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		<title><![CDATA[Inselwelten - Chatplays]]></title>
		<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/</link>
		<description><![CDATA[Inselwelten - https://inselwelten.crux-mundi.de]]></description>
		<pubDate>Tue, 28 Apr 2026 15:25:55 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[A tiny little moment]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1305</link>
			<pubDate>Sun, 06 Oct 2024 12:11:49 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=9">Liam Casey</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">A tiny little moment</div>
<br />
<font size=1>Morgen des 29. Juni 1822 <br />
Peregryne Tallant & Skadi Nordskov & Liam Casey</font></center><br />
<br />
...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">A tiny little moment</div>
<br />
<font size=1>Morgen des 29. Juni 1822 <br />
Peregryne Tallant & Skadi Nordskov & Liam Casey</font></center><br />
<br />
...]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Skadi & Talin]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1302</link>
			<pubDate>Fri, 04 Oct 2024 21:06:53 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=5">Skadi Nordskov</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[Szene Skadi & Talin]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Szene Skadi & Talin]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Turning Tides]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1300</link>
			<pubDate>Fri, 04 Oct 2024 20:47:31 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=59">Jón Nóason</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1300</guid>
			<description><![CDATA[<blockquote><div class="Jón">Gefühlte fünf Sekunden war Jón mit dem anderen Mann schweigend an Deck herum gehangen, ehe er schon das Bedürfnis hatte, etwas zu sagen. <br />
<br />
Er war dem Kerl öfter schon über den Weg gelaufen. Zairym al-Said. War ja nun auch nicht schwer auf einem solch begrenzten Raum wie einem Schiff. Doch bisher hatten sie noch kein Wort gewechselt, außer vielleicht ein "Guten Morgen", oder so. Und das einzige was Jón über den anderen wusste, war, dass er desöfteren über der Reling hing. <br />
<br />
Im orangenen Licht der untergehenden Sonne konnte Jón es nicht gut sehen, aber er glaubte zu erkennen, dass der arme Kerl noch immer etwas grün im Gesicht war. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wie geht's mit dem Seegang?"</span>, fragte Jón. Ernsthaft. Nicht um ihn zu verspotten.</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Zairym">Den Blick gelangweilt in die Ferne gerichtet, wartete er darauf, dass etwas passierte. Wenn er etwas festgestellt hatte, dann, dass eine Wachschicht an Board der Sphinx sehr langweilig werden konnte. Es passierte herzlich wenig, wofür er auf offener See wirklich dankbar war. Aber so Nahe an Land? Nur unter größter Anstrengung unterdrückte Rym ein Gähnen und schielte stattdessen zu dem Kerl, der mit ihm Wache schob. Er hatte keine Ahnung, wie der andere hieß. Er konnte ihm nicht einmal so schöne Namen geben, wie dem Kätzchen oder den Löckenköpfen. Allerdings glaubte er gehört zu haben, dass er irgendwie mit dem kleinen schüchternen verwandt war. So konnte er immerhin in seinem Kopf eine Verbindung für Herrn Undefinierbar herstellen. <br />
Sein Blick wollte wieder in eine Richtung abschweifen, als er die Stimme des anderen Mannes hörte. Ryms Augenbraue zuckte überrascht und teils belustigt in die Höhe, während er noch einmal den anderen musterte. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Nah. So lange wir nicht wieder halsbrecherische Geschwindigkeiten aufnehmen oder die See sich für höhere und stärke Wellen entscheidet, komm ich schon klar. Ich fühl mich einfach auf so einer ‚Nussschale‘ nicht wohl, aber verrat’s dem Commodore nicht.“</span> Er lehnte sich gelassen an die Reling und sah in Richtung der untergehenden Sonne. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Macht dir das ganze Geschaukel nichts aus?“</span></div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Jón">Jón zuckte die Schultern. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Bin schon eine Weile unterwegs und bislang noch nicht"</span>, sagte er. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aber vielleicht liegt's daran, dass ich auf Pferden aufgewachsen bin."</span> Es war halb im Scherz -- ihm war bewusst, dass Reiten ein ganz anderes Gefühl war als Schifffahren. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Und du bist andere Kaliber gewöhnt als die Nussschale, oder wie darf man das verstehen?"</span></div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Zairym">Er sah den Mann an, als hätte er seinen Verstand verloren, während er einen Moment überlegen musste, ob er je auf einem Pferd gesessen hätte. Nein, davor hatte er sich erfolgreich gedrückt. Die Vorstellung, dass diese genau so schaukelten wie ein Schiff, gefiel ihm überhaupt nicht. Deshalb schob er diesen Gedanken weit von sich, in eine dunkle, dunkle Ecke und konzentrierte sich lieber auf die andere Frage, wobei er allerdings nur ein Schnauben von sich gab, bevor er antwortete. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Jedes dieser fahrenden Bretter ist eine Nussschale für mich. Ob groß, ob klein, sie sind alle fürchterlich. Aber wie willst du dich in einer Welt bewegen, wenn du nur Wasser zur Verfügung hast? Bei all dem Viehzeug da unten, werde ich sicher nicht von Insel zu Insel schwimmen. Und außerdem würde dann auch nur meine Hübsche nass werden. Nein danke.“</span> Kurz glitt sein Blick über das Schiff, bevor ein Gedanke aus einer dunklen, dunklen Ecke wieder auftauchte und sich mit einer Geschichte vermischte, die er als Kind gehört hatte. Die Erinnerung ließ einen kurzen wehmütigen Ausdruck über seine Züge gleiten, bevor er den anderen wieder ansah. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Wenn du sagst, Pferde wären wie Schiffe, hast du schon ein mal ein - wie nannte sie es? - ein Kamel gesehen? Es soll sich schlimmer, als der schlimmste Wellengang anfühlen, auf ihnen zu reiten.“</span></div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><div class="Jón">Gefühlte fünf Sekunden war Jón mit dem anderen Mann schweigend an Deck herum gehangen, ehe er schon das Bedürfnis hatte, etwas zu sagen. <br />
<br />
Er war dem Kerl öfter schon über den Weg gelaufen. Zairym al-Said. War ja nun auch nicht schwer auf einem solch begrenzten Raum wie einem Schiff. Doch bisher hatten sie noch kein Wort gewechselt, außer vielleicht ein "Guten Morgen", oder so. Und das einzige was Jón über den anderen wusste, war, dass er desöfteren über der Reling hing. <br />
<br />
Im orangenen Licht der untergehenden Sonne konnte Jón es nicht gut sehen, aber er glaubte zu erkennen, dass der arme Kerl noch immer etwas grün im Gesicht war. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Wie geht's mit dem Seegang?"</span>, fragte Jón. Ernsthaft. Nicht um ihn zu verspotten.</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Zairym">Den Blick gelangweilt in die Ferne gerichtet, wartete er darauf, dass etwas passierte. Wenn er etwas festgestellt hatte, dann, dass eine Wachschicht an Board der Sphinx sehr langweilig werden konnte. Es passierte herzlich wenig, wofür er auf offener See wirklich dankbar war. Aber so Nahe an Land? Nur unter größter Anstrengung unterdrückte Rym ein Gähnen und schielte stattdessen zu dem Kerl, der mit ihm Wache schob. Er hatte keine Ahnung, wie der andere hieß. Er konnte ihm nicht einmal so schöne Namen geben, wie dem Kätzchen oder den Löckenköpfen. Allerdings glaubte er gehört zu haben, dass er irgendwie mit dem kleinen schüchternen verwandt war. So konnte er immerhin in seinem Kopf eine Verbindung für Herrn Undefinierbar herstellen. <br />
Sein Blick wollte wieder in eine Richtung abschweifen, als er die Stimme des anderen Mannes hörte. Ryms Augenbraue zuckte überrascht und teils belustigt in die Höhe, während er noch einmal den anderen musterte. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Nah. So lange wir nicht wieder halsbrecherische Geschwindigkeiten aufnehmen oder die See sich für höhere und stärke Wellen entscheidet, komm ich schon klar. Ich fühl mich einfach auf so einer ‚Nussschale‘ nicht wohl, aber verrat’s dem Commodore nicht.“</span> Er lehnte sich gelassen an die Reling und sah in Richtung der untergehenden Sonne. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Macht dir das ganze Geschaukel nichts aus?“</span></div></blockquote>
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<blockquote><div class="Jón">Jón zuckte die Schultern. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Bin schon eine Weile unterwegs und bislang noch nicht"</span>, sagte er. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Aber vielleicht liegt's daran, dass ich auf Pferden aufgewachsen bin."</span> Es war halb im Scherz -- ihm war bewusst, dass Reiten ein ganz anderes Gefühl war als Schifffahren. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Und du bist andere Kaliber gewöhnt als die Nussschale, oder wie darf man das verstehen?"</span></div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Zairym">Er sah den Mann an, als hätte er seinen Verstand verloren, während er einen Moment überlegen musste, ob er je auf einem Pferd gesessen hätte. Nein, davor hatte er sich erfolgreich gedrückt. Die Vorstellung, dass diese genau so schaukelten wie ein Schiff, gefiel ihm überhaupt nicht. Deshalb schob er diesen Gedanken weit von sich, in eine dunkle, dunkle Ecke und konzentrierte sich lieber auf die andere Frage, wobei er allerdings nur ein Schnauben von sich gab, bevor er antwortete. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Jedes dieser fahrenden Bretter ist eine Nussschale für mich. Ob groß, ob klein, sie sind alle fürchterlich. Aber wie willst du dich in einer Welt bewegen, wenn du nur Wasser zur Verfügung hast? Bei all dem Viehzeug da unten, werde ich sicher nicht von Insel zu Insel schwimmen. Und außerdem würde dann auch nur meine Hübsche nass werden. Nein danke.“</span> Kurz glitt sein Blick über das Schiff, bevor ein Gedanke aus einer dunklen, dunklen Ecke wieder auftauchte und sich mit einer Geschichte vermischte, die er als Kind gehört hatte. Die Erinnerung ließ einen kurzen wehmütigen Ausdruck über seine Züge gleiten, bevor er den anderen wieder ansah. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Wenn du sagst, Pferde wären wie Schiffe, hast du schon ein mal ein - wie nannte sie es? - ein Kamel gesehen? Es soll sich schlimmer, als der schlimmste Wellengang anfühlen, auf ihnen zu reiten.“</span></div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Lonely Ghosts come calling]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1299</link>
			<pubDate>Thu, 03 Oct 2024 20:26:30 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=2">Lucien Dravean</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1299</guid>
			<description><![CDATA[<link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Alex+Brush' rel='stylesheet' type='text/css'><center><font style="font-family: 'Alex Brush', cursive; color: ##6E6E6E; font-size: 35px; line-height: 25px;">Lonely Ghosts come calling </font><br><font style="font-family: Calibri; text-transform: uppercase; color: ##6E6E6E; font-size: 12px; line-height: 12px;"><font style="font-size: 11px;">abends</font><br><br><br>Enrique<span style="color: #458B74"> &</span> Lucien<br><font style="font-size: 11px;">15. April 1822 | an Deck der Sphinx</font></font></center>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Alex+Brush' rel='stylesheet' type='text/css'><center><font style="font-family: 'Alex Brush', cursive; color: ##6E6E6E; font-size: 35px; line-height: 25px;">Lonely Ghosts come calling </font><br><font style="font-family: Calibri; text-transform: uppercase; color: ##6E6E6E; font-size: 12px; line-height: 12px;"><font style="font-size: 11px;">abends</font><br><br><br>Enrique<span style="color: #458B74"> &</span> Lucien<br><font style="font-size: 11px;">15. April 1822 | an Deck der Sphinx</font></font></center>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Nicht seekrank werden!]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1298</link>
			<pubDate>Thu, 03 Oct 2024 19:59:11 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=2">Lucien Dravean</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1298</guid>
			<description><![CDATA[<link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Alex+Brush' rel='stylesheet' type='text/css'><center><font style="font-family: 'Alex Brush', cursive; color: ##6E6E6E; font-size: 35px; line-height: 25px;">Nicht seekrank werden! - Aber wie?!</font><br><font style="font-family: Calibri; text-transform: uppercase; color: ##6E6E6E; font-size: 12px; line-height: 12px;"><font style="font-size: 11px;">nachmittags</font><br><br><br>Zairym<span style="color: #458B74"> &</span> Lucien<br><font style="font-size: 11px;">17. Juni 1822 | an Deck der Sphinx | auf dem Weg nach Norden</font></font></center>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Alex+Brush' rel='stylesheet' type='text/css'><center><font style="font-family: 'Alex Brush', cursive; color: ##6E6E6E; font-size: 35px; line-height: 25px;">Nicht seekrank werden! - Aber wie?!</font><br><font style="font-family: Calibri; text-transform: uppercase; color: ##6E6E6E; font-size: 12px; line-height: 12px;"><font style="font-size: 11px;">nachmittags</font><br><br><br>Zairym<span style="color: #458B74"> &</span> Lucien<br><font style="font-size: 11px;">17. Juni 1822 | an Deck der Sphinx | auf dem Weg nach Norden</font></font></center>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Rauch, Rauch, über all Rauch]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1297</link>
			<pubDate>Thu, 03 Oct 2024 16:50:37 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=70">Lola Clay</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1297</guid>
			<description><![CDATA[<blockquote><div class="Talin">Mit einem unbeschwerten Lächeln folgte Talin der blonden Apothekerin, nachdem sie Shanaya am Schiff gelassen hatten. Zwar hatte sie sehr wohl Rúnars fahrigen Erklärungen gelauscht – irgendetwas mit Soldaten und besser gleich ablegen – aber dagegen tun konnte sie im Moment eh nichts weiter. Sie mussten auf die Flut und den Rest der Crew warten, bevor sie wirklich in See stechen konnten. So lange mussten sie einfach aufmerksam bleiben, die Hand an der Waffe haben und bestenfalls nicht noch einmal allein mit einer völlig Fremden losziehen. Nun, Talin war eben nicht perfekt. Aus diesem Grund wurde ihr Lächeln auch noch ein wenig breiter, wurde fast zu einem Grinsen, während sie durch die Straßen gingen. Sie spürte jetzt auch zum ersten Mal nicht mehr diesen merkwürdigen Blick auf sich, als würde sie verfolgt werden. Dafür gab es andere, seltsame Blicke, die Talin manchmal mit einer fragend hochgezogenen Augenbraue beantwortete. Allerdings senkten die Beobachter dann meist schnell den Blick und wandten sich ab. Hatten die denn noch nie ein Mädchen eine Straße entlang laufen sehen? <br />
Sie schüttelte das leicht beklemmende, auf jeden Fall, Stimmungssenkende Gefühl ab und wandte sich ihrer Begleiterin zu. So ganz konnte die Piratin die andere nicht einschätzen. Sie war ruhig, wirklich sehr ruhig, schien aber unter dieser ruhigen Art ein gewisses Temperament zu verstecken. Oder sie hatte für gewöhnlich eine ‚Mir ist alles egal‘-Stimmung. So ganz konnte sie es nicht greifen und das machte Talin neugierig. <br />
„Also … Lola, richtig? Diese Bomben hast du wirklich selbst gemacht? Machen sie nur Rauch? Oder kannst du auch etwas explosiveres herstellen mit den richtigen Stoffen?“<br />
Weil wenn dem so war, dann würde Talin alles dafür geben, die junge Frau auf die Sphinx zu locken. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">Überrascht hatte Lola das große Schiff mit den markanten Segeln bestaunt. Sie war den beiden Frauen nicht bis aufs Schiff gefolgt. Irgendwas hielt sie zurück. Lola brauchte ihre Sachen, die paar Dinge die sie besaß waren noch in der Apotheke, dann würde sie auch auf die alte Apothekerin treffen.<br />
Ein komisches Gefühl zog durch ihren Magen und sie atmete durch, war es das Richtige? Aber die Karten haben es so gesagt, sie musste sich nur trauen. Mit kalten Füßen wandte sie sich von dem Schiff ab und ging den Steg entlang, zurück in die Richtung des nördlichen Marktplatzes. Kurz sah sie runter auf ihre nackten Füße. Ironisch das sie jetzt gerade wirklich kalt wurden. <br />
"vielleicht sind wir doch nur eine verrückte...und niemand will uns..." murmelte sie. Die Schritte hinter sich hatte sie zu spät wahrgenommen und presste die Lippen kurz zusammen, Dann schaute sie über die Schulter. Die blonde Frau war ihr gefolgt. Sie war viel zu nah gekommen, ohne das Lola es gemerkt hatte.<br />
Sie wollte etwas über die Rauchbombe wissen. "Ja Lola ist richtig. Klar hab ich sie selbst gemacht" für sie waren so Räucherbündel nichts ungewöhnliches. Nun ja, dies machte ungewöhnlich viel Rauch. Normalerweise waren sie dafür da um einen Kleiderschrank oder so von Ungeziefer zu befreien. Die Gläubigen nutzen sie um ihre Messen abzuhalten. Neugierig musterte sie die fremde Frau. Warum interessierte sie es so?<br />
"Diese macht nur Rauch. Mit den richtigen Zutaten kann man bestimmt auch irgendwie was machen das es einen Knall gibt. Aus den Bündeln was explosives zu machen wäre ohne sowas wie einen Zündschnur zu gefährlich. Nicht das man sich selbst Verletzt." Erklärte sie während sie sich zum weiter gehen entschied. Die Frau war neben sie gekommen.<br />
"Aber um deine Frage zu beantworten, mit den richtigen Sachen. Also Material und Gerätschaften, kann ich auch...gefährlicheres herstellen." ein bisschen zögerte sie dabei. Sie würde ihr Buch brauchen und ein paar Geräte aus einer Küche, am besten wären natürlich richtige Alchemistische Geräte. Doch die waren teuer. Mit solchen Stoffen sollte man am besten nicht in den Töpfen, Tellern und Tassen arbeiten aus den man am Abend speisen wollte. Bei dem Gedanken musste sie sich ein grinsen verkneifen und presste die Lippen etwas aufeinander. Da der Gedanke und das Geredete nicht zu einander passten und es vermutlich falsch rüber kommen würde, wenn sie jetzt lachte. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Talin">Während sie auf eine Antwort wartete, musterte Talin noch einmal die junge Frau. Wenn sie das Äußere der Anderen mit einem Wort beschreiben sollte, dann wäre das wohl ‚wild‘. Doch es schien nicht zum Charakter zu passen. Lola war genau das, was Talin geworden wäre, wenn es nach ihren Eltern gegangen wäre. Schüchtern, zurückhaltend, so ziemlich unsichtbar, wenn sie in einer Masse stand. Dieser Widerspruch zwischen dem Verhalten und Auftreten und ihrem Äußeren machten die junge Capitänin neugierig, das hatte wenig mit den Bomben zu tun. Aber immerhin waren diese ein guter Aufhänger gewesen. Und brachten Lola auf jeden Fall zum Reden. Talin versteckte ein belustigtes Schmunzeln, weil sie offensichtlich ein Thema gefunden hatte, was die andere wirklich interessierte. Stattdessen zeigte das Mädchen ihr nur, ihre eigene Begeisterungen über die Informationen, die die Apothekerin so freiwillig herausgab. <br />
„Rauch ist schon ein guter Anfang, damit kann man viel machen. Aber wenn es ein wenig lauter wird, ist das auch nicht zu verachten. Dass du das kannst und dir dabei offensichtlich die Finger noch nicht weggesprengt hast, spricht auf jeden Fall für dich.“<br />
Sie schaute auf die Hände der anderen und nickte zufrieden. Auf jeden Fall ein Punkt mehr die Frau mitzunehmen. Aber vielleicht griff sie dem Ganzen schon wieder ein wenig zu weit voraus. Kleine Schritte. Sie brauchte mehr Argumente, um Lucien zu überzeugen. Falls er ihr überhaupt zu hörte. Sie schnaubte leise, schüttelte kurz darauf aber den Kopf, um den Gedanken zu vertreiben. Das gehörte nun wirklich nicht hierher. Stattdessen konzentrierte sie sich lieber auf die junge Frau neben ihr. <br />
„Was kannst du noch so herstellen? Und woher kannst du das alles? Das ist jetzt kein Wissen, was sich jeder einfach so aneignen kann, will ich meinen.“ </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">Auch wenn ihr auftreten 'wild' wirkte achtete sie darauf in ihrem Stil vorzeigbar zu sein. Ihre Dreads waren in einem Zopf zusammen gefasst, Das rote Bandana hatte sie um ihr Handgelenk geknotet. Ihr lockeres Oberteil war ein längeres Top aus Leinen, genau so wie ihre Hose. Beides hat schon bessere Tage gesehen, aber war nicht stark verschmutzt. Das sie gerade ein bisschen im Mittelpunkt des Gespräches stand war ihr etwas unheimlich. Normalerweise waren die Gespräche, mit ihr als Mittelpunkt, während sie anwesend war, nicht so angenehm. Direkt holten sie zwei Gefühle ein. Zum einen schaute sie sich unsicher um, es waren keine Wachen in der nähe. Doch irgendwie tat es auch gut einfach mal über Arbeit reden zu können. Die andere schien sich auch ehrlich dafür zu interessieren. Vorsichtig musterte sie diese. Währen sie noch weitere Fragen stellte. Würde sie auch fragen stellen dürfen?<br />
"Ich bin in der Apotheke groß geworden, meine Mutter..." sie zögerte sehr stark und viel verschiedene Dinge prallten in ihrem Kopf aufeinander. "...Mama ist sehr krank geworden und sie konnte sich nicht mehr um mich kümmern" sie klang kurz sehr kindlich, schnell räusperte sie sich und bemühte sich weiter zu gehen.<br />
"Die Apothekerin ist...war eine Freundin von ihr und hat mich aufgenommen, mir alles bei gebracht was ich weiß. Ich hab mir auch einiges selbst bei gebracht durch ausprobieren oder beobachten oder durch Erzählungen. Alle Rezepte habe ich aber nicht im Kopf, dafür gibt es im Labor das Rezeptbuch. Meine eigenen Kreationen habe ich aber auch aufgeschrieben..." erzählt sie ruhig und wird ein bisschen 'wärmer' mit dem erzählen. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Talin">Talin schielte die Blonde von der Seite her an, während ihr Blick gleichzeitig immer mal wieder durch die Gegend huschte. Sie hatte eigentlich gehofft herauszufinden, dass die Kräuterkundige sehr, sehr unglücklich auf dieser Insel war und deshalb ganz dringend von hier fort gebracht werden musste. Aber nicht jeder Mensch hat ein Problem mit seinen Eltern und will von zu Hause fort. Richtig? Talin seufzte leise und lächelte dann die junge Frau aufmunternd an. <br />
„Das mit deiner Mutter tut mir leid. Aber es ist doch schön, dass ihre Freundin sich um dich gekümmert hat und nicht an das nächst beste Hurenhaus verkauft hat.“ <br />
Die Worte rutschten ihr nur so heraus, weil ihr das auf Kitar das ein oder andere Mal untergekommen war. Vielleicht auch mehr als zehnmal. Und das allein in dem Jahr, in dem sie auf der Insel war. Menschen taten viel aus Verzweiflung und für Geld… <br />
„Du konntest also bei der Apothekerin lernen und kannst dabei sogar deine eigenen Rezepte entwickeln. Das ist ziemlich spannend. Verkaufst du deine kleinen Rauchbomben auch? Oder nur diese kleinen Tränke, von denen ich mir manchmal nicht sicher bin, ob sie wirklich funktionieren.“ Sie zögerte kurz und schenkte ihr ein schiefes Lächeln. „Entschuldige bitte, wenn ich zu neugierig erscheine.“ </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">Lola stockte bei dem Gedankengang der anderen, mit dem Hurenhaus.<br />
"Von einem verkauf hätte sie nichts mehr gehabt...Mama war schon ein paar tage weg, als mich ihre Freundin gefunden hat." wieder verfiel sie in das kindliche und ging noch ein paar Schritte. "Außerdem hätte mich eh niemand genommen, wenn man verrückt ist bringt man niemanden etwas, außer ärger." hing sie noch an und wirkte dann wieder wie eine normal junge Erwachsene Frau.<br />
Als die blonde dann weiter Sprach lauschte sie. "Ich habe die Rauchbomben bisher nur für mich gemacht und noch nie welche Verkauft...die Hexe würde verrückt werden...wenn ich meine eigenen Sachen in der Apotheke verkaufen würde...und für die Wachen wäre es ein gefundenes Fressen. 'Verrücktes Mädchen verkauft Rauchbomben' Dann würden sie mich deswegen einsperren und nicht weil ich 'Verrückt' bin und anderen Angst mache"<br />
Man konnte durchaus raushören, dass die Gedanken sie verletzten und sie sich wirklich mühe gab so normal wie möglich zu sein. "Du brauchst dich nicht entschuldigen. Ich bin es nur nicht gewohnt, dass man mit mir ein normales Gespräch führt..." sie presste die Lippen zusammen, da war ihr Mund schneller gewesen als ihr Kopf. Es ging niemanden was an, dass sie unglücklich war und eine Lösung suchte hier weg zu kommen. Die alte Kräuterhexe würde sie in ihrem Zimmer einsperren oder sich irgendwas anderes einfallen lassen, damit Lola nicht abhauen konnte. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Talin">Talin zog eine Augenbraue in die Höhe und warf Lola einen fragenden Blick von der Seite her zu. Was sie sagte, wie sie sprach, es klang für die Blonde so sehr nach einer noch jüngeren, verunsicherteren Version ihrer selbst, als sie versuchte ohne ihren Bruder auf Kelekuna zu überleben… fast hätte sie auf dem Absatz kehrt gemacht und wäre davon gerannt, um nicht damit konfrontiert zu werden. Gleichzeitig wollte sie Lola in den Arm nehmen und ihr sagen, dass alles gut werden würde. Ein leises Seufzen folgte diesem Gedankengang. <br />
„Du sprichst immer von ‚verrückt‘ und ‚Hexe‘ und unterschwellig auch davon, dass die Stadtwache dich belästigt. Du magst es hier nicht besonders, kann das sein? Ich meine," sie hielt eine Hand in die Höhe und fing an, an ihren Fingern abzuzählen, „du hast hier eine Arbeitsstelle, die nicht jede Frau haben kann, ein Dach über den Kopf und verdienst vielleicht nicht ganz so schlecht, dass du vielleicht auch deine eigene Apotheke eröffnen könntest. Das klingt ziemlich lohnenswert. Aber wenn ich dich richtig verstanden habe, dann darfst du das, was du herstellst nicht verkaufen? Die Frau, die dich aufgenommen hat, mag dich nicht besonders? Und die Stadtwache scheint dich mit Vorliebe zu drangsalieren. Ach und entweder nennst du dich selbst verrückt – obwohl du für mich nicht so wirkst – oder alle anderen reden dir ein, du wärst verrückt. Warum bist du dann noch hier? Wieso nicht längst auf einem Schiff zu neuen Ufern, wo du vielleicht mehr mit deinen Fähigkeiten anfangen könntest?“ <br />
Sie holte einmal tief Luft und fuhr sich beschämt durchs Haar.<br />
„Noch einmal Entschuldigung. Ich rede manchmal etwas viel. Meistens wenn ich aufgeregt bin oder verunsichert.“ Und in diesem Fall traf sehr vermutlich eher letzteres zu. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">Lola ging mit der fremden Frau bis zum Markplatz und lauschte ihrem Redeschwall. Wieso war sie noch nicht abgehauen? Wieso dachte sie das sie verrückt war? Noch nie hatte ihr jemand diese Fragen gestellt. Was sollte sie Antworten? Immer wenn sie versuchte über ihre Situation zu reden wurde sie abgewürgt, belächelt oder einfach nicht ernstgenommen.<br />
"Du brauchst dich wirklich nicht entschuldigen" wiederholte sie sich nochmal und holte Luft. "Ja...ich habe arbeit und ein Dach über dem Kopf und ich habe auch vieles beigebracht bekommen und gelernt. Dafür bin ich auch ehrlich dankbar und das ist auch der Grund wieso ich noch hier bin und noch nicht abgehauen bin."<br />
Es waren nur noch ein paar Meter bis zur Apotheke. Lola sah zu der offenen Tür des Ladens und seufzte. "Die Stadtwachen...und die Apothekerin...ich..." Ihre Stimme war wieder ins kindliche gekippt, doch schnell räusperte sie sich, ballte die Fäuste. "Ich war kein Segen für meine Mutter, ich war eher eine Last und eine Schande für sie. Ein Soldat...der Marine hatte..." Ihr blieb die Stimme weg, die sehr fest und Erwachsen klang. Die Knöchel traten weiß hervor so doll ballte sie ihre Fäuste.<br />
"Ich weiß nicht wie alt ich war...als sie sich das Leben genommen hat." Ihre Stimme war abwesend und sehr monoton. "Die Apothekerin hat mich neben meiner Mutter in ihrer Hütte gefunden und mich mit zu sich genommen." <br />
Lola schnappte nach Luft und musste sich erinnern weiter zu atmen. "Es...es ist alles irgendwie schwer zu Erklären. Ich bin dankbar, dass sie mich mitgenommen hat und doch ist es irgendwie die Hölle für mich." ihre Stimme wurde leiser und unsicher. "Aber ich halte es nicht mehr aus...mit der Ablehnung, der Abneigung...wie sie und die Wachen mich behandeln. Ich habe hier niemanden. Ich kenne niemanden, außer der Kunden...ich habe keine Freunde oder Familie. Ich würde so gerne hier weg, doch wer will schon jemanden wie mich?" Die blonde wollte weiter gehen, doch wohin? Aus der Situation raus, sie wollte nicht darüber reden. Doch zur Apotheke wollte sie auch nicht, da würden ihr lieblose und abwertende Worte entgegenfliegen. Die Stimmung war schon seit einer Weile nicht mehr wirklich gut. Seit die Apothekerin, Lola die Wahrheit über ihre Mutter an den Kopf geworfen hatte. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Talin">Vielleicht, nur vielleicht, hatte sie sich doch ein kleines bisschen zu weit vorgewagt. Aus dem Augenwinkel beobachtete sie die andere Frau, die so sehr versuchte stark, erwachsen zu sein, dass es fast Talin körperlich weh tat. Lola sprach nicht alles aus, was ihr durch den Kopf ging, vielleicht konnte sie das auch gar nicht, aber sie verstand trotzdem, was die junge Apothekerin damit sagen wollte. Ja, sie wusste sehr gut, was es war, was ihrer Mutter geschehen war. Dass es sie zu sehr belastete, als dass sie weiter damit hatte leben wollen, trotz des Kindes oder vielleicht gerade deswegen. Talin seufzte leise, fast lautlos. So etwas hatte sie häufiger von den Huren auf Kitar gehört. Es waren Geschichten, die so alt wie die Zeit zu sein schienen und einfach kein Ende nahmen. Nur wenige Frauen konnten nach so einem Erlebnis normal weiter machen. Und ob sie wirklich gesund im Kopf blieben, war etwas völlig anders. Aber eigentlich traf das ja nicht nur auf Frauen zu ... Ihr Blick glitt kurz in die Richtung zurück, aus der sie gekommen waren. Dunkles Haar, grüne Augen und so schrecklich zerbrochen. Die Blonde ballte kurz die Hände zu Fäusten, bevor sie sich entspannte und mit einem sanften Lächeln neben Lola stehen blieb.<br />
„Ich verstehe, dass dich das belastet. Auch das Verhältnis mit denen, die die Geschichte kennen, ist sicher schwierig. Aber wer sagt, dass dich jemand wollen muss? Du könntest für dich selbst eine Passage auf einem Schiff mieten und einfach in die Welt hinaus segeln. Sie ist so weit, so unendlich weit, dass dich da nie jemand wirklich kennen muss. Du kannst dich selbst entfalten, immer wieder neu erfinden und musst niemals wieder auf deine Vergangenheit zurückschauen oder auf diese Insel, auf der du unglücklich bist.“ <br />
Ein wehmütiger Ausdruck trat in ihre Augen, bevor sie Lola ein kleines Grinsen schenkte. <br />
„Oder komm mit uns mit. Jemand, der Bomben bauen kann, ist wie gesagt, gern bei uns gesehen. Du kommst mit uns mit, lässt dass hier alles hinter dir. Du musst nur damit leben können, eine Piratin zu sein. Und vielleicht ab und zu Mittelchen zusammen zu mischen, die uns helfen, wenn wir verwundet sind. Klingt das nicht furchtbar aufregend?“ <br />
Sie hielt der anderen Frau die Hand hin, als wolle sie sie auffordern, sofort zu zusagen und die Abenteuer in der Ferne zu suchen. Weit ab, von all den Schatten, die sie hier belasteten. Vor allem von dieser Tür fort, auf die sie sich schon lange nicht mehr zubewegt hatten, wie Talin feststellte. </div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><div class="Talin">Mit einem unbeschwerten Lächeln folgte Talin der blonden Apothekerin, nachdem sie Shanaya am Schiff gelassen hatten. Zwar hatte sie sehr wohl Rúnars fahrigen Erklärungen gelauscht – irgendetwas mit Soldaten und besser gleich ablegen – aber dagegen tun konnte sie im Moment eh nichts weiter. Sie mussten auf die Flut und den Rest der Crew warten, bevor sie wirklich in See stechen konnten. So lange mussten sie einfach aufmerksam bleiben, die Hand an der Waffe haben und bestenfalls nicht noch einmal allein mit einer völlig Fremden losziehen. Nun, Talin war eben nicht perfekt. Aus diesem Grund wurde ihr Lächeln auch noch ein wenig breiter, wurde fast zu einem Grinsen, während sie durch die Straßen gingen. Sie spürte jetzt auch zum ersten Mal nicht mehr diesen merkwürdigen Blick auf sich, als würde sie verfolgt werden. Dafür gab es andere, seltsame Blicke, die Talin manchmal mit einer fragend hochgezogenen Augenbraue beantwortete. Allerdings senkten die Beobachter dann meist schnell den Blick und wandten sich ab. Hatten die denn noch nie ein Mädchen eine Straße entlang laufen sehen? <br />
Sie schüttelte das leicht beklemmende, auf jeden Fall, Stimmungssenkende Gefühl ab und wandte sich ihrer Begleiterin zu. So ganz konnte die Piratin die andere nicht einschätzen. Sie war ruhig, wirklich sehr ruhig, schien aber unter dieser ruhigen Art ein gewisses Temperament zu verstecken. Oder sie hatte für gewöhnlich eine ‚Mir ist alles egal‘-Stimmung. So ganz konnte sie es nicht greifen und das machte Talin neugierig. <br />
„Also … Lola, richtig? Diese Bomben hast du wirklich selbst gemacht? Machen sie nur Rauch? Oder kannst du auch etwas explosiveres herstellen mit den richtigen Stoffen?“<br />
Weil wenn dem so war, dann würde Talin alles dafür geben, die junge Frau auf die Sphinx zu locken. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">Überrascht hatte Lola das große Schiff mit den markanten Segeln bestaunt. Sie war den beiden Frauen nicht bis aufs Schiff gefolgt. Irgendwas hielt sie zurück. Lola brauchte ihre Sachen, die paar Dinge die sie besaß waren noch in der Apotheke, dann würde sie auch auf die alte Apothekerin treffen.<br />
Ein komisches Gefühl zog durch ihren Magen und sie atmete durch, war es das Richtige? Aber die Karten haben es so gesagt, sie musste sich nur trauen. Mit kalten Füßen wandte sie sich von dem Schiff ab und ging den Steg entlang, zurück in die Richtung des nördlichen Marktplatzes. Kurz sah sie runter auf ihre nackten Füße. Ironisch das sie jetzt gerade wirklich kalt wurden. <br />
"vielleicht sind wir doch nur eine verrückte...und niemand will uns..." murmelte sie. Die Schritte hinter sich hatte sie zu spät wahrgenommen und presste die Lippen kurz zusammen, Dann schaute sie über die Schulter. Die blonde Frau war ihr gefolgt. Sie war viel zu nah gekommen, ohne das Lola es gemerkt hatte.<br />
Sie wollte etwas über die Rauchbombe wissen. "Ja Lola ist richtig. Klar hab ich sie selbst gemacht" für sie waren so Räucherbündel nichts ungewöhnliches. Nun ja, dies machte ungewöhnlich viel Rauch. Normalerweise waren sie dafür da um einen Kleiderschrank oder so von Ungeziefer zu befreien. Die Gläubigen nutzen sie um ihre Messen abzuhalten. Neugierig musterte sie die fremde Frau. Warum interessierte sie es so?<br />
