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		<title><![CDATA[Inselwelten - Mythen & Legenden]]></title>
		<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/</link>
		<description><![CDATA[Inselwelten - https://inselwelten.crux-mundi.de]]></description>
		<pubDate>Mon, 20 Apr 2026 11:25:42 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Die Schöpfung der Sieben Welten]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1162</link>
			<pubDate>Thu, 15 Dec 2022 16:50:24 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=1">Weltenwind</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<link href='https://fonts.googleapis.com/css2?family=Meddon&display=swap' rel='stylesheet' type='text/css'>
<ul><b>Verwandte Themen</b><br />
» <a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=93">Die Geschichte der Ersten Welt</a></ul>
<br />
<center><table background="https://inselwelten.crux-mundi.de/chronicles/04bibliothek/backline.png" border="0" width="300" height="100"><tr><td><center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Montez' rel='stylesheet' type='text/css'><font style="font-family: 'Montez', cursive; color: #4b4b4b; font-size: 35px; line-height: 25px;">Die Schöpfung<br>der Sieben Welten</span></font></center></td></tr></table></center><br />
<br />
<br />
<div class="subhead">Einst sah die Welt ganz anders aus, als heute. Sie bestand aus nichts als Leere, aus Schwärze und Existenzlosigkeit. Doch damit sie nicht ganz leer, schwarz und existenzlos war – denn es braucht zu allem stets ein Gegenstück, um das Gleichgewicht zu wahren – lebten in ihr die weißen Drachen. Magische Geschöpfe von unglaublicher Macht, aus wirbelndem Licht, gestaltlos, aber mit Gestalt und einem Schuppenkleid, so blass wie die bleiche Haut des Todes (noch heute gilt die Farbe weiß als Symbol für die Reinheit des Lebens, die Unbeflecktheit des Todes und das Gleichgewicht des Seins). <br />
Sie lebten und liebten und wuchsen und gediehen in ihr. Doch sie langweilten sich auch. Und so begannen sie nach unendlicher Zeit und vor unendlicher Zeit die Sieben Welten zu erschaffen mit allem, was in ihnen lebt. Ein jeder von ihnen gab dabei etwas von sich, je nach seinen Stärken. Die eine schenkte Licht, die andere Leben und Tod. Einer schenkte freien Willen, eine schenkte den Fluss der Zeit. <br />
Sie begannen ihr Werk – wie der Name es bereits vermuten lässt – mit der Ersten Welt, schufen Inseln, Flüsse, Wälder und Leben in ausgewogenem Gleichgewicht zueinander. Dann wandten sie sich der Zweiten Welt zu, mit ihren Gebirgen aus Eis und Kälte und der kristallenen Schönheit dessen, was darunter liegt. Die Dritte Welt hätte gegensätzlicher nicht sein können. Ihr schenkten sie Hitze und Sand als unerbittliche Gebieter, die die faszinierendsten Landstriche formten. Und so ging es weiter - eine Welt nach der anderen. Noch heute tragen sie deshalb jene Bezeichnungen, die die Reihenfolge ihrer Entstehung verraten: Die Erste Welt, die Zweite Welt, die Dritte Welt, bis hin zur Siebten Welt. <br />
Schnell wurde jedoch klar, dass sie einander zu unterschiedlich waren und die Elemente, die in ihnen herrschten, einander bekämpften. Also schufen die Drachen auch jene Schutzbarrieren, wie man sie zwischen der Zweiten und der Dritten Welt kennt: Riesige Wände aus Wasser, Feuer oder Eis, die hunderte Meter in den Himmel wachsen, oder Schluchten im Meer, über die es keine Passage gibt.<br />
