht so dämlich. Von selber würde Rhys sowieso nicht stillhalten. Und als fertig ausgebildeter Arzt hatte Elian das Recht, ihn dienstuntauglich zu erklären, zumindest für eine kleine Weile. Würde ihm auf jeden Fall ein baldiges Treffen mit seinen Bullies ersparen… Erst da ging ihm die zweite Hälfte dessen, was sein Freund gesagt hatte, auf.<br />
„Moment mal… wer sagt was?!“ Er blinzelte, aber es machte schlicht keinen Sinn in seinem Kopf. „Leute reden über uns? Warum?“</div></blockquote>
<blockquote><div class="Taranis">„In aller Regel eskalieren sie eher.“ Er stellte es leise fest. Tanis war immer dafür gewesen, sich zu wehren. Es lag ihm nicht im Blut, Dinge einfach auf sich beruhen zu lassen. Aber er wusste, dass es oft genug einfacher gewesen wäre und seine Art sich zu wehren war nichts, was er mit Elian geteilt hätte. Es brachte einem Blut und dunkle Befriedigung. Und im schlimmsten Fall ein abgebranntes Bordell und eine tote Mutter. Nein, davon sollte Elian bitte gut die Finger lassen. <br />
Rhys du Coeur war auch niemand, der sich wirklich gewehrt hätte. Nicht so wie Tanis. Er sollte unauffällig sein – kein allzu leichtes Ziel, sicherlich, aber es war leichter, seine eigenen Rachegedanken im Zaum zu halten, wenn es nicht um ihn, Tanis, ging sondern um eine fiktive Person, die er spielte. Ganz davon abgesehen, dass er sich durchweg rächte, wenn wieder irgendwo ein Marineschiff verzweifelt nach Piraten suchte, die plötzlich verschwunden waren, als hätten sie geahnt, dass sie gesucht wurden oder aber wenn sie angegriffen und versenkt wurden. Wenn es nach ihm ging, würde die ganze verdammte Marine irgendwann brennen. <br />
Nun…vielleicht nicht die <i>ganze</i> Marine. Aber vielleicht bekam er Elian ja auch irgendwann dazu, sich doch bitte einen Posten auf dem Festland zu suchen, weit fort von dem ganzen Schlamassel. Der Mann war so oder so nicht für ein Leben auf See gebaut. Er genoss weiche Kissen und heiße Schokolade zu sehr dafür. <br />
„Es ist nicht meine erste Verletzung, <i>Sir</i>.“, gab er leise lächelnd zurück. Nein, Entzündungen konnte niemand gebrauchen, aber er hatte dennoch…er hatte dieses merkwürdige Bedürfnis, die Narbe zu betasten. Und wenn sie aufginge, müsste Elian sie neu behandeln…<br />
<i>Wir entwickeln merkwürdige Vorlieben, Ives… Reiß dich bitte zusammen, es wird peinlich.</i><br />
Es half natürlich nicht, das Wort Bettruhe von Elian zu hören. Aber auf der anderen Seite war es knuffig genug, dass der Mann annahm, ihn dazu verdonnern zu können. Er warf ihm einfach nur einen Blick zu, der ausdrücken sollte, dass seine Verletzungen nun wirklich nicht SO schlimm waren.<br />
Rhys seufzte leise, versuchte eine Augenbraue hochzuziehen und verzog dann das Gesicht, als das nur seine Wunden zu stark belastete. <br />
„Wir sind zwei Männer, die sich zu zweit die Zeit mit Poesie und Musik vertreiben. Was denkst du, warum sie über uns reden?“ Auf der anderen Seite… „Vielleicht besser, wenn du nicht drüber nachdenkst.“ Er schüttelte den Kopf. „Es ist nicht…es lässt sich sicherlich in den Griff kriegen, aber gerade für deine Karriere wäre es sicherlich besser, wenn wir uns zumindest teilweise andere Beschäftigungen suchen würden.“</div></blockquote>
<blockquote><div class="Elian">„Dann sollten Sie es inzwischen ja wohl besser wissen, nicht wahr, Lieutenant?“ Elian hob herausfordernd die Augenbrauen. „Wenn Sie in zwei Tagen mit einer Entzündung im Gesicht hier auftauchen, werde jedenfalls sehr ungehalten mit Ihnen sein.“ Lange hielt er die gespielte Strenge jedoch nicht aus, sondern musste unwillkürlich lachen. „Keine Sorge. Es sieht harmloser aus als vermutet. Fass einfach nicht andauernd dran herum, auch wenn es juckt. Und sag sofort Bescheid, wenn es sich heiß oder gespannt anfühlt!“<br />
<br />
Er beobachtete Rhys dabei, wie er eine Grimasse zog, und seufzte dann. „Sollen wir dir was gegen die Schmerzen suchen? Alkohol oder so?“ Der Schnitt fühlte sich trotz fachmännischer Behandlung sicher nicht gut an, vor allem, wenn Rhys darauf bestand, weiterhin ungehemmt seine Mimik zu benutzen.<br />
<br />
Was genau den anderen Soldaten im Kopf herum ging, konnte er sich jedenfalls nicht vollkommen ohne Weiteres erschließen. „Dass sie gerne mehr wie wir wären?“ Elian massierte sich die Nasenwurzel. „Nur weil wir nicht der tumben Masse entsprechen, heißt das noch lange nicht, dass wir Waschlappen sind… aber na gut. Wenn es dich beruhigt, können wir zur Fechthalle gehen. Aber du fasst mir heute keinen Degen mehr an, außer, um ihn in deine Truhe zu packen. Dass das gleich klar ist.“<br />
<br />
Rhys‘ zweite Bemerkung machte für ihn allerdings überhaupt keinen Sinn. „Für MEINE Karriere? Ich bin nicht derjenige von uns, der sich als möglichst tougher Kerl an die Front stellen muss. Für einen Arzt ist es tatsächlich von Vorteil, wenn er Bildung hat.“ Manchmal sagte Rhys schon komische Dinge. </div></blockquote>
<blockquote><div class="Taranis">„Ich trinke nicht ausreichend, um Schmerzen zu betäuben.“ Das war eine der wenigen Sünden, die er sich wirklich nicht auf die Fahnen schreiben konnte. Er mochte Alkohol, er mochte das Surren im Kopf, die Schwere in den Gliedern. Aber er hasste den Gedanken an Kontrollverlust oder daran, so zu sein, wie die ungepflegtere Klientel es einmal ein wenig gewesen war. <br />
Die Unschuld von Elian war nahezu besorgniserregend. Tanis machte sich Gedanken darum, wie es sein würde, wenn der Mann einmal mit den falschen Männern auf einem Schiff wäre, weit, weit fort von jedem, der ihm helfen könnte. <br />
Im schlimmsten Fall war er irgendwann mit TANIS auf einem Schiff und er wusste gut genug, dass er kein Heiliger war. Wochen mit Elian vor der Nase und keinem Bordell in der Nähe, in dem er die Frustration auf gesunde Art loswerden würde?<br />
Nein, das wäre etwas, was für sie beide übel ausgehen würde. Elian würde... nun, vermutlich viel von dem verlieren, was ihn ausmachte, abgesehen davon, dass er Tanis nie verzeihen würde und Tanis selbst… Es war eine Sache, wenn es geschah, um sich zu erleichtern. Das war auf hoher See nützlich und üblich und es zählte nicht. <br />
Mit Elian würde er sich an Land an alles erinnern. Mit Elian… es würde zählen. Vermutlich. <br />
Es war einer der Gründe, warum es besser war, nicht darüber nachzudenken. <br />
Tanis spürte, wie die Röte auf sein Gesicht kroch, während ihm kurz Bilder durch den Kopf schossen, was genau…. Nein, nein, NEIN! Er starrte zu Boden und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. „Nun. Du bist derjenige, der Männer anfassen muss. Und Soldaten haben etwas dagegen, wenn… wenn sie annehmen, dass du es zu sehr genießt… also… verstehst du, was ich sagen will?“</div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[GdV 2 - Vögel im goldenen Käfig]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=700</link>
			<pubDate>Fri, 11 Jan 2019 00:52:23 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=0">Cornelis Feuerbart</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=700</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"><span style="font-size: large;" class="mycode_size">Gesichter der Vergangenheit 2:<br />
Vögel im goldenen Käfig</span></span></div>
<br />
<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Sleep in peace, you members of the jury who condemned me to this place; sleep in peace."<br />
Henri Charrière, Papillon</span></div>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Das Licht der Morgensonne fiel golden durch den Spalt zwischen den Vorhängen und erhellte, zusammen mit einigen Kerzen, den Raum spärlich. Joannas Hand tauchte hinein, griff die Kante des Stoffes und zog sie leise über die Andere. Sie hatte Anweisung, van der Meers Zimmer bis zum nachmittägliche Besuch des Arztes Dunkel zu halten. Zumindest bis sie durch den Gast eine andere Anweisung erhielte. <br />
Der Herr hatte lange geschlafen, nachdem sie ihm gegen Mitternacht ins Bett geholfen hatte. Vielleicht hatte er es gebraucht, vielleicht lag es auch am Tee, den die Herrin des Hauses verordnet hatte. Diesem Hexenwerk war alles zuzutrauen. Selbst nach all den Jahren betrachtete das Dienstmädchen die Herrin mit einer gehörigen Portion Skepsis. <br />
Jetzt war es kurz nach der Unterrichtszeit des jüngeren jungen Herren und der hatte darauf bestanden, dass sie dem Gast Frühstück bereite, und ihm bescheid gäbe sobald er wach würde. Der Herr hätte mit ihm und seiner Schwester frühstücken wollen und auch wenn es jetzt Teezeit war, so wäre der Seemann sicher nicht an Kuchen und Süßigkeiten interessiert. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Frühstück um diese Zeit! Was wird dem jungen Herrn wohl als nächstes einfallen?"</span>, meinte sie zu den geschlossenen Vorhängen. Sie sprach weder laut, noch flüsterte sie, so wie es vom Personal erwartet wurde. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Vielleicht Reitunterricht in der Guten Stube?"</span><br />
<br />
Sie schüttelte den Kopf und ging zum Tisch um ihn einzudecken. Leise klang Porzellan und klackte Besteck. Die Geräusche waren so leise, sogar ein geflüstertes Gespräch hätte sie wahrscheinlich übertönt, doch da es sonst still war im Raum drangen sie gedämpft auch durch den Betthimmel an das Ohr des Schlafenden. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Bestimmt liegt es an den seltsamen Gepflogenheiten der Hausherrin"</span>, grübelte sie leise weiter. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Immerhin ist sie eine Arak, wenn auch eine überraschend zivilisierte. Und eine ausnehmend nette Person. Eigen aber wirklich sehr nett."</span><br />
<br />
Das Fauchen eines Streichholz war zu vernehmen, kurz darauf klackte erneut Geschirr. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Na, wenigstens das ist fast wie es zur Teezeit gehört."</span><br />
<br />
Normalerweise würden die Speisen und Getränke zu einem vereinbarten Zeitpunkt gemacht und gebracht und nicht auf einem Stövchen warm gehalten, aber das war noch etwas, mit dem sie leben konnte, das vorkam, wenn der Hausherr sich verspätete oder jemand krank war, aber Frühstück am Nachmittag? Ein Unding was die Etikette betraf. <br />
Sie horchte auf: <br />
Hatte sich etwas im Bett geregt? <br />
Dann machte sie weiter, fing an Alles an Lebensmitteln bereitzustellen, dass nicht möglichst kühl gelagert werden musste. Ab jetzt vermied sie es auch laut zu denken und fürchtete Cornelis hätte etwas von dem Gesagten gehört...</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Nur langsam drang das Hier und Jetzt durch den Schlaf der Genesung, der Cornelis seit der späten Nacht in seinem Bann hielt. Als erstes hörte er ein zischendes Geräusch, das ihn zunächst verwirrte, das er danach jedoch als das Zünden eines Streichholzes einordnen konnte. Mit einem leisen, unwilligen Brummen wandte er den Kopf von der Wandseite um in Richtung der Geräusche, die nun in sein Bewußtsein drangen. Die leisen Worte des Mädchens waren bis dahin noch nicht zum ihm vorgedrungen, so daß er nicht wußte, was sie vor sich hingemurmelt hatte.<br />
<br />
Einen Moment lag er nun wach in dem Bett und öffnete die Augen nicht. Ihm graute vor dem Gedanken, die Lider zu heben und sich dennoch in völliger Dunkelheit wiederzufinden. Doch schließlich seufzte er tief und öffnete langsam die Augen.<br />
Doch was war das?! Ein heller Punkt befand sich in seinem sonst noch dunklem Gesichtsfeld. Es war die Flamme der Kerze, was er jedoch noch nicht erkennen konnte. Ungläubig schloß er die Augen noch einmal und öffnete sie dann wieder. Doch der helle Punkt verschwand nicht!<br />
<br />
Ein Laut von Überraschung und Freude sprang von seinen Lippen. In der Aufregung seinen lädierten Kopf vergessend, erhob er sich zu schnell aus den Kissen, so daß der einsetzende stechende Schmerz im Kopf ein gequältes Stöhnen von seinen Lippen riß, doch hinderte es ihn nicht daran, sich vollends aufzusetzen und die Beine über die Bettkante zu schwingen.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Enrique!"</span>, rief er halblaut, in der Erregung die Möglichkeit, daß der Junge nicht hier sein könnte, gar nicht erst in Betracht ziehend. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Enrique, es kommt wieder!"</span> Ein kurzes Stocken, dann wurde aus dem Ruf eher ein Flüstern: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Bei den Göttern, es kommt wieder - ich werde wieder sehen können."</span> Danach erstarb Cornelis´ Stimme in einem halb unterdrücktem Schluchzer und heiße Tränen der Erleichterung und Freude liefen sein Gesicht hinab, das er inzwischen in seinen großen Pranken verborgen hatte.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Joanna richtete die letzte Gabel und bewegte sich anschließend mit dem Tablett Richtung Tür, öffnete diese und stellte das Tablett auf den Küchenwagen. Dann schloss sie leise die Zimmertür. <br />
Sie wollte sich gerade auf den Stuhl vor der Tür setzen und weiterstricken, als Cornelis Ausruf sie überrascht inne halten ließ.<br />
Eilig legte sie die Sachen zurück und eilte wieder hinein, auch dieses Mal die Tür sorgfältig schließend. Leise Schritte bewegten sich auf Cornelis zu. Dabei ergriff sie das Wort:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Herr? Geht es ihnen gut? Ist alles in Ordnung? Oh Gott, Herr, ihr solltet liegen bleiben!"</span><br />
<br />
Das Zimmermädchen hielt abermals inne, wusste nicht, ob sie Cornelis zurück ins Bett befördern sollte oder nicht. Da sie Anweisung hatte den Besuch nicht alleine zu lassen betätigte sie die Klingelschnur. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Soll ich den Arzt rufen lassen Herr?"</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Cornelis hörte die Schritte erst gar nicht und wurde durch die halblaut gesprochenen Worte der jungen Frau aufgeschreckt. Schnell richtete er sich etwas auf und wischte zuvor noch verstohlen die Tränen aus seinem Gesicht. Er richtete sein Gesicht in Richtung der Stimme aus... Bewegten sich dort nicht die Schatten ein wenig? Ein erleichtertes und freudiges Lächeln erschien auf seinem Gesicht und seine Augen richteten sich sogar grob auf Joannas aus, auch wenn sie sie noch nicht wirklich zu fixieren vermochten. <br />
Er schloß für einen Moment überlegend die Augen. Er kannte diese Stimme doch...<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ach, Joanna, richtig? Sie waren heute Nacht schon bei mir, oder wann es war als ich ins Bett gegangen bin. Ob alles gut ist, fragen Sie? Es ist besser, alles WIRD wieder gut. Da, ich sehe es."</span><br />
<br />
Sein Blick richtete sich gen dem Tisch und auf die Flamme der Kerze aus. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Dort ist ein Licht in der Dunkelheit."</span> Seine Stimme klang nun erstickt und ganz gegen seine sonstige Beherrschung stahlen sich zwei Tränen aus seinen Augenwinkeln. Hatte er doch noch gestern gedacht, sein Leben sei endgültig vorbei, konnte er nun wieder Hoffnung schöpfen, daß alles wie früher wurde.<br />
<br />
Unbeweglich starrte er in Richtung der Kerze, diesem kleinen Licht der Hoffnung. Er wandte auch den Blick nicht ab, als er Joanna auf ihre letzte Frage antwortete.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Nein, ich brauche keinen Arzt. Der Junge, Enrique, können Sie ihn holen?"</span> Er hatte das Gefühl, daß er es dem Knaben, der sich am Vortag so rührend um ihn gekümmert hatte, schuldig war direkt mitzuteilen, daß es ihm besser ging.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Bitte verzeiht Herr, ich wollte euch nicht erschrecken!"</span>, entschuldigte sich Joanna und war erleichtert, als sie das Strahlen auf seinem Gesicht sah.<br />
<br />
Noch ein emotionaler Mann in diesem Haus.<br />
Dem jungen Herrn kam der Steuermann zwar nicht gleich aber gut, dass mochte erklären, warum Enrique diesen hierher gebracht hatte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ja Herr, das war ich."</span><br />
<br />
Ihr Blick folgte seinem grob zur Kerze.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Das freut mich zu hören."</span><br />
<br />
Sie lächelte und dachte sich ihren Teil, da sie Cornelis empfinden nicht nachvollziehen konnte, noch nie in so einer Situation gewesen war.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich— Ja?"</span><br />
<br />
Ein leises Klopfen unterbrach sie. Die Tür wurde geöffnet und jemand trat ein. Wie sie erwartet hatte war es der Butler des Hauses.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Was gibt es, Joanna?"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Würdet ihr bitte dem jüngeren jungen Herrn und der jungen Herrin bescheid geben, dass unser Gast bereit ist?"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Braucht der Herr sonst noch etwas?"</span><br />
<br />
Sie wandte sich zu Cornelis:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Brauchen Sie sonst noch etwas? Und es ist ihnen doch recht? Die jungen Herrschaften sagten, sie hätten zusammen speisen wollen und alles ist dafür bereit."</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Cornelis irritierte es schon, daß er hier immer "Herr" genannt wurde, doch er war in diesem Hause Gast und würde sich den gegebenen Gepflogenheiten beugen. Auf Joannas Entschuldigung hin winkte er nur ab, war er doch im Moment viel zu froh, um auch nur irgendetwas krumm zu nehmen.<br />
<br />
Dann wurde an die Tür geklopft und er hörte eine weitere Stimme, die Stimme eines Mannes, der fragte, was es gäbe. Cornelis hatte sich inzwischen wieder völlig unter Kontrolle und die Tränenspuren endgültig aus seinem Gesicht gewischt. Doch runzelte er die Stirn, als der Butler sprach. Das war eins der Dinge, die ihn am meisten störte: Menschen sprechen zu hören, die er nicht sehen konnte. <br />
<br />
Auf die Nachfrage, ob er noch etwas bräuchte, antwortete er: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Es wäre nett, wenn Sie mir etwas zu trinken geben würden. Mein Mund ist so trocken wie die Wüste. Ansonsten warte ich jetzt auf die jungen Herrschaften."</span> Wobei er die "jungen Herrschaften" in leicht amüsiertem Ton aussprach.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Sehr wohl Herr."</span><br />
<br />
Joanna knickste aus reiner Gewohnheit. Dann griff sie zum Krug und goss Wasser in das Glas, das sie Cornelis dann vom Nachtschrank reichte.<br />
<br />
Der Butler schloss leise die Tür von außen und ging.<br />
<br />
***<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Er ist endlich wieder waaahhhAAACH!"</span>, rief Enrique von der Tür. <br />
Isabella zuckte nur leicht zusammen und lächelte ihren Bruder an.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Geh schon!"</span>, antwortete sie leise, <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"ich bin nicht so schnell wie du."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Nichts da!"</span><br />
<br />
Er stürmte zu ihr, ergriff ihre Hand und zog sie erst auf die Beine, dann hinter sich her.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wir sollen doch im Haus nicht laufen!"</span>, mahnte sie heiter.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aber van der Meer wartet!"</span><br />
<br />
Und so eilten sie Hand in Hand zu den Gästezimmern.<br />
<br />
***<br />
<br />
Derweil hatte Joanna den Verletzten zum Tisch geleitet, der Butler das Essen gebracht und Letztere sich wieder verabschiedet. <br />
<br />
*<br />
<br />
Vor der Tür wurden sie dann doch langsamer, zum einen konnte Joanna wieder dort sitzen, falls Cornelis sie dorthin gebeten hatte, zum anderen war Enrique plötzlich überraschend nervös. Seit dem Abendessen ging ihm eine Idee im Kopf herum und er musste sie unbedingt Cornelis unterbreiten. Was aber, wenn er gar nicht darüber reden wollte oder sie ihm nicht gefiele?<br />
Und so war es das Mädchen, das am Ende den Jungen mitbrachte und klopfte.<br />
<br />
*<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ihr Besuch ist hier Herr."</span><br />
<br />
Joanna hatte die Tür geöffnet. Isabella zog ihren Bruder mit hinein, der am liebsten wieder umgedreht wäre.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Guten Tag Señor!"</span>, wünschte sie leise. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"¡B-Buenas tardes!"</span>, kam es daraufhin genuschelt von ihrem Begleiter.<br />
<br />
Enrique war hochrot im Gesicht und völlig verunsichert, auch weil er keine Ahnung hatte, in welchem Zustand der Steuermann war oder welche Laune der hatte. Ein Was-wäre-wenn-Szenario nach dem anderen lief in seinem Kopf schlimmer and schlimmer aus dem Ruder...</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Cornelis trank das Wasser und reichte den Becher dankend Joanna zurück. Danach ließ er sich brav von dieser an den Tisch führen und auf den Stuhl bugsieren. Wäre ihm das gestern noch zutiefst zuwider gewesen, vermochte es heute seine Laune um kein Stück zu trüben. Statt dessen saß er nun mit freudigem Lächeln am Tisch und hielt seinen Blick weiterhin auf dieses nun ein wenig größer gewordene Licht gerichtet, das zu ihm durchdrang.<br />
<br />