"Diese macht nur Rauch. Mit den richtigen Zutaten kann man bestimmt auch irgendwie was machen das es einen Knall gibt. Aus den Bündeln was explosives zu machen wäre ohne sowas wie einen Zündschnur zu gefährlich. Nicht das man sich selbst Verletzt." Erklärte sie während sie sich zum weiter gehen entschied. Die Frau war neben sie gekommen.<br />
"Aber um deine Frage zu beantworten, mit den richtigen Sachen. Also Material und Gerätschaften, kann ich auch...gefährlicheres herstellen." ein bisschen zögerte sie dabei. Sie würde ihr Buch brauchen und ein paar Geräte aus einer Küche, am besten wären natürlich richtige Alchemistische Geräte. Doch die waren teuer. Mit solchen Stoffen sollte man am besten nicht in den Töpfen, Tellern und Tassen arbeiten aus den man am Abend speisen wollte. Bei dem Gedanken musste sie sich ein grinsen verkneifen und presste die Lippen etwas aufeinander. Da der Gedanke und das Geredete nicht zu einander passten und es vermutlich falsch rüber kommen würde, wenn sie jetzt lachte. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Talin">Während sie auf eine Antwort wartete, musterte Talin noch einmal die junge Frau. Wenn sie das Äußere der Anderen mit einem Wort beschreiben sollte, dann wäre das wohl ‚wild‘. Doch es schien nicht zum Charakter zu passen. Lola war genau das, was Talin geworden wäre, wenn es nach ihren Eltern gegangen wäre. Schüchtern, zurückhaltend, so ziemlich unsichtbar, wenn sie in einer Masse stand. Dieser Widerspruch zwischen dem Verhalten und Auftreten und ihrem Äußeren machten die junge Capitänin neugierig, das hatte wenig mit den Bomben zu tun. Aber immerhin waren diese ein guter Aufhänger gewesen. Und brachten Lola auf jeden Fall zum Reden. Talin versteckte ein belustigtes Schmunzeln, weil sie offensichtlich ein Thema gefunden hatte, was die andere wirklich interessierte. Stattdessen zeigte das Mädchen ihr nur, ihre eigene Begeisterungen über die Informationen, die die Apothekerin so freiwillig herausgab. <br />
„Rauch ist schon ein guter Anfang, damit kann man viel machen. Aber wenn es ein wenig lauter wird, ist das auch nicht zu verachten. Dass du das kannst und dir dabei offensichtlich die Finger noch nicht weggesprengt hast, spricht auf jeden Fall für dich.“<br />
Sie schaute auf die Hände der anderen und nickte zufrieden. Auf jeden Fall ein Punkt mehr die Frau mitzunehmen. Aber vielleicht griff sie dem Ganzen schon wieder ein wenig zu weit voraus. Kleine Schritte. Sie brauchte mehr Argumente, um Lucien zu überzeugen. Falls er ihr überhaupt zu hörte. Sie schnaubte leise, schüttelte kurz darauf aber den Kopf, um den Gedanken zu vertreiben. Das gehörte nun wirklich nicht hierher. Stattdessen konzentrierte sie sich lieber auf die junge Frau neben ihr. <br />
„Was kannst du noch so herstellen? Und woher kannst du das alles? Das ist jetzt kein Wissen, was sich jeder einfach so aneignen kann, will ich meinen.“ </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">Auch wenn ihr auftreten 'wild' wirkte achtete sie darauf in ihrem Stil vorzeigbar zu sein. Ihre Dreads waren in einem Zopf zusammen gefasst, Das rote Bandana hatte sie um ihr Handgelenk geknotet. Ihr lockeres Oberteil war ein längeres Top aus Leinen, genau so wie ihre Hose. Beides hat schon bessere Tage gesehen, aber war nicht stark verschmutzt. Das sie gerade ein bisschen im Mittelpunkt des Gespräches stand war ihr etwas unheimlich. Normalerweise waren die Gespräche, mit ihr als Mittelpunkt, während sie anwesend war, nicht so angenehm. Direkt holten sie zwei Gefühle ein. Zum einen schaute sie sich unsicher um, es waren keine Wachen in der nähe. Doch irgendwie tat es auch gut einfach mal über Arbeit reden zu können. Die andere schien sich auch ehrlich dafür zu interessieren. Vorsichtig musterte sie diese. Währen sie noch weitere Fragen stellte. Würde sie auch fragen stellen dürfen?<br />
"Ich bin in der Apotheke groß geworden, meine Mutter..." sie zögerte sehr stark und viel verschiedene Dinge prallten in ihrem Kopf aufeinander. "...Mama ist sehr krank geworden und sie konnte sich nicht mehr um mich kümmern" sie klang kurz sehr kindlich, schnell räusperte sie sich und bemühte sich weiter zu gehen.<br />
"Die Apothekerin ist...war eine Freundin von ihr und hat mich aufgenommen, mir alles bei gebracht was ich weiß. Ich hab mir auch einiges selbst bei gebracht durch ausprobieren oder beobachten oder durch Erzählungen. Alle Rezepte habe ich aber nicht im Kopf, dafür gibt es im Labor das Rezeptbuch. Meine eigenen Kreationen habe ich aber auch aufgeschrieben..." erzählt sie ruhig und wird ein bisschen 'wärmer' mit dem erzählen. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Talin">Talin schielte die Blonde von der Seite her an, während ihr Blick gleichzeitig immer mal wieder durch die Gegend huschte. Sie hatte eigentlich gehofft herauszufinden, dass die Kräuterkundige sehr, sehr unglücklich auf dieser Insel war und deshalb ganz dringend von hier fort gebracht werden musste. Aber nicht jeder Mensch hat ein Problem mit seinen Eltern und will von zu Hause fort. Richtig? Talin seufzte leise und lächelte dann die junge Frau aufmunternd an. <br />
„Das mit deiner Mutter tut mir leid. Aber es ist doch schön, dass ihre Freundin sich um dich gekümmert hat und nicht an das nächst beste Hurenhaus verkauft hat.“ <br />
Die Worte rutschten ihr nur so heraus, weil ihr das auf Kitar das ein oder andere Mal untergekommen war. Vielleicht auch mehr als zehnmal. Und das allein in dem Jahr, in dem sie auf der Insel war. Menschen taten viel aus Verzweiflung und für Geld… <br />
„Du konntest also bei der Apothekerin lernen und kannst dabei sogar deine eigenen Rezepte entwickeln. Das ist ziemlich spannend. Verkaufst du deine kleinen Rauchbomben auch? Oder nur diese kleinen Tränke, von denen ich mir manchmal nicht sicher bin, ob sie wirklich funktionieren.“ Sie zögerte kurz und schenkte ihr ein schiefes Lächeln. „Entschuldige bitte, wenn ich zu neugierig erscheine.“ </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">Lola stockte bei dem Gedankengang der anderen, mit dem Hurenhaus.<br />
"Von einem verkauf hätte sie nichts mehr gehabt...Mama war schon ein paar tage weg, als mich ihre Freundin gefunden hat." wieder verfiel sie in das kindliche und ging noch ein paar Schritte. "Außerdem hätte mich eh niemand genommen, wenn man verrückt ist bringt man niemanden etwas, außer ärger." hing sie noch an und wirkte dann wieder wie eine normal junge Erwachsene Frau.<br />
Als die blonde dann weiter Sprach lauschte sie. "Ich habe die Rauchbomben bisher nur für mich gemacht und noch nie welche Verkauft...die Hexe würde verrückt werden...wenn ich meine eigenen Sachen in der Apotheke verkaufen würde...und für die Wachen wäre es ein gefundenes Fressen. 'Verrücktes Mädchen verkauft Rauchbomben' Dann würden sie mich deswegen einsperren und nicht weil ich 'Verrückt' bin und anderen Angst mache"<br />
Man konnte durchaus raushören, dass die Gedanken sie verletzten und sie sich wirklich mühe gab so normal wie möglich zu sein. "Du brauchst dich nicht entschuldigen. Ich bin es nur nicht gewohnt, dass man mit mir ein normales Gespräch führt..." sie presste die Lippen zusammen, da war ihr Mund schneller gewesen als ihr Kopf. Es ging niemanden was an, dass sie unglücklich war und eine Lösung suchte hier weg zu kommen. Die alte Kräuterhexe würde sie in ihrem Zimmer einsperren oder sich irgendwas anderes einfallen lassen, damit Lola nicht abhauen konnte. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Talin">Talin zog eine Augenbraue in die Höhe und warf Lola einen fragenden Blick von der Seite her zu. Was sie sagte, wie sie sprach, es klang für die Blonde so sehr nach einer noch jüngeren, verunsicherteren Version ihrer selbst, als sie versuchte ohne ihren Bruder auf Kelekuna zu überleben… fast hätte sie auf dem Absatz kehrt gemacht und wäre davon gerannt, um nicht damit konfrontiert zu werden. Gleichzeitig wollte sie Lola in den Arm nehmen und ihr sagen, dass alles gut werden würde. Ein leises Seufzen folgte diesem Gedankengang. <br />
„Du sprichst immer von ‚verrückt‘ und ‚Hexe‘ und unterschwellig auch davon, dass die Stadtwache dich belästigt. Du magst es hier nicht besonders, kann das sein? Ich meine," sie hielt eine Hand in die Höhe und fing an, an ihren Fingern abzuzählen, „du hast hier eine Arbeitsstelle, die nicht jede Frau haben kann, ein Dach über den Kopf und verdienst vielleicht nicht ganz so schlecht, dass du vielleicht auch deine eigene Apotheke eröffnen könntest. Das klingt ziemlich lohnenswert. Aber wenn ich dich richtig verstanden habe, dann darfst du das, was du herstellst nicht verkaufen? Die Frau, die dich aufgenommen hat, mag dich nicht besonders? Und die Stadtwache scheint dich mit Vorliebe zu drangsalieren. Ach und entweder nennst du dich selbst verrückt – obwohl du für mich nicht so wirkst – oder alle anderen reden dir ein, du wärst verrückt. Warum bist du dann noch hier? Wieso nicht längst auf einem Schiff zu neuen Ufern, wo du vielleicht mehr mit deinen Fähigkeiten anfangen könntest?“ <br />
Sie holte einmal tief Luft und fuhr sich beschämt durchs Haar.<br />
„Noch einmal Entschuldigung. Ich rede manchmal etwas viel. Meistens wenn ich aufgeregt bin oder verunsichert.“ Und in diesem Fall traf sehr vermutlich eher letzteres zu. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">Lola ging mit der fremden Frau bis zum Markplatz und lauschte ihrem Redeschwall. Wieso war sie noch nicht abgehauen? Wieso dachte sie das sie verrückt war? Noch nie hatte ihr jemand diese Fragen gestellt. Was sollte sie Antworten? Immer wenn sie versuchte über ihre Situation zu reden wurde sie abgewürgt, belächelt oder einfach nicht ernstgenommen.<br />
"Du brauchst dich wirklich nicht entschuldigen" wiederholte sie sich nochmal und holte Luft. "Ja...ich habe arbeit und ein Dach über dem Kopf und ich habe auch vieles beigebracht bekommen und gelernt. Dafür bin ich auch ehrlich dankbar und das ist auch der Grund wieso ich noch hier bin und noch nicht abgehauen bin."<br />
Es waren nur noch ein paar Meter bis zur Apotheke. Lola sah zu der offenen Tür des Ladens und seufzte. "Die Stadtwachen...und die Apothekerin...ich..." Ihre Stimme war wieder ins kindliche gekippt, doch schnell räusperte sie sich, ballte die Fäuste. "Ich war kein Segen für meine Mutter, ich war eher eine Last und eine Schande für sie. Ein Soldat...der Marine hatte..." Ihr blieb die Stimme weg, die sehr fest und Erwachsen klang. Die Knöchel traten weiß hervor so doll ballte sie ihre Fäuste.<br />
"Ich weiß nicht wie alt ich war...als sie sich das Leben genommen hat." Ihre Stimme war abwesend und sehr monoton. "Die Apothekerin hat mich neben meiner Mutter in ihrer Hütte gefunden und mich mit zu sich genommen." <br />
Lola schnappte nach Luft und musste sich erinnern weiter zu atmen. "Es...es ist alles irgendwie schwer zu Erklären. Ich bin dankbar, dass sie mich mitgenommen hat und doch ist es irgendwie die Hölle für mich." ihre Stimme wurde leiser und unsicher. "Aber ich halte es nicht mehr aus...mit der Ablehnung, der Abneigung...wie sie und die Wachen mich behandeln. Ich habe hier niemanden. Ich kenne niemanden, außer der Kunden...ich habe keine Freunde oder Familie. Ich würde so gerne hier weg, doch wer will schon jemanden wie mich?" Die blonde wollte weiter gehen, doch wohin? Aus der Situation raus, sie wollte nicht darüber reden. Doch zur Apotheke wollte sie auch nicht, da würden ihr lieblose und abwertende Worte entgegenfliegen. Die Stimmung war schon seit einer Weile nicht mehr wirklich gut. Seit die Apothekerin, Lola die Wahrheit über ihre Mutter an den Kopf geworfen hatte. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Talin">Vielleicht, nur vielleicht, hatte sie sich doch ein kleines bisschen zu weit vorgewagt. Aus dem Augenwinkel beobachtete sie die andere Frau, die so sehr versuchte stark, erwachsen zu sein, dass es fast Talin körperlich weh tat. Lola sprach nicht alles aus, was ihr durch den Kopf ging, vielleicht konnte sie das auch gar nicht, aber sie verstand trotzdem, was die junge Apothekerin damit sagen wollte. Ja, sie wusste sehr gut, was es war, was ihrer Mutter geschehen war. Dass es sie zu sehr belastete, als dass sie weiter damit hatte leben wollen, trotz des Kindes oder vielleicht gerade deswegen. Talin seufzte leise, fast lautlos. So etwas hatte sie häufiger von den Huren auf Kitar gehört. Es waren Geschichten, die so alt wie die Zeit zu sein schienen und einfach kein Ende nahmen. Nur wenige Frauen konnten nach so einem Erlebnis normal weiter machen. Und ob sie wirklich gesund im Kopf blieben, war etwas völlig anders. Aber eigentlich traf das ja nicht nur auf Frauen zu ... Ihr Blick glitt kurz in die Richtung zurück, aus der sie gekommen waren. Dunkles Haar, grüne Augen und so schrecklich zerbrochen. Die Blonde ballte kurz die Hände zu Fäusten, bevor sie sich entspannte und mit einem sanften Lächeln neben Lola stehen blieb.<br />
„Ich verstehe, dass dich das belastet. Auch das Verhältnis mit denen, die die Geschichte kennen, ist sicher schwierig. Aber wer sagt, dass dich jemand wollen muss? Du könntest für dich selbst eine Passage auf einem Schiff mieten und einfach in die Welt hinaus segeln. Sie ist so weit, so unendlich weit, dass dich da nie jemand wirklich kennen muss. Du kannst dich selbst entfalten, immer wieder neu erfinden und musst niemals wieder auf deine Vergangenheit zurückschauen oder auf diese Insel, auf der du unglücklich bist.“ <br />
Ein wehmütiger Ausdruck trat in ihre Augen, bevor sie Lola ein kleines Grinsen schenkte. <br />
„Oder komm mit uns mit. Jemand, der Bomben bauen kann, ist wie gesagt, gern bei uns gesehen. Du kommst mit uns mit, lässt dass hier alles hinter dir. Du musst nur damit leben können, eine Piratin zu sein. Und vielleicht ab und zu Mittelchen zusammen zu mischen, die uns helfen, wenn wir verwundet sind. Klingt das nicht furchtbar aufregend?“ <br />
Sie hielt der anderen Frau die Hand hin, als wolle sie sie auffordern, sofort zu zusagen und die Abenteuer in der Ferne zu suchen. Weit ab, von all den Schatten, die sie hier belasteten. Vor allem von dieser Tür fort, auf die sie sich schon lange nicht mehr zubewegt hatten, wie Talin feststellte. </div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[I don't know how to feel]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1296</link>
			<pubDate>Thu, 03 Oct 2024 13:48:12 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=70">Lola Clay</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1296</guid>
			<description><![CDATA[<blockquote><div class="Lola">Lola hatte wie jeden morgen die Tür zur Apotheke aufgeschlossen und weit geöffnet. Sie möchte zwar den Duft der frischen Kräuter, doch wenn sie über nach zu einem geruchs Brei wurden war es morgens kaum möglich tief Luft zu holen. Mit einem Stein hielt sie die Tür davon ab, wieder zu zufallen und widmete sich dem kleinen Briefkasten, in dem Mann dringliche Bestellungen auch noch Nachts ein werfen konnte. Lola nahm die zwei Zettel und ging wieder rein.<br />
Von der Tür aus ging es gerade auf einen Tresen zu hinter dem ein Regal mit vielen kleinen Schublädchen war. Alles ordentlich beschriftet und Alphabetisch sortiert. Das Regal ging bist unter die Decke des Raumes. Um ganz oben dran zu kommen, braucht Lola die kleine Leiter.<br />
Links von der Eingangstür war die Wand und, auf der anderen Seite des Tresen war dort eine Tür. Nach Rechts ging der Raum in einen Arbeitsbereich über. Hier standen die Werkzeuge um aus Kräutern, Wasser und anderen Zutaten alle möglichen Sachen her zu stellen. Hinter dem Arbeitsbereich waren ein paar größere Säcke oder Kisten in denen größere Mengen von Kräutern lagerten, die sehr viel und oft verwendet wurden. Von der Decke hingen verschiedene Kräuter in verschiedenen trocknungs-stadien.<br />
Während Lola sich die zwei Zettel durch las machte sie sich gedanklich Notizen was sie brauchte. Auch schaute sie im Registerbuch nach ob die Sachen von den Personen schonmal bestellt wurden und es extra wünsche oder mengen angaben gab.<br />
"Einmal den Lavendeltee und hier...das ist die Ringelblumensalbe..."<br />
Dann griff Lola zu einem kleinen Korb mit einem Tuch drin und zog die Leiter vor das Regal. Stieg hoch und fing an die Sachen für den Tee zusammen zu suchen. Sie stand mit dem Rücken zur Tür auf der Leiter als jemand durch die Tür kam. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Ceallagh">Irgendetwas hatte ihn derart unsanft aus der Hängematte gerissen, dass seine Seite trotz einiger Dehnungsübungen noch immer liebevolle Hassbotschaften durch seinen Körper schickte. Wenn er das Leben auf See und die Reiserei nicht so sehr lieben würde, hätte er sich durchaus mit dem Gedanken anfreunden können, bei jedem Landgang mehr als einmal ein Zimmer in einem der Pubs zu beziehen. Doch das Gold war dünn gesät. Wurde nur für die wichtigen Dinge im Leben verbraten und neben all den Büchern, die er nicht klammheimlich mit denen austauschte, die er ausgelesen hatte, war da kein Platz mehr für bequeme Betten und Matratzen aus Stroh. <br />
Allenfalls für Essen, Munition und Kräuter. Letzteres ein notwendiges Übel, besah man sich die Bilanz der Verletzungen und den radikalen Schwund innerhalb der letzten Wochen. Die Crew hatte einen latenten Hang dazu, sich die Leiber zu „zerfetzen“. Allen voran sein Freund aus Kindheitstagen, der auf Calbota mehr als einmal recht derangiert und der dunkelhaarigen Kriegerin im Schlepptau ins Bordell zurückgekehrt war. Ceallagh konnte sich vorstellen, was sie bis zu ihrer Abreise getrieben haben mussten, doch sah er sich nicht in der Position ihnen Nachzustellen oder gar den Moralapostel zu spielen.<br />
“Guten Morgen.“, flötete er bereits, noch ehe er zur Gänze durch die weit geöffnete Tür eingetreten war und das ohne einen Tropfen Kaffee, Tee oder Rum im Blut. Bemerkenswert – Talin hätte ihn ob seiner guten Laune bestimmt murrend von der Seite gemustert oder einen spöttischen Kommentar vom Besten gegeben. Seine Freude darüber wäre, wie so oft, exorbitant gewesen.<br />
Mit einem breiten Lächeln auf den Lippen, trat der hochgewachsene Hayes in den Raum. Fühlt sich je von dem intensiven Geruch diverser Kräuter umhüllt und an seine Schwester erinnert. An die unzähligen Stunden, die er hinter einem ähnlichen Tresen verbracht und in seine Literatur vertieft  gewesen war. Manchmal vermisste er es sich mit ihr darüber zu streiten, wie höflich oder unhöflich er zur Kundschaft war. <br />
Mit einem kurzen Blick auf die junge Frau am anderen Ende des Raumes und einem kurzen, begrüßenden Nicken, wandte sich der blonde Haarschopf bereits herum. Inspizierte den Arbeitsbereich zu seiner Rechten und schob mit einer Hand das Bündel frisch getrockneter Kamillen aus seinem Gesicht, das etwas zu tief von der Decke hing. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">"Guten Morgen" lächelte Lola.<br />
Ruhig musterte sie den Mann und kletterte die Leiter runter. Gedanklich notierte sie sich die Kamille höher zu hängen. Lola stellte den kleinen Korb auf den Tresen und folgte mit dem dem Blick, dem Mann, welcher sich für den Arbeitsbereich interessierte. Neben dem Arbeitsbereich stand noch ein höheres Regal mit Büchern, Gläsern, Kolben, Ständern, Mörsern und vielem mehr. Der hintere Teil vom Arbeitsbereich war nur zu erreichen wenn man durch eine Klappe hinter den Tresen ging. Die Tresen-Arbeitsbereichkombi lag wie ein L im Raum.<br />
Neugierig überlegte Lola woher der Mann wohl kam, war er ein Reisender? Von einer anderen Insel? Vielleicht aus einer anderen Welt? <br />
"Wie kann ich helfen?"<br />
Sie riss sich selber aus den Gedanken um nicht in ein starren zu verfallen. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Ceallagh">Faszinierend wie höflich sie sich von der Leiter hinab bewegte, ohne einen Blick auf die Stufen zu werfen oder gar den Ansatz eines Tritts ins Leere. Es legte durchaus die Vermutung nahe, dass sie bereits eine Weile in diesem Laden arbeitete. Ihn quasi wie ihre Westentasche kannte, die sie allenfalls auf ihrer Beinmontur besaß, weniger ihrer Oberbekleidung. <br />
"Abgesehen vom Offensichtlichen...", Ceallagh steuerte gerade an einer riesigen Auslage gefüllter Fläschchen und Tinkturen vorbei, bevor er mit einer Hand auf dem rauen Holz am Tresen stehen blieb. "... habe ich die stille Hoffnung, dass sie mir helfen können dieses Gekritzel  zu entziffern."<br />
Eigentlich hatte Gregory eine - zumindest für einen Arzt - vorzügliche Handschrift. Doch die Art und Weise, wie diese Notizen geführt worden waren, ließ darauf schließen, dass sich irgendein Schmierfink daran zu schaffen gemacht hatte. Eventuell jemand, der des Schreibens nicht all zu mächtig war, bedachte man die Zeichnungen neben den Namen. Vielleicht hatte dieser Jemand an Gregorys Stelle die Liste geführt, weil nach dem Angriff der Riesenvögel zu viel zu tun gewesen war. "Mein Wissen über Kräuter und Tinkturen reicht leider nicht aus."</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">"Dann werfe ich mal ein Blick auf die Liste"<br />
In einer ruhigen aber schnellen Bewegung dreht sie das Papier zu sich und überfliegt die Geschriebenen Worte so wie die Zeichnungen. Ab und zu dreht sie die Liste etwas nach Rechts oder Links. Einmal auch auf den Kopf um sicher zu gehen das sie das Stück Papier richtig herum hält.<br />
In den fast 18 Jahren die sie hier in der Stadt lebt und auch in der Apotheke mit hilft hat sie definitiv schon die ein oder andere Handschrift gesehen und entziffert. Doch das?<br />
"Hat das ein Arzt geschrieben? Einer hier aus der Stadt?"<br />
Lola ist bemüht nicht laut mit sich selber zu reden. Der Madam, die Besitzerin der Apotheke, gefällt es nicht wenn sie das tut gerade wenn Kunden da sind. Immer wieder legt sie den Kopf von Rechts nach Links und bewegt die Lippen als würde sie mit sich selber reden.<br />
"Also das hier ist Kamille, da sind w...bin ich mir sehr sicher. Wisst Ihr zufällig wofür die Kräuter verwendet werden sollen? Und wie viel gebraucht wird?"<br />
Ziel sicher schiebt sie die Leiter einen halben Meter nach links und klettert hoch. Hier hängen einige Bündel fertig getrockneter Kamille. Mit eeinem kleinen Messer löst sie die Schnur und legt das Bündel in den Korb. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Ceallagh">Offensichtlich war er nicht die einzige Person, die Probleme mit der Entschlüsselung der Einkaufsliste hatte. So oft wie die junge Frau vor ihm das Papier auf den Kopf, zur Seite und wieder zurück drehte, musste er also nicht an seiner Intelligenz zweifeln – so er es denn überhaupt jemals getan hätte. <br />
Ein Lächeln begleitete seine Miene, während er ihr dabei zusah und sich halb zur Seite drehte, um mit der Hüfte entspannt gegen den Tresen zu lehnen. Sicherlich würde er eine Weile in diesem Laden verbringen, bevor er seine Beute durch die halbe Stadt zurück zum Schiff transportieren konnte. Besser er machte es sich so bequem wie möglich, wenn er schon nicht auf einem der Hocker hinter dem Tresen Platz nehmen konnte – wie er es damals im Laden seiner Schwester getan hatte. <br />
“Nein. Ich vermute unser Schiffsarzt gepaart mit ein paar helfenden Händen der restlichen Besatzung.“, entgegnete Ceallagh mit schief gelegtem Kopf und erhobener Augenbraue, obwohl Tonlage und gesenkter Blick seines Gegenüber mehr darauf schließen ließ, dass sie mehr zu sich, als zu ihm gesprochen hatte. “Musste wohl schnell gehen.“ Was vielleicht die Sauklaue erklärte und zu keinen weiteren Nachfragen führte, die er ihr definitiv nur mit der halben Wahrheit beantworten würde. Als Meister seines Faches.<br />
Doch die Blondine machte es ihm unverschämt einfach nicht näher darauf eingehen zu müssen. Amüsant. Ein Mensch der sich vollkommen auf seine Arbeit fokussierte, statt so lange geringfügig interessanten Small Talk zu führen, bis man letztlich etwas fand, das wirklich interessant war oder so abgestumpft war, dass man sich höflich verabschiedete und ging. Das war ihm seit einer Weile nicht mehr untergekommen.<br />
“Ich vermute, dass ich hier bin um die allgemeinen Vorräte aufzustocken. Also 4 Bund Kamille und vom Rest um die 2 bis 3.“ Dann glitt sein Blick zurück auf die Glasflaschen und Phiolen auf der anderen Seite. “Verkauft ihr diese eigentlich auch“ Mit einem Kopfnicken deutete er  auf die Auslage, wandte den Blick im selben Moment jedoch auf Lolas Kinn zurück, das knapp unter den Blüten der herabhängenden Kamille hervor lugte. “ Bei unserer letzten Überfahrt sind einige davon leider wegen starkem Seegang aus den Schränken gefallen. Sehr ärgerlich.“ </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">Schiff? Hatte er Schiff gesagt. Neugierde und Freude, das es sich bei dem Kunden um einen Reisenden handelte flammten auf und sie biss sich für den Moment auf die Lippen, den Mann mit fragen zu durch löchern.<br />
"Oke 4 Bund Kamille...habe ich."<br />
Lola streckte sich von der Leiter runter um den Korb auf dem Tresen ab zu stellen und dem Blick des Mannes zu verfolgen.<br />
"Fast alles hier wird verkauft, wir machen auch Bestellungen. Salben, Tees, Tinkturen" antwortete sie, während sie von der Leiter kam und wieder auf die Liste blickte.<br />
"Wie ist es so auf dem Meer? Und anderen Inseln?" platze es dann doch aus ihr heraus. Man sah ihr an das sie neugierig-naiv war. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Ceallagh">Fast hatte er damit gerechnet, dass sie mehr über ihren letzten Seegang in Erfahrung bringen wollte, doch ihre plötzliche Stille und körperliche Ruhe hatte wohl mehr mit den Bündeln Kamille zu tun, die sie von der Decke löste. Eine erfrischende Abwechslung es einmal nicht mit einer überneugierigen jungen Frau zu tun zu haben. Sie kümmerte sich um ihre Arbeit. Stand ihm Rede und Antwort und lies nur mehr als beiläufig die Frage fallen, die er weitaus früher erwartet hatte. <br />
Ein amüsiertes Schmunzeln zierte seine Lippen, während er sich gegen die Theke lehnte und ihr beim Verpacken der Utensilien zusah. <br />
"Sterbens langweilig, wenn man nicht gerade auf andere Seefahrer trifft, die Blei übers Wasser schießen." Ob gerechtfertigt oder nicht, musste er ih ja wohl nicht auf die Nase binden. "Aber man sieht sehr viel von der Welt... wahrscheinlich etwas mehr, als hier?" Nicht anders deutete er ihr Interesse an der Außenwelt, das mit den Worten "anderen" und "Inseln" wie ein Leuchtfeuer erstrahlte. "Ich nehme an, dass ihr noch nie auf einem Schiff unterwegs wart?" </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">Während Lola die nächsten Bluten von der Liste aus einer der hunderten Schubladen holte lauschte sie dem was er sagte. Vorsichtig ließ sie getrocknete Ringelblumen in einem groben Stoffsäckchen verschwinden. Blei? Oh Kanonen Kugeln…sie stockte, oft hatte sie von Seeschlachten gehört und das sie oft sehr grausam waren.<br />
“Kämpft man oft? K-kann man das verhindern, dass Piraten ein Angreifen?“ <br />
fragte sie leise als wollte sie es nicht zu laut sagen. Nicht dass jemand außer ihnen beiden gerade hier wäre. Doch sie wollte ihn nicht verärgern, was nichts an den ausgesprochenen Worten änderte. Schnell räusperte sie sich.<br />
“Ich würde gerne weg von hier…die Welt sehen. Auf einem Schiff war ich noch nie…ich könnte ja abhauen“ <br />
sie legte so viel Sarkasmus in die letzten Worte das es definitiv erkennbar war, dass sie jemand an ihrem Vorhaben hinderte zu gehen.<br />
“Hier sieht man nur die alten Damen, die einen alle Schätzchen nennen, als wenn man ihnen gehören würde“ <br />
sie schüttelte sich angewidert.<br />
Sie legte zwei Säckchen mit Ringelblumen zu den Bündeln mit Kamille. Und schaute wieder auf die Liste. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Ceallagh">Ceallagh hätte sich beinahe an ihrer Frage und dem entgeisterten Gestotter verschluckt. In zweiter Linie womöglich, weil sie wohl annahm, dass er NICHT zu diesem Piratenpack gehörte. Nun. Es schmeichelte ihm, dass er nicht so wirkte, als wäre er ein Haudrauf, der einen guten Rum niemals verschmähte. Hach. Süß. Wenn sie nur wüsste. <br />
"Verhindern?", er lachte hörbar auf. "Nur wenn du eine gut eingespielte Crew und ein schnelles Schiff hast." Inklusive des unverschämten Glücks nicht in die Säurehaltigen Nebel oder den Angriff von Riesenvögeln zu geraten. Vielleicht sollte er sich auf dem Markt noch nach einem Bündel Hasenpfoten umsehen, die er an die Deckenbalken nageln konnte. Je öfter sie das Schiff in brenzliche Lagen brachte, desto teurer wurden die Reparatueren. <br />
Bei einer Sache wurde Ceallagh jedoch hellhörig. Wenngleich er es bereits vermutet, aber nicht irgendwie doch etwas ausgeschlossen hatte. Die junge Frau hegte kein sonderliches Interesse ihr Leben für immer hier zu fristen. In diesem Laden. Auf dieser Insel. Sie kannte sich mit Kräutern aus. War jung und sicherlich biegsam genug für allerlei Verfolgungsjagden und Einbrüche an Land. Und irgendwie kitzelte etwas in seiner Brust, das nach "Verführbar" klang. Nicht in jenem Sinne, von dem er sicherlich genauso wenig abgeneigt wäre. Vielmehr wirkte die Fremde wie jemand, dem man nur den kleinen Finger der Freiheit zu reichen brauchte, um sie von sich zu überzeugen. In allem was sie sagte spiegelte sie diese Vermutung. In der Haltung, ihrer leisen Sprechweise, die darauf abzielte nur für ihn deutlich vernehmbar zu sein. <br />
Also beugte sich Ceallagh voraus, stützte die Unterarme auf dem Tresen ab und bedachte Lola mit einem Lächeln, das schieren Schalk und Tatendrang versprach. "Wenn das so ist... ich könnte sicherlich eine zusätzliche Hand gebrauchen, die mir dabei hilft das Zeug hier aufs Schiff zu bringen. Und emsige Damen sind sicherlich gern gesehen... und fallen überhaupt nicht auf." </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">"habt ihr so einer Crew?" fragte sie dann mit einer freudigen naiven Kinndlichkeit. Und als das Angebot kam ihm zu helfen wurde das strahlen ihrer Augen noch größer. <br />
"gerne helfe ich die Sachen zu transportieren." grinste sie und packte die nächsten getrockneten Blätter in Stoffbeutel. Lola war völlig begeistert und wurde etwas aufgeregt. Ihr Blick wanderte nochmal über die Gestalt des Mannes der vor ihr auf dem Tresen lehnte. Es war selten das Männer seines Schlages hier rein kamen. Es waren eher die alten und kranken. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Ceallagh">Haben war das falsche Wort. Nichts und niemand gehörte ihm. Er war ein kleiner, sehr unbedeutender und doch irgendwie nicht ganz so unwichtiger Teil des Ganzen. Lediglich wenn alles in sich zusammen fiel hatte er eine Hand voll Prioritäten. Solange es ihn nicht dazu nötigte gewissen Prinzipien über Board zu werfen. <br />
"Nun... wir haben so einige brenzliche Situationen überstanden. Ich glaube das zählt als überlebensfähig." Sein Lachen ließ ihn jedoch nicht vergessen, wie die Kugel der Attentäter vor einigen Wochen noch in seiner Schulter gesteckt hatte. Ein Detail dass diese junge Frau, deren Augen bei seinem Vorschlag zu leuchten begannen, nicht unbedingt wissen musste. "Na dann... ich bin bereit, wenn du es bist." Dieses Lächeln auf seinen Lippen war preisverdächtig charmant und voller Tatendrang. Beinahe als wäre die Euphorie seines Gegenüber wie ein Funke auf ihn übergesprungen. <br />
Kaum dass Lola die Päkchen verschnürt und die letzten Kräuter zu Bündel geknotete hatte, schnappte er sich die eine Hälfte und ließ das Geld auf dem letzten kahlen Fleck des Tresens zurück. <br />
"Danke für deine Hilfe..." Mit fragendem Blick sah er zu der jungen Frau hinab, die gerade noch das Geld in der Kasse verstaute und dann durch die geöffnete Klappe in den Verkaufsraum trat. Wenn er sie schon mit zur Sphinx schleppte, wollte er zumindest wissen, wie sie hieß. Das Gebot die Höflichkeit. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">"Lola...ich heiße Lola...ich hole noch eben meinen Korb dann kann ich gleich die sachen ausli...."<br />
Die Tür hinterm Tresen ging nochmal auf und eine ältere Dame kam rein. Sie trug ein einfaches Kleid mit einer Schürzen. Sie hatte ein elegantes auftreten und seinen strengen kalten Blick. Ihr leicht gebeugter Gang und die faltige Haut ließen sie dann doch wieder gebrechlich und noch älter wirken. Hexe. War der erste Impuls der den meisten wohl durch den Kopf geschossen wäre.<br />
Lola's Blick wurde verschlossen und distanziert.<br />
"Schätzchen..." krächtze sie los und deutete mit ihrem Gehstock auf sie. "...warum bist du noch hier? Die Kunden warten!" leicht schwang sie den Stock vor dem Gesicht der jungen, leicht chaotischen Dame herum.<br />
"Singora Corvo...wir...ich habe mich noch um den Kunden gekümmert." sie deutete in Richtung des jungen Mannes der schon ein Teil seiner Einkäufe auf den Armen hatte. Der dunkle kalte Blick der Hexe ging von Lola zu Ceallagh und musterten ihn von oben bis unten. Ihre Augen wurden enger und gefühlt noch etwas dunkler. Es waren Sekunden, die sich wie Minuten anfühlten, während sich dieser dunkle kalte Blick in einen bohrte. Plötzlich durch Schnitt das kreischen einer Krähe die Stille. Sie hatte sich ins Fenster gesetzt und flog weg. <br />
Lola war zusammen gezuckt, ihr Herz raste und sie wollte laufen. Weg einfach weg. <br />
"Hat er bezahlt?" fragte die krächtzende Stimme der alten Dame. Und blickte dann zu Lola. Schnell nickte sie und deutete auf die Kasse. <br />
"Ja...i-in der Kasse, Singora" die Stimme der jungen Frau war alles andere als fest, fast nur noch ein wispern. "I-ich geh die sachen...holen." schnell, förmlich flüchtend, verschwand Lola im Nebenraum.<br />
Der Blick wanderte zu dem Hünen. <br />
"Passt auf das euch die Wachen nicht auch als Geisteskrank abstempeln wenn ihr euren Landgang weiter genießen wollt" sagte sie abschätzig, musterte ihn erneut und ging dann zu dem Arbeitstisch auf der rechten raumseite. <br />
Die junge Frau kam wieder rein. Ihre Freude und das funkeln über die Berichte des Reisenden waren immer noch nicht wieder gekehrt und schienen auch noch mehr zu schwinden als sie unter den Augen der alten Dame den Korb packte. Die zweite Hälfte des Einkaufes von dem großen Mann nahm sie auf den Arm. Schnell ging sie dann wieder durch die Klappe im Tisch und ging schnell zur Tür. <br />
"beeil dich, Schätzchen" krächtzte die Stimme der Hexe. <br />
Es war eine regelrechte Flucht die, die junge Dame aus dem Laden eilen ließ. Erst nach ein paar Metern schaute Lola über die Schulter ob der Fremde Kunde ihr gefolgt war. Angst, Hass, Wut, Verzweiflung lagen in ihrem Blick. Das Naive unbeschwerte war weg, verschlossen und einsam wartete sie kurz. </div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><div class="Lola">Lola hatte wie jeden morgen die Tür zur Apotheke aufgeschlossen und weit geöffnet. Sie möchte zwar den Duft der frischen Kräuter, doch wenn sie über nach zu einem geruchs Brei wurden war es morgens kaum möglich tief Luft zu holen. Mit einem Stein hielt sie die Tür davon ab, wieder zu zufallen und widmete sich dem kleinen Briefkasten, in dem Mann dringliche Bestellungen auch noch Nachts ein werfen konnte. Lola nahm die zwei Zettel und ging wieder rein.<br />