Um jene fragile Balance und auch die aller anderen Welten, Elemente und Lebewesen zu wahren, brachten sie schließlich noch anderen Drachen hervor. Ihre Kinder. Jede Art einem Element zugeordnet. Sie waren die Letzten, die geboren wurden, lange nach den Menschen, den Meerjungfrauen, den inselgroßen Geschöpfen der Tiefsee und den Tieren des Landes. Doch ihre Aufgabe sollte umso wichtiger sein: Sie hielten Ordnung im Chaos der Schöpfung, während sich ihre Eltern in die Unwirklichkeit der Achten Welt zurückzogen – jene letzte Welt, die sie schufen, da sie sich trotz allem in der Leere und Dunkelheit der alten Tage am wohlsten fühlten. <br />
Ihre Kinder hingegen verehrte man wie Könige, noch bevor die Menschen ihre Könige hervorbrachten, baute ihnen Tempel und reichte ihnen Opfer dar. Die Götter des Gleichgewichts wurden sie genannt und es war eine friedliche Zeit, in der die Welten erblühten, wuchsen und gediehen.<br />
<br />
Irgendwann jedoch begannen diese Drachen den Menschen ihren Gemeinschaftssinn und ihren Einfallsreichtum zu neiden. Während die einen lediglich in kleinen Grüppchen oder allein ihr Dasein fristeten, schlossen sich die anderen zu großen Völkern zusammen und begannen, die Natur und die Balance der Welten für sich nutzbar zu machen. Ihre Verehrung allein reichte den Drachen nicht mehr. <br />
Und so wandten sie sich gegen die Menschen und begannen, nach ihrer Auslöschung zu trachten. Ein Krieg überzog die Sieben Welten, der hunderte und hunderte Jahre andauern sollte. Bis es schlussendlich gelang, die bösartigen Kreaturen zurückzuschlagen. Sie flohen und versteckten sich in unwirtliche Gegenden, an geheimen Orten, und überließen die Menschenwelt den Menschen.<br />
 <br />
So zogen die Jahrhunderte ins Land und heute erinnert sich niemand mehr an die alte Religion um jene „Götter des Gleichgewichts“. Man ist sich nicht einmal sicher, ob sie noch existieren oder je existiert haben. Zwar überdauert die Geschichte um die Erschaffung der Sieben Welten in den Köpfen der Menschen, da man sie schon kleinen Kindern zum Einschlafen zu erzählen pflegt, doch einen echten Drachen gesehen hat schon seit jenen Tagen niemand mehr. Trotzdem besteht das Gleichgewicht weiterhin fort. Wir haben die Welten besiedelt und bestehen in ihnen, ohne dass es das Eingreifen einer höheren Macht je bedurft hätte.<br />
Und so wird es auch immer sein.</blockquote>
<br />
<br />
<div align="right"><font size="1">[niedergeschrieben von Cyrn Baikian, Bibliothekar der Großen Bibliothek von Chelyia, 1634]</div>
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<ul><b>Verwandte Themen</b><br />
» <a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=93">Die Geschichte der Ersten Welt</a></ul>
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<center><table background="https://inselwelten.crux-mundi.de/chronicles/04bibliothek/backline.png" border="0" width="300" height="100"><tr><td><center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Montez' rel='stylesheet' type='text/css'><font style="font-family: 'Montez', cursive; color: #4b4b4b; font-size: 35px; line-height: 25px;">Die Schöpfung<br>der Sieben Welten</span></font></center></td></tr></table></center><br />
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<div class="subhead">Einst sah die Welt ganz anders aus, als heute. Sie bestand aus nichts als Leere, aus Schwärze und Existenzlosigkeit. Doch damit sie nicht ganz leer, schwarz und existenzlos war – denn es braucht zu allem stets ein Gegenstück, um das Gleichgewicht zu wahren – lebten in ihr die weißen Drachen. Magische Geschöpfe von unglaublicher Macht, aus wirbelndem Licht, gestaltlos, aber mit Gestalt und einem Schuppenkleid, so blass wie die bleiche Haut des Todes (noch heute gilt die Farbe weiß als Symbol für die Reinheit des Lebens, die Unbeflecktheit des Todes und das Gleichgewicht des Seins). <br />
