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Einsam aber nicht allein
Liam & Talin
Szenen-Informationen
Charaktere Gast
Datum 20 März 1822
Ort Auf der Sphinx
Tageszeit Mittags
Crewmitglied der Sphinx
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dabei seit Feb 2016
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#11
Auch, wenn Talin nicht so wirkte, als hätte sie sein Kompliment nicht einfach so stehen lassen können, machte es ein bisschen den Eindruck, als gäbe sie es schlicht zurück, weil es gesellschaftlich so angesehen war. Aber gerade, weil weder sie noch Liam selbst angewiesen waren auf gesellschaftliche Normen und Anstand, fiel es dem Lockenkopf recht einfach, das Ganze als das zu nehmen, was es war - ein schlichtes, ehrliches Komplimenz ohne die Absicht einen Vorteil daraus zu schlagen. Dadurch, dass Talin so genau wusste, was sie wollte und was die bereit war, dafür zu gehen, empfand Liam sie im Gegensatz zu manch anderen Damen als recht einfache Vertreterin. Vielleicht war es auch bloß Schau an manchen Stellen - wer wusste das schon zu sagen. Liam jedenfalls war ohnehin nicht der Typ dafür, Dinge groß zu hinterfragen oder Intrigen zu vermuten. Er nahm die Leute wie sie waren und hielt sich an das, was sie sagten - nicht an das, was sie nicht sagten. In diesem Fall also nahm er ihre Worte mit einem dankbaren Lächeln entgegen. Nicht verlegen, denn dafür gab es keinen Grund.

Die Stille, die auf seine nächste Frage hin eintrat, empfand er keineswegs als unangenehm. Der Niesel trommelte leise und monoton auf das Holz des mitgenommenen Schiffes, begleitet vom Rauschen der Wellen, die sich recht schnell im Nebel des Sprühregens verloren. Er konnte ihr die Zeit nicht verübeln, die sie zum Überlegen brauchte. Im Grunde war ja selbst das eine Antwort, die entweder bedeutete, dass sie tatsächlich nur bis zu diesem Punkt geplant hatte, oder dass sie überlegen musste, welche Informationen sie mit ihm teilen konnte. Hätte die nicht darüber reden wollen, wäre es ihm genauso recht gewesen, doch sie entschied sich dazu, einzuräumen, dass sie fürs erste frei waren. Auch hier bewies sie wieder, dass sie nicht kopflos handelte und Kinderträumen blind nacheifern wollte. Wie knifflig die Frage eigentlich gewesen war, bemerkte Liam allerdings auch erst, als sie sie zurück gab. Nun war er es, der erst einmal einen Moment darüber nachdenken musste.

„Um ehrlich zu sein war ich bisher immer eher das Stück Treibholz, das eben dort gelandet ist, wohin es getrieben wurde. Das Ziel des Schiffes, das mich mitnahm, war dann eben auch mein Ziel. Eine wirkliche Route habe ich nie verflogt. Aber die Ungewissheit war auch immer ein bedeutender Teil meiner Art zu reisen, schätze ich.“, sinnierte er und lachte schließlich kurz auf bei diesem Vergleich. „... Aber der Norden würde mich interessieren. Raues Klima, riesige Wälder mit etlichen Tieren, die den Menschen nicht fürchten brauchen. Dort soll es Hirsche geben, die fast zwei Mann hoch sein sollen. Aber auch hier gibt es noch so vieles zu entdecken. Mythen, Legenden. Ich hätte nichts dagegen, mal einer Nixe zu begegnen. Oder - Naja. Dem Riesenkraken lieber nur aus Entfernung.“