Von der Tür aus ging es gerade auf einen Tresen zu hinter dem ein Regal mit vielen kleinen Schublädchen war. Alles ordentlich beschriftet und Alphabetisch sortiert. Das Regal ging bist unter die Decke des Raumes. Um ganz oben dran zu kommen, braucht Lola die kleine Leiter.<br />
Links von der Eingangstür war die Wand und, auf der anderen Seite des Tresen war dort eine Tür. Nach Rechts ging der Raum in einen Arbeitsbereich über. Hier standen die Werkzeuge um aus Kräutern, Wasser und anderen Zutaten alle möglichen Sachen her zu stellen. Hinter dem Arbeitsbereich waren ein paar größere Säcke oder Kisten in denen größere Mengen von Kräutern lagerten, die sehr viel und oft verwendet wurden. Von der Decke hingen verschiedene Kräuter in verschiedenen trocknungs-stadien.<br />
Während Lola sich die zwei Zettel durch las machte sie sich gedanklich Notizen was sie brauchte. Auch schaute sie im Registerbuch nach ob die Sachen von den Personen schonmal bestellt wurden und es extra wünsche oder mengen angaben gab.<br />
"Einmal den Lavendeltee und hier...das ist die Ringelblumensalbe..."<br />
Dann griff Lola zu einem kleinen Korb mit einem Tuch drin und zog die Leiter vor das Regal. Stieg hoch und fing an die Sachen für den Tee zusammen zu suchen. Sie stand mit dem Rücken zur Tür auf der Leiter als jemand durch die Tür kam. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Ceallagh">Irgendetwas hatte ihn derart unsanft aus der Hängematte gerissen, dass seine Seite trotz einiger Dehnungsübungen noch immer liebevolle Hassbotschaften durch seinen Körper schickte. Wenn er das Leben auf See und die Reiserei nicht so sehr lieben würde, hätte er sich durchaus mit dem Gedanken anfreunden können, bei jedem Landgang mehr als einmal ein Zimmer in einem der Pubs zu beziehen. Doch das Gold war dünn gesät. Wurde nur für die wichtigen Dinge im Leben verbraten und neben all den Büchern, die er nicht klammheimlich mit denen austauschte, die er ausgelesen hatte, war da kein Platz mehr für bequeme Betten und Matratzen aus Stroh. <br />
Allenfalls für Essen, Munition und Kräuter. Letzteres ein notwendiges Übel, besah man sich die Bilanz der Verletzungen und den radikalen Schwund innerhalb der letzten Wochen. Die Crew hatte einen latenten Hang dazu, sich die Leiber zu „zerfetzen“. Allen voran sein Freund aus Kindheitstagen, der auf Calbota mehr als einmal recht derangiert und der dunkelhaarigen Kriegerin im Schlepptau ins Bordell zurückgekehrt war. Ceallagh konnte sich vorstellen, was sie bis zu ihrer Abreise getrieben haben mussten, doch sah er sich nicht in der Position ihnen Nachzustellen oder gar den Moralapostel zu spielen.<br />
“Guten Morgen.“, flötete er bereits, noch ehe er zur Gänze durch die weit geöffnete Tür eingetreten war und das ohne einen Tropfen Kaffee, Tee oder Rum im Blut. Bemerkenswert – Talin hätte ihn ob seiner guten Laune bestimmt murrend von der Seite gemustert oder einen spöttischen Kommentar vom Besten gegeben. Seine Freude darüber wäre, wie so oft, exorbitant gewesen.<br />
Mit einem breiten Lächeln auf den Lippen, trat der hochgewachsene Hayes in den Raum. Fühlt sich je von dem intensiven Geruch diverser Kräuter umhüllt und an seine Schwester erinnert. An die unzähligen Stunden, die er hinter einem ähnlichen Tresen verbracht und in seine Literatur vertieft  gewesen war. Manchmal vermisste er es sich mit ihr darüber zu streiten, wie höflich oder unhöflich er zur Kundschaft war. <br />
Mit einem kurzen Blick auf die junge Frau am anderen Ende des Raumes und einem kurzen, begrüßenden Nicken, wandte sich der blonde Haarschopf bereits herum. Inspizierte den Arbeitsbereich zu seiner Rechten und schob mit einer Hand das Bündel frisch getrockneter Kamillen aus seinem Gesicht, das etwas zu tief von der Decke hing. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">"Guten Morgen" lächelte Lola.<br />
Ruhig musterte sie den Mann und kletterte die Leiter runter. Gedanklich notierte sie sich die Kamille höher zu hängen. Lola stellte den kleinen Korb auf den Tresen und folgte mit dem dem Blick, dem Mann, welcher sich für den Arbeitsbereich interessierte. Neben dem Arbeitsbereich stand noch ein höheres Regal mit Büchern, Gläsern, Kolben, Ständern, Mörsern und vielem mehr. Der hintere Teil vom Arbeitsbereich war nur zu erreichen wenn man durch eine Klappe hinter den Tresen ging. Die Tresen-Arbeitsbereichkombi lag wie ein L im Raum.<br />
Neugierig überlegte Lola woher der Mann wohl kam, war er ein Reisender? Von einer anderen Insel? Vielleicht aus einer anderen Welt? <br />
"Wie kann ich helfen?"<br />
Sie riss sich selber aus den Gedanken um nicht in ein starren zu verfallen. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Ceallagh">Faszinierend wie höflich sie sich von der Leiter hinab bewegte, ohne einen Blick auf die Stufen zu werfen oder gar den Ansatz eines Tritts ins Leere. Es legte durchaus die Vermutung nahe, dass sie bereits eine Weile in diesem Laden arbeitete. Ihn quasi wie ihre Westentasche kannte, die sie allenfalls auf ihrer Beinmontur besaß, weniger ihrer Oberbekleidung. <br />
"Abgesehen vom Offensichtlichen...", Ceallagh steuerte gerade an einer riesigen Auslage gefüllter Fläschchen und Tinkturen vorbei, bevor er mit einer Hand auf dem rauen Holz am Tresen stehen blieb. "... habe ich die stille Hoffnung, dass sie mir helfen können dieses Gekritzel  zu entziffern."<br />
Eigentlich hatte Gregory eine - zumindest für einen Arzt - vorzügliche Handschrift. Doch die Art und Weise, wie diese Notizen geführt worden waren, ließ darauf schließen, dass sich irgendein Schmierfink daran zu schaffen gemacht hatte. Eventuell jemand, der des Schreibens nicht all zu mächtig war, bedachte man die Zeichnungen neben den Namen. Vielleicht hatte dieser Jemand an Gregorys Stelle die Liste geführt, weil nach dem Angriff der Riesenvögel zu viel zu tun gewesen war. "Mein Wissen über Kräuter und Tinkturen reicht leider nicht aus."</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">"Dann werfe ich mal ein Blick auf die Liste"<br />
In einer ruhigen aber schnellen Bewegung dreht sie das Papier zu sich und überfliegt die Geschriebenen Worte so wie die Zeichnungen. Ab und zu dreht sie die Liste etwas nach Rechts oder Links. Einmal auch auf den Kopf um sicher zu gehen das sie das Stück Papier richtig herum hält.<br />
In den fast 18 Jahren die sie hier in der Stadt lebt und auch in der Apotheke mit hilft hat sie definitiv schon die ein oder andere Handschrift gesehen und entziffert. Doch das?<br />
"Hat das ein Arzt geschrieben? Einer hier aus der Stadt?"<br />
Lola ist bemüht nicht laut mit sich selber zu reden. Der Madam, die Besitzerin der Apotheke, gefällt es nicht wenn sie das tut gerade wenn Kunden da sind. Immer wieder legt sie den Kopf von Rechts nach Links und bewegt die Lippen als würde sie mit sich selber reden.<br />
"Also das hier ist Kamille, da sind w...bin ich mir sehr sicher. Wisst Ihr zufällig wofür die Kräuter verwendet werden sollen? Und wie viel gebraucht wird?"<br />
Ziel sicher schiebt sie die Leiter einen halben Meter nach links und klettert hoch. Hier hängen einige Bündel fertig getrockneter Kamille. Mit eeinem kleinen Messer löst sie die Schnur und legt das Bündel in den Korb. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Ceallagh">Offensichtlich war er nicht die einzige Person, die Probleme mit der Entschlüsselung der Einkaufsliste hatte. So oft wie die junge Frau vor ihm das Papier auf den Kopf, zur Seite und wieder zurück drehte, musste er also nicht an seiner Intelligenz zweifeln – so er es denn überhaupt jemals getan hätte. <br />
Ein Lächeln begleitete seine Miene, während er ihr dabei zusah und sich halb zur Seite drehte, um mit der Hüfte entspannt gegen den Tresen zu lehnen. Sicherlich würde er eine Weile in diesem Laden verbringen, bevor er seine Beute durch die halbe Stadt zurück zum Schiff transportieren konnte. Besser er machte es sich so bequem wie möglich, wenn er schon nicht auf einem der Hocker hinter dem Tresen Platz nehmen konnte – wie er es damals im Laden seiner Schwester getan hatte. <br />
“Nein. Ich vermute unser Schiffsarzt gepaart mit ein paar helfenden Händen der restlichen Besatzung.“, entgegnete Ceallagh mit schief gelegtem Kopf und erhobener Augenbraue, obwohl Tonlage und gesenkter Blick seines Gegenüber mehr darauf schließen ließ, dass sie mehr zu sich, als zu ihm gesprochen hatte. “Musste wohl schnell gehen.“ Was vielleicht die Sauklaue erklärte und zu keinen weiteren Nachfragen führte, die er ihr definitiv nur mit der halben Wahrheit beantworten würde. Als Meister seines Faches.<br />
Doch die Blondine machte es ihm unverschämt einfach nicht näher darauf eingehen zu müssen. Amüsant. Ein Mensch der sich vollkommen auf seine Arbeit fokussierte, statt so lange geringfügig interessanten Small Talk zu führen, bis man letztlich etwas fand, das wirklich interessant war oder so abgestumpft war, dass man sich höflich verabschiedete und ging. Das war ihm seit einer Weile nicht mehr untergekommen.<br />
“Ich vermute, dass ich hier bin um die allgemeinen Vorräte aufzustocken. Also 4 Bund Kamille und vom Rest um die 2 bis 3.“ Dann glitt sein Blick zurück auf die Glasflaschen und Phiolen auf der anderen Seite. “Verkauft ihr diese eigentlich auch“ Mit einem Kopfnicken deutete er  auf die Auslage, wandte den Blick im selben Moment jedoch auf Lolas Kinn zurück, das knapp unter den Blüten der herabhängenden Kamille hervor lugte. “ Bei unserer letzten Überfahrt sind einige davon leider wegen starkem Seegang aus den Schränken gefallen. Sehr ärgerlich.“ </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">Schiff? Hatte er Schiff gesagt. Neugierde und Freude, das es sich bei dem Kunden um einen Reisenden handelte flammten auf und sie biss sich für den Moment auf die Lippen, den Mann mit fragen zu durch löchern.<br />
"Oke 4 Bund Kamille...habe ich."<br />
Lola streckte sich von der Leiter runter um den Korb auf dem Tresen ab zu stellen und dem Blick des Mannes zu verfolgen.<br />
"Fast alles hier wird verkauft, wir machen auch Bestellungen. Salben, Tees, Tinkturen" antwortete sie, während sie von der Leiter kam und wieder auf die Liste blickte.<br />
"Wie ist es so auf dem Meer? Und anderen Inseln?" platze es dann doch aus ihr heraus. Man sah ihr an das sie neugierig-naiv war. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Ceallagh">Fast hatte er damit gerechnet, dass sie mehr über ihren letzten Seegang in Erfahrung bringen wollte, doch ihre plötzliche Stille und körperliche Ruhe hatte wohl mehr mit den Bündeln Kamille zu tun, die sie von der Decke löste. Eine erfrischende Abwechslung es einmal nicht mit einer überneugierigen jungen Frau zu tun zu haben. Sie kümmerte sich um ihre Arbeit. Stand ihm Rede und Antwort und lies nur mehr als beiläufig die Frage fallen, die er weitaus früher erwartet hatte. <br />
Ein amüsiertes Schmunzeln zierte seine Lippen, während er sich gegen die Theke lehnte und ihr beim Verpacken der Utensilien zusah. <br />
"Sterbens langweilig, wenn man nicht gerade auf andere Seefahrer trifft, die Blei übers Wasser schießen." Ob gerechtfertigt oder nicht, musste er ih ja wohl nicht auf die Nase binden. "Aber man sieht sehr viel von der Welt... wahrscheinlich etwas mehr, als hier?" Nicht anders deutete er ihr Interesse an der Außenwelt, das mit den Worten "anderen" und "Inseln" wie ein Leuchtfeuer erstrahlte. "Ich nehme an, dass ihr noch nie auf einem Schiff unterwegs wart?" </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">Während Lola die nächsten Bluten von der Liste aus einer der hunderten Schubladen holte lauschte sie dem was er sagte. Vorsichtig ließ sie getrocknete Ringelblumen in einem groben Stoffsäckchen verschwinden. Blei? Oh Kanonen Kugeln…sie stockte, oft hatte sie von Seeschlachten gehört und das sie oft sehr grausam waren.<br />
“Kämpft man oft? K-kann man das verhindern, dass Piraten ein Angreifen?“ <br />
fragte sie leise als wollte sie es nicht zu laut sagen. Nicht dass jemand außer ihnen beiden gerade hier wäre. Doch sie wollte ihn nicht verärgern, was nichts an den ausgesprochenen Worten änderte. Schnell räusperte sie sich.<br />
“Ich würde gerne weg von hier…die Welt sehen. Auf einem Schiff war ich noch nie…ich könnte ja abhauen“ <br />
sie legte so viel Sarkasmus in die letzten Worte das es definitiv erkennbar war, dass sie jemand an ihrem Vorhaben hinderte zu gehen.<br />
“Hier sieht man nur die alten Damen, die einen alle Schätzchen nennen, als wenn man ihnen gehören würde“ <br />
sie schüttelte sich angewidert.<br />
Sie legte zwei Säckchen mit Ringelblumen zu den Bündeln mit Kamille. Und schaute wieder auf die Liste. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Ceallagh">Ceallagh hätte sich beinahe an ihrer Frage und dem entgeisterten Gestotter verschluckt. In zweiter Linie womöglich, weil sie wohl annahm, dass er NICHT zu diesem Piratenpack gehörte. Nun. Es schmeichelte ihm, dass er nicht so wirkte, als wäre er ein Haudrauf, der einen guten Rum niemals verschmähte. Hach. Süß. Wenn sie nur wüsste. <br />
"Verhindern?", er lachte hörbar auf. "Nur wenn du eine gut eingespielte Crew und ein schnelles Schiff hast." Inklusive des unverschämten Glücks nicht in die Säurehaltigen Nebel oder den Angriff von Riesenvögeln zu geraten. Vielleicht sollte er sich auf dem Markt noch nach einem Bündel Hasenpfoten umsehen, die er an die Deckenbalken nageln konnte. Je öfter sie das Schiff in brenzliche Lagen brachte, desto teurer wurden die Reparatueren. <br />
Bei einer Sache wurde Ceallagh jedoch hellhörig. Wenngleich er es bereits vermutet, aber nicht irgendwie doch etwas ausgeschlossen hatte. Die junge Frau hegte kein sonderliches Interesse ihr Leben für immer hier zu fristen. In diesem Laden. Auf dieser Insel. Sie kannte sich mit Kräutern aus. War jung und sicherlich biegsam genug für allerlei Verfolgungsjagden und Einbrüche an Land. Und irgendwie kitzelte etwas in seiner Brust, das nach "Verführbar" klang. Nicht in jenem Sinne, von dem er sicherlich genauso wenig abgeneigt wäre. Vielmehr wirkte die Fremde wie jemand, dem man nur den kleinen Finger der Freiheit zu reichen brauchte, um sie von sich zu überzeugen. In allem was sie sagte spiegelte sie diese Vermutung. In der Haltung, ihrer leisen Sprechweise, die darauf abzielte nur für ihn deutlich vernehmbar zu sein. <br />
Also beugte sich Ceallagh voraus, stützte die Unterarme auf dem Tresen ab und bedachte Lola mit einem Lächeln, das schieren Schalk und Tatendrang versprach. "Wenn das so ist... ich könnte sicherlich eine zusätzliche Hand gebrauchen, die mir dabei hilft das Zeug hier aufs Schiff zu bringen. Und emsige Damen sind sicherlich gern gesehen... und fallen überhaupt nicht auf." </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">"habt ihr so einer Crew?" fragte sie dann mit einer freudigen naiven Kinndlichkeit. Und als das Angebot kam ihm zu helfen wurde das strahlen ihrer Augen noch größer. <br />
"gerne helfe ich die Sachen zu transportieren." grinste sie und packte die nächsten getrockneten Blätter in Stoffbeutel. Lola war völlig begeistert und wurde etwas aufgeregt. Ihr Blick wanderte nochmal über die Gestalt des Mannes der vor ihr auf dem Tresen lehnte. Es war selten das Männer seines Schlages hier rein kamen. Es waren eher die alten und kranken. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Ceallagh">Haben war das falsche Wort. Nichts und niemand gehörte ihm. Er war ein kleiner, sehr unbedeutender und doch irgendwie nicht ganz so unwichtiger Teil des Ganzen. Lediglich wenn alles in sich zusammen fiel hatte er eine Hand voll Prioritäten. Solange es ihn nicht dazu nötigte gewissen Prinzipien über Board zu werfen. <br />
"Nun... wir haben so einige brenzliche Situationen überstanden. Ich glaube das zählt als überlebensfähig." Sein Lachen ließ ihn jedoch nicht vergessen, wie die Kugel der Attentäter vor einigen Wochen noch in seiner Schulter gesteckt hatte. Ein Detail dass diese junge Frau, deren Augen bei seinem Vorschlag zu leuchten begannen, nicht unbedingt wissen musste. "Na dann... ich bin bereit, wenn du es bist." Dieses Lächeln auf seinen Lippen war preisverdächtig charmant und voller Tatendrang. Beinahe als wäre die Euphorie seines Gegenüber wie ein Funke auf ihn übergesprungen. <br />
Kaum dass Lola die Päkchen verschnürt und die letzten Kräuter zu Bündel geknotete hatte, schnappte er sich die eine Hälfte und ließ das Geld auf dem letzten kahlen Fleck des Tresens zurück. <br />
"Danke für deine Hilfe..." Mit fragendem Blick sah er zu der jungen Frau hinab, die gerade noch das Geld in der Kasse verstaute und dann durch die geöffnete Klappe in den Verkaufsraum trat. Wenn er sie schon mit zur Sphinx schleppte, wollte er zumindest wissen, wie sie hieß. Das Gebot die Höflichkeit. </div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Lola">"Lola...ich heiße Lola...ich hole noch eben meinen Korb dann kann ich gleich die sachen ausli...."<br />
Die Tür hinterm Tresen ging nochmal auf und eine ältere Dame kam rein. Sie trug ein einfaches Kleid mit einer Schürzen. Sie hatte ein elegantes auftreten und seinen strengen kalten Blick. Ihr leicht gebeugter Gang und die faltige Haut ließen sie dann doch wieder gebrechlich und noch älter wirken. Hexe. War der erste Impuls der den meisten wohl durch den Kopf geschossen wäre.<br />
Lola's Blick wurde verschlossen und distanziert.<br />
"Schätzchen..." krächtze sie los und deutete mit ihrem Gehstock auf sie. "...warum bist du noch hier? Die Kunden warten!" leicht schwang sie den Stock vor dem Gesicht der jungen, leicht chaotischen Dame herum.<br />
"Singora Corvo...wir...ich habe mich noch um den Kunden gekümmert." sie deutete in Richtung des jungen Mannes der schon ein Teil seiner Einkäufe auf den Armen hatte. Der dunkle kalte Blick der Hexe ging von Lola zu Ceallagh und musterten ihn von oben bis unten. Ihre Augen wurden enger und gefühlt noch etwas dunkler. Es waren Sekunden, die sich wie Minuten anfühlten, während sich dieser dunkle kalte Blick in einen bohrte. Plötzlich durch Schnitt das kreischen einer Krähe die Stille. Sie hatte sich ins Fenster gesetzt und flog weg. <br />
Lola war zusammen gezuckt, ihr Herz raste und sie wollte laufen. Weg einfach weg. <br />
"Hat er bezahlt?" fragte die krächtzende Stimme der alten Dame. Und blickte dann zu Lola. Schnell nickte sie und deutete auf die Kasse. <br />
"Ja...i-in der Kasse, Singora" die Stimme der jungen Frau war alles andere als fest, fast nur noch ein wispern. "I-ich geh die sachen...holen." schnell, förmlich flüchtend, verschwand Lola im Nebenraum.<br />
Der Blick wanderte zu dem Hünen. <br />
"Passt auf das euch die Wachen nicht auch als Geisteskrank abstempeln wenn ihr euren Landgang weiter genießen wollt" sagte sie abschätzig, musterte ihn erneut und ging dann zu dem Arbeitstisch auf der rechten raumseite. <br />
Die junge Frau kam wieder rein. Ihre Freude und das funkeln über die Berichte des Reisenden waren immer noch nicht wieder gekehrt und schienen auch noch mehr zu schwinden als sie unter den Augen der alten Dame den Korb packte. Die zweite Hälfte des Einkaufes von dem großen Mann nahm sie auf den Arm. Schnell ging sie dann wieder durch die Klappe im Tisch und ging schnell zur Tür. <br />
"beeil dich, Schätzchen" krächtzte die Stimme der Hexe. <br />
Es war eine regelrechte Flucht die, die junge Dame aus dem Laden eilen ließ. Erst nach ein paar Metern schaute Lola über die Schulter ob der Fremde Kunde ihr gefolgt war. Angst, Hass, Wut, Verzweiflung lagen in ihrem Blick. Das Naive unbeschwerte war weg, verschlossen und einsam wartete sie kurz. </div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Auf den Spuren des Wissens]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1293</link>
			<pubDate>Sat, 07 Sep 2024 17:56:43 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1293</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Auf den Spuren des Wissens</div>
<br />
<font size=1>Nachmittag des 24. Juli 1822 <br />
Shanaya Árashi & Talin Dravean</font></center><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Hin und hergerissen zwischen dem Wunsch lauthals zu lachen oder sich lieber die Hand vor den Mund zuschlagen, um eben dies nicht zu tun, versteckte sich Talin noch ein wenig mehr im Schatten der Tavernenwand, während ihr Blick mit einem heiteren Funkeln Shanaya bei der Arbeit beobachtete. Als die dunkelhaarige Navigatorin ihr gesagt hatte, sie würde einem ehrlichen Beruf nachgehen, hatte die Blonde nur eine Augenbraue in die Höhe gezogen und es als Witz abgetan. Nun aber … Ihr Blick glitt einmal über die weiße Bluse, das dunkle Mieder und den Ansatz eines roten Rockes – ein Rock, wie sie noch einmal betonen musste – bevor sie schließlich wieder Shanaya als Ganzes ansah und ihre beschäftigen Bewegungen in sich aufnahm.<br />
Als schließlich wieder einmal die Tür der Taverne aufgestoßen und die nächste Gruppe laut grölender Männer hereintrat, stieß sich Talin von der Wand ab. Ihre Belustigung und vermutlich auch leichte Schadenfreude, versteckte sie hinter einem feinen Lächeln, auch wenn Shanaya vermutlich das Glitzern in ihren Augen erkennen konnte. Darauf ließ sie es ankommen. Am Tresen lehnte sie sich entspannt gegen das Holz und klopfte leicht auf die Platte. <i>„Hallo, meine Hübsche. Bist du frei?“</I> Sie warf Shanaya ein freches Zwinkern zu, während ihr Blick noch einmal auf den roten Bund um die Hüfte der dunkelhaarigen glitt. Eindeutig ein Rock. <i>„Ich hätte wirklich nie gedacht, dass ich dich jemals so … anständig und mädchenhaft angezogen sehe.“</I></font><br />
<br />
<font color=royalblue>In manchen Momenten glaubte Shanaya das feine Ziehen im Nacken zu spüren, das sie überkam, wenn sie beobachtet wurde. Aber dieses Gefühl zog sich an diesem Ort den ganzen Tag durch ihr Empfinden, die junge Frau machte sich also nicht sonderlich große Gedanken. Immerhin folgten ihr oft die Blicke der Männer – egal ob betrunken oder nicht. Es machte also keinerlei Unterschied. Und für heute war sie eh beinahe mit ihrer Schicht fertig. Jetzt hieß es also nur noch die letzten Minuten irgendwie totschlagen, ohne wirklich einen von diesen Grabschern abzustechen. <br />
Mit einem Seufzen betrachteten die blauen Augen Shanayas die Gruppe Männer, die die Taverne in diesem Moment betraten. Vielleicht kam sie ja irgendwie… eine bekannte Stimme ließ die Schwarzhaarige einen Moment blinzeln, ehe sie sich herum wandte, den abschätzenden Blick Talins einen Moment verwirrt erwiderte. Schließlich wechselte ihre Miene doch zu einem Lächeln, womit sie den Kopf etwas zur Seite neigte und ihrerseits die Blonde musterte. <i>„Für dich doch immer.“</I> Vor allem, wenn ihre Freundin sie davor rettete, sich mit dieser Horde Kerle abgeben zu müssen. Ihr Gegenüber sprach ihre Kleidung an und Shanaya kam nicht um ein herzhaftes Lächeln herum. Die Hände zu beiden Seiten gestreckt, drehte sie sich einmal elegant im Kreis. <i>„Ich kann es eben tragen.“</I> Zu Talin gewandt blieb sie wieder stehen, lächelte der anderen Frau munter entgegen. <i>„Außerdem weißt du doch, dass ich ein Sammelsurium an Überraschungen bin.“</i> Jetzt war es an der Dunkelhaarigen ihr zu zuzwinkern.</font><br />
<br />
<font color=#66CDAA><i>„So viele Versprechungen, die niemals gehalten werden“</I>, seufzte Talin mit einem schalkhaften Lächeln auf Shanyas Worte immer. Als wäre die Dunkelhaarige wirklich immer frei für sie. Und niemals auf die Art, wie Talin sie manchmal gerne aufzog. Wenn sie so darüber nachdachte, war das wirklich gemein und brachte sie fast dazu einen Schmollmund zu ziehen. Doch stattdessen lachte sie nur über Shanaya folgende Worte, ihre kleine Darbietung des Rockes und stützte sich dann mit dem Ellenbogen auf den Tresen auf, legte das Kinn in die Hand und sah das andere Mädchen mit einem herzlichen Lächeln an. <i>„Wie sieht es bei dir aus? Wann kannst du hier verschwinden? Ich will dich an einen schönen Ort entführen.“</I> Sie unterdrückte den Drang noch einmal zu zwinkern und verdrehte stattdessen die Augen, als einer der Männer der Gruppe, die gerade hereingekommen war, penetrant Shanayas Aufmerksamkeit einfordern wollte. Sein lautes Grölen und Rufen ging ihr auf die Nerven. Noch schlimmer war aber immer wieder sein Seitenblick auf Shanayas Hintern. Ein Grund, warum sie nicht im Bordell von Rasiria hatte bleiben können, war wohl die Tatsache, dass sie sehr schnell einen der Männer abgestochen hätte, wenn er ihr auf die Nerven gegangen wäre. Zumindest heute, würde sie das tun. Früher, war sie da wohl etwas zimperlicher. <br />
Die Blonde rechnete es sich hoch an, dass sie ihre Waffen ließ, wo sie waren und wandte sich nur mit einem zuckersüßen Lächeln dem lauten Mann zu. <i>„Großer, du siehst doch, dass sie beschäftigt ist. Versuch es bei einer der anderen Damen.“</I> Damit wandte sie sich wieder Shanaya zu.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya musste bei Talins Worten, und dem eindeutigen Blick, auflachen, zuckte dann mit den Schultern. „Du hast nie definiert, wofür ich frei bin. Der Punkt geht also an mich.“ Die Blonde lehnte sich, noch immer diesen gewissen Blick aufgesetzt, auf den Tresen und stellte eine Frage, die die Schwarzhaarige leicht eine Augenbraue heben ließ, ein amüsiertes Lächeln auf den Lippen. <i>„Willst du dir jetzt erzwingen, was ich dir gebe, hm?“</i> Ein schöner Ort - das konnte irgendwie alles und nichts heißen. <i>„Als ob ich mir vorschreiben lasse, wie lange ich irgendwo zu sein habe. Wenn ich gehen will, gehe ich einfach.“ </i>Ein erneutes Schulterzucken. Sollte man sie raus schmeißen, es hätte sie nicht weniger interessieren können. <i>„Wenn du willst, kann ich mich also umziehen und mich von dir entführen lassen.“</i> Ihr Blick folgte dem ihrer Freundin zu dem Mann, der um ihre Aufmerksamkeit buhlte. Diese Art der Aufmerksamkeit war schon vor dieser Arbeit ihr täglich Brot gewesen. Also nichts Besonderes. Shanaya deutete auf eine Gruppe Männer, die deutlich bewaffnet waren, alle einem Hünen lauschten, der mit kühler Stimme irgendetwas erzählte, was sie von hier aus nicht verstehen konnte. Ihre Stimme senkte sie zu einem Flüstern, das gerade noch laut genug war, dass der Mann sie hören konnte. <i>„Das da drüben ist mein Partner, der wäre nicht froh, wenn so eine klägliche Gestalt wie du versucht, mich zu verführen.“</I> Der Fremde folgte ihrem Deuten, blickte zurück zu den beiden Frauen und schien abzuwägen, ob er es dennoch wagen sollte. Schließlich legte sich sein Blick auf die Blonde, die ihm scheinbar genauso gefiel, nur ohne das Risiko von zu viel Ärger. Shanaya seufzte.</font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Ein Grinsen umspielte ihre Mundwinkel, während sie Shanaya dabei beobachtete, wie sie ihr Spielchen mit dem Mann spielte. Als dann allerdings sein Blick auf die Blonde selbst fiel, seufzte diese nur. Sie beugte sich leicht hinunter, ließ ihre Hand ihren Rock hinabgleiten, als wolle sie diesen einladend heben, zog aber nur einen ihrer Dolche aus dem Schuh und zeigte dem Mann mit einem süßen Lächeln die aufblitzende Klinge. Schließlich wandte dieser sich ab, als wäre nichts gewesen und Talin konnte sich wieder in Ruhe Shanaya widmen. Noch etwas abgelenkte, meinte sie grinsend: <i>„Du kannst deine jetzige Kleidung auch anlassen, dann sehen dich auch einmal andere in einem Rock.“</I> Doch schlussendlich drehte sie sich zu ihr um, widmete ihr wieder ihre ganze Aufmerksamkeit. <i>„Oder vielleicht doch. Zieh dich um, dann hast du vielleicht mehr Platz in deiner Tasche, um das ein oder andere mitgehen zu lassen.“</I> Den letzten Teil sagte sie mit gesenkter Stimme, denn es war ja nicht nötig, dass auch andere sie hörten. Schließlich beugte sie sich noch ein wenig näher zu der Navigatorin und sie sagte mit geheimnisvoll, einladender Stimme: <i>„Wir gehen in eine Bibliothek.“</I> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya unterdrückte ein zu lautes Lachen, als der Mann gespannt Talins gehobenem Rock folgte, als würde er sich davon etwas versprechen. Die Waffe, die schließlich zum Vorschein kam, überzeugte ihn dann jedoch vom Gegenteil und mit enttäuschter Miene machte er sich auf den Rückweg. Armer Drops. <i>„Und was meinst du, macht das für einen Unterschied?“</I> Interessiert wandte sie den Blick wieder zu ihrer Freundin herum, hob fragend eine Augenbraue. Ob sie nun ihre übliche Kleidung trug oder einen Rock – der einzige Unterschied war, dass sie Zweiteres absolut behindernd fand. Aber die Blonde entschied sich nun doch anders, was Shanaya ein deutliches Schmunzeln auf die Lippen lockte. <i>„Und alles, was bei mir nicht mehr rein passt, schieben wir unter deinen Rock?“</i> Nun wurde das Geheimnis gelüftet, wohin Shanaya entführt wurde und Shanaya senkte für ihre Antwort ebenso die Stimme wie die andere Frau. <i>„Skandalös.“</i> Sie kicherte, richtete sich dann wieder auf und breitete kurz einen Arm aus, auf den Tresen deutend. <i>„Kann ich dir noch etwas Gutes tun, während ich mich umziehe?“</I></font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Talins Mundwinkel zuckten, während sie kurz überlegte, ob sie Shanaya sagen sollte, dass ein anderer Kleidungsstil jemanden immer anders aussehen ließ, als gewöhnlich. So sah sie selbst in Hosen mehr als merkwürdig aus, aber sie ging damit dennoch manchmal eher in der Menge unter, da es niemand von ihr gewohnt war. Widersprüchlich und merkwürdig, ja, aber dennoch stimmte es. Deshalb überlegte sie für einen Moment, ob sie genau das Shanaya doch sagte, überlegte es sich aber anders. Stattdessen beobachtete sie, wie das Mädchen doch neugierig wurde und sie lachte auf, bei ihrem Vorschlag, mögliches Diebesgut bei ihr zu verstecken. Talin schüttelte belustigt den Kopf, stützte sich schließlich noch einmal auf den Tresen auf und musterte die Dunkelhaarige fast ein wenig wehmütig. <i>„Wenn du mir den Gefallen tun willst, dich vor mir umzuziehen…“</i> Wehmütig seufzend schüttelte sie den Kopf und blinzelte die Navigatorin mit Schalk in den Augen an. <i>„Zieh dich einfach schnell um und dann ziehen wir los. Ich warte draußen auf dich.“</i> Sie deutete auf den Haupteingang der Taverne, drehte sich um, warf der Männergruppe von eben noch einen herausfordernden Blick zu – den diese über ihr Bier allerdings ignorierten – und verließ das Gebäude.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya hob nur leicht eine Augenbraue, als die Blonde sich ein wenig näher zu ihr neigte, um dann bei ihren Worten herzlich aufzulachen. <i>„Du siehst doch bestimmt oft genug zu, alles andere würde mich wundern.“</i> Und wer hätte es ihr übel nehmen können? Wer sah sich nicht gern einen hübschen Körper an, egal ob bekleidet oder nicht, egal ob männlich oder weiblich. Die Blonde machte sich auf zum Ausgang und Shanaya wandte sich ab, betrat das Zimmer, in dem sie sich mit ruhigen Bewegungen umzog, ihren Gürtel und ihre Waffen befestigte, ihre Tasche um hing, um dann wieder an den Tresen zu treten und ihrer Freundin zu folgen. Durch die Tür tretend strich sie sich mit einer Hand durch die schwarzen Haare und richtete den Blick auf die wartende Frau. <i>„Ich weiß wirklich nicht, wie man das sein ganzes Leben machen kann. Ich habe jetzt wenigstens die Aussicht auf Abenteuer. Aber… mich hier für den Rest meines Lebens begrabschen zu lassen…“</i> Das war wirklich absolut nichts für sie. Sie trat neben Talin, hackte sich bei ihr ein und warf ihr ein gut gelauntes Grinsen zu. <i>„Willst du nach etwas bestimmten suchen?“</i></font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Neben der Tür stehend und den Trubel um sich herum nicht beachtend, stand sie da, die Augen geschlossen und das Gesicht der Sonne entgegen gereckt. In ein paar Tagen würde die Dunkelheit kommen und sie trauerte jetzt schon den fünf Tagen hinterher, in denen die Sonne nicht herauskam. Deshalb musste sie jetzt so viel wie möglich Licht in sich aufnehmen, dass sie die nächsten Tage überstehen konnte. Shanayas Stimme neben ihr, ließ sie schließlich die Augen wieder aufschlagen und ihren Blick zur Dunkelhaarigen wandern. Sie lächelte belustigt über die leise, kleine Beschwerde und Verwunderung, die in den Worten der Navigatorin mit schwangen. <i>„Manchmal ist es nicht leicht aus seinem eigenen Verhalten, seiner Umgebung und den Gegebenheiten auszubrechen. Da nimmst du dann in Kauf begrabscht, belästigt und bedrängt zu werden, weil du keine andere Möglichkeit siehst.“</i> Kurz verdunkelte sich ihr Blick, bevor sie den Kopf schüttelte und Shanayas Hand tätschelte und sich dann mit ihr auf dem Weg zum Marktplatz machte, um dort die Bibliothek zu durchstöbern. <i>„Wenn du es genau wissen willst, will ich wissen, wie man andere Menschen verschwinden lassen kann. Bestenfalls aber auch, wie ich ein guter Captain bin und die Probleme innerhalb der Mannschaft lösen kann. Da ich zu beidem aber sicher nichts finde, will ich sehen, ob ich was über die Sphinx herausfinden kann. Über den Schiffstyp. Davon habe ich zwar keine Ahnung, aber ich dachte mir, vielleicht hilft es trotzdem, sie besser auf Vordermann zu bringen.“</i> Sie lächelte noch einmal die Dunkelhaarige an und bog dann um eine Ecke. <i>„Und das will ich machen, bevor ich mit Skadi und Soula auf großen Raubzug gehe. Ich habe nämlich so das Gefühl, dass eine richtige Reparatur unseres Schiffs sehr, sehr teuer wird.“</i> </font><br />
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<font color=royalblue>Talin öffnete die Augen und antwortete dann auch auf die Worte der Schwarzhaarigen und Shanaya blinzelte zuerst. Dann lachte sie, betrachtete die Blonde mit einer skeptischen aber amüsierten Miene. „Gehst du jetzt unter die Poeten?“ Sie sparte sich jeden weiteren Kommentar, ihrer Meinung nach gab es immerhin immer einen Weg. Stattdessen folgte sie dem Weg, den die andere Frau vorgab, lachte dann leise über ihre nächsten Worte. Ein beinahe schelmisches Lächeln galt ihrer Freundin. <i>„Kann ‚Probleme lösen‘ und ‚Menschen verschwinden lassen‘ nicht… Hand in Hand gehen?“</i> Nur ein Vorschlag und gewiss eine Lösung für manch ein Problem. <i>„Das klingt nach einem guten Plan, das wird sicher nicht sehr günstig… deswegen schmeiße ich mich in diesen furchtbaren Fummel und lasse mich begrabschen.“</I> Immerhin floss der Großteil des Geldes in die Kasse der Sphinx, wenn auch gewiss nicht alles. <i>„Dann hoffe ich Mal, dass ihr mit einem großen Haufen Gold zurück kommt, sonst bin ich enttäuscht!“</i> Ihr Blick glitt nach vorn. <i>„Ich sollte hier schon anfangen, nach Informationen zu den Karten zu suchen… Je mehr ich Bücher durch wälze, desto besser.“</I></font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Ihr Blick huschte über die Gesichter der Menschen um sie herum, musterte ihre besorgten und gleichzeitig aufgeregten Gesichter, ob der anstehenden Dunkelheit. Sie fragte sich, wie viele von ihnen die nächsten Tage in ihren Häusern bleiben mussten, weil sie es sich nicht leisten konnten, sich in der Finsternis ihr Hab und Gut klauen zu lassen. Und sie fragte sich, wie viele von ihnen genau das, in der Dunkelheit versuchen würden. So wie sie mit Skadi und Soula.<br />
