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		<title><![CDATA[Inselwelten - 18. Juni bis 02. Juli 1822 | (VIII. - IX.)]]></title>
		<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/</link>
		<description><![CDATA[Inselwelten - https://inselwelten.crux-mundi.de]]></description>
		<pubDate>Thu, 14 May 2026 09:58:50 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[Ceallagh & Isala]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1304</link>
			<pubDate>Fri, 04 Oct 2024 21:33:47 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=39">Ceallagh Hayes</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[Szene Ceallagh & Isala]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Szene Ceallagh & Isala]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[New Beginnings]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1303</link>
			<pubDate>Fri, 04 Oct 2024 21:31:25 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=59">Jón Nóason</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[Einfacher als gedacht.<br />
Per schüttelte den Kopf, während es ihn in gemütlichem Tempo die Reling entlangzog, den Blick raus auf die offene See gerichtet, die ruhiger war als an dem Tag als er zum ersten Mal Fuß auf dieses Deck gesetzt hatte.<br />
Einfacher als gedacht. Er ließ sich die Worte zum wiederholten Male durch den Kopf und auf der Zunge zergehen. War’s einfacher als gedacht, mit einem Kapitel abzuschließen und ein ganz neues zu beginnen, ohne zu wissen wohin die Reise ging — gehen würde? Auch wenn er eigentlich wenig Begeisterung dafür gewinnen konnte, sich auf ein neues Abenteuer einzulassen. Er war gerade dabei gewesen, sich mit der Arbeit auf dem Handelsschiff abzufinden, sich von Gelegenheitsauftrag zu Gelegenheitsauftrag zu hanteln und so sprichwörtlich über Wasser zu halten, einfach, weil er es seit einer Weile nicht anders kannte. Weil sich die Routine eingependelt hatte und Routine irgendwo alles einfacher machte. Oder vieles. Die Frage war, ob das ein Leben war, das er wollte oder sich bloß einredete zu wollen, weil’s... eben weil es einfacher, oder vermeintlich einfacher war als sich dem ständigen Nervenkitzel, dem ständigen Risiko auszusetzen.<br />
<br />
Während seine Gedanken ihre Bahnen zogen, ließ er den Blick flüchtig zur Seite wandern und kreuzte dabei den von... Jón. Er brachte seine Füße zum Stehen.<br />
<br />
<span style="color: #eead0e;" class="mycode_color">Mit etwas Tinte an den Fingern und etwas Schwung in den Schritten kam Jón aus der Kapitänskajüte. Und blieb prompt stehen als er Peregryne vor sich hatte, der ebenfalls inne hielt von seinem ... nervösen Umhergehen? Jedenfalls konnte Jón sehen, dass ihn irgendetwas plagte. <br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Na?"</span>, sagte Jón. Ein wenig in der Hoffnung, dass Per ihm nun nicht in einem Schwall sein ganzes Herz ausschütten würde, aber erstens schätzte er Per nicht so ein und zweitens wollte er kein Arschloch sein. Immerhin mochte er den Typen recht gerne.</span><br />
<br />
Als er sich umdrehte, sah er Jón aus Richtung der Kapitänskajüte kommen. Er war kein Mensch großer Worte, aber am Ende (oder Anfang) des Tages war er dann doch froh, zumindest ein bekanntes Gesicht zu sehen. Per nickte seinem alten Bekannten zum Gruß zu. Anstatt Jón sogleich den Inhalt seiner Gedanken auszuschütten, fragte er erst einmal:<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Was hast du denn da drin zu schaffen gehabt? Verhandlungen?“</span><br />
<br />
<span style="color: #eead0e;" class="mycode_color">Jón war sich nun sicher, dass den anderen Mann irgendetwas beschäftigte -- die Art, wie er die Aufmerksamkeit von sich lenkte. Nun, immerhin hatte Jón ihm durch seine vielseitig interpretierbare Frage auch die freie Wahl des Gesprächsthemas überlassen. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Könnte man so sagen, ja. Hab die Carta unterschrieben."</span> Er gab Per ein kurzes, schiefes Lächeln. Es hatte sich irgendwie gut angefühlt, auch wenn er hier niemanden -- außer Rúnar -- so wirklich kannte, aber es war als hätte er dafür unterschrieben zu einer Familie zu gehören.*<br />
<br />
*Zu einer <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">anderen </span>Familie, wohlgemerkt. Sprich, seine alte Familie losgeworden zu sein, doch das würde Jón niemals auf die Art und Weise zugeben.</span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Einfacher als gedacht.<br />
Per schüttelte den Kopf, während es ihn in gemütlichem Tempo die Reling entlangzog, den Blick raus auf die offene See gerichtet, die ruhiger war als an dem Tag als er zum ersten Mal Fuß auf dieses Deck gesetzt hatte.<br />
Einfacher als gedacht. Er ließ sich die Worte zum wiederholten Male durch den Kopf und auf der Zunge zergehen. War’s einfacher als gedacht, mit einem Kapitel abzuschließen und ein ganz neues zu beginnen, ohne zu wissen wohin die Reise ging — gehen würde? Auch wenn er eigentlich wenig Begeisterung dafür gewinnen konnte, sich auf ein neues Abenteuer einzulassen. Er war gerade dabei gewesen, sich mit der Arbeit auf dem Handelsschiff abzufinden, sich von Gelegenheitsauftrag zu Gelegenheitsauftrag zu hanteln und so sprichwörtlich über Wasser zu halten, einfach, weil er es seit einer Weile nicht anders kannte. Weil sich die Routine eingependelt hatte und Routine irgendwo alles einfacher machte. Oder vieles. Die Frage war, ob das ein Leben war, das er wollte oder sich bloß einredete zu wollen, weil’s... eben weil es einfacher, oder vermeintlich einfacher war als sich dem ständigen Nervenkitzel, dem ständigen Risiko auszusetzen.<br />
<br />
Während seine Gedanken ihre Bahnen zogen, ließ er den Blick flüchtig zur Seite wandern und kreuzte dabei den von... Jón. Er brachte seine Füße zum Stehen.<br />
<br />
<span style="color: #eead0e;" class="mycode_color">Mit etwas Tinte an den Fingern und etwas Schwung in den Schritten kam Jón aus der Kapitänskajüte. Und blieb prompt stehen als er Peregryne vor sich hatte, der ebenfalls inne hielt von seinem ... nervösen Umhergehen? Jedenfalls konnte Jón sehen, dass ihn irgendetwas plagte. <br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Na?"</span>, sagte Jón. Ein wenig in der Hoffnung, dass Per ihm nun nicht in einem Schwall sein ganzes Herz ausschütten würde, aber erstens schätzte er Per nicht so ein und zweitens wollte er kein Arschloch sein. Immerhin mochte er den Typen recht gerne.</span><br />
<br />
Als er sich umdrehte, sah er Jón aus Richtung der Kapitänskajüte kommen. Er war kein Mensch großer Worte, aber am Ende (oder Anfang) des Tages war er dann doch froh, zumindest ein bekanntes Gesicht zu sehen. Per nickte seinem alten Bekannten zum Gruß zu. Anstatt Jón sogleich den Inhalt seiner Gedanken auszuschütten, fragte er erst einmal:<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Was hast du denn da drin zu schaffen gehabt? Verhandlungen?“</span><br />
<br />
<span style="color: #eead0e;" class="mycode_color">Jón war sich nun sicher, dass den anderen Mann irgendetwas beschäftigte -- die Art, wie er die Aufmerksamkeit von sich lenkte. Nun, immerhin hatte Jón ihm durch seine vielseitig interpretierbare Frage auch die freie Wahl des Gesprächsthemas überlassen. <br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Könnte man so sagen, ja. Hab die Carta unterschrieben."</span> Er gab Per ein kurzes, schiefes Lächeln. Es hatte sich irgendwie gut angefühlt, auch wenn er hier niemanden -- außer Rúnar -- so wirklich kannte, aber es war als hätte er dafür unterschrieben zu einer Familie zu gehören.*<br />
<br />
*Zu einer <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">anderen </span>Familie, wohlgemerkt. Sprich, seine alte Familie losgeworden zu sein, doch das würde Jón niemals auf die Art und Weise zugeben.</span>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Peregryne & Skadi]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1301</link>
			<pubDate>Fri, 04 Oct 2024 21:01:43 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=5">Skadi Nordskov</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[Szene Peregryne & Skadi]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Szene Peregryne & Skadi]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[I will live my life the fuckin' way I want to]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1289</link>
			<pubDate>Sat, 07 Sep 2024 15:40:14 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=49">Alex Mason</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">I will live my life the fuckin'way I want to</div>
<br />
<font size=1>Mittag des 30. Juni 1822 <br />
Lola Clay & Alex Mason</font></center><br />
<br />
... ...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">I will live my life the fuckin'way I want to</div>
<br />
<font size=1>Mittag des 30. Juni 1822 <br />
Lola Clay & Alex Mason</font></center><br />
<br />
... ...]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Right back at the start]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1261</link>
			<pubDate>Thu, 25 Apr 2024 19:56:43 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Right back at the start</div>
<br />
<font size=1>Mittag des 03. Juli 1822 <br />
Cassy Ricey & Shanaya Árashi </font></center><br />
<blockquote><div class="Shanaya">Shanayas Schicht am Steuer war vorbei, also musste sie sich anderen Dingen widmen. Und da ihr Magen sich schon zu Wort gemeldet hatte, bevor ihre Ablösung erschienen war, war es auch nicht schwer, den nächsten Weg der jungen Frau zu erahnen. Nicht, dass sie es nicht ausgehalten hätte, aber die ganze Zeit in der Prallen Sonne zu stehen war eben auch kein Zuckerschlecken. Zu dem Hunger gesellte sich also auch außerordentlicher Durst. Sie musste also sehen, was sie zu Trinken fand, von dem sie nicht sofort wirr im Kopf wurde. <br />
Während die junge Frau sich also auf den Weg unter Deck machte, band sie den unteren Saum ihrer Bluse zu einem Knoten vor ihren Brüsten zusammen, um ein wenig frischen Wind an ihre Haut zu lassen. Sie kannte das Klima der ersten Welt, kannte diese Temperaturen, aber so richtig wollte ihr Körper sich nicht daran gewöhnen. Das war vermutlich leichter für die, die mit diesem Wetter aufgewachsen waren, ganz im Gegenteil zu ihr, die von Yvenes stammte. Aber ihr fiel beim besten Willen nicht ein, sich darüber zu beschweren. So konnte sie immerhin möglichst wenig Stoff tragen. <br />
Während sich Shanaya also über diesen Gedanken amüsierte, lief sie an dem ein oder anderen bekannten Gesicht vorbei, ohne auf einen von ihnen zu reagieren. Erst, als sie zwischen den Hängematten hindurch schritt, um den Weg zur Kombüse hinter sich zu bringen, haderte sie. Es waren ein paar neue Gesichter zu ihnen gestoßen – zwei davon kannte sie schon. Hier stand eine blonde Frau, die nicht diese komische Frau aus dem Zelt dieser verrückten Händlerin war. Aber im ersten Moment kümmerte sie sich auch nicht darum, erst, als sie noch zwei Schritte an der Blonden vorbei war, die irgendetwas an ihrer Hängematte erledigte, blieb sie stehen und wandte den Kopf herum. <br />
Es dauerte zwei Herzschläge, bevor sich ein hoch amüsiertes Lächeln auf die Züge der Schwarzhaarige legte. Sie kannte dieses Gesicht! Zwar fiel ihr dazu kein Name ein, aber eine ziemlich ulkige Geschichte. Sofort drehte sie sich herum, klatschte einmal erfreut in die Hände. <br />
<br />
<i>„Oh, du bist es! Was für ein Zufall!“</i><br />
<br />
In ihren Gedanken kramte Shanaya nach diesem Tag, der Erinnerung, die sie mit der Fremden verband. Mit aller Kraft unterdrückte sie ein Lachen. <br />
<br />
<I>„Wolltest du also doch zu mir kommen?“</i><br />
<br />
Sie machte einen Schritt auf ihr Gegenüber zu, ließ sie dabei keine Sekunde aus den Augen.</div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Right back at the start</div>
<br />
<font size=1>Mittag des 03. Juli 1822 <br />
Cassy Ricey & Shanaya Árashi </font></center><br />
<blockquote><div class="Shanaya">Shanayas Schicht am Steuer war vorbei, also musste sie sich anderen Dingen widmen. Und da ihr Magen sich schon zu Wort gemeldet hatte, bevor ihre Ablösung erschienen war, war es auch nicht schwer, den nächsten Weg der jungen Frau zu erahnen. Nicht, dass sie es nicht ausgehalten hätte, aber die ganze Zeit in der Prallen Sonne zu stehen war eben auch kein Zuckerschlecken. Zu dem Hunger gesellte sich also auch außerordentlicher Durst. Sie musste also sehen, was sie zu Trinken fand, von dem sie nicht sofort wirr im Kopf wurde. <br />
Während die junge Frau sich also auf den Weg unter Deck machte, band sie den unteren Saum ihrer Bluse zu einem Knoten vor ihren Brüsten zusammen, um ein wenig frischen Wind an ihre Haut zu lassen. Sie kannte das Klima der ersten Welt, kannte diese Temperaturen, aber so richtig wollte ihr Körper sich nicht daran gewöhnen. Das war vermutlich leichter für die, die mit diesem Wetter aufgewachsen waren, ganz im Gegenteil zu ihr, die von Yvenes stammte. Aber ihr fiel beim besten Willen nicht ein, sich darüber zu beschweren. So konnte sie immerhin möglichst wenig Stoff tragen. <br />
Während sich Shanaya also über diesen Gedanken amüsierte, lief sie an dem ein oder anderen bekannten Gesicht vorbei, ohne auf einen von ihnen zu reagieren. Erst, als sie zwischen den Hängematten hindurch schritt, um den Weg zur Kombüse hinter sich zu bringen, haderte sie. Es waren ein paar neue Gesichter zu ihnen gestoßen – zwei davon kannte sie schon. Hier stand eine blonde Frau, die nicht diese komische Frau aus dem Zelt dieser verrückten Händlerin war. Aber im ersten Moment kümmerte sie sich auch nicht darum, erst, als sie noch zwei Schritte an der Blonden vorbei war, die irgendetwas an ihrer Hängematte erledigte, blieb sie stehen und wandte den Kopf herum. <br />
Es dauerte zwei Herzschläge, bevor sich ein hoch amüsiertes Lächeln auf die Züge der Schwarzhaarige legte. Sie kannte dieses Gesicht! Zwar fiel ihr dazu kein Name ein, aber eine ziemlich ulkige Geschichte. Sofort drehte sie sich herum, klatschte einmal erfreut in die Hände. <br />
<br />
<i>„Oh, du bist es! Was für ein Zufall!“</i><br />
<br />
In ihren Gedanken kramte Shanaya nach diesem Tag, der Erinnerung, die sie mit der Fremden verband. Mit aller Kraft unterdrückte sie ein Lachen. <br />
<br />
<I>„Wolltest du also doch zu mir kommen?“</i><br />
<br />
Sie machte einen Schritt auf ihr Gegenüber zu, ließ sie dabei keine Sekunde aus den Augen.</div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Progress, not perfection]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1258</link>
			<pubDate>Sat, 20 Apr 2024 17:55:02 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=0">Soula Veniel</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1258</guid>
			<description><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Amatic+SC&display=swap" rel="stylesheet">
<center><i><font size=5><font face=georgia>Progress, not perfection</font></font></i></center><div style="text-align:center; font-size:15px; letter-spacing:3px; font-family: 'Amatic SC', cursive; margin-top:0px;"></div><center><i><font size=2><font face=georgia>Lucien Dravean & Soula Veniel<br />
30. Juni auf 01. Juli 1822 | Kneipe im Norden des Hafens von Ostya & Gassen um diese | Nachts</font></font></i></center><br />
<blockquote><div class="Lucien">Die Nacht war klar und angenehm kühl nach der Hitze des Tages. Und obwohl es längst dunkel war und es auf Mitternacht zuging, war die Luft um sie herum von Stimmen und Geschäftigkeit erfüllt. Aus offenen Fenstern drangen Gespräche in die schmalen Gassen hinab. Gelächter erfüllte die Nacht. Das Klirren von Geschirr, das Rumpeln von Stühlen und Tischen. Ostyas Hafenviertel schien den Tag generell erst später zu beenden, als es auf anderen Inseln der Fall war. <br />
Mitten im Lauf drehte Lucien sich zu seiner Begleiterin um, ging den Weg, den sie eingeschlagen hatten, nun rückwärts weiter, ohne wirklich darauf zu achten, wohin ihn seine Schritte führten. Die tiefgrünen Augen auf Soula gerichtet, huschte ein flüchtiges Lächeln auf seine Lippen, das zwar gewohnt freundliche Belustigung verriet, zugleich aber auch ruhiger wirkte, als es sonst bei ihm der Fall war. „Ich hab‘ übrigens eine Kleinigkeit für dich“, eröffnete er ihr ungezwungen.<br />
Ganz so, wie er es ihr damals bei ihrem Gespräch im Bordell von Silvestre versprochen hatte, hatte er die Dunkelhaarige an diesem Abend gebeten, ihn auf einen kleinen Ausflug zu begleiten, um zu sehen, wie geschickt sie tatsächlich war. Im Kartenspiel, im Mogeln und im Stehlen. Nichts allzu Schwieriges, selbstverständlich. Nur ein kleiner Test. Immerhin hatte sie mehr als deutlich gemacht, dass sie ihren Teil beitragen wollte. Diese Gelegenheit sollte sie jetzt also bekommen.<br />
Er hatte von einer Spielerrunde gehört, die heute Nacht stattfinden würde – in einer ihm vom Hörensagen bereits bekannten Kneipe im Norden des Hafenviertels. Einer der Männer, die daran teilnahmen, war für Lucien dabei von besonderem Interesse. Ein Hehler, der sich bei einem alten Bekannten seines Vaters recht unbeliebt gemacht hatte, welcher ihm nun eine kleine Lektion in Sachen Demut wünschte. Möglich, dass sie damit in fremden Gewässern fischten und Lucien kam auch nicht umhin, festzustellen, dass er auffällig häufig in diese Art von Aufträge verwickelt wurde. Doch sei es drum. In diesem Fall nutzte es ihm gleich in doppelter Hinsicht. <br />
„Sozusagen als Dankeschön, dass du mir in dieser Sache hier behilflich bist.“ Lucien ließ den Verschluss seiner Gürteltasche aufschnappen, machte allerdings noch keine Anstalten, hineinzugreifen und das Beutelchen herauszuholen, das sich darin befand. Stattdessen beobachtete er die junge Frau mit einem neugierigen Funkeln in den grünen Augen.</div></blockquote>
<blockquote><div class="Soula">Wie so oft in den letzten Tagen wusste Soula nicht genau, worauf sie sich eingelassen hatte, als sie dem Captain der Crew folgte. Irgendetwas, bei dem ihre Fähigkeiten gefragt waren. Kartenspielen konnte sie sich gut vorstellen. Stehlen? Hmm, sie würde es sehen und tatsächlich wirkte Soula ungewöhnlich nervös, nicht übermäßig, aber dennoch ungewöhnlich für sie. Das Lächeln, das Lucien ihr schenkte, war auffallend, irgendwie anders, als sonst, allerdings nicht beunruhigend, eher im Gegenteil. Und das war es auch, was sie gerade sehr gut gebrauchen konnte. „Oh, womit will der Captain der Crew mich denn beschenken?“, fragte sie und lächelte. Geschenken war sie grundsätzlich nicht abgeneigt, so lange sie ihr oder Kieran nicht schadeten. Dann nickte Soula und schmunzelte. „Wir werden sehen, wie sehr ich dir behilflich bin“, meinte sie grinsend. Natürlich war sie von sich überzeugt, aber war er es auch? Sie erwiderte seinen Blick herausfordernd.</div></blockquote>
<blockquote><div class="Lucien">Die Herausforderung in ihrem Blick ließ ihn amüsiert schmunzeln. Er mochte diesen Charakterzug an Frauen. Wäre dem nicht so, hätte er schließlich auch an Shanaya nie einen derartigen Gefallen gefunden. Und er stand auch Soula ausgesprochen gut. „Oh, ich habe keine Zweifel daran, dass wir bei dem, was wir vorhaben, ganz gut miteinander harmonieren werden“, erwiderte er gelassen und überließ ihr, seine Worte zu deuten. Gleichzeitig griff er in die Tasche an seinem Gürtel und förderte ein kleines Stoffsäckchen zutage, dessen Inhalt bei der Bewegung leise gegeneinander klapperte. Im nächsten Moment warf er es der jungen Frau zu, damit sie es fing und wartete gerade so lange, bis sie das schmale Bändchen geöffnet hatte, das es verschlossen hielt. Darin befand sich ein Satz bordeauxrot gefärbter Spielwürfel aus Holz, die - für ein paar Würfel - ausgesprochen sorgsam gearbeitet waren. „Ich hatte das Gefühl, die passen zu dir. Vielleicht als Glücksbringer.“ Um seine Mundwinkel zuckte ein kleines Schmunzeln. „Angeblich kann man damit nicht verlieren…“ Was so viel hieß wie: Die sind gezinkt.</div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<link href="https://fonts.googleapis.com/css2?family=Amatic+SC&display=swap" rel="stylesheet">
<center><i><font size=5><font face=georgia>Progress, not perfection</font></font></i></center><div style="text-align:center; font-size:15px; letter-spacing:3px; font-family: 'Amatic SC', cursive; margin-top:0px;"></div><center><i><font size=2><font face=georgia>Lucien Dravean & Soula Veniel<br />
30. Juni auf 01. Juli 1822 | Kneipe im Norden des Hafens von Ostya & Gassen um diese | Nachts</font></font></i></center><br />
<blockquote><div class="Lucien">Die Nacht war klar und angenehm kühl nach der Hitze des Tages. Und obwohl es längst dunkel war und es auf Mitternacht zuging, war die Luft um sie herum von Stimmen und Geschäftigkeit erfüllt. Aus offenen Fenstern drangen Gespräche in die schmalen Gassen hinab. Gelächter erfüllte die Nacht. Das Klirren von Geschirr, das Rumpeln von Stühlen und Tischen. Ostyas Hafenviertel schien den Tag generell erst später zu beenden, als es auf anderen Inseln der Fall war. <br />
Mitten im Lauf drehte Lucien sich zu seiner Begleiterin um, ging den Weg, den sie eingeschlagen hatten, nun rückwärts weiter, ohne wirklich darauf zu achten, wohin ihn seine Schritte führten. Die tiefgrünen Augen auf Soula gerichtet, huschte ein flüchtiges Lächeln auf seine Lippen, das zwar gewohnt freundliche Belustigung verriet, zugleich aber auch ruhiger wirkte, als es sonst bei ihm der Fall war. „Ich hab‘ übrigens eine Kleinigkeit für dich“, eröffnete er ihr ungezwungen.<br />
Ganz so, wie er es ihr damals bei ihrem Gespräch im Bordell von Silvestre versprochen hatte, hatte er die Dunkelhaarige an diesem Abend gebeten, ihn auf einen kleinen Ausflug zu begleiten, um zu sehen, wie geschickt sie tatsächlich war. Im Kartenspiel, im Mogeln und im Stehlen. Nichts allzu Schwieriges, selbstverständlich. Nur ein kleiner Test. Immerhin hatte sie mehr als deutlich gemacht, dass sie ihren Teil beitragen wollte. Diese Gelegenheit sollte sie jetzt also bekommen.<br />
Er hatte von einer Spielerrunde gehört, die heute Nacht stattfinden würde – in einer ihm vom Hörensagen bereits bekannten Kneipe im Norden des Hafenviertels. Einer der Männer, die daran teilnahmen, war für Lucien dabei von besonderem Interesse. Ein Hehler, der sich bei einem alten Bekannten seines Vaters recht unbeliebt gemacht hatte, welcher ihm nun eine kleine Lektion in Sachen Demut wünschte. Möglich, dass sie damit in fremden Gewässern fischten und Lucien kam auch nicht umhin, festzustellen, dass er auffällig häufig in diese Art von Aufträge verwickelt wurde. Doch sei es drum. In diesem Fall nutzte es ihm gleich in doppelter Hinsicht. <br />
„Sozusagen als Dankeschön, dass du mir in dieser Sache hier behilflich bist.“ Lucien ließ den Verschluss seiner Gürteltasche aufschnappen, machte allerdings noch keine Anstalten, hineinzugreifen und das Beutelchen herauszuholen, das sich darin befand. Stattdessen beobachtete er die junge Frau mit einem neugierigen Funkeln in den grünen Augen.</div></blockquote>
<blockquote><div class="Soula">Wie so oft in den letzten Tagen wusste Soula nicht genau, worauf sie sich eingelassen hatte, als sie dem Captain der Crew folgte. Irgendetwas, bei dem ihre Fähigkeiten gefragt waren. Kartenspielen konnte sie sich gut vorstellen. Stehlen? Hmm, sie würde es sehen und tatsächlich wirkte Soula ungewöhnlich nervös, nicht übermäßig, aber dennoch ungewöhnlich für sie. Das Lächeln, das Lucien ihr schenkte, war auffallend, irgendwie anders, als sonst, allerdings nicht beunruhigend, eher im Gegenteil. Und das war es auch, was sie gerade sehr gut gebrauchen konnte. „Oh, womit will der Captain der Crew mich denn beschenken?“, fragte sie und lächelte. Geschenken war sie grundsätzlich nicht abgeneigt, so lange sie ihr oder Kieran nicht schadeten. Dann nickte Soula und schmunzelte. „Wir werden sehen, wie sehr ich dir behilflich bin“, meinte sie grinsend. Natürlich war sie von sich überzeugt, aber war er es auch? Sie erwiderte seinen Blick herausfordernd.</div></blockquote>
<blockquote><div class="Lucien">Die Herausforderung in ihrem Blick ließ ihn amüsiert schmunzeln. Er mochte diesen Charakterzug an Frauen. Wäre dem nicht so, hätte er schließlich auch an Shanaya nie einen derartigen Gefallen gefunden. Und er stand auch Soula ausgesprochen gut. „Oh, ich habe keine Zweifel daran, dass wir bei dem, was wir vorhaben, ganz gut miteinander harmonieren werden“, erwiderte er gelassen und überließ ihr, seine Worte zu deuten. Gleichzeitig griff er in die Tasche an seinem Gürtel und förderte ein kleines Stoffsäckchen zutage, dessen Inhalt bei der Bewegung leise gegeneinander klapperte. Im nächsten Moment warf er es der jungen Frau zu, damit sie es fing und wartete gerade so lange, bis sie das schmale Bändchen geöffnet hatte, das es verschlossen hielt. Darin befand sich ein Satz bordeauxrot gefärbter Spielwürfel aus Holz, die - für ein paar Würfel - ausgesprochen sorgsam gearbeitet waren. „Ich hatte das Gefühl, die passen zu dir. Vielleicht als Glücksbringer.“ Um seine Mundwinkel zuckte ein kleines Schmunzeln. „Angeblich kann man damit nicht verlieren…“ Was so viel hieß wie: Die sind gezinkt.</div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Dancing with your Demons]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1254</link>
			<pubDate>Thu, 18 Apr 2024 13:09:19 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1254</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Dancing with your Demons</div>
<br />
<font size=1>Abend des 03. Juli 1822 <br />
Liam Casey & Shanaya Árashi </font></center><blockquote><div class="Shanaya">Der Tag neigte sich dem Ende und eigentlich hatte Shanaya etwas erledigen wollen, sie wurde jedoch von einem Anblick aufgehalten, der sie für zwei Herzschläge inne halten und ihren Plan umdenken ließ. Kurz hielt die junge Frau noch inne, ehe sie sich umwandte, die Treppe zum Unterdeck herunter eilte und zu ihrer Hängematte schritt. In ihrer Tasche, die dort lag, kramte sie nach zwei Streifen Trockenfleisch, von denen sie einen zwischen die Lippen steckte. Halb darauf herum kauend schnappte sie sich um Vorbeigehen noch eine Flasche Rum und machte sich wieder auf den Weg an Deck. <br />
Die Sonne spendete nur noch wenig Licht, verschwand zum Großteil schon hinter dem Horizont. Die Schwarzhaarige hielt sich jedoch nicht lang mit diesem Anblick auf, ihr Weg führte sie direkt zu dem Mann, der an der Reling stand, den Blick zu besagtem Horizont gerichtet. Sie gab sich keine Mühe, besonders leise zu sein, näherte sich Liam mit einem sachten Lächeln auf den Lippen. <br />
<br />
<i>„Du kannst eins von Beiden wählen.“</i><br />
<br />
Mit diesen Worten hob die junge Frau die Flasche und das Stück Trockenfleisch an, ohne den Blick von dem Lockenkopf zu nehmen. Der Ausdruck auf ihren Zügen wurde noch ein wenig sanfter, wärmer. Ehrliches Interesse lag in ihrem Gesicht und in ihrer Stimme, die jetzt ein wenig leiser, vorsichtiger wurde, als zuvor. <br />
<br />
<i>„Wie geht es dir?“</i></div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Dancing with your Demons</div>
<br />
<font size=1>Abend des 03. Juli 1822 <br />
Liam Casey & Shanaya Árashi </font></center><blockquote><div class="Shanaya">Der Tag neigte sich dem Ende und eigentlich hatte Shanaya etwas erledigen wollen, sie wurde jedoch von einem Anblick aufgehalten, der sie für zwei Herzschläge inne halten und ihren Plan umdenken ließ. Kurz hielt die junge Frau noch inne, ehe sie sich umwandte, die Treppe zum Unterdeck herunter eilte und zu ihrer Hängematte schritt. In ihrer Tasche, die dort lag, kramte sie nach zwei Streifen Trockenfleisch, von denen sie einen zwischen die Lippen steckte. Halb darauf herum kauend schnappte sie sich um Vorbeigehen noch eine Flasche Rum und machte sich wieder auf den Weg an Deck. <br />
Die Sonne spendete nur noch wenig Licht, verschwand zum Großteil schon hinter dem Horizont. Die Schwarzhaarige hielt sich jedoch nicht lang mit diesem Anblick auf, ihr Weg führte sie direkt zu dem Mann, der an der Reling stand, den Blick zu besagtem Horizont gerichtet. Sie gab sich keine Mühe, besonders leise zu sein, näherte sich Liam mit einem sachten Lächeln auf den Lippen. <br />
<br />
<i>„Du kannst eins von Beiden wählen.“</i><br />
<br />
Mit diesen Worten hob die junge Frau die Flasche und das Stück Trockenfleisch an, ohne den Blick von dem Lockenkopf zu nehmen. Der Ausdruck auf ihren Zügen wurde noch ein wenig sanfter, wärmer. Ehrliches Interesse lag in ihrem Gesicht und in ihrer Stimme, die jetzt ein wenig leiser, vorsichtiger wurde, als zuvor. <br />
<br />
<i>„Wie geht es dir?“</i></div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[We're gonna burn the city down]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1231</link>
			<pubDate>Mon, 06 Nov 2023 16:03:02 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=49">Alex Mason</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1231</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">And we're gonna burn the city down</div>
<br />
<font size="1px">we're like two black cats with a black backpack full of fireworks<br />
<br />
Nachmittag des 28. Juni 1822<br />
Talin Dravean & Alex Mason</font></center><br />
<br />
<br />
Seine Gedanken kreisten und er hasste alles daran. Er hasste es, dass dieser Mensch noch immer seine Zeit raubte, obwohl er ihm nichts Gutes wünschte. Und wenn das Meer ihn mittlerweile verschluckt hatte – Alex hätte es befürwortet. Nur leider ließ das, was er vor ein paar Tagen aufgeschnappt hatte, nicht darauf schließen, dass das Schicksal ihm hold gewesen war. Diese Nachricht wäre vermutlich sogar einen Brief nach Hause wertgewesen und alle Mühen, die damit verbunden waren, wenn man nicht schreiben konnte. Bis er frohe Botschaft überbringen konnte, würde aber wohl noch eine Zeit ins Land ziehen und eigentlich war er ganz froh, wenn er dieser widerwertigen Fratze nie mehr über den Weg laufen würde. Vermutlich wäre es auch gesünder. Für sie beide.<br />
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align"> </div>
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">An diesem Tag also war er um jede Ablenkung dankbar, die seine Gedanken auf etwas anderes brachten. Für die Jagd war er zu unaufmerksam und seine innere Unruhe hätte ihn wohl kaum die Waffe ruhig halten lassen, wenn ihm tatsächlich etwas vor die Flinte gelaufen wäre. Kurz hatte er über einen Besuch im Freudenhaus nachgedacht, aber eigentlich war ihm auch nicht danach, Honig ums Maul geschmiert zu bekommen. Wenn man es genau nahm, wollte er finster in die Gegend starren und schweigen. Auf der anderen Seite wollte er aber genau das nicht tun, weil dieser Mann keine Sekunde seines Lebens mehr wert war. </div>
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align"> </div>
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Es kam also wie gerufen, als er einen bekannten Blondschopf erkannte, der unauffällig durch die geschäftige Menschenmenge huschte. Alex zögerte keinen Augenblick, sich von der Wand abzustoßen und ihr zu folgen, bis er kurzerhand zu ihr aufgeholt hatte.</div>
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align"> </div>
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align"><i>„Mir hat ein Vögelchen gezwitschert, dass du was Spannendes vorhast.“</i>, wandte er sich an Talin und verschränkte die Hände hinter dem Kopf. <i>„Und dabei kannst du doch sicherlich Gesellschaft gebrauchen.“</i> </div>
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align"> </div>
Damit würde sie sich jetzt zumindest abfinden müssen, denn er wollte wirklich auf andere Gedanken kommen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">And we're gonna burn the city down</div>
<br />
<font size="1px">we're like two black cats with a black backpack full of fireworks<br />
<br />
Nachmittag des 28. Juni 1822<br />
Talin Dravean & Alex Mason</font></center><br />