Ja, er relativierte sein Interesse an diesem Koloss recht schnell, aber tatsächlich hatte er Interesse daran, diesen Sagen hinterher zu jagen und sie auf ihren Wshrheitswert zu prüfen. Reden und Erzählen konnte jeder - glauben würde er es erst, wenn er es mit eigenen Augen gesehen hätte.
Crewmitglied der Sphinx
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#12
Ein interessanter Vergleich. Ein Stück Treibholz, dass mit dem Wind reiste. Ja, so stellte sie sich Liam vor. Er ging mit dem Wind und ließ sich dabei von nichts aufhalten. Wenn er nicht mehr mit ihnen reisen wollte, dann war es eben so. Dann würde er sich das nächste Schiff suchen, dass ihn mitnahm. Sie bewunderte und beneidete ihn auch ein wenig für diese Einstellung. So vollkommen frei mussten einige – sie mit eingeschlossen – erst einmal denken. Für Talin war es im Moment einfach schlichtweg nicht wichtig, geradezu egal, wohin sie als nächstes reisten. Am wichtigsten war es ihr gewesen Lucien zu finden. Was danach kam würde sich zeigen. Entweder sie hielten an ihren Kindheitsträumen fest oder sie würden neue Ziele stecken oder vielleicht auch getrennte Wege gehen. Bei diesem Gedanken huschte kurz ein dunkler Schatten über ihr Gesicht, aber sie verscheuchte ihn schnell. Wenn sie es einfach wie Liam hielt, dann sollte sie sich vom Wind treiben lassen. Es war erfrischend und verscheuchte ihre Sorgen.

Ich finde es schön, dass du noch Ziele hast. Ich dachte schon, du bist so weit rum gekommen, dass du gar keine Legenden mehr finden willst.“ Sie schmunzelte leicht, bevor sie nachdenklich aufs Wasser hinaus sah. „Der Norden...warum eigentlich nicht? Klingt verlockend. Vermutlich gibt es da auch Meerjungfrauen. Es wäre schon welche zu sehen, wo sie doch meinen Bruder fast einmal ertränkt hätten.“, meinte sie ein wenig trocken in Kindheitserinnerungen schwelgend. „Du nimmst es mit einem ganzen Schiff voller Marinesoldaten auf, aber den Kraken willst du nur aus der Entfernung sehen? Ich finde gerade dem sollten wir näher kommen!

Sie lehnte sich ein wenig zurück, sah noch einmal in den Himmel, bevor sie ein leichtes Frösteln überkam. Obwohl der Regen nicht kalt war – was war das schon in dieser Welt? - meinte ihr Körper, dass sie durch den leichten Regen durchnässt genug war, um zu frieren. Ein Zustand, den sie nicht besonders mochte.

Fragend sah sie wieder in Liams Richtung, während sie sich leicht über die Arme rieb. „Wollen wir vielleicht unter Deck weiter reden? Im warmen und trockenem? Und vielleicht mit noch einer Tasse Kaffee?“ Sie klang hoffnungsvoll, vor allem beim letzten Teil.
Crewmitglied der Sphinx
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#13
„Ich glaube, nicht einmal mit einem ewigen Leben könnte man alledem, was da draußen lauert, auf die Schliche kommen.“, mutmaßte er mit Sehnsucht in der Stimme.

Nicht einmal mit ewigem Leben. Er würde also vermutlich nur einen Bruchteil von dem erleben, was die anderen erwarten würde, wenn sie denn nach dem Abenteuer suchten. Doch er hatte sich damit abgefunden und trauerte nicht bereits jetzt Abenteuern hinterher, die er nicht erleben würde. Stattdessen konzentrierte er sich darauf, so vieles wie möglich in der Zeit zu schaffen, die ihm blieb. Dass Talin seine Sehnsucht teilte, war ein angenehmes Gefühl, selbst wenn er ihr Gespräch jetzt nicht als zukünftige Reiseroute verstand. Sie hatten alle Richtungen, in die sie segeln konnten, wenn der Wind günstig stand und er wäre mit jeder einzelnen zufrieden. Als sie die Meerjungfrauen für möglich empfand und weitererzählte, wandte er ihr den Kopf wieder zu und taxierte sie durchaus interessiert.

„Okay. Ich gestehe, du hast meine Neugier geweckt.“, gab er zu, als sie berichtete, dass Lucien einst fast einer zum Opfer gefallen wäre. Liam hatte noch nicht mal eine Schwanzflosse gesehen, selbst wenn die Meeresoberfläche manchmal durchaus verdächtig geglitzert hatte. „Naja. Hätte jeder von ihnen acht Arme gehabt, hätte ich mir das auch zweimal überlegt.“

Er grinste keck und sie beide wussten vermutlich, dass er es sich trotzdem nicht anders überlegt hätte. Ihr Angebot, das Gespräch – und damit hoffentlich Luciens unglückliche Begegnung mit einer Nixe! – unter Deck fortzuführen, nahm er mit einem Nicken an. Nicht seinetwegen, aber Talin wirkte hier draußen im Sturm nur minder glücklich. Liam nahm gar nicht wahr, dass er mittlerweile gut durchnässt war.