Vielleicht hatte Shanaya recht, vielleicht war sie wirklich unter die Poeten gegangen. Vielleicht war sie selbst aber auch nicht so Ignorant den Sorgen und Nöten anderen gegenüber, wie die Dunkelhaarige. Aus diesem Grund quittierte sie die Frage der Navigatorin auch nur mit einem belustigten Lächeln und lachte dann noch einmal auf, bei dem Gedanken Probleme zu lösen, in dem sie Menschen verschwinden ließ. Es hatte seinen Reiz, natürlich, aber gleichzeitig ... <i>„Unseren letzten Carpenter haben wir schon auf eben so eine Art und Weise verloren. Ich kann es mir nicht leisten, den jetzigen auch einfach verschwinden zu lassen. Außerdem bleibt noch abzuwarten, ob Alex wirklich Soula etwas angetan hat. Wir reden nach dem Raubzug noch einmal in Ruhe.“</i> Auch Lucien würde dabei sein und das versetzte ihr einen Stich, den sie nicht fühlen wollte. Sie erinnerte sich an ihr letztes Gespräch, an ihren Gefühlsausbruch, die Taubheit und sie wünschte sich, sie könnte die Zeit zurückdrehen. Nach dem Raubzug. Sie würde danach noch einmal in Ruhe versuchen, mit ihm zu reden ... vielleicht. <br />
Shanaya lenkte ihre Aufmerksamkeit schließlich wieder zurück ins Hier und Jetzt und Talins Augen leuchteten belustigt auf.<br />
<i>„Du meinst die Karten, die du einer leblosen Frau entrissen hast? Ts, Ts, Shanaya. Schäm dich bitte.“</i> Sie grinste belustigt und bog um die nächste Ecke, nur um auf dem überfüllten Marktplatz stehen zu bleiben und auf das große Rathaus mit der angrenzenden Bibliothek vor ihnen zu schauen. <i>„Aber sehr schön, dann haben wir ja beide einen Grund Bücher zu wälzen. Ich kann mir an den letzten hellen Tagen wirklich nichts schöneres vorstellen, als mit in Büchern zu vergraben. Vielleicht hätte ich Ceallagh hierher schicken sollen.“</i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Aspens Ableben war nach wie vor etwas, das Shanaya in keinster Weise nahe ging. Er war ihr zu Lebzeiten egal gewesen und daran würde sich jetzt gewiss nichts ändern. Also lachte die junge Frau auf die Worte der Blonden hin nur leise auf. <i>„Er ist mit einem Knall gegangen, das hat zu seinem verkrüppelten, falschen Männerego gepasst.“</i> Was die Sache mit Soula und Alex anging… hm. <i>„Ich glaube nicht, dass das der Fall ist. Und ich vertraue Liams Urteil. Er kennt ihn am besten.“</i> Sie schätzte den zweiten Lockenkopf nicht so ein und ihre Menschenkenntnis hatte sie selten im Stich gelassen. Aber sie war gespannt, was dabei heraus kommen würde, wenn sie das Gespräch suchten. Aber bis zum Fest interessierte Shanaya sich herzlich wenig dafür, das würde sie sich von niemandem kaputt machen lassen. Sie wollte die Dunkelheit davor genießen und sich dann ganz auf ihr erstes Fest dieser Art in Freiheit freuen. <br />
Was Talin zu den Karten und der Ladenbesitzerin sagte, ließ die junge Frau einen gespielt vorwurfsvollen Blick in die Richtung ihrer Freundin werfen. <i>„Hey, ich hätte sie schon noch überzeugt bekommen! Wärst du nicht so rabiat!“</I> Sie blieb neben der anderen Frau stehen, ließ den hellen Blick kurz über den Platz vor sich schweifen. Viele Menschen, die sich mit den Vorbereitungen für das Fest beschäftigten, ein großes Feuer vorbereiteten, welches offensichtlich hier angezündet werden würde. Erst bei Talins Worten richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder herum, lächelte dabei amüsiert. <i>„Dann hättest du die Captainkarte spielen können. Immerhin sieht man von kaum Jemanden irgendeinen Einsatz für das Schiff oder die Crew.“</i> Und Ceallagh war sicher froh, wenn er die Nase in einen Haufen Bücher stecken konnte. Mit diesem Gedanken setzte Shanaya sich wieder in Bewegung, direkt auf das Gebäude mit der Bibliothek zu. <i>„Und wer weiß, ob sich irgendwer beim Fest so daneben benimmt, dass wir wieder sehr schnell aufbrechen müssen.“</i> Es wäre nicht das erste Mal, aber dieses Mal würde sie dieser Person selbstständig jeden Fingernagel abreißen. <i>„Das ist eins der wenigen Dinge, die ich an Yvenes vermisse. Ich hatte immer Zugang zu jeglicher Art von Büchern. Es sollte Schiffe geben, die mit Büchern beladen durch alle Welten fahren.“</i> Vermutlich hätte sie dann weniger Gold, welches sie mit sich herum schleppen musste, aber das wäre es ihr auf jeden Fall wert. <br />
Bei der Tür der Bibliothek angekommen zog die Schwarzhaarige ihren Arm zurück, mit dem sie sich bei Talin eingehakt hatte und öffnete die Tür, um einen winzigen Schritt zurück zu treten und der Blonden mit einem Knicks und einem munteren Lächeln Einlass zu gewähren.</font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Während Talin noch darüber nachgrübelte, ob sie noch doch noch schnell Ceallagh für die Informationssuche und das <i>„Bücher wälzen“</i> einspannte, warf sie gleichzeitig Shanaya einen Seitenblick zu und schnaubte amüsiert. Sie war also schuld, dass die Frau ohnmächtig und leblos auf dem Boden liegen geblieben war? Ja, vielleicht. Aber immerhin hatte sie dafür gesorgt, dass die Wachen nicht sofort alarmiert worden waren. Wenn Shanaya weiterhin ihren Charme hätte spielen lassen, dann wären sie sofort verhaftet worden, nicht wahr? Ja! Aber lieber sagte sie dazu nichts weiter, sondern seufzte stattdessen leise, während sie auf das Gebäude zugingen. <i>„Ich weiß, dass ich lernen muss, Aufgaben besser zu verteilen. Es ist nicht gut, dass ich so viel allein tun will und es auch nicht immer offen kommuniziere. Vielleicht würden dann die anderen auch nicht so große Geheimnisse haben.“</i> Oder sie ihr zumindest offenbaren. Talin wusste, dass es eine schlechte Angewohnheit war, so furchtbar neugierig zu sein. Aber sie wollte, wenn möglich, so viele Geheimnisse von den Menschen erfahren, wie es ihr möglich war. Vielleicht war Neugierde dabei nicht ganz das richtige Wort, aber ein besseres fiel ihr nicht ein.<br />
Sie verscheuchte den Gedanken, als sie mit einem Lächeln Shanayas Knicks erwiderte und das Halbdunkle des Gebäudes betrat. Erst dort warf sie der Navigatorin wieder einen Blick zu, der belustigt funkelte. <i>„Ich habe von so einem Schiff gehört. Zwischen den Inseln von Cheliya fährt es wohl hin und her und bietet der einfachen Bevölkerung Bücher zum Lesen an, weil die Bibliotheken des Herzogtums eher den Gelehrten vorbehalten sind. Ich habe gehört, in diesen Bibliotheken sollen sehr wichtige Unterlagen liegen, deshalb darf nicht jeder hinein. Deshalb sind sie auch so wütend, als Bücher von dort entwendet wurden.“ </i><br />
Sie nahm eine Treppe nach oben, roch den leicht modrigen Geruch von altem Papier und Pergament, als sie einer Tür näher kam, vor der ein streng aussehender, alter Mann saß. Sie wurde etwas langsamer, bevor sie neben Shanaya stand und diese dann leicht nach vorn stubste. <i>„Red du mit dem. Der sieht aus, als würde er nicht gerade auf weibliche Reize reagieren.“</i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Bevor die beiden Frauen durch den Eingang traten, ließ Shanaya den Blick noch einmal durch die Gassen schweifen. Niemand interessierte sich für sie, alle waren für sich selbst beschäftigt, mit den Gedanken vermutlich schon in den Massen von Alkohol, die in wenigen Tagen fließen würden. Erst nach einigen Herzschlägen richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder zu Talin herum, die die Geste erwiderte, der Schwarzhaarigen damit ein leises Lachen entlockte, ehe sie der Blonden in das Innere des Gebäudes folgte. Ihre Worte ließen die junge Frau leise schnaufen. <i>„Immer dieses reiche Pack, das alles für sich horten will. Aber das Schiff klingt interessant. Weißt du mehr dazu?“ </i>Interessiert blickte sie sich um, betrachtete die Einzelheiten, die sie von hier aus sehen konnte, roch den typischen Geruch und verspürte damit eine gewisse Vorfreude auf das, was sie hier finden würden. Den Blick an die Decke gerichtet lauschte sie den weiteren Worten ihrer Freundin, die sie in der Bewegung inne halten ließen. Ganz langsam wandte sie den Kopf zu der Blonden herum, die Augen leicht verengt und einen vorwurfsvollen Ausdruck in den hellen Augen, als sie leicht nach vorn gestupst wurde. <i>„Deswegen wärst du eigentlich die bessere Wahl, meinst du nicht? Aber gut, ich opfere mich natürlich für dich, wenn du zu viel Angst hast.“</i> Ein schelmisches Lächeln galt der anderen Frau, dann drehte sie sich herum, steuerte auf den alten Mann zu und setzte das charmanteste Lächeln auf, das sie zu Stande bringen konnte. Die Augen des Fremden legten sich skeptisch auf sie, als Shanaya näher an ihn heran getreten war. „Hallo!“ Ihre Worte wurden weiter von dem Lächeln und dabei von einem vollkommen unschuldigem Ton untermalt. <i>„Wir würden uns gern ein wenig Wissen aneignen, dürfen wir in ihre Bibliothek? Also.. das ist doch Ihre, oder? Sie passen hier so aufmerksam auf…!“</i> </font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Auf den Spuren des Wissens</div>
<br />
<font size=1>Nachmittag des 24. Juli 1822 <br />
Shanaya Árashi & Talin Dravean</font></center><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Hin und hergerissen zwischen dem Wunsch lauthals zu lachen oder sich lieber die Hand vor den Mund zuschlagen, um eben dies nicht zu tun, versteckte sich Talin noch ein wenig mehr im Schatten der Tavernenwand, während ihr Blick mit einem heiteren Funkeln Shanaya bei der Arbeit beobachtete. Als die dunkelhaarige Navigatorin ihr gesagt hatte, sie würde einem ehrlichen Beruf nachgehen, hatte die Blonde nur eine Augenbraue in die Höhe gezogen und es als Witz abgetan. Nun aber … Ihr Blick glitt einmal über die weiße Bluse, das dunkle Mieder und den Ansatz eines roten Rockes – ein Rock, wie sie noch einmal betonen musste – bevor sie schließlich wieder Shanaya als Ganzes ansah und ihre beschäftigen Bewegungen in sich aufnahm.<br />
Als schließlich wieder einmal die Tür der Taverne aufgestoßen und die nächste Gruppe laut grölender Männer hereintrat, stieß sich Talin von der Wand ab. Ihre Belustigung und vermutlich auch leichte Schadenfreude, versteckte sie hinter einem feinen Lächeln, auch wenn Shanaya vermutlich das Glitzern in ihren Augen erkennen konnte. Darauf ließ sie es ankommen. Am Tresen lehnte sie sich entspannt gegen das Holz und klopfte leicht auf die Platte. <i>„Hallo, meine Hübsche. Bist du frei?“</I> Sie warf Shanaya ein freches Zwinkern zu, während ihr Blick noch einmal auf den roten Bund um die Hüfte der dunkelhaarigen glitt. Eindeutig ein Rock. <i>„Ich hätte wirklich nie gedacht, dass ich dich jemals so … anständig und mädchenhaft angezogen sehe.“</I></font><br />
<br />
<font color=royalblue>In manchen Momenten glaubte Shanaya das feine Ziehen im Nacken zu spüren, das sie überkam, wenn sie beobachtet wurde. Aber dieses Gefühl zog sich an diesem Ort den ganzen Tag durch ihr Empfinden, die junge Frau machte sich also nicht sonderlich große Gedanken. Immerhin folgten ihr oft die Blicke der Männer – egal ob betrunken oder nicht. Es machte also keinerlei Unterschied. Und für heute war sie eh beinahe mit ihrer Schicht fertig. Jetzt hieß es also nur noch die letzten Minuten irgendwie totschlagen, ohne wirklich einen von diesen Grabschern abzustechen. <br />
Mit einem Seufzen betrachteten die blauen Augen Shanayas die Gruppe Männer, die die Taverne in diesem Moment betraten. Vielleicht kam sie ja irgendwie… eine bekannte Stimme ließ die Schwarzhaarige einen Moment blinzeln, ehe sie sich herum wandte, den abschätzenden Blick Talins einen Moment verwirrt erwiderte. Schließlich wechselte ihre Miene doch zu einem Lächeln, womit sie den Kopf etwas zur Seite neigte und ihrerseits die Blonde musterte. <i>„Für dich doch immer.“</I> Vor allem, wenn ihre Freundin sie davor rettete, sich mit dieser Horde Kerle abgeben zu müssen. Ihr Gegenüber sprach ihre Kleidung an und Shanaya kam nicht um ein herzhaftes Lächeln herum. Die Hände zu beiden Seiten gestreckt, drehte sie sich einmal elegant im Kreis. <i>„Ich kann es eben tragen.“</I> Zu Talin gewandt blieb sie wieder stehen, lächelte der anderen Frau munter entgegen. <i>„Außerdem weißt du doch, dass ich ein Sammelsurium an Überraschungen bin.“</i> Jetzt war es an der Dunkelhaarigen ihr zu zuzwinkern.</font><br />
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<font color=#66CDAA><i>„So viele Versprechungen, die niemals gehalten werden“</I>, seufzte Talin mit einem schalkhaften Lächeln auf Shanyas Worte immer. Als wäre die Dunkelhaarige wirklich immer frei für sie. Und niemals auf die Art, wie Talin sie manchmal gerne aufzog. Wenn sie so darüber nachdachte, war das wirklich gemein und brachte sie fast dazu einen Schmollmund zu ziehen. Doch stattdessen lachte sie nur über Shanaya folgende Worte, ihre kleine Darbietung des Rockes und stützte sich dann mit dem Ellenbogen auf den Tresen auf, legte das Kinn in die Hand und sah das andere Mädchen mit einem herzlichen Lächeln an. <i>„Wie sieht es bei dir aus? Wann kannst du hier verschwinden? Ich will dich an einen schönen Ort entführen.“</I> Sie unterdrückte den Drang noch einmal zu zwinkern und verdrehte stattdessen die Augen, als einer der Männer der Gruppe, die gerade hereingekommen war, penetrant Shanayas Aufmerksamkeit einfordern wollte. Sein lautes Grölen und Rufen ging ihr auf die Nerven. Noch schlimmer war aber immer wieder sein Seitenblick auf Shanayas Hintern. Ein Grund, warum sie nicht im Bordell von Rasiria hatte bleiben können, war wohl die Tatsache, dass sie sehr schnell einen der Männer abgestochen hätte, wenn er ihr auf die Nerven gegangen wäre. Zumindest heute, würde sie das tun. Früher, war sie da wohl etwas zimperlicher. <br />
Die Blonde rechnete es sich hoch an, dass sie ihre Waffen ließ, wo sie waren und wandte sich nur mit einem zuckersüßen Lächeln dem lauten Mann zu. <i>„Großer, du siehst doch, dass sie beschäftigt ist. Versuch es bei einer der anderen Damen.“</I> Damit wandte sie sich wieder Shanaya zu.</font><br />
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<font color=royalblue>Shanaya musste bei Talins Worten, und dem eindeutigen Blick, auflachen, zuckte dann mit den Schultern. „Du hast nie definiert, wofür ich frei bin. Der Punkt geht also an mich.“ Die Blonde lehnte sich, noch immer diesen gewissen Blick aufgesetzt, auf den Tresen und stellte eine Frage, die die Schwarzhaarige leicht eine Augenbraue heben ließ, ein amüsiertes Lächeln auf den Lippen. <i>„Willst du dir jetzt erzwingen, was ich dir gebe, hm?“</i> Ein schöner Ort - das konnte irgendwie alles und nichts heißen. <i>„Als ob ich mir vorschreiben lasse, wie lange ich irgendwo zu sein habe. Wenn ich gehen will, gehe ich einfach.“ </i>Ein erneutes Schulterzucken. Sollte man sie raus schmeißen, es hätte sie nicht weniger interessieren können. <i>„Wenn du willst, kann ich mich also umziehen und mich von dir entführen lassen.“</i> Ihr Blick folgte dem ihrer Freundin zu dem Mann, der um ihre Aufmerksamkeit buhlte. Diese Art der Aufmerksamkeit war schon vor dieser Arbeit ihr täglich Brot gewesen. Also nichts Besonderes. Shanaya deutete auf eine Gruppe Männer, die deutlich bewaffnet waren, alle einem Hünen lauschten, der mit kühler Stimme irgendetwas erzählte, was sie von hier aus nicht verstehen konnte. Ihre Stimme senkte sie zu einem Flüstern, das gerade noch laut genug war, dass der Mann sie hören konnte. <i>„Das da drüben ist mein Partner, der wäre nicht froh, wenn so eine klägliche Gestalt wie du versucht, mich zu verführen.“</I> Der Fremde folgte ihrem Deuten, blickte zurück zu den beiden Frauen und schien abzuwägen, ob er es dennoch wagen sollte. Schließlich legte sich sein Blick auf die Blonde, die ihm scheinbar genauso gefiel, nur ohne das Risiko von zu viel Ärger. Shanaya seufzte.</font><br />
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<font color=#66CDAA>Ein Grinsen umspielte ihre Mundwinkel, während sie Shanaya dabei beobachtete, wie sie ihr Spielchen mit dem Mann spielte. Als dann allerdings sein Blick auf die Blonde selbst fiel, seufzte diese nur. Sie beugte sich leicht hinunter, ließ ihre Hand ihren Rock hinabgleiten, als wolle sie diesen einladend heben, zog aber nur einen ihrer Dolche aus dem Schuh und zeigte dem Mann mit einem süßen Lächeln die aufblitzende Klinge. Schließlich wandte dieser sich ab, als wäre nichts gewesen und Talin konnte sich wieder in Ruhe Shanaya widmen. Noch etwas abgelenkte, meinte sie grinsend: <i>„Du kannst deine jetzige Kleidung auch anlassen, dann sehen dich auch einmal andere in einem Rock.“</I> Doch schlussendlich drehte sie sich zu ihr um, widmete ihr wieder ihre ganze Aufmerksamkeit. <i>„Oder vielleicht doch. Zieh dich um, dann hast du vielleicht mehr Platz in deiner Tasche, um das ein oder andere mitgehen zu lassen.“</I> Den letzten Teil sagte sie mit gesenkter Stimme, denn es war ja nicht nötig, dass auch andere sie hörten. Schließlich beugte sie sich noch ein wenig näher zu der Navigatorin und sie sagte mit geheimnisvoll, einladender Stimme: <i>„Wir gehen in eine Bibliothek.“</I> </font><br />
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<font color=royalblue>Shanaya unterdrückte ein zu lautes Lachen, als der Mann gespannt Talins gehobenem Rock folgte, als würde er sich davon etwas versprechen. Die Waffe, die schließlich zum Vorschein kam, überzeugte ihn dann jedoch vom Gegenteil und mit enttäuschter Miene machte er sich auf den Rückweg. Armer Drops. <i>„Und was meinst du, macht das für einen Unterschied?“</I> Interessiert wandte sie den Blick wieder zu ihrer Freundin herum, hob fragend eine Augenbraue. Ob sie nun ihre übliche Kleidung trug oder einen Rock – der einzige Unterschied war, dass sie Zweiteres absolut behindernd fand. Aber die Blonde entschied sich nun doch anders, was Shanaya ein deutliches Schmunzeln auf die Lippen lockte. <i>„Und alles, was bei mir nicht mehr rein passt, schieben wir unter deinen Rock?“</i> Nun wurde das Geheimnis gelüftet, wohin Shanaya entführt wurde und Shanaya senkte für ihre Antwort ebenso die Stimme wie die andere Frau. <i>„Skandalös.“</i> Sie kicherte, richtete sich dann wieder auf und breitete kurz einen Arm aus, auf den Tresen deutend. <i>„Kann ich dir noch etwas Gutes tun, während ich mich umziehe?“</I></font><br />
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<font color=#66CDAA>Talins Mundwinkel zuckten, während sie kurz überlegte, ob sie Shanaya sagen sollte, dass ein anderer Kleidungsstil jemanden immer anders aussehen ließ, als gewöhnlich. So sah sie selbst in Hosen mehr als merkwürdig aus, aber sie ging damit dennoch manchmal eher in der Menge unter, da es niemand von ihr gewohnt war. Widersprüchlich und merkwürdig, ja, aber dennoch stimmte es. Deshalb überlegte sie für einen Moment, ob sie genau das Shanaya doch sagte, überlegte es sich aber anders. Stattdessen beobachtete sie, wie das Mädchen doch neugierig wurde und sie lachte auf, bei ihrem Vorschlag, mögliches Diebesgut bei ihr zu verstecken. Talin schüttelte belustigt den Kopf, stützte sich schließlich noch einmal auf den Tresen auf und musterte die Dunkelhaarige fast ein wenig wehmütig. <i>„Wenn du mir den Gefallen tun willst, dich vor mir umzuziehen…“</i> Wehmütig seufzend schüttelte sie den Kopf und blinzelte die Navigatorin mit Schalk in den Augen an. <i>„Zieh dich einfach schnell um und dann ziehen wir los. Ich warte draußen auf dich.“</i> Sie deutete auf den Haupteingang der Taverne, drehte sich um, warf der Männergruppe von eben noch einen herausfordernden Blick zu – den diese über ihr Bier allerdings ignorierten – und verließ das Gebäude.</font><br />
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<font color=royalblue>Shanaya hob nur leicht eine Augenbraue, als die Blonde sich ein wenig näher zu ihr neigte, um dann bei ihren Worten herzlich aufzulachen. <i>„Du siehst doch bestimmt oft genug zu, alles andere würde mich wundern.“</i> Und wer hätte es ihr übel nehmen können? Wer sah sich nicht gern einen hübschen Körper an, egal ob bekleidet oder nicht, egal ob männlich oder weiblich. Die Blonde machte sich auf zum Ausgang und Shanaya wandte sich ab, betrat das Zimmer, in dem sie sich mit ruhigen Bewegungen umzog, ihren Gürtel und ihre Waffen befestigte, ihre Tasche um hing, um dann wieder an den Tresen zu treten und ihrer Freundin zu folgen. Durch die Tür tretend strich sie sich mit einer Hand durch die schwarzen Haare und richtete den Blick auf die wartende Frau. <i>„Ich weiß wirklich nicht, wie man das sein ganzes Leben machen kann. Ich habe jetzt wenigstens die Aussicht auf Abenteuer. Aber… mich hier für den Rest meines Lebens begrabschen zu lassen…“</i> Das war wirklich absolut nichts für sie. Sie trat neben Talin, hackte sich bei ihr ein und warf ihr ein gut gelauntes Grinsen zu. <i>„Willst du nach etwas bestimmten suchen?“</i></font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Neben der Tür stehend und den Trubel um sich herum nicht beachtend, stand sie da, die Augen geschlossen und das Gesicht der Sonne entgegen gereckt. In ein paar Tagen würde die Dunkelheit kommen und sie trauerte jetzt schon den fünf Tagen hinterher, in denen die Sonne nicht herauskam. Deshalb musste sie jetzt so viel wie möglich Licht in sich aufnehmen, dass sie die nächsten Tage überstehen konnte. Shanayas Stimme neben ihr, ließ sie schließlich die Augen wieder aufschlagen und ihren Blick zur Dunkelhaarigen wandern. Sie lächelte belustigt über die leise, kleine Beschwerde und Verwunderung, die in den Worten der Navigatorin mit schwangen. <i>„Manchmal ist es nicht leicht aus seinem eigenen Verhalten, seiner Umgebung und den Gegebenheiten auszubrechen. Da nimmst du dann in Kauf begrabscht, belästigt und bedrängt zu werden, weil du keine andere Möglichkeit siehst.“</i> Kurz verdunkelte sich ihr Blick, bevor sie den Kopf schüttelte und Shanayas Hand tätschelte und sich dann mit ihr auf dem Weg zum Marktplatz machte, um dort die Bibliothek zu durchstöbern. <i>„Wenn du es genau wissen willst, will ich wissen, wie man andere Menschen verschwinden lassen kann. Bestenfalls aber auch, wie ich ein guter Captain bin und die Probleme innerhalb der Mannschaft lösen kann. Da ich zu beidem aber sicher nichts finde, will ich sehen, ob ich was über die Sphinx herausfinden kann. Über den Schiffstyp. Davon habe ich zwar keine Ahnung, aber ich dachte mir, vielleicht hilft es trotzdem, sie besser auf Vordermann zu bringen.“</i> Sie lächelte noch einmal die Dunkelhaarige an und bog dann um eine Ecke. <i>„Und das will ich machen, bevor ich mit Skadi und Soula auf großen Raubzug gehe. Ich habe nämlich so das Gefühl, dass eine richtige Reparatur unseres Schiffs sehr, sehr teuer wird.“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Talin öffnete die Augen und antwortete dann auch auf die Worte der Schwarzhaarigen und Shanaya blinzelte zuerst. Dann lachte sie, betrachtete die Blonde mit einer skeptischen aber amüsierten Miene. „Gehst du jetzt unter die Poeten?“ Sie sparte sich jeden weiteren Kommentar, ihrer Meinung nach gab es immerhin immer einen Weg. Stattdessen folgte sie dem Weg, den die andere Frau vorgab, lachte dann leise über ihre nächsten Worte. Ein beinahe schelmisches Lächeln galt ihrer Freundin. <i>„Kann ‚Probleme lösen‘ und ‚Menschen verschwinden lassen‘ nicht… Hand in Hand gehen?“</i> Nur ein Vorschlag und gewiss eine Lösung für manch ein Problem. <i>„Das klingt nach einem guten Plan, das wird sicher nicht sehr günstig… deswegen schmeiße ich mich in diesen furchtbaren Fummel und lasse mich begrabschen.“</I> Immerhin floss der Großteil des Geldes in die Kasse der Sphinx, wenn auch gewiss nicht alles. <i>„Dann hoffe ich Mal, dass ihr mit einem großen Haufen Gold zurück kommt, sonst bin ich enttäuscht!“</i> Ihr Blick glitt nach vorn. <i>„Ich sollte hier schon anfangen, nach Informationen zu den Karten zu suchen… Je mehr ich Bücher durch wälze, desto besser.“</I></font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Ihr Blick huschte über die Gesichter der Menschen um sie herum, musterte ihre besorgten und gleichzeitig aufgeregten Gesichter, ob der anstehenden Dunkelheit. Sie fragte sich, wie viele von ihnen die nächsten Tage in ihren Häusern bleiben mussten, weil sie es sich nicht leisten konnten, sich in der Finsternis ihr Hab und Gut klauen zu lassen. Und sie fragte sich, wie viele von ihnen genau das, in der Dunkelheit versuchen würden. So wie sie mit Skadi und Soula.<br />
Vielleicht hatte Shanaya recht, vielleicht war sie wirklich unter die Poeten gegangen. Vielleicht war sie selbst aber auch nicht so Ignorant den Sorgen und Nöten anderen gegenüber, wie die Dunkelhaarige. Aus diesem Grund quittierte sie die Frage der Navigatorin auch nur mit einem belustigten Lächeln und lachte dann noch einmal auf, bei dem Gedanken Probleme zu lösen, in dem sie Menschen verschwinden ließ. Es hatte seinen Reiz, natürlich, aber gleichzeitig ... <i>„Unseren letzten Carpenter haben wir schon auf eben so eine Art und Weise verloren. Ich kann es mir nicht leisten, den jetzigen auch einfach verschwinden zu lassen. Außerdem bleibt noch abzuwarten, ob Alex wirklich Soula etwas angetan hat. Wir reden nach dem Raubzug noch einmal in Ruhe.“</i> Auch Lucien würde dabei sein und das versetzte ihr einen Stich, den sie nicht fühlen wollte. Sie erinnerte sich an ihr letztes Gespräch, an ihren Gefühlsausbruch, die Taubheit und sie wünschte sich, sie könnte die Zeit zurückdrehen. Nach dem Raubzug. Sie würde danach noch einmal in Ruhe versuchen, mit ihm zu reden ... vielleicht. <br />
Shanaya lenkte ihre Aufmerksamkeit schließlich wieder zurück ins Hier und Jetzt und Talins Augen leuchteten belustigt auf.<br />
<i>„Du meinst die Karten, die du einer leblosen Frau entrissen hast? Ts, Ts, Shanaya. Schäm dich bitte.“</i> Sie grinste belustigt und bog um die nächste Ecke, nur um auf dem überfüllten Marktplatz stehen zu bleiben und auf das große Rathaus mit der angrenzenden Bibliothek vor ihnen zu schauen. <i>„Aber sehr schön, dann haben wir ja beide einen Grund Bücher zu wälzen. Ich kann mir an den letzten hellen Tagen wirklich nichts schöneres vorstellen, als mit in Büchern zu vergraben. Vielleicht hätte ich Ceallagh hierher schicken sollen.“</i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Aspens Ableben war nach wie vor etwas, das Shanaya in keinster Weise nahe ging. Er war ihr zu Lebzeiten egal gewesen und daran würde sich jetzt gewiss nichts ändern. Also lachte die junge Frau auf die Worte der Blonden hin nur leise auf. <i>„Er ist mit einem Knall gegangen, das hat zu seinem verkrüppelten, falschen Männerego gepasst.“</i> Was die Sache mit Soula und Alex anging… hm. <i>„Ich glaube nicht, dass das der Fall ist. Und ich vertraue Liams Urteil. Er kennt ihn am besten.“</i> Sie schätzte den zweiten Lockenkopf nicht so ein und ihre Menschenkenntnis hatte sie selten im Stich gelassen. Aber sie war gespannt, was dabei heraus kommen würde, wenn sie das Gespräch suchten. Aber bis zum Fest interessierte Shanaya sich herzlich wenig dafür, das würde sie sich von niemandem kaputt machen lassen. Sie wollte die Dunkelheit davor genießen und sich dann ganz auf ihr erstes Fest dieser Art in Freiheit freuen. <br />
Was Talin zu den Karten und der Ladenbesitzerin sagte, ließ die junge Frau einen gespielt vorwurfsvollen Blick in die Richtung ihrer Freundin werfen. <i>„Hey, ich hätte sie schon noch überzeugt bekommen! Wärst du nicht so rabiat!“</I> Sie blieb neben der anderen Frau stehen, ließ den hellen Blick kurz über den Platz vor sich schweifen. Viele Menschen, die sich mit den Vorbereitungen für das Fest beschäftigten, ein großes Feuer vorbereiteten, welches offensichtlich hier angezündet werden würde. Erst bei Talins Worten richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder herum, lächelte dabei amüsiert. <i>„Dann hättest du die Captainkarte spielen können. Immerhin sieht man von kaum Jemanden irgendeinen Einsatz für das Schiff oder die Crew.“</i> Und Ceallagh war sicher froh, wenn er die Nase in einen Haufen Bücher stecken konnte. Mit diesem Gedanken setzte Shanaya sich wieder in Bewegung, direkt auf das Gebäude mit der Bibliothek zu. <i>„Und wer weiß, ob sich irgendwer beim Fest so daneben benimmt, dass wir wieder sehr schnell aufbrechen müssen.“</i> Es wäre nicht das erste Mal, aber dieses Mal würde sie dieser Person selbstständig jeden Fingernagel abreißen. <i>„Das ist eins der wenigen Dinge, die ich an Yvenes vermisse. Ich hatte immer Zugang zu jeglicher Art von Büchern. Es sollte Schiffe geben, die mit Büchern beladen durch alle Welten fahren.“</i> Vermutlich hätte sie dann weniger Gold, welches sie mit sich herum schleppen musste, aber das wäre es ihr auf jeden Fall wert. <br />
Bei der Tür der Bibliothek angekommen zog die Schwarzhaarige ihren Arm zurück, mit dem sie sich bei Talin eingehakt hatte und öffnete die Tür, um einen winzigen Schritt zurück zu treten und der Blonden mit einem Knicks und einem munteren Lächeln Einlass zu gewähren.</font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Während Talin noch darüber nachgrübelte, ob sie noch doch noch schnell Ceallagh für die Informationssuche und das <i>„Bücher wälzen“</i> einspannte, warf sie gleichzeitig Shanaya einen Seitenblick zu und schnaubte amüsiert. Sie war also schuld, dass die Frau ohnmächtig und leblos auf dem Boden liegen geblieben war? Ja, vielleicht. Aber immerhin hatte sie dafür gesorgt, dass die Wachen nicht sofort alarmiert worden waren. Wenn Shanaya weiterhin ihren Charme hätte spielen lassen, dann wären sie sofort verhaftet worden, nicht wahr? Ja! Aber lieber sagte sie dazu nichts weiter, sondern seufzte stattdessen leise, während sie auf das Gebäude zugingen. <i>„Ich weiß, dass ich lernen muss, Aufgaben besser zu verteilen. Es ist nicht gut, dass ich so viel allein tun will und es auch nicht immer offen kommuniziere. Vielleicht würden dann die anderen auch nicht so große Geheimnisse haben.“</i> Oder sie ihr zumindest offenbaren. Talin wusste, dass es eine schlechte Angewohnheit war, so furchtbar neugierig zu sein. Aber sie wollte, wenn möglich, so viele Geheimnisse von den Menschen erfahren, wie es ihr möglich war. Vielleicht war Neugierde dabei nicht ganz das richtige Wort, aber ein besseres fiel ihr nicht ein.<br />
Sie verscheuchte den Gedanken, als sie mit einem Lächeln Shanayas Knicks erwiderte und das Halbdunkle des Gebäudes betrat. Erst dort warf sie der Navigatorin wieder einen Blick zu, der belustigt funkelte. <i>„Ich habe von so einem Schiff gehört. Zwischen den Inseln von Cheliya fährt es wohl hin und her und bietet der einfachen Bevölkerung Bücher zum Lesen an, weil die Bibliotheken des Herzogtums eher den Gelehrten vorbehalten sind. Ich habe gehört, in diesen Bibliotheken sollen sehr wichtige Unterlagen liegen, deshalb darf nicht jeder hinein. Deshalb sind sie auch so wütend, als Bücher von dort entwendet wurden.“ </i><br />
Sie nahm eine Treppe nach oben, roch den leicht modrigen Geruch von altem Papier und Pergament, als sie einer Tür näher kam, vor der ein streng aussehender, alter Mann saß. Sie wurde etwas langsamer, bevor sie neben Shanaya stand und diese dann leicht nach vorn stubste. <i>„Red du mit dem. Der sieht aus, als würde er nicht gerade auf weibliche Reize reagieren.“</i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Bevor die beiden Frauen durch den Eingang traten, ließ Shanaya den Blick noch einmal durch die Gassen schweifen. Niemand interessierte sich für sie, alle waren für sich selbst beschäftigt, mit den Gedanken vermutlich schon in den Massen von Alkohol, die in wenigen Tagen fließen würden. Erst nach einigen Herzschlägen richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder zu Talin herum, die die Geste erwiderte, der Schwarzhaarigen damit ein leises Lachen entlockte, ehe sie der Blonden in das Innere des Gebäudes folgte. Ihre Worte ließen die junge Frau leise schnaufen. <i>„Immer dieses reiche Pack, das alles für sich horten will. Aber das Schiff klingt interessant. Weißt du mehr dazu?“ </i>Interessiert blickte sie sich um, betrachtete die Einzelheiten, die sie von hier aus sehen konnte, roch den typischen Geruch und verspürte damit eine gewisse Vorfreude auf das, was sie hier finden würden. Den Blick an die Decke gerichtet lauschte sie den weiteren Worten ihrer Freundin, die sie in der Bewegung inne halten ließen. Ganz langsam wandte sie den Kopf zu der Blonden herum, die Augen leicht verengt und einen vorwurfsvollen Ausdruck in den hellen Augen, als sie leicht nach vorn gestupst wurde. <i>„Deswegen wärst du eigentlich die bessere Wahl, meinst du nicht? Aber gut, ich opfere mich natürlich für dich, wenn du zu viel Angst hast.“</i> Ein schelmisches Lächeln galt der anderen Frau, dann drehte sie sich herum, steuerte auf den alten Mann zu und setzte das charmanteste Lächeln auf, das sie zu Stande bringen konnte. Die Augen des Fremden legten sich skeptisch auf sie, als Shanaya näher an ihn heran getreten war. „Hallo!“ Ihre Worte wurden weiter von dem Lächeln und dabei von einem vollkommen unschuldigem Ton untermalt. <i>„Wir würden uns gern ein wenig Wissen aneignen, dürfen wir in ihre Bibliothek? Also.. das ist doch Ihre, oder? Sie passen hier so aufmerksam auf…!“</i> </font>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Find the lady of the light]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1292</link>
			<pubDate>Sat, 07 Sep 2024 16:04:55 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=9">Liam Casey</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Find the lady of the light</div>
<br />
<font size=1>Nacht des 28. Juni 1822 <br />
Skadi Nordskov & Liam Casey</font></center><br />
<br />
...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Find the lady of the light</div>
<br />
<font size=1>Nacht des 28. Juni 1822 <br />
Skadi Nordskov & Liam Casey</font></center><br />
<br />
...]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[He rhymed about her grace]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1291</link>
			<pubDate>Sat, 07 Sep 2024 15:57:33 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=9">Liam Casey</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1291</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">He rhymed about her grace</div>
<br />
<font size=1>Abend des 26. Juni 1822 <br />
Lucien Dravean & Liam Casey</font></center><br />
<br />
...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">He rhymed about her grace</div>
<br />
<font size=1>Abend des 26. Juni 1822 <br />
Lucien Dravean & Liam Casey</font></center><br />