Sie lebten und liebten und wuchsen und gediehen in ihr. Doch sie langweilten sich auch. Und so begannen sie nach unendlicher Zeit und vor unendlicher Zeit die Sieben Welten zu erschaffen mit allem, was in ihnen lebt. Ein jeder von ihnen gab dabei etwas von sich, je nach seinen Stärken. Die eine schenkte Licht, die andere Leben und Tod. Einer schenkte freien Willen, eine schenkte den Fluss der Zeit. <br />
Sie begannen ihr Werk – wie der Name es bereits vermuten lässt – mit der Ersten Welt, schufen Inseln, Flüsse, Wälder und Leben in ausgewogenem Gleichgewicht zueinander. Dann wandten sie sich der Zweiten Welt zu, mit ihren Gebirgen aus Eis und Kälte und der kristallenen Schönheit dessen, was darunter liegt. Die Dritte Welt hätte gegensätzlicher nicht sein können. Ihr schenkten sie Hitze und Sand als unerbittliche Gebieter, die die faszinierendsten Landstriche formten. Und so ging es weiter - eine Welt nach der anderen. Noch heute tragen sie deshalb jene Bezeichnungen, die die Reihenfolge ihrer Entstehung verraten: Die Erste Welt, die Zweite Welt, die Dritte Welt, bis hin zur Siebten Welt. <br />
Schnell wurde jedoch klar, dass sie einander zu unterschiedlich waren und die Elemente, die in ihnen herrschten, einander bekämpften. Also schufen die Drachen auch jene Schutzbarrieren, wie man sie zwischen der Zweiten und der Dritten Welt kennt: Riesige Wände aus Wasser, Feuer oder Eis, die hunderte Meter in den Himmel wachsen, oder Schluchten im Meer, über die es keine Passage gibt.<br />
Um jene fragile Balance und auch die aller anderen Welten, Elemente und Lebewesen zu wahren, brachten sie schließlich noch anderen Drachen hervor. Ihre Kinder. Jede Art einem Element zugeordnet. Sie waren die Letzten, die geboren wurden, lange nach den Menschen, den Meerjungfrauen, den inselgroßen Geschöpfen der Tiefsee und den Tieren des Landes. Doch ihre Aufgabe sollte umso wichtiger sein: Sie hielten Ordnung im Chaos der Schöpfung, während sich ihre Eltern in die Unwirklichkeit der Achten Welt zurückzogen – jene letzte Welt, die sie schufen, da sie sich trotz allem in der Leere und Dunkelheit der alten Tage am wohlsten fühlten. <br />
Ihre Kinder hingegen verehrte man wie Könige, noch bevor die Menschen ihre Könige hervorbrachten, baute ihnen Tempel und reichte ihnen Opfer dar. Die Götter des Gleichgewichts wurden sie genannt und es war eine friedliche Zeit, in der die Welten erblühten, wuchsen und gediehen.<br />
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Irgendwann jedoch begannen diese Drachen den Menschen ihren Gemeinschaftssinn und ihren Einfallsreichtum zu neiden. Während die einen lediglich in kleinen Grüppchen oder allein ihr Dasein fristeten, schlossen sich die anderen zu großen Völkern zusammen und begannen, die Natur und die Balance der Welten für sich nutzbar zu machen. Ihre Verehrung allein reichte den Drachen nicht mehr. <br />
Und so wandten sie sich gegen die Menschen und begannen, nach ihrer Auslöschung zu trachten. Ein Krieg überzog die Sieben Welten, der hunderte und hunderte Jahre andauern sollte. Bis es schlussendlich gelang, die bösartigen Kreaturen zurückzuschlagen. Sie flohen und versteckten sich in unwirtliche Gegenden, an geheimen Orten, und überließen die Menschenwelt den Menschen.<br />
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So zogen die Jahrhunderte ins Land und heute erinnert sich niemand mehr an die alte Religion um jene „Götter des Gleichgewichts“. Man ist sich nicht einmal sicher, ob sie noch existieren oder je existiert haben. Zwar überdauert die Geschichte um die Erschaffung der Sieben Welten in den Köpfen der Menschen, da man sie schon kleinen Kindern zum Einschlafen zu erzählen pflegt, doch einen echten Drachen gesehen hat schon seit jenen Tagen niemand mehr. Trotzdem besteht das Gleichgewicht weiterhin fort. Wir haben die Welten besiedelt und bestehen in ihnen, ohne dass es das Eingreifen einer höheren Macht je bedurft hätte.<br />