„Oder einem Grog?“, überlegte er laut und stieß sich von der Reling ab. „Lass uns gehen. Du kannst dir momentan nicht leisten, krank zu werden.“

Wer sollte sich denn sonst um diesen ganzen hilflosen Haufen Männer wie ihn kümmern?
Crewmitglied der Sphinx
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#14
Seine schnelle Zustimmung, nahm sie mit einer gewissen Erleichterung zur Kenntnis. Bei den Gedanken an etwas Warmes zu trinken, sei es Kaffee oder Grog nickte sie begeistert, konnte sich zeitgleich ein belustigtes Auflachen nicht verkneifen. Es konnte ganz angenehm sein, wenn sich jemand um einen sorgte, aber in dem Falle musste er nicht befürchten, dass ihr irgendetwas passierte.

Ich habe keine Angst davor, krank zu werden. Ich hasse nur das Gefühl von Kälte. Und seien wir ehrlich: Sieh dir meine Haare an, wie die sich bei Regen nur noch mehr kräuseln. Fürchterlich.

Sie zog eine ihrer langen Strähnen vor die Augen, um sie sich genauer an zusehen und verzog dann missmutig das Gesicht. Mit Schalk im grünblauen Blick zwinkerte sie Liam zu und schlug dann den Weg zur Kombüse ein, während sie noch einmal über seine Worte nachdachte. Talin schüttelte leicht den Kopf.

Ich glaube nicht, dass du etwas anderes gemacht hättest, selbst wenn die Soldaten zwanzig Arme gehabt hätten. Du bist ziemlich mutig.“ Sie lächelte leicht. „ Und ich freue mich natürlich, dass ich deine Neugierde geweckt habe, aber ich muss dich leider enttäuschen, gesehen habe ich sie damals nicht.“ Sie öffnete die Tür, um zur Treppe zur gelangen und wurde sofort von Wärme und Trockenheit empfangen. „Und wenn ich ehrlich bin, glaube ich auch, dass Lucien mich damals angelogen hat und er mir einfach nur einen heftigen Schrecken einjagen wollte.

Mit federnden Schritten lief sie die Treppe auf die zweite Ebene hinunter, um dort zielsicher auf die kleine Kochnische zuzuhalten. Wenn möglich würde sie sowohl Kaffee, als auf Grog nehmen.

Was willst du denn trinken, Liam? Lieber Grog als Kaffee?
Crewmitglied der Sphinx
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#15
So widersprüchlich wie es auch klang – Liam hatte die Stille des Wetters genossen. Den Regen, der kalt auf seine Haut traf und den Wind der die Wellen zu einem wütenden Meer aufheizte. Das Knarren des Holzes unter der unruhigen See, die sie im Endeffekt nur sanft hin und her schaukelte. Das hier war kein richtiger Sturm und trotzdem trieb er die Menschen an trockenere Orte und hinterließ eine Natur, in der man mit sich und seinen Gedanken alleine sein konnte. Im Grunde hatte der Lockenkopf nur still aufs Meer hinausgestarrt, ohne, dass ihm wirklich etwas durch den Kopf gegangen war. Stille. Vermutlich wäre ihm nicht einmal aufgefallen, wenn sich die Silhouette eines Schiffs aus dem Grau des Himmels herausgeschält hätte. Er war woanders gewesen. Erst der Anblick Talins, die eine viel kürzere Zeit hier draußen bei ihm gestanden hatte, machte ihm bewusst, wie er wohl aussehen musste. Völlig durchnässt wie ein Straßenhund, der nicht den Willen gehabt hatte, sich zu verziehen. Vielleicht hätte Talin der Stille hier oben auch etwas mehr abgewinnen können, wenn ihr die Kälte und Nässe zuträglicher gewesen wäre. Auf den Zügen des Lockenkopfes zeichnete sich ein breites Lächeln ab, als sie den Zustand ihrer Haare bedauerte, die sich im Regen angefangen hatten, zu kräuseln. Es hatte etwas, wenn man ihn fragte, aber er würde ihr nicht widersprechen. Stattdessen schüttelte er kurzerhand selbst den eigenen nassen Haarschopf, blickte der Blonden mit besagtem Look grinsend entgegen und wischte sich schließlich die Haare aus der Stirn, die dort zum Liegen gekommen waren, ehe er ihr unter Deck folgte.