Als es an der Tür klopfte, wandte er den Blick in diese Richtung. Und wieder schienen die Schatten nicht mehr ganz so durchdringend zu sein und sich zu bewegen. Dementsprechend war sein Blick auch grob auf die beiden Ankömmlinge ausgerichtet, als diese den Raum betraten. Auf ihre Begrüßung entgegnete er in einem Ton, der freudiger nicht sein konnte: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Hallo ihr beiden. Mögt ihr meiner Einladung folgen und mit mir essen?"</span> Dann glitt sein Blick zurück zur Kerze, blieb gebannt an der Flamme hängen und man konnte sehen, daß seine Augen tatsächlich darauf ausgerichtet waren!</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Si Señor. Sehr gerne"</span>, erwiderte das Mädchen leise. <br />
<br />
Isabella lächelte ob Cornelis guter Laune und bugsierte ihren Bruder zu einem der Stühle. Danach ließ sie sich auf den Anderen helfen.<br />
Derweil führte das Dienstmädchen die Hand des Steuermannes sanft über den Tisch. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Hier steht ihre Tasse Herr. Sagen sie mir einfach ob sie Tee oder Kaffee möchten. <br />
"Hier steht ihr Teller. <br />
"Hier drüben sind Sandwiches, rechts mit Käse und Gurke, links mit Hühnchen und Tomate. <br />
"Hier stehen Haferflocken. Milch, Sahne, Früchte, Zimt oder Zucker kann ich ihnen gerne hineinmischen. <br />
"Ansonsten stehen Toast, Rührei, gebackene Bohnen, Würstchen, Lachs und Hering bereit. Oder falls Ihnen danach ist auch Marmelade, Honig und Pflaumenmus."</span> <br />
<br />
Dann wartete sie darauf, dass der Herr sein Frühstück wählte. <br />
Joanna zog sich danach in den Hintergrund zurück, darauf wartend, ob die Herrschaften noch etwas bräuchten. <br />
<br />
Enrique betrachtete zunächst Cornelis Gesicht und folgte dessen Blick.<br />
Konnte der die Kerze etwa sehen? Oder gar wieder alles? Falls ja wäre es das mit seiner schönen Idee. <br />
Im Gegensatz zu sonst fehlten ihm auch deshalb immer noch die Worte, obwohl es ihn freute, dass der Seebär guter Stimmung war.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Sags ihm"</span>, flüsterte Isabella Enrique zu. Die Idee stimmte sie zwar traurig aber sie hatte auch schöne Seiten.<br />
Erst wollte er protestieren, dann meinte er kleinlaut:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich hatte gestern Abend eine Idee, die Ihnen helfen könnte... Falls sie sie überhaupt noch brauchen."</span><br />
<br />
Er hatte sich und Isabella das ganze so schön ausgemalt, sich überlegt, wie der Rotbart darauf reagieren könnte. Und jetzt? Jetzt war das bestimmt nicht mehr nötig...</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Cornelis ließ sich von Joanna einen Kaffee mit viel Zucker und Milch machen. Dann ließ er brav seine Hand führen um zu erfahren, wo was stand. Doch irgendwann mittendrin zog er seine Hand zurück und sagte lachend:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Danke, aber das reicht. Ich bleibe bei den Butterbroten, die kann ich wenigstens halbwegs unfallfrei essen im Moment."</span><br />
<br />
So schob er vorsichtig seine Hand nach vorne in die Richtung, in der das Dienstmädchen ihm zuvor die Sandwiches gezeigt hatte. Dabei stieß er an das Zuckerdöschen und warf dieses um. Nein, seine Bewegungen machten eindeutig, daß er noch nicht viel wieder sah, wenn überhaupt. Aber er schaffte es doch, sich eines von den fertigen Broten auf seinen Teller zu legen, auch wenn es nicht in der Mitte, sondern ziemlich an einem Rand zu liegen kam.<br />
<br />
Mit freudestrahlendem Gesicht wandte er sein Antlitz in die Richtungen, aus denen er zuletzt die Stimmen der Kinder vernommen hatte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Enrique, Isabella, da ist ein Licht. Ein Licht durchdringt die Dunkelheit - jetzt wird alles wieder gut."</span><br />
<br />
Und er sah wieder zur Kerze und streckte die Hand nach der Flamme aus. Da er jedoch Entfernungen noch nicht wieder einschätzen konnte, langte er in die Flamme hinein und zog die Hand schnell und leicht wedelnd wieder zurück. Danach erfüllte sein tiefes Lachen das Zimmer, das, durchtränkt mit soviel Freude, einfach nur ansteckend war.<br />
<br />
Danach eröffnete Enrique ihm, daß er eine Idee gehabt hätte, und er wandte seinen Blick wieder dem Jungen zu, wobei er diesen noch nicht zu fixieren vermochte, da das Gesicht noch in den Schatten lag. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ja, du hattest eine Idee für mich? Dann immer heraus damit. Bis jetzt war deine Hilfe jedenfalls sehr gut."</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Vorsicht Herr!"</span> <br />
<br />
Joanna trat sofort herbei, schob ihm die Sandwiches näher und kümmerte sich anschließend um den Zucker.<br />
Dann teilte er sich den Kindern mit. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wie schön!"</span><br />
<br />
Isabella klatschte begeistert in die Hände. Da erklang schon von der anderen Seite ein möglicherweise vertrauter Warnruf:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"¡Ojo!"</span><br />
<br />
Doch Enrique war dieses Mal nicht schnell genug um Schaden von Cornelis abzuwenden. Stattdessen stieß er seinen Tee und den Kerzenhalter um und stürzte die Kerze auf den Aufschnitt.<br />
Joanna betrachtete die Katastrophe mit resignierter Gelassenheit. Jetzt wusste sie, welches Chaos der Junge Herr bei diesem Essen anrichten würde und hoffte, dass es nicht noch mehr werden würde. Sie eilte zu ihm. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Junger Herr, eure Hilfsbereitschaft ehrt euch, aber bitte gebt ein wenig mehr acht auf das was ihr tut. Jetzt habt ihr euch überall bekleckert."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"¡Lo siento, Joanna! Aber das ist nur Tee auf der Kleidung und die kann man waschen. Das tut nicht weh. Wenn man sich verbrennt schon."</span><br />
<br />
Das Zimmermädchen seufzte Verhalten und knickste. Dann kümmerte sie sich weiter um die Eingrenzung der Überflutung.<br />
Ob van der Meers Lachen musste aber auch sie schmunzeln.<br />
Nur Enrique brauchte einen Moment länger und so musste ihr Besuch tatsächlich nachfragen.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich— Ich—“</span><br />
<br />
Da hatte er plötzlich die Erkenntnis, dass das so ja noch viel besser war und seine Begeisterung sprudelte über:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aber das ist ja wunderbar Sir! Dann werden sie bestimmt auch wieder richtig sehen können. Und bis dahin werde ich für sie gucken! Dann brauchen wir nämlich nicht bis dahin zu warten sondern können sofort los — oder spätestens dann wenn sie sich wieder richtig fit fühlen. Es geht ihnen doch schon besser, richtig? Und sie wollen doch bestimmt nicht im Bett liegen bleiben oder? Also werde ich ihre Augen sein! Dann können wir zusammen die Inselwelten erkunden. Ich sage ihnen was ich sehe und sie sagen mir wo ich hingucken muß oder wie ich die Instrumente lese, damit ich ihnen sagen kann was die anzeigen. Und später können sie mir dann auch richtig den Rest beibringen! Ich will nämlich auch zur See fahren. Ich dachte zwar erst an später aber warum nicht jetzt? So hätten wir nämlich beide was davon. Wir müssen nur noch ihren Capitán überzeugen Sir."</span><br />
<br />
Kurz hielt er inne und besann sich, dass es unhöflichen war etwas über den Kopf einer anderen Person zu entscheiden. Also fragte er:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Und? Was meinen sie? Wäre das nicht was?" </span><br />
<br />
Voll Hoffnung und Begeisterung sah er zu Cornelis auf und wartete auf dessen Antwort.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Cornelis hörte ein Scheppern, als Enrique seine Tasse umkippte, dann sah er das Licht sich senken und erlöschen, als das Wachs den Docht übergoß. Sofort wurde ihm wieder mulmig zumute, als die Dunkelheit von ihm erneut Besitz ergriff. Deshalb erstarb sein Lachen auch ziemlich aprupt und er bat:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Bitte, kann das Licht wieder angezündet werden."</span><br />
<br />
Als dies geschehen war, folgte er Enriques Ausführungen, wobei sein Gesichtsausdruck immer zweifelnder wurde. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Nun ja"</span>, begann er vorsichtig. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich weiß ja nicht genau, wie alt du bist, aber mit 12 wurde ich Schiffsjunge. Ich glaube, du bist auch nicht weit davon weg, so wie ich deine Stimme einschätze. Aber: Was würden deine Eltern dazu sagen? Und wenn du es um jeden Preis willst, so wie ich damals, müßtest du bereit sein, von Zuhause wegzugehen und die Möglichkeit in Kauf nehmen können, daß du nie wieder zurückkehren kannst. Könntest du das wirklich?"</span> <br />
<br />
Er schwieg einen kurzen Moment. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Mal ganz abgesehen davon, daß eine gute schulische Ausbildung dir im Leben oftmals weiterhelfen kann. Und ich denke doch, daß du diese hier bekommst."</span> Er dachte dabei an das, was er vom Hause Don Jorges bisher mitbekommen hatte - Dienstmädchen und Butler... das waren keine armen Leute.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Der Steuermann hatte kaum die Bitte geäußert, da fauchte auch schon wieder ein Streichholz und brachte den Lichtpunkt zurück.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"¡Lo siento Sir!"</span>, kam es dabei leise von Enrique in Cornelis Richtung. Direkt danach befand er sich dann mit Joanna im Gespräch.<br />
<br />
Als sein Vorschlag dann auf wenig Gegenliebe zu stoßen schien bildete sich ein Klumpen in der Magengegend des Jungen.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich bin jetzt bald 11"</span>, erklärte er dann, während er überlegte, wie er van der Meer doch überzeugen könnte, <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"also gar nicht weit davon weg! Bibi wird es mir bestimmt erlauben und Baba kriege ich auch noch überzeugt, dass das für mich besser ist als Händler zu werden. Und selbst wenn ich nicht zurückkommen kann, dann treffen wir uns eben bei unserer Großmutter Isa. Da kann Baba nichts gegen machen! Das geht schon Sir."</span><br />
<br />
Anfangs unsicher mischte sich nach und nach wieder mehr Begeisterung in Enriques Stimme, je mehr er Lösungen fand.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aber wenn sie wirklich meinen ich soll erst noch lernen, dann... Dann lerne ich hier eben noch bis ich genug weiß und sie können mir die Sachen erklären, die ich dann später auf See brauche. Und wenn ich dann genug weiß, dann komme ich mit auf See. Bis dahin haben meine Eltern dann auch bestimmt nichts mehr dagegen!"</span><br />
<br />
Wieder strahlte er über das ganze Gesicht.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Das wird bestimmt wundervoll! Meinen Sie nicht auch? Und wir haben Zeit das mit 'ich gucke für sie' zu üben, bis sie wieder richtig schauen können, dann wird das auf See auch nicht so gefährlich, dann können wir das ja schon oder sie wieder richtig sehen. Das ist also auch gar nicht so schlecht meint ihr nicht?"</span><br />
<br />
Er sah zwischen den Beiden hin und her und erhielt von Isabella ein warmes, glückliches Lächeln.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“Und Isa kann Anfangs mit uns kommen, oder? Dann macht das alles noch viel mehr Spaß!"</span><br />
<br />
Das Mädchen kicherte hinter vorgehaltener Hand.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Sofort erschien wieder das glückliche Lächeln auf Cornelis´ Gesicht, als der Lichtpunkt zurückgekehrt war. Er lauschte Enriques Ausführungen, dabei führte er das Sandwich zum Mund und aß es mit einigen großen Bissen einfach auf. Man konnte sehen, daß er es gewohnt war schnell zu essen, da auf dem Schiff oftmals nicht die Zeit für lange Mahlzeiten war.<br />
Als der Junge geendet hatte nickte er.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ja, ich denke auch es ist das beste, wenn du zunächst einmal deine Ausbildung fortführst. Und wenn du dann immer noch zur See fahren möchtest, dann bringe ich dich gerne dorthin. Da drehe ich dann schon etwas für dich. <br />
<br />
Aber jetzt können wir das gerne machen, daß du meine Augen bist und natürlich darf uns Isa gerne begleiten, wenn sie möchte."</span><br />
<br />
Danach bat er darum, daß jemand seine Hand zu seiner Tasse führen möge, damit er seinen Kaffee trinken konnte.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich weiß jetzt schon, dass ich dann immer noch zur See fahren will! Ganz bestimmt!"</span>, sprudelte es weiter aus ihm heraus.<br />
<br />
Joanna half Cornelis derweil beim Trinken.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich kenne jetzt schon fast alle Geschichten über Don Martin. Señor Cortés war nahezu überall, sooo viel hat er entdeckt! Und genau das will ich auch machen. Ich will ein genau so berühmter Entdecker werden!<br />
"Oder wie Philippe Soar gegen Piraten kämpfen oder mit Tairani guami'roa durch einen Huraca'n segeln oder wie Steven Lovejoy gegen Seeungeheuer kämpfen und Schätze heben. Oder wie Señor Alfredo Garcia die Schiffahrt revolt- reval- grundlegend erneuern oder wie Anacaona gegen Riesen Kämpfen..."</span><br />
<br />
Er versuchte sich zu bremsen, aber er war Feuer und Flamme, Namen purzelten nur so von seinen Lippen, reale und fiktive Personen, Seefahrer, Abenteurer, Ingenieure, Navigatoren, Schiffsbauer, Ärzte, Wissenschaftler und Entdecker aller Stände und Bekanntheit gaben sich eine Stelldichein. Ob gelesen oder erzählt bekommen, er kannte sie alle. <br />
Waren Cornelis die Namen unbekannt, so bräuchte er das nur zu erwähnen und der Zehnjährige würde anfangen dem Steuermann von ihnen zu erzählen.<br />
Isabella genoss den fröhlichen, nur gelegentlich unterbrochenen Redefluss und das glückliche Lächeln des Seemanns. Ihr war es recht still dabeizusitzen.<br />
<br />
So Cornelis Enrique nicht unterbrechen würde um selbst ein Thema anzuschneiden oder den Tisch zu verlassen wären sie also gut unterhalten. Auch Enrique war ein schneller Esser, gab es doch so viel zu tun oder zu sagen. Darüber vergaß er nur für eine kleine Weile seinen Plan, danach fing er an, Joannas Aufgabe zu übernehmen und Cornelis beim Essen zu helfen.<br />
Sie waren schon eine kleine Weile damit fertig als es an die Tür klopfte und der Butler damit den Jungen unterbrach:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Doctor Carstairs ist hier. Ich werde ihn verständigen, sobald die Herrschaften bereit sind ihn zu empfangen."</span><br />
<br />
Dabei sah und sprach er hauptsächlich Cornelis an und wartete auf dessen Reaktion, auch wenn Enrique bereits antwortete:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Dann holen sie ihn! Wir haben wunderbare Neuigkeiten für ihn!"</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Natürlich kannte auch Cornelis als eingefleischter Seebär all die Namen und so waren er und Enrique bald in ein angeregtes Gespräch über diesen oder jenen Kapitän oder Entdecker verstrickt. Dabei frühstückte Cornelis mit Hilfe des Jungen ausgiebig und lehnte sich schließlich gemütlich im Stuhl zurück, um das Gespräch weiterzuführen. <br />
<br />
Nur eine kleine Weile später klopfte es an der Tür und der Butler kündigte die Ankunft des Arztes an. Cornelis schmunzelte, als Enrique ihm aufgeregt die Antwort vorausnahm und bestätigte seine Worte gegenüber dem Butler. Während sie nun darauf warteten, daß dieser mit dem Arzt zurückkehren würde, fragte Cornelis Enrique:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Möchtest du eurem Arzt von meinen Fortschritten berichten?"</span> Er glaubte, dem Jungen einen Gefallen damit zu tun, ihm eine so "wichtige" Aufgabe zu übertragen.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Hätte Enrique darüber nachgedacht, ihn hätte es wohl irritiert, dass Cornelis nicht nach den Helden der Ara'tayu fragte, doch es gab zu viele Seefahrer, über die sie reden konnten, da waren sie längst ganz woanders.<br />
<br />
Joanna beobachtete das Ganze missbilligend. Dieser Gast ließ den jungen Herren gänzlich seine Manieren vergessen! Er schlang, sprach mit vollem Mund, ignorierte die Servietten, fragte nicht ob er aufstehen dürfe und benahm sich auch sonst nicht gerade vorbildlich.<br />
Sie musste ihm aber zu Gute halten, dass er sich zur vollsten Zufriedenheit des Steuermannes um eben jenen kümmerte, darauf achtete, nichts weiter umzuwerfen und zudem gute Laune verbreitete.<br />
Insgesamt war sie vor allem froh, dass der Hausherr nicht anwesend war und sehr erleichtert, als sie endlich das Essen abtragen konnte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich Sir? Vielen Dank Sir, aber nein. Señor Carstairs wird das von ihnen hören wollen. Außerdem kann ich doch gar nicht wissen, wie sie sich genau fühlen. Das sage ich ihm jedes Mal, wenn er fragt: 'Wie fühlen wir uns Heute?' Inzwischen fragt er auch eher, wie es mir geht."</span><br />
<br />
Kurz darauf klopfte es erneut an der Tür und der Butler kündigte den Arzt an, der dann auch mit einem freundlichen, ruhigen <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Guten Tag"</span> das Gästezimmer betrat.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"¡Hola Señor Carstairs! Kommen sie rein! Es gibt wunderbare Neuigkeiten!"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Langsam junger Mann! Ich glaube, in diesem Fall haben wir durchaus etwas Zeit."</span><br />
<br />
Der Neuankömmling klang trotzdem recht erheitert und er musste sich doch recht schnell genähert haben, denn schon legte der Junge die Hände der beiden Älteren in einander.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich freue mich sie endlich auch im Wachen und bei bester Laune kennen zu lernen, Herr van der Meer!"</span><br />
<br />
Der Griff der schlanken Hand des Arztes war eher leicht aber nicht ohne Vitalität.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wollen wir dann gleich mit der Untersuchung anfangen oder wollen sie zunächst berichten?"</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Cornelis lachte kurz erheitert auf, als Enrique davon erzählte, daß er ja nicht wissen könnte, wie sich Dr. Carstairs genau fühlen würde. Dann klopfte es auch schon erneut an der Tür, der Butler kündigte den Arzt an und Dr. Carstairs betrat mit einem Gruß das Zimmer. Cornelis wandte den Kopf und stellte erneut zu seiner Zufriedenheit fest, daß dort Bewegung in den Schatten war, wenn auch noch nicht sehr deutlich.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Guten Tag, Sir."</span><br />
<br />
Er schmunzelte, als Enrique ganz aufgeregt von den wundervollen Neuigkeiten sprach.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"In der Tat habe ich beste Laune. Mir geht es auch ausgezeichnet. Zwar brummt mein Schädel noch ganz gut, aber sehen Sie das Licht dort?"</span> Er hob die Hand und deutete in Richtung der Kerze auf dem Tisch. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich sehe es auch wieder. Das bedeutet doch wohl, daß ich mein Augenlicht zurückbekommen werde? Und von mir aus können wir jetzt auch mit der Untersuchung beginnen."</span><br />
<br />
Bei seiner guten Laune ließ er alles, was folgen würde, geduldig über sich ergehen.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Der Doktor nickte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Dass ihnen der Kopf brummt, nachdem, was ich an ihrem Hinterkopf behandelt habe und mir ihr Kapitän über den Unfall berichtet hat, glaube ich gern. Ich bin sehr froh, ihnen sagen zu können, dass nichts gebrochen ist, da haben sie sehr, sehr viel Glück gehabt Herr van der Meer. So dürfte es sich hierbei in erster Linie um eine sehr schwere Gehirnerschütterung handeln."</span><br />
<br />
Carstairs machte eine kurze Pause. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Da die Platzwunde, laut Frau de Guzmán gut und ohne Komplikationen heilt - ich möchte mich zunächst davon trotzdem selbst überzeugen - sollten sie, wenn sie sich weiterhin möglichst viel ausruhen, und ich rede hier von Bettruhe!, diese Kopfschmerzen innerhalb von ein oder zwei Tagen los sein.<br />
"Andernfalls kann sich das noch weitere Tage hinziehen. Sie tun sich also selbst einen Gefallen, wenn sie die Zeit außerhalb auf das Nötigste beschränken."</span><br />
<br />
Beschwichtigend hob er die Hände und fügte an:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Falls ihnen das gar nicht behagt ruhen sie im Lehnsessel. Das wird gehen."</span><br />
<br />
Enrique schaute zwischen den Erwachsenen hin und her und lauschte gebannt. Dass die Antwort, die er und Cornelis unbedingt hören wollten, nicht sofort kam machte ihn unruhig, so sehr, dass er sich an einer Stuhllehne festhalten musste.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Zu ihren Augen:<br />
"Habe ich das richtig verstanden, dass sie den Verband die ganze Zeit auch vor den Augen hatten? Oder haben sie ihn nur zeitweise so getragen und zu den anderen Zeiten Gestern gar nichts sehen gekonnt? Das hat mir der junge Herr de Guzmán nicht sagen können."</span><br />
<br />
Während er sprach trat er neben Cornelis und fing an, den Verband zu lösen.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Als der Doktor von Bettruhe sprach, zogen sich seine Augenbrauen zornig nach unten. Schon wieder einer, der ihn wie einen Totkranken behandeln wollte. Doch als der Doktor beschwichtigend hinzufügte, daß der Lehnsessel von gestern auch in Ordnung wäre, entspannten sich seine Züge wieder und er nickte leicht.<br />