<br />
...]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[We're someone's mistakes]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1290</link>
			<pubDate>Sat, 07 Sep 2024 15:44:02 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=49">Alex Mason</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1290</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">We're someone's mistakes</div>
<br />
<font size=1>Mittag des 30. Mai 1822 <br />
Lucien Dravean & Alex Mason</font></center><br />
<br />
...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">We're someone's mistakes</div>
<br />
<font size=1>Mittag des 30. Mai 1822 <br />
Lucien Dravean & Alex Mason</font></center><br />
<br />
...]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[When bait and lures don't work]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1288</link>
			<pubDate>Thu, 29 Aug 2024 18:06:25 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=20">Josiah Moggensten</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1288</guid>
			<description><![CDATA[<center>XXXXX</center><br />
<br />
<div style="text-align: left;" class="mycode_align"><blockquote><div class="Trevor">Für den (normalerweise hoffentlich unwahrscheinlichen, aber hier hoffentlich zutreffenden) Fall, dass ein Auftragsmörder seinen wohlverdienten Wochenends-Angelausflug in einem kleinen Boot vor den Klippen von Ritu verbrachte, konnte er an diesem Tag drei Dinge in Folge hören:<br />
<br />
Erstens, einen Ruf, undeutlich und weit weg.<br />
<br />
Zweitens, ein Platschen, immer noch weit entfernt, aber schon auffällig genug, um vielleicht ärgerlich den Kopf zu wenden und sich unter dem Bart über die an den Bug schwappenden Wellen zu beschweren, die bestimmt sämtliche Fische verjagten.<br />
Drittens, Stille. Gut, ob man die hören kann ist debattierbar, aber sie dauerte eine ganze Weile lang an und Auftragsmörder achten bestimmt auf so etwas.<br />
<br />
Drittens-wenn-Stille-nicht-zählt, einen dumpfen Stoß am Bootsrumpf. Dann ein Platschen, ein Klatschen, eine Hand am Dollbord, im nächsten Moment rumpelte und ruckelte das ganze Boot, Wasser schwappte über die Planken und mit ihm ein pitschnasser Pirat – vielleicht auch ein sehr großer, etwas unförmiger Fisch, zumindest zappelte er genauso, bis er all seine Arme und Beine sortiert bekam, und waren das Algen in seinen (Nasen-)Haaren? <br />
Aber nein, es war ein Mensch: Trevor hatte eine Harpune in der Hand und ein sehr breites Grinsen im Gesicht, als er sich schließlich dem Auftragsmörder-(hoffentlich)-im-Urlaub gegenüber auf die Ruderbank verfrachtete. Er war ein bisschen außer Atem. <br />
<br />
„<i>Josi! Du wolltest doch nicht ohne mich das Seeungeheuer jagen gehen?</i>“</div></blockquote></div>
<br />
<br />
<br />
<div style="text-align: right;" class="mycode_align"><blockquote><div class="Josiah">
Es war ein farbloser, kalter Sonnenuntergang. Blau und gelb hatte sich ineinander verwaschen wie zwei Tropfen Farbe, die Opfer des Wasserglases eines Kindes geworden waren. Jetzt kämpften nur die letzten Sonnenstrahlen noch am Horizont, nicht mehr lange, und die Dämmerung würde sich über dem Himmel ausbreiten. Aber der Himmel war klar, die Luft noch warm und das Wasser ruhig.<br />
<br />
Josiahs kleines Ruderboot schwankte sanft über einem Riff unweit der Küste von Rita. Er hatte der Insel den Rücken zugekehrt, den Blick aufs Meer gerichtet, wo noch vereinzelnte Fischerboote ihre Segel hissten, um sich auf den Heimweg zu machen. Seinen Kopf leicht zur Seite geneigt, den Rücken nach hinten gelehnt und die Beine lang ausgestreckt. Vor ihm im Boot, zwischen seinen Stiefeln, lagen die Harpune, gezäumt von Messern und einem Seil. Weiter vorne der Eimer mit dem Deckel, neben einem Stoffhaufen in der Mitte. Er hatte die Fackeln in Leinen gewickelt, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen. Die Laterne vorne am Bug des kleinen Ruderbootes flackerte aber bereits schwach. <br />
<br />
Als Bild wäre die Szenerie wohl als "Stille" beschrieben worden. Wäre da nicht das Platschen, Planschen und Gegröle gewesen, dass Josiah mit aller Geflissenheit ignoriert hatte und stattdessen ganz, ganz, ganz konzentriert sich mit Blick weg von allem, was sich auf ihn zubewegen könnte, auf den Sonnenuntergang konzentrierte. Die Mine leicht zerknirscht, die Aufmerksamkeit trotz allem auf das was hinter ihm lag gerichtet. Es war wieder "Still" geworden, aber Josiah wagte es kaum, sie "Stille" zu nennen. Es war lediglich das Fehler jeglicher Geräusche. Das Innehalten kurz vor dem Chaos. Das Erstarren eines jungen Katzentieres, bevor es einem ins Gesicht sprang.<br />
<br />
Dann ein dumpfes Aufschlagen, als etwas gegen den Rumpf stieß. Es platsche. Das Boot erzitterte, und das Zittern wurde zu einem Schaukeln als sich eine Hand über die Reling schob. Josiah spielte kurz mit den Gedanken, was passieren würde, wenn er jetzt eines seiner Messer griff und sie durch den Handrücken jagte. Dann tauchte auch schon Trevor auf.<br />
Josiah verzog die Mine, als der junge Mann sich geschickt in das Boot hinein hievte. Wasser tropfte ihn aus seinen Haaren, seinen Klamotten, seinem "überall". Josiah brachte mit einem gezielten Tritt die Fackeln in Sicherheit.<br />
<br />
"<i>Trevor.</i>" Er schaffte es nicht, Begeisterung in seine Stimme zu bringen. "<i>Wie könnte ich nur.</i>"<br />
<br />
Er neigte den Kopf leicht zur Seite, begutachtete die Harpune. Still schwimmen oder geschickt tauchen konnte Trevor ja wenigstens schonmal. Aber mit Harpunen umgehen?<br />
<br />
"<i>Kannst du damit umgehen oder hast du sie bloß gefunden und als spaßig abgetan?</i>", erkundigte er sich schließlich.<br />
</div></blockquote></div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center>XXXXX</center><br />
<br />
<div style="text-align: left;" class="mycode_align"><blockquote><div class="Trevor">Für den (normalerweise hoffentlich unwahrscheinlichen, aber hier hoffentlich zutreffenden) Fall, dass ein Auftragsmörder seinen wohlverdienten Wochenends-Angelausflug in einem kleinen Boot vor den Klippen von Ritu verbrachte, konnte er an diesem Tag drei Dinge in Folge hören:<br />
<br />
Erstens, einen Ruf, undeutlich und weit weg.<br />
<br />
Zweitens, ein Platschen, immer noch weit entfernt, aber schon auffällig genug, um vielleicht ärgerlich den Kopf zu wenden und sich unter dem Bart über die an den Bug schwappenden Wellen zu beschweren, die bestimmt sämtliche Fische verjagten.<br />
Drittens, Stille. Gut, ob man die hören kann ist debattierbar, aber sie dauerte eine ganze Weile lang an und Auftragsmörder achten bestimmt auf so etwas.<br />
<br />
Drittens-wenn-Stille-nicht-zählt, einen dumpfen Stoß am Bootsrumpf. Dann ein Platschen, ein Klatschen, eine Hand am Dollbord, im nächsten Moment rumpelte und ruckelte das ganze Boot, Wasser schwappte über die Planken und mit ihm ein pitschnasser Pirat – vielleicht auch ein sehr großer, etwas unförmiger Fisch, zumindest zappelte er genauso, bis er all seine Arme und Beine sortiert bekam, und waren das Algen in seinen (Nasen-)Haaren? <br />
Aber nein, es war ein Mensch: Trevor hatte eine Harpune in der Hand und ein sehr breites Grinsen im Gesicht, als er sich schließlich dem Auftragsmörder-(hoffentlich)-im-Urlaub gegenüber auf die Ruderbank verfrachtete. Er war ein bisschen außer Atem. <br />
<br />
„<i>Josi! Du wolltest doch nicht ohne mich das Seeungeheuer jagen gehen?</i>“</div></blockquote></div>
<br />
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<div style="text-align: right;" class="mycode_align"><blockquote><div class="Josiah">
Es war ein farbloser, kalter Sonnenuntergang. Blau und gelb hatte sich ineinander verwaschen wie zwei Tropfen Farbe, die Opfer des Wasserglases eines Kindes geworden waren. Jetzt kämpften nur die letzten Sonnenstrahlen noch am Horizont, nicht mehr lange, und die Dämmerung würde sich über dem Himmel ausbreiten. Aber der Himmel war klar, die Luft noch warm und das Wasser ruhig.<br />
<br />
Josiahs kleines Ruderboot schwankte sanft über einem Riff unweit der Küste von Rita. Er hatte der Insel den Rücken zugekehrt, den Blick aufs Meer gerichtet, wo noch vereinzelnte Fischerboote ihre Segel hissten, um sich auf den Heimweg zu machen. Seinen Kopf leicht zur Seite geneigt, den Rücken nach hinten gelehnt und die Beine lang ausgestreckt. Vor ihm im Boot, zwischen seinen Stiefeln, lagen die Harpune, gezäumt von Messern und einem Seil. Weiter vorne der Eimer mit dem Deckel, neben einem Stoffhaufen in der Mitte. Er hatte die Fackeln in Leinen gewickelt, um sie vor Feuchtigkeit zu schützen. Die Laterne vorne am Bug des kleinen Ruderbootes flackerte aber bereits schwach. <br />
<br />
Als Bild wäre die Szenerie wohl als "Stille" beschrieben worden. Wäre da nicht das Platschen, Planschen und Gegröle gewesen, dass Josiah mit aller Geflissenheit ignoriert hatte und stattdessen ganz, ganz, ganz konzentriert sich mit Blick weg von allem, was sich auf ihn zubewegen könnte, auf den Sonnenuntergang konzentrierte. Die Mine leicht zerknirscht, die Aufmerksamkeit trotz allem auf das was hinter ihm lag gerichtet. Es war wieder "Still" geworden, aber Josiah wagte es kaum, sie "Stille" zu nennen. Es war lediglich das Fehler jeglicher Geräusche. Das Innehalten kurz vor dem Chaos. Das Erstarren eines jungen Katzentieres, bevor es einem ins Gesicht sprang.<br />
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Dann ein dumpfes Aufschlagen, als etwas gegen den Rumpf stieß. Es platsche. Das Boot erzitterte, und das Zittern wurde zu einem Schaukeln als sich eine Hand über die Reling schob. Josiah spielte kurz mit den Gedanken, was passieren würde, wenn er jetzt eines seiner Messer griff und sie durch den Handrücken jagte. Dann tauchte auch schon Trevor auf.<br />
Josiah verzog die Mine, als der junge Mann sich geschickt in das Boot hinein hievte. Wasser tropfte ihn aus seinen Haaren, seinen Klamotten, seinem "überall". Josiah brachte mit einem gezielten Tritt die Fackeln in Sicherheit.<br />
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"<i>Trevor.</i>" Er schaffte es nicht, Begeisterung in seine Stimme zu bringen. "<i>Wie könnte ich nur.</i>"<br />
<br />
Er neigte den Kopf leicht zur Seite, begutachtete die Harpune. Still schwimmen oder geschickt tauchen konnte Trevor ja wenigstens schonmal. Aber mit Harpunen umgehen?<br />
<br />
"<i>Kannst du damit umgehen oder hast du sie bloß gefunden und als spaßig abgetan?</i>", erkundigte er sich schließlich.<br />
</div></blockquote></div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[The heart against the mind]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1246</link>
			<pubDate>Fri, 05 Apr 2024 11:12:41 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1246</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">The heart against the mind </div>
<br />
<font size=1>Abend des 05. Juli 1822 <br />
Shanaya Árashi & Talin Dravean</font></center><br />
<br />
<font color=royalblue>Mit einer skeptischen Miene betrachtete Shanaya die feinen Linien auf dem Papier, das vor ihr lag. <i>„Wenn ich überlege, wie oft du gemein zu mir warst, müsste ich dir eigentlich eine riesige Nase zeichnen.“</i> Ein amüsiertes Lachen schwang in der Stimme der Schwarzhaarigen mit, ehe sie die blauen Augen mit einem vielsagenden Ausdruck zu Talin hob, ihn prüfend über den Körper der Blonden wandern ließ. <i>„Oder ich lasse deine Brüste weg.“</i> Damit legte sich ihr Blick wieder auf das Papier, auf dem sie nun die Wölbung von Talins Brust ausbesserte. <i>„Hast du ein Glück, dass ich so ein großherziger Mensch bin.“</i> Ein erneutes Lachen, womit die Schwarzhaarige ihren Rücken ein wenig durchstreckte, die blauen Augen dann wieder zu Talin wandern ließ. <i>„Ich sollte viel öfter anderes als nur Karten zeichnen, das ist irgendwie in letzter Zeit auf der Strecke geblieben.“</i></font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Ihr Blick huschte über das Meer und die langsam untergehende Sonne, bevor sie die Augen schloss und den Wind über ihre Haut streicheln spürte. Nur Sekunden danach öffnete sie diese schon wieder, allein, um das Gleichgewicht zu halten. Bei Wellengang – und sei er noch so leicht – auf der Reling zu liegen und die Augen zuschließen, dass war selbst ihr dann zu unsicher. Nicht, dass es schlimm gewesen wäre, wenn sie doch fiel. Es würde keine Lage Stoff an ihr geben, die sie mit ihrer schwere im Wasser nach unten ziehen würden. Vielleicht sollte sie es einfach wagen und sich doch fallen lassen. Nackt schwimmen war auf jeden Fall etwas, worauf sie Lust hätte. <br />
Shanayas Stimme lenkte Talin von ihren Gedanken ab und sie lächelte leicht, als sie die Augen wieder schloss und das leichte Schaukeln des Schiffes damit ausglich, dass sie sich mit beiden Händen an der Reling festhielt. <i>„Ich war noch nie gemein zu dir. Das ist liebevolles Necken und zeigt nur wie gern ich dich habe.“</i> Sie öffnete ein Auge und schielte zu der Dunkelhaarigen herüber. Sie versuchte einen einschüchternden Blick, schaffte es aber nicht. Stattdessen streckte sie sich lasziv. <i>„Und oberflächlich wie ich bin, wäre ich dir dankbar, du würdest mir eher eine lange Nase zeichnen, als mir meine Brüste zu nehme. Ich bin doch recht stolz auf sie. Die Nase nimmt meiner Schönheit nichts.“</i> Sie lachte leise und drehte schließlich den Kopf wieder gänzlich in Richtung der Navigatorin. <i>„Warum hast du in letzter Zeit so wenig gezeichnet? Karten einmal außen vor gelassen.“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Als Talin antwortete, hob Shanaya leicht eine Augenbraue an, bedachte die Blonde mit einem vielsagenden Blick. „Natürlich ist es das.“ Ein Lachen schwang in ihrer Stimme mit. Wenn sie einem der weiblichen Crewmitglieder Glauben schenkte, dann noch Talin. Auch wenn die Blonde zu gern ein… gewisses Thema ansprach. Den Blick ihrer Freundin erwiderte sie dann mit einem amüsierten Schmunzeln, wog den Kopf zu beiden Seiten, als müsse sie über ihre Antwort kurz nachdenken. <i>„Wenn du weiter so frech bist, lasse ich deine Brüste weg UND zeichne dir eine riesige Nase. Dann sprechen wir nochmal.“</i> Die andere Frau musste ja nicht wissen, dass sie beide Attribute schon längst in normaler Anzahl und Größe bekommen hatte. Die nächste Frage ihres Gegenübers ließ sie dann aber wirklich einen Moment nachdenken. <i>„Gute Frage… ich denke, andere Prioritäten?“</i> Es hatte immer viel zu tun gegeben und sie nahm sich für so etwas gern viel Zeit. Das hatte in der letzten Zeit einfach irgendwie nirgends hin gepasst. </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Neugierig sah sie die junge Navigatorin an, während gleichzeitig der Schalk in ihren Augen tanzte. Für einen Moment war sie hin und her gerissen, ob sie nicht doch weiter frech sein wollte. <i>„Andere Prioritäten, hm?“</i> Sie ließ es anzüglich klingen, aber wusste doch, dass Shanaya recht hatte. Sie alle hatten in letzter Zeit andere Prioritäten gehabt, als sich mit Zeichnen, Musik oder sonstigen Dingen zu beschäftigen, denen man so nachgehen konnte. Natürlich war immer mal wieder Zeit, aber für so zeitaufwendige Tätigkeiten wie das Malen? Es kam wohl immer wieder etwas dazwischen. Sie dachte kurz nach und lächelte dann ehrlich. <i>„Ich bin dir dann wohl dankbar, dass du lieber mich zeichnest, als eine weitere Karte, wo du einmal für so etwas Zeit hast.“</i> Sie räkelte sich wieder – so auf Dauer war die Reling nun auch nicht besonders bequem – und die Belustigung kehrte in ihre Augen zurück. <i>„Ich werde jetzt frech sein, als nimm mir ruhig meine Brüste und mal mir eine große … Nase, wo auch immerhin. Wie sieht es zwischen dir und Lucien aus?“</i> Sie überlegte selbst, ob sie inzwischen fragte, um sich selbst zu geißeln oder um irgendwie eine Verbindung zu ihm zu haben, nachdem er sich ihr gegenüber wieder einmal völlig rar gemacht hatte. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Talins Nachfrage ließ nicht lang auf sich warten – und schon nach diesen Worten wusste Shanaya, was folgen würde. Sie seufzte lautlos, führte damit eine Linie auf ihrem Papier nach und hob daraufhin die blauen Augen zu der anderen Frau, ohne den Kopf zu bewegen. Zuerst drückte die Blonde jedoch ihre Dankbarkeit aus, was Shanaya skeptisch machte, aber sie wog mit einer zustimmenden Geste leicht den Kopf. Zeit für eine Antwort blieb ihr jedoch nicht, denn nur wenige Herzschläge später sprach Talin weiter – und bestätigte damit den Verdacht, den Shanaya gehegt hatte. Und sie musste sich nicht einmal fragen, wie ihre Freundin so plötzlich auf dieses Thema zu sprechen kam. Nun war ihr Seufzen nicht ganz so lautlos. Die blauen Augen legten sich auf die Blonde, ein ruhiger Ausdruck auf den Zügen. <i>„Je öfter du das fragst, desto mehr frage ich mich, wieso. Ich kriege langsam wirklich den Verdacht, dass du Angst hast, dass ich ihn dir wegnehme.“</i> Ein amüsiertes Lächeln lag auf ihren Lippen. Mal sehen, wie Talin damit umging, wenn sie ihr den Ball zurück spielte. <i>„Aber keine Sorge, das habe ich nicht vor.“</i> Eine genauere Antwort blieb erst einmal aus. </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Die sadistische Seite in ihr – und sie wusste sehr genau, dass sie so eine besaß – mochte es Shanaya mit Lucien auf die Nerven zu gehen. Gleichzeitig regte das wohl auch ihre masochistische Seite in ihr an, denn sie wollte gar nicht wissen, wie die Dunkelhaarige zu ihrem Bruder stand – nicht wirklich. Vielleicht war es doch Selbstschutz. 'Bring sie dazu es zuzugeben, damit du dich auf das schlimmste vorbereiten kannst.' Doch diesmal war das nur die halbe Wahrheit. <br />
Talin kopierte Shanayas Seufzer und sie drehte leicht den Kopf, um wieder in den Himmel zu starren, mit halben Blick auf das Wasser am Horizont. <i>„Auch wenn du sonst damit recht haben magst, weil ich ihn wirklich ungern hergeben möchte, hat es wohl mehr damit zu tun, wie er dir vorkommt, was er dir erzählt. Oder besser wie es ihm geht. Einsilbige Antworten und der Versuch mir so gut wie immer auszuweichen, helfen nicht dabei 'Geschwisterliche Bande' wieder herzustellen.“</i> Als sie den Kopf diesmal zurück zu Shanaya drehte, lag in ihrem Blick nichts als Ernsthaftigkeit. Es war ein großer Vertrauensbeweise an die Schwarzhaarige, dass Talin ihre Sorge und die Entzweiung ansprach, die sie und Lucien gerade durchmachten. Und auch jetzt musste sie gegen den Kloß in ihrem Hals schlucken und ihr viel zu schnell schlagendes Herz im Zaum halten.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Ohne etwas davon auszusprechen, fragte Shanaya sich, was die andere Frau mit dieser ständigen Fragerei bezweckte. Welches Ziel verfolgte sie damit? Eigentlich hatte sie hier nur entspannt sitzen wollen, endlich Mal wieder etwas zeichnen… Von diesem Gedanken konnte sie sich vermutlich erst einmal verabschieden. Sie beobachtete, wie Talin den Blick wieder gen Himmel richtete, hatte die kurze Hoffnung, sie könne sich nun wieder auf ihre Zeichnung konzentrieren. Bis die Blonde wieder zu sprechen begann und Shanaya nun ihrerseits die Augen schließen ließ. Ob diese Worte sie Überwindung kosteten? Auch wenn sie noch nicht ganz verstand, wieso ihre Freundin Angst hatte, ihren Bruder an Shanaya zu verlieren. Darüber musste sie sich wirklich keine Gedanken machen. <i>„Er hat mich darauf angesprochen, dass zwischen uns nicht mehr sein wird als das, was es jetzt ist. Und da ich da nie von ausgegangen bin…“</i> Einen Moment lauschte die Schwarzhaarige in sich selbst hinein, ehe sie weiter sprach, den Blick ihres Gegenübers erwidernd. <i>„Den Rest muss er dir wohl selbst erzählen. Ich vermute, du hast schon versucht, ihn darauf anzusprechen?“</I> </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Gebannt wartete sie darauf, dass die Dunkelhaarige ihr Antworten gab, die sie von keiner anderen Quelle beziehen konnte. Nicht einmal von der Person selbst, von der sie es hören wollte. Vielleicht gar nicht mehr von dieser Person. Ein Stich in ihrem Herzen sagte ihr, dass sie das nicht so stehen lassen konnte, dass sie etwas tun musste, damit es wieder besser zwischen ihnen wurde. Aber egal, wie sehr sie ihren Kopf auch anstrengte, ein kleiner – sehr, sehr kindischer – Teil von ihr, wollte das Lucien auf sie zu kam, und mit ihr sprach. Und sie nicht um fünf Ecken fragen musste, wie es ihm ging. Aber offensichtlich war das im Moment einfach zu viel verlangt. Sie stieß einen Seufzer aus, der so tief, wie die tiefste, dunkelste Stelle im Meer war. <i>„Das ist zwar nett, dass du mir das sagst, aber gerade das Problem mit dem Ansprechen ist ja vorhanden. Auf meine etwas unbeholfene Art dich auf meinen Bruder anzusprechen, möchte ich vermutlich nur wissen, ob du weißt, wie es ihm geht. Also, nicht nur, wie er zu dir steht, sondern auch wie es sonst um ihn steht...,“</I> sie druckste so sehr rum, dass sie sich frustriert durchs Haar fuhr und fast das Gleichgewicht auf der Reling verlor. <i>„Verstehst du, was ich meine?“</i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Talin verwirrte die Schwarzhaarige auf so viele verschiedene Weisen. Wieso fragte sie sie das und nicht Lucien selbst? Wieso sprach die Blonde wieder und wieder dieses Thema an? Diese und viele andere Fragen gingen der jungen Frau durch den Kopf, auf die sie so schnell vermutlich keine Antwort bekommen würde. Shanaya hob eine Augenbraue, musterte ihr Gegenüber ein wenig genauer, längst nicht mehr auf die Zeichnung fokussiert. „Wieso… fragst du ihn das nicht einfach?“ Der fragende Ausdruck von zuvor blieb in den blauen Augen bestehen. <i>„Ich fürchte, er würde uns beiden bei der selben Frage eine andere Antwort geben.“</i> Nur, um noch mehr Verwirrung zu schüren. <i>„Also nein… so richtig verstehe ich es nicht.“</I> Hier musste die Schwarzhaarige ehrlich sein. Wenn sie etwas wissen wollte, sprach sie denjenigen an. <i>„Oder verheimlichst du mir etwas dazu, was meine Verwirrung darüber lösen würde?“</I> Ein Puzzleteil, das ihr half, ein wenig dazu beitrug, wieso Talin sich verhielt, wie sie es eben tat.</font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Shanayas verwirrter Ausdruck half Talin nicht gerade dabei sich wieder zu beruhigen. Nun, eigentlich war sie ruhig, aber innerlich spürte sie, wie Frust aufstieg. Immer Höher und Höher, bis sie sich frustriert durch das Haar fuhr und ein Schnauben ausstieß. Sie konnte das besser, das wusste sie. Sie konnte Menschen mitteilen, was sie wollte, ohne dass sie es direkt aussprach. Doch in diesem Falle schien sie zu versagen. Oder die Navigatorin war einfach ein Stück Treibholz, was das anging. Talin war bei diesem Gedanken nicht einmal nach Lachen zu Mute. Sie fuhr sich nur noch einmal durch das Haar, bevor sie schließlich wieder den Blick auf das andere Mädchen richtete. <i>„Er spricht nicht mit mir. Nicht so, wie ich es wollte oder er es sogar sollte. Wenn es gut läuft, verhält er sich wie ein entfernter Bekannter, der einmal grüßt, aber ansonsten geht er mir wenn möglich aus dem Weg. Ich bin ein bisschen verzweifelt, deshalb frage ich dich, wenn auch offensichtlich umständlich, ob du weißt, wie es ihm geht.“</i> Den letzten Teil presste sie etwas unwillig zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurch.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya hörte das Schnauben der anderen Frau, war jedoch irgendwie ratlos. Sie beobachtete die Blonde, wie sie sich durch die Haare fuhr, wie sie vielleicht immer noch nach Worten suchte, um sich zu erklären. Was sie schließlich hervor brachte, ließ Shanaya leicht die Mundwinkel verziehen, grüblerisch. <i>„Das habe ich soweit verstanden… aber ich verstehe nicht, wieso du das nicht bei ihm ansprichst? Hau auf den Tisch, wenn es dich stört?“</i> Wenn sie sich nicht einmal ‚traute‘ ihren Bruder zu fragen, wie es ihm ging… Und für sie erschien ihr das wie die einfachste Lösung. Die junge Frau zuckte locker mit den Schultern. <i>„Ansonsten ist er, denke ich, in Ordnung…?“</I> Sie alle waren kleine Geheimnisbrödler, die nicht unbedingt offen zueinander waren. Und wer wusste das über Lucien besser als seine Schwester? Auch, wenn er nur sporadisch mit ihr zu sprechen schien. <i>„Viel mehr kann ich dir, fürchte ich, nicht sagen.“</i></font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">The heart against the mind </div>
<br />
<font size=1>Abend des 05. Juli 1822 <br />
Shanaya Árashi & Talin Dravean</font></center><br />
<br />
<font color=royalblue>Mit einer skeptischen Miene betrachtete Shanaya die feinen Linien auf dem Papier, das vor ihr lag. <i>„Wenn ich überlege, wie oft du gemein zu mir warst, müsste ich dir eigentlich eine riesige Nase zeichnen.“</i> Ein amüsiertes Lachen schwang in der Stimme der Schwarzhaarigen mit, ehe sie die blauen Augen mit einem vielsagenden Ausdruck zu Talin hob, ihn prüfend über den Körper der Blonden wandern ließ. <i>„Oder ich lasse deine Brüste weg.“</i> Damit legte sich ihr Blick wieder auf das Papier, auf dem sie nun die Wölbung von Talins Brust ausbesserte. <i>„Hast du ein Glück, dass ich so ein großherziger Mensch bin.“</i> Ein erneutes Lachen, womit die Schwarzhaarige ihren Rücken ein wenig durchstreckte, die blauen Augen dann wieder zu Talin wandern ließ. <i>„Ich sollte viel öfter anderes als nur Karten zeichnen, das ist irgendwie in letzter Zeit auf der Strecke geblieben.“</i></font><br />
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<font color=#66CDAA>Ihr Blick huschte über das Meer und die langsam untergehende Sonne, bevor sie die Augen schloss und den Wind über ihre Haut streicheln spürte. Nur Sekunden danach öffnete sie diese schon wieder, allein, um das Gleichgewicht zu halten. Bei Wellengang – und sei er noch so leicht – auf der Reling zu liegen und die Augen zuschließen, dass war selbst ihr dann zu unsicher. Nicht, dass es schlimm gewesen wäre, wenn sie doch fiel. Es würde keine Lage Stoff an ihr geben, die sie mit ihrer schwere im Wasser nach unten ziehen würden. Vielleicht sollte sie es einfach wagen und sich doch fallen lassen. Nackt schwimmen war auf jeden Fall etwas, worauf sie Lust hätte. <br />
Shanayas Stimme lenkte Talin von ihren Gedanken ab und sie lächelte leicht, als sie die Augen wieder schloss und das leichte Schaukeln des Schiffes damit ausglich, dass sie sich mit beiden Händen an der Reling festhielt. <i>„Ich war noch nie gemein zu dir. Das ist liebevolles Necken und zeigt nur wie gern ich dich habe.“</i> Sie öffnete ein Auge und schielte zu der Dunkelhaarigen herüber. Sie versuchte einen einschüchternden Blick, schaffte es aber nicht. Stattdessen streckte sie sich lasziv. <i>„Und oberflächlich wie ich bin, wäre ich dir dankbar, du würdest mir eher eine lange Nase zeichnen, als mir meine Brüste zu nehme. Ich bin doch recht stolz auf sie. Die Nase nimmt meiner Schönheit nichts.“</i> Sie lachte leise und drehte schließlich den Kopf wieder gänzlich in Richtung der Navigatorin. <i>„Warum hast du in letzter Zeit so wenig gezeichnet? Karten einmal außen vor gelassen.“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Als Talin antwortete, hob Shanaya leicht eine Augenbraue an, bedachte die Blonde mit einem vielsagenden Blick. „Natürlich ist es das.“ Ein Lachen schwang in ihrer Stimme mit. Wenn sie einem der weiblichen Crewmitglieder Glauben schenkte, dann noch Talin. Auch wenn die Blonde zu gern ein… gewisses Thema ansprach. Den Blick ihrer Freundin erwiderte sie dann mit einem amüsierten Schmunzeln, wog den Kopf zu beiden Seiten, als müsse sie über ihre Antwort kurz nachdenken. <i>„Wenn du weiter so frech bist, lasse ich deine Brüste weg UND zeichne dir eine riesige Nase. Dann sprechen wir nochmal.“</i> Die andere Frau musste ja nicht wissen, dass sie beide Attribute schon längst in normaler Anzahl und Größe bekommen hatte. Die nächste Frage ihres Gegenübers ließ sie dann aber wirklich einen Moment nachdenken. <i>„Gute Frage… ich denke, andere Prioritäten?“</i> Es hatte immer viel zu tun gegeben und sie nahm sich für so etwas gern viel Zeit. Das hatte in der letzten Zeit einfach irgendwie nirgends hin gepasst. </font><br />
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<font color=#66CDAA>Neugierig sah sie die junge Navigatorin an, während gleichzeitig der Schalk in ihren Augen tanzte. Für einen Moment war sie hin und her gerissen, ob sie nicht doch weiter frech sein wollte. <i>„Andere Prioritäten, hm?“</i> Sie ließ es anzüglich klingen, aber wusste doch, dass Shanaya recht hatte. Sie alle hatten in letzter Zeit andere Prioritäten gehabt, als sich mit Zeichnen, Musik oder sonstigen Dingen zu beschäftigen, denen man so nachgehen konnte. Natürlich war immer mal wieder Zeit, aber für so zeitaufwendige Tätigkeiten wie das Malen? Es kam wohl immer wieder etwas dazwischen. Sie dachte kurz nach und lächelte dann ehrlich. <i>„Ich bin dir dann wohl dankbar, dass du lieber mich zeichnest, als eine weitere Karte, wo du einmal für so etwas Zeit hast.“</i> Sie räkelte sich wieder – so auf Dauer war die Reling nun auch nicht besonders bequem – und die Belustigung kehrte in ihre Augen zurück. <i>„Ich werde jetzt frech sein, als nimm mir ruhig meine Brüste und mal mir eine große … Nase, wo auch immerhin. Wie sieht es zwischen dir und Lucien aus?“</i> Sie überlegte selbst, ob sie inzwischen fragte, um sich selbst zu geißeln oder um irgendwie eine Verbindung zu ihm zu haben, nachdem er sich ihr gegenüber wieder einmal völlig rar gemacht hatte. </font><br />
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<font color=royalblue>Talins Nachfrage ließ nicht lang auf sich warten – und schon nach diesen Worten wusste Shanaya, was folgen würde. Sie seufzte lautlos, führte damit eine Linie auf ihrem Papier nach und hob daraufhin die blauen Augen zu der anderen Frau, ohne den Kopf zu bewegen. Zuerst drückte die Blonde jedoch ihre Dankbarkeit aus, was Shanaya skeptisch machte, aber sie wog mit einer zustimmenden Geste leicht den Kopf. Zeit für eine Antwort blieb ihr jedoch nicht, denn nur wenige Herzschläge später sprach Talin weiter – und bestätigte damit den Verdacht, den Shanaya gehegt hatte. Und sie musste sich nicht einmal fragen, wie ihre Freundin so plötzlich auf dieses Thema zu sprechen kam. Nun war ihr Seufzen nicht ganz so lautlos. Die blauen Augen legten sich auf die Blonde, ein ruhiger Ausdruck auf den Zügen. <i>„Je öfter du das fragst, desto mehr frage ich mich, wieso. Ich kriege langsam wirklich den Verdacht, dass du Angst hast, dass ich ihn dir wegnehme.“</i> Ein amüsiertes Lächeln lag auf ihren Lippen. Mal sehen, wie Talin damit umging, wenn sie ihr den Ball zurück spielte. <i>„Aber keine Sorge, das habe ich nicht vor.“</i> Eine genauere Antwort blieb erst einmal aus. </font><br />
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<font color=#66CDAA>Die sadistische Seite in ihr – und sie wusste sehr genau, dass sie so eine besaß – mochte es Shanaya mit Lucien auf die Nerven zu gehen. Gleichzeitig regte das wohl auch ihre masochistische Seite in ihr an, denn sie wollte gar nicht wissen, wie die Dunkelhaarige zu ihrem Bruder stand – nicht wirklich. Vielleicht war es doch Selbstschutz. 'Bring sie dazu es zuzugeben, damit du dich auf das schlimmste vorbereiten kannst.' Doch diesmal war das nur die halbe Wahrheit. <br />
Talin kopierte Shanayas Seufzer und sie drehte leicht den Kopf, um wieder in den Himmel zu starren, mit halben Blick auf das Wasser am Horizont. <i>„Auch wenn du sonst damit recht haben magst, weil ich ihn wirklich ungern hergeben möchte, hat es wohl mehr damit zu tun, wie er dir vorkommt, was er dir erzählt. Oder besser wie es ihm geht. Einsilbige Antworten und der Versuch mir so gut wie immer auszuweichen, helfen nicht dabei 'Geschwisterliche Bande' wieder herzustellen.“</i> Als sie den Kopf diesmal zurück zu Shanaya drehte, lag in ihrem Blick nichts als Ernsthaftigkeit. Es war ein großer Vertrauensbeweise an die Schwarzhaarige, dass Talin ihre Sorge und die Entzweiung ansprach, die sie und Lucien gerade durchmachten. Und auch jetzt musste sie gegen den Kloß in ihrem Hals schlucken und ihr viel zu schnell schlagendes Herz im Zaum halten.</font><br />
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<font color=royalblue>Ohne etwas davon auszusprechen, fragte Shanaya sich, was die andere Frau mit dieser ständigen Fragerei bezweckte. Welches Ziel verfolgte sie damit? Eigentlich hatte sie hier nur entspannt sitzen wollen, endlich Mal wieder etwas zeichnen… Von diesem Gedanken konnte sie sich vermutlich erst einmal verabschieden. Sie beobachtete, wie Talin den Blick wieder gen Himmel richtete, hatte die kurze Hoffnung, sie könne sich nun wieder auf ihre Zeichnung konzentrieren. Bis die Blonde wieder zu sprechen begann und Shanaya nun ihrerseits die Augen schließen ließ. Ob diese Worte sie Überwindung kosteten? Auch wenn sie noch nicht ganz verstand, wieso ihre Freundin Angst hatte, ihren Bruder an Shanaya zu verlieren. Darüber musste sie sich wirklich keine Gedanken machen. <i>„Er hat mich darauf angesprochen, dass zwischen uns nicht mehr sein wird als das, was es jetzt ist. Und da ich da nie von ausgegangen bin…“</i> Einen Moment lauschte die Schwarzhaarige in sich selbst hinein, ehe sie weiter sprach, den Blick ihres Gegenübers erwidernd. <i>„Den Rest muss er dir wohl selbst erzählen. Ich vermute, du hast schon versucht, ihn darauf anzusprechen?“</I> </font><br />
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<font color=#66CDAA>Gebannt wartete sie darauf, dass die Dunkelhaarige ihr Antworten gab, die sie von keiner anderen Quelle beziehen konnte. Nicht einmal von der Person selbst, von der sie es hören wollte. Vielleicht gar nicht mehr von dieser Person. Ein Stich in ihrem Herzen sagte ihr, dass sie das nicht so stehen lassen konnte, dass sie etwas tun musste, damit es wieder besser zwischen ihnen wurde. Aber egal, wie sehr sie ihren Kopf auch anstrengte, ein kleiner – sehr, sehr kindischer – Teil von ihr, wollte das Lucien auf sie zu kam, und mit ihr sprach. Und sie nicht um fünf Ecken fragen musste, wie es ihm ging. Aber offensichtlich war das im Moment einfach zu viel verlangt. Sie stieß einen Seufzer aus, der so tief, wie die tiefste, dunkelste Stelle im Meer war. <i>„Das ist zwar nett, dass du mir das sagst, aber gerade das Problem mit dem Ansprechen ist ja vorhanden. Auf meine etwas unbeholfene Art dich auf meinen Bruder anzusprechen, möchte ich vermutlich nur wissen, ob du weißt, wie es ihm geht. Also, nicht nur, wie er zu dir steht, sondern auch wie es sonst um ihn steht...,“</I> sie druckste so sehr rum, dass sie sich frustriert durchs Haar fuhr und fast das Gleichgewicht auf der Reling verlor. <i>„Verstehst du, was ich meine?“</i></font><br />