Um die Marine und damit die Morgenwind nicht weiter zu behandeln, zuckte er lediglich unschlüssig mit der Schulter, während er ihr hinab folgte, ließ es ansonsten aber unkommentiert. Mutig. Vielleicht. In den meisten Fällen ließen sich seine Handlungen aber auch gleichermaßen mit ‚unvernünftig‘ und ‚undurchdacht‘ beschreiben. Andererseits machte ihn eben das aus – er handelte, bevor er sich sämtliche möglichen Szenarien ausdenken konnte, die ihn an irgendeiner Durchführung hindern konnten. Und ließ sich überraschen. Manchmal mit gutem und manchmal mit weniger gutem Ausgang. Die Morgenwind war nicht das erste Unterfangen seines Lebens, welches vielleicht etwas aus dem Ruder gelaufen war. Liam wusste, dass es seine Zeit brauchen würde, aber es wäre nichts, was ihn langfristig beschäftigen würde. Er hatte sich dazu entschlossen, mit Piraten zu segeln. Und er hatte gewusst, dass das bedeutete, dass es nicht ganz ohne Feuer funktionieren würde, selbst wenn er eher andere, schiefzähnige Piraten vor Augen gehabt hatte, die ihnen an die Wäsche wollten. Kein ganzes Marineschiff.

„Hmm.“, entwich es ihm etwas enttäuscht, als Talin bedauerte, dass auch diese Meerjungfrau vermutlich nicht mehr als ein Jugendwitz gewesen war. Eine Sichtung von Lucien und ihr wäre für ihn zumindest schon mal vertrauenserweckender gewesen als die eines betrunkenen Seemannes, der vor seinen Kameraden prahlte. Wie es schien musste er aber weiterhin die Augen offenhalten, um sich selbst davon zu überzeugen, ob es diese Gestalten nun gab oder nicht. „Wie spät ist es? Ist’s schon Zeit, zu trinken?“ Das war wohl Antwort genug. Liam hätte sich mit beidem zufriedengegeben, ganz egal, was sie ihr gereicht hätte. „Vielleicht bekommen wir ja noch beide eine zu Gesicht. Irgendwann. Oder irgendetwas anderes vergleichbares. Geisterschiffe. Oder eben doch einen Riesenkraken.“

Liam hatte sich mittlerweile gegen die Arbeitsfläche gelehnt, die normalerweise zu Rayons Reich gehörte. Sein Blick war nachdenklich zu Boden gerichtet, während er in Gedanken all die Dinge durchging, von denen er irgendwo bereits einmal gehört hatte. So vergesslich, wie er sich manchmal vorkam – diese Sachen speicherte er, ohne überhaupt wirklich hinzuhören.

„Ich weiß nicht mehr, wo, aber irgendjemand hatte mal von einem gewaltigen, geflügelten Wal erzählt, der in den Wolken leben soll.“ Man sah ihm immer noch an, dass er sich alle Mühe gab, sich zu erinnern. Langsam schüttelte er den Kopf. „So unmöglich das auch klingt… Stell dir vor, wir würden ihm begegnen.“
Crewmitglied der Sphinx
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#16
Talin lachte leise bei Liams Worten und neigte zustimmend den Kopf, bevor sie in die Hocke ging und nach einer Flasche Grog suchte. Dann nahm sie auch gleich zwei Becher mit und füllte beide, wobei sie dem Lockenkopf einen davon zuschob. Sie hob den ihren, prostete ihm zu und kippte ihn in einem Zug nach hinten. Nachdem sie kurz das Gesicht verzogen und den Becher heftig auf die Platte zurückgestellt hatte, machte sie sich auf die Suche nach ihren geliebten Kaffeebohnen.