Dann wartete er gespannt auf die Beantwortung seiner Frage, doch statt einer Antwort stellte der Arzt noch weitere Fragen zu dem vorherigen Verband.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Vermutlich war mein Glück, daß mich das Segeltuch bereits zu Boden gerissen hatte, bevor das Stag mich traf. Ich denke, es war durch die Ladung in der Mitte des Hauptdecks bereits etwas abgebremst worden, sonst hätte es mich eigentlich erschlagen müssen." </span><br />
<br />
Er hielt einen Moment inne und rief sich die Geschehnisse nochmals in Erinnerung, bevor er die Fragen des Arztes zu beantworten begann.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Als mich meine Kameraden unter dem Segel herausgezogen hatten, war ich noch ohne Bewußtsein. Da haben sie nur meine Wunde verbunden gehabt. Wir haben im Moment keinen Schiffsarzt an Bord, weil dieser vorm Auslaufen durch Krankheit kurzfristig ausgefallen war. Als ich dann wieder zu mir kam, merkte ich, daß ich nichts mehr sehen konnte. Daraufhin haben sie mir einen neuen Verband gemacht - die Wunde blutete ja auch wie ein Schwein - und diesen dann auch über meine Augen gemacht. Sie sagten, daß sie hofften, etwas Schonung könnte meinen Augen gut tun."</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Vorsichtig schob Carstairs, nachdem er das letzte bisschen verhüllenden Stoff entfernt hatte, Cornelis Haar beiseite und tastete über die Naht.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Das sieht in der Tat gut aus. Frau de Guzmán leistet hervorragende Arbeit mit ihrer Pflege. Tut die Wunde noch weh?"</span><br />
<br />
Das war zwar noch immer nicht die Antwort, die er hören wollte, aber so aufgeregt wie er war konnte er vor Begeisterung sein Mundwerk nicht halten:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Bibi ist sowieso die beste! Gleich nach Isa. Sie— scusa, Doktor..."</span>, endete er kleinlaut unter dessen strengen Blick, dann aber strahlte er schon wieder, als er leise zu seiner Schwester meinte:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Trotzdem klasse, dass Bibi das so gut kann und es unserem Gast jetzt schon wieder so gut geht, nicht mehr lange und van der Meer ist wieder ganz gesund!"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Auch dank dir"</span>, antwortete sie leise.<br />
<br />
Da wurde er rot und schwieg.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Der leichte Druck ist normal und mit fortschreitender Heilung wird die Narbe, denn es wird eine zurückbleiben, auch anfangen zu jucken. Versuchen sie so wenig wie möglich zu kratzen, das wird die Heilung beschleunigen."</span><br />
<br />
Während er sprach erneuerte Carstairs den Verband.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich kann sie beruhigen, wenn sie ihr Haar weiter wie bisher tragen, wird davon nichts zu sehen sein, sowie ihre Haare dort nachgewachsen sind. Außerdem ist sie meines Erachtens nach ein kleiner Preis für dass, was sie überlebt haben."</span><br />
<br />
Geschickt befestigte er das Ende des Verbandes.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Jetzt zu ihren Augen."</span><br />
<br />
Zunächst nahm er Daumen und Zeigefinger um die Lider daran zu hindern, sich zu schließen und betrachtete die geweiteten Pupillen und ihre Iris genau, verdeckte dabei kurz das Licht, dann zog er sich zurück und holte einen kleinen Kerzenhalter mit Metallspiegel aus seiner Arzttasche vom Tisch, dann eine kleine Kerze, entzündete sie und setzte sie vor den Hohlspiegel.<br />
Dann wandte er sich wieder dem Seemann zu.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich werde jetzt in ihre Augen hineinleuchten und schauen, ob ich dort etwas erkennen kann."</span><br />
<br />
Abermals spreizten seine Finger die Augenlider des Verletzten, anschließend führte er das gebündelte Licht direkt vor Cornelis rechtes Auge.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Nein, eigentlich nicht. Nur bei Berührung eben"</span>, beantwortete Cornelis Carstairs Frage, ob die Wunde noch schmerzte. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Es freut mich zu hören, daß die Heilung gut voranschreitet."</span><br />
<br />
Von der leisen Unterhaltung der Kinder bekam er bewußt nichts mit, da er sich in diesem Moment auf den Arzt konzentrierte. Geduldig ließ er den Verbandswechsel über sich ergehen.<br />
<br />
Er vernahm zwar, daß sich Carstairs jetzt seinen Augen zuwenden wollte, doch da er die Bewegung nicht sah, zuckte er im ersten Moment vor den Fingern des Arztes zurück, als diese ihn an seinem Auge berührten. Doch dann wußte er ja, was kommen würde, nickte leicht und erwartete das nächste Mal die Berührung, ohne wegzuziehen. Er zog nur leicht mißbilligend die Augenbrauen zusammen, als der Arzt seinen Hoffnungsschimmer verdeckte.<br />
<br />
Er hörte, daß Carstairs ihm in die Augen leuchten wollte, und dachte sich nichts weiter dabei. Doch das gebündelte Licht wirkte in seinem Hirn wie eine Explosion und bereitete ihm erneut Kopfschmerz. Reflexartig schnellte seine Hand nach oben, um sein Auge vor dieser gleisenden Helligkeit abzuschirmen. Dabei schlug er unabsichtlich die Hand des Arztes weg. Dann drehte er den Kopf zur Seite und unten und seine Finger gingen an die Schläfen und massierten diese langsam.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Kerze und Halter folgen im hohen Bogen durch den Raum.<br />
Joanna und Isabella stießen erschreckte Laute aus.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"¡Cuidado!"</span>, rief Enrique und und versuchte beides zu fangen, was ihm auch bei der Lampe gelang, doch die Kerze kollerte verlöschend und kleckernd über den Tisch.<br />
<br />
Carstairs wich zurück, ließ Cornelis erstmal sich beruhigen. Als der Junge ihm Kerze und Halter reichte nickte er ihm zu, ließ ihn aber augenblicklich zu dem Steuermann durch, als dieser weiter wollte. <br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'Faszinierend...'</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Sir? Geht es ihnen gut? Kann ich helfen?" </span><br />
<br />
Der Zehnjährige legte dem Verletzen dabei die Hände auf die Oberarme.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich denke Herr van der Meer braucht vor allem erstmal ein Glas Wasser."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"¡Sí, doctor!"</span><br />
<br />
Fast sofort bekam er eines von Joanna und reichte es weiter.<br />
Derweil richtete Carstairs die kleine Kerze und entzündete sie wieder. <br />
Nachdem Cornelis getrunken und der Junge ihm das Glas wieder abgenommen hatte, trat der Mediziner zu seinem Patienten.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Darf ich?"</span><br />
<br />
Vorsichtig legte er die Finger auf die Schläfen und tastete.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wie ich sehe geht es wieder einigermaßen. Sehen sie mich bitte an und schließen sie dabei das rechte Auge!"</span><br />
<br />
Als der Seemann seiner Bitte nachkam bewegte er langsam das Licht von Tisch ein bisschen auf Cornelis Gesicht zu, immer darauf achten, was er für Reaktionen bekäme. Noch bevor das Licht blendend grell werden konnte stellte er es auf den Tisch zurück, beobachtete Cornelis linkes Auge aufmerksam und nickte dann.<br />
Enrique war dabei die ganze Zeit argh versucht, den Doktor mit einem <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'Wu'a Señor!'</span> zu stoppen hielt sich aber an der Tischkante fest und schwieg bang, musste der Arzt das doch wahrscheinlich tun um zu wissen, wie es dem Rotbart ginge.<br />
Und in der Tat ergriff Carstairs schließlich das Wort:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich habe eine gute und eine Schlechte Nachricht für sie Herr van der Meer. Welche wollen sie zuerst hören?"</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Nachdem der Schmerz in seinem Schläfenbereich langsam nachgelassen hatte, richtete sich Cornelis wieder auf. Er hörte Enriques Stimme vor sich und fühlte kleine Hände auf seinen Armen liegen. Er wußte nicht warum, doch er hob automatisch seine rechte Hand und tastete vorsichtig nach Enriques Kopf. Dort strich er sanft an der Seite durch dessen Haar, falls er seiner Berührung nicht auswich, während er sagte: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Danke, Enrique, es geht schon wieder."</span><br />
<br />
Er nahm das Glas Wasser entgegen. Er trank einige kleine Schlucke. Bevor er es zurückreichte. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Danke. Entschuldigen Sie, Doktor, ich hoffe, ich habe nichts beschädigt..."</span><br />
<br />
Als der Doktor ihn darum bat, seine Augen nochmals untersuchen zu dürfen, nickte er und erwartete geduldig, was da folgen würde. Er sah wieder ein Licht, das auch größer und heller wurde, aber doch nicht so nah herankam, daß es wieder den Schmerz im Kopf auslöste. <br />
<br />
Dann runzelte sich die Stirn des Steuermannes, als Carstairs von einer guten und einer schlechten Nachricht sprach. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ist mir gleich, fangen Sie halt an."</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Enrique war viel zu aufgewühlt um über Nähe und wie er dazu stünde nachzudenken und dann viel zu erleichtert, um der Hand auszuweichen. Stattdessen hielt er absichtlich still, weil Cornelis mit der Hand etwas tun wollte und das bestimmt leichter wäre, wenn er sich nicht bewegte. Die Geste selbst erinnerte ihn an Nahia und seine Großmutter. Ein leises Lächeln verdrängte seine Sorge um seinen Gast.<br />
Bevor er allerdings irgendwie darauf reagieren konnte war er wieder mit helfen beschäftigt.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich glaube, sie haben mit ihrer Reaktion den anwesenden Damen einen leichten Schrecken verpasst. Und ein paar Wachsflecken auf der Tischdecke verteilt. Sonst ist kein Schaden entstanden"</span>, erwiderte Carstairs ruhig.<br />
<br />
Auf Cornelis Antwort überlegte der Arzt kurz. Dann fing er an:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich werde versuchen, ihnen die ganze Angelegenheit so einfach wie möglich zu erklären. <br />
"Ihre Augen sind derzeit sehr empfindlich, gerade was helles Licht betrifft. Das liegt an einer stark verlangsamten Reaktion auf äußere Reize. Dass sie darauf reagieren und dass sich ihr Sehvermögen, wenn auch eingeschränkt, wieder eingestellt hat, bietet Anlass zur Hoffnung. Immerhin funktionieren ihre Sehnerven noch. <br />
"Bei meinem kurzen Blick in ihr rechtes Auge konnte ich keinen Schaden sehen. Was auch immer ihr Sehvermögen einschränkt scheint mir nichts Äußerliches zu sein. Will heißen, die Verletzungen, die heilen müssen, sind in ihrem Kopf, ich kann also nichts tun.<br />
"Alles was mir bleibt, ist sie und ihre Augen vor weiterem Schaden zu bewahren und ihnen bei der Selbstheilung unterstützend unter die Arme zu greifen.<br />
"Dazu muss ich ihnen die Augen verbinden und ihnen noch einmal strikte Ruhe nahelegen. Innere und äußere Verletzungen am Kopf heilen auf diese Weise am Besten und das anderenfalls hohe Risiko negativer Auswirkungen verringert sich.<br />
"Vermeiden sie unbedingt jegliche größere Anstrengungen in nächster Zeit, es kann sein, dass sie andernfalls nicht nur jegliche Chance auf Genesung verspielen." </span><br />
<br />
Er machte eine kleine Pause, hoffte, dass seine Ermahnung in ihrer ganzen Schwere verstanden wurde, dann schloss er zuversichtlich:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wenn sie sich allerdings daran halten, dann glaube ich, werden nicht nur die Kopfschmerzen bald gänzlich verschwunden sein."</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Es tut mir leid, meine Damen. Ich wollte euch nicht erschrecken, es war ein Reflex..." <br />
</span><br />
Als dann Carstairs mit seinen Ausführungen begann, blieben seine Züge ruhig. Als dieser geendet hatte, sagte er:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Sie haben recht, Doktor, normalerweise würde mir das gar nicht passen. Aber für mein Augenlicht tue ich alles, bedeutet das doch auch, daß ich wieder zur See fahren kann."</span><br />
<br />
Er wandte leicht den Kopf in die Richtung, in der er Enrique vermutete, und lächelte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Dann kommt deine Idee, meine Augen zu sein, ja gerade recht. Aber zunächst könntest du mir den Gefallen tun und meinem Käpt´n Bescheid geben lassen, daß ich kein Totalausfall bin. Jedenfalls aller Wahrscheinlichkeit nach."</span><br />
<br />
Dann wandte er sich wieder an Carstairs: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Dann fangen Sie an, verbinden Sie meine Augen, wenn das nötig ist."</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Isabella kicherte nur, während Joanna leise <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Nada para excusar, señor"</span> murmelte.<br />
<br />
Der Doktor nickte knapp auf Cornelis Antwort. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich werde persönlich gehen. El Capitán Shane kennt mich ja jetzt. Dann kann ich ihm auch sämtliche seiner Fragen gleich beantworten. Und falls sie mich nicht auf das Schiff lassen brauche ich ja nur zu rufen."</span><br />
<br />
Carstairs griff in seinen Arztkoffer und tat schließlich wie geheißen. Als er fertig war verabschiedete er sich:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Dann sehen wir uns in zwei Tagen Herr van der Meer. Vielleicht dann auch schon richtig. Geben Sie auf sich Acht!"<br />
</span><br />
***<br />
<br />
Cornelis war danach erschöpft und ließ sich wahrscheinlich sogar überreden, doch vorerst ins Bett zurückzukehren. <br />
Kurz darauf brachte Enrique die bestätigende Worte und gute Wünsche des Kapitäns mit. Er freue sich sehr und würde Cornelis besuchen kommen, sobald er Zeit fände. Die Reparaturen an der Seepferdchen Schritten gut voran, dennoch würde sie noch eine ganze Weile lang nicht auslaufen. Er habe also alle Zeit der Welt, sich zu erholen.</div></blockquote>
<br />
<br />
<div style="text-align: center;" class="mycode_align">- Ende -</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"><span style="font-size: large;" class="mycode_size">Gesichter der Vergangenheit 2:<br />
Vögel im goldenen Käfig</span></span></div>
<br />
<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Sleep in peace, you members of the jury who condemned me to this place; sleep in peace."<br />
Henri Charrière, Papillon</span></div>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Das Licht der Morgensonne fiel golden durch den Spalt zwischen den Vorhängen und erhellte, zusammen mit einigen Kerzen, den Raum spärlich. Joannas Hand tauchte hinein, griff die Kante des Stoffes und zog sie leise über die Andere. Sie hatte Anweisung, van der Meers Zimmer bis zum nachmittägliche Besuch des Arztes Dunkel zu halten. Zumindest bis sie durch den Gast eine andere Anweisung erhielte. <br />
Der Herr hatte lange geschlafen, nachdem sie ihm gegen Mitternacht ins Bett geholfen hatte. Vielleicht hatte er es gebraucht, vielleicht lag es auch am Tee, den die Herrin des Hauses verordnet hatte. Diesem Hexenwerk war alles zuzutrauen. Selbst nach all den Jahren betrachtete das Dienstmädchen die Herrin mit einer gehörigen Portion Skepsis. <br />
Jetzt war es kurz nach der Unterrichtszeit des jüngeren jungen Herren und der hatte darauf bestanden, dass sie dem Gast Frühstück bereite, und ihm bescheid gäbe sobald er wach würde. Der Herr hätte mit ihm und seiner Schwester frühstücken wollen und auch wenn es jetzt Teezeit war, so wäre der Seemann sicher nicht an Kuchen und Süßigkeiten interessiert. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Frühstück um diese Zeit! Was wird dem jungen Herrn wohl als nächstes einfallen?"</span>, meinte sie zu den geschlossenen Vorhängen. Sie sprach weder laut, noch flüsterte sie, so wie es vom Personal erwartet wurde. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Vielleicht Reitunterricht in der Guten Stube?"</span><br />
<br />
Sie schüttelte den Kopf und ging zum Tisch um ihn einzudecken. Leise klang Porzellan und klackte Besteck. Die Geräusche waren so leise, sogar ein geflüstertes Gespräch hätte sie wahrscheinlich übertönt, doch da es sonst still war im Raum drangen sie gedämpft auch durch den Betthimmel an das Ohr des Schlafenden. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Bestimmt liegt es an den seltsamen Gepflogenheiten der Hausherrin"</span>, grübelte sie leise weiter. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Immerhin ist sie eine Arak, wenn auch eine überraschend zivilisierte. Und eine ausnehmend nette Person. Eigen aber wirklich sehr nett."</span><br />
<br />
Das Fauchen eines Streichholz war zu vernehmen, kurz darauf klackte erneut Geschirr. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Na, wenigstens das ist fast wie es zur Teezeit gehört."</span><br />
<br />
Normalerweise würden die Speisen und Getränke zu einem vereinbarten Zeitpunkt gemacht und gebracht und nicht auf einem Stövchen warm gehalten, aber das war noch etwas, mit dem sie leben konnte, das vorkam, wenn der Hausherr sich verspätete oder jemand krank war, aber Frühstück am Nachmittag? Ein Unding was die Etikette betraf. <br />
Sie horchte auf: <br />
Hatte sich etwas im Bett geregt? <br />
Dann machte sie weiter, fing an Alles an Lebensmitteln bereitzustellen, dass nicht möglichst kühl gelagert werden musste. Ab jetzt vermied sie es auch laut zu denken und fürchtete Cornelis hätte etwas von dem Gesagten gehört...</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Nur langsam drang das Hier und Jetzt durch den Schlaf der Genesung, der Cornelis seit der späten Nacht in seinem Bann hielt. Als erstes hörte er ein zischendes Geräusch, das ihn zunächst verwirrte, das er danach jedoch als das Zünden eines Streichholzes einordnen konnte. Mit einem leisen, unwilligen Brummen wandte er den Kopf von der Wandseite um in Richtung der Geräusche, die nun in sein Bewußtsein drangen. Die leisen Worte des Mädchens waren bis dahin noch nicht zum ihm vorgedrungen, so daß er nicht wußte, was sie vor sich hingemurmelt hatte.<br />
<br />
Einen Moment lag er nun wach in dem Bett und öffnete die Augen nicht. Ihm graute vor dem Gedanken, die Lider zu heben und sich dennoch in völliger Dunkelheit wiederzufinden. Doch schließlich seufzte er tief und öffnete langsam die Augen.<br />
Doch was war das?! Ein heller Punkt befand sich in seinem sonst noch dunklem Gesichtsfeld. Es war die Flamme der Kerze, was er jedoch noch nicht erkennen konnte. Ungläubig schloß er die Augen noch einmal und öffnete sie dann wieder. Doch der helle Punkt verschwand nicht!<br />
<br />
Ein Laut von Überraschung und Freude sprang von seinen Lippen. In der Aufregung seinen lädierten Kopf vergessend, erhob er sich zu schnell aus den Kissen, so daß der einsetzende stechende Schmerz im Kopf ein gequältes Stöhnen von seinen Lippen riß, doch hinderte es ihn nicht daran, sich vollends aufzusetzen und die Beine über die Bettkante zu schwingen.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Enrique!"</span>, rief er halblaut, in der Erregung die Möglichkeit, daß der Junge nicht hier sein könnte, gar nicht erst in Betracht ziehend. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Enrique, es kommt wieder!"</span> Ein kurzes Stocken, dann wurde aus dem Ruf eher ein Flüstern: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Bei den Göttern, es kommt wieder - ich werde wieder sehen können."</span> Danach erstarb Cornelis´ Stimme in einem halb unterdrücktem Schluchzer und heiße Tränen der Erleichterung und Freude liefen sein Gesicht hinab, das er inzwischen in seinen großen Pranken verborgen hatte.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Joanna richtete die letzte Gabel und bewegte sich anschließend mit dem Tablett Richtung Tür, öffnete diese und stellte das Tablett auf den Küchenwagen. Dann schloss sie leise die Zimmertür. <br />
Sie wollte sich gerade auf den Stuhl vor der Tür setzen und weiterstricken, als Cornelis Ausruf sie überrascht inne halten ließ.<br />
Eilig legte sie die Sachen zurück und eilte wieder hinein, auch dieses Mal die Tür sorgfältig schließend. Leise Schritte bewegten sich auf Cornelis zu. Dabei ergriff sie das Wort:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Herr? Geht es ihnen gut? Ist alles in Ordnung? Oh Gott, Herr, ihr solltet liegen bleiben!"</span><br />
<br />
Das Zimmermädchen hielt abermals inne, wusste nicht, ob sie Cornelis zurück ins Bett befördern sollte oder nicht. Da sie Anweisung hatte den Besuch nicht alleine zu lassen betätigte sie die Klingelschnur. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Soll ich den Arzt rufen lassen Herr?"</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Cornelis hörte die Schritte erst gar nicht und wurde durch die halblaut gesprochenen Worte der jungen Frau aufgeschreckt. Schnell richtete er sich etwas auf und wischte zuvor noch verstohlen die Tränen aus seinem Gesicht. Er richtete sein Gesicht in Richtung der Stimme aus... Bewegten sich dort nicht die Schatten ein wenig? Ein erleichtertes und freudiges Lächeln erschien auf seinem Gesicht und seine Augen richteten sich sogar grob auf Joannas aus, auch wenn sie sie noch nicht wirklich zu fixieren vermochten. <br />