Und so wird es auch immer sein.</blockquote>
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<div align="right"><font size="1">[niedergeschrieben von Cyrn Baikian, Bibliothekar der Großen Bibliothek von Chelyia, 1634]</div>
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		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Svavars Herde]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=985</link>
			<pubDate>Tue, 24 Nov 2020 20:16:15 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=1">Weltenwind</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<link href='https://fonts.googleapis.com/css2?family=Meddon&display=swap' rel='stylesheet' type='text/css'>
<blockquote>Die Geschichte von Svavar ist mäßig bis gut bekannt im Norden Andalóniens, da man dort auch ihren Ursprung vermutet. Am gängigsten ist sie unter Seglern und Fischern – in diesen Kreisen kennt sie beinahe jeder – aber auch unter den Inselbewohnern wird sie ab und zu erzählt, um zu warnen, zu weisem Handeln zu raten oder Lektionen zu erteilen. An Land sieht man als Indikator für die nahende Herde meist einen Sturm oder Nebel, was einige Leute dazu bewegt, sich von der Küste fernzuhalten. Auf See sind es meist die Schreie oder die leuchtenden Augen der Herde, die dafür Sorgen, dass der Kurs gewechselt wird oder man sich unter Deck verzieht. Aber sicher ist, dass spätestens dann, wenn alle vier Anzeichen auftreten, Svavars Herde in unmittelbarer Nähe ist – was natürlich nicht jedermann glaubt. Aber diejenigen, die sich nahe genug heran gewagt haben, um davon zu berichten, sind jetzt Teil von Svavars Herde.<br />
<br />
Sie tritt in unterschiedlichen, leicht abgewandelten Versionen auf, da sie ursprünglich mündlich überliefert wurde. In manchen ist Svavar eine Svava oder Svala, die ihre Schwester Sóla sucht. Manchmal ist Svavar der jüngere, manchmal der ältere Bruder. Manchmal sind die beiden Geschwister, manchmal Geliebte (in allen möglichen Kombinationen). Manchmal brennen die Augen der Herde rot, manchmal blau. Manchmal treffen Svavar und Sólvin sich ein Mal in der Woche, manchmal ein Mal im Monat. Manchmal verbringen sie die ganze Nacht zusammen und reiten am Morgen wieder Heim (besonders in den Liebesgeschichten), manchmal reiten sie nach ein paar Stunden wieder Heim, um morgens zurück zu sein. Außerdem kam der Teil mit der Zähmung um einiges später dazu, allerdings aber früh genug, sodass nicht nachweisbar ist, wann, warum und wie man zu dieser Annahme kam.</blockquote>
<center><font size="3"> • • •</font></center><br />
<br />
<div class="subhead">Es waren einmal zwei Brüder und ein jeder liebte nichts mehr als den anderen. Doch die Eltern waren arm und so wurden beide Brüder als Jünglinge in andere Dörfer geschickt, um zu arbeiten. Der jüngere, Svavar, kam als Stallknecht zu einer reichen Händlerfamilie im Westen; der ältere, Sólvin, als Viehhirte zu einem alten Bauern im Osten, der keine Familie hatte und sich nicht mehr allein um sein Gehöft kümmern konnte. Beiden ging es besser als jemals zuvor, denn sie hatten nun immer genug zu Essen, ein sauberes Hemd am Leib, und sogar genug übrig, um sich manchmal etwas zu gönnen. Doch ging es ihnen auch schlecht, denn sie hatten nun zwar alles, aber sie hatten nicht einander. Also trafen sie eine Abmachung: Sie wollten sich trotz des weiten Weges einmal in der Woche auf halber Strecke treffen.<br />
<br />