<br />
<br />
Seine Gedanken kreisten und er hasste alles daran. Er hasste es, dass dieser Mensch noch immer seine Zeit raubte, obwohl er ihm nichts Gutes wünschte. Und wenn das Meer ihn mittlerweile verschluckt hatte – Alex hätte es befürwortet. Nur leider ließ das, was er vor ein paar Tagen aufgeschnappt hatte, nicht darauf schließen, dass das Schicksal ihm hold gewesen war. Diese Nachricht wäre vermutlich sogar einen Brief nach Hause wertgewesen und alle Mühen, die damit verbunden waren, wenn man nicht schreiben konnte. Bis er frohe Botschaft überbringen konnte, würde aber wohl noch eine Zeit ins Land ziehen und eigentlich war er ganz froh, wenn er dieser widerwertigen Fratze nie mehr über den Weg laufen würde. Vermutlich wäre es auch gesünder. Für sie beide.<br />
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align"> </div>
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">An diesem Tag also war er um jede Ablenkung dankbar, die seine Gedanken auf etwas anderes brachten. Für die Jagd war er zu unaufmerksam und seine innere Unruhe hätte ihn wohl kaum die Waffe ruhig halten lassen, wenn ihm tatsächlich etwas vor die Flinte gelaufen wäre. Kurz hatte er über einen Besuch im Freudenhaus nachgedacht, aber eigentlich war ihm auch nicht danach, Honig ums Maul geschmiert zu bekommen. Wenn man es genau nahm, wollte er finster in die Gegend starren und schweigen. Auf der anderen Seite wollte er aber genau das nicht tun, weil dieser Mann keine Sekunde seines Lebens mehr wert war. </div>
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align"> </div>
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Es kam also wie gerufen, als er einen bekannten Blondschopf erkannte, der unauffällig durch die geschäftige Menschenmenge huschte. Alex zögerte keinen Augenblick, sich von der Wand abzustoßen und ihr zu folgen, bis er kurzerhand zu ihr aufgeholt hatte.</div>
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align"> </div>
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align"><i>„Mir hat ein Vögelchen gezwitschert, dass du was Spannendes vorhast.“</i>, wandte er sich an Talin und verschränkte die Hände hinter dem Kopf. <i>„Und dabei kannst du doch sicherlich Gesellschaft gebrauchen.“</i> </div>
<div style="text-align: justify;" class="mycode_align"> </div>
Damit würde sie sich jetzt zumindest abfinden müssen, denn er wollte wirklich auf andere Gedanken kommen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[We still have plenty more mistakes to make]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1211</link>
			<pubDate>Mon, 17 Jul 2023 18:34:18 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=9">Liam Casey</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1211</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">We still have plenty more mistakes to make</div><font size="1px">I wouldn't want it any other way<br />
Remember when we used to believe?</font><br />
<br />
<font size=1>Nachmittag des 18. Juni 1822<br />
Soula Veniel & Rúnar Rúnarsson & Liam Casey</font></center><br />
<br />
<blockquote><div class="Liam">Der anfängliche Tatendrang und all die Lebensgeister, die Skadi in ihm geweckt hatte, verschwanden schneller, als es ihm liebgewesen war. Erst waren es die Kopfschmerzen, die etwas stechender zurückkehrten, als hätten sie sich zuerst mühsam wieder zurück in sein Bewusstsein kämpfen müssen, dann kam die Müdigkeit hinzu, die – wenn man Liam fragte – nach den vergangenen 18h Schlaf absolut keine Berechtigung hatte, ihn abermals heimzusuchen. Er wurde langsamer in seinem Tun, gab sich aber erst den Forderungen seines Körpers hin, als auch Skadi auf seine Verfassung aufmerksam wurde. Liam war sich nicht sicher, ob er sich die Endgültigkeit in ihrer Stimme nur einbildete, oder ob sie ihn tatsächlich mit derartigem Nachdruck zurück Richtung Lazarett schickte, dass er nicht auf die Idee kam, ihr Widerwort zu leisten. Er stahl sich einen letzten Kuss von ihren besorgten Lippen und bat darum, ihn im Laufe des Nachmittags zu wecken, wenn er nicht von selbst wieder auftauchte. Noch während Skadi ihm antwortete, wusste er, dass sie es nicht tun würde. Und das war okay.<br />
<br />
Als Liam das Lazarett betrat, war Gregory darin zugange. Er erkundigte sich kurz nach seiner Verfassung, schien aber im Allgemeinen mit ihm zufrieden, wenn er sich nun tatsächlich wieder hinlegte. Der Lockenkopf ließ sich nicht lange bitten und bekam – kaum, dass er lag – nicht mehr wirklich mit, was Gregory um ihn herum tat. <br />
<br />
Bis das Geräusch von Schritten ihn irgendwann wieder weckte. Er blinzelte. Scheinbar hatte er geschlafen, denn er konnte nicht genau sagen, wie spät es wohl wahr. Gregory konnte er nicht mehr sehen, dafür allerdings die Gestalt von Rúnar, die gerade das Lazarett betreten hatte. Offensichtlich ging es ihm wirklich gut. Liam hatte den Kopf zur Seite gedreht, um ihn sehen zu können, blieb vorerst allerdings noch liegen und sagte nichts. Dazu war er noch nicht wieder wach genug.</div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px;  LINE-HEIGHT: 0px">We still have plenty more mistakes to make</div><font size="1px">I wouldn't want it any other way<br />
Remember when we used to believe?</font><br />
<br />
<font size=1>Nachmittag des 18. Juni 1822<br />
Soula Veniel & Rúnar Rúnarsson & Liam Casey</font></center><br />
<br />
<blockquote><div class="Liam">Der anfängliche Tatendrang und all die Lebensgeister, die Skadi in ihm geweckt hatte, verschwanden schneller, als es ihm liebgewesen war. Erst waren es die Kopfschmerzen, die etwas stechender zurückkehrten, als hätten sie sich zuerst mühsam wieder zurück in sein Bewusstsein kämpfen müssen, dann kam die Müdigkeit hinzu, die – wenn man Liam fragte – nach den vergangenen 18h Schlaf absolut keine Berechtigung hatte, ihn abermals heimzusuchen. Er wurde langsamer in seinem Tun, gab sich aber erst den Forderungen seines Körpers hin, als auch Skadi auf seine Verfassung aufmerksam wurde. Liam war sich nicht sicher, ob er sich die Endgültigkeit in ihrer Stimme nur einbildete, oder ob sie ihn tatsächlich mit derartigem Nachdruck zurück Richtung Lazarett schickte, dass er nicht auf die Idee kam, ihr Widerwort zu leisten. Er stahl sich einen letzten Kuss von ihren besorgten Lippen und bat darum, ihn im Laufe des Nachmittags zu wecken, wenn er nicht von selbst wieder auftauchte. Noch während Skadi ihm antwortete, wusste er, dass sie es nicht tun würde. Und das war okay.<br />
<br />
Als Liam das Lazarett betrat, war Gregory darin zugange. Er erkundigte sich kurz nach seiner Verfassung, schien aber im Allgemeinen mit ihm zufrieden, wenn er sich nun tatsächlich wieder hinlegte. Der Lockenkopf ließ sich nicht lange bitten und bekam – kaum, dass er lag – nicht mehr wirklich mit, was Gregory um ihn herum tat. <br />
<br />
Bis das Geräusch von Schritten ihn irgendwann wieder weckte. Er blinzelte. Scheinbar hatte er geschlafen, denn er konnte nicht genau sagen, wie spät es wohl wahr. Gregory konnte er nicht mehr sehen, dafür allerdings die Gestalt von Rúnar, die gerade das Lazarett betreten hatte. Offensichtlich ging es ihm wirklich gut. Liam hatte den Kopf zur Seite gedreht, um ihn sehen zu können, blieb vorerst allerdings noch liegen und sagte nichts. Dazu war er noch nicht wieder wach genug.</div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Von einer Frau, die das Kämpfen lernte...]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1203</link>
			<pubDate>Mon, 29 May 2023 19:31:27 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=5">Skadi Nordskov</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1203</guid>
			<description><![CDATA[24. Juni 1822 | Skadi & Soula | Sphinx<br />
<br />
<font color=#006400>Schon alleine aus Prinzip wollte sich Soula mit dem Kämpfen nicht beschäftigen. Zumindest nicht näher. Allerdings wurde immer deutlicher, dass sie sich nicht mehr in ihrer heilen Welt befand. Ihr Leben hatte sich ein Mal um sich selbst gedreht und plötzlich befand sie sich in einer völlig anderen, ihr unbekannten Welt. Sie musste sich irgendwie anpassen und vermutlich war es besser, wenn sie das früher als später tat. Einige Kampfarten hatte sie auf Calbota bereits kennengelernt. Nur hatten die alle ihr nicht zugesagt. Schießen… Soula wollte nicht aktiv kämpfen. Es ging ihr lediglich darum, dass sie sich verteidigen konnte, wenn sie es musste. Die Veniel war klein, flink und wendig, sie erhoffte sich eher etwas… unauffälligeres und doch effektives. Ja, ein Dolch war schön und gut und versteckt konnte er eine Überraschung sein, allerdings glaubte Soula nicht, dass das ausreichte. Sie wollte mehr können. Die Frage war nur, wovon mehr. Bestimmt gab es unzählige Möglichkeiten und mit wem konnte man darüber besser fachsimpeln als mit Skadi? Sie hatte immerhin schon gesehen, wie unglaublich talentiert unbeholfen sich Soula mit einem Schwert/Degen in der Hand anstellte. Vielleicht konnten sie zusammen eine Art des Kämpfens für Soula finden, die besser passte? <i>„Hey Skadi“</i>, sprach sie die Ältere in einem ruhigen Moment an Deck an.<br />
<i>„Du kennst dich doch gut mit Waffen und dem Kämpfen aus, oder?“</i> Jaa, eigentlich brauchte Soula das gar nicht mehr zu fragen. Immerhin unterhielt sie sich nicht das erste Mal mit Skadi und auch was die anderen so erzählten, schien sie genau die richtige Ansprechpartnerin für ihr Anliegen zu sein. <i>„Ich würde mich in Zukunft gerne verteidigen können. Schießen ist nicht so meins und mit einem Degen fühle ich mich auch nicht wirklich wohl. Ich kann mit einem Dolch umgehen, auch nicht perfekt, würde ich sagen, aber immerhin hat er mir schon gute Dienste geleistet. Aber ansonsten… kann ich in der Richtung nicht sehr viel.“</i> Soula hatte andere Talente. Sie konnte gut Menschen über den Tisch ziehen, täuschen, stehlen, sich verstecken, schleichen, unbemerkt in Häuser einsteigen und vieles mehr in dieser Richtung. In der Stadt brachte ich das alles vielleicht etwas, aber wenn sie sich jetzt schon mit Piraten herumtrieb, dann sollte sie sich auch besser zu verteidigen wissen. <i>„Ich bin flink und wendig! Vielleicht gibt es ein paar körperliche Manöver oder so etwas. Ausweichen oder irgendwas.“</i> Soula hatte keine Ahnung, aber man merkte, dass sie am direkten Kampf nicht ganz so viel Interesse hatte, sondern eher sich selbst schützen wollte.</font><br />
<br />
<font color=#BC8F8F>Die Waffen waren seit dem Zwischenfall mit den Vögeln, dem Nebeln und dem anderen Schiff in einem grauenvollen Zustand. Es hatte Tage gebraucht, um den beginnenden Rostfilm von den Oberflächen zu entfernen und den Bestand zu sichten, der sich auf ein paar wenige noch funktionsfähige Schusswaffen, Messer, Degen und Pfeile reduziert hatte. Die Kanonen waren jedoch noch immer ihr größtes Problem. Massiv und nicht gerade leicht zu reinigen. Abgesehen von der Gefahr, die es mit sich brachte. Sie dankte Soula einmal mehr für ihre gute Arbeit. Eine Sorge weniger, die sie sich um Schießpulverrückstände machen musste. Es blieb allerdings abzuwarten, wie sie die Kanone an Deck auf Vorderman bringen sollten. Der Mechanismus klemmte und Skadi hatte kein Werkzeug zur Hand, um das Ding auseinander zu legen - geschweige denn genug Männer, um das schwere Gerät zu halten. Vielleicht wäre es das klügste alles zu ersetzen, was ersetzt werden konnte. Sobald sie anlegten und sicheren Boden unter den Füßen zurück hatten.<br />
<i>"Hm?"</i> Gerade war sie so sehr in Gedanken versunken, dass sie Soula erst bemerkte, als diese bereits neben ihr stand. Abwesend hob sie den Kopf. Folgte mit ihren Augen erst dem feinen Gesicht, als sie das frisch präparierte Wurfmesser neben die anderen auf eine der Kisten legte und sich gegen die Holzkannte lehnte. Soulas rhetorischer Frage nach zu urteilen, konnte diese Unterhaltung etwas länger andauern. <i>"Du willst also lernen, wie du dich im Falle eines Falles verteidigen kannst, wenn du es musst?"</i> Das war, was Skadi verstanden hatte. Und sehr wahrscheinlich auch, worauf die Jüngere hinaus wollte. Weglaufen war schon damals ihre erste Lektion gewesen. <i>"Mit flink und wendig, dürfte sich gut arbeiten lassen."</i> Ein breites Lächeln huschte über ihre Lippen. Dann drehte sie sich noch einmal mehr herum, um sich auf die Kisten neben sich zu setzen. <i>"Wenn du dann noch schnell im Kopf bist und deine Umgebung nutzt, dürfte das ein Kinderspiel werden."</i></font><br />
<br />
<font color=#006400>Während Soula ihr Anliegen berichtete, hörte Skadi in Ruhe zu und ein bisschen angespannt war sie schon. Es gab schließlich immer noch die Möglichkeit, dass Skadi sie abwies. So gut kannten sie sich schließlich nicht und ob die junge Frau wirklich Lust hatte irgendwelche Trainingseinheiten zu geben, war auch nochmal etwas ganz anderes, als ein einmaliges Zusammenkommen. Darum ging es Soula nämlich. Mit einer einmaligen Session war es nicht getan, allerdings gab es immer noch die Möglichkeit auf einer Insel einen Lehrmeister zu bezahlen oder zu bestechen…  Auf Skadis zusammenfassende Worte nickte die Veniel. <i>„Ganz genau, das möchte ich.“</i> So weit, so gut. Ihr Anliegen war also klar.<br />
Ein Kinderspiel… Soula entfuhr ein nervöses Lachen. Das klang aus Skadis Mund so einfach. Schön, wenn Skadi das so sehen konnte. <i>„Mit Köpfchen kann ich dir denke ich dienen. Wir werden sehen, in wie weit“</i>, Soula schätzte sich und ihre Fähigkeiten oft geringer ein, als sie eigentlich waren, <i>„und was genau ich in meiner Umgebung wie nutzen kann, wird bestimmt auch noch klarer. Wenn ich da an die Gassen der Stadt denke, dann gibt es da oft genug Hilfsmittel. Ich verwende nicht umsonst oft schon Kisten oder tiefe Fenster, um irgendwo hochzukommen.“</i> Davon abgesehen hatte Soula ein gewisses Körpergefühl, sonst könnte sie sich beim Tanzen gar nicht so viel über die Männer aufregen, aber… <i>„Das ist eher mit viel Training verbunden, oder? Also schätze ich das so ein, dass deine Erklärungen ein Kinderspiel sind und die Umsetzung für mich harte Arbeit?“</i> Sie legte fragend den Kopf zur Seite und schmunzelte. Die letzte große Frage war wohl auch die, ob Skadi überhaupt mit ihr arbeiten wollte, denn Training, Tipps und Tricks, konnte Soula sich nicht alleine aus den Fingern saugen.</font><br />
<br />
<font color=#BC8F8F>Was Soula an Zuversicht fehlte, machte Skadi mit einem breiten Lächeln wieder wett. Natürlich würde aus der jungen Frau keine Meisterassassine werden, doch stand das ohnehin nicht zur Diskussion. Wobei. Skadi legte den Kopf zur Seite. Musterte sie erneut von Kopf bis Fuß, während sie sich vorzustellen versuchte, wie der schmale Körper flink über Kisten und durch Fensterläden sprang. Wenn sie all das in einem Kleid schaffte, war die Nordskov mehr als nur beeindruckt. Stoff war, neben so vielen anderen Dingen, ihr absoluter Erzfeind. <i>“Alles ist harte Arbeit Soula.“</i>, entgegnete Skadi und stützte sich mit beiden Händen auf der Kiste ab. <i>“Niemand wird innerhalb einer Nacht zum Elitekämpfer. Man kann vielleicht das gewisse Talent besitzen, Dinge schneller zu lernen. Aber um tägliches Training und Ausdauer kommt niemand drum herum.“</i> Was vielleicht verlockend klang, wenn man sich all die Zeit für andere Dinge aufsparen konnte. Doch sie selbst kannte es nicht anders.<i> “Aber ich glaube, dass du den nötigen Ehrgeiz dafür hast. Immerhin bist du hier.“</i> Außer Rym und Talin war sonst niemand freiwillig zu ihr gekommen, um zu Trainieren. Von Lucien abgesehen, mit dem sie ohnehin ihr zusätzliches Gold für das Schiff bei Untergrundkämpfen verdiente. Dass Soula also von sich aus auf sie zukam, setze ein angenehmes Gefühl in ihre Brust. Etwas, dass sich schon ein wenig wie „Angekommen“ anfühlte. Ganz davon abgesehen, dass sie die junge Frau gut leiden konnte.<br />
<i>“Also ja… ich trainiere sehr gern mit dir.“</i> Das Lächeln auf ihren Zügen wurde noch eine Spur breiter. Zeichnete kleine Grübchen in ihren Wangen ab, bis sich ein amüsiertes Schnauben aus ihrer Kehle presste. <i>“Aber ich sag‘s dir gleich. Es kann Momente geben, in denen es echt hart werden wird. Ich kenne deine Grenzen nicht. Die kennst nur du selbst. Manchmal werde ich verlangen, dass du darüber hinaus gehst, weil…“</i> Sie tippte mit einem Finger gegen ihre Schläfe. <i>“… alles meistens eine reine Kopfsache ist. Dennoch. Sollte es dir mal zu viel werden, sag es.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#006400>Wie viel würde Soula nur dafür geben zu wissen, was Skadi durch den Kopf ging, als sie Soula musterte. Hatte sie etwa schon genau im Kopf, was sie ihr beibringen wollte? Oder hatte sie bereits Ideen? Und wenn ja, dann wüsste Soula gerne mehr davon! Sie war selber total gespannt und neugierig, was Skadi davon hielt und welche Waffe vielleicht zu Soula passen könnte. Gerade trug sie zwar ein Kleid und auch auf Calbota hatte sie vermehrt Kleider getragen, aber auf Diebesstreifzügen hatte Soula dieselbe Meinung wie Skadi. Zu viel Stoff half da nicht weiter. Hätte sie gewusst, dass Skadi das dachte, hätte Soula sich sehr darüber amüsiert. Stattdessen meinte sie, dass alles harte Arbeit war. <i>„Damit hast du so recht.“</i> Tägliches Training? Autsch… Sah fast so aus, als müsste die Veniel eine gute Mischung finden, um ihren Verstand zu füttern und ihren Körper zu belasten. Die gesamte Zeit auf dem Schiff war sie bisher bei ersterem geblieben. Soula nickte. <i>„Ehrgeiz habe ich glaube ich genug für zwei.“</i> Sie zuckte mit den Schultern, denn vielleicht konnte ihr, gerade wenn es darum ging, sich nicht zu überlasten, der Ehrgeiz dann doch mal zum Verhängnis werden. Sie sah es schon kommen, dass sie mehr wollte, als ihr Körper hinbekam. Es lag ein Lächeln auf ihren Lippen, das noch ein bisschen breiter wurde, als Skadi meinte, dass sie sehr gerne mit Soula trainieren würde.<br />
<i>„Großartig!“</i>, entfuhr es ihr und sie hörte gespannt bei dem zu, was Skadi noch zu sagen hatte. <i>„Ich bin mir sicher, dass es Momente geben wird, in denen ich dich echt hassen werde.“</i> Soula zuckte mit den Schultern und schmunzelte. <i>„Aber das ist dann mein Problem.“</i> Immerhin war sie es selbst gewesen, die Skadi gefragt hatte. Soula nickte. <i>„Klar, ich werde es dich wissen lassen.“</i> Das sagte sie zwar jetzt, aber Soula wusste selbst, dass sie hart im Nehmen war und dann auch manchmal nicht mal ehrlich zu sich selbst sein konnte. Demnach auch nicht zu Skadi. <i>„Was gibt es denn so für Waffen außer Schwerter und Pistolen? Irgendwas Geschickteres.“</i> Soula deutete auf die Wurfmesser, die für sie eher wie Dolche aussahen. Aber es waren keine… <i>„Benutzt man das wie einen Dolch?“</i> ‚Das‘, hatte in Soulas Kopf noch keinen Namen.</font><br />
<br />
<font color=#BC8F8F>Soulas Ungeduld barg so viel kindliche Freude in sich, dass es der Jägerin erneut ein warmes Schmunzeln auf die Züge legte. Das letzte Mal, als sie solch einem Gesicht gegenüber gestanden war, lag etliche Jahre zurück. Es versetze ihrem Herz einen feinen, aber erträglichen Stich - nichts was sie nicht binnen eines Wimpernschlags mit einem herzhaften Lachen loswurde. <i>"Ich bin mir sicher, dass du mich mit allem, was du an Wortschatz zu bieten hast, verfluchen wirst. Es hätte mirch eher stark verwundert, wenn nicht."</i> Nicht etwa, weil sie an der Standhaftigkeit der jungen Frau zweifelte, sondern vielmehr, weil das Training entweder nicht hart genug war oder Soula weitaus mehr Probleme hatte, als dass sie nicht kämpfen konnte. Und dafür war die Norskov bei weitem die falsche Adresse. Sie bekam nicht einmal ihre eigenen Defizite in den Griff. <i>"Du hast es ziemlich eilig mit allem, was?"</i>, entgegnet sie amüsiert grunzend und folgte dann dem Blick der anderen. Fuhr mit einem ausgestreckten Finger über die glänzende Oberfläche, ehe sie das breite Ende zwischen zwei Finger nahm. <i>"Nein. Es sei denn du wirfst deine Dolche gern. Manche tun das in der Tat mit ihren Äxten. Nur würde ich dir das nicht empfehlen. Die liegen viel zu schwer in der Hand und es nicht sonderlich leicht das Gewicht auszubalancieren."</i> Skadi hatte sich selbst ein paar Mal daran versucht und schnell das Interesse verloren. Bögen und Schlagstöcke waren etwas, womit sie sich wesentlich wohler fühlte. <i>"Es gibt eigentlich viel zu viel, mit dem du dich verteidigen kannst. Abgesehen von deinem Körper natürlich."</i> Darunter etwas zu finden, dass zu Soula passte, wie die Faust aufs Auge, war dann vielleicht ein etwas zu hoch gegriffenes Ziel. <i>"Hier..."</i> Sie hielt ihr das Messer entgegen, das noch immer zwischen ihren Fingern klemmte. </font><br />
<br />
<font color=#006400><i>„Hmm, ich muss dir wohl nicht sagen, dass ich einen ausgeprägten Wortschatz habe“</i>, meinte sie leise lachend. Nichts davon würde gegen Skadi persönlich gehen. Ebenso wenig, wie Skadis forderndes Training gegen Soula persönlich gehen würde. Davon ging sie jetzt zumindest einfach mal aus. Man konnte schon behaupten, dass sie mit allem, was sie sich mal in den Kopf gesetzt hatte, nicht früh genug beginnen konnte. Das Schlimmste daran war für sie wohl einfach die Tatsache, dass sie das alles nicht sofort einigermaßen hinbekommen würde und das bereits wusste. Harte Arbeit…<br />
Unschuldig zuckte sie mit den Schultern und warf gleichzeitig einen Blick aufs Meer hinaus. <i>„Ich würde gerne meine Möglichkeiten kennenlernen.“</i> Dann konnte sie alles etwas besser abschätzen. Zumindest erhoffte sich Soula das. Sie schüttelte grinsend den Kopf: <i>„Nein, meine Dolche werfe ich tatsächlich nicht.“</i> Hatte Skadi da gerade wirklich werfen gesagt? Soula kannte so eine Waffe nicht, war ihr nie begegnet, aber es schien sie zu faszinieren. <i>„Aber ich denke, dass Körper alleine nicht immer ausreicht. Vielleicht ist jemanden auf Abstand halten, Ausweichen und Weglaufen eine ganz gute Kombi?“</i> In Soulas Kopf klang das zumindest danach, aber sie hatte keine Erfahrungen, ob das wirklich der Realität entsprach. Sie streckte die Hand nach dem Wurfmesser aus, das Skadi ihr entgegenstreckte und fuhr vorsichtig mit der anderen Hand darüber, bevor sie es in ihrer Hand ein wenig drehte. <i>„Wie teuer sind die? Wenn ich eines ins Getümmel werfe, dann finde ich das doch nie wieder, oder?“</i></font><br />
<br />
<font color=#BC8F8F><i>"Aber auch dafür braucht es einen gut funktionierenden und trainierten Körper."</i>, fügte die Nordskov an und schmunzelte. Erinnerte sich an ihre erste gemeinsame Trainingseinheit mit James, wo genau das bereits Thema gewesen war. Als Kind hatte sie nichts anderes getan. Bis ihr Vater der Meinung gewesen war, dass es Zeit wurde sie in mehr zu Unterrichten als Bogenschießen und Dauerlauf. Was das Raufen mit ihren Brüdern nicht weniger gefährlich gemacht hatte. Eher im Gegenteil. <i>"Also werden wir definitiv beides machen. Deine Ausdauer und Beinarbeit verbessern, deine Koordination trainieren und schauen, mit welcher Waffe du für den Anfang am besten zurecht kommst. Die Intuition, was wann wie zu nutzen ist, kommt von ganz allein."</i> Während Soula ihr das Messer aus der Hand nahm, lehnte sich Skadi zur Seite, um den Gegenpart von der Kiste zu heben. Nickte auf die Worte der anderen nur zustimmend und balancierte die frisch geschliffene Klinge zwischen den Fingern. <i>"Kommt ganz darauf an, aus welchem Erz sie gefertigt wurden und wo du sie kaufst. Sie sind erheblich kleiner und dünner als Dolche. Haben keinen Schaft aus Holz oder Leder. Verbrauchen also auch weniger Grundmaterial. Aber was deine allgemeinen Bedenken angeht - ja... sie sind für immer weg, wenn du sie blindlinks werfen musst und keine Möglichkeit hast, sie zurück zu holen. Aber..."</i>, betonte sie, warf einen kurzen Blick auf ihre Umgebung und zielte dann mit ausgestreckten Arm in Richtung des Mastes. <i>"sie sind bei weitem besser unter der Kleidung zu verstecken, nehmen weniger Platz weg und können auf Distanz genauso viel Schaden anrichten, wie ein Dolch, den du meist nur im Nahkampf gezielt werfen kannst." </i>Geräuschvoll sauste das scharfe Metall ins Holz. Etwas tiefer als Skadi angepeilt hatte, aber immerhin hatte sie den dicken Stamm überhaupt getroffen. Ihre ersten Anfänge hatte mehr Löcher in die Bohlen gerammt, als alles andere. </font><br />
<br />
<font color=#006400>Eleganz konnte Soula ganz wunderbar in Kleidern ausstrahlen. In der Diebeskluft, die sie sich vor einiger Zeit besorgt hatte, die etwas eng anliegender und irgendwie auch wie eine zweite Haut wirkte, fühlte sie sich trotzdem manchmal wie ein Trampel. Was eher damit zu tun hatte, dass sie nichts Wehendes anhatte und sich vielleicht auch ein wenig schäbig vorkam. Diese Gefühle würde Soula nur zu gerne ablegen, denn sie glaubte daran, dass sie sich in dieser Kleidung echt gut bewegen konnte und es ihr weiterhelfen würde. Ausdauer, Beinarbeit. Beides klang anstrengend, aber auch danach, als würde Skadi wissen, wovon sie sprach. Soula konnte sich, gerade unter dem letzteren, nicht direkt vorstellen, was da auf sie zukommen würde. Sie nickte nur eifrig, ohne es genauer zu hinterfragen, es würde sich früh genug zeigen, was das für Soula nun heißen würde. Dann nahm sie was Wurfmesser in die Hand, es wirkte recht ausbalanciert und konnte sicher auch als Dolch dienen. Zwar nicht so gut, aber wahrscheinlich besser als nicht. Wieder nickte sie. In der Herstellung waren sie also nicht so teuer, wie beispielsweise ein Dolch. Das hatte sie verstanden.<br />
Soula beobachtete Skadi genau dabei, wie sie das Messer warf und es im Mast stecken blieb. Beeindruckend. <i>„Leicht, gut unter der Kleidung zu verstecken, klingt genau nach etwas, was ich suche.“ </i>Aber wonach sie suchte, war noch lange nicht ausschlaggebend. Immerhin musste sie auch damit umgehen können. <i>„Gut, wann können wir anfangen?“</i> Für körperliches Training trug Soula definitiv die falsche Kleidung. Es war jetzt nicht das Problem, immerhin konnte sie sich umziehen, aber vielleicht hatte Skadi überhaupt keine Zeit? Außerdem hatte Soula immer noch das Gefühl, dass die Wellen gegen sie kämpften.<br />
<i>„Vielleicht an Land? Es klang zumindest so, als würden wir es in den nächsten Tagen erreichen können.“</i> Bestimmt würde sich die erste Trainingseinheit an Land für Soula einfacher gestalten, als auf See. Dieser Herausforderung würde sie sich dann noch früh genug stellen müssen.</font><br />
<br />
<font color=#BC8F8F>Skadi sah zur Seite. Beäugte Soula und lachte. Nicht über die junge Frau. Vielmehr über den temperamentvollen Lerneifer, der ihr geradewegs aus jeder Pore floss. <i>“Wann immer du möchtest? Sofern das Tagewerk erledigt ist und wir nichts zu tun haben.“</i> Was an Land, wie Soula selbst einen Atemzug später anmerkte, womöglich am einfachsten war. Viel Platz, viele Möglichkeiten mehr aus ihrer Umgebung zu schöpfen, als Masten, Kisten und andere Crewmitglieder. <i>“Ich werde wohl immer mal wieder in die Stadt müssen, um unsere Waffenvorräte aufzustocken und auszutauschen, was irreparabel ist… vielleicht solltest du da auch nochmal mitkommen, damit du dir mal einen Überblick verschaffen kannst, was es noch alles an Möglichkeiten für dich gibt.“</i> Ihr Lächeln verrutschte zu einem vielsagenden Grinsen, während sie in ihre Hüfttasche griff und das Blasrohr heraus holte. “Vielleicht sind auch „Betäubungs“ und „Giftpfeile“ eher dein Steckenpferd. Talin und mir haben sie bereits den Arsch gerettet.“ Die Erinnerungen an die Kopfgeldinsel fühlten sich nach all den Wochen noch immer so lebendig an, dass Skadi ungern daran zurückdachte. Nicht etwa des Kampfes wegen. Daran war sie gewohnt, seitdem sie von ihrem Vater trainiert wurde. Nein. Es waren vielmehr die Bilder des kleinen Scortias, die auf Ewig in ihrem Bewusstsein verankert bleiben würden.</font><br />
<br />
<font color=#006400>Damit, dass sie sofort starten konnten, hatte Soula jetzt nicht gerechnet, allerdings kam die Antwort der Nordskov ziemlich nah dran. Für sich selbst entschied sie allerdings, dass es wohl das Beste sein würde, wenn sie ihre ersten Schritte in dieser Richtung an Land tat. Die Möglichkeit sich einen Überblick zu verschaffen, gefiel Soula auch recht gut und die Einladung, dass sie Skadi begleiten konnte erfreute sie ebenfalls. Deswegen nickte sie und lächelte: „Das klingt gut.“ Und was Skadi dann als nächstes erzählte, klang sogar noch besser. Allerdings bezweifelte Soula jetzt schon, dass sie mit Pfeilen sehr viel anfangen konnte. Eine Armbrust oder etwas in Richtung eines Bogens war nicht wirklich etwas, womit sie glaubte umgehen zu können. <i>„Womit schießt du die Pfeile ab?“</i>, fragte sie dennoch. <i>„Wie viele Stunden am Tag trainierst du? Oder in der Woche?“</i> Soula vermutete, dass Skadi eine Zahl nannte, mit der sie sich nicht wirklich anfreunden konnte, nicht, weil sie Skadi nicht mochte, eher, weil sie noch andere Interessen hatte. Zeit war ein kostbares Gut, fand Soula, und sie wollte ihre Zeit möglichst effizient einsetzen und möglichst mit Menschen verbringen, die ihr gut taten. Shanaya gehörte zum Beispiel eher nicht zu diesen Menschen und deswegen war die Veniel ihr bisher auch so gut es ging aus dem Weg gegangen. <i>„Wie lange hast du gebraucht, um den Umgang mit einer Waffe gut zu können? Wie war deine Anfangszeit?“</i>, wollte sie noch wissen. Erinnerte sich Skadi überhaupt an ihre Anfänge um Umgang mit Waffen? Oder würde sie Soula wegen dieser Frage nun eher auslachen?</font><br />
<br />
<font color=#BC8F8F>Irritiert kippte eine ihrer Brauen hinab. So wirklich verstand sie die Frage nicht. Hob demonstrativ das Blasrohr zwischen ihren Fingern vor Soulas Nase und schnaubte. <i>"Mit einem Blasrohr?"</i> Erst jetzt fiel ihr auf, dass ihr Giftpfeil wohl auf mehr als eine Art verstanden werden konnte. Nicht klein und dünn wie eine Nadel, wie sie es gewohnt war. Sondern groß und gut in einem Köcher auf dem Rück verstaubar. Und wenn sie es so betrachtete lag, Soula nicht einmal falsch damit. Die Nordskov hätte sicherlich nicht zum ersten Mal einen Giftpfeil für ihren Bogen benutzt. Doch in einem Kampf auf so kurze Distanz traf sie alles, nur nicht ihren Kontrahenten.<br />
<i>"Täglich... aber dabei zähle ich keine Stunden."</i> Ganz davon abgesehen, dass "sich in Form zu halten" nicht ihre einzige Aufgabe auf diesem Schiff war und ihr Training lediglich die leere Zeit füllte, in der sie entweder nicht schlafen konnte oder gelangweilt nach Beschäftigung suchte. <i>"Und wenn ich keine Energie habe, dann setze ich auch aus."</i> Was vielleicht seltener vorkam, als es den Anschein erweckte. <i>"Aber ich bins gewohnt mich viel zu bewegen. Ohne würde ich verrückt..."</i> Das kleine Lächeln, das sich dabei in ihren Mundwinkel schob, sagte mehr als tausend Worte es gekonnt hätten.<br />
<i>"Aber für den Anfang würde ich dir das nicht empfehlen. Bei dem Muskelkater wärst du ein sehr leichtes Ziel für andere..."</i> Ob man ihr anmerkte, dass sie sich ein Lachen verkneifen musste? Durchaus. Denn Soula hätte mehr mit einem vor Schock erstarrten Geißlein gemein gehabt, als einer durchtrainierten Piratin. Bei ihrer Fragerei wirkte sie ohnehin mehr wie eine emsige Schülerin, denn gewiefte Betrügerin. Nur langsam senkte die Nordskov ihre Hand und verstaute das Blasrohr in ihrer Hüfttasche. Presste die Lippe bei Soulas nächster Frage grübelnd aufeinander und hob dann den Blick in Richtung des strahlend blauen Himmels.<br />
<i>"Wie lange?"</i> Bei den Göttern. Wenn sie das noch wusste. Sie hatte zu viel vergessen wollen, um sich freiwillig an Details zu erinnern. Etwas, dass sie Soula nicht auf die Nase band und stattdessen lieber auf dem Absatz kehrt machte, um das Wurfmesser aus dem Mast zu ziehen. <i>"Wahrscheinlich Jahre und viele... nachhaltige Lektionen."</i>, gab sie der Fremden über die Schulter zurück und umschloss den feinen Griff des Messers mit der Rechten. <i>"Aber in den ersten Jahren hatte ich kaum eine Waffe in der Hand. Abgesehen von einem Stock... wer sich nicht mit seinem Körper verteidigen kann, sollte nie die Hand an etwas bekommen, das Menschen tötet."</i> Worte, die ihr Vater einst von sich gegeben und dabei finster zu seiner Tochter hinab geblickt hatte. Wahrscheinlich weil sie genauso genervt von dem dürren Holzstab gewesen war, wie Soula von  ihrem mangelnden Kampftalent.</font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[24. Juni 1822 | Skadi & Soula | Sphinx<br />