Er schloß für einen Moment überlegend die Augen. Er kannte diese Stimme doch...<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ach, Joanna, richtig? Sie waren heute Nacht schon bei mir, oder wann es war als ich ins Bett gegangen bin. Ob alles gut ist, fragen Sie? Es ist besser, alles WIRD wieder gut. Da, ich sehe es."</span><br />
<br />
Sein Blick richtete sich gen dem Tisch und auf die Flamme der Kerze aus. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Dort ist ein Licht in der Dunkelheit."</span> Seine Stimme klang nun erstickt und ganz gegen seine sonstige Beherrschung stahlen sich zwei Tränen aus seinen Augenwinkeln. Hatte er doch noch gestern gedacht, sein Leben sei endgültig vorbei, konnte er nun wieder Hoffnung schöpfen, daß alles wie früher wurde.<br />
<br />
Unbeweglich starrte er in Richtung der Kerze, diesem kleinen Licht der Hoffnung. Er wandte auch den Blick nicht ab, als er Joanna auf ihre letzte Frage antwortete.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Nein, ich brauche keinen Arzt. Der Junge, Enrique, können Sie ihn holen?"</span> Er hatte das Gefühl, daß er es dem Knaben, der sich am Vortag so rührend um ihn gekümmert hatte, schuldig war direkt mitzuteilen, daß es ihm besser ging.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Bitte verzeiht Herr, ich wollte euch nicht erschrecken!"</span>, entschuldigte sich Joanna und war erleichtert, als sie das Strahlen auf seinem Gesicht sah.<br />
<br />
Noch ein emotionaler Mann in diesem Haus.<br />
Dem jungen Herrn kam der Steuermann zwar nicht gleich aber gut, dass mochte erklären, warum Enrique diesen hierher gebracht hatte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ja Herr, das war ich."</span><br />
<br />
Ihr Blick folgte seinem grob zur Kerze.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Das freut mich zu hören."</span><br />
<br />
Sie lächelte und dachte sich ihren Teil, da sie Cornelis empfinden nicht nachvollziehen konnte, noch nie in so einer Situation gewesen war.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich— Ja?"</span><br />
<br />
Ein leises Klopfen unterbrach sie. Die Tür wurde geöffnet und jemand trat ein. Wie sie erwartet hatte war es der Butler des Hauses.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Was gibt es, Joanna?"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Würdet ihr bitte dem jüngeren jungen Herrn und der jungen Herrin bescheid geben, dass unser Gast bereit ist?"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Braucht der Herr sonst noch etwas?"</span><br />
<br />
Sie wandte sich zu Cornelis:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Brauchen Sie sonst noch etwas? Und es ist ihnen doch recht? Die jungen Herrschaften sagten, sie hätten zusammen speisen wollen und alles ist dafür bereit."</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Cornelis irritierte es schon, daß er hier immer "Herr" genannt wurde, doch er war in diesem Hause Gast und würde sich den gegebenen Gepflogenheiten beugen. Auf Joannas Entschuldigung hin winkte er nur ab, war er doch im Moment viel zu froh, um auch nur irgendetwas krumm zu nehmen.<br />
<br />
Dann wurde an die Tür geklopft und er hörte eine weitere Stimme, die Stimme eines Mannes, der fragte, was es gäbe. Cornelis hatte sich inzwischen wieder völlig unter Kontrolle und die Tränenspuren endgültig aus seinem Gesicht gewischt. Doch runzelte er die Stirn, als der Butler sprach. Das war eins der Dinge, die ihn am meisten störte: Menschen sprechen zu hören, die er nicht sehen konnte. <br />
<br />
Auf die Nachfrage, ob er noch etwas bräuchte, antwortete er: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Es wäre nett, wenn Sie mir etwas zu trinken geben würden. Mein Mund ist so trocken wie die Wüste. Ansonsten warte ich jetzt auf die jungen Herrschaften."</span> Wobei er die "jungen Herrschaften" in leicht amüsiertem Ton aussprach.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Sehr wohl Herr."</span><br />
<br />
Joanna knickste aus reiner Gewohnheit. Dann griff sie zum Krug und goss Wasser in das Glas, das sie Cornelis dann vom Nachtschrank reichte.<br />
<br />
Der Butler schloss leise die Tür von außen und ging.<br />
<br />
***<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Er ist endlich wieder waaahhhAAACH!"</span>, rief Enrique von der Tür. <br />
Isabella zuckte nur leicht zusammen und lächelte ihren Bruder an.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Geh schon!"</span>, antwortete sie leise, <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"ich bin nicht so schnell wie du."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Nichts da!"</span><br />
<br />
Er stürmte zu ihr, ergriff ihre Hand und zog sie erst auf die Beine, dann hinter sich her.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wir sollen doch im Haus nicht laufen!"</span>, mahnte sie heiter.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aber van der Meer wartet!"</span><br />
<br />
Und so eilten sie Hand in Hand zu den Gästezimmern.<br />
<br />
***<br />
<br />
Derweil hatte Joanna den Verletzten zum Tisch geleitet, der Butler das Essen gebracht und Letztere sich wieder verabschiedet. <br />
<br />
*<br />
<br />
Vor der Tür wurden sie dann doch langsamer, zum einen konnte Joanna wieder dort sitzen, falls Cornelis sie dorthin gebeten hatte, zum anderen war Enrique plötzlich überraschend nervös. Seit dem Abendessen ging ihm eine Idee im Kopf herum und er musste sie unbedingt Cornelis unterbreiten. Was aber, wenn er gar nicht darüber reden wollte oder sie ihm nicht gefiele?<br />
Und so war es das Mädchen, das am Ende den Jungen mitbrachte und klopfte.<br />
<br />
*<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ihr Besuch ist hier Herr."</span><br />
<br />
Joanna hatte die Tür geöffnet. Isabella zog ihren Bruder mit hinein, der am liebsten wieder umgedreht wäre.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Guten Tag Señor!"</span>, wünschte sie leise. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"¡B-Buenas tardes!"</span>, kam es daraufhin genuschelt von ihrem Begleiter.<br />
<br />
Enrique war hochrot im Gesicht und völlig verunsichert, auch weil er keine Ahnung hatte, in welchem Zustand der Steuermann war oder welche Laune der hatte. Ein Was-wäre-wenn-Szenario nach dem anderen lief in seinem Kopf schlimmer and schlimmer aus dem Ruder...</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Cornelis trank das Wasser und reichte den Becher dankend Joanna zurück. Danach ließ er sich brav von dieser an den Tisch führen und auf den Stuhl bugsieren. Wäre ihm das gestern noch zutiefst zuwider gewesen, vermochte es heute seine Laune um kein Stück zu trüben. Statt dessen saß er nun mit freudigem Lächeln am Tisch und hielt seinen Blick weiterhin auf dieses nun ein wenig größer gewordene Licht gerichtet, das zu ihm durchdrang.<br />
<br />
Als es an der Tür klopfte, wandte er den Blick in diese Richtung. Und wieder schienen die Schatten nicht mehr ganz so durchdringend zu sein und sich zu bewegen. Dementsprechend war sein Blick auch grob auf die beiden Ankömmlinge ausgerichtet, als diese den Raum betraten. Auf ihre Begrüßung entgegnete er in einem Ton, der freudiger nicht sein konnte: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Hallo ihr beiden. Mögt ihr meiner Einladung folgen und mit mir essen?"</span> Dann glitt sein Blick zurück zur Kerze, blieb gebannt an der Flamme hängen und man konnte sehen, daß seine Augen tatsächlich darauf ausgerichtet waren!</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Si Señor. Sehr gerne"</span>, erwiderte das Mädchen leise. <br />
<br />
Isabella lächelte ob Cornelis guter Laune und bugsierte ihren Bruder zu einem der Stühle. Danach ließ sie sich auf den Anderen helfen.<br />
Derweil führte das Dienstmädchen die Hand des Steuermannes sanft über den Tisch. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Hier steht ihre Tasse Herr. Sagen sie mir einfach ob sie Tee oder Kaffee möchten. <br />
"Hier steht ihr Teller. <br />
"Hier drüben sind Sandwiches, rechts mit Käse und Gurke, links mit Hühnchen und Tomate. <br />
"Hier stehen Haferflocken. Milch, Sahne, Früchte, Zimt oder Zucker kann ich ihnen gerne hineinmischen. <br />
"Ansonsten stehen Toast, Rührei, gebackene Bohnen, Würstchen, Lachs und Hering bereit. Oder falls Ihnen danach ist auch Marmelade, Honig und Pflaumenmus."</span> <br />
<br />
Dann wartete sie darauf, dass der Herr sein Frühstück wählte. <br />
Joanna zog sich danach in den Hintergrund zurück, darauf wartend, ob die Herrschaften noch etwas bräuchten. <br />
<br />
Enrique betrachtete zunächst Cornelis Gesicht und folgte dessen Blick.<br />
Konnte der die Kerze etwa sehen? Oder gar wieder alles? Falls ja wäre es das mit seiner schönen Idee. <br />
Im Gegensatz zu sonst fehlten ihm auch deshalb immer noch die Worte, obwohl es ihn freute, dass der Seebär guter Stimmung war.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Sags ihm"</span>, flüsterte Isabella Enrique zu. Die Idee stimmte sie zwar traurig aber sie hatte auch schöne Seiten.<br />
Erst wollte er protestieren, dann meinte er kleinlaut:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich hatte gestern Abend eine Idee, die Ihnen helfen könnte... Falls sie sie überhaupt noch brauchen."</span><br />
<br />
Er hatte sich und Isabella das ganze so schön ausgemalt, sich überlegt, wie der Rotbart darauf reagieren könnte. Und jetzt? Jetzt war das bestimmt nicht mehr nötig...</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Cornelis ließ sich von Joanna einen Kaffee mit viel Zucker und Milch machen. Dann ließ er brav seine Hand führen um zu erfahren, wo was stand. Doch irgendwann mittendrin zog er seine Hand zurück und sagte lachend:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Danke, aber das reicht. Ich bleibe bei den Butterbroten, die kann ich wenigstens halbwegs unfallfrei essen im Moment."</span><br />
<br />
So schob er vorsichtig seine Hand nach vorne in die Richtung, in der das Dienstmädchen ihm zuvor die Sandwiches gezeigt hatte. Dabei stieß er an das Zuckerdöschen und warf dieses um. Nein, seine Bewegungen machten eindeutig, daß er noch nicht viel wieder sah, wenn überhaupt. Aber er schaffte es doch, sich eines von den fertigen Broten auf seinen Teller zu legen, auch wenn es nicht in der Mitte, sondern ziemlich an einem Rand zu liegen kam.<br />
<br />
Mit freudestrahlendem Gesicht wandte er sein Antlitz in die Richtungen, aus denen er zuletzt die Stimmen der Kinder vernommen hatte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Enrique, Isabella, da ist ein Licht. Ein Licht durchdringt die Dunkelheit - jetzt wird alles wieder gut."</span><br />
<br />
Und er sah wieder zur Kerze und streckte die Hand nach der Flamme aus. Da er jedoch Entfernungen noch nicht wieder einschätzen konnte, langte er in die Flamme hinein und zog die Hand schnell und leicht wedelnd wieder zurück. Danach erfüllte sein tiefes Lachen das Zimmer, das, durchtränkt mit soviel Freude, einfach nur ansteckend war.<br />
<br />
Danach eröffnete Enrique ihm, daß er eine Idee gehabt hätte, und er wandte seinen Blick wieder dem Jungen zu, wobei er diesen noch nicht zu fixieren vermochte, da das Gesicht noch in den Schatten lag. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ja, du hattest eine Idee für mich? Dann immer heraus damit. Bis jetzt war deine Hilfe jedenfalls sehr gut."</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Vorsicht Herr!"</span> <br />
<br />
Joanna trat sofort herbei, schob ihm die Sandwiches näher und kümmerte sich anschließend um den Zucker.<br />
Dann teilte er sich den Kindern mit. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wie schön!"</span><br />
<br />
Isabella klatschte begeistert in die Hände. Da erklang schon von der anderen Seite ein möglicherweise vertrauter Warnruf:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"¡Ojo!"</span><br />
<br />
Doch Enrique war dieses Mal nicht schnell genug um Schaden von Cornelis abzuwenden. Stattdessen stieß er seinen Tee und den Kerzenhalter um und stürzte die Kerze auf den Aufschnitt.<br />
Joanna betrachtete die Katastrophe mit resignierter Gelassenheit. Jetzt wusste sie, welches Chaos der Junge Herr bei diesem Essen anrichten würde und hoffte, dass es nicht noch mehr werden würde. Sie eilte zu ihm. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Junger Herr, eure Hilfsbereitschaft ehrt euch, aber bitte gebt ein wenig mehr acht auf das was ihr tut. Jetzt habt ihr euch überall bekleckert."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"¡Lo siento, Joanna! Aber das ist nur Tee auf der Kleidung und die kann man waschen. Das tut nicht weh. Wenn man sich verbrennt schon."</span><br />
<br />
Das Zimmermädchen seufzte Verhalten und knickste. Dann kümmerte sie sich weiter um die Eingrenzung der Überflutung.<br />
Ob van der Meers Lachen musste aber auch sie schmunzeln.<br />
Nur Enrique brauchte einen Moment länger und so musste ihr Besuch tatsächlich nachfragen.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich— Ich—“</span><br />
<br />
Da hatte er plötzlich die Erkenntnis, dass das so ja noch viel besser war und seine Begeisterung sprudelte über:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aber das ist ja wunderbar Sir! Dann werden sie bestimmt auch wieder richtig sehen können. Und bis dahin werde ich für sie gucken! Dann brauchen wir nämlich nicht bis dahin zu warten sondern können sofort los — oder spätestens dann wenn sie sich wieder richtig fit fühlen. Es geht ihnen doch schon besser, richtig? Und sie wollen doch bestimmt nicht im Bett liegen bleiben oder? Also werde ich ihre Augen sein! Dann können wir zusammen die Inselwelten erkunden. Ich sage ihnen was ich sehe und sie sagen mir wo ich hingucken muß oder wie ich die Instrumente lese, damit ich ihnen sagen kann was die anzeigen. Und später können sie mir dann auch richtig den Rest beibringen! Ich will nämlich auch zur See fahren. Ich dachte zwar erst an später aber warum nicht jetzt? So hätten wir nämlich beide was davon. Wir müssen nur noch ihren Capitán überzeugen Sir."</span><br />
<br />
Kurz hielt er inne und besann sich, dass es unhöflichen war etwas über den Kopf einer anderen Person zu entscheiden. Also fragte er:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Und? Was meinen sie? Wäre das nicht was?" </span><br />
<br />
Voll Hoffnung und Begeisterung sah er zu Cornelis auf und wartete auf dessen Antwort.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Cornelis hörte ein Scheppern, als Enrique seine Tasse umkippte, dann sah er das Licht sich senken und erlöschen, als das Wachs den Docht übergoß. Sofort wurde ihm wieder mulmig zumute, als die Dunkelheit von ihm erneut Besitz ergriff. Deshalb erstarb sein Lachen auch ziemlich aprupt und er bat:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Bitte, kann das Licht wieder angezündet werden."</span><br />
<br />
Als dies geschehen war, folgte er Enriques Ausführungen, wobei sein Gesichtsausdruck immer zweifelnder wurde. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Nun ja"</span>, begann er vorsichtig. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich weiß ja nicht genau, wie alt du bist, aber mit 12 wurde ich Schiffsjunge. Ich glaube, du bist auch nicht weit davon weg, so wie ich deine Stimme einschätze. Aber: Was würden deine Eltern dazu sagen? Und wenn du es um jeden Preis willst, so wie ich damals, müßtest du bereit sein, von Zuhause wegzugehen und die Möglichkeit in Kauf nehmen können, daß du nie wieder zurückkehren kannst. Könntest du das wirklich?"</span> <br />
<br />
Er schwieg einen kurzen Moment. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Mal ganz abgesehen davon, daß eine gute schulische Ausbildung dir im Leben oftmals weiterhelfen kann. Und ich denke doch, daß du diese hier bekommst."</span> Er dachte dabei an das, was er vom Hause Don Jorges bisher mitbekommen hatte - Dienstmädchen und Butler... das waren keine armen Leute.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Der Steuermann hatte kaum die Bitte geäußert, da fauchte auch schon wieder ein Streichholz und brachte den Lichtpunkt zurück.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"¡Lo siento Sir!"</span>, kam es dabei leise von Enrique in Cornelis Richtung. Direkt danach befand er sich dann mit Joanna im Gespräch.<br />
<br />
Als sein Vorschlag dann auf wenig Gegenliebe zu stoßen schien bildete sich ein Klumpen in der Magengegend des Jungen.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich bin jetzt bald 11"</span>, erklärte er dann, während er überlegte, wie er van der Meer doch überzeugen könnte, <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"also gar nicht weit davon weg! Bibi wird es mir bestimmt erlauben und Baba kriege ich auch noch überzeugt, dass das für mich besser ist als Händler zu werden. Und selbst wenn ich nicht zurückkommen kann, dann treffen wir uns eben bei unserer Großmutter Isa. Da kann Baba nichts gegen machen! Das geht schon Sir."</span><br />
<br />
Anfangs unsicher mischte sich nach und nach wieder mehr Begeisterung in Enriques Stimme, je mehr er Lösungen fand.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aber wenn sie wirklich meinen ich soll erst noch lernen, dann... Dann lerne ich hier eben noch bis ich genug weiß und sie können mir die Sachen erklären, die ich dann später auf See brauche. Und wenn ich dann genug weiß, dann komme ich mit auf See. Bis dahin haben meine Eltern dann auch bestimmt nichts mehr dagegen!"</span><br />
<br />
Wieder strahlte er über das ganze Gesicht.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Das wird bestimmt wundervoll! Meinen Sie nicht auch? Und wir haben Zeit das mit 'ich gucke für sie' zu üben, bis sie wieder richtig schauen können, dann wird das auf See auch nicht so gefährlich, dann können wir das ja schon oder sie wieder richtig sehen. Das ist also auch gar nicht so schlecht meint ihr nicht?"</span><br />
<br />
Er sah zwischen den Beiden hin und her und erhielt von Isabella ein warmes, glückliches Lächeln.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">“Und Isa kann Anfangs mit uns kommen, oder? Dann macht das alles noch viel mehr Spaß!"</span><br />
<br />
Das Mädchen kicherte hinter vorgehaltener Hand.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Sofort erschien wieder das glückliche Lächeln auf Cornelis´ Gesicht, als der Lichtpunkt zurückgekehrt war. Er lauschte Enriques Ausführungen, dabei führte er das Sandwich zum Mund und aß es mit einigen großen Bissen einfach auf. Man konnte sehen, daß er es gewohnt war schnell zu essen, da auf dem Schiff oftmals nicht die Zeit für lange Mahlzeiten war.<br />
Als der Junge geendet hatte nickte er.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ja, ich denke auch es ist das beste, wenn du zunächst einmal deine Ausbildung fortführst. Und wenn du dann immer noch zur See fahren möchtest, dann bringe ich dich gerne dorthin. Da drehe ich dann schon etwas für dich. <br />
<br />
Aber jetzt können wir das gerne machen, daß du meine Augen bist und natürlich darf uns Isa gerne begleiten, wenn sie möchte."</span><br />
<br />
Danach bat er darum, daß jemand seine Hand zu seiner Tasse führen möge, damit er seinen Kaffee trinken konnte.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich weiß jetzt schon, dass ich dann immer noch zur See fahren will! Ganz bestimmt!"</span>, sprudelte es weiter aus ihm heraus.<br />
<br />
Joanna half Cornelis derweil beim Trinken.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich kenne jetzt schon fast alle Geschichten über Don Martin. Señor Cortés war nahezu überall, sooo viel hat er entdeckt! Und genau das will ich auch machen. Ich will ein genau so berühmter Entdecker werden!<br />
"Oder wie Philippe Soar gegen Piraten kämpfen oder mit Tairani guami'roa durch einen Huraca'n segeln oder wie Steven Lovejoy gegen Seeungeheuer kämpfen und Schätze heben. Oder wie Señor Alfredo Garcia die Schiffahrt revolt- reval- grundlegend erneuern oder wie Anacaona gegen Riesen Kämpfen..."</span><br />
<br />
Er versuchte sich zu bremsen, aber er war Feuer und Flamme, Namen purzelten nur so von seinen Lippen, reale und fiktive Personen, Seefahrer, Abenteurer, Ingenieure, Navigatoren, Schiffsbauer, Ärzte, Wissenschaftler und Entdecker aller Stände und Bekanntheit gaben sich eine Stelldichein. Ob gelesen oder erzählt bekommen, er kannte sie alle. <br />
Waren Cornelis die Namen unbekannt, so bräuchte er das nur zu erwähnen und der Zehnjährige würde anfangen dem Steuermann von ihnen zu erzählen.<br />
Isabella genoss den fröhlichen, nur gelegentlich unterbrochenen Redefluss und das glückliche Lächeln des Seemanns. Ihr war es recht still dabeizusitzen.<br />
<br />
So Cornelis Enrique nicht unterbrechen würde um selbst ein Thema anzuschneiden oder den Tisch zu verlassen wären sie also gut unterhalten. Auch Enrique war ein schneller Esser, gab es doch so viel zu tun oder zu sagen. Darüber vergaß er nur für eine kleine Weile seinen Plan, danach fing er an, Joannas Aufgabe zu übernehmen und Cornelis beim Essen zu helfen.<br />
Sie waren schon eine kleine Weile damit fertig als es an die Tür klopfte und der Butler damit den Jungen unterbrach:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Doctor Carstairs ist hier. Ich werde ihn verständigen, sobald die Herrschaften bereit sind ihn zu empfangen."</span><br />