Von seinem Angesparten kaufte sich Svavar ein junges Ross, das als das Schnellste und Hübscheste im Westen galt. So konnte er jede Woche zum Treffpunkt reiten. Auch Sólvin hatte ein Ross – das alte seines Herrn – um zum Treffpunkt zu reiten, aber sein Geld gab er lieber für Bücher aus. Jeder wusste, dass Svavar nichts mehr liebte, als sein Pferd und dass Sólvin nichts mehr liebte, als seine Bücher. Doch wussten sie beide, dass sie nichts mehr liebten, als einander, und nun, da sie sich wieder sehen konnten, waren sie wieder glücklich.<br />
<br />
<table border="0" cellpadding="5" align="right"><tr><td><img src="https://inselwelten.crux-mundi.de/chronicles/04bibliothek/mythen_und_legenden/svavar.png"></td></tr></table>An einem Tag, als es wieder Zeit war, sich zu treffen, nahmen beide ihren üblichen Weg an der Küste entlang. Sie konnten nie über das Landesinnere reiten, denn damals befand sich dort ein unüberschreitbarer Gletscher. Für Jahre und Jahre hatten sie sich an immer diesem Fleck getroffen und nie war etwas geschehen. An jenem Tag aber zog Nebel vom Meer herbei, als beide los ritten, und er wurde immer dichter, sodass man bald kaum noch die Hand vor den Augen sah. Svavars Pferd war die ganze Zeit über schon nervös gewesen, aber er kam sicher am Treffpunkt an und wartete dort auf Sólvin. Und wartete. Und wartete. Und wartete. Und Sólvin kam nicht. Als es begann, dunkel zu werden, machte er sich zu große Sorgen und ritt weiter in die Richtung, aus der sein Bruder gekommen wäre. Der Nebel ließ nicht nach und auch das Meer begann, unruhig zu werden, und ein Sturm zog auf, aber nach einiger Zeit konnte er im dichten Nebel auf einer flachen Klippe den Umriss eines reiterlosen Pferdes erkennen. Je näher er kam, um so deutlicher hörte er Hilferufe über das Geräusch der Wellen und des nun wütenden Unwetters, und er war sich sicher, dass er seinen Bruder hörte. Er trieb sein Ross an, um schneller bei Sólvin zu sein, doch der Blitz schlug direkt neben ihnen in den Boden und das Ross warf ihn ab vor Schreck. Als Svavar sich aufrappelte, sah er, wie sein Ross die Klippe ins Wasser hinabrutschte. Nun hörte er beide schreien – seinen Bruder und sein Ross – und er wusste, er konnte nicht beide retten und würde sich für einen der beiden entscheiden müssen.<br />
<br />
Die Leute behielten recht, die behaupteten – nein, wussten – Svavar liebe nichts mehr als sein Ross, denn er ließ sich die Klippe ins Wasser hinabrutschen, fluchend auf den Nebel und den Sturm und die Götter, dass sie ihn in diese Situation gebracht hatten. Noch bevor er das Pferd erreichen konnte, riss eine Welle ihn fort und er betete zu den Göttern, die er eben noch verfluchte, dass er Buße tun würde für seine Tat und seinen Bruder retten würde, wenn sie ihn am Leben ließen. Doch die Götter halfen ihm nicht und Svavar ertrank – aber Buße tun ließen sie ihn: Sie gaben ihm den Körper des Tieres, das er glaubte, so sehr zu lieben. Sie gaben ihm Feuer, dort wo seine Augen waren, damit er immer ein Licht haben würde im Dunkeln und im Nebel. Sie gaben ihm Hufe, die dem Wasser trotzten, sodass es ihm nicht mehr zur Gefahr werden konnte. Und sie gaben ihm den Nebel und den Sturm als ewige Begleiter, um ihn daran zu erinnern, was er für sein Verhängnis gehalten hatte, wo es doch seine eigene Entscheidung gewesen war, die ihm zum Verhängnis geworden war.<br />
<br />
Seitdem irrt Svavar in Gestalt eines Pferdes auf dem Meer umher, schreit unentwegt nach seinem Bruder, und reißt jene mit, die zu unvorsichtig oder voreilig sind. Kommen sie ihm zu nahe, werden auch sie dazu verdammt, Teil der Herde zu werden und ihn auf der Suche nach seinem verlorenen Bruder zu begleiten. Nur, wenn man es schafft, Svavar zu erreichen und zu zähmen, werden alle Fortgerissenen wieder zu denen, die sie zuvor waren.</div>