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<font color=#006400>Schon alleine aus Prinzip wollte sich Soula mit dem Kämpfen nicht beschäftigen. Zumindest nicht näher. Allerdings wurde immer deutlicher, dass sie sich nicht mehr in ihrer heilen Welt befand. Ihr Leben hatte sich ein Mal um sich selbst gedreht und plötzlich befand sie sich in einer völlig anderen, ihr unbekannten Welt. Sie musste sich irgendwie anpassen und vermutlich war es besser, wenn sie das früher als später tat. Einige Kampfarten hatte sie auf Calbota bereits kennengelernt. Nur hatten die alle ihr nicht zugesagt. Schießen… Soula wollte nicht aktiv kämpfen. Es ging ihr lediglich darum, dass sie sich verteidigen konnte, wenn sie es musste. Die Veniel war klein, flink und wendig, sie erhoffte sich eher etwas… unauffälligeres und doch effektives. Ja, ein Dolch war schön und gut und versteckt konnte er eine Überraschung sein, allerdings glaubte Soula nicht, dass das ausreichte. Sie wollte mehr können. Die Frage war nur, wovon mehr. Bestimmt gab es unzählige Möglichkeiten und mit wem konnte man darüber besser fachsimpeln als mit Skadi? Sie hatte immerhin schon gesehen, wie unglaublich talentiert unbeholfen sich Soula mit einem Schwert/Degen in der Hand anstellte. Vielleicht konnten sie zusammen eine Art des Kämpfens für Soula finden, die besser passte? <i>„Hey Skadi“</i>, sprach sie die Ältere in einem ruhigen Moment an Deck an.<br />
<i>„Du kennst dich doch gut mit Waffen und dem Kämpfen aus, oder?“</i> Jaa, eigentlich brauchte Soula das gar nicht mehr zu fragen. Immerhin unterhielt sie sich nicht das erste Mal mit Skadi und auch was die anderen so erzählten, schien sie genau die richtige Ansprechpartnerin für ihr Anliegen zu sein. <i>„Ich würde mich in Zukunft gerne verteidigen können. Schießen ist nicht so meins und mit einem Degen fühle ich mich auch nicht wirklich wohl. Ich kann mit einem Dolch umgehen, auch nicht perfekt, würde ich sagen, aber immerhin hat er mir schon gute Dienste geleistet. Aber ansonsten… kann ich in der Richtung nicht sehr viel.“</i> Soula hatte andere Talente. Sie konnte gut Menschen über den Tisch ziehen, täuschen, stehlen, sich verstecken, schleichen, unbemerkt in Häuser einsteigen und vieles mehr in dieser Richtung. In der Stadt brachte ich das alles vielleicht etwas, aber wenn sie sich jetzt schon mit Piraten herumtrieb, dann sollte sie sich auch besser zu verteidigen wissen. <i>„Ich bin flink und wendig! Vielleicht gibt es ein paar körperliche Manöver oder so etwas. Ausweichen oder irgendwas.“</i> Soula hatte keine Ahnung, aber man merkte, dass sie am direkten Kampf nicht ganz so viel Interesse hatte, sondern eher sich selbst schützen wollte.</font><br />
<br />
<font color=#BC8F8F>Die Waffen waren seit dem Zwischenfall mit den Vögeln, dem Nebeln und dem anderen Schiff in einem grauenvollen Zustand. Es hatte Tage gebraucht, um den beginnenden Rostfilm von den Oberflächen zu entfernen und den Bestand zu sichten, der sich auf ein paar wenige noch funktionsfähige Schusswaffen, Messer, Degen und Pfeile reduziert hatte. Die Kanonen waren jedoch noch immer ihr größtes Problem. Massiv und nicht gerade leicht zu reinigen. Abgesehen von der Gefahr, die es mit sich brachte. Sie dankte Soula einmal mehr für ihre gute Arbeit. Eine Sorge weniger, die sie sich um Schießpulverrückstände machen musste. Es blieb allerdings abzuwarten, wie sie die Kanone an Deck auf Vorderman bringen sollten. Der Mechanismus klemmte und Skadi hatte kein Werkzeug zur Hand, um das Ding auseinander zu legen - geschweige denn genug Männer, um das schwere Gerät zu halten. Vielleicht wäre es das klügste alles zu ersetzen, was ersetzt werden konnte. Sobald sie anlegten und sicheren Boden unter den Füßen zurück hatten.<br />
<i>"Hm?"</i> Gerade war sie so sehr in Gedanken versunken, dass sie Soula erst bemerkte, als diese bereits neben ihr stand. Abwesend hob sie den Kopf. Folgte mit ihren Augen erst dem feinen Gesicht, als sie das frisch präparierte Wurfmesser neben die anderen auf eine der Kisten legte und sich gegen die Holzkannte lehnte. Soulas rhetorischer Frage nach zu urteilen, konnte diese Unterhaltung etwas länger andauern. <i>"Du willst also lernen, wie du dich im Falle eines Falles verteidigen kannst, wenn du es musst?"</i> Das war, was Skadi verstanden hatte. Und sehr wahrscheinlich auch, worauf die Jüngere hinaus wollte. Weglaufen war schon damals ihre erste Lektion gewesen. <i>"Mit flink und wendig, dürfte sich gut arbeiten lassen."</i> Ein breites Lächeln huschte über ihre Lippen. Dann drehte sie sich noch einmal mehr herum, um sich auf die Kisten neben sich zu setzen. <i>"Wenn du dann noch schnell im Kopf bist und deine Umgebung nutzt, dürfte das ein Kinderspiel werden."</i></font><br />
<br />
<font color=#006400>Während Soula ihr Anliegen berichtete, hörte Skadi in Ruhe zu und ein bisschen angespannt war sie schon. Es gab schließlich immer noch die Möglichkeit, dass Skadi sie abwies. So gut kannten sie sich schließlich nicht und ob die junge Frau wirklich Lust hatte irgendwelche Trainingseinheiten zu geben, war auch nochmal etwas ganz anderes, als ein einmaliges Zusammenkommen. Darum ging es Soula nämlich. Mit einer einmaligen Session war es nicht getan, allerdings gab es immer noch die Möglichkeit auf einer Insel einen Lehrmeister zu bezahlen oder zu bestechen…  Auf Skadis zusammenfassende Worte nickte die Veniel. <i>„Ganz genau, das möchte ich.“</i> So weit, so gut. Ihr Anliegen war also klar.<br />
Ein Kinderspiel… Soula entfuhr ein nervöses Lachen. Das klang aus Skadis Mund so einfach. Schön, wenn Skadi das so sehen konnte. <i>„Mit Köpfchen kann ich dir denke ich dienen. Wir werden sehen, in wie weit“</i>, Soula schätzte sich und ihre Fähigkeiten oft geringer ein, als sie eigentlich waren, <i>„und was genau ich in meiner Umgebung wie nutzen kann, wird bestimmt auch noch klarer. Wenn ich da an die Gassen der Stadt denke, dann gibt es da oft genug Hilfsmittel. Ich verwende nicht umsonst oft schon Kisten oder tiefe Fenster, um irgendwo hochzukommen.“</i> Davon abgesehen hatte Soula ein gewisses Körpergefühl, sonst könnte sie sich beim Tanzen gar nicht so viel über die Männer aufregen, aber… <i>„Das ist eher mit viel Training verbunden, oder? Also schätze ich das so ein, dass deine Erklärungen ein Kinderspiel sind und die Umsetzung für mich harte Arbeit?“</i> Sie legte fragend den Kopf zur Seite und schmunzelte. Die letzte große Frage war wohl auch die, ob Skadi überhaupt mit ihr arbeiten wollte, denn Training, Tipps und Tricks, konnte Soula sich nicht alleine aus den Fingern saugen.</font><br />
<br />
<font color=#BC8F8F>Was Soula an Zuversicht fehlte, machte Skadi mit einem breiten Lächeln wieder wett. Natürlich würde aus der jungen Frau keine Meisterassassine werden, doch stand das ohnehin nicht zur Diskussion. Wobei. Skadi legte den Kopf zur Seite. Musterte sie erneut von Kopf bis Fuß, während sie sich vorzustellen versuchte, wie der schmale Körper flink über Kisten und durch Fensterläden sprang. Wenn sie all das in einem Kleid schaffte, war die Nordskov mehr als nur beeindruckt. Stoff war, neben so vielen anderen Dingen, ihr absoluter Erzfeind. <i>“Alles ist harte Arbeit Soula.“</i>, entgegnete Skadi und stützte sich mit beiden Händen auf der Kiste ab. <i>“Niemand wird innerhalb einer Nacht zum Elitekämpfer. Man kann vielleicht das gewisse Talent besitzen, Dinge schneller zu lernen. Aber um tägliches Training und Ausdauer kommt niemand drum herum.“</i> Was vielleicht verlockend klang, wenn man sich all die Zeit für andere Dinge aufsparen konnte. Doch sie selbst kannte es nicht anders.<i> “Aber ich glaube, dass du den nötigen Ehrgeiz dafür hast. Immerhin bist du hier.“</i> Außer Rym und Talin war sonst niemand freiwillig zu ihr gekommen, um zu Trainieren. Von Lucien abgesehen, mit dem sie ohnehin ihr zusätzliches Gold für das Schiff bei Untergrundkämpfen verdiente. Dass Soula also von sich aus auf sie zukam, setze ein angenehmes Gefühl in ihre Brust. Etwas, dass sich schon ein wenig wie „Angekommen“ anfühlte. Ganz davon abgesehen, dass sie die junge Frau gut leiden konnte.<br />
<i>“Also ja… ich trainiere sehr gern mit dir.“</i> Das Lächeln auf ihren Zügen wurde noch eine Spur breiter. Zeichnete kleine Grübchen in ihren Wangen ab, bis sich ein amüsiertes Schnauben aus ihrer Kehle presste. <i>“Aber ich sag‘s dir gleich. Es kann Momente geben, in denen es echt hart werden wird. Ich kenne deine Grenzen nicht. Die kennst nur du selbst. Manchmal werde ich verlangen, dass du darüber hinaus gehst, weil…“</i> Sie tippte mit einem Finger gegen ihre Schläfe. <i>“… alles meistens eine reine Kopfsache ist. Dennoch. Sollte es dir mal zu viel werden, sag es.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#006400>Wie viel würde Soula nur dafür geben zu wissen, was Skadi durch den Kopf ging, als sie Soula musterte. Hatte sie etwa schon genau im Kopf, was sie ihr beibringen wollte? Oder hatte sie bereits Ideen? Und wenn ja, dann wüsste Soula gerne mehr davon! Sie war selber total gespannt und neugierig, was Skadi davon hielt und welche Waffe vielleicht zu Soula passen könnte. Gerade trug sie zwar ein Kleid und auch auf Calbota hatte sie vermehrt Kleider getragen, aber auf Diebesstreifzügen hatte Soula dieselbe Meinung wie Skadi. Zu viel Stoff half da nicht weiter. Hätte sie gewusst, dass Skadi das dachte, hätte Soula sich sehr darüber amüsiert. Stattdessen meinte sie, dass alles harte Arbeit war. <i>„Damit hast du so recht.“</i> Tägliches Training? Autsch… Sah fast so aus, als müsste die Veniel eine gute Mischung finden, um ihren Verstand zu füttern und ihren Körper zu belasten. Die gesamte Zeit auf dem Schiff war sie bisher bei ersterem geblieben. Soula nickte. <i>„Ehrgeiz habe ich glaube ich genug für zwei.“</i> Sie zuckte mit den Schultern, denn vielleicht konnte ihr, gerade wenn es darum ging, sich nicht zu überlasten, der Ehrgeiz dann doch mal zum Verhängnis werden. Sie sah es schon kommen, dass sie mehr wollte, als ihr Körper hinbekam. Es lag ein Lächeln auf ihren Lippen, das noch ein bisschen breiter wurde, als Skadi meinte, dass sie sehr gerne mit Soula trainieren würde.<br />
<i>„Großartig!“</i>, entfuhr es ihr und sie hörte gespannt bei dem zu, was Skadi noch zu sagen hatte. <i>„Ich bin mir sicher, dass es Momente geben wird, in denen ich dich echt hassen werde.“</i> Soula zuckte mit den Schultern und schmunzelte. <i>„Aber das ist dann mein Problem.“</i> Immerhin war sie es selbst gewesen, die Skadi gefragt hatte. Soula nickte. <i>„Klar, ich werde es dich wissen lassen.“</i> Das sagte sie zwar jetzt, aber Soula wusste selbst, dass sie hart im Nehmen war und dann auch manchmal nicht mal ehrlich zu sich selbst sein konnte. Demnach auch nicht zu Skadi. <i>„Was gibt es denn so für Waffen außer Schwerter und Pistolen? Irgendwas Geschickteres.“</i> Soula deutete auf die Wurfmesser, die für sie eher wie Dolche aussahen. Aber es waren keine… <i>„Benutzt man das wie einen Dolch?“</i> ‚Das‘, hatte in Soulas Kopf noch keinen Namen.</font><br />
<br />
<font color=#BC8F8F>Soulas Ungeduld barg so viel kindliche Freude in sich, dass es der Jägerin erneut ein warmes Schmunzeln auf die Züge legte. Das letzte Mal, als sie solch einem Gesicht gegenüber gestanden war, lag etliche Jahre zurück. Es versetze ihrem Herz einen feinen, aber erträglichen Stich - nichts was sie nicht binnen eines Wimpernschlags mit einem herzhaften Lachen loswurde. <i>"Ich bin mir sicher, dass du mich mit allem, was du an Wortschatz zu bieten hast, verfluchen wirst. Es hätte mirch eher stark verwundert, wenn nicht."</i> Nicht etwa, weil sie an der Standhaftigkeit der jungen Frau zweifelte, sondern vielmehr, weil das Training entweder nicht hart genug war oder Soula weitaus mehr Probleme hatte, als dass sie nicht kämpfen konnte. Und dafür war die Norskov bei weitem die falsche Adresse. Sie bekam nicht einmal ihre eigenen Defizite in den Griff. <i>"Du hast es ziemlich eilig mit allem, was?"</i>, entgegnet sie amüsiert grunzend und folgte dann dem Blick der anderen. Fuhr mit einem ausgestreckten Finger über die glänzende Oberfläche, ehe sie das breite Ende zwischen zwei Finger nahm. <i>"Nein. Es sei denn du wirfst deine Dolche gern. Manche tun das in der Tat mit ihren Äxten. Nur würde ich dir das nicht empfehlen. Die liegen viel zu schwer in der Hand und es nicht sonderlich leicht das Gewicht auszubalancieren."</i> Skadi hatte sich selbst ein paar Mal daran versucht und schnell das Interesse verloren. Bögen und Schlagstöcke waren etwas, womit sie sich wesentlich wohler fühlte. <i>"Es gibt eigentlich viel zu viel, mit dem du dich verteidigen kannst. Abgesehen von deinem Körper natürlich."</i> Darunter etwas zu finden, dass zu Soula passte, wie die Faust aufs Auge, war dann vielleicht ein etwas zu hoch gegriffenes Ziel. <i>"Hier..."</i> Sie hielt ihr das Messer entgegen, das noch immer zwischen ihren Fingern klemmte. </font><br />
<br />
<font color=#006400><i>„Hmm, ich muss dir wohl nicht sagen, dass ich einen ausgeprägten Wortschatz habe“</i>, meinte sie leise lachend. Nichts davon würde gegen Skadi persönlich gehen. Ebenso wenig, wie Skadis forderndes Training gegen Soula persönlich gehen würde. Davon ging sie jetzt zumindest einfach mal aus. Man konnte schon behaupten, dass sie mit allem, was sie sich mal in den Kopf gesetzt hatte, nicht früh genug beginnen konnte. Das Schlimmste daran war für sie wohl einfach die Tatsache, dass sie das alles nicht sofort einigermaßen hinbekommen würde und das bereits wusste. Harte Arbeit…<br />
Unschuldig zuckte sie mit den Schultern und warf gleichzeitig einen Blick aufs Meer hinaus. <i>„Ich würde gerne meine Möglichkeiten kennenlernen.“</i> Dann konnte sie alles etwas besser abschätzen. Zumindest erhoffte sich Soula das. Sie schüttelte grinsend den Kopf: <i>„Nein, meine Dolche werfe ich tatsächlich nicht.“</i> Hatte Skadi da gerade wirklich werfen gesagt? Soula kannte so eine Waffe nicht, war ihr nie begegnet, aber es schien sie zu faszinieren. <i>„Aber ich denke, dass Körper alleine nicht immer ausreicht. Vielleicht ist jemanden auf Abstand halten, Ausweichen und Weglaufen eine ganz gute Kombi?“</i> In Soulas Kopf klang das zumindest danach, aber sie hatte keine Erfahrungen, ob das wirklich der Realität entsprach. Sie streckte die Hand nach dem Wurfmesser aus, das Skadi ihr entgegenstreckte und fuhr vorsichtig mit der anderen Hand darüber, bevor sie es in ihrer Hand ein wenig drehte. <i>„Wie teuer sind die? Wenn ich eines ins Getümmel werfe, dann finde ich das doch nie wieder, oder?“</i></font><br />
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<font color=#BC8F8F><i>"Aber auch dafür braucht es einen gut funktionierenden und trainierten Körper."</i>, fügte die Nordskov an und schmunzelte. Erinnerte sich an ihre erste gemeinsame Trainingseinheit mit James, wo genau das bereits Thema gewesen war. Als Kind hatte sie nichts anderes getan. Bis ihr Vater der Meinung gewesen war, dass es Zeit wurde sie in mehr zu Unterrichten als Bogenschießen und Dauerlauf. Was das Raufen mit ihren Brüdern nicht weniger gefährlich gemacht hatte. Eher im Gegenteil. <i>"Also werden wir definitiv beides machen. Deine Ausdauer und Beinarbeit verbessern, deine Koordination trainieren und schauen, mit welcher Waffe du für den Anfang am besten zurecht kommst. Die Intuition, was wann wie zu nutzen ist, kommt von ganz allein."</i> Während Soula ihr das Messer aus der Hand nahm, lehnte sich Skadi zur Seite, um den Gegenpart von der Kiste zu heben. Nickte auf die Worte der anderen nur zustimmend und balancierte die frisch geschliffene Klinge zwischen den Fingern. <i>"Kommt ganz darauf an, aus welchem Erz sie gefertigt wurden und wo du sie kaufst. Sie sind erheblich kleiner und dünner als Dolche. Haben keinen Schaft aus Holz oder Leder. Verbrauchen also auch weniger Grundmaterial. Aber was deine allgemeinen Bedenken angeht - ja... sie sind für immer weg, wenn du sie blindlinks werfen musst und keine Möglichkeit hast, sie zurück zu holen. Aber..."</i>, betonte sie, warf einen kurzen Blick auf ihre Umgebung und zielte dann mit ausgestreckten Arm in Richtung des Mastes. <i>"sie sind bei weitem besser unter der Kleidung zu verstecken, nehmen weniger Platz weg und können auf Distanz genauso viel Schaden anrichten, wie ein Dolch, den du meist nur im Nahkampf gezielt werfen kannst." </i>Geräuschvoll sauste das scharfe Metall ins Holz. Etwas tiefer als Skadi angepeilt hatte, aber immerhin hatte sie den dicken Stamm überhaupt getroffen. Ihre ersten Anfänge hatte mehr Löcher in die Bohlen gerammt, als alles andere. </font><br />
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<font color=#006400>Eleganz konnte Soula ganz wunderbar in Kleidern ausstrahlen. In der Diebeskluft, die sie sich vor einiger Zeit besorgt hatte, die etwas eng anliegender und irgendwie auch wie eine zweite Haut wirkte, fühlte sie sich trotzdem manchmal wie ein Trampel. Was eher damit zu tun hatte, dass sie nichts Wehendes anhatte und sich vielleicht auch ein wenig schäbig vorkam. Diese Gefühle würde Soula nur zu gerne ablegen, denn sie glaubte daran, dass sie sich in dieser Kleidung echt gut bewegen konnte und es ihr weiterhelfen würde. Ausdauer, Beinarbeit. Beides klang anstrengend, aber auch danach, als würde Skadi wissen, wovon sie sprach. Soula konnte sich, gerade unter dem letzteren, nicht direkt vorstellen, was da auf sie zukommen würde. Sie nickte nur eifrig, ohne es genauer zu hinterfragen, es würde sich früh genug zeigen, was das für Soula nun heißen würde. Dann nahm sie was Wurfmesser in die Hand, es wirkte recht ausbalanciert und konnte sicher auch als Dolch dienen. Zwar nicht so gut, aber wahrscheinlich besser als nicht. Wieder nickte sie. In der Herstellung waren sie also nicht so teuer, wie beispielsweise ein Dolch. Das hatte sie verstanden.<br />
Soula beobachtete Skadi genau dabei, wie sie das Messer warf und es im Mast stecken blieb. Beeindruckend. <i>„Leicht, gut unter der Kleidung zu verstecken, klingt genau nach etwas, was ich suche.“ </i>Aber wonach sie suchte, war noch lange nicht ausschlaggebend. Immerhin musste sie auch damit umgehen können. <i>„Gut, wann können wir anfangen?“</i> Für körperliches Training trug Soula definitiv die falsche Kleidung. Es war jetzt nicht das Problem, immerhin konnte sie sich umziehen, aber vielleicht hatte Skadi überhaupt keine Zeit? Außerdem hatte Soula immer noch das Gefühl, dass die Wellen gegen sie kämpften.<br />
<i>„Vielleicht an Land? Es klang zumindest so, als würden wir es in den nächsten Tagen erreichen können.“</i> Bestimmt würde sich die erste Trainingseinheit an Land für Soula einfacher gestalten, als auf See. Dieser Herausforderung würde sie sich dann noch früh genug stellen müssen.</font><br />
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<font color=#BC8F8F>Skadi sah zur Seite. Beäugte Soula und lachte. Nicht über die junge Frau. Vielmehr über den temperamentvollen Lerneifer, der ihr geradewegs aus jeder Pore floss. <i>“Wann immer du möchtest? Sofern das Tagewerk erledigt ist und wir nichts zu tun haben.“</i> Was an Land, wie Soula selbst einen Atemzug später anmerkte, womöglich am einfachsten war. Viel Platz, viele Möglichkeiten mehr aus ihrer Umgebung zu schöpfen, als Masten, Kisten und andere Crewmitglieder. <i>“Ich werde wohl immer mal wieder in die Stadt müssen, um unsere Waffenvorräte aufzustocken und auszutauschen, was irreparabel ist… vielleicht solltest du da auch nochmal mitkommen, damit du dir mal einen Überblick verschaffen kannst, was es noch alles an Möglichkeiten für dich gibt.“</i> Ihr Lächeln verrutschte zu einem vielsagenden Grinsen, während sie in ihre Hüfttasche griff und das Blasrohr heraus holte. “Vielleicht sind auch „Betäubungs“ und „Giftpfeile“ eher dein Steckenpferd. Talin und mir haben sie bereits den Arsch gerettet.“ Die Erinnerungen an die Kopfgeldinsel fühlten sich nach all den Wochen noch immer so lebendig an, dass Skadi ungern daran zurückdachte. Nicht etwa des Kampfes wegen. Daran war sie gewohnt, seitdem sie von ihrem Vater trainiert wurde. Nein. Es waren vielmehr die Bilder des kleinen Scortias, die auf Ewig in ihrem Bewusstsein verankert bleiben würden.</font><br />
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<font color=#006400>Damit, dass sie sofort starten konnten, hatte Soula jetzt nicht gerechnet, allerdings kam die Antwort der Nordskov ziemlich nah dran. Für sich selbst entschied sie allerdings, dass es wohl das Beste sein würde, wenn sie ihre ersten Schritte in dieser Richtung an Land tat. Die Möglichkeit sich einen Überblick zu verschaffen, gefiel Soula auch recht gut und die Einladung, dass sie Skadi begleiten konnte erfreute sie ebenfalls. Deswegen nickte sie und lächelte: „Das klingt gut.“ Und was Skadi dann als nächstes erzählte, klang sogar noch besser. Allerdings bezweifelte Soula jetzt schon, dass sie mit Pfeilen sehr viel anfangen konnte. Eine Armbrust oder etwas in Richtung eines Bogens war nicht wirklich etwas, womit sie glaubte umgehen zu können. <i>„Womit schießt du die Pfeile ab?“</i>, fragte sie dennoch. <i>„Wie viele Stunden am Tag trainierst du? Oder in der Woche?“</i> Soula vermutete, dass Skadi eine Zahl nannte, mit der sie sich nicht wirklich anfreunden konnte, nicht, weil sie Skadi nicht mochte, eher, weil sie noch andere Interessen hatte. Zeit war ein kostbares Gut, fand Soula, und sie wollte ihre Zeit möglichst effizient einsetzen und möglichst mit Menschen verbringen, die ihr gut taten. Shanaya gehörte zum Beispiel eher nicht zu diesen Menschen und deswegen war die Veniel ihr bisher auch so gut es ging aus dem Weg gegangen. <i>„Wie lange hast du gebraucht, um den Umgang mit einer Waffe gut zu können? Wie war deine Anfangszeit?“</i>, wollte sie noch wissen. Erinnerte sich Skadi überhaupt an ihre Anfänge um Umgang mit Waffen? Oder würde sie Soula wegen dieser Frage nun eher auslachen?</font><br />
<br />
<font color=#BC8F8F>Irritiert kippte eine ihrer Brauen hinab. So wirklich verstand sie die Frage nicht. Hob demonstrativ das Blasrohr zwischen ihren Fingern vor Soulas Nase und schnaubte. <i>"Mit einem Blasrohr?"</i> Erst jetzt fiel ihr auf, dass ihr Giftpfeil wohl auf mehr als eine Art verstanden werden konnte. Nicht klein und dünn wie eine Nadel, wie sie es gewohnt war. Sondern groß und gut in einem Köcher auf dem Rück verstaubar. Und wenn sie es so betrachtete lag, Soula nicht einmal falsch damit. Die Nordskov hätte sicherlich nicht zum ersten Mal einen Giftpfeil für ihren Bogen benutzt. Doch in einem Kampf auf so kurze Distanz traf sie alles, nur nicht ihren Kontrahenten.<br />
<i>"Täglich... aber dabei zähle ich keine Stunden."</i> Ganz davon abgesehen, dass "sich in Form zu halten" nicht ihre einzige Aufgabe auf diesem Schiff war und ihr Training lediglich die leere Zeit füllte, in der sie entweder nicht schlafen konnte oder gelangweilt nach Beschäftigung suchte. <i>"Und wenn ich keine Energie habe, dann setze ich auch aus."</i> Was vielleicht seltener vorkam, als es den Anschein erweckte. <i>"Aber ich bins gewohnt mich viel zu bewegen. Ohne würde ich verrückt..."</i> Das kleine Lächeln, das sich dabei in ihren Mundwinkel schob, sagte mehr als tausend Worte es gekonnt hätten.<br />
<i>"Aber für den Anfang würde ich dir das nicht empfehlen. Bei dem Muskelkater wärst du ein sehr leichtes Ziel für andere..."</i> Ob man ihr anmerkte, dass sie sich ein Lachen verkneifen musste? Durchaus. Denn Soula hätte mehr mit einem vor Schock erstarrten Geißlein gemein gehabt, als einer durchtrainierten Piratin. Bei ihrer Fragerei wirkte sie ohnehin mehr wie eine emsige Schülerin, denn gewiefte Betrügerin. Nur langsam senkte die Nordskov ihre Hand und verstaute das Blasrohr in ihrer Hüfttasche. Presste die Lippe bei Soulas nächster Frage grübelnd aufeinander und hob dann den Blick in Richtung des strahlend blauen Himmels.<br />
<i>"Wie lange?"</i> Bei den Göttern. Wenn sie das noch wusste. Sie hatte zu viel vergessen wollen, um sich freiwillig an Details zu erinnern. Etwas, dass sie Soula nicht auf die Nase band und stattdessen lieber auf dem Absatz kehrt machte, um das Wurfmesser aus dem Mast zu ziehen. <i>"Wahrscheinlich Jahre und viele... nachhaltige Lektionen."</i>, gab sie der Fremden über die Schulter zurück und umschloss den feinen Griff des Messers mit der Rechten. <i>"Aber in den ersten Jahren hatte ich kaum eine Waffe in der Hand. Abgesehen von einem Stock... wer sich nicht mit seinem Körper verteidigen kann, sollte nie die Hand an etwas bekommen, das Menschen tötet."</i> Worte, die ihr Vater einst von sich gegeben und dabei finster zu seiner Tochter hinab geblickt hatte. Wahrscheinlich weil sie genauso genervt von dem dürren Holzstab gewesen war, wie Soula von  ihrem mangelnden Kampftalent.</font>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gestalten in der Dunkelheit]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1201</link>
			<pubDate>Thu, 11 May 2023 18:03:48 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1201</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Gestalten in der Dunkelheit </div>
<br />
<font size=1>Nacht des 30. Juni 1822 <br />
Rúnar Rúnarsson & Shanaya Árashi</font></center><br />
<font color=royalblue>Die Dunkelheit hatte sich über die Straßen von Ostya gelegt, hüllte damit alles in eine wohlige Stille, die nur von dem fernen Stimmgewirr in den Tavernen durchbrochen wurde. Gut, und von den Schnapsleichen, die sich am Hafen herum trieben, immer wieder an der Kante herum torkelten und Gefahr liefen, betrunken ihr nasses Grab zu finden. Aber Shanaya kümmerte sich nicht darum, sie achtete nur darauf, genug Abstand zu diesen Gestalten zu halten und ihren Weg zur Sphinx hinter sich zu bringen. Den Abend hatte sie mit Skadi verbracht, die deutlich mehr Alkohol zu sich genommen hatte als die Schwarzhaarige. Sie selbst hatte das Denken minimal betäubt, konzentrierte sich nur auf die etwas angeheiterte Laune und das Schiff, das langsam näher kam. <br />
Erst, als die vertraute Silhouette nah genug war, kam der jungen Frau ein amüsierter Gedanke. Ihre blauen Augen huschten leicht nach oben, während sie sich still fragte, wer in diesem Moment wohl an der Reihe war, Wache zu halten. Sie war sich nicht sicher – was für ihren Plan jedoch absolut unerheblich war. Mit einem gut gelaunten Lächeln auf den Lippen bückte Shanaya sich nach einer Flasche, bewegte sich dann mit einer fließenden Bewegung hinter einen Stapel aus Kisten, der genug Möglichkeit zum Verstecken bot. Sie lauschte, hob schließlich den Arm und warf die Flasche in die Richtung des Aufstiegs zur Sphinx. Zuerst hörte sie, wie Glas auf Holz traf, das Glas zum Teil zerbrach – und schließlich das leise Plätschern von Glas, das in das Wasser unter dem Schiff fiel. </font><br />
<br />
<font color=#96CDCD>Rúnar schreckte auf, klappte das Buch zu. Das war unmissverständlich das Geräusch von splitterndem Glas auf Holz gewesen -- verdächtig nah an ihm dran. Wahrscheinlich nur irgendein Betrunkener, der sich in den Hafen verirrt hatte. Dennoch ... er musste kurz nachsehen, klemmte sich das Buch unter den Arm und schritt zu der Stelle, von der das Geräusch gekommen war. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya glaubte, Schritte zu hören – trotzdem bewegte sie sich nicht aus ihrem Versteck heraus. Durch die Dunkelheit erkannte sie nicht, wer sich dort auf Deck bewegte, aber es schien immerhin nicht mehr als eine Person zu sein. Die junge Frau wartete noch einen Moment, sprach dann mit deutlich höherer Stimme, als man es von ihr gewohnt war. Flehend, verängstigt. <i>„Gib Acht… Sie kommen dich holen…“</i> Shanaya endete und atmete einmal lautlos durch, um das Lachen zu unterdrücken, das sich anbahnen wollte. </font><br />
<br />
<font color=#96CDCD>Rúnar konnte sich nicht helfen -- kurz lief ihm ein Schauer den Rücken hinab. Doch sofort schaltete sich auch sein Verstand ein. Irgendjemand war extrem betrunken oder erlaubte sich einen Scherz. Oder beides. Er blieb jedoch bei der Reling stehen und ließ seinen Blick in die Umgebung schweifen. Scannte die Holzwege der Anlegestelle, die dunklen Gassen deren Steingemäuer von sanftem, gelben Licht erhellt wurden; den ein oder anderen Busch. Wenn sich schon jemand herausnahm, etwas gegen ein fremdes Schiff zu schmeißen, dann würde er sich vielleicht noch andere Dinge herausnehmen. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Es blieb so still wie zuvor, nichts außer dem leisen Rauschen und Brechen der Wellen, den üblichen Hafengeräuschen. Keine Reaktion auf ihre Worte, keine näher kommenden Schritte. Damit verkleinerte sich der Kreis der Personen, die Wachdienst hatten, deutlich. Einen Moment haderte die junge Frau mit sich, ob sie das Spielchen weiter spielen sollte… wer bis jetzt jedoch noch nicht darauf eingestiegen war, würde sich vermutlich auch nicht dazu herab lassen. Mit einem theatralischen Seufzen reckte die Schwarzhaarige also die Arme etwas in die Luft, trat dann hinter den Kisten hervor, ohne sich groß darauf zu konzentrieren, wessen Gesicht sie gleich auf dem Deck erwartete. Schließlich betrat sie die Planken, hob eine Augenbraue und lachte dann amüsiert, als sie Rúnar erkannte, der mit einem unter den Arm geklemmten Buch vor ihr stand. <i>„Du warst definitiv auf meiner Liste von Leuten, die das kleine Spiel nicht mit spielen.“</i> In ihrer Stimme klang nicht einmal eine Abwertung mit, viel mehr die Nüchternheit einer logischen Tatsache. </font><br />
<br />
<font color=#96CDCD>Rúnar zuckte kurz zusammen, als jemand hinter einem Stapel Kisten hervorsprang. Als er erkannte, dass es Shanaya war beruhigte sich sein Herzschlag wieder, doch seine Hand lag noch immer über seinem Herzen. <i>"Shanaya"</i>, sagte er, so wie: Ach, du bist es nur. <i>"Der Versuch mich zu involvieren soll dir trotzdem zugute gehalten werden"</i>, fügte er mit einem Schmunzeln hinzu. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Die blauen Augen der jungen Frau wanderten für einige Herzschläge suchend über das Deck. Ohne Erfolg. Niemand anderes schien noch wach zu sein, vermutlich lag ein Teil schon in den Hängematten oder trieb sich in den Tavernen der Stadt herum. Als sich ihr Blick zu Rúnar herum wandte, hob sie leicht eine Augenbraue, betrachtete die Hand, die er sich in einer deutlichen Geste auf die Brust gelegt hatte. <i>„Nächstes Mal darfst du trotzdem gern darauf einsteigen, vielleicht hätte ich ja wirklich der Vorbote von einer Horde von… was weiß ich sein können.“</i> In einer dramatischen Geste wedelte die junge Frau kurz mit den Händen durch die Luft, warf dem Blonden dabei einen vorwurfsvollen Blick zu. </font><br />
<br />
<font color=#96CDCD>Rúnar schnaubte ein leises Lachen -- amüsiert, nicht abwertend. <i>"Ich steige schon genug auf meine eigenen Horden von was weiß ich ein, deshalb bin ich eigentlich ganz froh, wenn ich das mal vermeiden kann."</i> Sein Lächeln wurde etwas breiter, weniger ehrlich diesmal -- ein wenig musste er kompensieren, wie ernst die Aussage gemeint war. <i>"Aber das nächste Mal, wenn ich weiß, dass du es bist, dann werde ich mir Mühe geben."</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Sie hätte so viel aus diesem Moment machen können... wenn Rúnar sich nur darauf eingelassen hätte! Jetzt war ihr ganzer, schöner Austritt zunichte gemacht. Die junge Frau fuhr sich bei den Worten des Blonde mit einer Hand durch die schwarzen Haare, seufzte dann leise. <i>"Das hoffe ich doch! Wenigstens ein bisschen gute Laune kann man hier zwischendurch verbreiten."</i> Gut, ihr Verständnis von guter Laune war vermutlich ein anderes als das von Rùnar, aber die kleine Menge an Alkohol, die sie zu sich genommen hatte, reichte aus, um diese Tatsache auszublenden. Gerade wollte sie die Frage an den Blonden richten, ob die Nacht ruhig war, als hinter ihr Schritte auf Holz erklangen. Ein kurzer, verwirrter Blick galt ihrem Gegenüber, ehe sie Die Blauen Augen herum wandte, die Silhouette eines schwankenden Mannes erkannte, der versuchte, das Deck der Sphinx zu erreichen. Noch einmal huschte ihr Blick zu Rùnar, als eine fremde, ziemlich betrunkene Stimme erklang. <i><font color=#FF7F24>"Eyyyy... Kleines..."</font></i> Er wankte nach links, nach rechts. Und Shanaya beobachtete das Schauspiel, gespannt, ob er es bis an Deck schaffen würde. </font><br />