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<font color=royalblue>Talin verwirrte die Schwarzhaarige auf so viele verschiedene Weisen. Wieso fragte sie sie das und nicht Lucien selbst? Wieso sprach die Blonde wieder und wieder dieses Thema an? Diese und viele andere Fragen gingen der jungen Frau durch den Kopf, auf die sie so schnell vermutlich keine Antwort bekommen würde. Shanaya hob eine Augenbraue, musterte ihr Gegenüber ein wenig genauer, längst nicht mehr auf die Zeichnung fokussiert. „Wieso… fragst du ihn das nicht einfach?“ Der fragende Ausdruck von zuvor blieb in den blauen Augen bestehen. <i>„Ich fürchte, er würde uns beiden bei der selben Frage eine andere Antwort geben.“</i> Nur, um noch mehr Verwirrung zu schüren. <i>„Also nein… so richtig verstehe ich es nicht.“</I> Hier musste die Schwarzhaarige ehrlich sein. Wenn sie etwas wissen wollte, sprach sie denjenigen an. <i>„Oder verheimlichst du mir etwas dazu, was meine Verwirrung darüber lösen würde?“</I> Ein Puzzleteil, das ihr half, ein wenig dazu beitrug, wieso Talin sich verhielt, wie sie es eben tat.</font><br />
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<font color=#66CDAA>Shanayas verwirrter Ausdruck half Talin nicht gerade dabei sich wieder zu beruhigen. Nun, eigentlich war sie ruhig, aber innerlich spürte sie, wie Frust aufstieg. Immer Höher und Höher, bis sie sich frustriert durch das Haar fuhr und ein Schnauben ausstieß. Sie konnte das besser, das wusste sie. Sie konnte Menschen mitteilen, was sie wollte, ohne dass sie es direkt aussprach. Doch in diesem Falle schien sie zu versagen. Oder die Navigatorin war einfach ein Stück Treibholz, was das anging. Talin war bei diesem Gedanken nicht einmal nach Lachen zu Mute. Sie fuhr sich nur noch einmal durch das Haar, bevor sie schließlich wieder den Blick auf das andere Mädchen richtete. <i>„Er spricht nicht mit mir. Nicht so, wie ich es wollte oder er es sogar sollte. Wenn es gut läuft, verhält er sich wie ein entfernter Bekannter, der einmal grüßt, aber ansonsten geht er mir wenn möglich aus dem Weg. Ich bin ein bisschen verzweifelt, deshalb frage ich dich, wenn auch offensichtlich umständlich, ob du weißt, wie es ihm geht.“</i> Den letzten Teil presste sie etwas unwillig zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurch.</font><br />
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<font color=royalblue>Shanaya hörte das Schnauben der anderen Frau, war jedoch irgendwie ratlos. Sie beobachtete die Blonde, wie sie sich durch die Haare fuhr, wie sie vielleicht immer noch nach Worten suchte, um sich zu erklären. Was sie schließlich hervor brachte, ließ Shanaya leicht die Mundwinkel verziehen, grüblerisch. <i>„Das habe ich soweit verstanden… aber ich verstehe nicht, wieso du das nicht bei ihm ansprichst? Hau auf den Tisch, wenn es dich stört?“</i> Wenn sie sich nicht einmal ‚traute‘ ihren Bruder zu fragen, wie es ihm ging… Und für sie erschien ihr das wie die einfachste Lösung. Die junge Frau zuckte locker mit den Schultern. <i>„Ansonsten ist er, denke ich, in Ordnung…?“</I> Sie alle waren kleine Geheimnisbrödler, die nicht unbedingt offen zueinander waren. Und wer wusste das über Lucien besser als seine Schwester? Auch, wenn er nur sporadisch mit ihr zu sprechen schien. <i>„Viel mehr kann ich dir, fürchte ich, nicht sagen.“</i></font>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[I'm on fire and you're the one holding the match]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1214</link>
			<pubDate>Mon, 31 Jul 2023 17:20:33 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1214</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">I'm on fire and you're the one holding the match</div>
<br />
<font size=1>Abend des 04. Juli 1822<br />
Lucien Dravean & Shanaya Árashi </font></center><br />
<font color=royalblue>Shanaya hatte sich das Stück Süßholz, das sie immer in ihrer Tasche mit sich herum trug, zwischen die Zähne gesteckt und kaute nachdenklich darauf herum. Die Tasche lag neben dem Tisch an dem sie saß, zusammen mit ihren Stiefeln, die blauen Augen blickten konzentriert auf das Stück Papier, das vor ihr auf dem Tisch lag. Sie hatte sich, nachdem sie diese Karte ‚erworben‘ hatte, nicht direkt darauf gestürzt. Damit hatte die junge Frau sich Zeit gelassen, hatte sowohl mit Talin als auch mit Lucien gesprochen, dass sie sich dafür in die Kajüte setzen würde, um nicht von irgendwelchen Fragen und Generve überhäuft zu werden. Und jetzt saß sie an besagtem Tisch, ein Bein angewinkelt und an den Körper gezogen, mit dem anderen Fuß lehnte sie sich gegen die Tischkante. Die Arme verschränkte ließ sie die hellen Augen immer wieder über die Karte wandern, beinahe jedes Sandkorn betrachtete sie einzeln. <i>„Es grenzt an ein Wunder, dass ich bis zu ‚Liams‘ Eiskarte noch nie von diesen Karten gehört habe.“</I> Sie sprach ruhig, ein bisschen zu sich selbst, vielleicht aber auch zu Lucien, der ihr in diesem Moment Gesellschaft leistete. Nachdenklich tippte Shanaya mit einem Finger auf ihrem Oberarm herum, drehte das Süßholz ein wenig mit der Zunge hin und her.<i> „Ich frage mich , was ich alles tun muss, um an die anderen Karten zu kommen… irgendwer verteidigt so eine Karte bestimmt mit seinem Leben.“</i> Damit hob sie, mit einem amüsierten Kichern, kurz den Blick zu ihrem Captain. </font><br />
<br />
<font color=#458B74>Ein kleines Schmunzeln schlich sich ob der Betonung von Liams Namen im auf seine Lippen. Klang irgendwie danach, als zweifelte sie an besagter Zugehörigkeit. Und so, wie er sie kannte, ging sie davon aus, dass Liam mehr eine Art Zwischenbesitzer sein würde, ehe die mysteriöse Eiskarte, über die er in Mîlui gestolpert war, den Weg in Shanayas Hände fand. Gnädigerweise gestattete sie dem Lockenkopf zumindest bisher, das Pergament in seiner Obhut zu belassen. Lucien stützte sich, der Navigatorin gegenüber, mit den Händen auf die Tischplatte und nahm diese zweite, ebenso mysteriöse Karte nun selbst in Augenschein. <i>„Die viel wichtigere Frage ist doch… wie kriegen wir raus, wo die anderen Karten sind?“</i> Er hob den Blick, richtete die Grünen Augen auf seine Navigatorin. <i>„Die Kartenlady sagte, es gibt sieben davon, richtig? Für jede Welt eine. War vielleicht nur Zufall, dass sich diese beiden gerade hier befanden. Die anderen fünf könnten sonstwo sein. Und wenn du vorher noch nie von ihnen gehört hast, könnte es schwierig werden, überhaupt Hinweise auf die anderen zu finden.“</i> Er streckte die Linke aus, sammelte ein paar Sandkörner mit den Fingern auf und ließ sie aus etwa einer Unterarmlänge Höhe wieder auf das Pergament rieseln. Fasziniert beobachtete er, wie die Körnchen zurück an ihre Plätze huschten, als wiese ein Luftsog ihnen den Weg. <i>„Ob das wohl mit jeder Art von Sand geht? Oder muss es ausgerechnet dieser hier sein?“</i>, sinnierte er vor sich hin. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Mit einem leisen, nachdenklichen Brummen zupfte Shanaya das Tuch, das sie um ihren Oberkörper gewickelt hatte, etwas nach oben. Zwischenzeitlich hatte sie überlegt, sich auch diesen Stoffes zu entledigen, aber aus gewissen Gründen bedeckte der rote Stoff nach wie vor das Nötigste. <i>„Wenn ich weiß, wonach ich suche, ist das nicht das Problem, denke ich…“</i> Ihr Lächeln wurde einen Hauch breiter, die Vorfreude funkelte in den blauen Augen der jungen Frau. <i>„Ich muss mich also durch die nächsten Bibliotheken wühlen.“</i> Und wer wusste schon, auf was sie da noch so treffen würde? <i>„Und ich freue mich schon auf die ersten Jammerer, die meinen, mir erzählen zu müssen, dass ich mir keine Hoffnungen machen brauch, weil die Karten ja seit…“</i> Shanaya breitete die Arme aus <i>„...Äonen verschollen sind und niemand, der noch lebt, sie jemals zu Gesicht bekommen hat.“ </I>Als ob sie sich davon jemals aufhalten lassen würde. Damit nahm sie das Süßholz aus dem Mund, beobachtete, wie Lucien sich mit dem Sand befasste. <i>„Gute Frage. Das ist am nächsten Strand einen Test wert.“</i> Nun tippte die Schwarzhaarige zwei Mal mit dem kleinen Ästchen gegen die Tischkante, ehe sie sich in einer fließenden Bewegung erhob, kurz beide Arme in die Luft streckte und sich dann über die Karte beugte, eine grüblerische Miene aufgesetzt. <i>„Ich bin gespannt, was für Orte diese Karten zeigen, sicher nicht irgendein verschlafenes Dorf, in dem nichts spannenderes passiert als der übliche Klatsch und Tratsch irgendwelcher unzufriedener Hausfrauen.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#458B74>Lucien strich sich den letzten Rest an ihm klebender Sandkörner mit einer beiläufigen Geste von den Fingern und sah wieder zu Shanaya auf. Flüchtig zog die Bewegung, mit der sie das Tuch um ihre Brüste zurecht zog seine Aufmerksamkeit auf sich, war aber im Augenblick nicht mehr als einen angetanen Gedanken wert. Tatsächlich faszinierte ihn das Rätsel um die Karte - diese und auch die Liams - momentan noch mehr, als die Aussicht auf ein kleines Stelldichein. <br />
<i>„Na, immerhin von mir, Talin und Liam wirst du etwas in der Richtung wahrscheinlich nicht zu hören bekommen.“</i> Ein Schmunzeln zuckte um seine Lippen und während die Navigatorin sich erhob, richtete auch er sich auf, um unter der Karte mit den Inseln aus Sand eine andere, allerdings gänzlich unspektakuläre hervor zu ziehen, die mit angemessenem Detailreichtum die Erste Welt darstellte und an der sie die letzten Wochen und Monate ihre Route geplant hatten. <i>„Und da du inzwischen nicht die einzige bist, die in irgendwelchen eingestaubten Büchern nach Antworten suchen will…“</i> Er tippte auf die Inselgruppe im Norden, oberhalb von Asanu. <i>„Ist unser nächstes Ziel dann wohl das Herzogtum Chelyia. Vielleicht wirst du da fündig…“</i> Wobei er bezweifelte, dass das hier eine einfach Suche werden würde. Soweit er wusste, waren die Bibliotheken von Cheliya gewaltig und sie würden nicht ewig dort vor Anker gehen…<br />
Sein Blick kehrte zu der Sandkarte zurück und er hob halb fragend halb amüsiert eine Braue, als er wieder zu Shanaya aufsah. <i>„Ich kenne mich damit nicht aus, aber… ist es nicht vielleicht einfach nur eine Karte der Dritten Welt?“</i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Mit einem vielsagenden Schritt machte Shanaya einen kleinen Schritt zur Seite, trat ans Ende des Tisches und griff nach einem Krug, der dort stand, um sich zwei kleine Schlücke zu genehmigen. <i>„Wahrscheinlich? Ich wäre am Boden zerstört, wenn einer von euch mir damit in den Ohren liegen würde.“</i> Vielsagend grinste sie dem Dunkelhaarigen entgegen, trat dann an die Seite ihres Captains, über das leichte Zögern hinaus, das sich damit in ihr ausbreitete, und richtete die blauen Augen wieder auf die Karten, auf ihr nächstes Ziel. Sie nickte ruhig, lachte dann leise auf. <i>„Und wenn ich da nicht das finde, was ich suche, kenne ich auf Yvenes ein Haus, in dem haufenweise Bücher herum liegen.“</i> Sie warf Lucien einen vielsagenden Blick zu. <i>„Aber Ceallagh ist auch eingespannt, wohl wissend, dass keine der Karten in seinen Besitz übergehen würde.Und Liam hat gar keine andere Wahl. Und immerhin bin ich dann beschäftigt und kann keinen Unsinn anstellen.“</i> Mit der Nase in irgendwelchen alten Büchern kam sie vielleicht nicht so oft auf irgendwelche absurden Ideen. Die Schwarzhaarige nahm noch einen Schluck aus dem Krug. <i>„Lass mir meine Fantasie, wieso sie mehr Inseln als auf anderen Karten zeigt. Ich glaube nicht, dass irgendjemand sich bei so einer Karte Inseln ausdenkt, wie ich es tue.“</i> Kurz noch ließ sie die Augen auf den Karten ruhen, ehe sie sich zu Lucien herum wandte und munter grinste. <i>„Wir sind da oben aber ziemlich nah an Gefilden, bei denen ich mir habe sagen lassen, dass jemand da sehr unglücklich sein wird.“</i> Nun wog sich ihr Kopf ein wenig zur Seite, während ein vollkommen unschuldiger Ausdruck auf ihren Zügen lag. „Vielleicht sollte sich jemand vorher noch einen dicken Mantel kaufen.“ Kurz blickte sie an sich herab, zuckte dann mit den Schultern. <i>„Und mit diesem Anblick ist dann auch nichts mehr. Nachher frieren mir die Brüste ab.“</I></font><br />
<br />
<font color=#458B74><i>„Ach Shanaya, mach dir doch nichts vor. Du wirst die übrigen Karten nie finden. Nicht in diesem Leben!“</i>, erwiderte er fast beiläufig - und ein bisschen zu prompt, als das man ihm die Worte hätte abnehmen können. Der Unterton in seiner Stimme verriet, dass er sie lediglich ein bisschen aufzog. Gut gelaunt beobachtete er, wie sie sich am Wasserkrug bediente und im Anschluss zu ihm hinüber kam. <i>„Ceallagh ist also auch mit von der Partie? Soso.“</I> Trotz der Frage wirkte seine Stimme plötzlich distanzierter, das Lächeln auf seinen Lippen erreichte seine Augen nicht mehr. Doch er entschied sich, das Thema zu übergehen, indem er mit einem Schmunzeln anfügte: <i>„Und ins Haus einer vermutlich angesehenen Händlerfamilie von Yvenes einzusteigen und dort Bücher zu klauen, hältst du für ‚keinen Unsinn anstellen‘?“</i> Belustigung hatte den Ton von gerade eben vertrieben und nun wandte sich Lucien der jungen Navigatorin gänzlich zu, ließ nur eine Hand beiläufig auf dem Kartentisch ruhen. Nur für einen Moment verzog er auf ihre Worte das Gesicht, ließ damit erahnen, wie wenig er dem Gedanken an die kühlen nördlichen Herzogtümer - geschweige denn die Kälte der Zweiten Welt - abgewinnen konnte. Und ‚kalt‘ war bei ihm schon alles unter den 20 Grad der brancionischen Regenzeit. Denn so etwas wie Winter kannten die südöstlichsten Inseln nicht. Doch angesichts des Blickes, den Shanaya auf ihre Brüste lenkte, schob er das ehrliche Unbehagen darüber in den Hintergrund und widmete sich dem deutlich angenehmeren Teil des Gesprächs. Ohne lange darüber nachzudenken, legte er einen Arm um die Taille der Schwarzhaarigen und zog sie an sich heran, bis besagte Brüste sich gegen seinen Oberkörper drückten und er das Gesicht in ihre Halsbeuge schmiegen konnte, wo die Wärme ihrer Haut ihn zu einem Kuss mit recht unzweifelhaften Absichten verlockte. So viel also zu ‚die Karten waren spannender‘. Aber wie sollte er sich auch darauf konzentrieren, wenn so ziemlich alles an ihr die pure Verlockung war? Und sie damit auch noch näher kam… <i>„Sag mir jederzeit Bescheid, wenn deine Brüste ein bisschen Wärme nötig haben“</I>, erwiderte er ohne jedes Gefühl für Anstand und küsste sich einen Weg hinauf zu ihrem Ohr. Seit sie sich darauf verständigt hatten, wie weit er in ihrer Beziehung zu gehen bereit war, hatte er deutlich keinerlei Skrupel mehr, ihr wieder nahe zu sein. <i>„Dann kannst du gern unter meinen Mantel kommen.“</i> Ein anzügliches Grinsen lag in seiner Stimme, das auch nicht verschwand, als er doch noch mal auf die Karten zu sprechen kam. Um zumindest den Schein zu wahren. <i>„Und vielleicht ist die Karte nur detailreicher als alle anderen.“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Kaum, hatte Lucien zu Ende gesprochen, griff Shanaya in ihre unsichtbare Tasche, kramte und fischte schließlich ebenso wenig sichtbare Stift und Zettel hervor. <i>„Den Keks verprügeln. Oft.“</i> Mit einem Nicken schrieb sie diese Worte mit Luft auf steckte die Utensilien dann auch wieder weg, ehe sie sich mit einem vielsagenden Grinsen Lucien zu wandte. Als sie mit dem Krug in der Hand dennoch zu ihm trat, hob sie mit seiner veränderten Stimme leicht eine Augenbraue, ihr lag eine Frage auf der Zunge, die die Schwarzhaarige vorerst herunter schluckte, da ihr Gegenüber schon weiter sprach und ihr mit seinen Worten ein hoch amüsiertes Lachen entlockte. <i>„Es ist doch kein Diebstahl, wenn das alles… quasi mir gehört.“</i> Immerhin gehörte ein ganzer Haufen der Bücher wirklich ihr, nur hatte sie nicht alles bei ihrer Flucht mitschleppen können. Über die nicht vorhandene Begeisterung im Blick ihres Captains, was das kalte Wetter anging, schmunzelte die Schwarzhaarige nur. Bis dahin würde sicher noch etwas Zeit vergehen. <br />
Und mit seiner nächsten Bewegung, die sie näher zu ihm brachte, war sie so oder so genug abgelenkt. Der Kuss an ihrem Hals ließ ihre Hand, die noch immer den Krug festhielt, leicht verkrampfen. Himmel, es war viel zu verlockend und zu einfach, dem nachzugeben. Sie schloss also einen Moment die blauen Augen, atmete tief durch und lachte dann über die Worte des Dunkelhaarigen. <i>„Darauf werde ich bestimmt zurück kommen, wenn es so weit ist.“</i> So nah an ihrem Ohr war seine Stimme noch verlockender, nagte an dem Widerstand, den sie gerade versuchte aufzubauen. Als Lucien jedoch die Karten ansprach, nickte die Schwarzhaarige nur leicht, hob dann den Krug an, antwortete jedoch bevor sie ihn an die Lippen setzte. <i>„Das gilt es herauszufinden. Sag’ also Bescheid, wenn du hiermit fertig bist.“</i> Sie deutete mit der freien Hand, die sie bewusst bei sich behalten hatte, an ihnen herunter, wog dabei den Kopf mit einem Grinsen etwas zur Seite und trank dann einen Schluck. <i>„Ich habe noch einiges zu tun.“</i></font><br />
<br />
<font color=#458B74>Lucien deutete nichts an ihrem Verhalten als Ablehnung, auch wenn er durchaus spürte, dass sie dieses Mal nicht gleich nachzugeben gedachte. Sie wich ihm nicht aus. Und er ahnte, dass sie gerade hin und her gerissen war - wenn er auch nicht wusste, warum, und ihren Zwiespalt eher auf die Karten schob, denen sie sich genauso gerne widmen wollte, wie sonst ihm. Dass er dieses Mal den Kürzeren zog, war wirklich bedauerlich. Aber aufgeschoben war ja nicht aufgehoben. <i>„Ist ja nicht so, als könntest du das jetzt herausfinden. Wir könnten uns die Zeit also durchaus anders vertreiben“</i>, schnurrte er ihr ins Ohr. Dann kniff er ihr frech in die Seite, um ihr mitzuteilen, was er von ihrem Korb hielt, und trat mit einem Lachen in den tiefgrünen Augen einen Schritt zurück, um ihr in Anschluss einen ebenso anzüglichen Klaps auf den Hintern zu verpassen. <i>„Also schön.“</i> Er wandte sich wieder dem Tisch zu, stützte sich mit beiden Armen auf der Tischplatte ab und warf der Navigatorin einen Seitenblick zu, in dem noch immer sanfte Belustigung blitzte. <i>„Und wie gedenkst du, herauszufinden, was es mit diesen unbekannten Inseln auf sich hat? Willst du mich jetzt dazu überreden, in die Dritte Welt zu segeln und jede einzelne zu überprüfen, wenn dir die Bücher keine zufriedenstellende Antwort geben?“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya grinste einfach nur munter vor sich hin, auch wenn es ihr noch immer schwer fiel, die Hand nach dem Dunkelhaarigen auszustrecken und seinem Angebot nachzugeben. Aber dieses eine Mal blieb sie standhaft, lachte erneut, als Lucien versuchte, noch etwas rum zu reißen. <i>„Aber vielleicht hätte ich jetzt in diesem Moment einen Gedanken, den ich nie wieder haben werde, der mir irgendein Geheimnis verrät!“</i> Sie wollte gerade mahnend einen Finger erheben, während Lucien sie mit seinem Atem an ihrem Ohr, und dem Kribbeln an ihrem Hals, immernoch in Versuchung führte. Er ließ sie dennoch los, sodass die junge Frau erneut tief durchatmeten wollte, mit beiden Berührungen des Dunkelhaarigen darin unterbrochen wurde. Sie hieb spielerisch nach seiner Hand und warf ihm einen ebenso gekünstelten, vorwurfsvollen Blick zu. Seinen Blick erwidert die Dunkelhaarige mit einem Schmunzeln, trat dann wieder auf die andere Seite des Tisches, während sie antwortete. <i>„Doch nicht bevor ich in das Haus einer aufstrebenden Handelsfamilie eingestiegen bin.“</i> Sie lachte, ließ sich damit auf den Stuhl sinken und zog die Beine in einen Schneidersitz. <i>„Und wenn die Bücher mir nicht antworten, finde ich andere Mittel und Wege. Wir haben zwei Karten in der ersten Welt gefunden – wer sagt, dass nicht noch mehr hier sind?“</i> Shanaya nahm einen kleinen Schluck aus ihrem Krug, den sie anschließend grübelnd hin und her schwenkte. <i>„Ich bin also felsenfest davon überzeugt, dass ich irgendwelche Informationen heraus finden werde. Und wenn ich jeden Stein, dem ich begegne umdrehen muss.“ </i></font><br />
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<font color=#458B74><i>„Du könntest ihn dir ja aufschreiben, so wie diese andere imaginäre Notiz gerade“</i>, konterte Lucien gespielt schnippisch, während um seine Mundwinkel ein Schmunzeln zuckte. Er hätte schon ein ziemlich fragiles Ego haben müssen, wenn ihm ihre Abweisung jetzt den Humor verdorben hätte. Glücklicherweise war er sich der Anziehung zwischen ihnen allerdings ziemlich sicher und auch der Tatsache, dass die Schwarzhaarige früher oder später eben doch die Finger nicht von ihm lassen konnte. Das mochte anders herum ganz ähnlich sein, nur dass er die Finger schlicht nicht von ihr lassen wollte. Doch für den Moment widmeten sie sich wieder den Karten. Und ihrem Plan, auch die übrigen magischen Pergamente in die Finger zu kriegen. <i>„Schön, schön. Also erst nach Cheliya, die Bibliotheken durchstöbern, dann nach Yvenes, das heimische Domizil plündern… und dann? Weiter ohne bestimmtes Ziel und Gerüchten nachjagen?“</i> Man hätte meinen können, er müsse bei dieser ausgesprochen wagen Aussicht skeptischer klingen. Aber tatsächlich gefiel ihm die Idee. Immerhin hatte niemand von ihnen ein wirkliches Ziel. Es ging keinem von ihnen darum, Schiffe zu überfallen und Städte zu plündern. Sondern einfach darum, ein Leben zu führen, das niemand ihnen vorschrieb. Also warum nicht einfach wahllos durch die Welten segeln? <i>„Was ist mit der anderen Karte, die du der Lady geklaut hast? Also die, die ihr scheinbar genauso wichtig gewesen ist, wie unsere Sandkarte hier? Irgendeine Idee, wo das sein soll?“ </i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Luciens Worte ließen das Lächeln der jungen Frau deutlich breiter werden. Tja, erwischt. <i>„Ach, weißt du, in dieses Notizbuch kommen nur die WIRKLICH wichtigen Dinge. Zur Information… du wirst des Öfteren Mal verprügelt. Wenn du also mit einem blauen Auge aufwachst…“</i> Die Schwarzhaarige wog den Kopf zur Seite, grinste dem Mann schelmisch entgegen. Verdient hätte er es auf jeden Fall! <br />
Luciens Zusammenfassung ließ die Dunkelhaarige leicht nicken, ein begeistertes Funkeln in den blauen Augen. <i>„Das macht den Reiz doch aus, oder nicht? Nicht zu wissen, wo man als nächstes landet.“</i> Und das passte auch zu der nächsten Frage des Captains, die Shanaya leise, verneinend brummen ließ. <i>„Irgendein verschollener Ort, ich weiß weder in welcher Welt, ob er wirklich existiert hat… oder jemand sich nur einen Spaß erlaubt hat.“</i> Mit der rechten Hand für die Schwarzhaarige sich durch die Haare, lächelte dann aber wieder. <i>„Hätte deine Brutaloschwester die arme, aaarme alte Frau nicht ko geschlagen, hätte ich sicher noch etwas darüber heraus gefunden…“</i> Jetzt lehnte sie sich wieder zurück gegen die Lehne, zog ein Bein an und stellte den Fuß auf der Sitzfläche ab. <i>„Aber dann muss ich mich eben auf zwei Dinge konzentrieren. Vielleicht findet sich ja neben Weltenkarten noch etwas über eine… ‘Karte zu einem Ort, der nicht gefunden werden will’ – Karte.“ </i>Kurz noch huschten ihre Augen über die Karte und den Sand, ehe sie sich daran machte, beides wieder zu verstauen, akribisch darauf achtend, nicht einen Sandkorn zu verlieren. Dann rollte sie die Karte zusammen, legte sie auf dem Tisch ab und zog die zweite Karte aus dem Zylinder. <i>„Aber was sind schon 500 Jahre? Wer auch immer sich damit beschäftigt hat, hatte eben nicht mein Auge für Details.“ </I>Selbstzufrieden grinsend rollte sie das Stück Papier aus. <i>„Und ich finde, die Erste zu sein, die einen Ort nach 500 Jahren betritt, klingt sehr verlockend.“</i></font><br />
<br />
<font color=#458B74>Lucien, der bis eben damit begonnen hatte, ihre nächste Route auf der Karte der Ersten Welt nachzuziehen, hob den Blick und sah Shanaya mit einem gespielt empörten Ausdruck auf den Zügen an. <i>„Womit habe ich das denn verdient?!?“</i> Ganz im Ernst, er verhielt sich ihr gegenüber wie das reinste Unschuldslamm! Je nach dem, wie man Schuld an dieser Stelle definierte. <br />
Mit einem spöttischen Blick in ihre Richtung stieß er sich vom Schreibtisch ab, wandte sich der Vitrine neben der Tür zu, in der unter anderem die edlen kristallenen Weinkelche lagerten, die Talin bei ihrem letzten Landgang hatte mitgehen lassen, und holte eine Flasche Portwein aus dem unteren Teil des Schranks. Den Korken mit den Zähnen lösend warf er der Navigatorin einen Blick über die Schulter zu und gab ein undeutliches <i>„Hm“</i> von sich, das genauso skeptisch klang, wie ihr Brummen. Sie kramte die zweite Karte hervor, entrollte sie auf dem Tisch und Lucien genehmigte sich während dessen einen Schluck Wein. Nur, als die Sprache für einen Augenblick auf Talin kam, verkrampfte Lucien kurz - vielleicht sollte er den Alkohol besser weglassen… - schwieg zu diesem Teil der Geschichte und tarnte den gedanklichen Entgleiser mit einem leisen Schnauben. <i>„Naja, 500 Jahre… das ist lange bevor die Geschichtsschreibung der Ersten Welt beginnt, oder? Lange vor den ersten Königen.“</i> Hatte Ceallagh nicht irgendwann mal etwas dergleichen erzählt? Wie auch immer. <i>„Vielleicht gibt es diese Insel schon gar nicht mehr, auf der dieser Ort zu finden ist. Ein Vulkanausbruch, ein Seemonster, irgendsowas…“</I> Er schüttelte kurz den Kopf. <i>„Na jedenfalls… <b>dafür</b> sollten wir definitiv nach Cheliya. Und Geschichtsbücher wälzen. Ceallagh hilft dir bestimmt.“</i> Oder irgendjemand sonst, der mit Buchstaben weniger Probleme hatte, als er selbst. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Lucien spielte den Unschuldigen, wo sie beide genau wussten, dass er vieles war – aber kein Unschuldslamm. Ihm galt also ein vielsagender Blick, weiter ging die junge Frau jedoch nicht darauf ein. Nur kurz folgten ihre Augen seinen Bewegungen, weil sie im ersten Moment glaubte, er würde zu ihr herüber gehen. Aber er holte sich nur Alkohol – das war in Ordnung. Sie kümmerte sich also um die Karte, tippte dann mit einem Finger auf ihrem noch immer angewinkelten Knie herum. Auf die Bemerkung über Talin ging ihr Captain nicht ein, was Shanaya leicht eine Augenbraue heben ließ, weiter ging sie jedoch nicht darauf ein, da sie den Blick auch nicht zu dem Dunkelhaarigen herum gewandt hatte. Erst, als er mit der Flasche wieder in ihr Blickfeld trat, hob sie den blauen Blick zu ihm und nickte auf die Frage hin, ehe sie mit den Schultern zuckte. <i>„Das könnte alles und nichts sein. Aber ich verwette meinen Hintern darauf, dass es irgendwo jemanden gibt, der sich damit auskennt. Wir müssen ihn eben nur finden.“</i> Dessen war sie sich vollkommen sicher. <i>„Liam sucht gezwungenermaßen mit. Er hatte quasi gar keine andere Chance.“</i> Wobei der Lockenkopf damit vermutlich weniger ein Problem hatte. Nach diesen Worten breitete Shanaya die Arme breit aus, grinste voller Begeisterung über das ganze Gesicht. <i>„Und dann finden wir den größten Schatz, der jemals versteckt wurde! Und haufenweise andere Karten zu genau solchen Orten!“</i> Denn an einem Ort, der 500 Jahre lang nicht betreten worden war… vielleicht konnten sie sich nicht einmal ausmalen, was sie dort erwarten würde.</font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">I'm on fire and you're the one holding the match</div>
<br />
<font size=1>Abend des 04. Juli 1822<br />
Lucien Dravean & Shanaya Árashi </font></center><br />
<font color=royalblue>Shanaya hatte sich das Stück Süßholz, das sie immer in ihrer Tasche mit sich herum trug, zwischen die Zähne gesteckt und kaute nachdenklich darauf herum. Die Tasche lag neben dem Tisch an dem sie saß, zusammen mit ihren Stiefeln, die blauen Augen blickten konzentriert auf das Stück Papier, das vor ihr auf dem Tisch lag. Sie hatte sich, nachdem sie diese Karte ‚erworben‘ hatte, nicht direkt darauf gestürzt. Damit hatte die junge Frau sich Zeit gelassen, hatte sowohl mit Talin als auch mit Lucien gesprochen, dass sie sich dafür in die Kajüte setzen würde, um nicht von irgendwelchen Fragen und Generve überhäuft zu werden. Und jetzt saß sie an besagtem Tisch, ein Bein angewinkelt und an den Körper gezogen, mit dem anderen Fuß lehnte sie sich gegen die Tischkante. Die Arme verschränkte ließ sie die hellen Augen immer wieder über die Karte wandern, beinahe jedes Sandkorn betrachtete sie einzeln. <i>„Es grenzt an ein Wunder, dass ich bis zu ‚Liams‘ Eiskarte noch nie von diesen Karten gehört habe.“</I> Sie sprach ruhig, ein bisschen zu sich selbst, vielleicht aber auch zu Lucien, der ihr in diesem Moment Gesellschaft leistete. Nachdenklich tippte Shanaya mit einem Finger auf ihrem Oberarm herum, drehte das Süßholz ein wenig mit der Zunge hin und her.<i> „Ich frage mich , was ich alles tun muss, um an die anderen Karten zu kommen… irgendwer verteidigt so eine Karte bestimmt mit seinem Leben.“</i> Damit hob sie, mit einem amüsierten Kichern, kurz den Blick zu ihrem Captain. </font><br />
<br />
<font color=#458B74>Ein kleines Schmunzeln schlich sich ob der Betonung von Liams Namen im auf seine Lippen. Klang irgendwie danach, als zweifelte sie an besagter Zugehörigkeit. Und so, wie er sie kannte, ging sie davon aus, dass Liam mehr eine Art Zwischenbesitzer sein würde, ehe die mysteriöse Eiskarte, über die er in Mîlui gestolpert war, den Weg in Shanayas Hände fand. Gnädigerweise gestattete sie dem Lockenkopf zumindest bisher, das Pergament in seiner Obhut zu belassen. Lucien stützte sich, der Navigatorin gegenüber, mit den Händen auf die Tischplatte und nahm diese zweite, ebenso mysteriöse Karte nun selbst in Augenschein. <i>„Die viel wichtigere Frage ist doch… wie kriegen wir raus, wo die anderen Karten sind?“</i> Er hob den Blick, richtete die Grünen Augen auf seine Navigatorin. <i>„Die Kartenlady sagte, es gibt sieben davon, richtig? Für jede Welt eine. War vielleicht nur Zufall, dass sich diese beiden gerade hier befanden. Die anderen fünf könnten sonstwo sein. Und wenn du vorher noch nie von ihnen gehört hast, könnte es schwierig werden, überhaupt Hinweise auf die anderen zu finden.“</i> Er streckte die Linke aus, sammelte ein paar Sandkörner mit den Fingern auf und ließ sie aus etwa einer Unterarmlänge Höhe wieder auf das Pergament rieseln. Fasziniert beobachtete er, wie die Körnchen zurück an ihre Plätze huschten, als wiese ein Luftsog ihnen den Weg. <i>„Ob das wohl mit jeder Art von Sand geht? Oder muss es ausgerechnet dieser hier sein?“</i>, sinnierte er vor sich hin. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Mit einem leisen, nachdenklichen Brummen zupfte Shanaya das Tuch, das sie um ihren Oberkörper gewickelt hatte, etwas nach oben. Zwischenzeitlich hatte sie überlegt, sich auch diesen Stoffes zu entledigen, aber aus gewissen Gründen bedeckte der rote Stoff nach wie vor das Nötigste. <i>„Wenn ich weiß, wonach ich suche, ist das nicht das Problem, denke ich…“</i> Ihr Lächeln wurde einen Hauch breiter, die Vorfreude funkelte in den blauen Augen der jungen Frau. <i>„Ich muss mich also durch die nächsten Bibliotheken wühlen.“</i> Und wer wusste schon, auf was sie da noch so treffen würde? <i>„Und ich freue mich schon auf die ersten Jammerer, die meinen, mir erzählen zu müssen, dass ich mir keine Hoffnungen machen brauch, weil die Karten ja seit…“</i> Shanaya breitete die Arme aus <i>„...Äonen verschollen sind und niemand, der noch lebt, sie jemals zu Gesicht bekommen hat.“ </I>Als ob sie sich davon jemals aufhalten lassen würde. Damit nahm sie das Süßholz aus dem Mund, beobachtete, wie Lucien sich mit dem Sand befasste. <i>„Gute Frage. Das ist am nächsten Strand einen Test wert.“</i> Nun tippte die Schwarzhaarige zwei Mal mit dem kleinen Ästchen gegen die Tischkante, ehe sie sich in einer fließenden Bewegung erhob, kurz beide Arme in die Luft streckte und sich dann über die Karte beugte, eine grüblerische Miene aufgesetzt. <i>„Ich bin gespannt, was für Orte diese Karten zeigen, sicher nicht irgendein verschlafenes Dorf, in dem nichts spannenderes passiert als der übliche Klatsch und Tratsch irgendwelcher unzufriedener Hausfrauen.“</i> </font><br />
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<font color=#458B74>Lucien strich sich den letzten Rest an ihm klebender Sandkörner mit einer beiläufigen Geste von den Fingern und sah wieder zu Shanaya auf. Flüchtig zog die Bewegung, mit der sie das Tuch um ihre Brüste zurecht zog seine Aufmerksamkeit auf sich, war aber im Augenblick nicht mehr als einen angetanen Gedanken wert. Tatsächlich faszinierte ihn das Rätsel um die Karte - diese und auch die Liams - momentan noch mehr, als die Aussicht auf ein kleines Stelldichein. <br />
<i>„Na, immerhin von mir, Talin und Liam wirst du etwas in der Richtung wahrscheinlich nicht zu hören bekommen.“</i> Ein Schmunzeln zuckte um seine Lippen und während die Navigatorin sich erhob, richtete auch er sich auf, um unter der Karte mit den Inseln aus Sand eine andere, allerdings gänzlich unspektakuläre hervor zu ziehen, die mit angemessenem Detailreichtum die Erste Welt darstellte und an der sie die letzten Wochen und Monate ihre Route geplant hatten. <i>„Und da du inzwischen nicht die einzige bist, die in irgendwelchen eingestaubten Büchern nach Antworten suchen will…“</i> Er tippte auf die Inselgruppe im Norden, oberhalb von Asanu. <i>„Ist unser nächstes Ziel dann wohl das Herzogtum Chelyia. Vielleicht wirst du da fündig…“</i> Wobei er bezweifelte, dass das hier eine einfach Suche werden würde. Soweit er wusste, waren die Bibliotheken von Cheliya gewaltig und sie würden nicht ewig dort vor Anker gehen…<br />
Sein Blick kehrte zu der Sandkarte zurück und er hob halb fragend halb amüsiert eine Braue, als er wieder zu Shanaya aufsah. <i>„Ich kenne mich damit nicht aus, aber… ist es nicht vielleicht einfach nur eine Karte der Dritten Welt?“</i></font><br />
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<font color=royalblue>Mit einem vielsagenden Schritt machte Shanaya einen kleinen Schritt zur Seite, trat ans Ende des Tisches und griff nach einem Krug, der dort stand, um sich zwei kleine Schlücke zu genehmigen. <i>„Wahrscheinlich? Ich wäre am Boden zerstört, wenn einer von euch mir damit in den Ohren liegen würde.“</i> Vielsagend grinste sie dem Dunkelhaarigen entgegen, trat dann an die Seite ihres Captains, über das leichte Zögern hinaus, das sich damit in ihr ausbreitete, und richtete die blauen Augen wieder auf die Karten, auf ihr nächstes Ziel. Sie nickte ruhig, lachte dann leise auf. <i>„Und wenn ich da nicht das finde, was ich suche, kenne ich auf Yvenes ein Haus, in dem haufenweise Bücher herum liegen.“</i> Sie warf Lucien einen vielsagenden Blick zu. <i>„Aber Ceallagh ist auch eingespannt, wohl wissend, dass keine der Karten in seinen Besitz übergehen würde.Und Liam hat gar keine andere Wahl. Und immerhin bin ich dann beschäftigt und kann keinen Unsinn anstellen.“</i> Mit der Nase in irgendwelchen alten Büchern kam sie vielleicht nicht so oft auf irgendwelche absurden Ideen. Die Schwarzhaarige nahm noch einen Schluck aus dem Krug. <i>„Lass mir meine Fantasie, wieso sie mehr Inseln als auf anderen Karten zeigt. Ich glaube nicht, dass irgendjemand sich bei so einer Karte Inseln ausdenkt, wie ich es tue.“</i> Kurz noch ließ sie die Augen auf den Karten ruhen, ehe sie sich zu Lucien herum wandte und munter grinste. <i>„Wir sind da oben aber ziemlich nah an Gefilden, bei denen ich mir habe sagen lassen, dass jemand da sehr unglücklich sein wird.“</i> Nun wog sich ihr Kopf ein wenig zur Seite, während ein vollkommen unschuldiger Ausdruck auf ihren Zügen lag. „Vielleicht sollte sich jemand vorher noch einen dicken Mantel kaufen.“ Kurz blickte sie an sich herab, zuckte dann mit den Schultern. <i>„Und mit diesem Anblick ist dann auch nichts mehr. Nachher frieren mir die Brüste ab.“</I></font><br />