Es wird vieles da draußen geben, was wir finden können. Ein Geisterschiff mit einem Schatz, Meerjungfrauen, die spielen wollen. Ein Riesenkraken, der uns ans Leder will.

Bei dem Gedanken an all die Mythen spürte sie diesen einen erwartungsvollen Schauer über ihren Rücken jagen, wie es ihr als Kinder immer passiert ist. Einige der Geschichte, die sie heimlich mit angehört hatte, kamen ihr wieder in Erinnerung und während sie die Bohnen mahlte, überlegte sie, welche davon sie Liam erzählen konnte, als er schon wieder sprach.

Ein geflügelter Wal? Wirklich? Hier bei uns in der 1. Welt? Dann muss einer von uns wohl immer in den Himmel schauen, um den zu finden. Oder ist er schuld an so einem Wetter, wie dem da?“ Sie deutete an die Decke, um damit an den Regen zu erinnern. Als sie einen kleinen Tropfen an Liams Wange runter laufen sah, fiel ihr ein, dass er schon weit länger als sie dort draußen gestanden hatte.
Talin stellte ihre Kaffeemühle zur Seite, bückte sich erneut und holte ein Tuch hervor, dass eigentlich für das Geschirr gedacht war. Dann trat sie um den Tresen herum, stellte sich vor Liam auf die Zehenspitzen und legte ihm das Tuch auf den Kopf, bevor sie vorsichtig seine Haare trocken rubbelte.

Du kannst es dir auch nicht erlauben, krank zu werden.“, meinte sie nur leichthin, bevor sie wieder das Thema wechselte. „Als ich jünger war, habe ich mal eine Geschichte über verfluchte Noten gehört. Wer sie spielt oder singt, dem soll Unglück widerfahren. Seit ich das gehört habe, will ich diese Noten unbedingt finden. Wäre das nicht auch was für dich?
Crewmitglied der Sphinx
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#17
Ihm gefiel die Sehnsucht, die er in Talins Stimme zu hören glaubte. Bislang hatten sie nicht wirklich die Zeit oder die Gelegenheit dazu gehabt, sich über derart phantastische Dinge zu unterhalten. Die Blonde hatte ihr Ziel gehabt und hatte sich keine Sekunde davon abbringen lassen, es auch um alles in den Welten zu erreichen. Die Talin, die nun vor ihm stand, hatte den Kopf, sich mit Geistern, Meerjungfrauen und Riesenkraken zu beschäftigen, deren Existenz nicht einmal sicher war. Der Sphinx stand wohl wirklich eine neue Zeit bevor – eine Zeit, die ihm definitiv gefallen könnte. Man sah seinem Lächeln an, wie angetan er von der Ausführung der Jüngeren war. Ein anderer hätte sie wohl als Träumer beschimpft und sie belächelt – bei Liam war sie da allerdings in der richtigen Gesellschaft. Immerhin wäre es gelogen gewesen, hätten seine Freunde und er nicht so manch eine Reise nur angetreten, weil von irgendetwas spannendem die Rede gewesen war und sie kopflos losgezogen waren. Der Lockenkopf erwiderte die Geste, kippte sich ebenfalls den ersten Grog des Abends in den Rachen und beobachtete, wie Talin schließlich wieder nach etwas anderem suchte. Allerdings nur äußerlich, denn innerlich waren seine Gedanken damit beschäftigt, die Fetzen zusammenzubekommen, die er bezüglich dieser mystischen Kreatur aufgesaugt hatte.

„Naja. Ich schätze, er macht nicht Halt vor irgendwelchen Welten.“, vermutete er mit einem Schulterzucken. Er jedenfalls hätte es nicht getan, wenn ihm die Fähigkeit gegeben gewesen wäre, sich frei durch die Lüfte zu bewegen. „Aber ich weiß nicht mehr genau, in welcher der sieben Welten man ihn gesichtet haben will. In irgendeinem Buch hatte ich mal eine Passage über einen riesigen Fisch gelesen, der Inseln erschaffen soll, um sich im Schlaf vor Wilderern zu schützen. Allerdings war die Schrift verwittert und schwer zu entziffern. Ich weiß nicht, ob es etwas miteinander zu tun hatte.“