<br />
<font color=#96CDCD>Rúnar war sich nicht sicher, ob sein Verständnis von guter Laune darin lag, eine Wache mitten in der Nacht zu erschrecken. Auch, wenn es jemand von der eigenen Crew war. Bei wem anders hätte das vielleicht auch etwas schlechter ausgehen können. Wenigstens war er froh, dass er seine Gedanken wieder auf etwas anderes lenken konnte als die Horden, die ihn hin und wieder heimsuchten (um bei Shanayas Metapher zu bleiben). Spätestens jetzt wäre er ohnehin abgelenkt worden -- als ein betrunkener Kerl Shanaya ansprach. Er war unten am Dock. Noch war alles harmlos. Shanaya sagte nichts mehr, beobachtete den Mann nur. Rúnar griff nach seiner Harpune und schlang sie mit einer geübten Bewegung von seinem Rücken. Er sah zu Shanaya. Beobachtete ebenfalls erstmal nur. </font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Gestalten in der Dunkelheit </div>
<br />
<font size=1>Nacht des 30. Juni 1822 <br />
Rúnar Rúnarsson & Shanaya Árashi</font></center><br />
<font color=royalblue>Die Dunkelheit hatte sich über die Straßen von Ostya gelegt, hüllte damit alles in eine wohlige Stille, die nur von dem fernen Stimmgewirr in den Tavernen durchbrochen wurde. Gut, und von den Schnapsleichen, die sich am Hafen herum trieben, immer wieder an der Kante herum torkelten und Gefahr liefen, betrunken ihr nasses Grab zu finden. Aber Shanaya kümmerte sich nicht darum, sie achtete nur darauf, genug Abstand zu diesen Gestalten zu halten und ihren Weg zur Sphinx hinter sich zu bringen. Den Abend hatte sie mit Skadi verbracht, die deutlich mehr Alkohol zu sich genommen hatte als die Schwarzhaarige. Sie selbst hatte das Denken minimal betäubt, konzentrierte sich nur auf die etwas angeheiterte Laune und das Schiff, das langsam näher kam. <br />
Erst, als die vertraute Silhouette nah genug war, kam der jungen Frau ein amüsierter Gedanke. Ihre blauen Augen huschten leicht nach oben, während sie sich still fragte, wer in diesem Moment wohl an der Reihe war, Wache zu halten. Sie war sich nicht sicher – was für ihren Plan jedoch absolut unerheblich war. Mit einem gut gelaunten Lächeln auf den Lippen bückte Shanaya sich nach einer Flasche, bewegte sich dann mit einer fließenden Bewegung hinter einen Stapel aus Kisten, der genug Möglichkeit zum Verstecken bot. Sie lauschte, hob schließlich den Arm und warf die Flasche in die Richtung des Aufstiegs zur Sphinx. Zuerst hörte sie, wie Glas auf Holz traf, das Glas zum Teil zerbrach – und schließlich das leise Plätschern von Glas, das in das Wasser unter dem Schiff fiel. </font><br />
<br />
<font color=#96CDCD>Rúnar schreckte auf, klappte das Buch zu. Das war unmissverständlich das Geräusch von splitterndem Glas auf Holz gewesen -- verdächtig nah an ihm dran. Wahrscheinlich nur irgendein Betrunkener, der sich in den Hafen verirrt hatte. Dennoch ... er musste kurz nachsehen, klemmte sich das Buch unter den Arm und schritt zu der Stelle, von der das Geräusch gekommen war. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya glaubte, Schritte zu hören – trotzdem bewegte sie sich nicht aus ihrem Versteck heraus. Durch die Dunkelheit erkannte sie nicht, wer sich dort auf Deck bewegte, aber es schien immerhin nicht mehr als eine Person zu sein. Die junge Frau wartete noch einen Moment, sprach dann mit deutlich höherer Stimme, als man es von ihr gewohnt war. Flehend, verängstigt. <i>„Gib Acht… Sie kommen dich holen…“</i> Shanaya endete und atmete einmal lautlos durch, um das Lachen zu unterdrücken, das sich anbahnen wollte. </font><br />
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<font color=#96CDCD>Rúnar konnte sich nicht helfen -- kurz lief ihm ein Schauer den Rücken hinab. Doch sofort schaltete sich auch sein Verstand ein. Irgendjemand war extrem betrunken oder erlaubte sich einen Scherz. Oder beides. Er blieb jedoch bei der Reling stehen und ließ seinen Blick in die Umgebung schweifen. Scannte die Holzwege der Anlegestelle, die dunklen Gassen deren Steingemäuer von sanftem, gelben Licht erhellt wurden; den ein oder anderen Busch. Wenn sich schon jemand herausnahm, etwas gegen ein fremdes Schiff zu schmeißen, dann würde er sich vielleicht noch andere Dinge herausnehmen. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Es blieb so still wie zuvor, nichts außer dem leisen Rauschen und Brechen der Wellen, den üblichen Hafengeräuschen. Keine Reaktion auf ihre Worte, keine näher kommenden Schritte. Damit verkleinerte sich der Kreis der Personen, die Wachdienst hatten, deutlich. Einen Moment haderte die junge Frau mit sich, ob sie das Spielchen weiter spielen sollte… wer bis jetzt jedoch noch nicht darauf eingestiegen war, würde sich vermutlich auch nicht dazu herab lassen. Mit einem theatralischen Seufzen reckte die Schwarzhaarige also die Arme etwas in die Luft, trat dann hinter den Kisten hervor, ohne sich groß darauf zu konzentrieren, wessen Gesicht sie gleich auf dem Deck erwartete. Schließlich betrat sie die Planken, hob eine Augenbraue und lachte dann amüsiert, als sie Rúnar erkannte, der mit einem unter den Arm geklemmten Buch vor ihr stand. <i>„Du warst definitiv auf meiner Liste von Leuten, die das kleine Spiel nicht mit spielen.“</i> In ihrer Stimme klang nicht einmal eine Abwertung mit, viel mehr die Nüchternheit einer logischen Tatsache. </font><br />
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<font color=#96CDCD>Rúnar zuckte kurz zusammen, als jemand hinter einem Stapel Kisten hervorsprang. Als er erkannte, dass es Shanaya war beruhigte sich sein Herzschlag wieder, doch seine Hand lag noch immer über seinem Herzen. <i>"Shanaya"</i>, sagte er, so wie: Ach, du bist es nur. <i>"Der Versuch mich zu involvieren soll dir trotzdem zugute gehalten werden"</i>, fügte er mit einem Schmunzeln hinzu. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Die blauen Augen der jungen Frau wanderten für einige Herzschläge suchend über das Deck. Ohne Erfolg. Niemand anderes schien noch wach zu sein, vermutlich lag ein Teil schon in den Hängematten oder trieb sich in den Tavernen der Stadt herum. Als sich ihr Blick zu Rúnar herum wandte, hob sie leicht eine Augenbraue, betrachtete die Hand, die er sich in einer deutlichen Geste auf die Brust gelegt hatte. <i>„Nächstes Mal darfst du trotzdem gern darauf einsteigen, vielleicht hätte ich ja wirklich der Vorbote von einer Horde von… was weiß ich sein können.“</i> In einer dramatischen Geste wedelte die junge Frau kurz mit den Händen durch die Luft, warf dem Blonden dabei einen vorwurfsvollen Blick zu. </font><br />
<br />
<font color=#96CDCD>Rúnar schnaubte ein leises Lachen -- amüsiert, nicht abwertend. <i>"Ich steige schon genug auf meine eigenen Horden von was weiß ich ein, deshalb bin ich eigentlich ganz froh, wenn ich das mal vermeiden kann."</i> Sein Lächeln wurde etwas breiter, weniger ehrlich diesmal -- ein wenig musste er kompensieren, wie ernst die Aussage gemeint war. <i>"Aber das nächste Mal, wenn ich weiß, dass du es bist, dann werde ich mir Mühe geben."</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Sie hätte so viel aus diesem Moment machen können... wenn Rúnar sich nur darauf eingelassen hätte! Jetzt war ihr ganzer, schöner Austritt zunichte gemacht. Die junge Frau fuhr sich bei den Worten des Blonde mit einer Hand durch die schwarzen Haare, seufzte dann leise. <i>"Das hoffe ich doch! Wenigstens ein bisschen gute Laune kann man hier zwischendurch verbreiten."</i> Gut, ihr Verständnis von guter Laune war vermutlich ein anderes als das von Rùnar, aber die kleine Menge an Alkohol, die sie zu sich genommen hatte, reichte aus, um diese Tatsache auszublenden. Gerade wollte sie die Frage an den Blonden richten, ob die Nacht ruhig war, als hinter ihr Schritte auf Holz erklangen. Ein kurzer, verwirrter Blick galt ihrem Gegenüber, ehe sie Die Blauen Augen herum wandte, die Silhouette eines schwankenden Mannes erkannte, der versuchte, das Deck der Sphinx zu erreichen. Noch einmal huschte ihr Blick zu Rùnar, als eine fremde, ziemlich betrunkene Stimme erklang. <i><font color=#FF7F24>"Eyyyy... Kleines..."</font></i> Er wankte nach links, nach rechts. Und Shanaya beobachtete das Schauspiel, gespannt, ob er es bis an Deck schaffen würde. </font><br />
<br />
<font color=#96CDCD>Rúnar war sich nicht sicher, ob sein Verständnis von guter Laune darin lag, eine Wache mitten in der Nacht zu erschrecken. Auch, wenn es jemand von der eigenen Crew war. Bei wem anders hätte das vielleicht auch etwas schlechter ausgehen können. Wenigstens war er froh, dass er seine Gedanken wieder auf etwas anderes lenken konnte als die Horden, die ihn hin und wieder heimsuchten (um bei Shanayas Metapher zu bleiben). Spätestens jetzt wäre er ohnehin abgelenkt worden -- als ein betrunkener Kerl Shanaya ansprach. Er war unten am Dock. Noch war alles harmlos. Shanaya sagte nichts mehr, beobachtete den Mann nur. Rúnar griff nach seiner Harpune und schlang sie mit einer geübten Bewegung von seinem Rücken. Er sah zu Shanaya. Beobachtete ebenfalls erstmal nur. </font>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Wir nehmen´s den Reichen]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1200</link>
			<pubDate>Wed, 10 May 2023 20:05:05 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1200</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Wir nehmen´s den Reichen </div>
<br />
<font size=1>Nacht des 01. Juli 1822 <br />
Shanaya Árashi & Talin Dravean</font></center><br />
<font color=royalblue>Noch immer mit etwas wirrem Verstand fuhr Shanaya sich mit der rechten Hand durch die dunklen Haare. Dieser Tag machte sie müde, mit all dem erlebten. Zuletzt das kleine Abenteuer mit Liam und Lucien. Und nun war sie allein, allein mit Gedanken, die sie gern einfach verworfen hätte, vor denen es jedoch scheinbar kein Entkommen gab. So sehr sie es auch versuchte. Nun nahm die junge Frau auch die zweite Hand zur Hilfe, durchfuhr die schwarzen Haare und ließ den blauen Blick dabei schweifen. Nur wenige Laternen erleuchteten ihren Weg, von dem sie selbst nicht einmal wirklich wusste, wohin er sie führen würde. Die Nacht war noch jung… und es zog die junge Frau noch nicht zurück zur Sphinx. Vielleicht fand sie ja entlang des Hafens irgendetwas spaßiges… ansonsten konnte sie sich noch immer eine der Tavernen aussuchen, um sich die Zeit zu vertreiben. </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Talin schloss für einen Moment die Augen, versuchte, ihr wild schlagendes Herz und die beginnende Aufregung zu beruhigen. Es funktionierte absolut überhaupt nicht. Sie war nicht nervös, bekam keine schwitzigen Hände. Allein der Gedanke an das, was sie plante, ließ Adrenalin durch ihren Körper pumpen. Sie würde es heute tun und zwar allein. <br />
Das letzte Mal, als sie einen Einbruch durchgezogen hatte, war Ryan bei ihr gewesen und es hatte sich gelohnt. Sie hatte versucht sich daran zurückzuerinnern, ob sie sich irgendwie darauf vorbereitet hatten, aber eigentlich hatte er Dieb sie nur mit sich gezogen. Deshalb hatte sie Zairym gefragt, worauf sie achten musste. Aber er war ziemlich unnütz gewesen, da er keine Ahnung hatte. Das einzige, was er wusste, war, dass der Adel - oder zumindest die reicheren Bürger – dieser Stadt nervös waren. Sehr nervös. Er wusste nicht warum und Talin ging stark davon aus, dass es ihn nicht interessierte. Deshalb hatte sie auch gedacht, dass sich kein Einbruch lohnen würde, weil die Leute so nervös wegen ihres Geldes waren. Aber das stimmte nicht. Sie suchten hektisch ihre Schätze zusammen, versteckten sie, brachten sie wenn möglich aus der Stadt – in Sicherheit vor der Marine. Und da sie so ein aufmerksames Mädchen war, war ich auch nicht entgangen, dass ein reicher Kaufmann, versuchte seine Schätze vor den Augen der Marine in einem unscheinbaren Lagerhaus, direkt im Hafen zu verstecken. <br />
Die Blonde schnaubte, als sie ihren Becher verwässerten Rum herunterstürzte, eine Münze auf den Tresen legte und schließlich ihren Weg aus der Taverne heraus suchte. Heute war die Nacht der Nächte. Sie brauchten Gold, also würde sie es besorgen.<br />
Kaum aus der Taverne herausgetreten, schloss sie noch einmal die Augen, atmete die Nachtluft, den fragwürdigen Geruch des Hafens und den beruhigenden des Meeres ein. Ja, sie konnte das schaffen. Sie war sich nur nicht sicher, ob es auch alleine klappen würde. Nicht bei den Wachen, die der Kaufmann mit Sicherheit zurückgelassen hatte.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Noch einmal fuhr Shanaya sich durch die dunklen Haare, wog ihre Gedanken ab und blieb hin und her gerissen. Sie wollte sich nicht zurück ziehen, sich wieder mit diesen kreisenden Gedanken befassen. Aber… war eine Taverne wirklich der richtige Ort? Sie erinnerte sich zurück an Luciens Worte. Die reelle Gefahr, verfolgt zu werden. Etwas, was ihr zusätzlich zu diesem ganzen Wirrwarr immer wieder ins Gedächtnis gerufen wurde. Die ganze Sache um Bláyron, um Mardoc und ihren Vater, war noch längst nicht ausgestanden. Keiner von ihnen würde es ruhen lassen. War es vielleicht also wirklich nicht die klügste Idee, nachts allein herum zu streifen? <br />
Einige Momente hatte sich die junge Frau dies nun gefragt, bis ein Teil davon sich von allein erledigte. Mit einem Blinzeln blieb Shanaya stehen, wog den Kopf zur Seite und lachte dann, als sie sich sicher war, wer in diesem Moment aus der Taverne trat. Unverkennbar. Die Arme vor der Brust verschränkend gelang es der Schwarzhaarigen so immerhin, das Gedankenkarrussel etwas ruhen zu lassen. „So spät noch allein unterwegs? Ich könnte dich überfallen und ausrauben wollen.“ Ein deutlich amüsierter Ton schwang in ihrer Stimme mit, während ein sachtes Lächeln ihrer blonden Freundin galt. </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Schwer hin und her gerissen, wie sie nun vorgehen sollte, blieb sie an Ort und Stelle verwachsen. Sie rechnete damit, dass sich einige über sie beschwerten oder sie versuchten auf einen ‚schönen Abend‘ in einer der dunklen Seitengassen zu locken. Womit sie nicht rechnete, war eine ihr wohl bekannte Stimme, die mit ihrem belustigten Ton ihre Aufmerksamkeit einforderte. Talin schlug die Augen auf, blinzelte ein paar Mal, bevor sie Shanaya erblickte, sie kurz musterte und dann anstrahlte, als hätte sie noch nie etwas schöneres gesehen. Es war, als hätten sich all ihre Probleme mit einem Mal in Luft aufgelöst. Schnell trat sie vor und packte die Jüngere bei den Händen, während sie ihr ein breites Grinsen schenkte. „Genau das ist es, was ich will!“ Sie überlegte kurz, bevor sie über ihre eigenen Worte schnaubte. Als die Tür hinter ihr aufging, sah sie kurz über ihre Schulter, runzelte die Stirn und zog Shanaya dann weiter zum Wasser, aus dem Schein des Lichtes, weg von Lauschern. „Auch wenn es mir gefallen würde, wenn du in einer dunklen Gasse auf mich lauerst und mich überfällst, habe ich Pläne. Es ist gefährlich, aufregend und könnte uns das Leben kosten, wenn wir uns dumm anstellen. Hast du Lust, mitzumachen?“ </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya dachte nur einen Moment darüber nach, wie absurd es war, dass sie in genau diesem Moment auf exakt diese Person traf. Sie hätte jedem anderen aus der Crew begegnen können. Tarón, Alex, Greo, noch einmal Soula… aber nachdem sie nun über dieses eine Thema nachgedacht hatte, sich mehr als zuvor damit befasst hatte… natürlich traf sie kurz darauf auf Talin. Wie hätte es anders sein sollen? Aber die Blonde strahlte ihr vollkommen begeistert entgegen, sodass Shanaya diese Gedanken verwarf und einen Moment lang verwirrt blinzelte. Das war es, was sie wollte? Dass Shanaya sie ausraubte? Also… sie wollte ihr natürlich keinen Gefallen ausschlagen, aber… Kurz huschte ihr Blick zu ihren Händen, ließ sich daraufhin ein wenig aus dem Licht ziehen, ohne Widerstand. „Dir würde das gefallen? Das merke ich mir… trag demnächst nichts wertvolles bei dir. Sonst mache ich deinen Wunsch wahr.“ Die Schwarzhaarige lachte, grinste ihr Gegenüber bei ihren nächsten Worten dann aber verheißungsvoll an. „Das klingt nach etwas, wobei ich sofort dabei bin.“ Egal, worum es ging. „Aber ich muss schon sagen, eure Familie hat einen verdammt schlechten Einfluss auf mich, ständig verführt ihr mich zu irgendwelchen illegalen Machenschaften!“ Trotzdem lag in ihrer Stimme genug Begeisterung, für welchen Plan auch immer. </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Ihr Lächeln wurde noch ein wenig strahlender bei Shanayas Worten. Sie wusste, dass sie die Dunkelhaarige sehr schnell für ihre Sache begeistern konnte. Aber ein letzter Rest an Zweifeln blieb doch immer zurück. Deshalb freute sie sich, dass sie die Hilfe bekam, die sie wollte. Doch sie konnte nicht sofort erklären, was es mit ihrem Plan auf sich hatte. Shanaya neigte einfach dazu ihr so schöne Vorlagen zu liefern. Deshalb stieß Talin einen leichten Seufzer aus. „Liebes, ich würde dich auch zu ganz anderen Dingen verführen, wenn du mich nur ließest.“ Sie zwinkerte verspielt, bevor sie ihre Aufmerksamkeit in die Dunkelheit wandte und in die ungefähre Richtung des Lagerhauses deutete. „Spaß beiseite. Ich habe in den letzten Tagen ein wenig ...hm... herumgeschnüffelt. Es gibt in dem Gewirr aus Gebäuden ein unscheinbares Haus, dass gerne um einige Münzen – vielleicht auch Säcke voll daon – erleichtert werden möchte. Ich hatte vor allein zu gehen, aber zu zweit mag es uns leichter fallen, die Wachen abzulenken und an den Schatz zu kommen. Was sagst du? Noch dabei?“ Sie wandte sich wieder Shanaya zu und sah sie auffordernd an. Sie konnte es verstehen, wenn es der Dunkelhaarigen zu gefährlich war. Sie wollte sie ja nicht überfordern. Aber sie sagte nichts in der Richtung, denn sie wusste, wenn sie das tat, dann würde die Jüngere sofort darauf anspringen und einfach jedes Gebäude durchsuchen, bis sie gefunden hatte, was Talin gerade beschrieben hatte. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Was auch immer Talin vor hatte – sie war Feuer und Flamme für ihren eigenen Plan. Etwas, was Shanaya sofort ansteckte. Das klang nach Abenteuer… Und wer wäre sie, sich dem zu entziehen? „Gut, dann überfalle ich dich vielleicht doch nicht in einer dunklen Gasse. Wer weiß, ob du den Spieß dann nicht einfach umdrehst.“ Ein vielsagendes Grinsen galt der Blonden, ehe sie ihrem Deuten folgte und die blauen Augen schließlich wieder auf Talin richtete. „Du hättest mir deinen Plan nicht einmal erzählen brauchen und ich wäre dabei gewesen...“ Die Schwarzhaarige holte tief Luft, grinste der anderen Frau dann ihrerseits voller Begeisterung zu. „Und jetzt bin ich es erst Recht!“ Das war etwas, wozu die junge Frau nicht nein sagen konnte… *„Hast du einen Plan, oder fangen wir einfach an und schauen, was passiert?“ </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Talin neigte leicht den Kopf zur Seite und lachte leise. Sie wusste, dass sie Shanaya ihren Plan nicht hätte erzählen oder sie mit anderen Worten hätte anstacheln müssen. Aber sie wollte ihr wenigstens ein in groben Zügen erklären, worauf sie sich einließ. Auch wenn sie für jede Schandtat bereit war, hieß das nicht, dass ihr Körper auch wirklich durchziehen konnte, was sie planten. Wenn ihre Schulter auch nur noch ein wenig weh tat, würde es schwer werden, Säcke oder Säckchen mit Münzen zu tragen. Aber soweit waren sie noch nicht. <br />
Eine Hand der Dunkelhaarigen ließ sie los, behielt die andere aber fest umklammert und zog die Jüngere sanft mit sich mit. „Ich hatte einen Plan...nun ja, mehr oder weniger, aber wenn du jetzt mit machst, dann können wir noch einmal zusammen überlegen, wie wir vorgehen.“ Nachdenklich tippe sie sich kurz ans Kinn, bevor sie sardonisch grinste. „Ich fände es diesmal gut, wenn nichts Flammen aufgeht oder in die Luft fliegt.“ Sie warf Shanaya einen schrägen Blick zu und schüttelte dann leicht den Kopf, als sie sie in eine der dunkleren Gassen zog. Immer darauf bedacht zu lauschen, ob auch nicht irgendwo ein Fenster aufging und ein Nachttopf geleert wurde. Die Blonde senkte ein wenig die Stimme, damit sie nicht zu weit durch die Nacht tragen konnte. „Das Lagerhaus ist zweistöckig. Wo genau der Schatz untergebracht ist, weiß ich nicht. Aber er wird versteckt sein, damit die Marine ihn nicht einfach so findet. Die letzten Nächte sind um die sieben Wachen in dem Gebäude ein und ausgegangen. Wir könnten sie vermutlich mit unserem natürlichen Wesen betören, aber ich wüsste nicht, wie wir sie alle bewusstlos schlagen sollten, ohne das einer der anderen es mit bekommt.“ Sie verfiel in Schweigen, als sie an der nächsten Ecke stehen blieb und um diese herumschielte. Dann deutete sie auf ein unscheinbares, zweistöckiges, etwas heruntergekommenes Haus und wartete, bis Shanaya alle Informationen aufgenommen hatte.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Ohne Widerstand ließ Shanaya sich mitziehen, störte sich nicht daran, dass die Blonde eine ihrer Hände noch immer umklammerte. In Gedanken war sie schon dabei, eine Lagerhalle auszuräumen, ihre Tasche mit wertvollen Dingen voll zu stopfen. „Gute Idee, gefällt mir.“ Ein bisschen so war auch ihre letzte Aktion dieser Art abgelaufen. Keinen festen Plan und bestenfalls improvisieren. Die Einschränkungen, die Talin dann jedoch anbrachte, ließen Shanaya gespielt enttäuscht das Gesicht verziehen. „Schade. So ein bisschen Feuer hätte der Nacht ganz gut getan.“ Aber immerhin klang es so, als würden die nächsten Stunden ihre kreisenden Gedanken ein wenig zur Ruhe kommen. So lag, bis sie mit dem Schatz zurück auf der Sphinx waren. Sie folgte Talin, nickte ruhig, während die Blonde ihr berichtete, was sie wusste. „Hast du noch andere Leute in dem Haus verschwinden sehen, die uns drinnen überraschen könnten?“ Während sie der anderen Frau zuhörte, ließ sie den Blick schweifen, suchte nach Verstecken, Unterschlüpfen und Möglichkeiten, eins mit der Dunkelheit zu werden. „Sieben Wachen...“ An Talins Seite blieb sie stehen, richtete den hellen Blick zu dem Gebäude, um das es sich handelte. „Sie lassen sich sicher nicht alle auf einmal weg locken… vielleicht können wir sie nach und nach dort weg bekommen, indem wir sie trennen…?“ </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Ihr Blick ruhte auf dem Gebäude und dem Mann, der vor der Tür stand. Sie zählte einmalig bis zehn, als ein anderer Mann um die Ecke kam und dann kurz stehen blieb, um mit dem an der Tür zu sprechen. Talin seufzte leicht. „Ich habe sonst niemanden gesehen. Und es ist so, wie sie laufen, nicht möglich jemanden weg zu locken. Fehlt einer an seinem Platz, würden die anderen es sofort sehen. Ihre Runde um das Gebäude und durch den kleinen Hof daneben, dauert immer so lange, dass sie nie länger als ein paar Minuten alleine sind.“ Frustrierend, wenn man es genau bedachte. Konnten sie denn nicht einfach ignorieren, dass der Mann vor der Tür zum Beispiel, verschwand? <br />
Kurz beobachtete sie schweigend, wie der eine seine Runde fortsetzte und dann um die Hausecke verschwand. Dann deutete sie nach oben. „Dort oben, am Lastenfenster. Dort dachte ich, könnte man Versuchen rein zukommen. Der Grund, warum ich heute einmal Hosen trage, statt einen Rock.“ Ein wenig angewidert, ob des ungewohnten Gefühls, sah sie an sich hinab, wandte ihre Aufmerksamkeit aber schnell wieder dem eigentlichen Thema zu. „Meinst du, wir könnten es über ein angrenzendes Dach dort reinschaffen? Die Wache dort oben, braucht immer zehn Minuten, bevor er wieder dort an dem Fenster steht. Und er ist allein. Den könnten wir überwältigen.“ Wenn sie es denn irgendwie in den ersten Stock schafften. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Erneut nickte Shanaya bei den Worten der anderen Frau, folgte ihrem Blick zu den Wachen, die relativ brav an ihrem Posten standen. „Hmm, okay…“ Ein grübelnder Unterton schwang in ihrer Stimme mit, scheinbar würde das wirklich nicht funktionieren, wenn Talin schon so aufmerksam beobachtet hatte. Und daran zweifelte die Schwarzhaarige keine Sekunde. „Du hast mehr als eine Nacht hier verbracht, hm?“ Gut gemeinter Spott lag in Shanayas Stimme, wurde von einem sanften Lächeln untermalt. Talins weiterer Erklärung folgte Shanaya mit ruhigem Blick, schmunzelte über die Kleiderwahl der blonden Frau. „Widerlich, eine Frau in Hosen.“ Es brauchte keinen Blick in Talins Richtung, um den Scherz an diesen Worten zu erkennen. „Wir können uns zumindest einmal da oben umsehen… vielleicht finden wir irgendeinen Zugang, bei dem wir nicht direkt ausgeliefert sind und erkannt werden können. Und wenn da wirklich 10 Minuten Ruhe ist, haben wir ja ein deutlich größeres Zeitfenster als bei denen am Eingang.“ Shanayas Blick richtete sich auf das Dach. „Einen Versuch ist es wert.“ </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Sie hätte so viel zu sagen. Ihr lagen so viele verschiedene Sprüche auf der Zunge, doch sie verkniff sie sich. Wie armselig war es bitte, dass sie wirklich mehrere Nächte am Stück in einer der Gassen gestanden hatte und das Haus beobachtet hatte? Sie sagte nicht, dass sie sich schöneres hätte vorstellen können, es aber nicht möglich gewesen ist. Nicht so pleite, wie sie war. Ja, es gäbe wirklich viel zu sagen, doch sie zuckte nur mit den Schultern und schenkte Shanaya ein verschmitztes Lächeln. Dann blickte sie wieder nach oben und stieß ein Schnauben aus. Über das Dach zu gehen, würde vieles erleichtern, aber auf eines der Gebäude zu kommen würde schwer werden. Durch die Häuser konnten sie nicht, es sei denn, sie wollten gleich die Stadtwache auf sich lenken. Nachdenklich spielte sie mit einer ihrer Locken, als sie sich wieder an Shanaya wandte. <i>„Du hast nicht zufällig ein Seil dabei? Ich habe nämlich keine Ahnung, wie wir sonst auf eines dieser Dächer kommen wollen.“</i> Sie selbst hätte natürlich eines mitbringen können. Aber es war eher eine impulsive Entscheidung gewesen, das Lagerhaus heute zu durchsuchen. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Talin antwortete auf die Frage der jungen Frau nicht wirklich, zumindest bekam die Schwarzhaarige nicht mehr als ein vielsagendes Lächeln zugeworfen. Aber sie beschwerte sich nicht, je besser Talin über die Gewohnheiten und bestimmte Zeiten Bescheid wusste, desto einfacher würde es werden, Den Plan durchzuführen. Shanaya ließ es also darauf beruhen, nickte nur ruhig, ehe sich ihre Aufmerksamkeit wieder auf das besagte Ziel richtete. Ein Seil? Sie hatte ja keine Ahnung gehabt, was sie in dieser Nacht noch erleben würde. <i>„Mehr als eine Eisenkette habe ich nicht dabei. Und die ist vermutlich viel zu kurz.“</i> Ruhig ließ Shanaya die blauen Augen schweifen, fand jedoch im ersten Moment nichts, was ihnen weiter geholfen hätte. <i>„Wenn wir ein Stück weg gehen, finden wir vielleicht irgendetwas, an dem wir nach oben klettern können. Die Dächer sind verbunden… und so würde uns niemand von denen beobachten können, wir wir an einem Haus nach oben klettern.“</i> Irgendein Gerüst, ein Haus mit genügend Fenstern oder irgendetwas, wo sie unbemerkt auf die Dächer gelangen konnten. <i>„Dann können wir auch über die Dächer fliehen und wissen, wohin wir müssen.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Für einen kurzen Moment wollte Talin Shanaya schon anstrahlen, bis ihr auffiel, wie klein die Eisenkette sein musste, damit die Dunkelhaarige sie bei sich tragen konnte. Zu kurz. In der Tat. Die Blonde seufzte, ob ihrer Spontanität, die ihr sonst gute Dienste leistete, aber in diesem Falle einfach nur hinderlich war. Wie hatte sie sich vorgestellt, allein dort reinzukommen? Schwachsinn. Sie wollte der Jüngeren schon sagen, dass sie sich zurückziehen sollten, als diese erneut sprach. Wieder hellte sich Talins Gesicht auf, wobei ebenso ein Anflug von Sorge und Skepsis zu erkennen war. Sie sah an sich herunter und erkannte jetzt erst wieder, dass sie ihren Rock ja gar nicht an hatte. Sie war es so sehr gewohnt, dass sie gar nicht daran gedacht hatte, dass sie eine Hose trug, wobei sie es vor nicht allzu langer Zeit sogar kund getan hatte. Sie schmunzelte über sich selbst, bevor sie Shanaya wieder ansah. <i>"Wir teilen uns auf und suchen in unterschiedlichen Richtungen nach einem Aufgang, ja?"</i> Sie wartete noch kurz ab, bis die Dunkelhaarige geantwortet hatte, bevor sie sich nach links begab. Nach einigen Sackgassen und viel Frust kehrte sie zu ihrem Ausgangsort zurück, um sich dort wieder mit der Jüngeren zu treffen. In der Hoffnung, dass das andere Mädchen mehr Glück hatte. Als sie Shanaya auf sich zukommen sah, lächelte sie leicht. <i>„Hast du etwas gefunden, damit wir auf eines der Häuser kommen können?“ </i></font><br />
<br />