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<font color=#458B74><i>„Ach Shanaya, mach dir doch nichts vor. Du wirst die übrigen Karten nie finden. Nicht in diesem Leben!“</i>, erwiderte er fast beiläufig - und ein bisschen zu prompt, als das man ihm die Worte hätte abnehmen können. Der Unterton in seiner Stimme verriet, dass er sie lediglich ein bisschen aufzog. Gut gelaunt beobachtete er, wie sie sich am Wasserkrug bediente und im Anschluss zu ihm hinüber kam. <i>„Ceallagh ist also auch mit von der Partie? Soso.“</I> Trotz der Frage wirkte seine Stimme plötzlich distanzierter, das Lächeln auf seinen Lippen erreichte seine Augen nicht mehr. Doch er entschied sich, das Thema zu übergehen, indem er mit einem Schmunzeln anfügte: <i>„Und ins Haus einer vermutlich angesehenen Händlerfamilie von Yvenes einzusteigen und dort Bücher zu klauen, hältst du für ‚keinen Unsinn anstellen‘?“</i> Belustigung hatte den Ton von gerade eben vertrieben und nun wandte sich Lucien der jungen Navigatorin gänzlich zu, ließ nur eine Hand beiläufig auf dem Kartentisch ruhen. Nur für einen Moment verzog er auf ihre Worte das Gesicht, ließ damit erahnen, wie wenig er dem Gedanken an die kühlen nördlichen Herzogtümer - geschweige denn die Kälte der Zweiten Welt - abgewinnen konnte. Und ‚kalt‘ war bei ihm schon alles unter den 20 Grad der brancionischen Regenzeit. Denn so etwas wie Winter kannten die südöstlichsten Inseln nicht. Doch angesichts des Blickes, den Shanaya auf ihre Brüste lenkte, schob er das ehrliche Unbehagen darüber in den Hintergrund und widmete sich dem deutlich angenehmeren Teil des Gesprächs. Ohne lange darüber nachzudenken, legte er einen Arm um die Taille der Schwarzhaarigen und zog sie an sich heran, bis besagte Brüste sich gegen seinen Oberkörper drückten und er das Gesicht in ihre Halsbeuge schmiegen konnte, wo die Wärme ihrer Haut ihn zu einem Kuss mit recht unzweifelhaften Absichten verlockte. So viel also zu ‚die Karten waren spannender‘. Aber wie sollte er sich auch darauf konzentrieren, wenn so ziemlich alles an ihr die pure Verlockung war? Und sie damit auch noch näher kam… <i>„Sag mir jederzeit Bescheid, wenn deine Brüste ein bisschen Wärme nötig haben“</I>, erwiderte er ohne jedes Gefühl für Anstand und küsste sich einen Weg hinauf zu ihrem Ohr. Seit sie sich darauf verständigt hatten, wie weit er in ihrer Beziehung zu gehen bereit war, hatte er deutlich keinerlei Skrupel mehr, ihr wieder nahe zu sein. <i>„Dann kannst du gern unter meinen Mantel kommen.“</i> Ein anzügliches Grinsen lag in seiner Stimme, das auch nicht verschwand, als er doch noch mal auf die Karten zu sprechen kam. Um zumindest den Schein zu wahren. <i>„Und vielleicht ist die Karte nur detailreicher als alle anderen.“</i> </font><br />
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<font color=royalblue>Kaum, hatte Lucien zu Ende gesprochen, griff Shanaya in ihre unsichtbare Tasche, kramte und fischte schließlich ebenso wenig sichtbare Stift und Zettel hervor. <i>„Den Keks verprügeln. Oft.“</i> Mit einem Nicken schrieb sie diese Worte mit Luft auf steckte die Utensilien dann auch wieder weg, ehe sie sich mit einem vielsagenden Grinsen Lucien zu wandte. Als sie mit dem Krug in der Hand dennoch zu ihm trat, hob sie mit seiner veränderten Stimme leicht eine Augenbraue, ihr lag eine Frage auf der Zunge, die die Schwarzhaarige vorerst herunter schluckte, da ihr Gegenüber schon weiter sprach und ihr mit seinen Worten ein hoch amüsiertes Lachen entlockte. <i>„Es ist doch kein Diebstahl, wenn das alles… quasi mir gehört.“</i> Immerhin gehörte ein ganzer Haufen der Bücher wirklich ihr, nur hatte sie nicht alles bei ihrer Flucht mitschleppen können. Über die nicht vorhandene Begeisterung im Blick ihres Captains, was das kalte Wetter anging, schmunzelte die Schwarzhaarige nur. Bis dahin würde sicher noch etwas Zeit vergehen. <br />
Und mit seiner nächsten Bewegung, die sie näher zu ihm brachte, war sie so oder so genug abgelenkt. Der Kuss an ihrem Hals ließ ihre Hand, die noch immer den Krug festhielt, leicht verkrampfen. Himmel, es war viel zu verlockend und zu einfach, dem nachzugeben. Sie schloss also einen Moment die blauen Augen, atmete tief durch und lachte dann über die Worte des Dunkelhaarigen. <i>„Darauf werde ich bestimmt zurück kommen, wenn es so weit ist.“</i> So nah an ihrem Ohr war seine Stimme noch verlockender, nagte an dem Widerstand, den sie gerade versuchte aufzubauen. Als Lucien jedoch die Karten ansprach, nickte die Schwarzhaarige nur leicht, hob dann den Krug an, antwortete jedoch bevor sie ihn an die Lippen setzte. <i>„Das gilt es herauszufinden. Sag’ also Bescheid, wenn du hiermit fertig bist.“</i> Sie deutete mit der freien Hand, die sie bewusst bei sich behalten hatte, an ihnen herunter, wog dabei den Kopf mit einem Grinsen etwas zur Seite und trank dann einen Schluck. <i>„Ich habe noch einiges zu tun.“</i></font><br />
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<font color=#458B74>Lucien deutete nichts an ihrem Verhalten als Ablehnung, auch wenn er durchaus spürte, dass sie dieses Mal nicht gleich nachzugeben gedachte. Sie wich ihm nicht aus. Und er ahnte, dass sie gerade hin und her gerissen war - wenn er auch nicht wusste, warum, und ihren Zwiespalt eher auf die Karten schob, denen sie sich genauso gerne widmen wollte, wie sonst ihm. Dass er dieses Mal den Kürzeren zog, war wirklich bedauerlich. Aber aufgeschoben war ja nicht aufgehoben. <i>„Ist ja nicht so, als könntest du das jetzt herausfinden. Wir könnten uns die Zeit also durchaus anders vertreiben“</i>, schnurrte er ihr ins Ohr. Dann kniff er ihr frech in die Seite, um ihr mitzuteilen, was er von ihrem Korb hielt, und trat mit einem Lachen in den tiefgrünen Augen einen Schritt zurück, um ihr in Anschluss einen ebenso anzüglichen Klaps auf den Hintern zu verpassen. <i>„Also schön.“</i> Er wandte sich wieder dem Tisch zu, stützte sich mit beiden Armen auf der Tischplatte ab und warf der Navigatorin einen Seitenblick zu, in dem noch immer sanfte Belustigung blitzte. <i>„Und wie gedenkst du, herauszufinden, was es mit diesen unbekannten Inseln auf sich hat? Willst du mich jetzt dazu überreden, in die Dritte Welt zu segeln und jede einzelne zu überprüfen, wenn dir die Bücher keine zufriedenstellende Antwort geben?“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya grinste einfach nur munter vor sich hin, auch wenn es ihr noch immer schwer fiel, die Hand nach dem Dunkelhaarigen auszustrecken und seinem Angebot nachzugeben. Aber dieses eine Mal blieb sie standhaft, lachte erneut, als Lucien versuchte, noch etwas rum zu reißen. <i>„Aber vielleicht hätte ich jetzt in diesem Moment einen Gedanken, den ich nie wieder haben werde, der mir irgendein Geheimnis verrät!“</i> Sie wollte gerade mahnend einen Finger erheben, während Lucien sie mit seinem Atem an ihrem Ohr, und dem Kribbeln an ihrem Hals, immernoch in Versuchung führte. Er ließ sie dennoch los, sodass die junge Frau erneut tief durchatmeten wollte, mit beiden Berührungen des Dunkelhaarigen darin unterbrochen wurde. Sie hieb spielerisch nach seiner Hand und warf ihm einen ebenso gekünstelten, vorwurfsvollen Blick zu. Seinen Blick erwidert die Dunkelhaarige mit einem Schmunzeln, trat dann wieder auf die andere Seite des Tisches, während sie antwortete. <i>„Doch nicht bevor ich in das Haus einer aufstrebenden Handelsfamilie eingestiegen bin.“</i> Sie lachte, ließ sich damit auf den Stuhl sinken und zog die Beine in einen Schneidersitz. <i>„Und wenn die Bücher mir nicht antworten, finde ich andere Mittel und Wege. Wir haben zwei Karten in der ersten Welt gefunden – wer sagt, dass nicht noch mehr hier sind?“</i> Shanaya nahm einen kleinen Schluck aus ihrem Krug, den sie anschließend grübelnd hin und her schwenkte. <i>„Ich bin also felsenfest davon überzeugt, dass ich irgendwelche Informationen heraus finden werde. Und wenn ich jeden Stein, dem ich begegne umdrehen muss.“ </i></font><br />
<br />
<font color=#458B74><i>„Du könntest ihn dir ja aufschreiben, so wie diese andere imaginäre Notiz gerade“</i>, konterte Lucien gespielt schnippisch, während um seine Mundwinkel ein Schmunzeln zuckte. Er hätte schon ein ziemlich fragiles Ego haben müssen, wenn ihm ihre Abweisung jetzt den Humor verdorben hätte. Glücklicherweise war er sich der Anziehung zwischen ihnen allerdings ziemlich sicher und auch der Tatsache, dass die Schwarzhaarige früher oder später eben doch die Finger nicht von ihm lassen konnte. Das mochte anders herum ganz ähnlich sein, nur dass er die Finger schlicht nicht von ihr lassen wollte. Doch für den Moment widmeten sie sich wieder den Karten. Und ihrem Plan, auch die übrigen magischen Pergamente in die Finger zu kriegen. <i>„Schön, schön. Also erst nach Cheliya, die Bibliotheken durchstöbern, dann nach Yvenes, das heimische Domizil plündern… und dann? Weiter ohne bestimmtes Ziel und Gerüchten nachjagen?“</i> Man hätte meinen können, er müsse bei dieser ausgesprochen wagen Aussicht skeptischer klingen. Aber tatsächlich gefiel ihm die Idee. Immerhin hatte niemand von ihnen ein wirkliches Ziel. Es ging keinem von ihnen darum, Schiffe zu überfallen und Städte zu plündern. Sondern einfach darum, ein Leben zu führen, das niemand ihnen vorschrieb. Also warum nicht einfach wahllos durch die Welten segeln? <i>„Was ist mit der anderen Karte, die du der Lady geklaut hast? Also die, die ihr scheinbar genauso wichtig gewesen ist, wie unsere Sandkarte hier? Irgendeine Idee, wo das sein soll?“ </i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Luciens Worte ließen das Lächeln der jungen Frau deutlich breiter werden. Tja, erwischt. <i>„Ach, weißt du, in dieses Notizbuch kommen nur die WIRKLICH wichtigen Dinge. Zur Information… du wirst des Öfteren Mal verprügelt. Wenn du also mit einem blauen Auge aufwachst…“</i> Die Schwarzhaarige wog den Kopf zur Seite, grinste dem Mann schelmisch entgegen. Verdient hätte er es auf jeden Fall! <br />
Luciens Zusammenfassung ließ die Dunkelhaarige leicht nicken, ein begeistertes Funkeln in den blauen Augen. <i>„Das macht den Reiz doch aus, oder nicht? Nicht zu wissen, wo man als nächstes landet.“</i> Und das passte auch zu der nächsten Frage des Captains, die Shanaya leise, verneinend brummen ließ. <i>„Irgendein verschollener Ort, ich weiß weder in welcher Welt, ob er wirklich existiert hat… oder jemand sich nur einen Spaß erlaubt hat.“</i> Mit der rechten Hand für die Schwarzhaarige sich durch die Haare, lächelte dann aber wieder. <i>„Hätte deine Brutaloschwester die arme, aaarme alte Frau nicht ko geschlagen, hätte ich sicher noch etwas darüber heraus gefunden…“</i> Jetzt lehnte sie sich wieder zurück gegen die Lehne, zog ein Bein an und stellte den Fuß auf der Sitzfläche ab. <i>„Aber dann muss ich mich eben auf zwei Dinge konzentrieren. Vielleicht findet sich ja neben Weltenkarten noch etwas über eine… ‘Karte zu einem Ort, der nicht gefunden werden will’ – Karte.“ </i>Kurz noch huschten ihre Augen über die Karte und den Sand, ehe sie sich daran machte, beides wieder zu verstauen, akribisch darauf achtend, nicht einen Sandkorn zu verlieren. Dann rollte sie die Karte zusammen, legte sie auf dem Tisch ab und zog die zweite Karte aus dem Zylinder. <i>„Aber was sind schon 500 Jahre? Wer auch immer sich damit beschäftigt hat, hatte eben nicht mein Auge für Details.“ </I>Selbstzufrieden grinsend rollte sie das Stück Papier aus. <i>„Und ich finde, die Erste zu sein, die einen Ort nach 500 Jahren betritt, klingt sehr verlockend.“</i></font><br />
<br />
<font color=#458B74>Lucien, der bis eben damit begonnen hatte, ihre nächste Route auf der Karte der Ersten Welt nachzuziehen, hob den Blick und sah Shanaya mit einem gespielt empörten Ausdruck auf den Zügen an. <i>„Womit habe ich das denn verdient?!?“</i> Ganz im Ernst, er verhielt sich ihr gegenüber wie das reinste Unschuldslamm! Je nach dem, wie man Schuld an dieser Stelle definierte. <br />
Mit einem spöttischen Blick in ihre Richtung stieß er sich vom Schreibtisch ab, wandte sich der Vitrine neben der Tür zu, in der unter anderem die edlen kristallenen Weinkelche lagerten, die Talin bei ihrem letzten Landgang hatte mitgehen lassen, und holte eine Flasche Portwein aus dem unteren Teil des Schranks. Den Korken mit den Zähnen lösend warf er der Navigatorin einen Blick über die Schulter zu und gab ein undeutliches <i>„Hm“</i> von sich, das genauso skeptisch klang, wie ihr Brummen. Sie kramte die zweite Karte hervor, entrollte sie auf dem Tisch und Lucien genehmigte sich während dessen einen Schluck Wein. Nur, als die Sprache für einen Augenblick auf Talin kam, verkrampfte Lucien kurz - vielleicht sollte er den Alkohol besser weglassen… - schwieg zu diesem Teil der Geschichte und tarnte den gedanklichen Entgleiser mit einem leisen Schnauben. <i>„Naja, 500 Jahre… das ist lange bevor die Geschichtsschreibung der Ersten Welt beginnt, oder? Lange vor den ersten Königen.“</i> Hatte Ceallagh nicht irgendwann mal etwas dergleichen erzählt? Wie auch immer. <i>„Vielleicht gibt es diese Insel schon gar nicht mehr, auf der dieser Ort zu finden ist. Ein Vulkanausbruch, ein Seemonster, irgendsowas…“</I> Er schüttelte kurz den Kopf. <i>„Na jedenfalls… <b>dafür</b> sollten wir definitiv nach Cheliya. Und Geschichtsbücher wälzen. Ceallagh hilft dir bestimmt.“</i> Oder irgendjemand sonst, der mit Buchstaben weniger Probleme hatte, als er selbst. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Lucien spielte den Unschuldigen, wo sie beide genau wussten, dass er vieles war – aber kein Unschuldslamm. Ihm galt also ein vielsagender Blick, weiter ging die junge Frau jedoch nicht darauf ein. Nur kurz folgten ihre Augen seinen Bewegungen, weil sie im ersten Moment glaubte, er würde zu ihr herüber gehen. Aber er holte sich nur Alkohol – das war in Ordnung. Sie kümmerte sich also um die Karte, tippte dann mit einem Finger auf ihrem noch immer angewinkelten Knie herum. Auf die Bemerkung über Talin ging ihr Captain nicht ein, was Shanaya leicht eine Augenbraue heben ließ, weiter ging sie jedoch nicht darauf ein, da sie den Blick auch nicht zu dem Dunkelhaarigen herum gewandt hatte. Erst, als er mit der Flasche wieder in ihr Blickfeld trat, hob sie den blauen Blick zu ihm und nickte auf die Frage hin, ehe sie mit den Schultern zuckte. <i>„Das könnte alles und nichts sein. Aber ich verwette meinen Hintern darauf, dass es irgendwo jemanden gibt, der sich damit auskennt. Wir müssen ihn eben nur finden.“</i> Dessen war sie sich vollkommen sicher. <i>„Liam sucht gezwungenermaßen mit. Er hatte quasi gar keine andere Chance.“</i> Wobei der Lockenkopf damit vermutlich weniger ein Problem hatte. Nach diesen Worten breitete Shanaya die Arme breit aus, grinste voller Begeisterung über das ganze Gesicht. <i>„Und dann finden wir den größten Schatz, der jemals versteckt wurde! Und haufenweise andere Karten zu genau solchen Orten!“</i> Denn an einem Ort, der 500 Jahre lang nicht betreten worden war… vielleicht konnten sie sich nicht einmal ausmalen, was sie dort erwarten würde.</font>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Drachenjagd]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1207</link>
			<pubDate>Mon, 29 May 2023 19:48:56 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=39">Ceallagh Hayes</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1207</guid>
			<description><![CDATA[<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">„Drachenjagd“</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">08.Mai 1822</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Später Nachmittag</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Kleine Insel des Herzogtums</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222><span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> „Wo zum Henker steckst du schon wieder?“</span></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Taróns Blick ging in den dunklen Rachen des leeren Vorratsfasses, das am Deck der Sphinx auf seinen nächsten Einsatz wartete.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Nichts – wieder!</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Der Falke gab ein frustriertes und langsam ernsthaft gereiztes Schnaufen von sich, in das sich leises Fluchen mischte, als er sich wieder aufrichtete und zur tief stehenden Sonne sah. Eigentlich weniger seine Art – aber Calwah schaffte es einmal mehr ihm graue Haare zu bescheren. Die Echse war einfach nicht auffindbar.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Es beruhigte ihn etwas, dass diese Insel tatsächlich von allen Göttern – und den meisten Menschen – verlassen schien und dass sie nicht unter Zeitzwang standen bald ablegen zu müssen, aber auch das war nur ein fadenscheiniger Trost. Das Vieh hatte einfach schon zu viel gekostet, um es einfach machen zu lassen.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er musste sich wohl mit dem Gedanken anfreunden, dass Calwah sich nicht mehr an Board befand. Langsam gingen Tarón zumindest die Verstecke und Lücken aus, an denen er noch suchen konnte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Manchmal frage ich mich doch wie geröstete Echse wohl schmeckt…“</span></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">knurrte er in sich hinein und war dabei sich wohl oder übel auf den Weg zu machen.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23><i>“Sie schmeckt grauenvoll. Fad und unfassbar zäh.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Ceallagh trat geradewegs aus dem Durchgang aufs Deck heraus, als Taróns fluchende Gestalt über die Planken huschte und ihm ein sanftes Schmunzeln entlockte. Mit skeptischer Miene wanderten die grünblauen Augen über den Rücken des Älteren, dann auf das Fass dahinter, dessen Inhalt wohl weniger mit harten Schuppen gemein hatte, als es sich Tarón erhoffte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Es wäre die Mühe also nicht wert.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Mit einem knappen Zucken der rechten Schulter lockerte Ceallagh den Sitz seines Rucksacks, der unangenehm an seiner Armbinde zerrte. Löste dann mit einer Hand die Lasche am vorderen Ende, um sie mit mehr Spielraum wieder zu verschließen.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Alles klar?“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Es war mehr eine rhetorische Frage, denn ganz offensichtlich wurde hier nach einem (weniger) treuen Begleiter gesucht. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222>Die plötzlich anhebende Stimme ließ Tarón den Kopf in Richtung ihres Urquells wenden. Tatsächlich hatte er Ceallagh nicht bemerkt – oder Mr. Sympatico, wie er ihn insgeheim nannte, da der blonde Bursche den ersten Eindruck, den Tarón von ihm gehabt hatte, bisher durchaus bestätigt hatte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er war wohl zu sehr in die Suche nach dem schuppigen Teufel vertieft gewesen, um Ceallaghs Schritte vor seinen Worten zu vernehmen, doch jetzt warf er dem blonden Mann ein in Bitterkeit getauchtes Lächeln zu. Die freudlose Note galt dabei nicht dem Sympatico, sondern den Umständen. Was wollte man machen?</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Und auch wenn Ceallagh fragte war Tarón klar, dass dieser bereits im Bilde war. Andernfalls wäre er sehr enttäuscht von dem intelligenten Burschen gewesen. Warum sonst sollte Tarón auch halb in irgendwelchen Fässern untertauchen – die mit dem Rum standen zumindest nicht hier herum.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er lachte freudlos auf.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Ja, naja… nicht wirklich. Ich suche das schuppiges Teufelstier – wie du dir sicher schon gedacht hast. Scheint er hat sich klangheimlich davon gemacht. Heißt ich habe eine ganze Insel zum Suchen, denn auf der Sphinx ist er offenbar nicht mehr! Oder er hat endlich gelernt sich tatsächlich unsichtbar zu machen.“ </i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er verzog den Mund in Resignation - zumindest behielt er sich seinen Galgenhumor - doch seine Augen musterten Ceallagh und den Rucksack, den er gerade gerichtet hatte.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Und du? Wo geht’s hin?“</i> </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Eine Echse, die sich unsichtbar machte? Ehrlich gesagt erschien ihm diese Tatsache weniger unwahrscheinlich, als Tarón sie offensichtlich im Scherz aussprach. Denn es gab sie – so man den Gerüchten und Gesprächen diverser Händler vom Schwarzmarkt Glauben schenken konnte. Gesehen hatte er diese Wesen jedoch selbst noch nie. Womöglich aus mehr als nur einem Grund. Wie so üblich behielt der Hüne diese Information jedoch für sich. Zum einen weil sie dem Älteren nicht weiterhalf und er zum anderen auch nicht Herr eines solchen Reptils war. Offensichtlich.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Mir die Beine in der Stadt vertreten.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Und mal mehr sehen, als die immer gleichen knarzenden Planken und Ritzen aus Teer. Er hatte kein Problem damit, für Tage und Wochen auf See zu sein. Doch es erschien ihm dumm, die Gelegenheit des Landgangs nicht beim Schopf zu packen, wenn sie sich ihm bot. Ohnehin war er als Arbeitskraft nicht sonderlich hilfreich und nur zu kleinen Tätigkeiten zu gebrauchen, die ihn schnell ermüdeten. Vor Langeweile und geistiger Unterforderung. Seine Bücher besaßen bald mehr als ein Eselsohr, wenn er nicht dazu überging, sich neues Material zu beschaffen und das Alte für ein paar schmale Taler unter die Bevölkerung zu bringen.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Falls du also ein zweites Paar Augen brauchst.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Ein Angebot das Tarón wohl nicht ausschlagen würde. So glaubte Ceallagh und steuerte geradewegs auf die Gangway zu.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222>Der Falke musste nicht lange über dieses Angebot nachdenken.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Die Äußerung, dass Calwah nicht mehr an Board war, hatte er nicht im Scherz getätigt. Wenn er ihn bis jetzt nicht finden konnte, war es am wahrscheinlichsten, dass auch sein schuppiger Genosse sich ‚die Beine vertreten‘ wollte. Etwas, dass für das Schuppentier im Übrigen nicht ungewöhnlich war – und eine Eigenschaft, die Tarón bisweilen an der Echse verteufelte. Nicht, weil er Calwah die Bewegung oder die Befriedigung seiner Neugier nicht gönnte – aber der Gedanke an Malcára war nicht fern und damit auch die Erinnerung an das Schicksal der Aurora und ihrer Crew.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Da sage ich natürlich nicht nein.“ </i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Antwortete er also und folgte dem Blonden zur Gangway.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Selbst wenn er Calwah nicht fand würde er sich sicher auf die ein oder andere Art auszahlen sich etwas umzusehen – und Ceallagh besser kennen zu lernen. Im schlimmsten Fall musste er wohl darauf vertrauen, dass sein schuppiger Gefährte irgendwann Sehnsucht nach ihm verspürte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Warst du schonmal in der Gegend hier?“ </i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Fragte der Falke, um nicht bloß schweigend hinter dem großen Kerl herzuwandeln, dem er fürs erste die Zielsetzung überließ. Taróns Augen jedoch suchten jeden Flecken um sie herum ab – nach Calwah und auch nach allem anderen, das von Interesse sein konnte.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23><i>"Wie man es nimmt."</i>, murmelte der Hayes unter einem kurzen Knarzen der Holzbohlen, ehe er den Kopf zu Tarón herum wandte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>"Diese Gegend ist mir auf jeden Fall bekannter als andere Teile dieser Welt. Wie gut ich mich allerdings an Wege und Geschäfte erinnern kann, werden wir gleich noch sehen."</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er musste dem Fremden ja nicht auf dem Silbertablett servieren, dass er sich in mehr als nur einer Gegend sehr gut auskannte. Aus diversen Gründen, die absolut niemanden etwas angingen, die er in einem Gespräch aber nicht zwingend verheimlichen würde.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>"Wie lange wart ihr eigentlich auf der Insel gestrandet?"</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222>Taróns Schritte folgten denen Ceallaghs in ruhigem Rhythmus über die knarrende Gangway hin zum Land. Sein Begleiter gab nur wenig preis, auch wenn er ihm immerhin überhaupt auf seine Frage antwortete.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Mit seiner Gegenfrage lenkte er zumindest vorerst vom Thema ab.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Mit „Ihr“ meinst du mich und die wandelnde Handtasche? Ziemlich genau einen Monat.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er sah keinen Sinn darin etwas anderes, als die Wahrheit zu sagen. Vielleicht würde Ceallagh den Vertrauensvorschuss ja erwidern und selbst im Laufe der Suche etwas offener werden.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Die wandelnde Handtasche. Ceallagh musste unweigerlich schmunzeln ob dieser Vorstellung. Ganz sicher wäre keine Frau davon angetan dieses fauchende Wesen am Körper zu tragen. Zu stachelig. Zu garstig, wenn man nicht aufpasste.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>"Das ist länger als ich erwartet hätte."</i> Nicht weil es abwegig war. Sondern weil ihm der Ältere kaum bis nie aufgefallen war. Entweder sprach das für oder gegen ihn - ganz sicher jedoch für sein Talent unter dem Radar zu fliegen. Unbemerkt zu bleiben, so er es darauf anlegte. Und mit einem Begleiter wie dem geschuppten Calwah war das eine Meisterleistung.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>"Mit so einem Exoten als Begleitung wird das nicht einfach gewesen sein."</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222>Und erneut erwies sich sein Begleiter als erfreulich – wenn auch unter den falschen Umständen sicher auch gefährlich – scharfsinnig. Ceallagh verstand, was alles in den wenigen Worten und der kleinen Offenbarung enthalten war und verwertete den Brotkrumen komplett.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Erstaunlich lange – tatsächlich.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Nein. Zumal er etwas dagegen hat sich kontrollieren zu lassen, wie du sicher schon bemerkt hast. Aber die Kavernen haben sich als erstaunlich praktischer herausgestellt.“ </i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Das Schmunzeln darüber fand seinen Weg in seine Stimme – auch wenn in dem Ganzen ein etwas verbitterter Unterton mitschwang.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Er ist allgemein nicht dafür gemacht irgendjemandem irgendetwas leichter zu machen. Ich versuche es sportlich zu sehen. Hilft dabei aufmerksam zu bleiben.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Zeit für eine Gegenfrage.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Und was hatte dich an den hübschen Fleck Erde verschlagen? Deine Begegnung mit den anderen schien mir nicht geplant – auch wenn du Lucien ganz offenbar schon recht gut und lange kennst.“</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Menschen waren den Tieren wohl doch ähnlicher, als sich vor allem ganz "besondere" Exemplare seiner Rasse eingestanden. Mehr mit einer Echse, als einem Schwein gemein zu haben, erschien dem Hayes wie eine willkommene Abwechslung und hinterließt den Anflug eines Lachens kitzelnd in seiner Brust. Was Tarón mehr als nur ein graues Haar gekostet haben musste, wirkte auf ihn wie ein vergnüglicher Wettstreit zwischen Tier und Herrchen. <i>"Sind wir das nicht alle irgendwie? Zumindest ich kann nicht von mir behaupten viel für Handschellen und Leinen übrig zu haben... nicht in diesem Zusammenhang."</i> Kurz rückten die hellen Augen zur Seite, umrundeten das von Erfahrung und Müdigkeit gezeichnete Gesicht, ehe sie sich erneut auf den staubigen Weg vor sich richteten. Dass Tarón dazu überging mehr über ihn und seine Herkunft in Erfahrung zu bringen, nahm Ceallagh mit einem tiefen Atemzug hin und steckte seine rechte Hand in die Seitentaschen seiner Hose. <i>"War sie auch nicht. Und wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich diese Insel früher verlassen."</i> Denn die Gastfreundschaft der Kopfgeldjäger, und das wusste der Ältere sicherlich selbst zu Genüge, hatte sich in Grenzen gehalten. <i>"Aber ich beschwere mich nicht, es hätte weitaus schlimmer kommen können."</i> Natürlich war dem Älteren nicht entgangen, dass er und Lucien bereits eine gemeinsame Geschichte hatten. Keiner von ihnen machte daraus ein großes Geheimnis. Also schmunzelte der blonde Hüne schmal. Die Augen aufmerksam auf seine Umgebung gerichtet. Ganz als wäre diese Unterhaltung ein schmückendes Beiwerk ihrer Suche. <i>"Ist wohl so offensichtlich, hm?"</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222>Taróns leises Lachen vibrierte tief in seiner Brust. Soso Mr. Hayes. Ein ganz schlimmer Bursche!</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Tja, da sagst du wohl etwas Wahres… also darf ich es der Handtasche wahrscheinlich nicht übelnehmen.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Den Freiheitsdrang verstanden sie wohl alle nur zu gut. Wenig Gründe zogen einen mehr hinaus auf die Wellen und inmitten einer Runde Gesetzloser.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Und diese waren oftmals misstrauische Gestalten, die sich nur ungerne in die Karten gucken ließen – so wie auch Ceallagh. Dessen tiefer Atemzug entging Tarón nicht. Dennoch antwortete er ihm zumindest.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Tja, der Mangel an Mitfahrgelegenheiten ist mir auch aufgefallen. Manchmal stehen die Sterne, wie sie eben stehen.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Und da Ceall Taróns Verdacht bestätigte zeichnete sich ab wie sehr das Schicksal bei dem Blonden mitgemischt hatte. Es sei denn dieser sagte doch weniger, als tatsächlich dahinterstand. Vorerst jedoch nahm er die Aussagen als gegeben an.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Tatsächlich, ja.“ </i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Bestätigte er, ohne explizit nachzubohren, jedoch auch ohne das Thema fallen zu lassen. Denn wie die beiden zueinander standen interessierte ihn naturgemäß natürlich sehr. Dennoch ließ er Ceall Luft, ließ seinen Blick ebenso auf der Suche nach der Handtasche in spe umherschweifen und hoffte darauf, dass der Blonde ihm vielleicht genug Vertrauensvorschuss gab, dass die Unterhaltung nicht seltsam zum Verebben käme.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Zwei Worte. Mehr verlor Tarón nicht. Bestätigte seine Vermutung. Eine, die er eigentlich auch mehr selbst aufgestellt hatte, als dass Ceallagh sie in den Raum warf. Somit verlor der Hüne erneut ein schmales Lächeln. Tat es dem Fremden gleich, der seinen Blick über die Landschaft schweifen ließ und an einer kleinen Gruppe Kinder vorbei spazierte. Ohrenbetäubend warfen sie sich einen ledernen Ball zu, der fast Taróns Hinterkopf streifte und ein paar Meter weiter gegen eine Hauswand klatschte. <i>"Nun... in einer Welt wie dieser ist es nie verkehrt, allerhand Menschen zu kennen."</i> Und erst recht nicht deren Geheimnisse. Es hatte ihm zumindest mehrmals den Arsch gerettet. Über seine Schwester musste er dafür nicht einmal einen Gedanken verlieren. Sein Blick wandte sich kurz herum, streifte die Knirpse in seinem Rücken, die mit zusammengepressten Lippen und entschuldigenden Mienen auf die Hünen starrten und wortlos um Verzeihung baten. Noch während der erste davonstapfte, um den Ball wieder einzufangen, schnaubte Ceallagh amüsiert und wandte sich wieder herum. Blieb dann jedoch abrupt stehen, als seine grün-blauen Augen auf den Durchgang einer Seitenstraßen fielen. <i>"Welche Spuren hinterlässt deine Handtasche nochmal?"</i> </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222>Ceall beließ es dabei und gab nur noch ein Lächeln als Antwort auf Taróns Feststellung. Und vorerst ließ auch der Falke das Thema ruhen, um dem Anderen nicht zu schnell auf die Pelle zu rücken. Ceallagh war wohl eine der schwierigeren Nüsse.  Aber Tarón hatte gelernt Geduld zu haben, außerdem wollte er es sich nicht mit ihm verderben. Ceall war ihm von Anfang an sympathisch gewesen – und das lag mitunter daran, dass der Falke den Eindruck hatte, dass hinter Cealls Wasseraugen ein wacher Verstand wohnte. Etwas, das er respektierte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Seine eigenen Augen legten sich nun jedoch strafend auf die Kinder, deren Ball ihn nur um Haaresbreite verfehlt hatte. Doch kopfschüttelnd stahl sich bereits wieder ein nachsichtiges Lächeln auf sein Gesicht, als er die betretenen Mienen sah.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Ah. Ceall nahm den Faden doch kurzerhand wieder auf.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Oh, ganz sicher sogar – aber ihr scheint euch mehr als nur flüchtig zu kennen.“</i> spielte er seine Karte aus. Beobachtungen, die ihm Gestik und Mimik und der Ton ihrer Stimmen verraten hatte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Dann jedoch brachte Ceallagh seine Gedanken jedoch zurück zu ihrer eigentlichen Mission.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er folgte dessen Blick und sah die verräterischen Abdrücke in einer schlammigen Wasserlache, die Calwah wohl genutzt hatte, um sich abzukühlen, ehe er weitergewandert war.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Genau solche…“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Seufzte der Falke.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Na los, so weit kann er noch nicht sein…“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Das war eine Hoffnung, kein Wissen – wenn es wollte konnte das Echsenvieh verdammt schnell sein.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Nun. WIE gut er Lucien noch kannte, würde sich tatsächlich in den nächsten Wochen zeigen - Ceallagh war sich bereits darüber mehr als im Klaren, dass von dem kleinen Jungen nicht viel übrig geblieben war. Der Lauf der Dinge eben. Letztlich konnte er nicht behaupten, selbst noch der zu sein, der er einst war. Wenn auch noch immer zu großen Teilen. Seine Selbstsicherheit hatte er über die Jahre weniger eingebüßt. Zum Leidwesen einer Vielzahl von Menschen.