<br />
Dabei sah und sprach er hauptsächlich Cornelis an und wartete auf dessen Reaktion, auch wenn Enrique bereits antwortete:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Dann holen sie ihn! Wir haben wunderbare Neuigkeiten für ihn!"</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Natürlich kannte auch Cornelis als eingefleischter Seebär all die Namen und so waren er und Enrique bald in ein angeregtes Gespräch über diesen oder jenen Kapitän oder Entdecker verstrickt. Dabei frühstückte Cornelis mit Hilfe des Jungen ausgiebig und lehnte sich schließlich gemütlich im Stuhl zurück, um das Gespräch weiterzuführen. <br />
<br />
Nur eine kleine Weile später klopfte es an der Tür und der Butler kündigte die Ankunft des Arztes an. Cornelis schmunzelte, als Enrique ihm aufgeregt die Antwort vorausnahm und bestätigte seine Worte gegenüber dem Butler. Während sie nun darauf warteten, daß dieser mit dem Arzt zurückkehren würde, fragte Cornelis Enrique:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Möchtest du eurem Arzt von meinen Fortschritten berichten?"</span> Er glaubte, dem Jungen einen Gefallen damit zu tun, ihm eine so "wichtige" Aufgabe zu übertragen.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Hätte Enrique darüber nachgedacht, ihn hätte es wohl irritiert, dass Cornelis nicht nach den Helden der Ara'tayu fragte, doch es gab zu viele Seefahrer, über die sie reden konnten, da waren sie längst ganz woanders.<br />
<br />
Joanna beobachtete das Ganze missbilligend. Dieser Gast ließ den jungen Herren gänzlich seine Manieren vergessen! Er schlang, sprach mit vollem Mund, ignorierte die Servietten, fragte nicht ob er aufstehen dürfe und benahm sich auch sonst nicht gerade vorbildlich.<br />
Sie musste ihm aber zu Gute halten, dass er sich zur vollsten Zufriedenheit des Steuermannes um eben jenen kümmerte, darauf achtete, nichts weiter umzuwerfen und zudem gute Laune verbreitete.<br />
Insgesamt war sie vor allem froh, dass der Hausherr nicht anwesend war und sehr erleichtert, als sie endlich das Essen abtragen konnte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich Sir? Vielen Dank Sir, aber nein. Señor Carstairs wird das von ihnen hören wollen. Außerdem kann ich doch gar nicht wissen, wie sie sich genau fühlen. Das sage ich ihm jedes Mal, wenn er fragt: 'Wie fühlen wir uns Heute?' Inzwischen fragt er auch eher, wie es mir geht."</span><br />
<br />
Kurz darauf klopfte es erneut an der Tür und der Butler kündigte den Arzt an, der dann auch mit einem freundlichen, ruhigen <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Guten Tag"</span> das Gästezimmer betrat.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"¡Hola Señor Carstairs! Kommen sie rein! Es gibt wunderbare Neuigkeiten!"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Langsam junger Mann! Ich glaube, in diesem Fall haben wir durchaus etwas Zeit."</span><br />
<br />
Der Neuankömmling klang trotzdem recht erheitert und er musste sich doch recht schnell genähert haben, denn schon legte der Junge die Hände der beiden Älteren in einander.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich freue mich sie endlich auch im Wachen und bei bester Laune kennen zu lernen, Herr van der Meer!"</span><br />
<br />
Der Griff der schlanken Hand des Arztes war eher leicht aber nicht ohne Vitalität.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wollen wir dann gleich mit der Untersuchung anfangen oder wollen sie zunächst berichten?"</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Cornelis lachte kurz erheitert auf, als Enrique davon erzählte, daß er ja nicht wissen könnte, wie sich Dr. Carstairs genau fühlen würde. Dann klopfte es auch schon erneut an der Tür, der Butler kündigte den Arzt an und Dr. Carstairs betrat mit einem Gruß das Zimmer. Cornelis wandte den Kopf und stellte erneut zu seiner Zufriedenheit fest, daß dort Bewegung in den Schatten war, wenn auch noch nicht sehr deutlich.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Guten Tag, Sir."</span><br />
<br />
Er schmunzelte, als Enrique ganz aufgeregt von den wundervollen Neuigkeiten sprach.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"In der Tat habe ich beste Laune. Mir geht es auch ausgezeichnet. Zwar brummt mein Schädel noch ganz gut, aber sehen Sie das Licht dort?"</span> Er hob die Hand und deutete in Richtung der Kerze auf dem Tisch. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich sehe es auch wieder. Das bedeutet doch wohl, daß ich mein Augenlicht zurückbekommen werde? Und von mir aus können wir jetzt auch mit der Untersuchung beginnen."</span><br />
<br />
Bei seiner guten Laune ließ er alles, was folgen würde, geduldig über sich ergehen.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Der Doktor nickte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Dass ihnen der Kopf brummt, nachdem, was ich an ihrem Hinterkopf behandelt habe und mir ihr Kapitän über den Unfall berichtet hat, glaube ich gern. Ich bin sehr froh, ihnen sagen zu können, dass nichts gebrochen ist, da haben sie sehr, sehr viel Glück gehabt Herr van der Meer. So dürfte es sich hierbei in erster Linie um eine sehr schwere Gehirnerschütterung handeln."</span><br />
<br />
Carstairs machte eine kurze Pause. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Da die Platzwunde, laut Frau de Guzmán gut und ohne Komplikationen heilt - ich möchte mich zunächst davon trotzdem selbst überzeugen - sollten sie, wenn sie sich weiterhin möglichst viel ausruhen, und ich rede hier von Bettruhe!, diese Kopfschmerzen innerhalb von ein oder zwei Tagen los sein.<br />
"Andernfalls kann sich das noch weitere Tage hinziehen. Sie tun sich also selbst einen Gefallen, wenn sie die Zeit außerhalb auf das Nötigste beschränken."</span><br />
<br />
Beschwichtigend hob er die Hände und fügte an:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Falls ihnen das gar nicht behagt ruhen sie im Lehnsessel. Das wird gehen."</span><br />
<br />
Enrique schaute zwischen den Erwachsenen hin und her und lauschte gebannt. Dass die Antwort, die er und Cornelis unbedingt hören wollten, nicht sofort kam machte ihn unruhig, so sehr, dass er sich an einer Stuhllehne festhalten musste.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Zu ihren Augen:<br />
"Habe ich das richtig verstanden, dass sie den Verband die ganze Zeit auch vor den Augen hatten? Oder haben sie ihn nur zeitweise so getragen und zu den anderen Zeiten Gestern gar nichts sehen gekonnt? Das hat mir der junge Herr de Guzmán nicht sagen können."</span><br />
<br />
Während er sprach trat er neben Cornelis und fing an, den Verband zu lösen.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Als der Doktor von Bettruhe sprach, zogen sich seine Augenbrauen zornig nach unten. Schon wieder einer, der ihn wie einen Totkranken behandeln wollte. Doch als der Doktor beschwichtigend hinzufügte, daß der Lehnsessel von gestern auch in Ordnung wäre, entspannten sich seine Züge wieder und er nickte leicht.<br />
Dann wartete er gespannt auf die Beantwortung seiner Frage, doch statt einer Antwort stellte der Arzt noch weitere Fragen zu dem vorherigen Verband.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Vermutlich war mein Glück, daß mich das Segeltuch bereits zu Boden gerissen hatte, bevor das Stag mich traf. Ich denke, es war durch die Ladung in der Mitte des Hauptdecks bereits etwas abgebremst worden, sonst hätte es mich eigentlich erschlagen müssen." </span><br />
<br />
Er hielt einen Moment inne und rief sich die Geschehnisse nochmals in Erinnerung, bevor er die Fragen des Arztes zu beantworten begann.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Als mich meine Kameraden unter dem Segel herausgezogen hatten, war ich noch ohne Bewußtsein. Da haben sie nur meine Wunde verbunden gehabt. Wir haben im Moment keinen Schiffsarzt an Bord, weil dieser vorm Auslaufen durch Krankheit kurzfristig ausgefallen war. Als ich dann wieder zu mir kam, merkte ich, daß ich nichts mehr sehen konnte. Daraufhin haben sie mir einen neuen Verband gemacht - die Wunde blutete ja auch wie ein Schwein - und diesen dann auch über meine Augen gemacht. Sie sagten, daß sie hofften, etwas Schonung könnte meinen Augen gut tun."</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Vorsichtig schob Carstairs, nachdem er das letzte bisschen verhüllenden Stoff entfernt hatte, Cornelis Haar beiseite und tastete über die Naht.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Das sieht in der Tat gut aus. Frau de Guzmán leistet hervorragende Arbeit mit ihrer Pflege. Tut die Wunde noch weh?"</span><br />
<br />
Das war zwar noch immer nicht die Antwort, die er hören wollte, aber so aufgeregt wie er war konnte er vor Begeisterung sein Mundwerk nicht halten:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Bibi ist sowieso die beste! Gleich nach Isa. Sie— scusa, Doktor..."</span>, endete er kleinlaut unter dessen strengen Blick, dann aber strahlte er schon wieder, als er leise zu seiner Schwester meinte:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Trotzdem klasse, dass Bibi das so gut kann und es unserem Gast jetzt schon wieder so gut geht, nicht mehr lange und van der Meer ist wieder ganz gesund!"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Auch dank dir"</span>, antwortete sie leise.<br />
<br />
Da wurde er rot und schwieg.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Der leichte Druck ist normal und mit fortschreitender Heilung wird die Narbe, denn es wird eine zurückbleiben, auch anfangen zu jucken. Versuchen sie so wenig wie möglich zu kratzen, das wird die Heilung beschleunigen."</span><br />
<br />
Während er sprach erneuerte Carstairs den Verband.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich kann sie beruhigen, wenn sie ihr Haar weiter wie bisher tragen, wird davon nichts zu sehen sein, sowie ihre Haare dort nachgewachsen sind. Außerdem ist sie meines Erachtens nach ein kleiner Preis für dass, was sie überlebt haben."</span><br />
<br />
Geschickt befestigte er das Ende des Verbandes.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Jetzt zu ihren Augen."</span><br />
<br />
Zunächst nahm er Daumen und Zeigefinger um die Lider daran zu hindern, sich zu schließen und betrachtete die geweiteten Pupillen und ihre Iris genau, verdeckte dabei kurz das Licht, dann zog er sich zurück und holte einen kleinen Kerzenhalter mit Metallspiegel aus seiner Arzttasche vom Tisch, dann eine kleine Kerze, entzündete sie und setzte sie vor den Hohlspiegel.<br />
Dann wandte er sich wieder dem Seemann zu.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich werde jetzt in ihre Augen hineinleuchten und schauen, ob ich dort etwas erkennen kann."</span><br />
<br />
Abermals spreizten seine Finger die Augenlider des Verletzten, anschließend führte er das gebündelte Licht direkt vor Cornelis rechtes Auge.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Nein, eigentlich nicht. Nur bei Berührung eben"</span>, beantwortete Cornelis Carstairs Frage, ob die Wunde noch schmerzte. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Es freut mich zu hören, daß die Heilung gut voranschreitet."</span><br />
<br />
Von der leisen Unterhaltung der Kinder bekam er bewußt nichts mit, da er sich in diesem Moment auf den Arzt konzentrierte. Geduldig ließ er den Verbandswechsel über sich ergehen.<br />
<br />
Er vernahm zwar, daß sich Carstairs jetzt seinen Augen zuwenden wollte, doch da er die Bewegung nicht sah, zuckte er im ersten Moment vor den Fingern des Arztes zurück, als diese ihn an seinem Auge berührten. Doch dann wußte er ja, was kommen würde, nickte leicht und erwartete das nächste Mal die Berührung, ohne wegzuziehen. Er zog nur leicht mißbilligend die Augenbrauen zusammen, als der Arzt seinen Hoffnungsschimmer verdeckte.<br />
<br />
Er hörte, daß Carstairs ihm in die Augen leuchten wollte, und dachte sich nichts weiter dabei. Doch das gebündelte Licht wirkte in seinem Hirn wie eine Explosion und bereitete ihm erneut Kopfschmerz. Reflexartig schnellte seine Hand nach oben, um sein Auge vor dieser gleisenden Helligkeit abzuschirmen. Dabei schlug er unabsichtlich die Hand des Arztes weg. Dann drehte er den Kopf zur Seite und unten und seine Finger gingen an die Schläfen und massierten diese langsam.</div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Kerze und Halter folgen im hohen Bogen durch den Raum.<br />
Joanna und Isabella stießen erschreckte Laute aus.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"¡Cuidado!"</span>, rief Enrique und und versuchte beides zu fangen, was ihm auch bei der Lampe gelang, doch die Kerze kollerte verlöschend und kleckernd über den Tisch.<br />
<br />
Carstairs wich zurück, ließ Cornelis erstmal sich beruhigen. Als der Junge ihm Kerze und Halter reichte nickte er ihm zu, ließ ihn aber augenblicklich zu dem Steuermann durch, als dieser weiter wollte. <br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'Faszinierend...'</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Sir? Geht es ihnen gut? Kann ich helfen?" </span><br />
<br />
Der Zehnjährige legte dem Verletzen dabei die Hände auf die Oberarme.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich denke Herr van der Meer braucht vor allem erstmal ein Glas Wasser."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"¡Sí, doctor!"</span><br />
<br />
Fast sofort bekam er eines von Joanna und reichte es weiter.<br />
Derweil richtete Carstairs die kleine Kerze und entzündete sie wieder. <br />
Nachdem Cornelis getrunken und der Junge ihm das Glas wieder abgenommen hatte, trat der Mediziner zu seinem Patienten.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Darf ich?"</span><br />
<br />
Vorsichtig legte er die Finger auf die Schläfen und tastete.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wie ich sehe geht es wieder einigermaßen. Sehen sie mich bitte an und schließen sie dabei das rechte Auge!"</span><br />
<br />
Als der Seemann seiner Bitte nachkam bewegte er langsam das Licht von Tisch ein bisschen auf Cornelis Gesicht zu, immer darauf achten, was er für Reaktionen bekäme. Noch bevor das Licht blendend grell werden konnte stellte er es auf den Tisch zurück, beobachtete Cornelis linkes Auge aufmerksam und nickte dann.<br />
Enrique war dabei die ganze Zeit argh versucht, den Doktor mit einem <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">'Wu'a Señor!'</span> zu stoppen hielt sich aber an der Tischkante fest und schwieg bang, musste der Arzt das doch wahrscheinlich tun um zu wissen, wie es dem Rotbart ginge.<br />
Und in der Tat ergriff Carstairs schließlich das Wort:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich habe eine gute und eine Schlechte Nachricht für sie Herr van der Meer. Welche wollen sie zuerst hören?"</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Nachdem der Schmerz in seinem Schläfenbereich langsam nachgelassen hatte, richtete sich Cornelis wieder auf. Er hörte Enriques Stimme vor sich und fühlte kleine Hände auf seinen Armen liegen. Er wußte nicht warum, doch er hob automatisch seine rechte Hand und tastete vorsichtig nach Enriques Kopf. Dort strich er sanft an der Seite durch dessen Haar, falls er seiner Berührung nicht auswich, während er sagte: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Danke, Enrique, es geht schon wieder."</span><br />
<br />
Er nahm das Glas Wasser entgegen. Er trank einige kleine Schlucke. Bevor er es zurückreichte. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Danke. Entschuldigen Sie, Doktor, ich hoffe, ich habe nichts beschädigt..."</span><br />
<br />
Als der Doktor ihn darum bat, seine Augen nochmals untersuchen zu dürfen, nickte er und erwartete geduldig, was da folgen würde. Er sah wieder ein Licht, das auch größer und heller wurde, aber doch nicht so nah herankam, daß es wieder den Schmerz im Kopf auslöste. <br />
<br />
Dann runzelte sich die Stirn des Steuermannes, als Carstairs von einer guten und einer schlechten Nachricht sprach. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ist mir gleich, fangen Sie halt an."</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Enrique war viel zu aufgewühlt um über Nähe und wie er dazu stünde nachzudenken und dann viel zu erleichtert, um der Hand auszuweichen. Stattdessen hielt er absichtlich still, weil Cornelis mit der Hand etwas tun wollte und das bestimmt leichter wäre, wenn er sich nicht bewegte. Die Geste selbst erinnerte ihn an Nahia und seine Großmutter. Ein leises Lächeln verdrängte seine Sorge um seinen Gast.<br />
Bevor er allerdings irgendwie darauf reagieren konnte war er wieder mit helfen beschäftigt.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich glaube, sie haben mit ihrer Reaktion den anwesenden Damen einen leichten Schrecken verpasst. Und ein paar Wachsflecken auf der Tischdecke verteilt. Sonst ist kein Schaden entstanden"</span>, erwiderte Carstairs ruhig.<br />
<br />
Auf Cornelis Antwort überlegte der Arzt kurz. Dann fing er an:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich werde versuchen, ihnen die ganze Angelegenheit so einfach wie möglich zu erklären. <br />
"Ihre Augen sind derzeit sehr empfindlich, gerade was helles Licht betrifft. Das liegt an einer stark verlangsamten Reaktion auf äußere Reize. Dass sie darauf reagieren und dass sich ihr Sehvermögen, wenn auch eingeschränkt, wieder eingestellt hat, bietet Anlass zur Hoffnung. Immerhin funktionieren ihre Sehnerven noch. <br />
"Bei meinem kurzen Blick in ihr rechtes Auge konnte ich keinen Schaden sehen. Was auch immer ihr Sehvermögen einschränkt scheint mir nichts Äußerliches zu sein. Will heißen, die Verletzungen, die heilen müssen, sind in ihrem Kopf, ich kann also nichts tun.<br />
"Alles was mir bleibt, ist sie und ihre Augen vor weiterem Schaden zu bewahren und ihnen bei der Selbstheilung unterstützend unter die Arme zu greifen.<br />
"Dazu muss ich ihnen die Augen verbinden und ihnen noch einmal strikte Ruhe nahelegen. Innere und äußere Verletzungen am Kopf heilen auf diese Weise am Besten und das anderenfalls hohe Risiko negativer Auswirkungen verringert sich.<br />
"Vermeiden sie unbedingt jegliche größere Anstrengungen in nächster Zeit, es kann sein, dass sie andernfalls nicht nur jegliche Chance auf Genesung verspielen." </span><br />
<br />
Er machte eine kleine Pause, hoffte, dass seine Ermahnung in ihrer ganzen Schwere verstanden wurde, dann schloss er zuversichtlich:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wenn sie sich allerdings daran halten, dann glaube ich, werden nicht nur die Kopfschmerzen bald gänzlich verschwunden sein."</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Es tut mir leid, meine Damen. Ich wollte euch nicht erschrecken, es war ein Reflex..." <br />
</span><br />
Als dann Carstairs mit seinen Ausführungen begann, blieben seine Züge ruhig. Als dieser geendet hatte, sagte er:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Sie haben recht, Doktor, normalerweise würde mir das gar nicht passen. Aber für mein Augenlicht tue ich alles, bedeutet das doch auch, daß ich wieder zur See fahren kann."</span><br />
<br />
Er wandte leicht den Kopf in die Richtung, in der er Enrique vermutete, und lächelte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Dann kommt deine Idee, meine Augen zu sein, ja gerade recht. Aber zunächst könntest du mir den Gefallen tun und meinem Käpt´n Bescheid geben lassen, daß ich kein Totalausfall bin. Jedenfalls aller Wahrscheinlichkeit nach."</span><br />
<br />
Dann wandte er sich wieder an Carstairs: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Dann fangen Sie an, verbinden Sie meine Augen, wenn das nötig ist."</span></div></blockquote>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Enrique">Isabella kicherte nur, während Joanna leise <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Nada para excusar, señor"</span> murmelte.<br />
<br />
Der Doktor nickte knapp auf Cornelis Antwort. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Ich werde persönlich gehen. El Capitán Shane kennt mich ja jetzt. Dann kann ich ihm auch sämtliche seiner Fragen gleich beantworten. Und falls sie mich nicht auf das Schiff lassen brauche ich ja nur zu rufen."</span><br />
<br />
Carstairs griff in seinen Arztkoffer und tat schließlich wie geheißen. Als er fertig war verabschiedete er sich:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Dann sehen wir uns in zwei Tagen Herr van der Meer. Vielleicht dann auch schon richtig. Geben Sie auf sich Acht!"<br />
</span><br />
***<br />
<br />
Cornelis war danach erschöpft und ließ sich wahrscheinlich sogar überreden, doch vorerst ins Bett zurückzukehren. <br />
Kurz darauf brachte Enrique die bestätigende Worte und gute Wünsche des Kapitäns mit. Er freue sich sehr und würde Cornelis besuchen kommen, sobald er Zeit fände. Die Reparaturen an der Seepferdchen Schritten gut voran, dennoch würde sie noch eine ganze Weile lang nicht auslaufen. Er habe also alle Zeit der Welt, sich zu erholen.</div></blockquote>
<br />
<br />
<div style="text-align: center;" class="mycode_align">- Ende -</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[There's a cold wind blowing]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=694</link>