<font color=royalblue>Talins Minenspiel entlockte Shanaya ein amüsiertes Lachen. Sie machte einige Emotionen durch, die sich auf ihrem Gesicht wieder spiegelten, nickte dann auf den Vorschlag der Blonden hin, dass sie einmal getrennt voneinander suchen sollten, ob es irgendeinen Weg auf die Dächer gab. Die blauen Augen der jungen Frau huschten noch einmal zu dem Gebäude, um das es ging, ehe sie sich, wie Talin zuvor, in eine der dunkleren Gassen begab, den Blick dabei suchend schweifen ließ. Es dauerte einen Moment, aber ein paar Fässer und ein kleines Vordach erschienen der Schwarzhaarigen als relativ sinnvoll. Und kaum war sie näher heran getreten, hatte sich den Vorsprung etwas genauer angesehen, kam Talin schon zurück zu ihr, erkundigte sich und bekam als Antwort ein gut gelauntes Grinsen. Mit der dem ausgestreckten Finger der rechten Hand deutete Shanaya nach oben, nickte in die Richtung der Fässer. <i>„Wenn wir uns nicht vollkommen unfähig anstellen, sollten wir über die Fässer auf den Vorsprung kommen. Und wenn ich es richtig sehe, sind die Dächer direkt miteinander verbunden.“ </i>Sie überlegte kurz. <i>„Ich kann dir helfen, dich dort hoch zu ziehen, dann hilfst du mir und es ist für uns beide leichter.“</I> </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Sie gab ein erleichtertes und gleichzeitig belustigtes Schnauben von sie, als sie das Grinsen der anderen sah und ihrem Finger mit den Augen folgte. Sah... immerhin nicht so schwer aus, das konnten sie gut und gerne schaffen. Wenn sie sich nicht ganz so blöd anstellten, wie die Dunkelhaarige schon meinte. Wieder spürte Talin, wie ihr das Adrenalin durch den Körper jagte und sie meinte sogar fast auf ihrer Haut spüren zu können, wie ihr Herz schlug. Natürlich war das nur Einbildung, aber man konnte es sich ja vorstellen. Leicht neigte sie den Kopf und nickte schließlich. <i>"So machen wir es. Wir sollten nicht all unsere Kraft darauf verschwenden, auf einen Vorsprung zu klettern, richtig?"</i> Was sollte schon schief gehen, verkniff sie sich an dieser Stelle lieber. Den Vorsprung genau betrachtend hievte sie sich auf das erste Fass und blickte dann auf Shanaya herunter, nachdem sie erkannt hatte, dass es doch noch ein wenig höher war, als gedacht. <i>"Ich hasse es, dass ich so klein bin. Kann ich mir deine Schulter als Stütze borgen, Werteste?"</i> Sie grinste frech. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Jetzt blickte Talin deutlich zufriedener drein, was Shanaya absolut verstehen konnte. Der direkt Weg schien eher unmöglich zu sein – und mit einem Einbruch über die Dächer würden sie vielleicht nicht unbedingt rechnen. Und die Aussicht, nun doch auf so einem Weg in das Gebäude hinein zu kommen, lockte das altbekannte Kribbeln in Shanayas Innerem hervor. Sie konnte es kaum erwarten! Auf Talins Worte hin nickte die Schwarzhaarige, warf ihrer Freundin einen vielsagenden Blick zu und beobachtete dann, wie die Blonde auf das erste Fass kletterte. Ihre Worte ließen Shanaya dann wieder lachen, womit sie eine kleine Verbeugung andeutete. <i>„Aber natürlich, meine Teuerste.“</i> Die Schwarzhaarige trat einen Schritt näher, hielt die Hand nach oben, falls Talin noch Halt brauchte, und spannte ihre Schultern an, damit die andere Frau sicher stehen konnte. <i>„Wie gut, dass du keinen Rock an hast, sonst könnte ich dir jetzt ganz ungeniert darunter schauen.“</i> Sie lachte, wartete dann geduldig, bis Talin sich auf den Vorsprung nach oben gezogen hatte, ehe sie selbst auf das Fass kletterte, den Blick noch einmal prüfend schweifen ließ. Erst dann richtete sie sich wieder an die Blonde, griff nach ihrer Hand und zog sich damit ebenso auf das Dach über ihr. Oben angekommen blieb sie in der Hocke, richtete die blauen Augen zu der Halle hinüber. „Du musst einfach nur lernen, das Beste daraus zu machen.“ Ein amüsierter Blick galt der Blonden. <i>„Aber die erste Hürde ist geschafft.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Noch einmal atmete sie tief durch, bevor sie den Fuß hob, ihn auf Shanayas Schulter setzte und während sie sich abstieß nach der Kante des Vorsprunges griff. Das ging einfacher als sie dachte und bevor sie auf die Idee kam, noch ein wenig hilflos dort rum zu hängen, nutzte sie den Schwung und zog sich gleich weiter hoch. Ihre Arme zitterten, ihr Körper fühlte sich an, als wäre sie so schwer wie ein dreifach gefüllter riesen Kochtopf von Rayon, aber sie schaffte es nach oben zu kommen. Während sie nach Luft schnappte, grinste sie Shanaya schief an und zwinkerte verspielt. <i>"Du weißt, ich hätte nichts dagegen, wenn du das tätest. Ich sehe überall gut aus.“</I> Sie wartete die Retourkutsche gar nicht erst ab, sondern legte sich gleich auf das Dach, stützte sich mit der linken Hand ab und hielt die Rechte über die Kante. Sie beobachtete die Dunkelhaarige genau und als diese nach ihrer Hand griff, zog sie kräftig, bis Shanaya nach der Kante des Vorsprungs greifen konnte und mithalf, sich hochzuziehen. Für einen Moment schloss Talin die Augen und verschnaufte, stieß kurz darauf aber ein Lachen aus. <i>"Die erste Hürde klingt furchtbar. Lass uns sagen, dass schwierigste ist geschafft und der Rest wird ein Spaß."</i> Sie richtete sich auf, streckte sich kurz und sah dann in Richtung des Lagerhauses. Dabei schaute sie genau, ob sie Wachen auf den Dächern sehen konnte. Da waren keine. Also lief sie in die Richtung, in die sie mussten und blieb ein paar Minuten später an der Dachkannte zum Lagerhaus stehen, um sich das ganze anzusehen. Die Luke war frei. <i>"Wollen wir es gleich wagen oder noch kurz warten?"</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Auf Talins Worte hin verzog die Schwarzhaarige nur das Gesicht zu einem amüsierten Schmunzeln, irgendwie hatte sie keine andere Antwort erwartet. Aber Shanayas Blick behielt aufmerksam die Umgebung im Blick, während sie in geduckter Position verharrte. Zeitgleich suchte sie nach Wegen, wie sie schnell wieder vom Dach herab kommen würden, sollte dies nötig sein. Manche Wege waren mit Sprüngen in die Tiefe verbunden… manche davon sollten sie vielleicht lieber ausklammern. Ihr war nicht danach, mit einem gebrochenen Bein zur Sphinx zurück zu kehren. <i>„Egal, ob Hürden oder nicht, ich bin mir sicher, spaßig wird das allemal.“</i> Shanaya grinste Talin entgegen, vollkommen überzeugt von ihren Worten. Das letzte Mal, dass sie irgendwo eingebrochen war (amüsanterweise mit Talins Bruder), war noch nicht all zu lange her, ihr war es also noch sehr gut im Gedächtnis, wie viel Spaß man bei so etwas haben konnte, egal, wie viele Hindernisse sich einem in den Weg stellten. Ohne weitere Worte folgte sie der Blonden, bis sie fast ihren Zielort erreicht hatten. <i>„Hast du die Wache verschwinden sehen? Vielleicht ist es besser, wenn wir einen Moment warten und zuschlagen, wenn er aufgetaucht und gerade wieder verschwunden ist?“</I> </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Aufmerksam war ihr Blick auf das Gebäude gerichtet, überlegte selbst, was am meisten Sinn machen wurde. Und sie gab Shanaya recht. Sie wussten nicht, ob die Wache nicht genau in dem Moment wieder kommen würde, wenn sie sich gerade durch das Fenster hieven wollten. Und dennoch, obwohl dieser Gedanke völlig sinnig war, spürte Talin, wie sie ungeduldig auf ihr Knie trommelte und das Fenster kaum aus den Augen ließ. <i>"Das kann ja ewig dauern,"</I> stöhnte sie leise, genervt auf. Für einen Moment schloss sie die Augen, atmete tief durch und versuchte ihre Ungeduld im Zaum zu halten. Als sie dachte, dass sie sich wieder einigermaßen im Griff hatte, öffnete sie die Augen wieder. Statt zu der Luke zu starren und sich den Wachmann herzu wünschen, behielt sie das Fenster nur aus dem Augenwinkel im Blick, richtete ihre Aufmerksamkeit aber eher auf Shanaya. <i>"Und? Was hast du heute noch so schönes vor, nachdem wir das Lager ausgeräumt haben? Planst du eine nette Flucht über die Dächer? Oder willst du dich einfach nur in deine Matte hauen?"</i> </font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Wir nehmen´s den Reichen </div>
<br />
<font size=1>Nacht des 01. Juli 1822 <br />
Shanaya Árashi & Talin Dravean</font></center><br />
<font color=royalblue>Noch immer mit etwas wirrem Verstand fuhr Shanaya sich mit der rechten Hand durch die dunklen Haare. Dieser Tag machte sie müde, mit all dem erlebten. Zuletzt das kleine Abenteuer mit Liam und Lucien. Und nun war sie allein, allein mit Gedanken, die sie gern einfach verworfen hätte, vor denen es jedoch scheinbar kein Entkommen gab. So sehr sie es auch versuchte. Nun nahm die junge Frau auch die zweite Hand zur Hilfe, durchfuhr die schwarzen Haare und ließ den blauen Blick dabei schweifen. Nur wenige Laternen erleuchteten ihren Weg, von dem sie selbst nicht einmal wirklich wusste, wohin er sie führen würde. Die Nacht war noch jung… und es zog die junge Frau noch nicht zurück zur Sphinx. Vielleicht fand sie ja entlang des Hafens irgendetwas spaßiges… ansonsten konnte sie sich noch immer eine der Tavernen aussuchen, um sich die Zeit zu vertreiben. </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Talin schloss für einen Moment die Augen, versuchte, ihr wild schlagendes Herz und die beginnende Aufregung zu beruhigen. Es funktionierte absolut überhaupt nicht. Sie war nicht nervös, bekam keine schwitzigen Hände. Allein der Gedanke an das, was sie plante, ließ Adrenalin durch ihren Körper pumpen. Sie würde es heute tun und zwar allein. <br />
Das letzte Mal, als sie einen Einbruch durchgezogen hatte, war Ryan bei ihr gewesen und es hatte sich gelohnt. Sie hatte versucht sich daran zurückzuerinnern, ob sie sich irgendwie darauf vorbereitet hatten, aber eigentlich hatte er Dieb sie nur mit sich gezogen. Deshalb hatte sie Zairym gefragt, worauf sie achten musste. Aber er war ziemlich unnütz gewesen, da er keine Ahnung hatte. Das einzige, was er wusste, war, dass der Adel - oder zumindest die reicheren Bürger – dieser Stadt nervös waren. Sehr nervös. Er wusste nicht warum und Talin ging stark davon aus, dass es ihn nicht interessierte. Deshalb hatte sie auch gedacht, dass sich kein Einbruch lohnen würde, weil die Leute so nervös wegen ihres Geldes waren. Aber das stimmte nicht. Sie suchten hektisch ihre Schätze zusammen, versteckten sie, brachten sie wenn möglich aus der Stadt – in Sicherheit vor der Marine. Und da sie so ein aufmerksames Mädchen war, war ich auch nicht entgangen, dass ein reicher Kaufmann, versuchte seine Schätze vor den Augen der Marine in einem unscheinbaren Lagerhaus, direkt im Hafen zu verstecken. <br />
Die Blonde schnaubte, als sie ihren Becher verwässerten Rum herunterstürzte, eine Münze auf den Tresen legte und schließlich ihren Weg aus der Taverne heraus suchte. Heute war die Nacht der Nächte. Sie brauchten Gold, also würde sie es besorgen.<br />
Kaum aus der Taverne herausgetreten, schloss sie noch einmal die Augen, atmete die Nachtluft, den fragwürdigen Geruch des Hafens und den beruhigenden des Meeres ein. Ja, sie konnte das schaffen. Sie war sich nur nicht sicher, ob es auch alleine klappen würde. Nicht bei den Wachen, die der Kaufmann mit Sicherheit zurückgelassen hatte.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Noch einmal fuhr Shanaya sich durch die dunklen Haare, wog ihre Gedanken ab und blieb hin und her gerissen. Sie wollte sich nicht zurück ziehen, sich wieder mit diesen kreisenden Gedanken befassen. Aber… war eine Taverne wirklich der richtige Ort? Sie erinnerte sich zurück an Luciens Worte. Die reelle Gefahr, verfolgt zu werden. Etwas, was ihr zusätzlich zu diesem ganzen Wirrwarr immer wieder ins Gedächtnis gerufen wurde. Die ganze Sache um Bláyron, um Mardoc und ihren Vater, war noch längst nicht ausgestanden. Keiner von ihnen würde es ruhen lassen. War es vielleicht also wirklich nicht die klügste Idee, nachts allein herum zu streifen? <br />
Einige Momente hatte sich die junge Frau dies nun gefragt, bis ein Teil davon sich von allein erledigte. Mit einem Blinzeln blieb Shanaya stehen, wog den Kopf zur Seite und lachte dann, als sie sich sicher war, wer in diesem Moment aus der Taverne trat. Unverkennbar. Die Arme vor der Brust verschränkend gelang es der Schwarzhaarigen so immerhin, das Gedankenkarrussel etwas ruhen zu lassen. „So spät noch allein unterwegs? Ich könnte dich überfallen und ausrauben wollen.“ Ein deutlich amüsierter Ton schwang in ihrer Stimme mit, während ein sachtes Lächeln ihrer blonden Freundin galt. </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Schwer hin und her gerissen, wie sie nun vorgehen sollte, blieb sie an Ort und Stelle verwachsen. Sie rechnete damit, dass sich einige über sie beschwerten oder sie versuchten auf einen ‚schönen Abend‘ in einer der dunklen Seitengassen zu locken. Womit sie nicht rechnete, war eine ihr wohl bekannte Stimme, die mit ihrem belustigten Ton ihre Aufmerksamkeit einforderte. Talin schlug die Augen auf, blinzelte ein paar Mal, bevor sie Shanaya erblickte, sie kurz musterte und dann anstrahlte, als hätte sie noch nie etwas schöneres gesehen. Es war, als hätten sich all ihre Probleme mit einem Mal in Luft aufgelöst. Schnell trat sie vor und packte die Jüngere bei den Händen, während sie ihr ein breites Grinsen schenkte. „Genau das ist es, was ich will!“ Sie überlegte kurz, bevor sie über ihre eigenen Worte schnaubte. Als die Tür hinter ihr aufging, sah sie kurz über ihre Schulter, runzelte die Stirn und zog Shanaya dann weiter zum Wasser, aus dem Schein des Lichtes, weg von Lauschern. „Auch wenn es mir gefallen würde, wenn du in einer dunklen Gasse auf mich lauerst und mich überfällst, habe ich Pläne. Es ist gefährlich, aufregend und könnte uns das Leben kosten, wenn wir uns dumm anstellen. Hast du Lust, mitzumachen?“ </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya dachte nur einen Moment darüber nach, wie absurd es war, dass sie in genau diesem Moment auf exakt diese Person traf. Sie hätte jedem anderen aus der Crew begegnen können. Tarón, Alex, Greo, noch einmal Soula… aber nachdem sie nun über dieses eine Thema nachgedacht hatte, sich mehr als zuvor damit befasst hatte… natürlich traf sie kurz darauf auf Talin. Wie hätte es anders sein sollen? Aber die Blonde strahlte ihr vollkommen begeistert entgegen, sodass Shanaya diese Gedanken verwarf und einen Moment lang verwirrt blinzelte. Das war es, was sie wollte? Dass Shanaya sie ausraubte? Also… sie wollte ihr natürlich keinen Gefallen ausschlagen, aber… Kurz huschte ihr Blick zu ihren Händen, ließ sich daraufhin ein wenig aus dem Licht ziehen, ohne Widerstand. „Dir würde das gefallen? Das merke ich mir… trag demnächst nichts wertvolles bei dir. Sonst mache ich deinen Wunsch wahr.“ Die Schwarzhaarige lachte, grinste ihr Gegenüber bei ihren nächsten Worten dann aber verheißungsvoll an. „Das klingt nach etwas, wobei ich sofort dabei bin.“ Egal, worum es ging. „Aber ich muss schon sagen, eure Familie hat einen verdammt schlechten Einfluss auf mich, ständig verführt ihr mich zu irgendwelchen illegalen Machenschaften!“ Trotzdem lag in ihrer Stimme genug Begeisterung, für welchen Plan auch immer. </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Ihr Lächeln wurde noch ein wenig strahlender bei Shanayas Worten. Sie wusste, dass sie die Dunkelhaarige sehr schnell für ihre Sache begeistern konnte. Aber ein letzter Rest an Zweifeln blieb doch immer zurück. Deshalb freute sie sich, dass sie die Hilfe bekam, die sie wollte. Doch sie konnte nicht sofort erklären, was es mit ihrem Plan auf sich hatte. Shanaya neigte einfach dazu ihr so schöne Vorlagen zu liefern. Deshalb stieß Talin einen leichten Seufzer aus. „Liebes, ich würde dich auch zu ganz anderen Dingen verführen, wenn du mich nur ließest.“ Sie zwinkerte verspielt, bevor sie ihre Aufmerksamkeit in die Dunkelheit wandte und in die ungefähre Richtung des Lagerhauses deutete. „Spaß beiseite. Ich habe in den letzten Tagen ein wenig ...hm... herumgeschnüffelt. Es gibt in dem Gewirr aus Gebäuden ein unscheinbares Haus, dass gerne um einige Münzen – vielleicht auch Säcke voll daon – erleichtert werden möchte. Ich hatte vor allein zu gehen, aber zu zweit mag es uns leichter fallen, die Wachen abzulenken und an den Schatz zu kommen. Was sagst du? Noch dabei?“ Sie wandte sich wieder Shanaya zu und sah sie auffordernd an. Sie konnte es verstehen, wenn es der Dunkelhaarigen zu gefährlich war. Sie wollte sie ja nicht überfordern. Aber sie sagte nichts in der Richtung, denn sie wusste, wenn sie das tat, dann würde die Jüngere sofort darauf anspringen und einfach jedes Gebäude durchsuchen, bis sie gefunden hatte, was Talin gerade beschrieben hatte. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Was auch immer Talin vor hatte – sie war Feuer und Flamme für ihren eigenen Plan. Etwas, was Shanaya sofort ansteckte. Das klang nach Abenteuer… Und wer wäre sie, sich dem zu entziehen? „Gut, dann überfalle ich dich vielleicht doch nicht in einer dunklen Gasse. Wer weiß, ob du den Spieß dann nicht einfach umdrehst.“ Ein vielsagendes Grinsen galt der Blonden, ehe sie ihrem Deuten folgte und die blauen Augen schließlich wieder auf Talin richtete. „Du hättest mir deinen Plan nicht einmal erzählen brauchen und ich wäre dabei gewesen...“ Die Schwarzhaarige holte tief Luft, grinste der anderen Frau dann ihrerseits voller Begeisterung zu. „Und jetzt bin ich es erst Recht!“ Das war etwas, wozu die junge Frau nicht nein sagen konnte… *„Hast du einen Plan, oder fangen wir einfach an und schauen, was passiert?“ </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Talin neigte leicht den Kopf zur Seite und lachte leise. Sie wusste, dass sie Shanaya ihren Plan nicht hätte erzählen oder sie mit anderen Worten hätte anstacheln müssen. Aber sie wollte ihr wenigstens ein in groben Zügen erklären, worauf sie sich einließ. Auch wenn sie für jede Schandtat bereit war, hieß das nicht, dass ihr Körper auch wirklich durchziehen konnte, was sie planten. Wenn ihre Schulter auch nur noch ein wenig weh tat, würde es schwer werden, Säcke oder Säckchen mit Münzen zu tragen. Aber soweit waren sie noch nicht. <br />
Eine Hand der Dunkelhaarigen ließ sie los, behielt die andere aber fest umklammert und zog die Jüngere sanft mit sich mit. „Ich hatte einen Plan...nun ja, mehr oder weniger, aber wenn du jetzt mit machst, dann können wir noch einmal zusammen überlegen, wie wir vorgehen.“ Nachdenklich tippe sie sich kurz ans Kinn, bevor sie sardonisch grinste. „Ich fände es diesmal gut, wenn nichts Flammen aufgeht oder in die Luft fliegt.“ Sie warf Shanaya einen schrägen Blick zu und schüttelte dann leicht den Kopf, als sie sie in eine der dunkleren Gassen zog. Immer darauf bedacht zu lauschen, ob auch nicht irgendwo ein Fenster aufging und ein Nachttopf geleert wurde. Die Blonde senkte ein wenig die Stimme, damit sie nicht zu weit durch die Nacht tragen konnte. „Das Lagerhaus ist zweistöckig. Wo genau der Schatz untergebracht ist, weiß ich nicht. Aber er wird versteckt sein, damit die Marine ihn nicht einfach so findet. Die letzten Nächte sind um die sieben Wachen in dem Gebäude ein und ausgegangen. Wir könnten sie vermutlich mit unserem natürlichen Wesen betören, aber ich wüsste nicht, wie wir sie alle bewusstlos schlagen sollten, ohne das einer der anderen es mit bekommt.“ Sie verfiel in Schweigen, als sie an der nächsten Ecke stehen blieb und um diese herumschielte. Dann deutete sie auf ein unscheinbares, zweistöckiges, etwas heruntergekommenes Haus und wartete, bis Shanaya alle Informationen aufgenommen hatte.</font><br />
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<font color=royalblue>Ohne Widerstand ließ Shanaya sich mitziehen, störte sich nicht daran, dass die Blonde eine ihrer Hände noch immer umklammerte. In Gedanken war sie schon dabei, eine Lagerhalle auszuräumen, ihre Tasche mit wertvollen Dingen voll zu stopfen. „Gute Idee, gefällt mir.“ Ein bisschen so war auch ihre letzte Aktion dieser Art abgelaufen. Keinen festen Plan und bestenfalls improvisieren. Die Einschränkungen, die Talin dann jedoch anbrachte, ließen Shanaya gespielt enttäuscht das Gesicht verziehen. „Schade. So ein bisschen Feuer hätte der Nacht ganz gut getan.“ Aber immerhin klang es so, als würden die nächsten Stunden ihre kreisenden Gedanken ein wenig zur Ruhe kommen. So lag, bis sie mit dem Schatz zurück auf der Sphinx waren. Sie folgte Talin, nickte ruhig, während die Blonde ihr berichtete, was sie wusste. „Hast du noch andere Leute in dem Haus verschwinden sehen, die uns drinnen überraschen könnten?“ Während sie der anderen Frau zuhörte, ließ sie den Blick schweifen, suchte nach Verstecken, Unterschlüpfen und Möglichkeiten, eins mit der Dunkelheit zu werden. „Sieben Wachen...“ An Talins Seite blieb sie stehen, richtete den hellen Blick zu dem Gebäude, um das es sich handelte. „Sie lassen sich sicher nicht alle auf einmal weg locken… vielleicht können wir sie nach und nach dort weg bekommen, indem wir sie trennen…?“ </font><br />
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<font color=#66CDAA>Ihr Blick ruhte auf dem Gebäude und dem Mann, der vor der Tür stand. Sie zählte einmalig bis zehn, als ein anderer Mann um die Ecke kam und dann kurz stehen blieb, um mit dem an der Tür zu sprechen. Talin seufzte leicht. „Ich habe sonst niemanden gesehen. Und es ist so, wie sie laufen, nicht möglich jemanden weg zu locken. Fehlt einer an seinem Platz, würden die anderen es sofort sehen. Ihre Runde um das Gebäude und durch den kleinen Hof daneben, dauert immer so lange, dass sie nie länger als ein paar Minuten alleine sind.“ Frustrierend, wenn man es genau bedachte. Konnten sie denn nicht einfach ignorieren, dass der Mann vor der Tür zum Beispiel, verschwand? <br />
Kurz beobachtete sie schweigend, wie der eine seine Runde fortsetzte und dann um die Hausecke verschwand. Dann deutete sie nach oben. „Dort oben, am Lastenfenster. Dort dachte ich, könnte man Versuchen rein zukommen. Der Grund, warum ich heute einmal Hosen trage, statt einen Rock.“ Ein wenig angewidert, ob des ungewohnten Gefühls, sah sie an sich hinab, wandte ihre Aufmerksamkeit aber schnell wieder dem eigentlichen Thema zu. „Meinst du, wir könnten es über ein angrenzendes Dach dort reinschaffen? Die Wache dort oben, braucht immer zehn Minuten, bevor er wieder dort an dem Fenster steht. Und er ist allein. Den könnten wir überwältigen.“ Wenn sie es denn irgendwie in den ersten Stock schafften. </font><br />
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<font color=royalblue>Erneut nickte Shanaya bei den Worten der anderen Frau, folgte ihrem Blick zu den Wachen, die relativ brav an ihrem Posten standen. „Hmm, okay…“ Ein grübelnder Unterton schwang in ihrer Stimme mit, scheinbar würde das wirklich nicht funktionieren, wenn Talin schon so aufmerksam beobachtet hatte. Und daran zweifelte die Schwarzhaarige keine Sekunde. „Du hast mehr als eine Nacht hier verbracht, hm?“ Gut gemeinter Spott lag in Shanayas Stimme, wurde von einem sanften Lächeln untermalt. Talins weiterer Erklärung folgte Shanaya mit ruhigem Blick, schmunzelte über die Kleiderwahl der blonden Frau. „Widerlich, eine Frau in Hosen.“ Es brauchte keinen Blick in Talins Richtung, um den Scherz an diesen Worten zu erkennen. „Wir können uns zumindest einmal da oben umsehen… vielleicht finden wir irgendeinen Zugang, bei dem wir nicht direkt ausgeliefert sind und erkannt werden können. Und wenn da wirklich 10 Minuten Ruhe ist, haben wir ja ein deutlich größeres Zeitfenster als bei denen am Eingang.“ Shanayas Blick richtete sich auf das Dach. „Einen Versuch ist es wert.“ </font><br />
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<font color=#66CDAA>Sie hätte so viel zu sagen. Ihr lagen so viele verschiedene Sprüche auf der Zunge, doch sie verkniff sie sich. Wie armselig war es bitte, dass sie wirklich mehrere Nächte am Stück in einer der Gassen gestanden hatte und das Haus beobachtet hatte? Sie sagte nicht, dass sie sich schöneres hätte vorstellen können, es aber nicht möglich gewesen ist. Nicht so pleite, wie sie war. Ja, es gäbe wirklich viel zu sagen, doch sie zuckte nur mit den Schultern und schenkte Shanaya ein verschmitztes Lächeln. Dann blickte sie wieder nach oben und stieß ein Schnauben aus. Über das Dach zu gehen, würde vieles erleichtern, aber auf eines der Gebäude zu kommen würde schwer werden. Durch die Häuser konnten sie nicht, es sei denn, sie wollten gleich die Stadtwache auf sich lenken. Nachdenklich spielte sie mit einer ihrer Locken, als sie sich wieder an Shanaya wandte. <i>„Du hast nicht zufällig ein Seil dabei? Ich habe nämlich keine Ahnung, wie wir sonst auf eines dieser Dächer kommen wollen.“</i> Sie selbst hätte natürlich eines mitbringen können. Aber es war eher eine impulsive Entscheidung gewesen, das Lagerhaus heute zu durchsuchen. </font><br />
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<font color=royalblue>Talin antwortete auf die Frage der jungen Frau nicht wirklich, zumindest bekam die Schwarzhaarige nicht mehr als ein vielsagendes Lächeln zugeworfen. Aber sie beschwerte sich nicht, je besser Talin über die Gewohnheiten und bestimmte Zeiten Bescheid wusste, desto einfacher würde es werden, Den Plan durchzuführen. Shanaya ließ es also darauf beruhen, nickte nur ruhig, ehe sich ihre Aufmerksamkeit wieder auf das besagte Ziel richtete. Ein Seil? Sie hatte ja keine Ahnung gehabt, was sie in dieser Nacht noch erleben würde. <i>„Mehr als eine Eisenkette habe ich nicht dabei. Und die ist vermutlich viel zu kurz.“</i> Ruhig ließ Shanaya die blauen Augen schweifen, fand jedoch im ersten Moment nichts, was ihnen weiter geholfen hätte. <i>„Wenn wir ein Stück weg gehen, finden wir vielleicht irgendetwas, an dem wir nach oben klettern können. Die Dächer sind verbunden… und so würde uns niemand von denen beobachten können, wir wir an einem Haus nach oben klettern.“</i> Irgendein Gerüst, ein Haus mit genügend Fenstern oder irgendetwas, wo sie unbemerkt auf die Dächer gelangen konnten. <i>„Dann können wir auch über die Dächer fliehen und wissen, wohin wir müssen.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#66CDAA>Für einen kurzen Moment wollte Talin Shanaya schon anstrahlen, bis ihr auffiel, wie klein die Eisenkette sein musste, damit die Dunkelhaarige sie bei sich tragen konnte. Zu kurz. In der Tat. Die Blonde seufzte, ob ihrer Spontanität, die ihr sonst gute Dienste leistete, aber in diesem Falle einfach nur hinderlich war. Wie hatte sie sich vorgestellt, allein dort reinzukommen? Schwachsinn. Sie wollte der Jüngeren schon sagen, dass sie sich zurückziehen sollten, als diese erneut sprach. Wieder hellte sich Talins Gesicht auf, wobei ebenso ein Anflug von Sorge und Skepsis zu erkennen war. Sie sah an sich herunter und erkannte jetzt erst wieder, dass sie ihren Rock ja gar nicht an hatte. Sie war es so sehr gewohnt, dass sie gar nicht daran gedacht hatte, dass sie eine Hose trug, wobei sie es vor nicht allzu langer Zeit sogar kund getan hatte. Sie schmunzelte über sich selbst, bevor sie Shanaya wieder ansah. <i>"Wir teilen uns auf und suchen in unterschiedlichen Richtungen nach einem Aufgang, ja?"</i> Sie wartete noch kurz ab, bis die Dunkelhaarige geantwortet hatte, bevor sie sich nach links begab. Nach einigen Sackgassen und viel Frust kehrte sie zu ihrem Ausgangsort zurück, um sich dort wieder mit der Jüngeren zu treffen. In der Hoffnung, dass das andere Mädchen mehr Glück hatte. Als sie Shanaya auf sich zukommen sah, lächelte sie leicht. <i>„Hast du etwas gefunden, damit wir auf eines der Häuser kommen können?“ </i></font><br />
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<font color=royalblue>Talins Minenspiel entlockte Shanaya ein amüsiertes Lachen. Sie machte einige Emotionen durch, die sich auf ihrem Gesicht wieder spiegelten, nickte dann auf den Vorschlag der Blonden hin, dass sie einmal getrennt voneinander suchen sollten, ob es irgendeinen Weg auf die Dächer gab. Die blauen Augen der jungen Frau huschten noch einmal zu dem Gebäude, um das es ging, ehe sie sich, wie Talin zuvor, in eine der dunkleren Gassen begab, den Blick dabei suchend schweifen ließ. Es dauerte einen Moment, aber ein paar Fässer und ein kleines Vordach erschienen der Schwarzhaarigen als relativ sinnvoll. Und kaum war sie näher heran getreten, hatte sich den Vorsprung etwas genauer angesehen, kam Talin schon zurück zu ihr, erkundigte sich und bekam als Antwort ein gut gelauntes Grinsen. Mit der dem ausgestreckten Finger der rechten Hand deutete Shanaya nach oben, nickte in die Richtung der Fässer. <i>„Wenn wir uns nicht vollkommen unfähig anstellen, sollten wir über die Fässer auf den Vorsprung kommen. Und wenn ich es richtig sehe, sind die Dächer direkt miteinander verbunden.“ </i>Sie überlegte kurz. <i>„Ich kann dir helfen, dich dort hoch zu ziehen, dann hilfst du mir und es ist für uns beide leichter.“</I> </font><br />
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<font color=#66CDAA>Sie gab ein erleichtertes und gleichzeitig belustigtes Schnauben von sie, als sie das Grinsen der anderen sah und ihrem Finger mit den Augen folgte. Sah... immerhin nicht so schwer aus, das konnten sie gut und gerne schaffen. Wenn sie sich nicht ganz so blöd anstellten, wie die Dunkelhaarige schon meinte. Wieder spürte Talin, wie ihr das Adrenalin durch den Körper jagte und sie meinte sogar fast auf ihrer Haut spüren zu können, wie ihr Herz schlug. Natürlich war das nur Einbildung, aber man konnte es sich ja vorstellen. Leicht neigte sie den Kopf und nickte schließlich. <i>"So machen wir es. Wir sollten nicht all unsere Kraft darauf verschwenden, auf einen Vorsprung zu klettern, richtig?"</i> Was sollte schon schief gehen, verkniff sie sich an dieser Stelle lieber. Den Vorsprung genau betrachtend hievte sie sich auf das erste Fass und blickte dann auf Shanaya herunter, nachdem sie erkannt hatte, dass es doch noch ein wenig höher war, als gedacht. <i>"Ich hasse es, dass ich so klein bin. Kann ich mir deine Schulter als Stütze borgen, Werteste?"</i> Sie grinste frech. </font><br />
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<font color=royalblue>Jetzt blickte Talin deutlich zufriedener drein, was Shanaya absolut verstehen konnte. Der direkt Weg schien eher unmöglich zu sein – und mit einem Einbruch über die Dächer würden sie vielleicht nicht unbedingt rechnen. Und die Aussicht, nun doch auf so einem Weg in das Gebäude hinein zu kommen, lockte das altbekannte Kribbeln in Shanayas Innerem hervor. Sie konnte es kaum erwarten! Auf Talins Worte hin nickte die Schwarzhaarige, warf ihrer Freundin einen vielsagenden Blick zu und beobachtete dann, wie die Blonde auf das erste Fass kletterte. Ihre Worte ließen Shanaya dann wieder lachen, womit sie eine kleine Verbeugung andeutete. <i>„Aber natürlich, meine Teuerste.“</i> Die Schwarzhaarige trat einen Schritt näher, hielt die Hand nach oben, falls Talin noch Halt brauchte, und spannte ihre Schultern an, damit die andere Frau sicher stehen konnte. <i>„Wie gut, dass du keinen Rock an hast, sonst könnte ich dir jetzt ganz ungeniert darunter schauen.“</i> Sie lachte, wartete dann geduldig, bis Talin sich auf den Vorsprung nach oben gezogen hatte, ehe sie selbst auf das Fass kletterte, den Blick noch einmal prüfend schweifen ließ. Erst dann richtete sie sich wieder an die Blonde, griff nach ihrer Hand und zog sich damit ebenso auf das Dach über ihr. Oben angekommen blieb sie in der Hocke, richtete die blauen Augen zu der Halle hinüber. „Du musst einfach nur lernen, das Beste daraus zu machen.“ Ein amüsierter Blick galt der Blonden. <i>„Aber die erste Hürde ist geschafft.“</i> </font><br />
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<font color=#66CDAA>Noch einmal atmete sie tief durch, bevor sie den Fuß hob, ihn auf Shanayas Schulter setzte und während sie sich abstieß nach der Kante des Vorsprunges griff. Das ging einfacher als sie dachte und bevor sie auf die Idee kam, noch ein wenig hilflos dort rum zu hängen, nutzte sie den Schwung und zog sich gleich weiter hoch. Ihre Arme zitterten, ihr Körper fühlte sich an, als wäre sie so schwer wie ein dreifach gefüllter riesen Kochtopf von Rayon, aber sie schaffte es nach oben zu kommen. Während sie nach Luft schnappte, grinste sie Shanaya schief an und zwinkerte verspielt. <i>"Du weißt, ich hätte nichts dagegen, wenn du das tätest. Ich sehe überall gut aus.“</I> Sie wartete die Retourkutsche gar nicht erst ab, sondern legte sich gleich auf das Dach, stützte sich mit der linken Hand ab und hielt die Rechte über die Kante. Sie beobachtete die Dunkelhaarige genau und als diese nach ihrer Hand griff, zog sie kräftig, bis Shanaya nach der Kante des Vorsprungs greifen konnte und mithalf, sich hochzuziehen. Für einen Moment schloss Talin die Augen und verschnaufte, stieß kurz darauf aber ein Lachen aus. <i>"Die erste Hürde klingt furchtbar. Lass uns sagen, dass schwierigste ist geschafft und der Rest wird ein Spaß."</i> Sie richtete sich auf, streckte sich kurz und sah dann in Richtung des Lagerhauses. Dabei schaute sie genau, ob sie Wachen auf den Dächern sehen konnte. Da waren keine. Also lief sie in die Richtung, in die sie mussten und blieb ein paar Minuten später an der Dachkannte zum Lagerhaus stehen, um sich das ganze anzusehen. Die Luke war frei. <i>"Wollen wir es gleich wagen oder noch kurz warten?"</i> </font><br />
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<font color=royalblue>Auf Talins Worte hin verzog die Schwarzhaarige nur das Gesicht zu einem amüsierten Schmunzeln, irgendwie hatte sie keine andere Antwort erwartet. Aber Shanayas Blick behielt aufmerksam die Umgebung im Blick, während sie in geduckter Position verharrte. Zeitgleich suchte sie nach Wegen, wie sie schnell wieder vom Dach herab kommen würden, sollte dies nötig sein. Manche Wege waren mit Sprüngen in die Tiefe verbunden… manche davon sollten sie vielleicht lieber ausklammern. Ihr war nicht danach, mit einem gebrochenen Bein zur Sphinx zurück zu kehren. <i>„Egal, ob Hürden oder nicht, ich bin mir sicher, spaßig wird das allemal.“</i> Shanaya grinste Talin entgegen, vollkommen überzeugt von ihren Worten. Das letzte Mal, dass sie irgendwo eingebrochen war (amüsanterweise mit Talins Bruder), war noch nicht all zu lange her, ihr war es also noch sehr gut im Gedächtnis, wie viel Spaß man bei so etwas haben konnte, egal, wie viele Hindernisse sich einem in den Weg stellten. Ohne weitere Worte folgte sie der Blonden, bis sie fast ihren Zielort erreicht hatten. <i>„Hast du die Wache verschwinden sehen? Vielleicht ist es besser, wenn wir einen Moment warten und zuschlagen, wenn er aufgetaucht und gerade wieder verschwunden ist?“</I> </font><br />