Ob er was mit dem Wetter zu tun hatte, wusste Liam nicht, wog aber den Kopf in unschlüssiger Zustimmung. Wer wusste es schon? Wenn irgendetwas in der Lage war, etwas so Großes wie einen Wal zum Fliegen zu bringen, warum sollte ihn dann nicht auch noch eine gewaltige Sturmfront begleiten? Bei dem Gedanken folgte Liams Blick fast automatisch der Handbewegung Talins, während er innerlich damit rang, nicht gleich wieder an Deck zu laufen, um eine gewaltige Schwanzflosse zwischen den Wolken zu erspähen. Erst die Bewegung der Blonden in seinen Augenwinkeln und schließlich das trockene Tuch auf seinem Kopf riefen ihn zurück ins Hier und Jetzt. Ein bisschen überrascht blinzelte er der Jüngeren entgegen, die ihm gleich darauf die Erklärung bot und ihm wie einem kleinen Jungen die Haare trockenrubbelte. Statt ihr die Arbeit abzunehmen, ließ er sie machen und grinste bloß – ebenfalls einem kleinen, wagemutigem Jungen gleich – fröhlich entgegen.

„Ach, du weißt doch. Unkraut vergeht nicht.“

Er hatte nicht einmal annähernd so viel Verantwortung wie Talin, die sich nun, mit all den neuen, fremden Gesichtern wohl noch mehr durchsetzen musste als zuvor. Liam dachte keine Sekunde daran, mit ihr tauschen zu wollen. Dazu stellte er sich zu gerne nur seiner eigenen Verantwortung und auch für Ordnung sorgen war bestimmt keine Stärke von ihm. Das Lächeln auf seinen Zügen wich aber recht bald schon deutlicher Neugier, als Talin fortfuhr. Er hätte sie tatsächlich nicht so eingeschätzt, dass sie ihm ähnlich nach Mythen und Legenden jagte, wenn sie sich einem boten.

„Verfluchte Noten?“, wiederholte er. „Ich habe von verzauberten Melodien gehört, die einem den Wind gehorsam machen sollen beispielsweise. Aber das ist vermutlich der Wunsch eines jeden Seemanns. Ich habe dem Ganzen nicht allzu viel Wahrheit zugesprochen. Aber verfluchte Noten… Wer hat dir die Geschichte erzählt? Gab es Anhaltspunkte?“

Dass er Feuer und Flamme war, ließen seine Fragen wohl vermuten. Obwohl Unglück wohl eher eine abschreckende Wirkung haben sollte, fühlte sich Liam der Geschichte ähnlich hingezogen, wie Talin es beschrieb. Im Gegensatz zu ihr allerdings war ihm durchaus bewusst, dass so etwas wie ‚Flüche‘ nicht immer bloßer Aberglaube sein mussten, wenn man die Familiengeschichte der Carters bedachte. Doch er war gerade mit Sicherheit nicht in der Stimmung, sich abermals den Kopf über die dunkle Wolke zu zerbrechen, die sein Leben begleitete.

„Ich glaube, es wäre mein Untergang, wenn ich sowas in die Finger bekäme.“ Er würde es nämlich ganz bestimmt nicht sein lassen können, die Noten in die Nacht hinauszuspielen.
Crewmitglied der Sphinx
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#18
Während sie weiter seine Haare trocken rubbelte, dachte sie noch über den Riesenfisch nach. Ein Fisch der Fliegen konnte, klang wirklich furchtbar abenteuerlich, aber einer der Inseln produzierte, um sich zu schützen? Ihr gefiel, auf was für Ideen Menschen kamen und das all diese Geschichten immer einen Hauch von Wahrheit in sich trugen. Vielleicht gab es also wirklich einen fliegenden Fisch und einen, der Inseln erschuf.
Als Talin sich wieder zurücksinken ließ und dabei das Handtuch mit einem zufriedenen Blick von seinem Kopf nahm, fragte Liam nach ihrer Lieblingsgeschichte. Ihre Augen leuchteten auf, während er über die Verfluchten Noten nachsann und lachte dann fröhlich auf.