			<pubDate>Sun, 23 Dec 2018 17:58:31 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=0">Sylas Whyld</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=694</guid>
			<description><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css?family=Homemade+Apple" rel="stylesheet">
<center><span style="color:#800000;font-family: 'Homemade Apple', cursive;font-size:22px;">There's a cold wind blowing rattling the trees<br />
and I won't be satisfied 'til they know it's me<br />
They'll be new blood on the leaves</span></center><br />
<br />
<span style="color:#800000;">Es war eine erfolgreicher Woche für die Crew der <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Squall Eater</span> gewesen. Eine, die ihren Ruf in dieser Welt noch weiter festigen würde und dafür, dass man ihren Namen mit noch mehr Furcht in der Stimme flüsterte. Doch nicht überall wurde ihr Namen mit Furcht ausgesprochen, so gab es doch auch den einen oder anderen Ort, an dem er eher mit Ehrfurcht genannt wurde. Wo sie nicht auf Angst trafen, sondern auf Anerkennung. In manchen Erzählungen waren sie der dunkle Geist, der über den Meeren der Welt schwebte und aus dem Nichts auftauchte, um Tod und Verderben zu bringen und in anderen Erzählungen waren sie einfach nur schwer zu fassenden Piraten, die mordend durch die Welt zogen. Ja, sie waren Piraten und sie alle waren stolz auf dieses Leben, doch konnte man keinem von ihnen nachsagen, dass sie einfach nur mordhungrige Menschen waren. Ja, sie überfielen andere Schiffe und nicht immer waren die Captains der anderen Schiffe vernünftig genug sich nicht zur Wehr zu setzen und das war dann der Moment, an dem eine der ältesten Regeln der Menschheit aktiv wurde – Töte oder du wirst getötet. Es gab genug Piraten auf den Meeren der Welt, die aus Spaß töteten, die Gewalt anwandten, wo keine notwendig war, doch sie gehörten nicht zu dieser Sorte. Eine Sorte, die von ihnen allesamt verachtet wurde. Wie hatte Cor einmal gesagt: 'Nur weil das Leben uns keine faire Chance gegeben hat, müssen wir es ihm gleichtun'. In der Tat hatte sich keiner von ihnen aus wirklich freien Stücken für dieses Leben entschieden. Es waren Umstände gewesen, die jedem von ihnen keine andere Wahl gelassen hatte, als diesen Weg zu beschreiten. Bei manchen war es der Wunsch gewesen, ihrem alten Leben zu entfliehen. Manch einem war Unrecht getan wurden und nun wollte er auf diesem Weg die Rechnung begleichen und andere sahen in diesem Leben eine Freiheit, die ihnen kein anderes Leben jemals würde bieten können. Sie alle hatten ihre ganz eigenen und persönlichen Gründe, doch keiner davon war der, andere Menschen töten zu können. <br />
<br />
So erfolgreich die Woche auch gewesen war, sie war nicht spurlos an Crew und Schiff vorbeigegangen und was lag in so einem Fall näher, als einen Hafen anzusteuern, von dem man sicher sein konnte, unter seinesgleichen zu sein? Tokara war ein Hafen, der sich fest in der Hand von Piraten befand und gewiss ein schmerzhafter Dorn im Auge aller Gesetzestreuen war und doch hatte es bisher keiner gewagt den Hafen ihrer Kontrolle zu entreißen und sie taten auch gut daran es nicht zu versuchen. Piraten waren sich untereinander nicht immer freundlich gesonnen, doch alle hatten sie einen gemeinsamen Feind und dieser ermöglichte es ihnen, auch ihre größten Differenzen zu überkommen. Zumindest für eine gewisse Zeit. Nun gut, vielleicht auch nicht ganz ohne Schwierigkeiten, aber in der Theorie war es zumindest machbar. Sylas hoffte nur, dass der Tag noch in weiter Ferne lag, an dem seine Theorie auf ihre Praxistauglichkeit getestet wurde. Abgesehen davon, wollte er an diesem Tag auch gar nicht über das wann und wie nachdenken. Heute wollte er einfach nur einen Rum mehr trinken, als gut für ihn war und vielleicht mit einer oder auch zwei Frauen seinen Spaß haben. Er hatte es sich verdient, so wie jeder an Bord es sich verdient hatte und das würde er sich von niemanden vermiesen lassen. Auch nicht von der Mannschaft oder dem Captain des Schiffes im Hafen, welches ihm schon aus der Entfernung sofort ins Auge gestochen war. Es war nicht so, dass er dem Captain die Pest an den Hals wünschte, aber ein paar Tage nicht mehr vom Klo herunter zu kommen lag dann doch im Bereich des wünschbaren. Sie waren gewiss keine Freunde, aber er respektierte ihn als guten Captain, der wusste was er tat. Sie waren Konkurrenten und das schon seit langer Zeit und ein jeder versuchte nicht das Kielwasser des anderen zu kreuzen, wenn es sich vermeiden ließ. Man respektierte einander, aber das war wohl auch das einzige, was sie miteinander gemeinsam hatten. Zumindest aus Sylas' Sicht der Dinge. <br />
<br />
Gemeinsam mit Cor verließ Sylas die Squall Eater, doch bereits am Landesteg trennten sich ihrer beider Wege, so hatte Cor ein paar persönliche Angelegenheiten zu klären. Sylas war zugegeben etwas verwundert, dass er ihn nicht dabei haben wollte, so gab es doch so gut wie nichts, an dem er nicht beteiligt war, aber er akzeptierte Cors Entscheidung ohne ein einziges Widerwort. Während Cor in der Menge verschwand, sah Sylas ihm noch für einen Moment nach, ehe er seine Schritte in Richtung Taverne lenkte, um zumindest sein erstes Vorhaben für diesen Tag in die Tat umzusetzen. Mit erhobenem Kinn betrat er den Schankraum und ohne auch nur einen Blick nach rechts oder links zu werfen ging er direkt auf die Theke zu. Ein Verhalten, was sich nicht jeder leisten konnte, so wusste man doch nie, ob nicht irgendwo jemand saß, der einem nicht wohl gesonnen war, doch Sylas wusste, dass sich niemand freiwillig mit einem Crewmitglied der Squall Eater anlegen würde. Nicht solange ihm sein Leben etwas bedeutete.</span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css?family=Homemade+Apple" rel="stylesheet">
<center><span style="color:#800000;font-family: 'Homemade Apple', cursive;font-size:22px;">There's a cold wind blowing rattling the trees<br />
and I won't be satisfied 'til they know it's me<br />
They'll be new blood on the leaves</span></center><br />
<br />
<span style="color:#800000;">Es war eine erfolgreicher Woche für die Crew der <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Squall Eater</span> gewesen. Eine, die ihren Ruf in dieser Welt noch weiter festigen würde und dafür, dass man ihren Namen mit noch mehr Furcht in der Stimme flüsterte. Doch nicht überall wurde ihr Namen mit Furcht ausgesprochen, so gab es doch auch den einen oder anderen Ort, an dem er eher mit Ehrfurcht genannt wurde. Wo sie nicht auf Angst trafen, sondern auf Anerkennung. In manchen Erzählungen waren sie der dunkle Geist, der über den Meeren der Welt schwebte und aus dem Nichts auftauchte, um Tod und Verderben zu bringen und in anderen Erzählungen waren sie einfach nur schwer zu fassenden Piraten, die mordend durch die Welt zogen. Ja, sie waren Piraten und sie alle waren stolz auf dieses Leben, doch konnte man keinem von ihnen nachsagen, dass sie einfach nur mordhungrige Menschen waren. Ja, sie überfielen andere Schiffe und nicht immer waren die Captains der anderen Schiffe vernünftig genug sich nicht zur Wehr zu setzen und das war dann der Moment, an dem eine der ältesten Regeln der Menschheit aktiv wurde – Töte oder du wirst getötet. Es gab genug Piraten auf den Meeren der Welt, die aus Spaß töteten, die Gewalt anwandten, wo keine notwendig war, doch sie gehörten nicht zu dieser Sorte. Eine Sorte, die von ihnen allesamt verachtet wurde. Wie hatte Cor einmal gesagt: 'Nur weil das Leben uns keine faire Chance gegeben hat, müssen wir es ihm gleichtun'. In der Tat hatte sich keiner von ihnen aus wirklich freien Stücken für dieses Leben entschieden. Es waren Umstände gewesen, die jedem von ihnen keine andere Wahl gelassen hatte, als diesen Weg zu beschreiten. Bei manchen war es der Wunsch gewesen, ihrem alten Leben zu entfliehen. Manch einem war Unrecht getan wurden und nun wollte er auf diesem Weg die Rechnung begleichen und andere sahen in diesem Leben eine Freiheit, die ihnen kein anderes Leben jemals würde bieten können. Sie alle hatten ihre ganz eigenen und persönlichen Gründe, doch keiner davon war der, andere Menschen töten zu können. <br />
<br />
So erfolgreich die Woche auch gewesen war, sie war nicht spurlos an Crew und Schiff vorbeigegangen und was lag in so einem Fall näher, als einen Hafen anzusteuern, von dem man sicher sein konnte, unter seinesgleichen zu sein? Tokara war ein Hafen, der sich fest in der Hand von Piraten befand und gewiss ein schmerzhafter Dorn im Auge aller Gesetzestreuen war und doch hatte es bisher keiner gewagt den Hafen ihrer Kontrolle zu entreißen und sie taten auch gut daran es nicht zu versuchen. Piraten waren sich untereinander nicht immer freundlich gesonnen, doch alle hatten sie einen gemeinsamen Feind und dieser ermöglichte es ihnen, auch ihre größten Differenzen zu überkommen. Zumindest für eine gewisse Zeit. Nun gut, vielleicht auch nicht ganz ohne Schwierigkeiten, aber in der Theorie war es zumindest machbar. Sylas hoffte nur, dass der Tag noch in weiter Ferne lag, an dem seine Theorie auf ihre Praxistauglichkeit getestet wurde. Abgesehen davon, wollte er an diesem Tag auch gar nicht über das wann und wie nachdenken. Heute wollte er einfach nur einen Rum mehr trinken, als gut für ihn war und vielleicht mit einer oder auch zwei Frauen seinen Spaß haben. Er hatte es sich verdient, so wie jeder an Bord es sich verdient hatte und das würde er sich von niemanden vermiesen lassen. Auch nicht von der Mannschaft oder dem Captain des Schiffes im Hafen, welches ihm schon aus der Entfernung sofort ins Auge gestochen war. Es war nicht so, dass er dem Captain die Pest an den Hals wünschte, aber ein paar Tage nicht mehr vom Klo herunter zu kommen lag dann doch im Bereich des wünschbaren. Sie waren gewiss keine Freunde, aber er respektierte ihn als guten Captain, der wusste was er tat. Sie waren Konkurrenten und das schon seit langer Zeit und ein jeder versuchte nicht das Kielwasser des anderen zu kreuzen, wenn es sich vermeiden ließ. Man respektierte einander, aber das war wohl auch das einzige, was sie miteinander gemeinsam hatten. Zumindest aus Sylas' Sicht der Dinge. <br />
<br />
Gemeinsam mit Cor verließ Sylas die Squall Eater, doch bereits am Landesteg trennten sich ihrer beider Wege, so hatte Cor ein paar persönliche Angelegenheiten zu klären. Sylas war zugegeben etwas verwundert, dass er ihn nicht dabei haben wollte, so gab es doch so gut wie nichts, an dem er nicht beteiligt war, aber er akzeptierte Cors Entscheidung ohne ein einziges Widerwort. Während Cor in der Menge verschwand, sah Sylas ihm noch für einen Moment nach, ehe er seine Schritte in Richtung Taverne lenkte, um zumindest sein erstes Vorhaben für diesen Tag in die Tat umzusetzen. Mit erhobenem Kinn betrat er den Schankraum und ohne auch nur einen Blick nach rechts oder links zu werfen ging er direkt auf die Theke zu. Ein Verhalten, was sich nicht jeder leisten konnte, so wusste man doch nie, ob nicht irgendwo jemand saß, der einem nicht wohl gesonnen war, doch Sylas wusste, dass sich niemand freiwillig mit einem Crewmitglied der Squall Eater anlegen würde. Nicht solange ihm sein Leben etwas bedeutete.</span>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[We're all made of stars]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=599</link>
			<pubDate>Tue, 12 Jun 2018 23:36:49 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=33">Elian Montrose</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=599</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">We're all made of stars</div>
<font size=1><i>You can be anything you wanna be<br />
You can go anywhere you wanna see<br />
A little hard work and you can do it<br />
Faith will get you through it<br />
So many possibilities<br />
<br />
You gotta believe, see it, and you can be it<br />
The answers are all inside yourself<br />
The universe has loads of space<br />
And the gift that it gave to the whole human race is that<br />
We're all made of stars, we're all made of dreams<br />
No matter who you are, you can do what you want<br />
Go where you like, be who you wanna be</i><br />
<br />
29. März 1820, Nachmittag<br />
Talin Dravean & Elian Montrose</font></center><br />
<br />
<br />
<blockquote><div class="Elian Montrose">Elian war unter Deck bei einem seiner Patienten gewesen, während das schnittige Marineschiff in den Hafen von Kitar einlief. Erst als der Rummel oben abnahm und er seinen Pflichten ausreichend nachgekommen war, begab er sich nach oben, um bei dem wachhabenden Offizier die Erlaubnis für einen Landgang einzuholen. Diese war schnell erteilt, und so machte sich der junge Militärarzt alleine auf in die kleine Stadt, in die ihm seine Offiziers-Kameraden zum Großteil bereits voraus gegangen waren. Es machte ihm nichts aus, zurückgelassen worden zu sein; tatsächlich war er ganz froh, die Gesichter, die er tagaus, tagein um sich hatte, für eine kurze Weile nicht sehen zu müssen.<br />
<br />
Sein erster Weg führte ihn zur Poststation, wo er das Bündel Briefe, die sich seit dem letzten Landgang angesammelt hatten, aufgab. Die meisten gingen diesmal an seine Geschwister in Raízun. Alle Schreiben an Rhys würde er diesem in nur wenigen Wochen persönlich geben, ja, sogar vorlesen können. Himmel, er konnte es kaum erwarten, den Freund wiederzusehen! Jedes Mal, wenn Elian daran dachte, spürte er, wie sich sein ganzes Gesicht zu einem breiten Grinsen verformte und in seinem Magen ein ganzer Haufen Schmetterlinge tobten. Wenn es irgendwie ginge, würde er darum bitten, auf Rhys' Schiff versetzt zu werden. Oder Rhys auf sein Schiff versetzen zu lassen. Sie hatten auf der letzten Reise während eines kleinen Gefechts gegen Piraten einen der Offiziere verloren, es wäre nur sinnvoll, sich bald um Ersatz zu bemühen.<br />
<br />
Nachdem er die Briefe abgegeben hatte, stand Elian kurz unschlüssig auf der Straße. So ganz wusste er nicht, wohin. Einerseits wäre ein guter Trunk jetzt nicht zu verachten, andererseits graute es ihn, sich in das stickige Gedränge einer Hafenschenke zu begeben, am Ende noch Offizierskameraden zu treffen und sich mit denselben langweiligen Gesprächsthemen herumschlagen zu müssen, die sie bei den Landgängen immer hatten. Oder gar zu riskieren, dass sie ihn wieder in ein Bordell mitschleiften und er dann sein hart erarbeitetes Geld darauf verschwenden musste, mit einer Hure untätig in ihrer Kammer zu sitzen, lange genug, bis niemand sein Fortgehen bemerken oder sich wundern könnte, warum er so schnell fertig war. Es war nicht mal, dass ihn Frauen nicht interessierten... Frauen für Geld interessierten ihn nicht. Na gut, und andere Frauen kannte er nur bedingt. Bisher war das "schöne Geschlecht" Elian jedenfalls durch die Bank eher langweilig vorgekommen, abgesehen von seiner Schwester hatte keine ihn über mehrere Treffen hinweg in einem Gespräch fesseln können. Gut, das war kein reines Frauen-Problem, es ging ihm mit den meisten Menschen so. Irgendwann hörten sie auf ihn zu überraschen, und auch wenn er sie immer noch mochte und ab und an sehr gern Zeit mit ihnen verbrachte, brauchte er immer mal wieder eine klare Pause von seinen Freunden, die seinen Hang zur Reflektion über Götter und die Welt nicht so ganz teilten. <br />
<br />
Im Vergleich dazu waren Rhys und Elian über Jahre nicht die Themen ausgegangen. Womit klar sein dürfte, wieso er Freundschaft der Liebe bisher ganz klar vorzog und wieso er seinen Freund so schmerzlich vermisst hatte. Regelmäßige Briefe waren längst nicht genug, um einander alle Gedanken mitzuteilen! <br />
<br />
Nach einer Weile merkte Elian, dass ihn ebendiese Gedanken davon abgehalten hatten, auf seine Schritte zu achten. Unverhofft fand er sich am Hafen wider, wohin er erstmal noch gar nicht gewollt hatte. Er blieb stehen, erwog, wieder zurück ins Stadtzentrum zu wandern, aber die Sonne schien gerade besonders herrlich auf ihn herunter, es ging ein leichter Wind vom Meer her und erfrischte ihn, und da es noch nicht allzu sehr gegen Abend ging und die meisten Fischer noch auf See waren, hatte er die Docks annähernd für sich selbst. <br />
<br />
Er spazierte noch ein Stück von seinem Schiff weg, suchte sich ein schönes Plätzchen bei einem Stapel Fässer, an die er sich halb anlehnen konnte, und packte seine Geige aus. Bald plätscherten heitere Melodien von seinen Saiten. Wenn er bei der Marine eines aufgeschnappt hatte, dann einen großen Schatz von Shantys und Trinkliedern, die sich mit ein wenig Improvisation leicht in Jigs und Reels abändern ließen. Je länger er spielte, desto leichter wurde ihm ums Herz, und desto schwungvoller und fantastischer wurden die Lieder, die ihm einfielen.</div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">We're all made of stars</div>
<font size=1><i>You can be anything you wanna be<br />
You can go anywhere you wanna see<br />
A little hard work and you can do it<br />
Faith will get you through it<br />
So many possibilities<br />
<br />
You gotta believe, see it, and you can be it<br />
The answers are all inside yourself<br />
The universe has loads of space<br />
And the gift that it gave to the whole human race is that<br />
We're all made of stars, we're all made of dreams<br />
No matter who you are, you can do what you want<br />
Go where you like, be who you wanna be</i><br />
<br />
29. März 1820, Nachmittag<br />
Talin Dravean & Elian Montrose</font></center><br />
<br />
<br />
<blockquote><div class="Elian Montrose">Elian war unter Deck bei einem seiner Patienten gewesen, während das schnittige Marineschiff in den Hafen von Kitar einlief. Erst als der Rummel oben abnahm und er seinen Pflichten ausreichend nachgekommen war, begab er sich nach oben, um bei dem wachhabenden Offizier die Erlaubnis für einen Landgang einzuholen. Diese war schnell erteilt, und so machte sich der junge Militärarzt alleine auf in die kleine Stadt, in die ihm seine Offiziers-Kameraden zum Großteil bereits voraus gegangen waren. Es machte ihm nichts aus, zurückgelassen worden zu sein; tatsächlich war er ganz froh, die Gesichter, die er tagaus, tagein um sich hatte, für eine kurze Weile nicht sehen zu müssen.<br />
<br />
Sein erster Weg führte ihn zur Poststation, wo er das Bündel Briefe, die sich seit dem letzten Landgang angesammelt hatten, aufgab. Die meisten gingen diesmal an seine Geschwister in Raízun. Alle Schreiben an Rhys würde er diesem in nur wenigen Wochen persönlich geben, ja, sogar vorlesen können. Himmel, er konnte es kaum erwarten, den Freund wiederzusehen! Jedes Mal, wenn Elian daran dachte, spürte er, wie sich sein ganzes Gesicht zu einem breiten Grinsen verformte und in seinem Magen ein ganzer Haufen Schmetterlinge tobten. Wenn es irgendwie ginge, würde er darum bitten, auf Rhys' Schiff versetzt zu werden. Oder Rhys auf sein Schiff versetzen zu lassen. Sie hatten auf der letzten Reise während eines kleinen Gefechts gegen Piraten einen der Offiziere verloren, es wäre nur sinnvoll, sich bald um Ersatz zu bemühen.<br />
<br />
Nachdem er die Briefe abgegeben hatte, stand Elian kurz unschlüssig auf der Straße. So ganz wusste er nicht, wohin. Einerseits wäre ein guter Trunk jetzt nicht zu verachten, andererseits graute es ihn, sich in das stickige Gedränge einer Hafenschenke zu begeben, am Ende noch Offizierskameraden zu treffen und sich mit denselben langweiligen Gesprächsthemen herumschlagen zu müssen, die sie bei den Landgängen immer hatten. Oder gar zu riskieren, dass sie ihn wieder in ein Bordell mitschleiften und er dann sein hart erarbeitetes Geld darauf verschwenden musste, mit einer Hure untätig in ihrer Kammer zu sitzen, lange genug, bis niemand sein Fortgehen bemerken oder sich wundern könnte, warum er so schnell fertig war. Es war nicht mal, dass ihn Frauen nicht interessierten... Frauen für Geld interessierten ihn nicht. Na gut, und andere Frauen kannte er nur bedingt. Bisher war das "schöne Geschlecht" Elian jedenfalls durch die Bank eher langweilig vorgekommen, abgesehen von seiner Schwester hatte keine ihn über mehrere Treffen hinweg in einem Gespräch fesseln können. Gut, das war kein reines Frauen-Problem, es ging ihm mit den meisten Menschen so. Irgendwann hörten sie auf ihn zu überraschen, und auch wenn er sie immer noch mochte und ab und an sehr gern Zeit mit ihnen verbrachte, brauchte er immer mal wieder eine klare Pause von seinen Freunden, die seinen Hang zur Reflektion über Götter und die Welt nicht so ganz teilten. <br />
<br />
Im Vergleich dazu waren Rhys und Elian über Jahre nicht die Themen ausgegangen. Womit klar sein dürfte, wieso er Freundschaft der Liebe bisher ganz klar vorzog und wieso er seinen Freund so schmerzlich vermisst hatte. Regelmäßige Briefe waren längst nicht genug, um einander alle Gedanken mitzuteilen! <br />
<br />
Nach einer Weile merkte Elian, dass ihn ebendiese Gedanken davon abgehalten hatten, auf seine Schritte zu achten. Unverhofft fand er sich am Hafen wider, wohin er erstmal noch gar nicht gewollt hatte. Er blieb stehen, erwog, wieder zurück ins Stadtzentrum zu wandern, aber die Sonne schien gerade besonders herrlich auf ihn herunter, es ging ein leichter Wind vom Meer her und erfrischte ihn, und da es noch nicht allzu sehr gegen Abend ging und die meisten Fischer noch auf See waren, hatte er die Docks annähernd für sich selbst. <br />
<br />