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er schenkte Tarón somit ein kurzes Lächeln und einen mehrdeutigen Blick - er konnte sich bis auf weiteres darauf zusammenreimen was er wollte. Vielleicht schenkte er ihm irgendwann im Laufe des Tages reinen Wein ein. Wenn er die Lust dazu besaß.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Denn was gerade seine Aufmerksamkeit vereinnahmte waren die Spuren einer nicht ganz so kleinen Echse auf dem schlammigen Boden einer Pfütze. Bingo! Taróns tiefer Seufzer ließ Ceallagh den Blick für zwei, drei Herzschläge zu ihm herum fahren. Gab seinem Körper dann jedoch einen sanften Ruck, um den Pfad zu verlassen und in die angenehmen Schatten zwischen den Häuserreihen einzutauchen. <i>“Man könnte meinen dein Echsenfreund wäre mehr eine Schlange als Echse.“</i>, raunte der Hüne amüsiert über seine Schulter. Warf Tarón einen Seitenblick zu, kaum dass dieser aufholte und die kleinen Spuren verfolgte, die zunehmend im Sand versickerten. Das Tempo mit dem das Tier voran schritt war entweder beeindruckend oder die Aufmerksamkeit seines Besitzers nicht sonderlich groß. Mit reichlich Vorsprung konnte Calwah wohl gefühlt in jeder Ritze dieser Stadt verschwunden sein.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Und allein Ceallaghs Instinkt sagte ihm, dass er vielleicht an einem sonnigen Platz suchen oder dort Ausschau halten sollte, wo es Futter gab. Wie in einem Hühnerstall. Ähnlich dem, der sich wenige Meter vor ihnen - umzäunt von einem hüfthohen Holzzaun - in einem Hinterhof auftat. Der Hayes musste sich ein Lachen verkneifen, als er bereits das laute Gezeter der Hühner vernahm. Dann ein Fauchen. Und nur eine Sekunde später das spitze Aufschreien einer Frau. <i>“Du solltest ihm vielleicht bei Zeiten ein paar Manieren beibringen.“</i>, gluckste er und beschleunigte seinen Schritt. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222>Mit Ceallaghs kurzem Lächeln war die Lucien-Thematik damit vorerst abgeschlossen. Calwah – den galt es nun zu erwischen, ehe er wieder irgendeinen Blödsinn anstellte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>„Wegen der Spuren im Schlamm oder wegen seiner Niedertracht?“ </i> raunte Tarón mit einem grimmigen Lachen zurück. Selbst ihm war klar, dass Calwah im Grunde nur seinen Instinkten nachging… seinen simplen dummen kleinen Echseninstinkten die ihn zielsicher in irgendeine Scheiße ritten. Und Tarón gleich mit. Und der Falke kam nicht umhin ihm das mitunter sehr übel zu nehmen.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Auch an seine Ohren drangen nun die Geräusche. Zumindest fand Ceall das ganze noch überaus lustig – das bremste tatsächlich auch den Zorn des Falken, der sich nun beeilte zu der ablaufenden Katastrophe zu gelangen, die Calwah schon wieder anzettelte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Manieren…tja. Leider war die Echse kein Hund. Ob man Echsen übers Knie legen konnte?</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>„Ich brauch doch ne Leine…“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Dachte er nicht zum ersten Mal laut.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Hühnerstall – ein Haufen Federn um den Eingang herum, ein paar noch in der Luft wirbelnd - davor eine Frau, die in etwa sein Alter hatte und ihre Hände ans Gesicht schlug, die Augen rund wie Teller auf das Vieh starrend, das grade dabei war ein noch schwach zappelndes Huhn hinaus auf den schmalen Steg zu ziehen, der den Hühnern als Rampe in ihren Stall diente.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>„‘Tschuldigung…“ </i> Tarón schob die Frau sanft, aber bestimmt an ihren Schultern zur Seite.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Die Echse sah ihn an, er sah die Echse an. Calwah schien zu beschließen, dass er seinen Snack auch indoor genießen konnte, doch ehe er in dem Loch zum Hühnerstall verschwinden konnte packte Tarón ihn am Nacken, und riss ihn in die Höhe. Ein paar letzte Male mit den Füßen tretend hing das Huhn im Maul der Echse, die sich weigerte, die Beute loszulassen.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Tarón starrte ihn einen Moment einfach nur böse an. Die Echse glotzte einfach zurück.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Schließlich klemmte er sich die Echse unter den Arm und wandte sich der immer noch recht bleich aussehenden Frau zu.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>„Sie sollten ihren Verschlag besser sichern, Ma’am. Hier gibt’s Raubtiere. Gern geschehen, dass wir dieses für sie beseitigen. Sie schulden uns nichts. Treffen sie fürs nächste Mal nur bessere Vorkehrungen.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er sagte das mit einer Stimme die nicht nur vollends überzeugt klang, sondern auch ruppig genug klarzumachen, dass es vielleicht keine gute Idee wäre hier irgendwas mit den beiden großen, gefährlich genug aussehenden Typen zu diskutieren….selbst wen Ceall aussah wie ein großer Sunnyboy.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Ruppig pflückte er das tote Huhn aus Calwahs Kiefern und reichte es ihr, ehe er sich zum Gehen wandte. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Das Schauspiel, das sich ihm inmitten von fliegenden Federn und aufgeregtem Getier bot, wäre mehr als zum Schreien gewesen. Urkomisch. Etwas, das er Lucien erzählen musste, wenn sie zurück waren. Dabei kein Detail auslassend, das seine wachsamen Augen einfingen. Weder das wortlose Blickduell, das sich Herrchen und Echse lieferten, noch das halb tote Hühnchen im Maul des schuppigen Tieres. Alles was Ceallagh zu dieser Situation beizutragen hatte, war die Frau zu beruhigen, die bei Taróns Worten rot anlief. Vor Wut und Unverständnis, wie man an merken musste. Gerade noch im letzten Moment, konnte der Hüne die Hände nach einem Huhn ausstrecken, das an ihm vorbei über den Zaun fetzen wollte. Musterte die flatternden Flügel, bevor er es sich unter den Arm klemmte und sanft über den Hals strich.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>"Und sie haben wirklich sehr schöne Hüner."</i>, fügte er hinzu und sah lächelnd zu ihr auf. Wartete, bis das Federvieh an seinem Körper endlich das Strampeln aufgab und er den Schmerz in seiner Schulter soweit übertünchen konnte, dass er den Arm zurück in die dunkle Schlinge schob. <i>"Ist das eine eigene Züchtung?"</i> Vorsichtig fuhren die langen Finger unter den Bauch des Huhns. Fühlten den rasenden Herzschlag hinter der winzigen Brust. Der Hayes wartete darauf, dass die junge Frau ihr Hab und Gut entgegen nahm, kaum dass er auf sie zugelaufen war und nur noch eine Armlänge von ihr entfernt stand. <i>"Nnn... nein. Mein Vater hat sie gekauft."</i> Sie wischte sich mit skeptischer Miene die Haare aus dem Gesicht. Besah sich das Chaos im Gehege. Dann Tarón und die Echse.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>"Oh... dann hat ihr Vater wohl einen sehr guten Geschmack. Hühner wie diese sind nicht leicht zu bekommen."</i> Mit ausgestrecktem Finger deutet er auf eines des Exemplare, dessen roter Kamm aus einem der Häuschen heraus lugte. Ein kleines, hübsch drein schauendes Geschöpf, dessen blau-graues Gefieder regelrecht unter den weißen und braunen Artgenossen herausstach. <i>"Sieht fast aus wie eine spezielle Kreuzung der Herzogfamilie von Birlan. Sie und ihr Vater müssen wahre Glückspilze sein, so etwas in die Finger bekommen zu haben. Da sollten sie wirklich besser auf ihr Gehege und den Schutz des Tieres achten."</i></font></span><br />
<span style="color: black;" class="mycode_color"><span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span></span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">„Drachenjagd“</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">08.Mai 1822</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Später Nachmittag</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Kleine Insel des Herzogtums</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222><span style="font-style: italic;" class="mycode_i"> „Wo zum Henker steckst du schon wieder?“</span></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Taróns Blick ging in den dunklen Rachen des leeren Vorratsfasses, das am Deck der Sphinx auf seinen nächsten Einsatz wartete.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Nichts – wieder!</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Der Falke gab ein frustriertes und langsam ernsthaft gereiztes Schnaufen von sich, in das sich leises Fluchen mischte, als er sich wieder aufrichtete und zur tief stehenden Sonne sah. Eigentlich weniger seine Art – aber Calwah schaffte es einmal mehr ihm graue Haare zu bescheren. Die Echse war einfach nicht auffindbar.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Es beruhigte ihn etwas, dass diese Insel tatsächlich von allen Göttern – und den meisten Menschen – verlassen schien und dass sie nicht unter Zeitzwang standen bald ablegen zu müssen, aber auch das war nur ein fadenscheiniger Trost. Das Vieh hatte einfach schon zu viel gekostet, um es einfach machen zu lassen.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er musste sich wohl mit dem Gedanken anfreunden, dass Calwah sich nicht mehr an Board befand. Langsam gingen Tarón zumindest die Verstecke und Lücken aus, an denen er noch suchen konnte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Manchmal frage ich mich doch wie geröstete Echse wohl schmeckt…“</span></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">knurrte er in sich hinein und war dabei sich wohl oder übel auf den Weg zu machen.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23><i>“Sie schmeckt grauenvoll. Fad und unfassbar zäh.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Ceallagh trat geradewegs aus dem Durchgang aufs Deck heraus, als Taróns fluchende Gestalt über die Planken huschte und ihm ein sanftes Schmunzeln entlockte. Mit skeptischer Miene wanderten die grünblauen Augen über den Rücken des Älteren, dann auf das Fass dahinter, dessen Inhalt wohl weniger mit harten Schuppen gemein hatte, als es sich Tarón erhoffte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Es wäre die Mühe also nicht wert.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Mit einem knappen Zucken der rechten Schulter lockerte Ceallagh den Sitz seines Rucksacks, der unangenehm an seiner Armbinde zerrte. Löste dann mit einer Hand die Lasche am vorderen Ende, um sie mit mehr Spielraum wieder zu verschließen.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Alles klar?“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Es war mehr eine rhetorische Frage, denn ganz offensichtlich wurde hier nach einem (weniger) treuen Begleiter gesucht. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222>Die plötzlich anhebende Stimme ließ Tarón den Kopf in Richtung ihres Urquells wenden. Tatsächlich hatte er Ceallagh nicht bemerkt – oder Mr. Sympatico, wie er ihn insgeheim nannte, da der blonde Bursche den ersten Eindruck, den Tarón von ihm gehabt hatte, bisher durchaus bestätigt hatte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er war wohl zu sehr in die Suche nach dem schuppigen Teufel vertieft gewesen, um Ceallaghs Schritte vor seinen Worten zu vernehmen, doch jetzt warf er dem blonden Mann ein in Bitterkeit getauchtes Lächeln zu. Die freudlose Note galt dabei nicht dem Sympatico, sondern den Umständen. Was wollte man machen?</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Und auch wenn Ceallagh fragte war Tarón klar, dass dieser bereits im Bilde war. Andernfalls wäre er sehr enttäuscht von dem intelligenten Burschen gewesen. Warum sonst sollte Tarón auch halb in irgendwelchen Fässern untertauchen – die mit dem Rum standen zumindest nicht hier herum.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er lachte freudlos auf.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Ja, naja… nicht wirklich. Ich suche das schuppiges Teufelstier – wie du dir sicher schon gedacht hast. Scheint er hat sich klangheimlich davon gemacht. Heißt ich habe eine ganze Insel zum Suchen, denn auf der Sphinx ist er offenbar nicht mehr! Oder er hat endlich gelernt sich tatsächlich unsichtbar zu machen.“ </i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er verzog den Mund in Resignation - zumindest behielt er sich seinen Galgenhumor - doch seine Augen musterten Ceallagh und den Rucksack, den er gerade gerichtet hatte.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Und du? Wo geht’s hin?“</i> </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Eine Echse, die sich unsichtbar machte? Ehrlich gesagt erschien ihm diese Tatsache weniger unwahrscheinlich, als Tarón sie offensichtlich im Scherz aussprach. Denn es gab sie – so man den Gerüchten und Gesprächen diverser Händler vom Schwarzmarkt Glauben schenken konnte. Gesehen hatte er diese Wesen jedoch selbst noch nie. Womöglich aus mehr als nur einem Grund. Wie so üblich behielt der Hüne diese Information jedoch für sich. Zum einen weil sie dem Älteren nicht weiterhalf und er zum anderen auch nicht Herr eines solchen Reptils war. Offensichtlich.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Mir die Beine in der Stadt vertreten.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Und mal mehr sehen, als die immer gleichen knarzenden Planken und Ritzen aus Teer. Er hatte kein Problem damit, für Tage und Wochen auf See zu sein. Doch es erschien ihm dumm, die Gelegenheit des Landgangs nicht beim Schopf zu packen, wenn sie sich ihm bot. Ohnehin war er als Arbeitskraft nicht sonderlich hilfreich und nur zu kleinen Tätigkeiten zu gebrauchen, die ihn schnell ermüdeten. Vor Langeweile und geistiger Unterforderung. Seine Bücher besaßen bald mehr als ein Eselsohr, wenn er nicht dazu überging, sich neues Material zu beschaffen und das Alte für ein paar schmale Taler unter die Bevölkerung zu bringen.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>“Falls du also ein zweites Paar Augen brauchst.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Ein Angebot das Tarón wohl nicht ausschlagen würde. So glaubte Ceallagh und steuerte geradewegs auf die Gangway zu.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222>Der Falke musste nicht lange über dieses Angebot nachdenken.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Die Äußerung, dass Calwah nicht mehr an Board war, hatte er nicht im Scherz getätigt. Wenn er ihn bis jetzt nicht finden konnte, war es am wahrscheinlichsten, dass auch sein schuppiger Genosse sich ‚die Beine vertreten‘ wollte. Etwas, dass für das Schuppentier im Übrigen nicht ungewöhnlich war – und eine Eigenschaft, die Tarón bisweilen an der Echse verteufelte. Nicht, weil er Calwah die Bewegung oder die Befriedigung seiner Neugier nicht gönnte – aber der Gedanke an Malcára war nicht fern und damit auch die Erinnerung an das Schicksal der Aurora und ihrer Crew.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Da sage ich natürlich nicht nein.“ </i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Antwortete er also und folgte dem Blonden zur Gangway.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Selbst wenn er Calwah nicht fand würde er sich sicher auf die ein oder andere Art auszahlen sich etwas umzusehen – und Ceallagh besser kennen zu lernen. Im schlimmsten Fall musste er wohl darauf vertrauen, dass sein schuppiger Gefährte irgendwann Sehnsucht nach ihm verspürte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Warst du schonmal in der Gegend hier?“ </i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Fragte der Falke, um nicht bloß schweigend hinter dem großen Kerl herzuwandeln, dem er fürs erste die Zielsetzung überließ. Taróns Augen jedoch suchten jeden Flecken um sie herum ab – nach Calwah und auch nach allem anderen, das von Interesse sein konnte.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23><i>"Wie man es nimmt."</i>, murmelte der Hayes unter einem kurzen Knarzen der Holzbohlen, ehe er den Kopf zu Tarón herum wandte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>"Diese Gegend ist mir auf jeden Fall bekannter als andere Teile dieser Welt. Wie gut ich mich allerdings an Wege und Geschäfte erinnern kann, werden wir gleich noch sehen."</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er musste dem Fremden ja nicht auf dem Silbertablett servieren, dass er sich in mehr als nur einer Gegend sehr gut auskannte. Aus diversen Gründen, die absolut niemanden etwas angingen, die er in einem Gespräch aber nicht zwingend verheimlichen würde.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>"Wie lange wart ihr eigentlich auf der Insel gestrandet?"</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222>Taróns Schritte folgten denen Ceallaghs in ruhigem Rhythmus über die knarrende Gangway hin zum Land. Sein Begleiter gab nur wenig preis, auch wenn er ihm immerhin überhaupt auf seine Frage antwortete.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Mit seiner Gegenfrage lenkte er zumindest vorerst vom Thema ab.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Mit „Ihr“ meinst du mich und die wandelnde Handtasche? Ziemlich genau einen Monat.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er sah keinen Sinn darin etwas anderes, als die Wahrheit zu sagen. Vielleicht würde Ceallagh den Vertrauensvorschuss ja erwidern und selbst im Laufe der Suche etwas offener werden.</font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Die wandelnde Handtasche. Ceallagh musste unweigerlich schmunzeln ob dieser Vorstellung. Ganz sicher wäre keine Frau davon angetan dieses fauchende Wesen am Körper zu tragen. Zu stachelig. Zu garstig, wenn man nicht aufpasste.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>"Das ist länger als ich erwartet hätte."</i> Nicht weil es abwegig war. Sondern weil ihm der Ältere kaum bis nie aufgefallen war. Entweder sprach das für oder gegen ihn - ganz sicher jedoch für sein Talent unter dem Radar zu fliegen. Unbemerkt zu bleiben, so er es darauf anlegte. Und mit einem Begleiter wie dem geschuppten Calwah war das eine Meisterleistung.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>"Mit so einem Exoten als Begleitung wird das nicht einfach gewesen sein."</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222>Und erneut erwies sich sein Begleiter als erfreulich – wenn auch unter den falschen Umständen sicher auch gefährlich – scharfsinnig. Ceallagh verstand, was alles in den wenigen Worten und der kleinen Offenbarung enthalten war und verwertete den Brotkrumen komplett.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Erstaunlich lange – tatsächlich.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Nein. Zumal er etwas dagegen hat sich kontrollieren zu lassen, wie du sicher schon bemerkt hast. Aber die Kavernen haben sich als erstaunlich praktischer herausgestellt.“ </i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Das Schmunzeln darüber fand seinen Weg in seine Stimme – auch wenn in dem Ganzen ein etwas verbitterter Unterton mitschwang.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Er ist allgemein nicht dafür gemacht irgendjemandem irgendetwas leichter zu machen. Ich versuche es sportlich zu sehen. Hilft dabei aufmerksam zu bleiben.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Zeit für eine Gegenfrage.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Und was hatte dich an den hübschen Fleck Erde verschlagen? Deine Begegnung mit den anderen schien mir nicht geplant – auch wenn du Lucien ganz offenbar schon recht gut und lange kennst.“</i></font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Menschen waren den Tieren wohl doch ähnlicher, als sich vor allem ganz "besondere" Exemplare seiner Rasse eingestanden. Mehr mit einer Echse, als einem Schwein gemein zu haben, erschien dem Hayes wie eine willkommene Abwechslung und hinterließt den Anflug eines Lachens kitzelnd in seiner Brust. Was Tarón mehr als nur ein graues Haar gekostet haben musste, wirkte auf ihn wie ein vergnüglicher Wettstreit zwischen Tier und Herrchen. <i>"Sind wir das nicht alle irgendwie? Zumindest ich kann nicht von mir behaupten viel für Handschellen und Leinen übrig zu haben... nicht in diesem Zusammenhang."</i> Kurz rückten die hellen Augen zur Seite, umrundeten das von Erfahrung und Müdigkeit gezeichnete Gesicht, ehe sie sich erneut auf den staubigen Weg vor sich richteten. Dass Tarón dazu überging mehr über ihn und seine Herkunft in Erfahrung zu bringen, nahm Ceallagh mit einem tiefen Atemzug hin und steckte seine rechte Hand in die Seitentaschen seiner Hose. <i>"War sie auch nicht. Und wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich diese Insel früher verlassen."</i> Denn die Gastfreundschaft der Kopfgeldjäger, und das wusste der Ältere sicherlich selbst zu Genüge, hatte sich in Grenzen gehalten. <i>"Aber ich beschwere mich nicht, es hätte weitaus schlimmer kommen können."</i> Natürlich war dem Älteren nicht entgangen, dass er und Lucien bereits eine gemeinsame Geschichte hatten. Keiner von ihnen machte daraus ein großes Geheimnis. Also schmunzelte der blonde Hüne schmal. Die Augen aufmerksam auf seine Umgebung gerichtet. Ganz als wäre diese Unterhaltung ein schmückendes Beiwerk ihrer Suche. <i>"Ist wohl so offensichtlich, hm?"</i></font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222>Taróns leises Lachen vibrierte tief in seiner Brust. Soso Mr. Hayes. Ein ganz schlimmer Bursche!</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Tja, da sagst du wohl etwas Wahres… also darf ich es der Handtasche wahrscheinlich nicht übelnehmen.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Den Freiheitsdrang verstanden sie wohl alle nur zu gut. Wenig Gründe zogen einen mehr hinaus auf die Wellen und inmitten einer Runde Gesetzloser.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Und diese waren oftmals misstrauische Gestalten, die sich nur ungerne in die Karten gucken ließen – so wie auch Ceallagh. Dessen tiefer Atemzug entging Tarón nicht. Dennoch antwortete er ihm zumindest.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Tja, der Mangel an Mitfahrgelegenheiten ist mir auch aufgefallen. Manchmal stehen die Sterne, wie sie eben stehen.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Und da Ceall Taróns Verdacht bestätigte zeichnete sich ab wie sehr das Schicksal bei dem Blonden mitgemischt hatte. Es sei denn dieser sagte doch weniger, als tatsächlich dahinterstand. Vorerst jedoch nahm er die Aussagen als gegeben an.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Tatsächlich, ja.“ </i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Bestätigte er, ohne explizit nachzubohren, jedoch auch ohne das Thema fallen zu lassen. Denn wie die beiden zueinander standen interessierte ihn naturgemäß natürlich sehr. Dennoch ließ er Ceall Luft, ließ seinen Blick ebenso auf der Suche nach der Handtasche in spe umherschweifen und hoffte darauf, dass der Blonde ihm vielleicht genug Vertrauensvorschuss gab, dass die Unterhaltung nicht seltsam zum Verebben käme.</font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Zwei Worte. Mehr verlor Tarón nicht. Bestätigte seine Vermutung. Eine, die er eigentlich auch mehr selbst aufgestellt hatte, als dass Ceallagh sie in den Raum warf. Somit verlor der Hüne erneut ein schmales Lächeln. Tat es dem Fremden gleich, der seinen Blick über die Landschaft schweifen ließ und an einer kleinen Gruppe Kinder vorbei spazierte. Ohrenbetäubend warfen sie sich einen ledernen Ball zu, der fast Taróns Hinterkopf streifte und ein paar Meter weiter gegen eine Hauswand klatschte. <i>"Nun... in einer Welt wie dieser ist es nie verkehrt, allerhand Menschen zu kennen."</i> Und erst recht nicht deren Geheimnisse. Es hatte ihm zumindest mehrmals den Arsch gerettet. Über seine Schwester musste er dafür nicht einmal einen Gedanken verlieren. Sein Blick wandte sich kurz herum, streifte die Knirpse in seinem Rücken, die mit zusammengepressten Lippen und entschuldigenden Mienen auf die Hünen starrten und wortlos um Verzeihung baten. Noch während der erste davonstapfte, um den Ball wieder einzufangen, schnaubte Ceallagh amüsiert und wandte sich wieder herum. Blieb dann jedoch abrupt stehen, als seine grün-blauen Augen auf den Durchgang einer Seitenstraßen fielen. <i>"Welche Spuren hinterlässt deine Handtasche nochmal?"</i> </font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222>Ceall beließ es dabei und gab nur noch ein Lächeln als Antwort auf Taróns Feststellung. Und vorerst ließ auch der Falke das Thema ruhen, um dem Anderen nicht zu schnell auf die Pelle zu rücken. Ceallagh war wohl eine der schwierigeren Nüsse.  Aber Tarón hatte gelernt Geduld zu haben, außerdem wollte er es sich nicht mit ihm verderben. Ceall war ihm von Anfang an sympathisch gewesen – und das lag mitunter daran, dass der Falke den Eindruck hatte, dass hinter Cealls Wasseraugen ein wacher Verstand wohnte. Etwas, das er respektierte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Seine eigenen Augen legten sich nun jedoch strafend auf die Kinder, deren Ball ihn nur um Haaresbreite verfehlt hatte. Doch kopfschüttelnd stahl sich bereits wieder ein nachsichtiges Lächeln auf sein Gesicht, als er die betretenen Mienen sah.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Ah. Ceall nahm den Faden doch kurzerhand wieder auf.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Oh, ganz sicher sogar – aber ihr scheint euch mehr als nur flüchtig zu kennen.“</i> spielte er seine Karte aus. Beobachtungen, die ihm Gestik und Mimik und der Ton ihrer Stimmen verraten hatte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Dann jedoch brachte Ceallagh seine Gedanken jedoch zurück zu ihrer eigentlichen Mission.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er folgte dessen Blick und sah die verräterischen Abdrücke in einer schlammigen Wasserlache, die Calwah wohl genutzt hatte, um sich abzukühlen, ehe er weitergewandert war.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Genau solche…“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Seufzte der Falke.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i> „Na los, so weit kann er noch nicht sein…“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Das war eine Hoffnung, kein Wissen – wenn es wollte konnte das Echsenvieh verdammt schnell sein.</font></span><br />
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<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Nun. WIE gut er Lucien noch kannte, würde sich tatsächlich in den nächsten Wochen zeigen - Ceallagh war sich bereits darüber mehr als im Klaren, dass von dem kleinen Jungen nicht viel übrig geblieben war. Der Lauf der Dinge eben. Letztlich konnte er nicht behaupten, selbst noch der zu sein, der er einst war. Wenn auch noch immer zu großen Teilen. Seine Selbstsicherheit hatte er über die Jahre weniger eingebüßt. Zum Leidwesen einer Vielzahl von Menschen.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er schenkte Tarón somit ein kurzes Lächeln und einen mehrdeutigen Blick - er konnte sich bis auf weiteres darauf zusammenreimen was er wollte. Vielleicht schenkte er ihm irgendwann im Laufe des Tages reinen Wein ein. Wenn er die Lust dazu besaß.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Denn was gerade seine Aufmerksamkeit vereinnahmte waren die Spuren einer nicht ganz so kleinen Echse auf dem schlammigen Boden einer Pfütze. Bingo! Taróns tiefer Seufzer ließ Ceallagh den Blick für zwei, drei Herzschläge zu ihm herum fahren. Gab seinem Körper dann jedoch einen sanften Ruck, um den Pfad zu verlassen und in die angenehmen Schatten zwischen den Häuserreihen einzutauchen. <i>“Man könnte meinen dein Echsenfreund wäre mehr eine Schlange als Echse.“</i>, raunte der Hüne amüsiert über seine Schulter. Warf Tarón einen Seitenblick zu, kaum dass dieser aufholte und die kleinen Spuren verfolgte, die zunehmend im Sand versickerten. Das Tempo mit dem das Tier voran schritt war entweder beeindruckend oder die Aufmerksamkeit seines Besitzers nicht sonderlich groß. Mit reichlich Vorsprung konnte Calwah wohl gefühlt in jeder Ritze dieser Stadt verschwunden sein.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Und allein Ceallaghs Instinkt sagte ihm, dass er vielleicht an einem sonnigen Platz suchen oder dort Ausschau halten sollte, wo es Futter gab. Wie in einem Hühnerstall. Ähnlich dem, der sich wenige Meter vor ihnen - umzäunt von einem hüfthohen Holzzaun - in einem Hinterhof auftat. Der Hayes musste sich ein Lachen verkneifen, als er bereits das laute Gezeter der Hühner vernahm. Dann ein Fauchen. Und nur eine Sekunde später das spitze Aufschreien einer Frau. <i>“Du solltest ihm vielleicht bei Zeiten ein paar Manieren beibringen.“</i>, gluckste er und beschleunigte seinen Schritt. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#b22222>Mit Ceallaghs kurzem Lächeln war die Lucien-Thematik damit vorerst abgeschlossen. Calwah – den galt es nun zu erwischen, ehe er wieder irgendeinen Blödsinn anstellte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>„Wegen der Spuren im Schlamm oder wegen seiner Niedertracht?“ </i> raunte Tarón mit einem grimmigen Lachen zurück. Selbst ihm war klar, dass Calwah im Grunde nur seinen Instinkten nachging… seinen simplen dummen kleinen Echseninstinkten die ihn zielsicher in irgendeine Scheiße ritten. Und Tarón gleich mit. Und der Falke kam nicht umhin ihm das mitunter sehr übel zu nehmen.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Auch an seine Ohren drangen nun die Geräusche. Zumindest fand Ceall das ganze noch überaus lustig – das bremste tatsächlich auch den Zorn des Falken, der sich nun beeilte zu der ablaufenden Katastrophe zu gelangen, die Calwah schon wieder anzettelte.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Manieren…tja. Leider war die Echse kein Hund. Ob man Echsen übers Knie legen konnte?</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>„Ich brauch doch ne Leine…“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Dachte er nicht zum ersten Mal laut.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Hühnerstall – ein Haufen Federn um den Eingang herum, ein paar noch in der Luft wirbelnd - davor eine Frau, die in etwa sein Alter hatte und ihre Hände ans Gesicht schlug, die Augen rund wie Teller auf das Vieh starrend, das grade dabei war ein noch schwach zappelndes Huhn hinaus auf den schmalen Steg zu ziehen, der den Hühnern als Rampe in ihren Stall diente.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>„‘Tschuldigung…“ </i> Tarón schob die Frau sanft, aber bestimmt an ihren Schultern zur Seite.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Die Echse sah ihn an, er sah die Echse an. Calwah schien zu beschließen, dass er seinen Snack auch indoor genießen konnte, doch ehe er in dem Loch zum Hühnerstall verschwinden konnte packte Tarón ihn am Nacken, und riss ihn in die Höhe. Ein paar letzte Male mit den Füßen tretend hing das Huhn im Maul der Echse, die sich weigerte, die Beute loszulassen.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Tarón starrte ihn einen Moment einfach nur böse an. Die Echse glotzte einfach zurück.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Schließlich klemmte er sich die Echse unter den Arm und wandte sich der immer noch recht bleich aussehenden Frau zu.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>„Sie sollten ihren Verschlag besser sichern, Ma’am. Hier gibt’s Raubtiere. Gern geschehen, dass wir dieses für sie beseitigen. Sie schulden uns nichts. Treffen sie fürs nächste Mal nur bessere Vorkehrungen.“</i></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Er sagte das mit einer Stimme die nicht nur vollends überzeugt klang, sondern auch ruppig genug klarzumachen, dass es vielleicht keine gute Idee wäre hier irgendwas mit den beiden großen, gefährlich genug aussehenden Typen zu diskutieren….selbst wen Ceall aussah wie ein großer Sunnyboy.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font">Ruppig pflückte er das tote Huhn aus Calwahs Kiefern und reichte es ihr, ehe er sich zum Gehen wandte. </font></span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><font color=#6B8E23>Das Schauspiel, das sich ihm inmitten von fliegenden Federn und aufgeregtem Getier bot, wäre mehr als zum Schreien gewesen. Urkomisch. Etwas, das er Lucien erzählen musste, wenn sie zurück waren. Dabei kein Detail auslassend, das seine wachsamen Augen einfingen. Weder das wortlose Blickduell, das sich Herrchen und Echse lieferten, noch das halb tote Hühnchen im Maul des schuppigen Tieres. Alles was Ceallagh zu dieser Situation beizutragen hatte, war die Frau zu beruhigen, die bei Taróns Worten rot anlief. Vor Wut und Unverständnis, wie man an merken musste. Gerade noch im letzten Moment, konnte der Hüne die Hände nach einem Huhn ausstrecken, das an ihm vorbei über den Zaun fetzen wollte. Musterte die flatternden Flügel, bevor er es sich unter den Arm klemmte und sanft über den Hals strich.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>"Und sie haben wirklich sehr schöne Hüner."</i>, fügte er hinzu und sah lächelnd zu ihr auf. Wartete, bis das Federvieh an seinem Körper endlich das Strampeln aufgab und er den Schmerz in seiner Schulter soweit übertünchen konnte, dass er den Arm zurück in die dunkle Schlinge schob. <i>"Ist das eine eigene Züchtung?"</i> Vorsichtig fuhren die langen Finger unter den Bauch des Huhns. Fühlten den rasenden Herzschlag hinter der winzigen Brust. Der Hayes wartete darauf, dass die junge Frau ihr Hab und Gut entgegen nahm, kaum dass er auf sie zugelaufen war und nur noch eine Armlänge von ihr entfernt stand. <i>"Nnn... nein. Mein Vater hat sie gekauft."</i> Sie wischte sich mit skeptischer Miene die Haare aus dem Gesicht. Besah sich das Chaos im Gehege. Dann Tarón und die Echse.</span><br />
<span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"><i>"Oh... dann hat ihr Vater wohl einen sehr guten Geschmack. Hühner wie diese sind nicht leicht zu bekommen."</i> Mit ausgestrecktem Finger deutet er auf eines des Exemplare, dessen roter Kamm aus einem der Häuschen heraus lugte. Ein kleines, hübsch drein schauendes Geschöpf, dessen blau-graues Gefieder regelrecht unter den weißen und braunen Artgenossen herausstach. <i>"Sieht fast aus wie eine spezielle Kreuzung der Herzogfamilie von Birlan. Sie und ihr Vater müssen wahre Glückspilze sein, so etwas in die Finger bekommen zu haben. Da sollten sie wirklich besser auf ihr Gehege und den Schutz des Tieres achten."</i></font></span><br />
<span style="color: black;" class="mycode_color"><span style="font-family: Arial,;" class="mycode_font"> </span></span>]]></content:encoded>
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