Ich würde sofort mit dir untergehen. Wobei das ja in deinem Fall unwahrscheinlich ist, nicht wahr, du Unkraut?

Sie grinste frech, während sie das Handtuch zusammen geknüllt erst einmal auf der Kombüsenzeile ablegte. Dann lehnte sie sich an und legte nachdenklich den Kopf schief. Wo fing man so eine Geschichte am besten an? Sie war nicht so eine grandiose Geschichtenerzählerin wie Lucien. Als ihr ihr Bruder einfiel, sah sie sofort wieder Richtung Deck. Es war nicht so, dass er auf einmal auftauchen würde, aber ihr fiel wieder ein, sie hatte ihn gar nicht so lange allein lassen wollen. Sie bekämpfte die kurze innere Unruhe, denn sie wollte das Gespräch mit Liam nicht einfach so abbrechen.

Die Noten sollen von einem begabten Musiker sein, seinen Namen hab ich aber leider vergessen, wenn er mir überhaupt gesagt wurde. Er soll während er dieses letzte Musikstück schrieb Note um Note wahnsinniger geworden sein und hat dann wohl auch nachdem er es fertig hatte seine gesamte Familie umgebracht. Danach hat er sein Haus angezündet und die verfluchte Melodie war während des ganzen Brandes zu hören, sogar noch leise, als das Feuer gelöscht war. Die Noten wurden von einem Dorfbewohner gefunden und als er versuchte die Melodie zu lesen, soll er ebenfalls verrückt geworden sein.“ Wäre jetzt dort draußen ein Blitz an ihnen vorbei gezuckt, wäre es stimmungsvoller gewesen. Stattdessen regnete es nur immer weiter. „Angeblich sollen bis heute Menschen nach diesen Noten suchen, um zu beweisen, dass sie sie singen oder gar spielen können. So hat es mir ein Seemann auf Kitar erzählt. Er meinte er hätte ein Dokument in einem alten Kloster gelesen und da wurde von den Noten der Verdammten berichtet. Das hat er mir auf sein Holzbein, seinen Bart, seinem Alkohol und seinem Leben geschworen.“ Talin zuckte mit den Schultern. „Ziemlich schwammig und seltsam, ich weiß, aber mit dieser Idee hat er mich angesteckt. Also habe ich angefangen danach zu suchen.
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#19
Das Funkeln in ihren Augen kannte er von sich selbst. Und zum ersten Mal vielleicht, seit er sie nun kannte, wirkte sie wie das junge Mädchen, das sie eigentlich war. Liam nahm diesen Umstand nur unterbewusst war und war viel zu sehr auf die Geschichte konzentriert, als dass er gerade Zeit gehabt hätte, über solche Nichtigkeiten nachzudenken. Er lachte, als sie seine Bezeichnung von eben wieder aufnahm, fuhr sich mit der rechten Hand locker durch die frisch trockengerubbelten Locken und deutete ein Schulterzucken an.

„Naja, was Flüche angeht habe ich mein Glück noch nicht testen können.“

Talin ahnte vermutlich nicht einmal im Entferntesten, wie viel Wahrheit dieses Mal hinter seinen Worten steckte. Doch der Lockenkopf selbst überging bereits automatisch den schmerzhaften Hintergrund, der in seinen Worten steckte und hing der Blonden förmlich an den Lippen, als sie fortfuhr. Seine Stirn legte sich nachdenklich in Falten. Natürlich waren derartige Geschichten immer haarstreubend, aber meist lag etwas Wahres im Kern. Und wenn man diese Wahrheit erst einmal gefunden hatte, war das Objekt der Begierde auch nicht mehr ganz so fern, wie es meistens schien.

„Hat er erwähnt, wo dieses Kloster war?“, war der vielversprechenste Anhaltspunkt, den er herausgehört hatte, während er noch immer überlegte, ob er irgendwann einmal etwas derartiges aufgeschnappt hatte.

Der Mittag neigte sich dem Ende, läutete den Abend ein und während der Regen weiterhin auf das Deck über ihnen prasselte, merkten die beiden gar nicht, wie die Zeit verflog und waren viel zu vertieft in die Dinge, die dort draußen womöglich auf sie warten konnten.


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