Er spazierte noch ein Stück von seinem Schiff weg, suchte sich ein schönes Plätzchen bei einem Stapel Fässer, an die er sich halb anlehnen konnte, und packte seine Geige aus. Bald plätscherten heitere Melodien von seinen Saiten. Wenn er bei der Marine eines aufgeschnappt hatte, dann einen großen Schatz von Shantys und Trinkliedern, die sich mit ein wenig Improvisation leicht in Jigs und Reels abändern ließen. Je länger er spielte, desto leichter wurde ihm ums Herz, und desto schwungvoller und fantastischer wurden die Lieder, die ihm einfielen.</div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[You're in the navy now]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=566</link>
			<pubDate>Thu, 19 Apr 2018 01:27:27 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=33">Elian Montrose</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=566</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">You're in the navy now</div>
<font size=1>17. Mai 1812, Morgen<br />
Enrique de Guzmán & Elian Montrose<br />
<br />
<i>Now you remember what the draft man said<br />
Nothing to do all day but stay in bed<br />
You're in the [navy] now<br />
Oh, oh you're in the [navy], now<br />
You'll be a hero of the neighborhood<br />
Nobody knows that you left for good<br />
You're in the [navy] now<br />
Oh, oh you're in the [navy], now</i></font></center><br />
<br />
<br />
<blockquote><div class="Elian">Lange vor der Sonne aus dem Bett getrommelt, mit Eiswasser sauber geschrubbt und dann ohne Frühstück, aber in seiner neuen Uniform zusammen mit allen anderen auf einer Art Versammlungsplatz zusammen kommen, alle "Neuen" bitte in die erste Reihe... Elian war nie ein besonders schüchterner Junge gewesen, aber als er an seinem ersten Morgen als frischgebackener Kadett zum Appell antrat, musste er sich selbst eingestehen: Sein Herz war ihm ohne sein Zutun einfach so in die Hose gesackt und baumelte dort jetzt irgendwo auf der Höhe seiner Kniekehlen herum. Wenn nicht sogar tiefer. Platz war mehr als genug, denn als Zwölfjähriger war der Montrose-Sprössling einer der kleinsten Burschen hier - und entsprechend hatte es keine Uniform gegeben, die ihm perfekt gepasst hätte. Die Ärmel seiner Uniformjacke waren einmal umgeschlagen, seine Hose wurde von einem Paar Hosenträger oben gehalten und war fachgerecht mit einem Gürtel so an seiner Taille festgemacht worden, dass sie nicht herum schlackern konnte. Immerhin die Stiefel waren nur einen Fingerbreit zu groß, was er mit einem dicken Paar Socken hatte beheben können. Jetzt drückten sie ein wenig, aber immerhin rutschte er nicht darin herum.<br />
<br />
Einen Vorteil hatte seine Größe: Er stach aus der Gruppe weitaus weniger heraus als die ältesten Burschen, die das Gros ihrer neuen Kameraden um nahezu Haupteslänge überragten. Elian schluckte den Kloß in seinem Hals tapfer herunter, wählte eine Gruppe von Knaben, die nur wenig älter sein konnten als er selbst, und näherte sich ihnen, um sich vorzustellen. Sie würden schon nicht beißen - oder?<br />
<br />
Er wollte gerade die Hand ausstrecken, hatte sogar schon die Worte in seinem Kopf zurecht gelegt, da brüllte einer der langen Lulatsche, die scheinbar schon länger hier lebten, <i><span style="color: Coral;" class="mycode_color">"Aaaachtung!"</i></span>, knallte seine Fersen zusammen und stand stramm. Noch ein wenig verwirrt ahmten die Neulinge den militärischen Gruß nach, mehr oder weniger enthusiastisch und mit unsicheren Blicken zu den Kadetten hinter ihnen. Elian deutete die Bewegung lediglich an - dieses Knallen sah schmerzhaft aus, danke, darauf konnte er momentan gut verzichten - und versuchte dann krampfhaft, die imposante Körperstellung der Kameraden in der Reihe hinter ihm zu imitieren. Unwillkürlich wurde er sich bewusst, wie schlecht seine Uniform an seinem dürren Körper saß, und dass er ungefähr einen Kopf kleiner war als die Jungen rechts und links von ihm, wodurch er noch winziger wirkte als sowieso schon. <br />
<br />
Eine Bewegung von hinten ließ vermuten, dass eine weitere Person auf den Platz getreten war und die aufgereihten Rekruten nun gemächlich umrundete. Elian versuchte, an an seinen Nebenmännern vorbei zu schielen, und als das nicht gelingen wollte, verlagerte er sein Gewicht möglichst unauffällig nach vorne, um an der Formation vorbei einen Blick auf den Neuankömmling zu erhaschen. <br />
<br />
Eines war sofort klar: Der Mann musste irgendeine Art von Offizier sein. Er trug Abzeichen an seiner Uniform, die Elian noch nicht hunderprozentig zuordnen konnte, er stolzierte herum, als gehöre ihm die Welt und starrte jeden der Jungen in der ersten Reihe nacheinander an, als wolle er ihn auf der Stelle schmelzen. Elian zuckte zurück in die Formation, blickte stur geradeaus ins Leere und blinzelte wie wild, weil seine Nase angefangen hatte zu jucken und er sich nicht sicher war, ob das hier ein guter Moment dafür war, um an ihr zu kratzen. <br />
<br />
Der Mann hatte seine Musterung offenbar noch nicht zur Zufriedenheit abgeschlossen, denn er wanderte weiter die vordere Reihe entlang, während er den Burschen einen Fluss von Worten entgegen bellte, der sich nach einer Weile als eine Art von Begrüßung entpuppte.</div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">You're in the navy now</div>
<font size=1>17. Mai 1812, Morgen<br />
Enrique de Guzmán & Elian Montrose<br />
<br />
<i>Now you remember what the draft man said<br />
Nothing to do all day but stay in bed<br />
You're in the [navy] now<br />
Oh, oh you're in the [navy], now<br />
You'll be a hero of the neighborhood<br />
Nobody knows that you left for good<br />
You're in the [navy] now<br />
Oh, oh you're in the [navy], now</i></font></center><br />
<br />
<br />
<blockquote><div class="Elian">Lange vor der Sonne aus dem Bett getrommelt, mit Eiswasser sauber geschrubbt und dann ohne Frühstück, aber in seiner neuen Uniform zusammen mit allen anderen auf einer Art Versammlungsplatz zusammen kommen, alle "Neuen" bitte in die erste Reihe... Elian war nie ein besonders schüchterner Junge gewesen, aber als er an seinem ersten Morgen als frischgebackener Kadett zum Appell antrat, musste er sich selbst eingestehen: Sein Herz war ihm ohne sein Zutun einfach so in die Hose gesackt und baumelte dort jetzt irgendwo auf der Höhe seiner Kniekehlen herum. Wenn nicht sogar tiefer. Platz war mehr als genug, denn als Zwölfjähriger war der Montrose-Sprössling einer der kleinsten Burschen hier - und entsprechend hatte es keine Uniform gegeben, die ihm perfekt gepasst hätte. Die Ärmel seiner Uniformjacke waren einmal umgeschlagen, seine Hose wurde von einem Paar Hosenträger oben gehalten und war fachgerecht mit einem Gürtel so an seiner Taille festgemacht worden, dass sie nicht herum schlackern konnte. Immerhin die Stiefel waren nur einen Fingerbreit zu groß, was er mit einem dicken Paar Socken hatte beheben können. Jetzt drückten sie ein wenig, aber immerhin rutschte er nicht darin herum.<br />
<br />
Einen Vorteil hatte seine Größe: Er stach aus der Gruppe weitaus weniger heraus als die ältesten Burschen, die das Gros ihrer neuen Kameraden um nahezu Haupteslänge überragten. Elian schluckte den Kloß in seinem Hals tapfer herunter, wählte eine Gruppe von Knaben, die nur wenig älter sein konnten als er selbst, und näherte sich ihnen, um sich vorzustellen. Sie würden schon nicht beißen - oder?<br />
<br />
Er wollte gerade die Hand ausstrecken, hatte sogar schon die Worte in seinem Kopf zurecht gelegt, da brüllte einer der langen Lulatsche, die scheinbar schon länger hier lebten, <i><span style="color: Coral;" class="mycode_color">"Aaaachtung!"</i></span>, knallte seine Fersen zusammen und stand stramm. Noch ein wenig verwirrt ahmten die Neulinge den militärischen Gruß nach, mehr oder weniger enthusiastisch und mit unsicheren Blicken zu den Kadetten hinter ihnen. Elian deutete die Bewegung lediglich an - dieses Knallen sah schmerzhaft aus, danke, darauf konnte er momentan gut verzichten - und versuchte dann krampfhaft, die imposante Körperstellung der Kameraden in der Reihe hinter ihm zu imitieren. Unwillkürlich wurde er sich bewusst, wie schlecht seine Uniform an seinem dürren Körper saß, und dass er ungefähr einen Kopf kleiner war als die Jungen rechts und links von ihm, wodurch er noch winziger wirkte als sowieso schon. <br />
<br />
Eine Bewegung von hinten ließ vermuten, dass eine weitere Person auf den Platz getreten war und die aufgereihten Rekruten nun gemächlich umrundete. Elian versuchte, an an seinen Nebenmännern vorbei zu schielen, und als das nicht gelingen wollte, verlagerte er sein Gewicht möglichst unauffällig nach vorne, um an der Formation vorbei einen Blick auf den Neuankömmling zu erhaschen. <br />
<br />
Eines war sofort klar: Der Mann musste irgendeine Art von Offizier sein. Er trug Abzeichen an seiner Uniform, die Elian noch nicht hunderprozentig zuordnen konnte, er stolzierte herum, als gehöre ihm die Welt und starrte jeden der Jungen in der ersten Reihe nacheinander an, als wolle er ihn auf der Stelle schmelzen. Elian zuckte zurück in die Formation, blickte stur geradeaus ins Leere und blinzelte wie wild, weil seine Nase angefangen hatte zu jucken und er sich nicht sicher war, ob das hier ein guter Moment dafür war, um an ihr zu kratzen. <br />
<br />
Der Mann hatte seine Musterung offenbar noch nicht zur Zufriedenheit abgeschlossen, denn er wanderte weiter die vordere Reihe entlang, während er den Burschen einen Fluss von Worten entgegen bellte, der sich nach einer Weile als eine Art von Begrüßung entpuppte.</div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Goodbye may seem forever]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=565</link>
			<pubDate>Wed, 18 Apr 2018 22:36:29 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=33">Elian Montrose</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=565</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Goodbye may seem forever</div>
<font size=1>13. März 1812, Nachmittag<br />
Aspen & Elian Montrose<br />
<br />
<i>I remember how we used to play<br />
I recall those rainy days<br />
The fire's glow<br />
That kept us warm<br />
And now I find - we're both alone<br />
Goodbye may seem forever<br />
Farewell is like the end<br />
But in my heart is a memory<br />
And there you'll always be</i></font></center><br />
<br />
<br />
<blockquote><div class=" Elian">E I N S T I E G S P O S T<br />
<br />
Der Regen trommelte gnadenlos gegen die Fensterscheiben. Elian saß, die Beine an den Körper gezogen und mit beiden Armen fest umschlungen, auf dem Bett, als könne seine verschlossene Haltung ihn vor allem und jedem beschützen. Sein Blick war nach draußen gerichtet, wo das Laubwerk des Dschungels hinter dem welligen Glas zu einem gleichmäßigen, grünen Nichts verschwamm. Ihm gegenüber, an der Wand des Knabenzimmers, das er sich mit seinem Bruder teilte, stand seine Truhe, bereits fertig gepackt. Groß war sie nicht, denn besonders viele Habseligkeiten durfte er nach Esmacil ohnehin nicht mitnehmen. Elian war es gleichgültig. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er ohnehin nur zwei Dinge mitnehmen wollen, und das waren Charlene und Aspen. Gerade jetzt, wo er im Begriff war, für Jahre von seinen Geschwistern getrennt zu werden, war dem jüngeren Montrose-Sohn nur zu schmerzlich bewusst, dass die beiden das Zentrum seines Lebens waren. Er konnte gut auf seinen Vater verzichten, danke auch. Er war jetzt schon jahrelang ohne Mutter ausgekommen, also auch an dieser Front... kein Problem, keine Heimwehgefahr. Aber ohne seinen großen Bruder und seine kleine Schwester wollte und konnte er nicht sein. <br />
<br />
Vor den beiden hatte er bisher möglichst gelassen herum getan. Es war schließlich keine große Sache, gehörte zum Erwachsenwerden dazu. Und mit zwölf Jahren war Elian längst in dem Alter, in dem man sich besser wie ein Mann aufführte, nicht wie ein Säugling. Jedenfalls hatte Vater es so gesagt. Er hatte Elian außerdem klar gemacht, dass echte Kerle nicht weinten, und Elian wusste aus Erfahrung, dass er bei dem Tonfall, den sein alter Herr dabei angeschlagen hatte, besser die Klappe hielt und nickte. Er war tapfer geblieben, ein <i>echter Kerl</i>. Hatte Charlene getröstet als sie sich weinend an ihn klammerte, und krampfhaft vermieden, Aspen dabei anzuschauen. Wenn er seinem Bruder in diesem Moment ins Gesicht geblickt hätte, hätte er sich sicher nicht mehr beherrschen können, und dann hätten sie alle Ärger bekommen.<br />
<br />
Aber Elian wäre nicht Elian gewesen, wenn er nicht letztlich gegen seinen Vater aufbegehrt hätte. Deswegen war er hier, alleine, und vergeudete inzwischen eine geschlagene Stunde der kostbaren Zeit, die ihm mit seinen Geschwistern noch blieb, bis am nächsten Morgen das Schiff nach Esmacil ablegen würde - er starrte hinaus in den Regen und ließ seinen Tränen freien Lauf, vorsichtig, ja nicht hörbar zu schluchzen. <br />
<br />
Auf dem Gang wurden Schritte laut, näherten sich dem Knabenzimmer und wurden dabei langsamer. Hastig drehte Elian sich von der Tür weg und rieb sich die Augen und die tropfende Nase mit seinem Ärmel trocken. Dagegen, dass sein ganzes Gesicht rot und verquollen war, konnte er auf die Schnelle nichts machen.<br />
<br />
<i>"Oh, du bist es."</i><br />
<br />
Elian lächelte seinem älteren Bruder zu und gab sich nicht mal besonders große Mühe, seine Erleichterung zu verbergen, dass es sich bei dem Eintretenden nicht um ihren Vater oder einen der Bediensteten handelte.</div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Goodbye may seem forever</div>
<font size=1>13. März 1812, Nachmittag<br />
Aspen & Elian Montrose<br />
<br />
<i>I remember how we used to play<br />
I recall those rainy days<br />
The fire's glow<br />
That kept us warm<br />
And now I find - we're both alone<br />
Goodbye may seem forever<br />
Farewell is like the end<br />
But in my heart is a memory<br />
And there you'll always be</i></font></center><br />
<br />
<br />
<blockquote><div class=" Elian">E I N S T I E G S P O S T<br />
<br />
Der Regen trommelte gnadenlos gegen die Fensterscheiben. Elian saß, die Beine an den Körper gezogen und mit beiden Armen fest umschlungen, auf dem Bett, als könne seine verschlossene Haltung ihn vor allem und jedem beschützen. Sein Blick war nach draußen gerichtet, wo das Laubwerk des Dschungels hinter dem welligen Glas zu einem gleichmäßigen, grünen Nichts verschwamm. Ihm gegenüber, an der Wand des Knabenzimmers, das er sich mit seinem Bruder teilte, stand seine Truhe, bereits fertig gepackt. Groß war sie nicht, denn besonders viele Habseligkeiten durfte er nach Esmacil ohnehin nicht mitnehmen. Elian war es gleichgültig. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er ohnehin nur zwei Dinge mitnehmen wollen, und das waren Charlene und Aspen. Gerade jetzt, wo er im Begriff war, für Jahre von seinen Geschwistern getrennt zu werden, war dem jüngeren Montrose-Sohn nur zu schmerzlich bewusst, dass die beiden das Zentrum seines Lebens waren. Er konnte gut auf seinen Vater verzichten, danke auch. Er war jetzt schon jahrelang ohne Mutter ausgekommen, also auch an dieser Front... kein Problem, keine Heimwehgefahr. Aber ohne seinen großen Bruder und seine kleine Schwester wollte und konnte er nicht sein. <br />
<br />
Vor den beiden hatte er bisher möglichst gelassen herum getan. Es war schließlich keine große Sache, gehörte zum Erwachsenwerden dazu. Und mit zwölf Jahren war Elian längst in dem Alter, in dem man sich besser wie ein Mann aufführte, nicht wie ein Säugling. Jedenfalls hatte Vater es so gesagt. Er hatte Elian außerdem klar gemacht, dass echte Kerle nicht weinten, und Elian wusste aus Erfahrung, dass er bei dem Tonfall, den sein alter Herr dabei angeschlagen hatte, besser die Klappe hielt und nickte. Er war tapfer geblieben, ein <i>echter Kerl</i>. Hatte Charlene getröstet als sie sich weinend an ihn klammerte, und krampfhaft vermieden, Aspen dabei anzuschauen. Wenn er seinem Bruder in diesem Moment ins Gesicht geblickt hätte, hätte er sich sicher nicht mehr beherrschen können, und dann hätten sie alle Ärger bekommen.<br />
<br />
Aber Elian wäre nicht Elian gewesen, wenn er nicht letztlich gegen seinen Vater aufbegehrt hätte. Deswegen war er hier, alleine, und vergeudete inzwischen eine geschlagene Stunde der kostbaren Zeit, die ihm mit seinen Geschwistern noch blieb, bis am nächsten Morgen das Schiff nach Esmacil ablegen würde - er starrte hinaus in den Regen und ließ seinen Tränen freien Lauf, vorsichtig, ja nicht hörbar zu schluchzen. <br />
<br />
Auf dem Gang wurden Schritte laut, näherten sich dem Knabenzimmer und wurden dabei langsamer. Hastig drehte Elian sich von der Tür weg und rieb sich die Augen und die tropfende Nase mit seinem Ärmel trocken. Dagegen, dass sein ganzes Gesicht rot und verquollen war, konnte er auf die Schnelle nichts machen.<br />
<br />
<i>"Oh, du bist es."</i><br />
<br />
Elian lächelte seinem älteren Bruder zu und gab sich nicht mal besonders große Mühe, seine Erleichterung zu verbergen, dass es sich bei dem Eintretenden nicht um ihren Vater oder einen der Bediensteten handelte.</div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Die Haijagd]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=556</link>
			<pubDate>Tue, 20 Mar 2018 13:49:19 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=0">Cornelis Feuerbart</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=556</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Die Haijagd</div>
</div>
<div style="text-align: center;" class="mycode_align">17. September 1821 / irgendwo auf hoher See / Scortias & Cornelis</div>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Es war nun elf Tage her, daß sie den Hafen von Kitar verlassen hatten. Käpt´n Feuerbart hatte beschlossen, eine der Handelsrouten aufs Korn zu nehmen, die nicht direkt neben dem Hafen lag, in dem sie vor nur wenigen Tagen noch vor Anker gelegen hatten. So waren sie nun schon eine ganze Weile unterwegs, ohne daß sie ernsthaft anderen Schiffen begegnet waren. <br />
Cornelis war sehr zufrieden damit, wie sich sein neuer Schiffsjunge machte. Er war klug und aufgeweckt, fleißig und wußte seine sich bisweilen bemerkbar machende körperliche Schwäche durch Pfiffigkeit zu überspielen. Nun blieb nur noch die Frage offen, ob er auch dann noch so begeistert sein würde, wenn er sein erstes Gefecht gesehen haben würde, welche die Hauptsache ihres <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Berufes</span> ausmachten.<br />
<br />
An diesem Tage hatte am späten Vormittag ein übler Gestank einen Gutteil der Mannschaft an die Reling der Backbordseite gelockt. Auch Feuerbart hatte sich auf der Brücke zu dieser Seite begeben und beobachtete das sich ihm bietende Schauspiel. Dort, nicht weit vom Schiff entfernt, trieb ein Kadaver an der Wasseroberfläche. Er war teilweise schon sehr zerfleddert, doch ließ die Größe unschwer auf die Überreste eines Wals schließen. Um den Kadaver wimmelte ein ganzer Schwarm von Blauhaien, was Cornelis Interesse weckte. Er ließ die Männer aufentern und die Segel reffen, so daß sie sich nicht mehr ernsthaft von dem Kadaver entfernten. Dann hatte er Scorti geschickt, den Smutje zu holen, und als dieser nun neben ihm stand und ihm die Frage stellte, was der Käpt´n denn von ihm wolle, sagte er, indem er auf eine der dreieckigen Haiflossen zeigte:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Das ist eine gute Gelegenheit unseren Proviant etwas aufzufüllen. Wir könnten in den nächsten zwei Tagen frisches Fischfleisch essen und du könntest ja auch noch einiges pökeln. Wie viele von den Biestern kannst du gebrauchen?"</span></div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Die Haijagd</div>
</div>
<div style="text-align: center;" class="mycode_align">17. September 1821 / irgendwo auf hoher See / Scortias & Cornelis</div>
<br />
<br />
<blockquote><div class="Cornelis">Es war nun elf Tage her, daß sie den Hafen von Kitar verlassen hatten. Käpt´n Feuerbart hatte beschlossen, eine der Handelsrouten aufs Korn zu nehmen, die nicht direkt neben dem Hafen lag, in dem sie vor nur wenigen Tagen noch vor Anker gelegen hatten. So waren sie nun schon eine ganze Weile unterwegs, ohne daß sie ernsthaft anderen Schiffen begegnet waren. <br />
Cornelis war sehr zufrieden damit, wie sich sein neuer Schiffsjunge machte. Er war klug und aufgeweckt, fleißig und wußte seine sich bisweilen bemerkbar machende körperliche Schwäche durch Pfiffigkeit zu überspielen. Nun blieb nur noch die Frage offen, ob er auch dann noch so begeistert sein würde, wenn er sein erstes Gefecht gesehen haben würde, welche die Hauptsache ihres <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Berufes</span> ausmachten.<br />
<br />