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<font color=#66CDAA>Aufmerksam war ihr Blick auf das Gebäude gerichtet, überlegte selbst, was am meisten Sinn machen wurde. Und sie gab Shanaya recht. Sie wussten nicht, ob die Wache nicht genau in dem Moment wieder kommen würde, wenn sie sich gerade durch das Fenster hieven wollten. Und dennoch, obwohl dieser Gedanke völlig sinnig war, spürte Talin, wie sie ungeduldig auf ihr Knie trommelte und das Fenster kaum aus den Augen ließ. <i>"Das kann ja ewig dauern,"</I> stöhnte sie leise, genervt auf. Für einen Moment schloss sie die Augen, atmete tief durch und versuchte ihre Ungeduld im Zaum zu halten. Als sie dachte, dass sie sich wieder einigermaßen im Griff hatte, öffnete sie die Augen wieder. Statt zu der Luke zu starren und sich den Wachmann herzu wünschen, behielt sie das Fenster nur aus dem Augenwinkel im Blick, richtete ihre Aufmerksamkeit aber eher auf Shanaya. <i>"Und? Was hast du heute noch so schönes vor, nachdem wir das Lager ausgeräumt haben? Planst du eine nette Flucht über die Dächer? Oder willst du dich einfach nur in deine Matte hauen?"</i> </font>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Schön ist das Leben voll Nehmen und Geben]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1199</link>
			<pubDate>Tue, 09 May 2023 19:32:42 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1199</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Schön ist das Leben voll Nehmen und Geben</div>
<br />
<font size=1>Früher Abend des 01. Juli 1822 <br />
Liam Casey, Lucien Draveant & Shanaya Árashi </font></center><br />
<font color=royalblue>Shanaya streckte in einer lockeren Bewegung die Arme in die Luft, atmete dabei tief durch und ließ den Blick dann für einen Moment zu dem Friedhof wandern, der sich neben ihnen erstreckte. Irgendwo am Hafen hatte sie Liam aufgegriffen, der sich ihr bei ihrer Reise ohne bestimmtes Ziel angeschlossen hatte. Gemeinsam waren sie am Hafen entlang geschlendert – und nun hatten sie doch ein gemeinsames Ziel. Auf dem Weg zur Taverne hatte die Schwarzhaarige ihre Bluse angehoben, sie vor der Brust verknotet, um den leichten Wind wenigstens etwas zu nutzen, ihre Haut ein wenig abzukühlen. <i>„Ich hätte doch noch eine Runde schwimmen gehen sollen.“ </i>Noch einmal, geschadet hätte es sicher nicht. Amüsiert wandte die Schwarzhaarige den Blick zu Liam herum, strich sich mit dem Arm über die Stirn. <i>„Irgendwann gewöhne ich mich bestimmt an diese Wärme.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B><i>„Wir können auch gerne zurück, um deinen Wunsch zu erfüllen. Mit ausreichend Proviant aus der Taverne, versteht sich.“</i> Gut gelaunt zuckte er mit der Schulter und klang alles andere als abgeneigt. Ob sie nun die gesellige Atmosphäre der Taverne vorzogen oder nach einem ruhigen Plätzchen am Meer Ausschau hielten, an dem sie Schwimmen konnten, war ihm relativ egal. <i>„Dann mach lieber schnell, bevor wir zurück in den Osten segeln, um das Geheimnis unserer Schatzkarte zu lüften.“</I> </font><br />
<br />
<font color=royalblue><i>„Als ob du mich da weg bekommst, wenn ich mir erstmal ein… viele Gänge Menü besorgt habe. Dann würde ich eh untergehen im Meer.“</I> Ein leises, theatralisches Seufzen folgte. Nach dem Training mit Soula war ihr jetzt an erster Stelle danach, ihre Energie aufzutanken – und da klang etwas Gutes zu Essen noch verlockender. <i>„Je nachdem, wo die Reise noch hingeht, muss ich mich an viele unterschiedliche Witterungen gewöhnen. Yvenes ist da ziemlich… einseitig.“</i> Sie lächelte. Immerhin galt das nicht nur dem Wetter auf ihrer Heimatinsel. </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Liam lächelte. <i>„Du weißt doch, wie es heißt: ‚Nach dem Essen sollst du ruhen oder tausend Schritte tun‘: Ich bezweifle, dass du in der Taverne sitzen bleiben willst, wenn all das Gesindel dort auftaucht. Und ein bisschen Musik bekomme ich auch noch hin. Du musst dir nur einen anderen zum Tanzen suchen.“</i> Der Gedanke an ein gutes Essen vorher, trieb aber auch ihn voran. <i>„Nicht, dass das noch in Stress ausartet, hm? Allerdings schon sehr vermessen, dass du Yvenes eintönig nennst, während der Rest der ersten Welt nicht einmal weiß, was Herbst ist.“</i> Liam bedachte sie mit einem neckenden Blick zur Seite. <i>„Dabei bist du dort definitiv länger aufgewachsen als ich.“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue><i>„Siehst du. Da klingt ruhen und weiter essen doch nach einer wunderbaren Idee! Bewegung habe ich sonst genug!“</i> Ein vielsagender Blick in die Richtung ihres Freundes, dann ein Zwinkern. <i>„Und so viel ich weiß, stehst du mir da in nichts nach.“</I> Was ihre Heimat anging ließ die junge Frau leise brummen, den Kopf von einer zur anderen Seite neigen. <i>„Na gut, vielleicht bin ich auch einfach etwas voreingenommen. Hast mich erwischt.“</i> Es war immerhin kein Geheimnis, dass sie kein besonders großer Freund ihrer Heimat war. <i>„Aber da sind wir schon. Auf zu vielen dummen Blicken von Betrunkenen, weil sie nackte Haut sehen.“</i> Trotzdem amüsiert patete Shanaya zwei Mal auf ihren Bauch, richtete den blauen Blick dann zu Liam, während sie auf den Eingang der Taverne zuging. </font><br />
<br />
<font color=#458B74>Die Kneipe im Südwesten der Stadt, in die er heute eingekehrt war, hatte nicht ganz den Charme eines Claude Riegans - genau genommen ganz und gar nicht - doch angesichts dessen, was gestern Nacht passiert war, tat Lucien wahrscheinlich gut daran, der Spielerhöhle auf der anderen Seite der Stadt die nächsten Tage keinen weiteren Besuch abzustatten, wenn er seine und Ceallaghs Pläne nicht sabotieren wollte. Er ließ den Abend heute also in dieser Spelunke ausklingen und hatte die ersten ein oder zwei Krüge Portwein bereits bei einer Runde Würfelspiel geleert, zu dem er jetzt mit dem dritten Krug in der Hand auf dem Rückweg war. <br />
Einem ausgesprochen charmant lächelnden Schankmädchen mit einer halben Drehung ausweichend schob er sich zwischen zwei eng stehenden Tischen hindurch. Doch da sein Blick für einen flüchtigen Moment eher ihrer ansehnlichen Rückenpartie folgte, als auf das zu achten, was vor ihm lag, bemerkte der junge Captain auch die beiden Gestalten zu spät, die das Wirtshaus soeben betraten und damit unvermittelt seinen Weg kreuzten. Gerade rechtzeitig bremste er ab, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, gab dafür aber ein eher verblüfftes <i>„wups“</i> von sich, als ein großer Schluck Portwein ob des plötzlichen Stops aus seinem Krug hüpfte und der Piratin auf Bluse und Bauch schwappte. <i>„Mist… oh…“</i> Und erst damit spiegelte sich Erkennen auf seinen Zügen, die mit einem Blick auf die Schwarzhaarige zunächst weicher wurden, bevor er zwischen ihr und Liam hin und her sah. <i>„Na, ihr zwei? Hier, um den Tag ausklingen zu lassen?“</i>, fragte er an beide gewandt und angesichts des bereits in seinen Adern zirkulierenden Alkohols recht gut gelaunt.</font><br />
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<font color=#6C7B8B>Liam gluckste und fing den Blick der Dunkelhaarigen auf, während sie an ihm vorbei in die Taverne schritt, <i>„… Wenn nötig, auch das.“</i>, versicherte er und folgte Shanaya hinein. Etwas irritiert blieb er stehen, als die Jüngere sich umwandte, statt einen Tisch anzusteuern. Irgendwas an ihrem Blick gefiel ihm nicht, aber recht einschätzen konnte er es nicht. „Hm?“, fragte er, musterte sie kurz und ließ dann den Blick über die Tische schweifen. Seine Hand streifte kurz ihre Hüfte, als er sich mit einem Lächeln an ihr vorbeischob und die Führung übernahm. <i>„Wie gnädig von dir.“</i> Liam wusste nicht, ob Shanaya die Berührung so verstand, wie er sie gemeint hatte – aber er war da, wenn etwas nicht stimmte. Liam hatte bereits einen Tisch ausgemacht und steuerte zielstrebig darauf zu, als eine Gestalt von der Seite in sie hineinlief. Geistesgegenwärtig machte er schnell einen Schritt zur Seite, um dem flüssigen Glück auszuweichen, das der Gar-Nicht-So-Fremde auf dem Boden und auf Shanayas Bluse verteilte. Liam musterte Luc etwas überrascht, aber nicht unglücklich, dann schweifte sein Blick zu der Schwarzhaarigen. <i>„Ja, sozusagen. Du bist uns aber scheinbar zuvorgekommen, hm?“</i>, stellte er grinsend fest. Ganz so standhaft wirkte Luc nicht mehr.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya hatte auf die Antwort des Mannes nur vielsagend gegrinst. Das war etwas, was sie auf jeden Fall im Hinterkopf behalten würde, wer wusste schon, wofür das gut war. Sein leises Nachfragen überging sie, hätte sie doch sowieso keine Antwort gehabt. Und so ließ die Schwarzhaarige sich in die Richtung eines Tisches führen, warf Liam nur einen <i>'So bin ich nunmal'</i> Blick zu und wollte sich dann selbst zu dem anvisierten Tisch begeben, als eine Silhouette beinah über sie stolperte, nur ein 'wups' von sich gab, das in einer viel zu bekannten Stimmlage gesprochen wurde. Und abruppt war Shanaya klar, woher dieses Gefühl zuvor gekommen war. Sie hatte wohl mehr gesehen, als sie wirklich wahr genommen  hatte. Der Schwall Alkohol, der sich im nächsten Moment über sie ergoss, ließ die junge Frau zuerst verwirrt blinzeln, ein Blick galt Liam, ehe sie aus vollem Herzen auflachte. Prüfend ließ sie den Blick an ihrer Bluse herab gleiten, warf ihrem Captain dann einen tadelnden Blick zu. <i>"Das leckst du gleich schön auf, hm?"</i> Ein weiteres,  vielsagenden Lächeln galt dem Dunkelhaarigen, während Liam auf seine Frage antwortete. <i>"Für dieses Malheur haben wir es uns verdient, dass du uns einen ausgibst. Also... zumindest mir."</i> Ein entschuldigendes, zuckersüßes Lächeln galt erst Liam und wanderte dann zu Lucien.</font><br />
<br />
<font color=#458B74>Shanayas Antwort fiel weder überraschend noch sonderlich anständig aus. Jedenfalls nicht in seiner Vorstellung. Prompt blitzte sanfter Schalk in den grünen Augen auf und seine Mundwinkel verzogen sich zu einem halb amüsiert, halb herausfordernden Schmunzeln, während sein Blick für einen Moment über die weinroten Spuren auf ihrem entblößten Bauch huschte. <i>„Nicht, dass mir der Gedanke nicht kurz selbst gekommen wäre, aber dann würde sich Liam sicher ausgeschlossen fühlen.“</i> Er hob den Krug an die Lippen, nahm einen kurzen Zug, bevor ihn das Schicksal durch irgendein ähnlich ärgerliches Malheur um noch mehr davon bringen konnte, und sah dann zu dem erwähnten Lockenkopf hinüber. Auf seinen Zügen nach wie vor ein gut gelauntes Schmunzeln. <i>„Ich dachte mir, ich versüße mir den Abend mit ein bisschen Würfeln, aber ich muss gestehen, die Gesellschaft verspricht gerade deutlich besser zu werden.“</I> Er sah bei diesen Worten über Liams Schulter hinweg zu dem Tisch, an dem er bis vor Kurzem gesessen hatte und an dem einer seiner beiden Spielpartner soeben ein Messer zückte, um es seinem Gegenüber drohend ans Kinn zu halten. <i>„Und ich glaube, die vermissen mich nicht“</i>, schloss der Dunkelhaarige. <i>„Wenn ihr nichts dagegen habt, schließe ich mich euch an? Und begleiche meine Schuld bei unserer holden Navigatorin…“</i></font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Liam öffnete den Mund, schloss ihn aber unverrichteter Dinge wieder, weil er sich nicht sicher war, ob er sich an dieser Diskussion wirklich beteiligen wollte. Auf Lucs Vermutung hin wog er lediglich nichtssagend den Kopf zur Seite. Er hätte sich sicherlich auch anders zu beschäftigen gewusst, war sich nur nicht sicher, ob ihnen solche Aktionen an einem Ort wie diesem eher Ärger oder Geld einbrachten. Würfelspiele waren es also, die ihren Captain hierhergeführt hatten. <i>„Und ich hoffe, du trinkst auf deine Siege und nicht auf deine Niederlagen.“</i>, hakte mit einem Lächeln nach und folgte Lucs Blick kurz über seine Schulter hin zu einem Tisch mit Kerlen, die man mögen musste, wenn man mit ihnen Zeit verbrachte. Scheinbar jedenfalls erkor sie der junge Captain als doch deutlich bessere Gesellschaft aus – jedenfalls bezweifelte Liam, dass seine Entscheidung nur auf der Forderung Shanayas beruhte, die eine Entschädigung verlangte. <i>„Ja, schätze, deine Freunde haben gerade Besseres zu tun.“</i> Außerdem würde vermutlich niemand merken, dass Luc weg war, wenn sie genauso angetrunken waren wie er. <i>„Verräterin.“</i>, zischte er Shanaya indes schmunzelnd entgegen, nachdem sie sein Freigetränk so bereitwillig aufgegeben hatte, während er Luc zum nächsten freien Tisch folgte. <i>„Konntest du Trevor inzwischen verspielen?“</i> Liam lächelte. Dass Luc kein sonderlicher Fan ihres kleinen Glückspilz war, war ein offenes Geheimnis. Trotzdem zweifelte er ehrlich daran, dass er so weit gehen würde.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Luciens Antwort entlockte Shanaya ein weiteres Lachen – was hatte sie anderes erwartet? So galt dem Dunkelhaarigen ein vielsagendes Grinsen, ehe sich die blauen Augen zu Liam herum wandte, der dazu… lieber gar nichts sagte. Womöglich die beste Wahl. Auch ihm galt ein amüsierter Blick, bevor sie die Augen noch einmal suchend schweifen ließ. Das war inzwischen zu einer Gewohnheit geworden. Nur, um sicher zu gehen. Während Lucien verriet, was genau er hier tat, seiner Laune nach zu urteilen ging Shanaya davon aus, dass das Würfelglück ihm hold war, blickte sie sich um Schankraum um, hatte so auch kurz die beiden Männer im Blick, mit denen Lucien sich wohl bisher beschäftigt hatte. Gegen die Gesellschaft ihres Captains hatten sie vermutlich beide nichts – zumindest zweifelte Shanaya daran. Der einzige Knackpunkt war das Gespräch, dass sie kurz zuvor mit Liam geführt hatte. Über eben genau diesen Captain.<br />
Schließlich setzte sich die junge Frau in Bewegung, warf Lucien einen zufriedenen Blick zu – immerhin wollte er das Schlamassel wieder gut machen, das war ja auch das Mindeste! Liams kleiner Vorwurf ließ sie dann eine theatralische Miene aufsetzen, mit der sie den Lockenkopf bedachte. <i>„Ich kann dir gern meine Bluse geben, damit du die Last trägst, rum zulaufen, als hättest du irgendjemanden umgebracht.“</i> Sie hielt diese Miene nur einen Moment aufrecht, grinste dann wieder über Liams Idee, Trevor bei einem Würfelspiel los zu werden. Mehr sagte sie dazu erst einmal nicht, ließ sich dann nur auf einen der Stühle an einem freien Tisch sinken. Kaum saß sie, fuhr sie mit einer Fingerspitze kurz über ihre Zunge, um dann den klebrigen Alkohol von ihrer Haut zu reiben. <i>„Kannst du das Essen hier empfehlen? Ich verhungere.“</i> Ein kurzer Blick galt Lucien, ehe sie sich wieder ihrem Bauch zu wandte, die letzten Spuren des Alkohols zu entfernen.</font><br />
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<font color=#458B74>Liam enthielt sich jeden Kommentars zu dem kurzen Geplänkel und Lucien selbst widmete dem Ganzen ebenfalls keine weiteren Gedanken. Diese Art der Neckerei zwischen ihm und der jungen Navigatorin war inzwischen so selbstverständlich, dass es ihn viel eher ins Grübeln brachte, wenn sie ausblieben. <br />
Er schenkte dem Lockenkopf auf dessen anschließende Frage also nur ein verschmitztes Schmunzeln und zuckte flüchtig mit den Schultern. <i>„Auf beides. Wäre doch eine Schande, sich einen Anlass entgehen zu lassen.“</i> Wie um seine Worte zu unterstreichen, genehmigte sich der Dunkelhaarige noch einen Schluck, und während sie zu dritt einen der freien Tische ansteuerten, beobachtete er mit amüsiertem Blick über den Gefäßrand hinweg den Austausch seiner beiden Gefährten. Als sie ihre Plätze erreichten, machte Lucien zunächst keine Anstalten, sich zu setzen, sondern stabilisierte lediglich mit einer Hand auf der Tischplatte seinen leicht unsicheren Stand. <i>„Verdammt, Liam. Wo bist du vor einer halben Stunde gewesen?“</i>, erwiderte er halb enttäuscht, halb belustigt. <i>„Aber ich wette, er hätte seinen Weg zu uns zurück gefunden, noch ehe die Nacht rum ist. Nur, um mich zu nerven.“</i> Trotz seiner nach wie vor guten Laune klang er bei dieser Prognose knurriger als sonst. Doch auch das verflog, als er seinen Krug auf dem Tisch abstellte und die Augen wieder auf die Schwarzhaarige richtete. <i>„Oh, nein. Definitiv nicht. Und es gibt auch nur Brot und gebratenes Fleisch. Aber es macht satt. Wünscht Eure Hoheit Portwein oder Rum dazu?“</i> Mit Belustigung in den Augen ließ er den Blick noch einen Moment auf ihr ruhen, bevor er zu Liam hinüber sah und ihm stumm die gleiche Frage stellte. Nur etwas weniger spöttisch vielleicht.</font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Gesunde Einstellung, wie er fand. Liam schmunzelte und nickte überzeugt. Wenn ihm dabei allerdings entfiel, was er wirklich verspielen wollte, sollte Lucien diese Vorgehensweise noch einmal überdenken. Ob sie tatsächlich nur um Gold gespielt hatten? Liam mischte sich zu ungerne in Angelegenheiten anderer ein, als dass er gefragt hätte. Vielleicht dachte ihr Captain ja nächstes Mal daran, Arbeitskraft aufs Spiel zu setzen. Er jedenfalls hoffte es nicht für Trevor. Denn der junge Scovell wäre mit Sicherheit der erste Kandidat. <i>„Dann hättest du ihn noch mal verspielen können.“</i>, erinnerte er Lucien mit einem kurzen Zucken der Schulter. Kam er da tatsächlich nicht drauf? So ließ sich mit Sicherheit gut unehrenhaft Geld machen. Shanayas Seitenhieb begegnete er mit einem kurzen Auflachen, rümpfte dann allerdings unbegeistert die Nase. <i>„Wir können’s gerne probieren, aber ich fürchte, deine Bluse passt mir nicht.“</i> Die Schultern zu breit, die Oberarme etwas breiter, die Chance war wirklich gering. Ansonsten hätte Liam kein großes Problem damit gehabt – weder mit der Bluse noch mit dem Portwein. <i>„Rum.“</I> Liams Antwort war just in dem Moment gekommen, in dem Luc den Blick von Shanaya gelöst hatte. ‚Eure Hoheit‘ gefiel ihm an diesem Abend – in erster Linie, weil es bedeutete, dass er Rum gebracht bekam. Auch, wenn Shanaya gemeint gewesen war.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Während Shanaya die letzten Reste des Portweines von ihrer Haut schrubbte, lauschte sie dem Gespräch der beiden Männer über Trevor. Sie war da ganz auf Luciens Seite – und ihn bei irgendeinem Spiel zu verspielen klang ziemlich verlockend. Als Liam ihr antwortete, hob sie den blauen Blick, grinste ihm amüsiert entgegen. <i>„Musst ein bisschen abnehmen, hm? Bist schon ein bisschen speckig geworden...“</i> Dass es andere, viel offensichtlichere Gründe gab, wieso ihre Kleidung Liam viel zu klein sein würde ließ sie Mal außer Acht, ließ die Augen dabei prüfend an Liam hinab wandern. Die Schwarzhaarige grinste dabei gut gelaunt vor sich hin, richtete ihre Aufmerksamkeit dann mit einem Seufzen zu ihrem Captain herum. Es machte satt… na immerhin. Sie hatte irgendwie nichts anderes erwartet. Luciens weitere Worte entlockten ihr dann aber wieder ein Lachen und Shanaya reckte das Kinn ein wenig nach oben. Da hatte er ja nochmal Glück gehabt. ‚Hoheit‘ ließ sie ihm noch durchgehen. <i>„Das, was der Pöbel mir empfehlen würde.“</i> Liam war da genauer, aber diese Vorlage hatte sie nutzen müssen, was auch in dem Ausdruck ihrer blauen Augen lag.</font><br />
<br />
<font color=#458B74>Lucien tippte sich mit dem Zeigefinger flüchtig gegen die Stirn und verzog bedauernd die Mundwinkel. Eine Geste, die eindeutig sagte, dass er darauf auch hätte selbst kommen können - es dummerweise aber nicht war. Vielleicht doch zu viel Alkohol. Oder ein kleiner Funke Loyalität und Ehrgefühl gegenüber seiner Crew, die ihm unlautere Maßnahmen gegen Trevor tief im Inneren seines Herzens verboten. Schade. <i>„Das nächste Mal“</i>, beteuerte er, wenn auch in dem Wissen, dass er es wohl doch nie tun würde. Dann kehrte sein gut gelauntes Schmunzeln auch schon zurück. Er warf Shanaya einen kurzen, amüsierten Blick zu - ihre Reaktion über seine überzogene Anrede zur Kenntnis nehmend - klopfte dann beiläufig mit den Fingerknöcheln auf die Tischplatte und wandte sich halb ab, um alle drei mit den kulinarischen Köstlichkeiten zu versorgen, die die edle Küche hier im Angebot hatte. Seinen Weinkrug ließ er getrost bei den beiden stehen. <i>„Macht‘s euch gemütlich und ich sehe mal, was ich schönes für uns organisieren kann.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Mit einem gespielten Schmollen trommelte sich Liam auf die nicht vorhandene Wampe, musterte sie von oben, ehe er wieder zu Shanaya aufsah, die damit beschäftigt war, ihre Bluse zu säubern. <i>„Findest du?“</i>, hakte er noch einmal nach. <i>„Dann muss ich die Fresstouren mit dir wohl ausfallen lassen.“</i> Wie wahr Lucien den inneren Wunsch tatsächlich machen würde, Trevor an irgendein Gesindel zu verkaufen, würde die Zukunft zeigen. Jetzt erstmal erhob er sich, um ihnen etwas zu trinken zu bringen, auch wenn Liam vermutete, dass sie nicht ganz so voll hier ankommen würden, wie sie bestellt wurden – einen gebrachten Rum verschmähte man dennoch nicht, selbst wenn es bloß noch ein Schluck war. <i>„Alles okay bei dir?“</i>, wandte er sich dann leise an Shanaya, als sich ihr Captain sich entfernt hatte. Es war nüchtern ausgesprochen und zeugte davon, dass ihm ein ‚ja‘ oder ‚nein‘ vollkommen gereicht hätte. Er wusste um die <i>komplizierte</i> Situation, würde sich aber nicht einmischen. Einen Weg finden, schnell wieder mit ihr zu verschwinden war das Höchste der Gefühle – aber er bezweifelte, dass die Dunkelhaarige das wollte. Jetzt, wo sie bereits in Luciens Umlaufbahn gestrandet war. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya grinste Liam amüsiert an, wog den Kopf dabei leicht von einer zur anderen Seite, antwortete dann mit einem leisen Lachen in der Stimme. <i>„Das ist okay. Ich schaffe das auch allein.“</i> Eine Augenbraue der jungen Frau zuckte amüsiert in die Höhe, musterte den Lockenkopf noch einen Moment, ehe sie sich mit einem Lächeln und einem sachten Nicken wieder Lucien zu wandte, der sich nun aufmachte, um seine Schuld zu begleichen. Wieso konnte das nicht immer so funktionieren? Dafür lief sie nun mit Blutspritzern auf der Bluse herum. Störte sie nicht groß – und dass das in Wirklichkeit Portwein und kein Blut war musste auch niemand wissen. Liams Frage ließ sie dann im ersten Moment etwas verwirrt blinzeln. Wieso fragte er… oh. Ja. In den blauen Augen blitze Verstehen auf, als sie sich Luciens Krug zuwandte, sich daraus zwei Schlücke genehmigte und ihn dann wieder ganz brav zurück stellte. <i>„Könnte fast nicht besser sein. Wenn da nicht dieser Hunger wäre...“</i> Und das war nicht einmal gelogen, beides nicht. Es ging ihr gut, außer der Hunger, der bei ihr aber nun einmal eigentlich auch irgendwie ein Dauerzustand war. Die Frage ihres Gegenübers ließ ihre Gedanken jedoch automatisch zu ihrem Gespräch zurück wandern. Zu Worten, die wahrer wohl nicht hätten sein können – und sie trotzdem verwirrten, verunsicherten. <i>„Immerhin bin ich doch in bester Gesellschaft.“</i> Wieder galt dem Lockenkopf ein ehrliches Lächeln. </font><br />
<br />
<font color=#458B74>Er ließ die beiden samt seines angebrochenen Weinkrugs am Tisch zurück und bahnte sich wie schon Augenblicke zuvor in Schlangenlinien einen Weg zur Theke zurück. Der Gang einerseits dem herumstehenden Mobiliar geschuldet, andererseits unzweifelhaft dem steigenden Alkoholpegel in seinem Blut. Beides tangierte ihn in diesem Fall wenig, wörtlich wie im übertragenen Sinne. Ohne den Unmut eines anderen Gastes zu erregen, erreichte er die Theke und bestellte nach einem gebrummten <i>„Warst du nicht eben schon mal hier, Junge? Na, mir soll’s egal sein.“</i> drei Krüge Rum und gebratenes Fleisch mit Brot. Gold und Alkohol wechselten die Besitzer und zumindest mit dem ersten Teil des verlangten Proviants machte Lucien sich auf den Rückweg. Und vielleicht weil ihm die leise Unsicherheit in seinem Gang einen gewissen Geländevorteil verlieh, schaffte er den hindernisreichen Weg zum Tisch ohne mehr als einen Schluck aus den drei Krügen einzubüßen. Mit einem leisen Klonk stellte er je eins der Trinkgefäße vor Liam und Shanaya ab und behielt das dritte selbst. Dann zog er den letzten freien Stuhl so zu sich heran, dass er sich rittlings mit der Lehne zum Tisch gerichtet darauf fallen lassen konnte. <i>„So, meine Freunde. Es fließt der Wein, es fließt das Bier, hoch die Krüge trinken wir!“</i>, prostete er den beiden mit einer leisen Melodie im Unterton gut gelaunt zu und sah Shanaya daraufhin mit einem halb amüsierten, halb ehrlich entschuldigenden Lächeln an. <i>„Das mit der Bluse tut mir übrigens Leid. Ich hoffe, du akzeptierst meine aufrichtige Entschuldigung!“</i></font>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Schön ist das Leben voll Nehmen und Geben</div>
<br />
<font size=1>Früher Abend des 01. Juli 1822 <br />
Liam Casey, Lucien Draveant & Shanaya Árashi </font></center><br />
<font color=royalblue>Shanaya streckte in einer lockeren Bewegung die Arme in die Luft, atmete dabei tief durch und ließ den Blick dann für einen Moment zu dem Friedhof wandern, der sich neben ihnen erstreckte. Irgendwo am Hafen hatte sie Liam aufgegriffen, der sich ihr bei ihrer Reise ohne bestimmtes Ziel angeschlossen hatte. Gemeinsam waren sie am Hafen entlang geschlendert – und nun hatten sie doch ein gemeinsames Ziel. Auf dem Weg zur Taverne hatte die Schwarzhaarige ihre Bluse angehoben, sie vor der Brust verknotet, um den leichten Wind wenigstens etwas zu nutzen, ihre Haut ein wenig abzukühlen. <i>„Ich hätte doch noch eine Runde schwimmen gehen sollen.“ </i>Noch einmal, geschadet hätte es sicher nicht. Amüsiert wandte die Schwarzhaarige den Blick zu Liam herum, strich sich mit dem Arm über die Stirn. <i>„Irgendwann gewöhne ich mich bestimmt an diese Wärme.“</i> </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B><i>„Wir können auch gerne zurück, um deinen Wunsch zu erfüllen. Mit ausreichend Proviant aus der Taverne, versteht sich.“</i> Gut gelaunt zuckte er mit der Schulter und klang alles andere als abgeneigt. Ob sie nun die gesellige Atmosphäre der Taverne vorzogen oder nach einem ruhigen Plätzchen am Meer Ausschau hielten, an dem sie Schwimmen konnten, war ihm relativ egal. <i>„Dann mach lieber schnell, bevor wir zurück in den Osten segeln, um das Geheimnis unserer Schatzkarte zu lüften.“</I> </font><br />
<br />
<font color=royalblue><i>„Als ob du mich da weg bekommst, wenn ich mir erstmal ein… viele Gänge Menü besorgt habe. Dann würde ich eh untergehen im Meer.“</I> Ein leises, theatralisches Seufzen folgte. Nach dem Training mit Soula war ihr jetzt an erster Stelle danach, ihre Energie aufzutanken – und da klang etwas Gutes zu Essen noch verlockender. <i>„Je nachdem, wo die Reise noch hingeht, muss ich mich an viele unterschiedliche Witterungen gewöhnen. Yvenes ist da ziemlich… einseitig.“</i> Sie lächelte. Immerhin galt das nicht nur dem Wetter auf ihrer Heimatinsel. </font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Liam lächelte. <i>„Du weißt doch, wie es heißt: ‚Nach dem Essen sollst du ruhen oder tausend Schritte tun‘: Ich bezweifle, dass du in der Taverne sitzen bleiben willst, wenn all das Gesindel dort auftaucht. Und ein bisschen Musik bekomme ich auch noch hin. Du musst dir nur einen anderen zum Tanzen suchen.“</i> Der Gedanke an ein gutes Essen vorher, trieb aber auch ihn voran. <i>„Nicht, dass das noch in Stress ausartet, hm? Allerdings schon sehr vermessen, dass du Yvenes eintönig nennst, während der Rest der ersten Welt nicht einmal weiß, was Herbst ist.“</i> Liam bedachte sie mit einem neckenden Blick zur Seite. <i>„Dabei bist du dort definitiv länger aufgewachsen als ich.“</i> </font><br />
<br />
<font color=royalblue><i>„Siehst du. Da klingt ruhen und weiter essen doch nach einer wunderbaren Idee! Bewegung habe ich sonst genug!“</i> Ein vielsagender Blick in die Richtung ihres Freundes, dann ein Zwinkern. <i>„Und so viel ich weiß, stehst du mir da in nichts nach.“</I> Was ihre Heimat anging ließ die junge Frau leise brummen, den Kopf von einer zur anderen Seite neigen. <i>„Na gut, vielleicht bin ich auch einfach etwas voreingenommen. Hast mich erwischt.“</i> Es war immerhin kein Geheimnis, dass sie kein besonders großer Freund ihrer Heimat war. <i>„Aber da sind wir schon. Auf zu vielen dummen Blicken von Betrunkenen, weil sie nackte Haut sehen.“</i> Trotzdem amüsiert patete Shanaya zwei Mal auf ihren Bauch, richtete den blauen Blick dann zu Liam, während sie auf den Eingang der Taverne zuging. </font><br />
<br />
<font color=#458B74>Die Kneipe im Südwesten der Stadt, in die er heute eingekehrt war, hatte nicht ganz den Charme eines Claude Riegans - genau genommen ganz und gar nicht - doch angesichts dessen, was gestern Nacht passiert war, tat Lucien wahrscheinlich gut daran, der Spielerhöhle auf der anderen Seite der Stadt die nächsten Tage keinen weiteren Besuch abzustatten, wenn er seine und Ceallaghs Pläne nicht sabotieren wollte. Er ließ den Abend heute also in dieser Spelunke ausklingen und hatte die ersten ein oder zwei Krüge Portwein bereits bei einer Runde Würfelspiel geleert, zu dem er jetzt mit dem dritten Krug in der Hand auf dem Rückweg war. <br />
Einem ausgesprochen charmant lächelnden Schankmädchen mit einer halben Drehung ausweichend schob er sich zwischen zwei eng stehenden Tischen hindurch. Doch da sein Blick für einen flüchtigen Moment eher ihrer ansehnlichen Rückenpartie folgte, als auf das zu achten, was vor ihm lag, bemerkte der junge Captain auch die beiden Gestalten zu spät, die das Wirtshaus soeben betraten und damit unvermittelt seinen Weg kreuzten. Gerade rechtzeitig bremste er ab, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, gab dafür aber ein eher verblüfftes <i>„wups“</i> von sich, als ein großer Schluck Portwein ob des plötzlichen Stops aus seinem Krug hüpfte und der Piratin auf Bluse und Bauch schwappte. <i>„Mist… oh…“</i> Und erst damit spiegelte sich Erkennen auf seinen Zügen, die mit einem Blick auf die Schwarzhaarige zunächst weicher wurden, bevor er zwischen ihr und Liam hin und her sah. <i>„Na, ihr zwei? Hier, um den Tag ausklingen zu lassen?“</i>, fragte er an beide gewandt und angesichts des bereits in seinen Adern zirkulierenden Alkohols recht gut gelaunt.</font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Liam gluckste und fing den Blick der Dunkelhaarigen auf, während sie an ihm vorbei in die Taverne schritt, <i>„… Wenn nötig, auch das.“</i>, versicherte er und folgte Shanaya hinein. Etwas irritiert blieb er stehen, als die Jüngere sich umwandte, statt einen Tisch anzusteuern. Irgendwas an ihrem Blick gefiel ihm nicht, aber recht einschätzen konnte er es nicht. „Hm?“, fragte er, musterte sie kurz und ließ dann den Blick über die Tische schweifen. Seine Hand streifte kurz ihre Hüfte, als er sich mit einem Lächeln an ihr vorbeischob und die Führung übernahm. <i>„Wie gnädig von dir.“</i> Liam wusste nicht, ob Shanaya die Berührung so verstand, wie er sie gemeint hatte – aber er war da, wenn etwas nicht stimmte. Liam hatte bereits einen Tisch ausgemacht und steuerte zielstrebig darauf zu, als eine Gestalt von der Seite in sie hineinlief. Geistesgegenwärtig machte er schnell einen Schritt zur Seite, um dem flüssigen Glück auszuweichen, das der Gar-Nicht-So-Fremde auf dem Boden und auf Shanayas Bluse verteilte. Liam musterte Luc etwas überrascht, aber nicht unglücklich, dann schweifte sein Blick zu der Schwarzhaarigen. <i>„Ja, sozusagen. Du bist uns aber scheinbar zuvorgekommen, hm?“</i>, stellte er grinsend fest. Ganz so standhaft wirkte Luc nicht mehr.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya hatte auf die Antwort des Mannes nur vielsagend gegrinst. Das war etwas, was sie auf jeden Fall im Hinterkopf behalten würde, wer wusste schon, wofür das gut war. Sein leises Nachfragen überging sie, hätte sie doch sowieso keine Antwort gehabt. Und so ließ die Schwarzhaarige sich in die Richtung eines Tisches führen, warf Liam nur einen <i>'So bin ich nunmal'</i> Blick zu und wollte sich dann selbst zu dem anvisierten Tisch begeben, als eine Silhouette beinah über sie stolperte, nur ein 'wups' von sich gab, das in einer viel zu bekannten Stimmlage gesprochen wurde. Und abruppt war Shanaya klar, woher dieses Gefühl zuvor gekommen war. Sie hatte wohl mehr gesehen, als sie wirklich wahr genommen  hatte. Der Schwall Alkohol, der sich im nächsten Moment über sie ergoss, ließ die junge Frau zuerst verwirrt blinzeln, ein Blick galt Liam, ehe sie aus vollem Herzen auflachte. Prüfend ließ sie den Blick an ihrer Bluse herab gleiten, warf ihrem Captain dann einen tadelnden Blick zu. <i>"Das leckst du gleich schön auf, hm?"</i> Ein weiteres,  vielsagenden Lächeln galt dem Dunkelhaarigen, während Liam auf seine Frage antwortete. <i>"Für dieses Malheur haben wir es uns verdient, dass du uns einen ausgibst. Also... zumindest mir."</i> Ein entschuldigendes, zuckersüßes Lächeln galt erst Liam und wanderte dann zu Lucien.</font><br />