<br />
<div align="right"><font size="1">[erzählt von: Rúnar Rúnarsson]</font></div>
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<br />
Sie tritt in unterschiedlichen, leicht abgewandelten Versionen auf, da sie ursprünglich mündlich überliefert wurde. In manchen ist Svavar eine Svava oder Svala, die ihre Schwester Sóla sucht. Manchmal ist Svavar der jüngere, manchmal der ältere Bruder. Manchmal sind die beiden Geschwister, manchmal Geliebte (in allen möglichen Kombinationen). Manchmal brennen die Augen der Herde rot, manchmal blau. Manchmal treffen Svavar und Sólvin sich ein Mal in der Woche, manchmal ein Mal im Monat. Manchmal verbringen sie die ganze Nacht zusammen und reiten am Morgen wieder Heim (besonders in den Liebesgeschichten), manchmal reiten sie nach ein paar Stunden wieder Heim, um morgens zurück zu sein. Außerdem kam der Teil mit der Zähmung um einiges später dazu, allerdings aber früh genug, sodass nicht nachweisbar ist, wann, warum und wie man zu dieser Annahme kam.</blockquote>
<center><font size="3"> • • •</font></center><br />
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<div class="subhead">Es waren einmal zwei Brüder und ein jeder liebte nichts mehr als den anderen. Doch die Eltern waren arm und so wurden beide Brüder als Jünglinge in andere Dörfer geschickt, um zu arbeiten. Der jüngere, Svavar, kam als Stallknecht zu einer reichen Händlerfamilie im Westen; der ältere, Sólvin, als Viehhirte zu einem alten Bauern im Osten, der keine Familie hatte und sich nicht mehr allein um sein Gehöft kümmern konnte. Beiden ging es besser als jemals zuvor, denn sie hatten nun immer genug zu Essen, ein sauberes Hemd am Leib, und sogar genug übrig, um sich manchmal etwas zu gönnen. Doch ging es ihnen auch schlecht, denn sie hatten nun zwar alles, aber sie hatten nicht einander. Also trafen sie eine Abmachung: Sie wollten sich trotz des weiten Weges einmal in der Woche auf halber Strecke treffen.<br />
<br />
Von seinem Angesparten kaufte sich Svavar ein junges Ross, das als das Schnellste und Hübscheste im Westen galt. So konnte er jede Woche zum Treffpunkt reiten. Auch Sólvin hatte ein Ross – das alte seines Herrn – um zum Treffpunkt zu reiten, aber sein Geld gab er lieber für Bücher aus. Jeder wusste, dass Svavar nichts mehr liebte, als sein Pferd und dass Sólvin nichts mehr liebte, als seine Bücher. Doch wussten sie beide, dass sie nichts mehr liebten, als einander, und nun, da sie sich wieder sehen konnten, waren sie wieder glücklich.<br />
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<table border="0" cellpadding="5" align="right"><tr><td><img src="https://inselwelten.crux-mundi.de/chronicles/04bibliothek/mythen_und_legenden/svavar.png"></td></tr></table>An einem Tag, als es wieder Zeit war, sich zu treffen, nahmen beide ihren üblichen Weg an der Küste entlang. Sie konnten nie über das Landesinnere reiten, denn damals befand sich dort ein unüberschreitbarer Gletscher. Für Jahre und Jahre hatten sie sich an immer diesem Fleck getroffen und nie war etwas geschehen. An jenem Tag aber zog Nebel vom Meer herbei, als beide los ritten, und er wurde immer dichter, sodass man bald kaum noch die Hand vor den Augen sah. Svavars Pferd war die ganze Zeit über schon nervös gewesen, aber er kam sicher am Treffpunkt an und wartete dort auf Sólvin. Und wartete. Und wartete. Und wartete. Und Sólvin kam nicht. Als es begann, dunkel zu werden, machte er sich zu große Sorgen und ritt weiter in die Richtung, aus der sein Bruder gekommen wäre. Der Nebel ließ nicht nach und auch das Meer begann, unruhig zu werden, und ein Sturm zog auf, aber nach einiger Zeit konnte er