An diesem Tage hatte am späten Vormittag ein übler Gestank einen Gutteil der Mannschaft an die Reling der Backbordseite gelockt. Auch Feuerbart hatte sich auf der Brücke zu dieser Seite begeben und beobachtete das sich ihm bietende Schauspiel. Dort, nicht weit vom Schiff entfernt, trieb ein Kadaver an der Wasseroberfläche. Er war teilweise schon sehr zerfleddert, doch ließ die Größe unschwer auf die Überreste eines Wals schließen. Um den Kadaver wimmelte ein ganzer Schwarm von Blauhaien, was Cornelis Interesse weckte. Er ließ die Männer aufentern und die Segel reffen, so daß sie sich nicht mehr ernsthaft von dem Kadaver entfernten. Dann hatte er Scorti geschickt, den Smutje zu holen, und als dieser nun neben ihm stand und ihm die Frage stellte, was der Käpt´n denn von ihm wolle, sagte er, indem er auf eine der dreieckigen Haiflossen zeigte:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Das ist eine gute Gelegenheit unseren Proviant etwas aufzufüllen. Wir könnten in den nächsten zwei Tagen frisches Fischfleisch essen und du könntest ja auch noch einiges pökeln. Wie viele von den Biestern kannst du gebrauchen?"</span></div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Engage the Enemy More Closely!]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=555</link>
			<pubDate>Mon, 19 Mar 2018 16:12:23 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=23">Enrique de Guzmán</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=555</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-size: xx-large;" class="mycode_size"><span style="font-family: Verdana;" class="mycode_font">'Engage the Enemy More Closely!'</span></span><br />
Nelsons last signal <br />
<br />
First Post <br />
<br />
9. Mai 1818, früher Abend, Skullsand Island und Dead Mans Bones - Cornelis, Enrique</div>
<br />
<blockquote><div class="Enrique"> Die See lag trügerisch glatt unter einem klaren Himmel. Möven stürzten sich in die Tiefe und ins Wasser unter den Felsen oder zogen im stetigen Wind ihre Bahnen hoch in der Luft.<br />
Kapitän da Gama stand auf dem Achterdeck und hatte zur Abwechslung mal nichts dagegen einzuwenden, dass Enrique hoch in die Wanten aufgeentert war. Zum einen konnte sein neuer Leutnant von dort oben die Untiefen besser sehen und zum anderen brauchte er dort oben gute Augen, die den Horizont und die Umrisse der Insel und der Felsen absuchten.<br />
Denn schon seit Wochen waren sie auf der Suche. Mehrfach hatte nicht nur Enrique Hinweise auf Feuerbart und sein Schiff, die Onyx, erhalten. Händler hatten sie aus dieser Richtung auftauchen oder in eben jene verschwinden sehen und es gab mehrere Berichte die davon sprachen Segel zwischen den Bones oder den Inseln gesehen haben zu wollen. Also waren sie dem Bogen der Prinz Albert Inseln gefolgt und hatten sie Stück für Stück abgesucht bis nur noch das gefürchtete Ostende der Inselkette mit Skullsand Island und den Dead Mans Bones übrig blieb.<br />
Beide trugen sie ihre Namen nicht ohne Grund: Starke Strömungen, unstete Winde und Untiefen hatten schon vielen unglücklichen oder unvorsichtigen Seefahrern das Leben gekostet. <br />
Und dennoch würden sie dranbleiben. Denn vor vier Tagen hatte Fähnrich O'Brian kurz ein Segel zwischen den Baumwipfeln gesehen und vor zweien hatten es der Ausguck und der Leutnant. <br />
<br />
Jetzt tasteten sie sich von Luv an die Bones, begleitet vom beständigen Aussingen der Tiefe und Strömungsgeschwindigkeit, welches immer wieder von den Ausrufen von oben unterbrochen wurde. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"SANDBANK ZWEI STRICH BACKBORD VORAUS! ETWA 400 METER!"</span><br />
<br />
da Gama fluchte. Laut der Seekarte sollte dort keine sein. Entweder hatte der Zeichner gepfuscht oder die Biester wanderten mit den Herbststürmen.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"KOMMEN WIR DRAN VORBEI?"</span>, rief er nach oben. <br />
<br />
Der Dunkelhäutige suchte die Umgebung der Untiefe gründlich ab und antwortet: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"MÖGLICH, ABER DAS WIRD ENG"</span>, ehe er sich hinab schwang und kurz darauf an Deck landete. Schnelle Schritte brachten ihn zum Kapitän und der Karte. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Was schätzen sie, Leutnant? Ist es einen Versuch wert?"</span><br />
<br />
Enrique ließ sich Zeit mit der Antwort, beugte sich über die Karte, berechnete Tide, Tiefgang und Strömung mit ein und schüttelte unzufrieden den Kopf. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Die Fahrtrinne verläuft in etwa hier, bis zu diesem Felsen dort, dann knickt sie hart nach Backbord ab und läuft etwa 800 Meter gerade ehe sie nach Steuerbord zurückschwenkt und sich ungefähr hier mit der Fahrtrinne von heute Mittag vereint und nach Osten verläuft. Wenn wir hier genug Wasser unter den Kiel bekommen und es lange genug anhält, dann schaffen wir es hier und hier durch und kommen dann hier wieder in tiefere Gewässer. Aber so lange wir nicht wissen, wieviel Tidenhub wir kriegen und wie lange es dauert, bis das Wasser wieder abfließt..."</span><br />
<br />
Giacomo da Gama nickte, betrachtete einen Moment lang schweigend die Karte und wandte sich dann an den Steuermann: <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Abdrehen! Wir versuchen es noch etwas weiter südlich. Vielleicht ist das hier die Hintertür aber falls sie sich wirklich hier verstecken, dann brauchen sie einen Hafen, den sie jederzeit erreichen können."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aye Sir!"</span><br />
<br />
Und damit hatte da Gama recht. Denn wie erwartet gab es dort eine enge aber beständige Passage, der sie folgen konnten. Für die Lusitania war es gut, dass die Tide hoch stand. Für die etwas kleinere Onyx würde wohl auch Niedrigwasser gerade so reichen. Doch statt des erwarteten Hafens fanden sie eine weitere Fahrrinne und:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"SCHIFF STEUERBORD VORAUS! DIREKT HINTER DEN FELSEN. ES IST DIE ONYX."</span>, ertönte es von oben. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"ALLE MANN AUF GEFECHSTATION!"</span>, brüllte der Kaptain. Danach wandte er sich an den Ausguck, während er nach dem Fernrohr in den Händen des Leutnants griff: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"WIE NAH?"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"AUSSER REICHWEITE. STEUERT GROB NACH SÜDOSTEN. ABER WIR KÖNNEN, WENN WIR GLÜCK HABEN, IHR BEI DEN FELSEN DA DRÜBEN DEN WEG ABSCHNEIDEN."</span><br />
<br />
Mehr bekam Enrique nicht mit, auch wenn er liebend gerne das Fernrohr wieder an sich gebracht und den Feind genauer studiert hätte, rief die Schiffsglocke ihn doch unter Deck. Ein fast schon zufriedenes Grinsen lag trotzdem auf seinen Lippen. Eine Weile würde es noch dauern, aber jetzt hatten sie sie und der Wettstreit der Kapitäne begann. </div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-size: xx-large;" class="mycode_size"><span style="font-family: Verdana;" class="mycode_font">'Engage the Enemy More Closely!'</span></span><br />
Nelsons last signal <br />
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First Post <br />
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9. Mai 1818, früher Abend, Skullsand Island und Dead Mans Bones - Cornelis, Enrique</div>
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<blockquote><div class="Enrique"> Die See lag trügerisch glatt unter einem klaren Himmel. Möven stürzten sich in die Tiefe und ins Wasser unter den Felsen oder zogen im stetigen Wind ihre Bahnen hoch in der Luft.<br />
Kapitän da Gama stand auf dem Achterdeck und hatte zur Abwechslung mal nichts dagegen einzuwenden, dass Enrique hoch in die Wanten aufgeentert war. Zum einen konnte sein neuer Leutnant von dort oben die Untiefen besser sehen und zum anderen brauchte er dort oben gute Augen, die den Horizont und die Umrisse der Insel und der Felsen absuchten.<br />
Denn schon seit Wochen waren sie auf der Suche. Mehrfach hatte nicht nur Enrique Hinweise auf Feuerbart und sein Schiff, die Onyx, erhalten. Händler hatten sie aus dieser Richtung auftauchen oder in eben jene verschwinden sehen und es gab mehrere Berichte die davon sprachen Segel zwischen den Bones oder den Inseln gesehen haben zu wollen. Also waren sie dem Bogen der Prinz Albert Inseln gefolgt und hatten sie Stück für Stück abgesucht bis nur noch das gefürchtete Ostende der Inselkette mit Skullsand Island und den Dead Mans Bones übrig blieb.<br />
Beide trugen sie ihre Namen nicht ohne Grund: Starke Strömungen, unstete Winde und Untiefen hatten schon vielen unglücklichen oder unvorsichtigen Seefahrern das Leben gekostet. <br />
Und dennoch würden sie dranbleiben. Denn vor vier Tagen hatte Fähnrich O'Brian kurz ein Segel zwischen den Baumwipfeln gesehen und vor zweien hatten es der Ausguck und der Leutnant. <br />
<br />
Jetzt tasteten sie sich von Luv an die Bones, begleitet vom beständigen Aussingen der Tiefe und Strömungsgeschwindigkeit, welches immer wieder von den Ausrufen von oben unterbrochen wurde. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"SANDBANK ZWEI STRICH BACKBORD VORAUS! ETWA 400 METER!"</span><br />
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da Gama fluchte. Laut der Seekarte sollte dort keine sein. Entweder hatte der Zeichner gepfuscht oder die Biester wanderten mit den Herbststürmen.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"KOMMEN WIR DRAN VORBEI?"</span>, rief er nach oben. <br />
<br />
Der Dunkelhäutige suchte die Umgebung der Untiefe gründlich ab und antwortet: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"MÖGLICH, ABER DAS WIRD ENG"</span>, ehe er sich hinab schwang und kurz darauf an Deck landete. Schnelle Schritte brachten ihn zum Kapitän und der Karte. <br />
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<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Was schätzen sie, Leutnant? Ist es einen Versuch wert?"</span><br />
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Enrique ließ sich Zeit mit der Antwort, beugte sich über die Karte, berechnete Tide, Tiefgang und Strömung mit ein und schüttelte unzufrieden den Kopf. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Die Fahrtrinne verläuft in etwa hier, bis zu diesem Felsen dort, dann knickt sie hart nach Backbord ab und läuft etwa 800 Meter gerade ehe sie nach Steuerbord zurückschwenkt und sich ungefähr hier mit der Fahrtrinne von heute Mittag vereint und nach Osten verläuft. Wenn wir hier genug Wasser unter den Kiel bekommen und es lange genug anhält, dann schaffen wir es hier und hier durch und kommen dann hier wieder in tiefere Gewässer. Aber so lange wir nicht wissen, wieviel Tidenhub wir kriegen und wie lange es dauert, bis das Wasser wieder abfließt..."</span><br />
<br />
Giacomo da Gama nickte, betrachtete einen Moment lang schweigend die Karte und wandte sich dann an den Steuermann: <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Abdrehen! Wir versuchen es noch etwas weiter südlich. Vielleicht ist das hier die Hintertür aber falls sie sich wirklich hier verstecken, dann brauchen sie einen Hafen, den sie jederzeit erreichen können."</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aye Sir!"</span><br />
<br />
Und damit hatte da Gama recht. Denn wie erwartet gab es dort eine enge aber beständige Passage, der sie folgen konnten. Für die Lusitania war es gut, dass die Tide hoch stand. Für die etwas kleinere Onyx würde wohl auch Niedrigwasser gerade so reichen. Doch statt des erwarteten Hafens fanden sie eine weitere Fahrrinne und:<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"SCHIFF STEUERBORD VORAUS! DIREKT HINTER DEN FELSEN. ES IST DIE ONYX."</span>, ertönte es von oben. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"ALLE MANN AUF GEFECHSTATION!"</span>, brüllte der Kaptain. Danach wandte er sich an den Ausguck, während er nach dem Fernrohr in den Händen des Leutnants griff: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"WIE NAH?"</span><br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"AUSSER REICHWEITE. STEUERT GROB NACH SÜDOSTEN. ABER WIR KÖNNEN, WENN WIR GLÜCK HABEN, IHR BEI DEN FELSEN DA DRÜBEN DEN WEG ABSCHNEIDEN."</span><br />
<br />
Mehr bekam Enrique nicht mit, auch wenn er liebend gerne das Fernrohr wieder an sich gebracht und den Feind genauer studiert hätte, rief die Schiffsglocke ihn doch unter Deck. Ein fast schon zufriedenes Grinsen lag trotzdem auf seinen Lippen. Eine Weile würde es noch dauern, aber jetzt hatten sie sie und der Wettstreit der Kapitäne begann. </div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Der Sog der Freiheit]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=552</link>
			<pubDate>Sat, 17 Mar 2018 21:00:48 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=7">Aspen Montrose †</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=552</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-size: x-large;" class="mycode_size"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Der Sog der Freiheit...</span></span><br />
Farley und Aspen<br />
Sommer 1810 auf Raízun </div>
<br />
<blockquote><div class="Aspen">Normalerweise würde er nun im Schulzimmer sitzen, dem strengen Lehrer gegenüber, nur Augen für all die fast unbekannten mathematischen Formeln. Doch tatsächlich war es Aspen heute morgen gelungen, seiner naiven und leichtgläubigen Gouvernanten zu erklären, dass er viel zu krank sei, um am Unterricht des extra herbestellten Lehrers teilzunehmen. Zum großen Unglück seines Bruders, der dort nun alleine festsaß.<br />
Und er selbst? Er saß nach einigen Befreiungsversuchen nun am Pier, die Mütze viel zu tief in das Gesicht gezogen, um die beschäftigten Menschen wahrnehmen zu können. Seine Hände waren gelangweilt mit der geschnitzten Holzfigur zugange, ein kleiner Fisch, die zu seinem Missfallen bereits fertig war. Es blieb ihm also nichts weiter übrig, als in Farleys ausgeliehenen und abgetragenen Klamotten weiter rumzusitzen, darauf zu achten, dass niemand ihn besonders wahrnahm oder als Montrosesprössling erkannte. Er wollte schließlich bis zum späten Mittag bereits in den Wäldern verschwinden! Allerdings lieber nicht alleine, sondern mit an Anderen.<br />
<br />
Ein wenig verloren schielte er unter seiner Mütze hervor, hielt Ausschau nach einem der anderen Jungen, die wahrscheinlich alle arbeiten mussten und nur davon träumten, ihren Stammtreffpunkt aufzusuchen. <i> „Einhunderachtundfünfzig...“</i>, zählte er laut und schoss damit den Startschuss für sich selbst los, dass er wohl alleine lostigern musste. Ein wenig niedergeschlagen sprang er von seiner Mauer herunter. </div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: center;" class="mycode_align"><span style="font-size: x-large;" class="mycode_size"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Der Sog der Freiheit...</span></span><br />
Farley und Aspen<br />
Sommer 1810 auf Raízun </div>
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<blockquote><div class="Aspen">Normalerweise würde er nun im Schulzimmer sitzen, dem strengen Lehrer gegenüber, nur Augen für all die fast unbekannten mathematischen Formeln. Doch tatsächlich war es Aspen heute morgen gelungen, seiner naiven und leichtgläubigen Gouvernanten zu erklären, dass er viel zu krank sei, um am Unterricht des extra herbestellten Lehrers teilzunehmen. Zum großen Unglück seines Bruders, der dort nun alleine festsaß.<br />
Und er selbst? Er saß nach einigen Befreiungsversuchen nun am Pier, die Mütze viel zu tief in das Gesicht gezogen, um die beschäftigten Menschen wahrnehmen zu können. Seine Hände waren gelangweilt mit der geschnitzten Holzfigur zugange, ein kleiner Fisch, die zu seinem Missfallen bereits fertig war. Es blieb ihm also nichts weiter übrig, als in Farleys ausgeliehenen und abgetragenen Klamotten weiter rumzusitzen, darauf zu achten, dass niemand ihn besonders wahrnahm oder als Montrosesprössling erkannte. Er wollte schließlich bis zum späten Mittag bereits in den Wäldern verschwinden! Allerdings lieber nicht alleine, sondern mit an Anderen.<br />
<br />
Ein wenig verloren schielte er unter seiner Mütze hervor, hielt Ausschau nach einem der anderen Jungen, die wahrscheinlich alle arbeiten mussten und nur davon träumten, ihren Stammtreffpunkt aufzusuchen. <i> „Einhunderachtundfünfzig...“</i>, zählte er laut und schoss damit den Startschuss für sich selbst los, dass er wohl alleine lostigern musste. Ein wenig niedergeschlagen sprang er von seiner Mauer herunter. </div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Einer für alle, und alle für einen!]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=551</link>
			<pubDate>Thu, 15 Mar 2018 11:58:50 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=14">Rayon Enarchea</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=551</guid>
			<description><![CDATA[<br><center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Einer für alle, und alle für einen!</div>
<font size=1>August 1821<br />
Trevor Scovell, Gregory Scovell & Rayon Enarchea</font></center><br />
<blockquote><div class="Rayon">Die sinkende Abendsonne durchbrach die Wolkendecke und blendete ihn für einen kurzen Moment. Rayon fluchte, kniff die Augen zusammen und wich dem Säbelhieb des Mannes vor ihm gerade noch rechtzeitig aus, um seinen Kopf weiterhin auf den Schultern tragen zu können. Mit einem Aufschrei wirbelte er herum, ließ die Streitaxt auf das entblößte Haupt seines Gegners hinabsausen und spaltete ihm den Schädel.<br />
<br />
Nach Atem ringend blickte der Schiffskoch sich für einen Moment um und begutachtete das Chaos, das auf der Sirène ausgebrochen war. Seit Wochen schlugen sie sich mit den Piraten herum, die regelmäßig kleinere Siedlungen des Herzogtums Tarlenn überfielen und sich damit den Zorn ihres Kapitäns zugezogen hatten. Auch sie waren zwar Piraten - aber eben Piraten, die für das Herzogtum segelten und nicht gegen es. Nun endlich, nach einer sich schier ewig hinziehenden Hetzjagd, hatten sie das verhasste Schiff gestellt, doch auf das ausgefeilte Gegenmanöver waren sie nicht eingestellt gewesen. Rayon hatte es erst recht nicht kommen sehen, denn er war ein noch viel zu unerfahrener Seemann, und auch Ellhan war von dem Konter der Gegenseite so überrascht gewesen, dass nun <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ihr</span> Schiff geentert wurde und sie es mit Leib und Seele verteidigen mussten.<br />
<br />
Bislang allerdings verlief die Schlacht zu ihren Gunsten. Der Großteil ihrer Crew stand noch auf den Beinen, während bereits einige ihrer Gegner an Deck der Sirène den Tod gefunden hatten. Dennoch galt es, weiterhin aufmerksam zu sein und konzentriert weiterzukämpfen, bis die Piraten, die ungewöhnlicherweise eine rote Flagge gehisst hatten, sich zurückziehen und ihnen so den Todesstoß ermöglichen würden.<br />
<br />
Rayon spürte einen sanften Stoß im Rücken. Einer ihrer Gegner konnte es nicht sein, er hatte dafür gesorgt, dass er keinen von denen hinter sich hatte. Ein kurzer Blick sagte ihm, dass es Gregory war, der nun Rücken an Rücken mit ihm stand.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Alles okay bei euch?"</span>, fragte er grimmig, während er sich nach einem neuen Ziel für den Zweikampf umsah - in der Gewissheit, dass dort, wo einer der Scovells war, der andere nicht weit sein konnte.</div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<br><center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">Einer für alle, und alle für einen!</div>
<font size=1>August 1821<br />
Trevor Scovell, Gregory Scovell & Rayon Enarchea</font></center><br />
<blockquote><div class="Rayon">Die sinkende Abendsonne durchbrach die Wolkendecke und blendete ihn für einen kurzen Moment. Rayon fluchte, kniff die Augen zusammen und wich dem Säbelhieb des Mannes vor ihm gerade noch rechtzeitig aus, um seinen Kopf weiterhin auf den Schultern tragen zu können. Mit einem Aufschrei wirbelte er herum, ließ die Streitaxt auf das entblößte Haupt seines Gegners hinabsausen und spaltete ihm den Schädel.<br />
<br />
Nach Atem ringend blickte der Schiffskoch sich für einen Moment um und begutachtete das Chaos, das auf der Sirène ausgebrochen war. Seit Wochen schlugen sie sich mit den Piraten herum, die regelmäßig kleinere Siedlungen des Herzogtums Tarlenn überfielen und sich damit den Zorn ihres Kapitäns zugezogen hatten. Auch sie waren zwar Piraten - aber eben Piraten, die für das Herzogtum segelten und nicht gegen es. Nun endlich, nach einer sich schier ewig hinziehenden Hetzjagd, hatten sie das verhasste Schiff gestellt, doch auf das ausgefeilte Gegenmanöver waren sie nicht eingestellt gewesen. Rayon hatte es erst recht nicht kommen sehen, denn er war ein noch viel zu unerfahrener Seemann, und auch Ellhan war von dem Konter der Gegenseite so überrascht gewesen, dass nun <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ihr</span> Schiff geentert wurde und sie es mit Leib und Seele verteidigen mussten.<br />
<br />
Bislang allerdings verlief die Schlacht zu ihren Gunsten. Der Großteil ihrer Crew stand noch auf den Beinen, während bereits einige ihrer Gegner an Deck der Sirène den Tod gefunden hatten. Dennoch galt es, weiterhin aufmerksam zu sein und konzentriert weiterzukämpfen, bis die Piraten, die ungewöhnlicherweise eine rote Flagge gehisst hatten, sich zurückziehen und ihnen so den Todesstoß ermöglichen würden.<br />
<br />
Rayon spürte einen sanften Stoß im Rücken. Einer ihrer Gegner konnte es nicht sein, er hatte dafür gesorgt, dass er keinen von denen hinter sich hatte. Ein kurzer Blick sagte ihm, dass es Gregory war, der nun Rücken an Rücken mit ihm stand.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Alles okay bei euch?"</span>, fragte er grimmig, während er sich nach einem neuen Ziel für den Zweikampf umsah - in der Gewissheit, dass dort, wo einer der Scovells war, der andere nicht weit sein konnte.</div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
</rss>