<br />
<font color=#458B74>Shanayas Antwort fiel weder überraschend noch sonderlich anständig aus. Jedenfalls nicht in seiner Vorstellung. Prompt blitzte sanfter Schalk in den grünen Augen auf und seine Mundwinkel verzogen sich zu einem halb amüsiert, halb herausfordernden Schmunzeln, während sein Blick für einen Moment über die weinroten Spuren auf ihrem entblößten Bauch huschte. <i>„Nicht, dass mir der Gedanke nicht kurz selbst gekommen wäre, aber dann würde sich Liam sicher ausgeschlossen fühlen.“</i> Er hob den Krug an die Lippen, nahm einen kurzen Zug, bevor ihn das Schicksal durch irgendein ähnlich ärgerliches Malheur um noch mehr davon bringen konnte, und sah dann zu dem erwähnten Lockenkopf hinüber. Auf seinen Zügen nach wie vor ein gut gelauntes Schmunzeln. <i>„Ich dachte mir, ich versüße mir den Abend mit ein bisschen Würfeln, aber ich muss gestehen, die Gesellschaft verspricht gerade deutlich besser zu werden.“</I> Er sah bei diesen Worten über Liams Schulter hinweg zu dem Tisch, an dem er bis vor Kurzem gesessen hatte und an dem einer seiner beiden Spielpartner soeben ein Messer zückte, um es seinem Gegenüber drohend ans Kinn zu halten. <i>„Und ich glaube, die vermissen mich nicht“</i>, schloss der Dunkelhaarige. <i>„Wenn ihr nichts dagegen habt, schließe ich mich euch an? Und begleiche meine Schuld bei unserer holden Navigatorin…“</i></font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Liam öffnete den Mund, schloss ihn aber unverrichteter Dinge wieder, weil er sich nicht sicher war, ob er sich an dieser Diskussion wirklich beteiligen wollte. Auf Lucs Vermutung hin wog er lediglich nichtssagend den Kopf zur Seite. Er hätte sich sicherlich auch anders zu beschäftigen gewusst, war sich nur nicht sicher, ob ihnen solche Aktionen an einem Ort wie diesem eher Ärger oder Geld einbrachten. Würfelspiele waren es also, die ihren Captain hierhergeführt hatten. <i>„Und ich hoffe, du trinkst auf deine Siege und nicht auf deine Niederlagen.“</i>, hakte mit einem Lächeln nach und folgte Lucs Blick kurz über seine Schulter hin zu einem Tisch mit Kerlen, die man mögen musste, wenn man mit ihnen Zeit verbrachte. Scheinbar jedenfalls erkor sie der junge Captain als doch deutlich bessere Gesellschaft aus – jedenfalls bezweifelte Liam, dass seine Entscheidung nur auf der Forderung Shanayas beruhte, die eine Entschädigung verlangte. <i>„Ja, schätze, deine Freunde haben gerade Besseres zu tun.“</i> Außerdem würde vermutlich niemand merken, dass Luc weg war, wenn sie genauso angetrunken waren wie er. <i>„Verräterin.“</i>, zischte er Shanaya indes schmunzelnd entgegen, nachdem sie sein Freigetränk so bereitwillig aufgegeben hatte, während er Luc zum nächsten freien Tisch folgte. <i>„Konntest du Trevor inzwischen verspielen?“</i> Liam lächelte. Dass Luc kein sonderlicher Fan ihres kleinen Glückspilz war, war ein offenes Geheimnis. Trotzdem zweifelte er ehrlich daran, dass er so weit gehen würde.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Luciens Antwort entlockte Shanaya ein weiteres Lachen – was hatte sie anderes erwartet? So galt dem Dunkelhaarigen ein vielsagendes Grinsen, ehe sich die blauen Augen zu Liam herum wandte, der dazu… lieber gar nichts sagte. Womöglich die beste Wahl. Auch ihm galt ein amüsierter Blick, bevor sie die Augen noch einmal suchend schweifen ließ. Das war inzwischen zu einer Gewohnheit geworden. Nur, um sicher zu gehen. Während Lucien verriet, was genau er hier tat, seiner Laune nach zu urteilen ging Shanaya davon aus, dass das Würfelglück ihm hold war, blickte sie sich um Schankraum um, hatte so auch kurz die beiden Männer im Blick, mit denen Lucien sich wohl bisher beschäftigt hatte. Gegen die Gesellschaft ihres Captains hatten sie vermutlich beide nichts – zumindest zweifelte Shanaya daran. Der einzige Knackpunkt war das Gespräch, dass sie kurz zuvor mit Liam geführt hatte. Über eben genau diesen Captain.<br />
Schließlich setzte sich die junge Frau in Bewegung, warf Lucien einen zufriedenen Blick zu – immerhin wollte er das Schlamassel wieder gut machen, das war ja auch das Mindeste! Liams kleiner Vorwurf ließ sie dann eine theatralische Miene aufsetzen, mit der sie den Lockenkopf bedachte. <i>„Ich kann dir gern meine Bluse geben, damit du die Last trägst, rum zulaufen, als hättest du irgendjemanden umgebracht.“</i> Sie hielt diese Miene nur einen Moment aufrecht, grinste dann wieder über Liams Idee, Trevor bei einem Würfelspiel los zu werden. Mehr sagte sie dazu erst einmal nicht, ließ sich dann nur auf einen der Stühle an einem freien Tisch sinken. Kaum saß sie, fuhr sie mit einer Fingerspitze kurz über ihre Zunge, um dann den klebrigen Alkohol von ihrer Haut zu reiben. <i>„Kannst du das Essen hier empfehlen? Ich verhungere.“</i> Ein kurzer Blick galt Lucien, ehe sie sich wieder ihrem Bauch zu wandte, die letzten Spuren des Alkohols zu entfernen.</font><br />
<br />
<font color=#458B74>Liam enthielt sich jeden Kommentars zu dem kurzen Geplänkel und Lucien selbst widmete dem Ganzen ebenfalls keine weiteren Gedanken. Diese Art der Neckerei zwischen ihm und der jungen Navigatorin war inzwischen so selbstverständlich, dass es ihn viel eher ins Grübeln brachte, wenn sie ausblieben. <br />
Er schenkte dem Lockenkopf auf dessen anschließende Frage also nur ein verschmitztes Schmunzeln und zuckte flüchtig mit den Schultern. <i>„Auf beides. Wäre doch eine Schande, sich einen Anlass entgehen zu lassen.“</i> Wie um seine Worte zu unterstreichen, genehmigte sich der Dunkelhaarige noch einen Schluck, und während sie zu dritt einen der freien Tische ansteuerten, beobachtete er mit amüsiertem Blick über den Gefäßrand hinweg den Austausch seiner beiden Gefährten. Als sie ihre Plätze erreichten, machte Lucien zunächst keine Anstalten, sich zu setzen, sondern stabilisierte lediglich mit einer Hand auf der Tischplatte seinen leicht unsicheren Stand. <i>„Verdammt, Liam. Wo bist du vor einer halben Stunde gewesen?“</i>, erwiderte er halb enttäuscht, halb belustigt. <i>„Aber ich wette, er hätte seinen Weg zu uns zurück gefunden, noch ehe die Nacht rum ist. Nur, um mich zu nerven.“</i> Trotz seiner nach wie vor guten Laune klang er bei dieser Prognose knurriger als sonst. Doch auch das verflog, als er seinen Krug auf dem Tisch abstellte und die Augen wieder auf die Schwarzhaarige richtete. <i>„Oh, nein. Definitiv nicht. Und es gibt auch nur Brot und gebratenes Fleisch. Aber es macht satt. Wünscht Eure Hoheit Portwein oder Rum dazu?“</i> Mit Belustigung in den Augen ließ er den Blick noch einen Moment auf ihr ruhen, bevor er zu Liam hinüber sah und ihm stumm die gleiche Frage stellte. Nur etwas weniger spöttisch vielleicht.</font><br />
<br />
<font color=#6C7B8B>Gesunde Einstellung, wie er fand. Liam schmunzelte und nickte überzeugt. Wenn ihm dabei allerdings entfiel, was er wirklich verspielen wollte, sollte Lucien diese Vorgehensweise noch einmal überdenken. Ob sie tatsächlich nur um Gold gespielt hatten? Liam mischte sich zu ungerne in Angelegenheiten anderer ein, als dass er gefragt hätte. Vielleicht dachte ihr Captain ja nächstes Mal daran, Arbeitskraft aufs Spiel zu setzen. Er jedenfalls hoffte es nicht für Trevor. Denn der junge Scovell wäre mit Sicherheit der erste Kandidat. <i>„Dann hättest du ihn noch mal verspielen können.“</i>, erinnerte er Lucien mit einem kurzen Zucken der Schulter. Kam er da tatsächlich nicht drauf? So ließ sich mit Sicherheit gut unehrenhaft Geld machen. Shanayas Seitenhieb begegnete er mit einem kurzen Auflachen, rümpfte dann allerdings unbegeistert die Nase. <i>„Wir können’s gerne probieren, aber ich fürchte, deine Bluse passt mir nicht.“</i> Die Schultern zu breit, die Oberarme etwas breiter, die Chance war wirklich gering. Ansonsten hätte Liam kein großes Problem damit gehabt – weder mit der Bluse noch mit dem Portwein. <i>„Rum.“</I> Liams Antwort war just in dem Moment gekommen, in dem Luc den Blick von Shanaya gelöst hatte. ‚Eure Hoheit‘ gefiel ihm an diesem Abend – in erster Linie, weil es bedeutete, dass er Rum gebracht bekam. Auch, wenn Shanaya gemeint gewesen war.</font><br />
<br />
<font color=royalblue>Während Shanaya die letzten Reste des Portweines von ihrer Haut schrubbte, lauschte sie dem Gespräch der beiden Männer über Trevor. Sie war da ganz auf Luciens Seite – und ihn bei irgendeinem Spiel zu verspielen klang ziemlich verlockend. Als Liam ihr antwortete, hob sie den blauen Blick, grinste ihm amüsiert entgegen. <i>„Musst ein bisschen abnehmen, hm? Bist schon ein bisschen speckig geworden...“</i> Dass es andere, viel offensichtlichere Gründe gab, wieso ihre Kleidung Liam viel zu klein sein würde ließ sie Mal außer Acht, ließ die Augen dabei prüfend an Liam hinab wandern. Die Schwarzhaarige grinste dabei gut gelaunt vor sich hin, richtete ihre Aufmerksamkeit dann mit einem Seufzen zu ihrem Captain herum. Es machte satt… na immerhin. Sie hatte irgendwie nichts anderes erwartet. Luciens weitere Worte entlockten ihr dann aber wieder ein Lachen und Shanaya reckte das Kinn ein wenig nach oben. Da hatte er ja nochmal Glück gehabt. ‚Hoheit‘ ließ sie ihm noch durchgehen. <i>„Das, was der Pöbel mir empfehlen würde.“</i> Liam war da genauer, aber diese Vorlage hatte sie nutzen müssen, was auch in dem Ausdruck ihrer blauen Augen lag.</font><br />
<br />
<font color=#458B74>Lucien tippte sich mit dem Zeigefinger flüchtig gegen die Stirn und verzog bedauernd die Mundwinkel. Eine Geste, die eindeutig sagte, dass er darauf auch hätte selbst kommen können - es dummerweise aber nicht war. Vielleicht doch zu viel Alkohol. Oder ein kleiner Funke Loyalität und Ehrgefühl gegenüber seiner Crew, die ihm unlautere Maßnahmen gegen Trevor tief im Inneren seines Herzens verboten. Schade. <i>„Das nächste Mal“</i>, beteuerte er, wenn auch in dem Wissen, dass er es wohl doch nie tun würde. Dann kehrte sein gut gelauntes Schmunzeln auch schon zurück. Er warf Shanaya einen kurzen, amüsierten Blick zu - ihre Reaktion über seine überzogene Anrede zur Kenntnis nehmend - klopfte dann beiläufig mit den Fingerknöcheln auf die Tischplatte und wandte sich halb ab, um alle drei mit den kulinarischen Köstlichkeiten zu versorgen, die die edle Küche hier im Angebot hatte. Seinen Weinkrug ließ er getrost bei den beiden stehen. <i>„Macht‘s euch gemütlich und ich sehe mal, was ich schönes für uns organisieren kann.“</i> </font><br />
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<font color=#6C7B8B>Mit einem gespielten Schmollen trommelte sich Liam auf die nicht vorhandene Wampe, musterte sie von oben, ehe er wieder zu Shanaya aufsah, die damit beschäftigt war, ihre Bluse zu säubern. <i>„Findest du?“</i>, hakte er noch einmal nach. <i>„Dann muss ich die Fresstouren mit dir wohl ausfallen lassen.“</i> Wie wahr Lucien den inneren Wunsch tatsächlich machen würde, Trevor an irgendein Gesindel zu verkaufen, würde die Zukunft zeigen. Jetzt erstmal erhob er sich, um ihnen etwas zu trinken zu bringen, auch wenn Liam vermutete, dass sie nicht ganz so voll hier ankommen würden, wie sie bestellt wurden – einen gebrachten Rum verschmähte man dennoch nicht, selbst wenn es bloß noch ein Schluck war. <i>„Alles okay bei dir?“</i>, wandte er sich dann leise an Shanaya, als sich ihr Captain sich entfernt hatte. Es war nüchtern ausgesprochen und zeugte davon, dass ihm ein ‚ja‘ oder ‚nein‘ vollkommen gereicht hätte. Er wusste um die <i>komplizierte</i> Situation, würde sich aber nicht einmischen. Einen Weg finden, schnell wieder mit ihr zu verschwinden war das Höchste der Gefühle – aber er bezweifelte, dass die Dunkelhaarige das wollte. Jetzt, wo sie bereits in Luciens Umlaufbahn gestrandet war. </font><br />
<br />
<font color=royalblue>Shanaya grinste Liam amüsiert an, wog den Kopf dabei leicht von einer zur anderen Seite, antwortete dann mit einem leisen Lachen in der Stimme. <i>„Das ist okay. Ich schaffe das auch allein.“</i> Eine Augenbraue der jungen Frau zuckte amüsiert in die Höhe, musterte den Lockenkopf noch einen Moment, ehe sie sich mit einem Lächeln und einem sachten Nicken wieder Lucien zu wandte, der sich nun aufmachte, um seine Schuld zu begleichen. Wieso konnte das nicht immer so funktionieren? Dafür lief sie nun mit Blutspritzern auf der Bluse herum. Störte sie nicht groß – und dass das in Wirklichkeit Portwein und kein Blut war musste auch niemand wissen. Liams Frage ließ sie dann im ersten Moment etwas verwirrt blinzeln. Wieso fragte er… oh. Ja. In den blauen Augen blitze Verstehen auf, als sie sich Luciens Krug zuwandte, sich daraus zwei Schlücke genehmigte und ihn dann wieder ganz brav zurück stellte. <i>„Könnte fast nicht besser sein. Wenn da nicht dieser Hunger wäre...“</i> Und das war nicht einmal gelogen, beides nicht. Es ging ihr gut, außer der Hunger, der bei ihr aber nun einmal eigentlich auch irgendwie ein Dauerzustand war. Die Frage ihres Gegenübers ließ ihre Gedanken jedoch automatisch zu ihrem Gespräch zurück wandern. Zu Worten, die wahrer wohl nicht hätten sein können – und sie trotzdem verwirrten, verunsicherten. <i>„Immerhin bin ich doch in bester Gesellschaft.“</i> Wieder galt dem Lockenkopf ein ehrliches Lächeln. </font><br />
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<font color=#458B74>Er ließ die beiden samt seines angebrochenen Weinkrugs am Tisch zurück und bahnte sich wie schon Augenblicke zuvor in Schlangenlinien einen Weg zur Theke zurück. Der Gang einerseits dem herumstehenden Mobiliar geschuldet, andererseits unzweifelhaft dem steigenden Alkoholpegel in seinem Blut. Beides tangierte ihn in diesem Fall wenig, wörtlich wie im übertragenen Sinne. Ohne den Unmut eines anderen Gastes zu erregen, erreichte er die Theke und bestellte nach einem gebrummten <i>„Warst du nicht eben schon mal hier, Junge? Na, mir soll’s egal sein.“</i> drei Krüge Rum und gebratenes Fleisch mit Brot. Gold und Alkohol wechselten die Besitzer und zumindest mit dem ersten Teil des verlangten Proviants machte Lucien sich auf den Rückweg. Und vielleicht weil ihm die leise Unsicherheit in seinem Gang einen gewissen Geländevorteil verlieh, schaffte er den hindernisreichen Weg zum Tisch ohne mehr als einen Schluck aus den drei Krügen einzubüßen. Mit einem leisen Klonk stellte er je eins der Trinkgefäße vor Liam und Shanaya ab und behielt das dritte selbst. Dann zog er den letzten freien Stuhl so zu sich heran, dass er sich rittlings mit der Lehne zum Tisch gerichtet darauf fallen lassen konnte. <i>„So, meine Freunde. Es fließt der Wein, es fließt das Bier, hoch die Krüge trinken wir!“</i>, prostete er den beiden mit einer leisen Melodie im Unterton gut gelaunt zu und sah Shanaya daraufhin mit einem halb amüsierten, halb ehrlich entschuldigenden Lächeln an. <i>„Das mit der Bluse tut mir übrigens Leid. Ich hoffe, du akzeptierst meine aufrichtige Entschuldigung!“</i></font>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Who needs keys?]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1197</link>
			<pubDate>Sat, 06 May 2023 20:38:25 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=4">Shanaya Árashi</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1197</guid>
			<description><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Who needs keys?</div>
<br />
<font size=1>Nachmittag des 01. Juli 1822 <br />
Alex Mason & Shanaya Árashi </font></center><br />
<blockquote><div class="Shanaya">Das Gespräch mit Tarón hatte Shanaya aufgewühlt, Mal wieder. Irgendwie schafften das inzwischen zu viele. Und ständig war das Ganze auf den selben Kern zurück zu führen. Immerhin hatte sie dieses Mal schnell ein wenig Ablenkung gefunden. Mit einem gut gefüllten Beutel hatte die Schwarzhaarige sich aufgemacht, war über den Markt geschlendert, ohne jedoch irgendein genaues Ziel zu haben. Zuerst schien keiner der Stände irgendetwas interessantes zu präsentieren, nicht einmal die Stände, an denen sie sonst Stunden hätte verbringen können, lockten heute das Interesse der Schwarzhaarigen hervor. Irgendwann hatte sie sich also an einem Brunnen nieder gelassen, ihre blauen Augen waren den vorbei laufenden Menschen gefolgt. Kinder, Frauen, die mit Einkäufen nach Hause eilten. Paare, die sich verliebt anhimmelten, ältere Menschen, die sich von dem Gewusel um sie herum nicht stressen ließen. Und mittendrin saß sie auf dem Boden, mit dem Rücken an den Brunnen gelehnt, der leise plätscherte. <br />
Eine ganze Weile verharrte sie dort, bis der Tatendrang sie aufstehen ließ, die Glieder einmal in die Luft streckend. Ihr nächstes Ziel war ein Stand mit… Kram. Auf den ersten Blick schien dieser ältere Mann alles mögliche anzubieten. Vasen, Kerzenständer, Kerzen, andere, metallische Dinge die irgendwie schwer nach Folterwerkzeugen aussahen. Nichts spannendes, bis die blauen Augen auf eine kleine Truhe fielen, die etwas versteckt am hinteren Rand des Tisches versteckt stand. Rote Farbe blätterte von der kleinen Schatulle, sie sah alles andere als wertvoll aus, auch wenn sie mit kleinen Blumen verziert war. Und so wechselte sie für sehr wenig Geld den Besitzer, einen Schlüssel hatte er ihr dafür jedoch nicht geben können. Aber wie schwer sollte es schon sein, dieses kleine Ding aufzuknacken? <br />
Zuversichtlich trug die junge Frau die Beute in eine verwinkelte Gasse, abgeschirmt vom Rest der Straßen. Hier hatte sie ihre Ruhe, stellte die kleine Truhe auf einer der Kisten ab, die hier standen, und betrachtete sie aufmerksam. Nur zwei Herzschläge, ehe sie ihren Dolch zog, ihn ruhig zwischen die Holzscheite schob und versuchte, die Kiste aufzuhebeln. Es knackte leise, aber nicht so, als hätte sie ihr Ziel erreicht. Ihr Bemühen wurde forscher, fester. Aber weder das Schloss noch das Holz gaben nach. Als nächstes schlug sie ein paar Mal mit dem Knauf des Dolches gegen das Schloss, aber außer einem metallischen Klirren tat sich nichts. Sie hatte dieses Ding unterschätzt, die fünf Minuten, die sie dafür eingeplant hatte, waren längst verstrichen. Ein letzter Versuch folgte, in dem Shanaya die Kiste einfach auf den Boden warf. Vielleicht half ja rohe Gewalt. Es klapperte, ihr Fuß, der dann auf die Kiste hinab schnellte, änderte aber nichts an der Situation. Also hob die junge Frau die Beute mit einem leisen, genervten Brummen auf und betrachtete das Holz noch einen Moment. Ein Atemzug und das Ding flog im hohen Bogen durch die Luft. Statt jedoch gegen die Hauswand zu prallen, die Shanaya anvisiert hatte, flog dieses verdammte Ding ein ganzes Stück weiter nach rechts – zurück in die Gasse, aus der sie gekommen war. Den Wurfarm noch erhoben erstarrte die Schwarzhaarige in ihrer Bewegung, blinzelte, als sie den Lockenkopf erkannte, der sich zu ihr gesellt hatte. Statt jedoch etwas zu sagen, blickte sie ihn nur aus blauen Augen an, verengte diese leicht, bevor der geplante Fluch ihre Lippen verlassen konnte.</div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><link href='https://fonts.googleapis.com/css?family=Tangerine' rel='stylesheet' type='text/css'>
<div style="font-family: 'Tangerine'; color: black; font-size: 52px; LINE-HEIGHT: 0px">Who needs keys?</div>
<br />
<font size=1>Nachmittag des 01. Juli 1822 <br />
Alex Mason & Shanaya Árashi </font></center><br />
<blockquote><div class="Shanaya">Das Gespräch mit Tarón hatte Shanaya aufgewühlt, Mal wieder. Irgendwie schafften das inzwischen zu viele. Und ständig war das Ganze auf den selben Kern zurück zu führen. Immerhin hatte sie dieses Mal schnell ein wenig Ablenkung gefunden. Mit einem gut gefüllten Beutel hatte die Schwarzhaarige sich aufgemacht, war über den Markt geschlendert, ohne jedoch irgendein genaues Ziel zu haben. Zuerst schien keiner der Stände irgendetwas interessantes zu präsentieren, nicht einmal die Stände, an denen sie sonst Stunden hätte verbringen können, lockten heute das Interesse der Schwarzhaarigen hervor. Irgendwann hatte sie sich also an einem Brunnen nieder gelassen, ihre blauen Augen waren den vorbei laufenden Menschen gefolgt. Kinder, Frauen, die mit Einkäufen nach Hause eilten. Paare, die sich verliebt anhimmelten, ältere Menschen, die sich von dem Gewusel um sie herum nicht stressen ließen. Und mittendrin saß sie auf dem Boden, mit dem Rücken an den Brunnen gelehnt, der leise plätscherte. <br />
Eine ganze Weile verharrte sie dort, bis der Tatendrang sie aufstehen ließ, die Glieder einmal in die Luft streckend. Ihr nächstes Ziel war ein Stand mit… Kram. Auf den ersten Blick schien dieser ältere Mann alles mögliche anzubieten. Vasen, Kerzenständer, Kerzen, andere, metallische Dinge die irgendwie schwer nach Folterwerkzeugen aussahen. Nichts spannendes, bis die blauen Augen auf eine kleine Truhe fielen, die etwas versteckt am hinteren Rand des Tisches versteckt stand. Rote Farbe blätterte von der kleinen Schatulle, sie sah alles andere als wertvoll aus, auch wenn sie mit kleinen Blumen verziert war. Und so wechselte sie für sehr wenig Geld den Besitzer, einen Schlüssel hatte er ihr dafür jedoch nicht geben können. Aber wie schwer sollte es schon sein, dieses kleine Ding aufzuknacken? <br />
Zuversichtlich trug die junge Frau die Beute in eine verwinkelte Gasse, abgeschirmt vom Rest der Straßen. Hier hatte sie ihre Ruhe, stellte die kleine Truhe auf einer der Kisten ab, die hier standen, und betrachtete sie aufmerksam. Nur zwei Herzschläge, ehe sie ihren Dolch zog, ihn ruhig zwischen die Holzscheite schob und versuchte, die Kiste aufzuhebeln. Es knackte leise, aber nicht so, als hätte sie ihr Ziel erreicht. Ihr Bemühen wurde forscher, fester. Aber weder das Schloss noch das Holz gaben nach. Als nächstes schlug sie ein paar Mal mit dem Knauf des Dolches gegen das Schloss, aber außer einem metallischen Klirren tat sich nichts. Sie hatte dieses Ding unterschätzt, die fünf Minuten, die sie dafür eingeplant hatte, waren längst verstrichen. Ein letzter Versuch folgte, in dem Shanaya die Kiste einfach auf den Boden warf. Vielleicht half ja rohe Gewalt. Es klapperte, ihr Fuß, der dann auf die Kiste hinab schnellte, änderte aber nichts an der Situation. Also hob die junge Frau die Beute mit einem leisen, genervten Brummen auf und betrachtete das Holz noch einen Moment. Ein Atemzug und das Ding flog im hohen Bogen durch die Luft. Statt jedoch gegen die Hauswand zu prallen, die Shanaya anvisiert hatte, flog dieses verdammte Ding ein ganzes Stück weiter nach rechts – zurück in die Gasse, aus der sie gekommen war. Den Wurfarm noch erhoben erstarrte die Schwarzhaarige in ihrer Bewegung, blinzelte, als sie den Lockenkopf erkannte, der sich zu ihr gesellt hatte. Statt jedoch etwas zu sagen, blickte sie ihn nur aus blauen Augen an, verengte diese leicht, bevor der geplante Fluch ihre Lippen verlassen konnte.</div></blockquote>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Sui generis]]></title>
			<link>https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1194</link>
			<pubDate>Tue, 11 Apr 2023 14:08:22 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://inselwelten.crux-mundi.de/member.php?action=profile&uid=59">Jón Nóason</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://inselwelten.crux-mundi.de/showthread.php?tid=1194</guid>
			<description><![CDATA[<blockquote><div class="Jón">Jón war erst seit ein paar Tagen bei der Crew und hatte sich Mühe gegeben, die meisten zumindest zu einem minimalen Ausmaß kennenzulernen -- außer natürlich die, die so gewirkt hatten, als hätten sie überhaupt keinen Bock ihn kennenzulernen. Aber kam vielleicht noch. Immerhin hatten sie gerade ordentlich was hinter sich: Agressive Epogryphen, ein halb untergegangenes, im besten Fall verrostetes Schiff  -- putzen helfen durfte er ja auch schon; unbeliebt hatte er sich damit bestimmt nicht gemacht -- und er war noch auf der gegnerischen Seite gewesen. Aber Jón selbst hatte das Gefühl, dass er alles gut hatte Sacken lassen können. Außerdem war Rúnar da. Etwas Besseres hätte wohl nicht passieren können.<br />
<br />
Besonders angetan hatte es ihm aber Soula. Oder besser gesagt: ihr Kräuterlexikon. Nicht sie selbst -- nicht auf diese Art. In erster Linie Soula im Zusammenhang mit ihrem Kräuterlexikon. Sie hatte es oben an Deck gelesen. Jón hatte im Vorbeigehen einen Blick auf das Buch erhascht und Pflanzenillustrationen gesehen -- und Soula sofort in ein Gespräch verwickelt. Es hatte sich herausgestellt, dass er sich besser mit exotischen Pflanzen und deren Klassifizierung und Vorkommen auskannte und Soula sich besser mit Kräutern und deren Nutzen auskannte, aber Pflanzen waren Pflanzen. Also waren sie im Moment auf einem Markt um sich nach tatsächlichen Kräutern umzusehen.</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Soula">Wie genau sie jetzt vor den Vögeln geflohen waren und das überleben konnten, war der Veniel immer noch ein Rätsel. Nein, eigentlich war es kein Rätsel, es war viel mehr ein Wunder und wenn eine Crew so viel Glück hatte, warum sollte sie dann nicht bei ihnen bleiben? Die Nacht nach dem kleinen Abenteuer hatte sie nicht geschlafen und nachdem sie sich endlich mal entspannen und konzentrieren konnte, hatte Soula die Tage danach auch endlich mal wieder nach ihren Büchern gegriffen. Dabei wurde sie von Jón angesprochen, der großes Interesse an Pflanzen zu haben schien. Mit ihm konnte sie sich tatsächlich recht gut austauschen und deswegen war es wohl nicht verwunderlich, dass sie in Ritu zusammen auf Pflanzenjagd gingen. Also, sie warfen hierbei erst mal einen Blick darauf, was der Markt so zu bieten hatte. Die nächste Bibliothek wollte sie ebenfalls noch aufsuchen. Sie hatte eine richtige To-Do-Liste, was sie hier alles erledigen wollte. Soula war nicht der Typ dafür, der wild Geld ausgab, sie wollte sich zuerst einen Überblick verschaffen und dann effizient ihr Geld aus dem Fenster werfen. Sie fand, dass das ein ziemlich guter Plan war, dafür, dass sie ihr Geld sonst gerne Kartenspielern in den Rachen geworfen hatte. ‚Ihr Geld‘… noch so eine Lüge.<br />
Ihr Buch hatte sie als Nachschlagewerk in der Tasche, um die Namen, die sie nicht kannte, eventuell zuordnen zu können. Jede Insel hatte so ihre ganz eigenen Spezialitäten und vielleicht würden sich die beiden auch hier noch weiter austauschen können. Einige Notizen von den Dingen, die Jón gesagt hatte, fanden bereits Platz in ihren Aufschrieben. <i>„Hast du dich inzwischen gut eingelebt?“</i>, fragte sie den Älteren, der kaum mehr als ein paar Tage nach ihr der Crew beigetreten war. Soula war noch weit weg davon zu behaupten, dass sie sich gut eingelebt hatte, auch wenn sie bereits einige Bekanntschaften gemacht hatte. Mindestens zwei davon waren ihr negativ in Erinnerung geblieben. An einem Stand blieb sie stehen, nahm eines der Gläser in die Hand und öffnete es, um daran zu riechen. Anschließend drückte sie es Jón in die Hand. <i>„Das ist Juniperus“</i>, meinte sie. <i>„Kennst du das? Es ist schmerzlindernd und…“</i>, Soula beugte sich zu ihm rüber, <i>„manche behaupten, dass es gegen Dämonen schützt“</i>, flüsterte sie ihm zu und zuckte dann mit den Schultern. Aberglaube gab es in jeder Form.</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Jón">Jón schlenderte neben Soula her und betrachtete die Angebote. Stoffe, Schuhe, dann Fisch, Früchte, ...<br />
<br />
<i>"Ich muss zugeben, dass ich gar nicht vorhatte mich irgendwo richtig einzuleben"</i>, sagte er. <i>"Ich hatte eigentlich vor, erstmal nur herumzureisen -- sehen wo es mich hinverschlägt. Obwohl ich wusste, dass Rúnar auf einem Schiff mit roten Segeln unterwegs war."</i> Er machte eine wegwerfende Geste. <i>"Hätte ich lange nach einem Handelsschiff suchen können, dass diese Farbe trägt."</i> Er lachte leise. <i>"Dass ich Rúnar gefunden habe ändert das ganze natürlich noch ein wenig. Ich muss mich erstmal wieder daran gewöhnen, mich ... na ja ... an etwas zu gewöhnen. Einen festen Wohnort. So fest, wie ein Schiff nunmal ist."</i><br />
<br />
Dann kamen sie an einen Kräuterstand. <i>"Oh"</i>, machte Jón neugierig, als Soula sich sofort dem Angebot zuwandte. Sie gab ihm ein Gläschen in die Hand. Er roch daran. <i>"Juniperus?"</i> Roch nochmals. Es kam ihm durchaus bekannt vor. <br />
<br />
Soula beugte sich zu ihm herüber und er musste auflachen, als sie ihm bewusst mysteriös einflüsterte, was das Kraut noch bewirken sollte. Aber er war nicht abergläubisch. Zumindest nicht, was Dämonen anging. Nicht ganz ...<br />
<br />
Er roch nochmal an dem Glas. <i>"Kennst du den Trivialnamen? Es kommt mir so bekannt vor."</i></div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Soula">Dass Jón schon jemanden aus der Crew kannte, war ziemlich überraschend. Soula schätzte die Wahrscheinlichkeit jemanden auf See zu kennen, als überaus gering ein. Aber nur, weil ihr eigenes Empfinden so war, hieß es noch lange nicht, dass es nicht anders sein konnte. Soula glaubte eher, dass sie einen Menschen, den sie auf einer Insel kennenlernte und die sie dann verließ, nie wieder sehen würde. Dennoch passierte es. <i>„Ich dachte immer, dass es unmöglich ist, jemanden auf See zu finden oder ‚wiederzufinden‘. Wann habt ihr euch das letzte Mal gesehen, Rúnar und du?“</i> Lautlos lachte sie über Jóns Worte, dass er gar nicht vorgehabt hatte, sich irgendwo einzuleben. Tja, das hatte sie auch nicht vorgehabt. Eigentlich, wollte sie nur eine stille Mitreisende sein, aber bis jetzt war sie sowieso noch nicht weit genug weg. Demnach war sie schon gewillt sich an das Leben an Deck zu gewöhnen, auch wenn es ihr wirklich schwerfiel. <br />
<br />
<i>„Hmm, ich glaube so viele Schiffe mit roten Segeln gibt es nicht, oder?“</i> Nicht, dass Soula da super viele Erfahrungen hatte, aber der Standard sagte etwas anderes. Jón sprach ihr ziemlich aus der Seele, denn auch für sie war die Sphinx noch lange kein zu Hause. <i>„Ich tue mir auch schwer damit, die Sphinx als festen Wohnort anzusehen.“</i> Soula zuckte mit den Schultern. Schon alleine an ihrer Aussprache war zu erkennen, dass sie gelernt hatte, mit der Sprache umzugehen und somit kein Straßenkind war. Es war zwar eher der niedere Adel, dem sich die Veniels zuschrieben, aber auch da gab es eine gewisse Etikette. Besonders, weil man am besten in den höheren Adel einheiraten sollte.<br />
Es war amüsant, wie viel Aberglaube die Menschheit in die kleinsten Dinge steckten. Jón schien daran ebenso wenig zu glauben wie sie und das ließ Soula schmunzeln. <i>„Aha! Du glaubst an so etwas also nicht? Woran glaubst du dann?“</i> Es gab so viele Dinge, an die man glauben oder nicht glauben konnte. Demnach stand es Jón nun frei, ihr von Gott und der Welt zu erzählen, wenn er das wollte. <i>„Das ist Wacholder und eigentlich auch recht verbreitet, soweit ich weiß“</i>, antwortete sie und lächelte.</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Jón">Jón seufzte, aber mit einem seligen Lächeln. Er musste sich immer noch jeden Tag aufs neue klar machen, dass er einfach nur ein paar Schritte gehen musste und dann bei Rúnar war. Es war ihm schon arg gewesen, als Rúnar nach seinem Vater zu suchen begonnen hatte und nur noch alle paar Wochen kurz zurückgekehrt war -- aber als er dann verschwand ...*<br />