im dichten Nebel auf einer flachen Klippe den Umriss eines reiterlosen Pferdes erkennen. Je näher er kam, um so deutlicher hörte er Hilferufe über das Geräusch der Wellen und des nun wütenden Unwetters, und er war sich sicher, dass er seinen Bruder hörte. Er trieb sein Ross an, um schneller bei Sólvin zu sein, doch der Blitz schlug direkt neben ihnen in den Boden und das Ross warf ihn ab vor Schreck. Als Svavar sich aufrappelte, sah er, wie sein Ross die Klippe ins Wasser hinabrutschte. Nun hörte er beide schreien – seinen Bruder und sein Ross – und er wusste, er konnte nicht beide retten und würde sich für einen der beiden entscheiden müssen.<br />
<br />
Die Leute behielten recht, die behaupteten – nein, wussten – Svavar liebe nichts mehr als sein Ross, denn er ließ sich die Klippe ins Wasser hinabrutschen, fluchend auf den Nebel und den Sturm und die Götter, dass sie ihn in diese Situation gebracht hatten. Noch bevor er das Pferd erreichen konnte, riss eine Welle ihn fort und er betete zu den Göttern, die er eben noch verfluchte, dass er Buße tun würde für seine Tat und seinen Bruder retten würde, wenn sie ihn am Leben ließen. Doch die Götter halfen ihm nicht und Svavar ertrank – aber Buße tun ließen sie ihn: Sie gaben ihm den Körper des Tieres, das er glaubte, so sehr zu lieben. Sie gaben ihm Feuer, dort wo seine Augen waren, damit er immer ein Licht haben würde im Dunkeln und im Nebel. Sie gaben ihm Hufe, die dem Wasser trotzten, sodass es ihm nicht mehr zur Gefahr werden konnte. Und sie gaben ihm den Nebel und den Sturm als ewige Begleiter, um ihn daran zu erinnern, was er für sein Verhängnis gehalten hatte, wo es doch seine eigene Entscheidung gewesen war, die ihm zum Verhängnis geworden war.<br />
<br />
Seitdem irrt Svavar in Gestalt eines Pferdes auf dem Meer umher, schreit unentwegt nach seinem Bruder, und reißt jene mit, die zu unvorsichtig oder voreilig sind. Kommen sie ihm zu nahe, werden auch sie dazu verdammt, Teil der Herde zu werden und ihn auf der Suche nach seinem verlorenen Bruder zu begleiten. Nur, wenn man es schafft, Svavar zu erreichen und zu zähmen, werden alle Fortgerissenen wieder zu denen, die sie zuvor waren.</div>
<br />
<div align="right"><font size="1">[erzählt von: Rúnar Rúnarsson]</font></div>
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		<item>
			<title><![CDATA[Die Noten der Verdammten]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=88</link>
			<pubDate>Sun, 17 Apr 2016 13:40:37 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=1">Weltenwind</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=88</guid>
			<description><![CDATA[<center><br />
<i>Verbliebene Seite aus dem Tagebuch des Mönch Dariano nach dem großen Brand der Abtei in Ganokar.</i><br />
<br />
<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/chronicles/04bibliothek/mythen_und_legenden/noten.png" target="_blank"><img src="https://inselwelten.crux-mundi.de/chronicles/04bibliothek/mythen_und_legenden/notenkl.png" border="0"></a><br />
<br />
<font size="1">[zum Vergrößern klicken]</font></center>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><br />
<i>Verbliebene Seite aus dem Tagebuch des Mönch Dariano nach dem großen Brand der Abtei in Ganokar.</i><br />
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<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/chronicles/04bibliothek/mythen_und_legenden/noten.png" target="_blank"><img src="https://inselwelten.crux-mundi.de/chronicles/04bibliothek/mythen_und_legenden/notenkl.png" border="0"></a><br />
<br />
<font size="1">[zum Vergrößern klicken]</font></center>]]></content:encoded>
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