<br />
*Da Jón das so an sich hatte, war er recht schnell darüber hinweggekommen, dass er Rúnar womöglich nie wieder sehen würde. Zumindest hatte er sich entschieden, sich nicht mit dem Gedanken zu beschäftigen was wäre, wenn er ihn nie wieder sehen würde. <br />
<br />
<i>"Ein Jahr ungefähr?"</i>, sagte Jón, immer noch dasselbe Lächeln auf den Lippen, der Ton seiner Stimme jedoch etwas ernster. <i>"Klingt nicht nach viel an sich, aber wenn man die restlichen zwanzig Jahre jeden Tag miteinander verbracht hat, dann macht das schon etwas aus."</i><br />
<br />
Schiffe mit roten Segeln. Jón zuckte die Schultern. Er war nicht extrem viel herumgekommen, aber doch genug -- und tatsächlich hatte er nie ein Schiff mit roten Segeln gesehen. Na ja.<br />
<br />
Er hatte sich schlicht keine Gedanken darüber gemacht.<br />
Und das er nicht daran glaubte-- <i>"Das habe ich nicht behauptet"</i>, witzelte er. Es war kompliziert. Er war nie sonderlich gläubig gewesen, aber irgendwie doch? Irgendwie existierten die Götter -- aber mehr in der Geschichte und den Köpfen seiner Landsleute, als in Wirklichkeit? Das hieß also: ja, sie existierten, aber wer beeinflusste das Ausmaß ihrer Wirkungsmacht -- die, die daran glaubten oder die Götter selbst -- wenn sie nicht nur dadurch existierten, dass man an sie glaubte? Und dass Rúnar einer Legende hinterherjagte, war ein Wespennest, in das Jón sich noch nicht zu stechen gewagt hatte. Er hatte damals einen unglaublichen Drang gehabt, Rúnar davon abzuhalten, ihm zu sagen, was das für eine unglaubliche Schnapsidee war. Aber er hatte es nicht fertig gebracht. Vielleicht glaubte Jón nicht an Svavar -- aber Rúnar glaubte an Svavar und Jón glaubte Rúnar.<br />
<br />
Er führte das Gläschen nochmal unter seiner Nase vorbei und atmete das Aroma ein. <i>"Ach ja -- daraus macht man ja auch Gin."</i></div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Soula">Bisher hatte Soula nicht wirklich viel über die Vergangenheit der beiden in Erfahrung gebracht. Es war nicht so, dass sie nicht neugierig war. Allerdings hütete sie sich auch beide danach auszufragen. Allerdings glaubte sie, dass jetzt, da sie in Zweisamkeit verbrachten, Nachfragen schon erlaubt war. <i>„Hast du ihn aktiv gesucht gehabt? Oder war das mehr Zufall?“</i> Es war Soula nicht fremd, dass man eine Person vermissen konnte, die man lange kannte. Es erinnerte sie ein wenig an ihre Mutter, die schon lange gestorben war. Für manche schien der Vergleich vielleicht etwas extrem zu sein, aber immerhin war sie für Soula auch plötzlich weg gewesen und hatte ein tiefes Loch hinterlassen. Wie man sich in so einer Situation fühlte, war jedem selbst überlassen. Ebenso, wenn man einen engen Vertrauten plötzlich nicht mehr an seiner Seite hatte. Deswegen zog Soula dabei einen Vergleich, da das Vermissen für sie ähnlich erschien. <i>„Nein, ich verstehe das“</i>, meinte sie und sah Jón direkt an. <i>„Das kommt immer drauf an, wie man selbst fühlt und das ist in jeder Hinsicht okay“</i>, meinte sie und hob langsam die Schultern, um sie ebenso langsam wieder herunter zu lassen. <i>„Planst du bei uns zu bleiben?“</i> - Bei uns… Soula war sich selbst noch nicht sicher, in wie weit sie noch dabei bleiben wollte. Auf jeden Fall noch eine Insel oder zwei? Eigentlich war das leider auch gar nicht mehr so wichtig, denn egal wo sie landete, sie würde sich ein neues Leben aufbauen müssen.<br />
<br />
In Bezug auf den Aberglauben, offenbarte Jón nun doch nochmal, dass er abergläubisch war. Offenbar nur in einer völlig anderen Hinsicht.<br />
Es gab die unterschiedlichsten Gebiete für einen Aberglauben und er hatte Soula damit wirklich neugierig gemacht. Sie sah Jón an und verbarg ihre Neugierde auch sicher nicht. Allerdings… erzählte er nicht weiter und wenn Soulas Blick nicht ausreichte, dass er ihr mehr berichten wollte, würde sie auch nicht nachfragen. Der Aberglaube von Menschen war etwas äußerst persönliches und davor hatte sie Respekt.<br />
<br />
Ihr entfuhr ein leises Lachen, als Jón von Gin sprach. <i>„Alkohol ist deine erste Assoziation damit? Ich bin beeindruckt.“</i> War sie nicht wirklich, immerhin war Jón ein Kerl und die tranken im Normalfall gerne und auch viel!</div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Jón">Jóns Gedanken stockten erstmal. Hatte er aktiv nach Rúnar gesucht? Er konnte das noch nicht einmal klar beantworten.* <i>"Ich schätze schon?"</i> Er sah in das Glas mit dem Wacholder, schüttelte es ein wenig, als könnte er damit seine Gedanken aufschütteln und etwas an die Oberfläche bringen, das ihm eine angemessene Antwort gab. <i>"Ich denke, ich wollte allgemein etwas raus in die Welt und da war es naheliegend, dass ich mich in die Richtung begeben würde, in der Rúnar war. Für den ..."</i> Er schnaubte ein Lachen. Noch immer fiel es ihm schwer zu glauben, dass es wirklich so gekommen war. <i>"... ungewöhnlichen Fall, dass ich ihn finden würde. Ich wusste aber dank eines Briefes ungefähr wo er war. Es bestand also eigentlich nur die Chance, dass etwas dazwischen kommen würde, das dafür Sorgen würde, dass wir uns knapp verpasst hätten."</i> Aber dass sie sich mitten auf dem Meer wieder treffen würden, damit hatte er nicht gerechnet. Er hatte sich immer vorgestellt, dass er alle Inseln in Brancion nach ihm absuchen würde. Aber auch das wäre dann unglaubliches Glück gewesen. Wenn er weiter darüber nachdenken würde, dann würde sein Kopf noch komplett aussetzen, also stoppte er seine Gedanken. Er war einfach nur dankbar um das heillose Glück, das er gehabt hatte.<br />
<br />
*In Wahrheit war es nämlich so: Er hatte es als Vorwand genommen, um wegzulaufen -- aber das konnte er sich selbst nicht eingestehen.<br />
<br />
Als Jón aufsah, traf sein Blick auf Soulas. Sie verstand. Ihre Worte klangen für Jón nicht nach reiner Empathie, sondern-- <i>"Du klingst so, als wüsstest du wovon ich spreche?"</i> Er gab ihr ein einfühlsames Lächeln, um zu bedeuten, dass sie ihm gerne davon erzählen konnte. Immerhin würde er es wohl nachvollziehen können. <i>"Und ich ..."</i> Er lachte kurz auf. <i>"Ich plane gar nichts, um ehrlich zu sein."</i> Und als er es ausgesprochen hatte, war ihm auch klar, dass er damit eben nicht nur meinte, was er unmittelbar als nächstes machen würde -- sondern überhaupt. Er feierte die Feste wie sie fielen.<br />
Und warum er Alkohol als erstes mit Wacholder assoziierte-- <i>"Nicht, dass du nun denkst, ich sei ein Säufer. Aber bei uns in Nord-Andalónia gibt es wohl mehr Alkohol als Bäume."</i> Er sah sie mit gehobenen Augenbrauen an. <i>"Und das ist kein Scherz."</i><br />
<br />
Er hob das Wacholderglas demonstrativ hoch. <i>"Und du? Glaubst du an Dämonen?"</i></div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Soula">So viele Zufälle konnte es doch gar nicht geben, dass man jemanden auf See so leicht finden konnte und Jón offenbarte ihr nun auch, dass er Bescheid gewusst hatte, wo in etwa sich Rúnar aufhielt. Das machte es gleich weniger spektakulär. Das war gut, denn Soula glaubte nicht an solche Zufälle, die einem einfach entgegenflogen. Oder eher gesagt, Soula wollte daran nicht glauben, denn sie hatten etwas Magisches an sich und Magie war… nicht immer gut. Soula nickte, hatte dazu auch keine weiteren Fragen mehr. Sie verspürte aber eine gewisse Freude darüber, dass die beiden Freunde sich gefunden hatten. Soula sah den Dunkelhaarigen an, der ihr ein einfühlsames Lächeln schenkte und ihr fast das Gefühl gab, als könnte sie ihm von ihrer Vergangenheit erzählen. Allerdings war sie nicht so weit und nicht bereit. Diese Crew, irgendwie waren es immer noch nicht ihre Freunde, sondern weiterhin eine Mitfahrgelegenheit und auch wenn sich Soula langsam an Alex und auch Skadi gewöhnte, war sie immer noch verschlossen. Obwohl Jón in ihr ein wohliges Gefühl auslöste, war er ein Fremder, deswegen nickte sie einfach nur auf seine Frage, dass sie wüsste, wovon er sprach: <i>„Könnte man sagen.“</i> Dann wandte sie sich aber recht schnell den Kräutern zu, die sie begutachten wollten. <i>„Habt Ihr regionale Kräuter dieser Insel?“</i>, fragte sie die Verkäuferin, welche ihr 2-3 Gläser entgegenstreckte. <i>„Die gibt es hier wie Sand am Meer“</i>, meinte sie und deutete auf die schriftliche Benennung, die sie vorsorglich an den Gläsern angebracht hatte. <i>„Daraus kann man einen Tee machen, er senkt das Fieber“</i>, erzählte sie weiter und Soula nickte.<br />
Das konnte man immer gebrauchen. <i>„Gut, davon würde ich schon mal etwas mitnehmen“</i>, meinte Soula. Dann wandte sie sich zu Jón: <i>„Suchst du eigentlich etwas Bestimmtes?“</i><br />
<br />
Über die nicht vorhandenen Planungen war Soula ein wenig verdutzt. <i>„Gar nichts? Hast du keine Ziele? Wünsche? Träume?“</i> Natürlich war das oft etwas sehr Persönliches, allerdings musste man Soula nichts davon erzählen, immerhin behielt sie auch einige Dinge für sich.<br />
<br />
Die Veniel lachte auf. <i>„Bist du das etwa nicht?“</i> Dann hörte sie ihm weiter zu und nickte dann. <i>„Okay? Was gibt es dort sonst noch so? Ist Gin dein Lieblingsgetränk?“</i><br />
<br />
Die Dämonen, die Soula angesprochen hatte, umtrieben Jón wohl noch immer. Sie schüttelte den Kopf. <i>„An keine Dämonen, an keine Magie, an keine höhere Macht. An die Alchemie vielleicht und daran, wie Pflanzen-“</i>, sie hob ein Gestrüpp in die Höhe, das sie inzwischen in der Hand hatte, <i>„-mit unterschiedlichen Gemischen reagieren und neue, hilfreiche Substanzen entstehen.“</i></div></blockquote>
<br />
<blockquote><div class="Jón">Jón zuckte die Schultern und schüttelte gleichgültig den Kopf. Er suchte weder nach etwas Bestimmtem unter den Kräutern, noch nach etwas Bestimmtem in der Welt. Er hatte nach Rúnar gesucht -- mehr oder weniger. War auch diesem Ziel nicht verbissen hinterher gegangen. Nicht so wie Rúnar seinem. Oder wie Soula ihrem? Vermutete er, so wie sie darauf reagierte, dass er selbst keine Ziele, Wünsche,  Träume hatte. <i>"Wunschlos glücklich."</i><br />
<br />
Er konnte kaum ignorieren, wie erleichtert er war, dass Soula das Thema wieder wechselte. Er wollte lieber über Alkohol und Dämonen sprechen als sich über irgendwelche Träume Gedanken zu machen.* <i>"Wein"</i>, sagte er. <i>"Die Hänge mit den Weinreben in Süd-Andalónia sieht man schon, wenn man noch nicht mal im Hafen angelegt hat."</i> Er zuckte abermals die Schultern. <i>"Lieblingsgetränk könnte ich dir jetzt aber keines nennen."</i> Er schnaubte ein kurzes Lachen und nahm sich als Übersprungshandlung ein weiteres Kräutergläschen und sah sich das Etikett an, ohne es wirklich zu lesen. <i>"Ich schwöre, dass ich eigentlich ein interessanter Mensch bin"</i>, scherzte er. <i>"Auch wenn das definitiv etwas ist, das ein uninteressanter Mensch von sich behaupten würde."</i><br />
<br />
*Die würden ihn wohl früh genug heimsuchen kommen. Wenn nicht so, dann spätestens wenn er die Augen zumachte -- wo er keine Kontrolle darüber hatte, wo sich die Schalter in seinem Kopf von allein umlegten, wenn er es ihnen sonst nicht gewährte.<br />
<br />
Er machte das Fläschchen auf und roch daran -- es roch zugleich scharf und blumig. Dann gab er Soula einen anerkennenden Blick. <i>"Bist du Wissenschaftlerin?"</i></div></blockquote>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><div class="Jón">Jón war erst seit ein paar Tagen bei der Crew und hatte sich Mühe gegeben, die meisten zumindest zu einem minimalen Ausmaß kennenzulernen -- außer natürlich die, die so gewirkt hatten, als hätten sie überhaupt keinen Bock ihn kennenzulernen. Aber kam vielleicht noch. Immerhin hatten sie gerade ordentlich was hinter sich: Agressive Epogryphen, ein halb untergegangenes, im besten Fall verrostetes Schiff  -- putzen helfen durfte er ja auch schon; unbeliebt hatte er sich damit bestimmt nicht gemacht -- und er war noch auf der gegnerischen Seite gewesen. Aber Jón selbst hatte das Gefühl, dass er alles gut hatte Sacken lassen können. Außerdem war Rúnar da. Etwas Besseres hätte wohl nicht passieren können.<br />
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Besonders angetan hatte es ihm aber Soula. Oder besser gesagt: ihr Kräuterlexikon. Nicht sie selbst -- nicht auf diese Art. In erster Linie Soula im Zusammenhang mit ihrem Kräuterlexikon. Sie hatte es oben an Deck gelesen. Jón hatte im Vorbeigehen einen Blick auf das Buch erhascht und Pflanzenillustrationen gesehen -- und Soula sofort in ein Gespräch verwickelt. Es hatte sich herausgestellt, dass er sich besser mit exotischen Pflanzen und deren Klassifizierung und Vorkommen auskannte und Soula sich besser mit Kräutern und deren Nutzen auskannte, aber Pflanzen waren Pflanzen. Also waren sie im Moment auf einem Markt um sich nach tatsächlichen Kräutern umzusehen.</div></blockquote>
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<blockquote><div class="Soula">Wie genau sie jetzt vor den Vögeln geflohen waren und das überleben konnten, war der Veniel immer noch ein Rätsel. Nein, eigentlich war es kein Rätsel, es war viel mehr ein Wunder und wenn eine Crew so viel Glück hatte, warum sollte sie dann nicht bei ihnen bleiben? Die Nacht nach dem kleinen Abenteuer hatte sie nicht geschlafen und nachdem sie sich endlich mal entspannen und konzentrieren konnte, hatte Soula die Tage danach auch endlich mal wieder nach ihren Büchern gegriffen. Dabei wurde sie von Jón angesprochen, der großes Interesse an Pflanzen zu haben schien. Mit ihm konnte sie sich tatsächlich recht gut austauschen und deswegen war es wohl nicht verwunderlich, dass sie in Ritu zusammen auf Pflanzenjagd gingen. Also, sie warfen hierbei erst mal einen Blick darauf, was der Markt so zu bieten hatte. Die nächste Bibliothek wollte sie ebenfalls noch aufsuchen. Sie hatte eine richtige To-Do-Liste, was sie hier alles erledigen wollte. Soula war nicht der Typ dafür, der wild Geld ausgab, sie wollte sich zuerst einen Überblick verschaffen und dann effizient ihr Geld aus dem Fenster werfen. Sie fand, dass das ein ziemlich guter Plan war, dafür, dass sie ihr Geld sonst gerne Kartenspielern in den Rachen geworfen hatte. ‚Ihr Geld‘… noch so eine Lüge.<br />
Ihr Buch hatte sie als Nachschlagewerk in der Tasche, um die Namen, die sie nicht kannte, eventuell zuordnen zu können. Jede Insel hatte so ihre ganz eigenen Spezialitäten und vielleicht würden sich die beiden auch hier noch weiter austauschen können. Einige Notizen von den Dingen, die Jón gesagt hatte, fanden bereits Platz in ihren Aufschrieben. <i>„Hast du dich inzwischen gut eingelebt?“</i>, fragte sie den Älteren, der kaum mehr als ein paar Tage nach ihr der Crew beigetreten war. Soula war noch weit weg davon zu behaupten, dass sie sich gut eingelebt hatte, auch wenn sie bereits einige Bekanntschaften gemacht hatte. Mindestens zwei davon waren ihr negativ in Erinnerung geblieben. An einem Stand blieb sie stehen, nahm eines der Gläser in die Hand und öffnete es, um daran zu riechen. Anschließend drückte sie es Jón in die Hand. <i>„Das ist Juniperus“</i>, meinte sie. <i>„Kennst du das? Es ist schmerzlindernd und…“</i>, Soula beugte sich zu ihm rüber, <i>„manche behaupten, dass es gegen Dämonen schützt“</i>, flüsterte sie ihm zu und zuckte dann mit den Schultern. Aberglaube gab es in jeder Form.</div></blockquote>
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<blockquote><div class="Jón">Jón schlenderte neben Soula her und betrachtete die Angebote. Stoffe, Schuhe, dann Fisch, Früchte, ...<br />
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<i>"Ich muss zugeben, dass ich gar nicht vorhatte mich irgendwo richtig einzuleben"</i>, sagte er. <i>"Ich hatte eigentlich vor, erstmal nur herumzureisen -- sehen wo es mich hinverschlägt. Obwohl ich wusste, dass Rúnar auf einem Schiff mit roten Segeln unterwegs war."</i> Er machte eine wegwerfende Geste. <i>"Hätte ich lange nach einem Handelsschiff suchen können, dass diese Farbe trägt."</i> Er lachte leise. <i>"Dass ich Rúnar gefunden habe ändert das ganze natürlich noch ein wenig. Ich muss mich erstmal wieder daran gewöhnen, mich ... na ja ... an etwas zu gewöhnen. Einen festen Wohnort. So fest, wie ein Schiff nunmal ist."</i><br />
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Dann kamen sie an einen Kräuterstand. <i>"Oh"</i>, machte Jón neugierig, als Soula sich sofort dem Angebot zuwandte. Sie gab ihm ein Gläschen in die Hand. Er roch daran. <i>"Juniperus?"</i> Roch nochmals. Es kam ihm durchaus bekannt vor. <br />
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Soula beugte sich zu ihm herüber und er musste auflachen, als sie ihm bewusst mysteriös einflüsterte, was das Kraut noch bewirken sollte. Aber er war nicht abergläubisch. Zumindest nicht, was Dämonen anging. Nicht ganz ...<br />
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Er roch nochmal an dem Glas. <i>"Kennst du den Trivialnamen? Es kommt mir so bekannt vor."</i></div></blockquote>
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<blockquote><div class="Soula">Dass Jón schon jemanden aus der Crew kannte, war ziemlich überraschend. Soula schätzte die Wahrscheinlichkeit jemanden auf See zu kennen, als überaus gering ein. Aber nur, weil ihr eigenes Empfinden so war, hieß es noch lange nicht, dass es nicht anders sein konnte. Soula glaubte eher, dass sie einen Menschen, den sie auf einer Insel kennenlernte und die sie dann verließ, nie wieder sehen würde. Dennoch passierte es. <i>„Ich dachte immer, dass es unmöglich ist, jemanden auf See zu finden oder ‚wiederzufinden‘. Wann habt ihr euch das letzte Mal gesehen, Rúnar und du?“</i> Lautlos lachte sie über Jóns Worte, dass er gar nicht vorgehabt hatte, sich irgendwo einzuleben. Tja, das hatte sie auch nicht vorgehabt. Eigentlich, wollte sie nur eine stille Mitreisende sein, aber bis jetzt war sie sowieso noch nicht weit genug weg. Demnach war sie schon gewillt sich an das Leben an Deck zu gewöhnen, auch wenn es ihr wirklich schwerfiel. <br />
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<i>„Hmm, ich glaube so viele Schiffe mit roten Segeln gibt es nicht, oder?“</i> Nicht, dass Soula da super viele Erfahrungen hatte, aber der Standard sagte etwas anderes. Jón sprach ihr ziemlich aus der Seele, denn auch für sie war die Sphinx noch lange kein zu Hause. <i>„Ich tue mir auch schwer damit, die Sphinx als festen Wohnort anzusehen.“</i> Soula zuckte mit den Schultern. Schon alleine an ihrer Aussprache war zu erkennen, dass sie gelernt hatte, mit der Sprache umzugehen und somit kein Straßenkind war. Es war zwar eher der niedere Adel, dem sich die Veniels zuschrieben, aber auch da gab es eine gewisse Etikette. Besonders, weil man am besten in den höheren Adel einheiraten sollte.<br />
Es war amüsant, wie viel Aberglaube die Menschheit in die kleinsten Dinge steckten. Jón schien daran ebenso wenig zu glauben wie sie und das ließ Soula schmunzeln. <i>„Aha! Du glaubst an so etwas also nicht? Woran glaubst du dann?“</i> Es gab so viele Dinge, an die man glauben oder nicht glauben konnte. Demnach stand es Jón nun frei, ihr von Gott und der Welt zu erzählen, wenn er das wollte. <i>„Das ist Wacholder und eigentlich auch recht verbreitet, soweit ich weiß“</i>, antwortete sie und lächelte.</div></blockquote>
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<blockquote><div class="Jón">Jón seufzte, aber mit einem seligen Lächeln. Er musste sich immer noch jeden Tag aufs neue klar machen, dass er einfach nur ein paar Schritte gehen musste und dann bei Rúnar war. Es war ihm schon arg gewesen, als Rúnar nach seinem Vater zu suchen begonnen hatte und nur noch alle paar Wochen kurz zurückgekehrt war -- aber als er dann verschwand ...*<br />
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*Da Jón das so an sich hatte, war er recht schnell darüber hinweggekommen, dass er Rúnar womöglich nie wieder sehen würde. Zumindest hatte er sich entschieden, sich nicht mit dem Gedanken zu beschäftigen was wäre, wenn er ihn nie wieder sehen würde. <br />
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<i>"Ein Jahr ungefähr?"</i>, sagte Jón, immer noch dasselbe Lächeln auf den Lippen, der Ton seiner Stimme jedoch etwas ernster. <i>"Klingt nicht nach viel an sich, aber wenn man die restlichen zwanzig Jahre jeden Tag miteinander verbracht hat, dann macht das schon etwas aus."</i><br />
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Schiffe mit roten Segeln. Jón zuckte die Schultern. Er war nicht extrem viel herumgekommen, aber doch genug -- und tatsächlich hatte er nie ein Schiff mit roten Segeln gesehen. Na ja.<br />
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Er hatte sich schlicht keine Gedanken darüber gemacht.<br />
Und das er nicht daran glaubte-- <i>"Das habe ich nicht behauptet"</i>, witzelte er. Es war kompliziert. Er war nie sonderlich gläubig gewesen, aber irgendwie doch? Irgendwie existierten die Götter -- aber mehr in der Geschichte und den Köpfen seiner Landsleute, als in Wirklichkeit? Das hieß also: ja, sie existierten, aber wer beeinflusste das Ausmaß ihrer Wirkungsmacht -- die, die daran glaubten oder die Götter selbst -- wenn sie nicht nur dadurch existierten, dass man an sie glaubte? Und dass Rúnar einer Legende hinterherjagte, war ein Wespennest, in das Jón sich noch nicht zu stechen gewagt hatte. Er hatte damals einen unglaublichen Drang gehabt, Rúnar davon abzuhalten, ihm zu sagen, was das für eine unglaubliche Schnapsidee war. Aber er hatte es nicht fertig gebracht. Vielleicht glaubte Jón nicht an Svavar -- aber Rúnar glaubte an Svavar und Jón glaubte Rúnar.<br />
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Er führte das Gläschen nochmal unter seiner Nase vorbei und atmete das Aroma ein. <i>"Ach ja -- daraus macht man ja auch Gin."</i></div></blockquote>
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<blockquote><div class="Soula">Bisher hatte Soula nicht wirklich viel über die Vergangenheit der beiden in Erfahrung gebracht. Es war nicht so, dass sie nicht neugierig war. Allerdings hütete sie sich auch beide danach auszufragen. Allerdings glaubte sie, dass jetzt, da sie in Zweisamkeit verbrachten, Nachfragen schon erlaubt war. <i>„Hast du ihn aktiv gesucht gehabt? Oder war das mehr Zufall?“</i> Es war Soula nicht fremd, dass man eine Person vermissen konnte, die man lange kannte. Es erinnerte sie ein wenig an ihre Mutter, die schon lange gestorben war. Für manche schien der Vergleich vielleicht etwas extrem zu sein, aber immerhin war sie für Soula auch plötzlich weg gewesen und hatte ein tiefes Loch hinterlassen. Wie man sich in so einer Situation fühlte, war jedem selbst überlassen. Ebenso, wenn man einen engen Vertrauten plötzlich nicht mehr an seiner Seite hatte. Deswegen zog Soula dabei einen Vergleich, da das Vermissen für sie ähnlich erschien. <i>„Nein, ich verstehe das“</i>, meinte sie und sah Jón direkt an. <i>„Das kommt immer drauf an, wie man selbst fühlt und das ist in jeder Hinsicht okay“</i>, meinte sie und hob langsam die Schultern, um sie ebenso langsam wieder herunter zu lassen. <i>„Planst du bei uns zu bleiben?“</i> - Bei uns… Soula war sich selbst noch nicht sicher, in wie weit sie noch dabei bleiben wollte. Auf jeden Fall noch eine Insel oder zwei? Eigentlich war das leider auch gar nicht mehr so wichtig, denn egal wo sie landete, sie würde sich ein neues Leben aufbauen müssen.<br />
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In Bezug auf den Aberglauben, offenbarte Jón nun doch nochmal, dass er abergläubisch war. Offenbar nur in einer völlig anderen Hinsicht.<br />
Es gab die unterschiedlichsten Gebiete für einen Aberglauben und er hatte Soula damit wirklich neugierig gemacht. Sie sah Jón an und verbarg ihre Neugierde auch sicher nicht. Allerdings… erzählte er nicht weiter und wenn Soulas Blick nicht ausreichte, dass er ihr mehr berichten wollte, würde sie auch nicht nachfragen. Der Aberglaube von Menschen war etwas äußerst persönliches und davor hatte sie Respekt.<br />
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Ihr entfuhr ein leises Lachen, als Jón von Gin sprach. <i>„Alkohol ist deine erste Assoziation damit? Ich bin beeindruckt.“</i> War sie nicht wirklich, immerhin war Jón ein Kerl und die tranken im Normalfall gerne und auch viel!</div></blockquote>
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<blockquote><div class="Jón">Jóns Gedanken stockten erstmal. Hatte er aktiv nach Rúnar gesucht? Er konnte das noch nicht einmal klar beantworten.* <i>"Ich schätze schon?"</i> Er sah in das Glas mit dem Wacholder, schüttelte es ein wenig, als könnte er damit seine Gedanken aufschütteln und etwas an die Oberfläche bringen, das ihm eine angemessene Antwort gab. <i>"Ich denke, ich wollte allgemein etwas raus in die Welt und da war es naheliegend, dass ich mich in die Richtung begeben würde, in der Rúnar war. Für den ..."</i> Er schnaubte ein Lachen. Noch immer fiel es ihm schwer zu glauben, dass es wirklich so gekommen war. <i>"... ungewöhnlichen Fall, dass ich ihn finden würde. Ich wusste aber dank eines Briefes ungefähr wo er war. Es bestand also eigentlich nur die Chance, dass etwas dazwischen kommen würde, das dafür Sorgen würde, dass wir uns knapp verpasst hätten."</i> Aber dass sie sich mitten auf dem Meer wieder treffen würden, damit hatte er nicht gerechnet. Er hatte sich immer vorgestellt, dass er alle Inseln in Brancion nach ihm absuchen würde. Aber auch das wäre dann unglaubliches Glück gewesen. Wenn er weiter darüber nachdenken würde, dann würde sein Kopf noch komplett aussetzen, also stoppte er seine Gedanken. Er war einfach nur dankbar um das heillose Glück, das er gehabt hatte.<br />
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*In Wahrheit war es nämlich so: Er hatte es als Vorwand genommen, um wegzulaufen -- aber das konnte er sich selbst nicht eingestehen.<br />
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Als Jón aufsah, traf sein Blick auf Soulas. Sie verstand. Ihre Worte klangen für Jón nicht nach reiner Empathie, sondern-- <i>"Du klingst so, als wüsstest du wovon ich spreche?"</i> Er gab ihr ein einfühlsames Lächeln, um zu bedeuten, dass sie ihm gerne davon erzählen konnte. Immerhin würde er es wohl nachvollziehen können. <i>"Und ich ..."</i> Er lachte kurz auf. <i>"Ich plane gar nichts, um ehrlich zu sein."</i> Und als er es ausgesprochen hatte, war ihm auch klar, dass er damit eben nicht nur meinte, was er unmittelbar als nächstes machen würde -- sondern überhaupt. Er feierte die Feste wie sie fielen.<br />
Und warum er Alkohol als erstes mit Wacholder assoziierte-- <i>"Nicht, dass du nun denkst, ich sei ein Säufer. Aber bei uns in Nord-Andalónia gibt es wohl mehr Alkohol als Bäume."</i> Er sah sie mit gehobenen Augenbrauen an. <i>"Und das ist kein Scherz."</i><br />
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Er hob das Wacholderglas demonstrativ hoch. <i>"Und du? Glaubst du an Dämonen?"</i></div></blockquote>
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<blockquote><div class="Soula">So viele Zufälle konnte es doch gar nicht geben, dass man jemanden auf See so leicht finden konnte und Jón offenbarte ihr nun auch, dass er Bescheid gewusst hatte, wo in etwa sich Rúnar aufhielt. Das machte es gleich weniger spektakulär. Das war gut, denn Soula glaubte nicht an solche Zufälle, die einem einfach entgegenflogen. Oder eher gesagt, Soula wollte daran nicht glauben, denn sie hatten etwas Magisches an sich und Magie war… nicht immer gut. Soula nickte, hatte dazu auch keine weiteren Fragen mehr. Sie verspürte aber eine gewisse Freude darüber, dass die beiden Freunde sich gefunden hatten. Soula sah den Dunkelhaarigen an, der ihr ein einfühlsames Lächeln schenkte und ihr fast das Gefühl gab, als könnte sie ihm von ihrer Vergangenheit erzählen. Allerdings war sie nicht so weit und nicht bereit. Diese Crew, irgendwie waren es immer noch nicht ihre Freunde, sondern weiterhin eine Mitfahrgelegenheit und auch wenn sich Soula langsam an Alex und auch Skadi gewöhnte, war sie immer noch verschlossen. Obwohl Jón in ihr ein wohliges Gefühl auslöste, war er ein Fremder, deswegen nickte sie einfach nur auf seine Frage, dass sie wüsste, wovon er sprach: <i>„Könnte man sagen.“</i> Dann wandte sie sich aber recht schnell den Kräutern zu, die sie begutachten wollten. <i>„Habt Ihr regionale Kräuter dieser Insel?“</i>, fragte sie die Verkäuferin, welche ihr 2-3 Gläser entgegenstreckte. <i>„Die gibt es hier wie Sand am Meer“</i>, meinte sie und deutete auf die schriftliche Benennung, die sie vorsorglich an den Gläsern angebracht hatte. <i>„Daraus kann man einen Tee machen, er senkt das Fieber“</i>, erzählte sie weiter und Soula nickte.<br />
Das konnte man immer gebrauchen. <i>„Gut, davon würde ich schon mal etwas mitnehmen“</i>, meinte Soula. Dann wandte sie sich zu Jón: <i>„Suchst du eigentlich etwas Bestimmtes?“</i><br />
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Über die nicht vorhandenen Planungen war Soula ein wenig verdutzt. <i>„Gar nichts? Hast du keine Ziele? Wünsche? Träume?“</i> Natürlich war das oft etwas sehr Persönliches, allerdings musste man Soula nichts davon erzählen, immerhin behielt sie auch einige Dinge für sich.<br />
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Die Veniel lachte auf. <i>„Bist du das etwa nicht?“</i> Dann hörte sie ihm weiter zu und nickte dann. <i>„Okay? Was gibt es dort sonst noch so? Ist Gin dein Lieblingsgetränk?“</i><br />
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Die Dämonen, die Soula angesprochen hatte, umtrieben Jón wohl noch immer. Sie schüttelte den Kopf. <i>„An keine Dämonen, an keine Magie, an keine höhere Macht. An die Alchemie vielleicht und daran, wie Pflanzen-“</i>, sie hob ein Gestrüpp in die Höhe, das sie inzwischen in der Hand hatte, <i>„-mit unterschiedlichen Gemischen reagieren und neue, hilfreiche Substanzen entstehen.“</i></div></blockquote>
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<blockquote><div class="Jón">Jón zuckte die Schultern und schüttelte gleichgültig den Kopf. Er suchte weder nach etwas Bestimmtem unter den Kräutern, noch nach etwas Bestimmtem in der Welt. Er hatte nach Rúnar gesucht -- mehr oder weniger. War auch diesem Ziel nicht verbissen hinterher gegangen. Nicht so wie Rúnar seinem. Oder wie Soula ihrem? Vermutete er, so wie sie darauf reagierte, dass er selbst keine Ziele, Wünsche,  Träume hatte. <i>"Wunschlos glücklich."</i><br />
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Er konnte kaum ignorieren, wie erleichtert er war, dass Soula das Thema wieder wechselte. Er wollte lieber über Alkohol und Dämonen sprechen als sich über irgendwelche Träume Gedanken zu machen.* <i>"Wein"</i>, sagte er. <i>"Die Hänge mit den Weinreben in Süd-Andalónia sieht man schon, wenn man noch nicht mal im Hafen angelegt hat."</i> Er zuckte abermals die Schultern. <i>"Lieblingsgetränk könnte ich dir jetzt aber keines nennen."</i> Er schnaubte ein kurzes Lachen und nahm sich als Übersprungshandlung ein weiteres Kräutergläschen und sah sich das Etikett an, ohne es wirklich zu lesen. <i>"Ich schwöre, dass ich eigentlich ein interessanter Mensch bin"</i>, scherzte er. <i>"Auch wenn das definitiv etwas ist, das ein uninteressanter Mensch von sich behaupten würde."</i><br />
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*Die würden ihn wohl früh genug heimsuchen kommen. Wenn nicht so, dann spätestens wenn er die Augen zumachte -- wo er keine Kontrolle darüber hatte, wo sich die Schalter in seinem Kopf von allein umlegten, wenn er es ihnen sonst nicht gewährte.<br />
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Er machte das Fläschchen auf und roch daran -- es roch zugleich scharf und blumig. Dann gab er Soula einen anerkennenden Blick. <i>"Bist du Wissenschaftlerin?"</i></div></blockquote>]]></content:encoded>
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